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Montag, 31. August 2026

Stau im Gebirge

Auf dem Schilthorn, der Zacken ganz rechts ist der Eiger mit der verschatteten Nordwand.
Hübsche Farbe: die Antriebsräder der Seilbahn.
Das Blüemlisalp-Massiv. Im Vordergrund leicht rechts der Mitte in Grün die Sefinenfurgge. (Foto: Ronja)
Eben machte ich mit Begleiterin Ronja einen Ausflug auf das Schilthorn. Seit bald einem Jahr ist es neu erschlossen; von Stechelberg gelangt man jetzt in drei statt wie bisher vier Seilbahn-Sektionen auf den Gipfel auf 2970 Metern über Meer. Hier ein paar Dinge und Beobachtungen:
Eine der Rolltreppen im Gipfelterminal.

  1. Atemberaubend ist die unterste Sektion von Stechelberg hinauf nach Mürren. Offenbar handelt es sich gar um die steilste Seilbahn der Welt.
  2. Schaut man in dieser Sektion rechterhand aus dem Fenster, sieht man in der senkrechten Felswand den Klettersteig Mürren-Gimmelwald. Ausgesetzter geht nicht. Krass, wie viele Leute dort unterwegs waren. Beim Einstieg in den Steig hatte sich eine riesige Schlange gebildet, Stau im Hochgebirge.
  3. Ich hatte im Gipfelrestaurant reserviert für 12 Uhr 30. Die arbeiten dort mit Slots, man soll bitte schön zur reservierten Zeit eintreffen. Taten wir. Bloss das Restaurant war nicht parat. Eine Riesenschlange hatte sich gebildet. Wir standen unten am Fuss der Wendeltreppe, die hinauf ins Restaurant führt. Die Schlange bewegte sich nicht. Um 12 Uhr 45 gingen wir wieder und assen später schön stressfrei in Zürich.
  4. Von der Panoramaterrasse hat man ein paar hundert Berge vor Augen. Mich erfreute etwas anderes noch viel mehr: Einigermassen nah konnte ich am Fuss des Blüemlisalp-Massivs die Sefinenfurgge ausmachen. Einen Pass, dessen Überquerung (von Gimmelwald bei Mürren zur Griesalp) mir in Erinnerung geblieben ist.
  5. Lauterbrunnen, wo man vom Zug auf den Bus nach Stechelberg zur Seilbahn umsteigt, ist ein Irrenhaus. So viele Leute sind dort unterwegs, dass der Bus kaum durch den Ort kommt. Die Berner Oberländer wollten Tourismus, jetzt haben sie, an gewissen Punkten jedenfalls, Overtourism.
    Schlange auf der Treppe zum Drehrestaurant.

Sonntag, 30. August 2026

Der Sockenverteiler

Gestern am Wandertag der "Schweizer Familie" in Gstaad verbrachte ich viel Zeit am Stand unserer Zeitschrift: Gespräche mit Leserinnen und Lesern, Auskunftgeben über das Tagesprogramm und dergleichen, Entgegennehmen ausgefüllter Wettbewerbstalons. Noch mehr Spass machte mir eine andere Tätigkeit: Ich verteilte Wandersocken. Hochwertige Ware vom Outdoor-Ausrüster rukka mit dem aufgeprägten SF-Logo. Ich weiss nicht, wie viele Paar ich ausgab. Aber jedenfalls hats jetzt draussen im Land jede Menge Leute mit neuen Socken, die ich ihnen überreichte. Irgendwie ein gutes Gefühl.

Samstag, 29. August 2026

Der Playboy

Das Grab von Gunter Sachs in Saanen BE, die Schrift auf dem Stein ist stark verblichen.
Saanens schön schlichte Dorfkirche.
Gunter Sachs war Spross einer Industriellenfamilie, Bobfahrer, Fotograf, Filmer, Kunstsammler; sein Urgrossvater war der Opel-Gründer Adam Opel. Als ich ein Bub war, tauchte Gunter Sachs oft in den deutschen Illustrierten auf, die die Welt der Reichen und Schönen vorführten; dort wurde er stets mit dem Beiwort "Playboy" bedacht. Mit der persischen Ex-Königin Soraya hatte er eine Liaison, mit der französischen Schauspielerin Brigitte Bardot war er drei Jahre verheiratet. 1932 in Deutschland geboren, war Sachs mit der Schweiz eng verbunden, seit er in St. Gallen das Internat "Auf dem Rosenberg" und dann im Engadin das "Lyceum Alpinum Zuoz" besucht hatte, um im Folgenden in Lausanne zu studieren. 2011 schied Gunter Sachs, damals seit Jahrzehnten auch Schweizer, in seinem Haus in Gstaad mit 78 aus dem Leben, er begründete den Suizid mit einer Alzheimer-Erkrankung. Auf dem Friedhof neben der Dorfkirche von Saanen ist er beigesetzt; gestern, als ich dort vorbeischaute, kam ich zum Grabstein.
Gunter Sachs im Jahr 1978.
(Foto: Christof Sonderegger /
ETH-Bibliothek / Wikicommons)

PS: Heute ist "Schweizer Familie"-Wandertag in Gstaad (Teil der Gemeinde Saanen, übrigens). Mit prachtvollem Wetter ist zu rechnen.

Freitag, 28. August 2026

Auf nach Gstaad


Wandern in Gstaad.
Vor wenigen Wochen war ich mit Fotograf Sébastien Anex in Gstaad. Wir realisierten als Vorschau auf den Wandertag der "Schweizer Familie", der dieses Jahr dort stattfindet, eine Reportage. Nun, morgen Samstag ist es soweit: Wandertag. Heute reise ich nach Gstaad, am Abend gibts ein Essen mit den Gastgebern der Ferienregion und Sponsoren, und morgen wird gewandert. Nun, hüstel, ich wandere eigentlich gar nicht. Dafür stehe ich am Stand der "Schweizer Familie" auf dem Festplatz parat, wenn Leserinnen und Leser ein Anliegen haben. Nun hoffe ich auf tolles Wetter (sieht gut aus) und viele gute Begegnungen.

Donnerstag, 27. August 2026

Mutter und Kind

Irgendwie herzig, finde ich. Oder bin ich einfach total verkitscht? Ich musste an ein Tiermami und ihr Tierbaby denken, als ich kürzlich im Bahnhof Luzern darauf wartete, dass mein Zug Richtung Sarnen abfuhr. Gleich gegenüber sah ich einen anderen Zug. Und vor ihm auf dem Perron das Zügli mit Auslagen der Zentralbahn.

Mittwoch, 26. August 2026

Ein neuer Express

Juli 2025 in Innerarosa bei der
Talstation des "Hörnliexpress". 
Ich musste auf den Bus warten.
Diesen Monat gaben die Arosa Bergbahnen bekannt, dass sie 67 Millionen Franken ins Hörnli-Gebiet investieren. Der grösste Teil der Geldsumme fliesst in zwei neue Bahnen. Insbesondere soll die Gondelbahn "Hörnliexpress" von 1986  ersetzt werden. Zudem soll statt der alten, parallel verlaufenden Sesselbahn eine neue gebaut werden. Die Inbetriebnahme der neuen Anlagen ist für Dezember 2028 vorgesehen.

PS: Warum zwei parallel laufende Linien von Innerarosa aufs Hörnli? Wer Ski trägt, nimmt lieber die Sesselbahn, weil er oder sie die Ski während der Fahrt nicht abnehmen muss.

Dienstag, 25. August 2026

Widmer läuft heim

Die rosa Kuh vom Vorderen Pfannenstiel.

Am Sonntagmorgen fuhr ich via Meilen auf den Vorderen Pfannenstiel. Das Restaurant war knapp nach neun Uhr schon offen, ich bestellte einen Kafi und einen Nussgipfel, worauf der Servierer sagte, man habe für diese Tageszeit nichts Essbares. Ich ging wieder, fand eine Viertelstunde etwas weiter oben bei der Hochwacht mein Glück: Kafi und Nussgipfel. Kalt wars auf der Terrasse, zehn Grad oder so. Aber bekanntlich wird einem beim Gehen warm. Via die Guldener Höchi, die Guldenenhalden, Hinter Guldenen zog ich im Folgenden hinab zur Forch. Wanderhalbzeit. Weiter gings über Kaltenstein, Wangen, Wis, Ifang, Schärrüti, die Zumiker Badi Juch, Gössikon, Hohfurren, und dann war ich auch schon daheim im Zollikerberg. Ist hübsch, nach Hause zu laufen, man braucht am Ende nicht auf irgendeinen Bus oder Zug für die Rückreise zu warten. Drei Stunden hatte bei 260 Höhenmetern aufwärts und 350 Höhenmetern abwärts die Tour gedauert. Abgesehen natürlich vom Kafi-Nussgipfel-Halt.
Sonntag um zehn auf der Guldener Höchi, noch ist alles schön still hier.
Der Greifensee, im Vordergrund die Forch.


Montag, 24. August 2026

Buddha und der Turner

Sieht er nicht aus wie von Menschenhand skulptiert? Blick vom Titlis zum sitzenden Buddha.
Kennen alle die Geschichte von Donghua Li und dem Buddha auf dem Titlis? Nun, wir hatten keine Ahnung von ihr, als wir kürzlich auf dem Aussichtsberg weilten und das Panorama genossen. Uns fiel dabei ziemlich in der Nähe ein Zacken auf, der uns an einen sitzenden Buddha erinnerte. Die junge Serviererin im Bergrestaurant sagte uns, ja, das sei der Buddha, er sei recht bekannt, seinetwegen würden immer wieder Leute anreisen. Zuhause googelte ich und fand dies heraus: Im Januar 1996 besuchte der schweizerisch-chinesische Kunstturner Donghua Li den Titlis. Und auch er sah die natürliche Felsformation, die, wie er später erzählte, von goldenen Sonnenstrahlen erleuchtet war; das sei der Buddha, verkündete er. Und wünschte sich in diesem Moment ganz heftig eine Olympiamedaille in den anstehenden Sommerspielen von Atlanta. Diese holte Donghua Li dann tatsächlich, am Pauschenpferd – Gold. Später wurde auf der Aussichtsterrasse des Titlis ein Schild angebracht, das an die Begebenheit erinnert. Wir sahen es freilich nicht, was heisst, dass wir es übersahen. Oder war es wegen der laufenden Bauarbeiten auf dem Gipfel abmontiert worden? Etwas anderes plagt mich viel mehr: Mir kam im Angesichte Buddhas nicht in den Sinn, dass ich mir auch etwas wünschen könnte.

Sonntag, 23. August 2026

Hochgeschwindigkeitshagel

Blick von der Alpwirtschaft Rittmarren Richtung Zürichsee.
Die Wirtschaft.
Der Zmittag.
Eine schmucke, höchstens mittelstrenge St. Galler Wanderung, die ich mit Freund M. am Mittwoch machte: von der Bushaltestelle Dorf in Kaltbrunn hinauf zum Bahnhof, weiter hinauf via Port nach Giegen, noch weiter hinauf auf den Axerberg. An diesem höchsten Punkt der Route auf 1142 Metern über Meer war im Wald ein ungeheuerlicher Lärm zu hören, es ratterte und donnerte schon von Weitem, und ich musste an den "Odysseus"-Film denken, der im Kino läuft; der Titelheld ist ja, derweil er mit seinen Gefährten heimwärts reist bzw. irrt, permanent mit Monstern und Bedrohungen aller Art konfrontiert. Nun, in unserem Fall kamen wir zu einem Kran, der ganze Baumstrünke in eine Verschrotungsmaschine hievte, die wiederum die Schnitzel auf einen Lastwagen spuckte unter schauerlichem Prasseln. War ziemlich eindrücklich – Hochgeschwindigkeitshagel. Nun, kurz darauf war wieder alles friedlich und erreichten wir die etwas tiefer aussichtsreich platzierte Alpwirtschaft Rittmarren. Dort assen wir ein Rindsgeschnetzeltes vom Hof und hielten danach hinab zum nahen Restaurant Bildhaus an der Rickenstrasse. Ein Bier für mich und Glace für M. beschloss auf der Terrasse die Tour. – Die Angaben: 3 h 35 min. 760 Hm aufwärts, 410 Hm abwärts.
Sie sind immer wieder schön.

Samstag, 22. August 2026

Seraina Cadonau?

Das Val Roseg, Unfallort.
(Foto: Adrian Michael / Wikicommons)
Der Kutschenunfall letzten Samstag im Val Roseg bei Pontresina hinterliess eine Tote, zwei Schwerverletzte, zehn Verletzte. Fotos zum Ereignis gibt es kaum, immerhin lieferte die Bündner Kantonspolizei eines, das die meisten Medien übernahmen. Einzig das kürzlich gestartete, in Hongkong domizilierte Medienportal We-News bot Bilder. Darunter eines, das die umgestürzte Kutsche im Schnee zeigt; an jenem Tag lag im Val Roseg aber kein Schnee – das Bild ist KI-generiert, ganz klar. Und auch die Artikelautorin, eine Person mit dem klingenden Bündner Namen Seraina Cadonau, ist wohl eine Kunstfigur. Das wenigstens vermutet das Schweizer Newsportal Infosperber, das dem seltsamen Newsanbieter aus Hongkong einen Artikel widmet und neben dem offiziellen Polizeifoto auch die Fakefotos zeigt.

Freitag, 21. August 2026

Luxus auf dem Titlis

Schöner Teller auf dem Titlis. (Foto: Ronja)

Die Steckdosen im teuren Restaurant sind spärlich und versteckt. Widmer sucht. (Foto: Ronja)
Der alte Sendeturm mit den neuen Querelementen.
Hitzeflucht war letzte Woche das Motiv des Ausflugs auf den Titlis. Der ist bis 2029 eine Baustelle, die neue Bergstation entsteht. Bereits vollendet ist seit wenigen Wochen die Ummodelung des 76 Meter hohen Sendeturms; die Basler Architekten Herzog & de Meuron haben ihm kreuzförmig zwei verglaste Stahlkörper sozusagen implantiert. Drei Dinge sind neu im Turm. Die Rolex-Boutique interessierte mich und meine Begleiterin weniger, immerhin schauten wir rein. Ergiebig fanden wir hingegen die Aussichtsplattform "Horizon Desk" ganz zuoberst. Die Aussicht ist uneingeschränkt und raubt den Atem; das Gleiche gilt für den Eintrittspreis, 19 Franken zahlt man. Attraktion Nr. drei im verwandelten Turm ist "Joseph's Restaurant". Dort ist gar nichts billig. Die Küche war aber auch fantastisch, ich hatte einen in Lärchenholz gebeizten Saibling, meine Begleiterin ein gereiftes Rindsentrecôte. Ob Luxusgastronomie die Bestimmung und Zukunft des Titlis ist: Das weiss ich nicht.
 
Ein Ausschnitt der Gebirgs- und Gletscherwelt rundum. (Foto: Ronja)

Ausländische Touristin mit einheimischem Restschneemann.

Donnerstag, 20. August 2026

Standseilbahn in Not

Hoch über dem Tal der Linth: ein entspannter Gast in Braunwald GL.
Das Dorf Braunwald im Kanton Glarus ist nur per Standseilbahn erreichbar. In den letzten Jahren lief es mit dem Tourismus nicht besonders, wozu auch die schneearmen Winter beitrugen; vor Wochen wurde bekannt, dass die Skilifte in der kommenden Kaltsaison nicht mehr fahren werden, Braunwald verabschiedet sich vom Skibetrieb. Mittlerweile ist klar, dass auch die Standseilbahn in Schwierigkeiten steckt, sie schreibt seit 2023 grosse Defizite. Diese Woche las ich, dass der Kanton einspringen muss, vorerst zahlt er 600'000 Franken, weitere staatliche Zuschüsse werden folgen. Denn ohne Standseilbahn ist Braunwald nun einmal tot.

Mittwoch, 19. August 2026

Vier Seen auf einen Streich

Das schönste Gewässer des Tages: der Seefeldsee, vom Abgschütz aus gesehen.
Abstieg vom Mittelpunkt der Schweiz Richtung Sachseln, der Anblick des Sarnersees motiviert.

Im letzten Eintrag erzählte ich vom Mittelpunkt der Schweiz auf der Älggi-Alp im Kanton Obwalden. Eigentlich wollte ich da gar nicht hin, als ich am Samstagmorgen auf Melchsee-Frutt früh startete. Mein Ziel war der Hochstollen, den ich vor mir hatte. Doch auf dem Abgschütz, einem Pass, fasste ich anderthalb Stunden später einen neuen Plan, dies schlicht darum, weil eine Riesengruppe junger Männer vor mir zum Hochstollen abbog. Auf dem Gipfel würde ich keine Ruhe finden, wusste ich und verspürte Unlust. Ich konsultierte den Abgschütz-Wegweiser, sah die Älggi-Alp als Ziel aufgeführt, voilà. Es folgte ein grober, wirklich sehr grober Abstieg zum Sachsler Seefeld durch eine geröllige Felsflanke: hohe Tritte, Ketten, Eisenbolzen halfen. Auf dem Seefeld wurde alles wieder leicht, und bald erreichte ich, eine Geländestufe tiefer, den Mittelpunkt der Schweiz. Was mich dort enttäuschte, habe ich gestern erzählt: Das Gasthaus war geschlossen. Mittlerweile wasserlos, trat ich den langen Marsch hinab nach Giswil oder Sachseln an; weil es gegen Westen zu nach Gewitter aussah, nahm ich nicht den Pfad durch das Tobel der Kleinen Melchaa. Zwei Stunden lang tippelte ich auf dem Strässchen, Autos fuhren praktisch keine vorbei. Ich fühlte mich schon ziemlich ausgetrocknet, als weit unten doch ein Auto kam und hielt. Ein junger Obwaldner lud mich auf, so fiel der Schluss meiner Wanderung komfortabel aus, in Sachseln rehydrierte ich im "Denner" – herrlich. Aber anstrengend war das durchaus gewesen: fast fünfeinhalb Stunden Gehzeit bei 430 Höhenmetern aufwärts und 1750 Höhenmetern abwärts. Und noch dies: Nicht zuletzt waren es die vier wunderbaren Seen und Seelein, die mir von dieser Route bleiben werden.
Zwei Stunden Hartbelag: das Strässchen, auf dem ich Richtung Sachseln marschierte.

Dienstag, 18. August 2026

Mittelpunkt geschlossen

Der touristische Mittelpunkt der Schweiz.
Das umlaufende Mäuerchen bildet die Umrisse unseres Landes nach.
Alles so schön flach hier: die Älggi-Alp.

O weh! Das Älggi-Gasthaus ist derzeit geschlossen.
Am Samstag erreichte ich, vom Sachsler Seefeld abgestiegen, die Älggi-Alp. Dort gibt es inmitten flacher Wiesenböden eine kleine Hügelkuppe; 1988 wurde sie als Mittelpunkt der Schweiz bestimmt, auch wenn dieser ganz genau genommen 500 Meter entfernt liegt – in den Felsbändern, die die Alp gegen Norden begrenzen. Auf der Kuppe zeichnen Weidemauern die Umrisse unseres Landes nach, auch eine Triangulationspyramide steht da. Und natürlich ist eine Feuerstelle eingerichtet. Ich fand das alles stimmig, war aber gleichzeitig ein wenig verstimmt. Denn das beliebte Gasthaus ganz in der Nähe war verrammelt, und ich hatte doch grossen Durst. Hofläden oder einen Selbstbedienungskiosk gibts an dem abgelegenen Ort nicht. Ein Schild an der Gasthaustür informierte, dass der Pächter krank sei. Später, wieder zuhause, las ich in der "Obwaldner Zeitung" die Hintergründe nach. Der Pächter hatte im letzten Dezember Konkurs angemeldet, aus Gesundheitsgründen offenbar und auch, weil Schneemassen die Terrasse zum Einsturz gebracht hatten. Der Mittelpunkt der Schweiz, er ist derzeit sozusagen geschlossen. Immerhin: Drei Sachsler haben sich zusammengetan und werden das Gasthaus übernehmen. Nächstes Jahr soll es wieder öffnen. Eine gute Nachricht.

Montag, 17. August 2026

Die Pinguinvision

60 Meter Spannweite: die Kuppel der Basler Markthalle.
(Foto: Alexandre Prevot / Wikicommons)
Immer wieder mal sah ich in der Nähe des SBB-Bahnhofs in Basel die riesige rote Kuppel. Letzte Woche habe ich es endlich geschafft, hinzugehen und mir den Bau anzuschauen. Die Markthalle, 1929 erstellt. Das Gewölbe der achteckigen Stahlbetonkuppel hat eine Spannweite von 60 Metern. Im Inneren der Halle war, wie es der Name ja ausdrückt, ein Grossmarkt untergebracht. 2004 zog er aus. Ein paar Jahre später startete die Halle neu, sie beherbergte nun ein Sammelsurium von Fachgeschäften von Mode über Bergsport bis Computer. Mittlerweile hat sich längst ein neues Konzept durchgesetzt. Die Markthalle ist ein Food Court, die Stände mit Verpflegung reihen sich. Zudem finden hier Kulturveranstaltungen statt. Hübsch finde ich eine Idee von 2006, die die Stadt bewegte, die letztlich jedoch verworfen wurde: Der benachbarte Zoo Basel hatte vorgeschlagen, in der Markthalle ein "Polarium" einzurichten für Tiere aus den Polargebieten. Originell wäre das schon gewesen, vom Bahnhof mal kurz hinzuspazieren und den Pinguinen einen Hausbesuch abzustatten.


Sonntag, 16. August 2026

Sattgesehen? Aber nein!

Blick vom Corvatsch zum Piz Bernina (das Massiv links der Mitte) und zum
Piz Roseg (der Zacken leicht rechts der Mitte). Ganz links der Piz Tschierva.
Der Silsersee (links) und der Silvaplanersee. Hinten die Gipfel der Julier- und Albulagegend.
Restgletscher ganz in der Nähe. (Foto: Ronja)
Die Anreise war lang. Vom Zollikerberg brauchte ich annähernd fünf Stunden. Doch schon der erste Blick von der Terrasse des Corvatsch auf 3300 Metern über Meer war es wert: In der Tiefe die Oberengadiner Seenplatte, rundum Berge in allen Formen, wir kamen nicht nach mit Benennen. Sattsehen kann man sich auf dem Corvatsch nicht. Aber sattessen sehr wohl. Wir spiesen gediegen im "3303", das als höchstes Restaurant Graubündens gilt.
Panorama, Panorama, Panorama: im Corvatsch-Restaurant 3303.
Auf der obersten Terrasse wars 8 Grad warm bzw. kalt.

Samstag, 15. August 2026

Was gilt jetzt?

Okay, ich versprechs hoch und heilig: Wenn ich hier Ware deponiere, dann nicht während der Öffnungszeiten. Bei uns im Zollikerberg gibts gleich bei der Bahnstation den Chramschopf, eine Brockenstube; dort fotografierte ich das doppeldeutige Plakat. Geöffnet ist der Freiluftmarkt mit alten Möbeln und vielem mehr in der Regel an Samstagen, der Erlös geht an wohltätige Einrichtungen.

Freitag, 14. August 2026

Rötelsamstag

Mein Rötel mit Gemüse und Kartoffelstäbli.
An gewissen Tagen ist das Leben einfach gut zu einem. Letzten Samstag fuhr ich mit dem Plan über den Ägerisee, mir das Morgarten-Schlachtdenkmal beim Buechwäldli anzuschauen. Und dann im Restaurant Buechwäldli gleich nebenan, einem bekannten Fischlokal, etwas zu essen. Fisch. Nun, mein Tisch auf der ansonsten pumpenvollen Terrasse war parat, als ich im Restaurant eintraf, bloss kam gleich die Wirtin und teilte mit, man sei überlastet, es laufe im Haus auch noch ein Bankett, ich müsse nach dem Bestellen sicher eine Stunde warten. Die Wirtin sagte das total nett, es war ihr gar nicht recht. Nun, wir trennten uns im Frieden, und mir fiel ein, dass zwei Bushaltestellen entfernt das Hotel-Restaurant Eierhals liegt, in dem ich noch nie war. Ich wechselte dorthin, es hatte genug Platz, ich wurde freundlich bedient, hatte bald einen Teller mit Zuger Rötel vor mir, einem Seesaibling. Schmeckte umso besser, als der Fisch aus dem Gewässer direkt vor meinen Augen stammte. Der "Eierhals" ist eines der wenigen Restaurants im Land mit einer eigenen Fischerei; was serviert wird, ist garantiert frisch, je nach Fang gibt es Egli, Felchen, Hecht, Seeforelle, Trüsche und – eben – Rötel. Der Betrieb hat im Übrigen eine tiefe Geschichte. Die Familie Merz lebt hier seit 1744, bauert und fischt, eröffnete 1891 ein Restaurant. Eines, das ich gern wieder aufsuchen werde.

Blick von der Bushaltestelle auf den "Eierhals".

Donnerstag, 13. August 2026

Aus der Hausapotheke

Ich habe Ferien, in der Wohnung ist es Tag für Tag brutal heiss. Wenns irgendwie geht, fliehe ich – in die Höhe, in den Schatten, ans Wasser. Wenn das mal nicht möglich ist, schwitze ich daheim vor mich hin. Greife aber auch immer wieder mal in meine, wie ich sie nenne, digitale Hauspotheke, Youtube. Gönne mir dort das eine oder andere Filmli aus kalten Regionen und Zeiten. Hier eines, das nachhaltig erfrischt, 13 Minuten lang ist es. Ein Mann und sein Hund kämpfen sich durch das Schneegestöber zu einer alten Hütte. Holzen, heizen, kochen, essen, schlafen, mehr ist da nicht. Aber wie gut das in meinem Fall wirkt!

PS: Falls es mit dem Klicken oben nicht klappt, hier der Link.

Mittwoch, 12. August 2026

Lautlos übers Wasser

Schon schön, im Elektro-Motorschiff über den Ägerisee zu gleiten, ein Windchen im Haar, die Landschaft schmuck, der Antrieb praktisch lautlos. Die E-MS Ägerisee ging 2003 als Motorschiff in Betrieb, wurde letztes Jahr auf Elektrobetrieb umgerüstet, kann 130 Personen fassen. Als ich letzten Samstag von der Schifflände Unterägeri zum Morgartendenkmal reiste, war sie vielleicht zu einem Drittel besetzt, herrlich, es gab Platz, und die Besatzung war so was von entspannt. Ich kann die Fahrt allen empfehlen, die sich entspannen und ein bisschen Frische tanken wollen.