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Montag, 25. Mai 2026

Die Dolmen von Laufen

Viel ist nicht übriggeblieben von den zwei Dolmen in Laufen bei der heutigen Katharinenkirche.
Ein Dolmen ist eine Grabanlage aus der Jungsteinzeit. Eine Kammer, gefügt aus behauenen Steinplatten. Im Kanton Basel-Landschaft gibt es diese Bauwerke an zwei Standorten: im Wald bei Aesch sowie am Rand der Altstadt von Laufen vor dem nördlichen Stadttor. Als wir kürzlich in Laufen loswanderten Richtung Blauen, hielten wir inne und linsten durch die Glassscheiben, die die Tausende Jahre alten Hinterbleibsel aus Kalkstein schützen. Gleich zwei Dolmen wurden an diesem Ort entdeckt, 1946 der eine, 2000 der andere. Froh waren wir um die Infotafel, die Anschaulichkeit schafft. Die Illustration zeigt jungsteinzeitliche Menschen. Nun, vor allem Männer. Im Hintergrund steht ein Dolmen, das Loch in der Fassadenplatte ist ein sogenanntes Seelenloch. Glaubten die Menschen der Steinzeit, dass die Seelen der Toten ausfliegen wollen? Das ist Spekulation. Das Loch könnte auch eine Art Durchreiche gewesen sein, durch das man Reste der Verstorbenen, eventuell skelettiert, im Grabinnern deponierte.

Dolmen-Szene auf einer Infotafel in Laufen.

Sonntag, 15. Februar 2026

Eine spezielle Brücke

Eine kleine grosse Attraktion am Wanderweg von Rüti ZH nach Rapperswil SG: die Naturbrücke im Waldstück Martinsbrünneli. Gestern Samstag besuchten wir sie und waren beeindruckt. Zustande kam die Naturbrücke so: Der – namenlose – Bach frass die Nagelfluh im Lauf der Zeit weg, wohingegen die höher liegende härtere Gesteinsschicht bestehen blieb. Um Appenzellergranit handelt es sich bei dieser härteren Schicht, womit ich beim "Tagi" wäre, der mich letzte Woche mit einem langen Artikel zum Ausflug inspirierte. Vor 16 Millionen Jahren ereignete sich im Gebiet der heutigen Schweiz ein gewaltiger Murgang. Eine zähflüssige Masse, eine Art Fels-Schlamm-Müesli, ergoss sich von den Alpen her, aus dem Raum Sargans, Richtung Norden. Am Ende bedeckte der Brei bei einer Höhe von zwei bis fünf Metern eine Fläche von rund 50 auf 50 Kilometer, diese Zone reichte in der Ost-West-Achse von Abtwil bei St. Gallen bis Feldbach bei Rapperswil. Die Masse verfestigte sich später und wurde hart wie Zement, so entstand der Appenzellergranit. Wie ich im Zeitungsartikel las, diente er als Baumaterial unter anderem für Eisenbahnbrücken. Wer die Naturbrücke beim Martinsbrünneli aus der Nähe sehen will: Sie findet sich circa zwei Kilometer nördlich von Jona und ist auf der Landeskarte eingezeichnet.

Dienstag, 9. September 2025

Eine feuchte Wohnung

Der Tüfels-Chäller bei Baden.
Mein Schlussbier im Städtchen Mellingen. 
Am Samstag wanderte ich von Baden via Fislisbach nach Mellingen, also von der Limmat an die Reuss; eine verhältnismässige kurze Unternehmung von zweieinhalb Gehstunden war das. Vieles gefiel mir, besonders aber der Tüfels-Chäller kurz nach Baden bei der Baregg, wo in prähistorischen Zeiten der Hang abrutschte – der Weg führt durch ein unübersichtliches, schattiges Waldstück mit Höhlen, mit vermoosten Nagelfluhbrocken und tiefen Mulden dazwischen; weil hier seit Jahrzehnten keine Bäume mehr geschlagen werden, liegt massenhaft Totholz herum. Gefiel mir bestens. Den Teufel traf ich leider nicht. Vielleicht hat ihn inzwischen der Lärm von der nahen Autobahn vergrault und er ist umgezogen. Oder dann kuriert er in irgendeiner Klinik das Rheuma aus, das er sich als Daueraufenthalter in dem feuchtelnden Keller zugezogen hat.

Samstag, 6. September 2025

Der Neffe, der Stein und die Pizza

1000 Kubikmeter sichtbarer Fels: der Pflugstein in Herrliberg ZH.
Stufen auf der Nordseite.
Der junge Mann auf dem Stein – das ist mein Neffe. Ein Kantischüler, der dieser Tage eine längere Arbeit schreiben muss über ein frei gewähltes Thema. Er entschied sich für Findlinge und fragte mich umgehend, ob ich ihm einen bestimmten Findling empfehlen und ihm auch ein paar grundlegende Dinge erklären könnte. Natürlich sagte ich ja, auch wenn ich kein Geologe bin; immerhin habe ich ein Buch geschrieben, in dem Findlinge prominent vorkommen ("Hundertundein Stein"). Am Mittwoch fuhren wir zum Pflugstein, der oberhalb von Erlenbach steht, knapp schon auf Boden der Gemeinde Herrliberg; er ist auf der Landeskarte übrigens eingezeichnet. Ihn hatte ich vor fünf Jahren für mein Buch besichtigt. Vor Ort erzählte ich dem Neffen vom Linthgletscher, der in der letzten Eiszeit nicht nur die gewaltigen Moränen links und rechts des heutigen Zürichsees anhäufte, sondern ganz nebenbei auch den Pflugstein deponierte, der in der Gegenwart als grösster Findling des Kantons Zürich gilt. Wir schauten ihn uns im Folgenden an, stiegen auf ihn, was man an einer Stelle darf, während andere Partien des Steins geschützt sind, weil dort seltene Moose, Flechten und Farne gedeihen. Dann, nach der Feldforschung, reisten wir retour nach Zürich und gönnten uns eine Pizza. Die war auch riesig.

Samstag, 17. Mai 2025

Visite beim Geburtstagskind

Le Landeron.
(Foto: JoachimKohlerBremen / Wikicommons)
Meine heutige Wanderung führt nach Le Landeron. Zu diesem Ort drei Dinge, die ich wissenswert finde:

  • Le Landeron liegt am Bielersee, ist aber nicht bernisch. Der Bielersee hat eine Neuenburger Ecke, Le Landeron gehört zum Kanton Neuenburg.
  • Den historischen Kern der Gemeinde als "Dorf" zu bezeichen, wäre eine ausgesprochene Grobheit. Le Landeron ist auf Französisch ein "Bourg". Ein Städtchen ist es, seit es früh schon das Stadtrecht bekam.
  • Dieses Jahr feiert Le Landeron seinen 700. Geburtstag. Die runde Zahl bezieht sich auf die Neugründung im Jahre 1325. Zuvor hatte es in der Nähe schon eine Marktstadt namens Nugerol gegeben. Die aber wurde aufgrund eines Konflikts mit dem Fürstbischof von Basel zerstört. Die Vorgeschichte von Le Landeron reicht noch viel weiter zurück, man fand hier Objekte aus der Pfahlbauzeit und römische Münzen.

Freitag, 3. Januar 2025

Goldenes Helvetien

CH steht für Confoederatio Helvetica, die helvetische Konföderation. Doch wer waren diese Helvetier, mit deren Namen sich unser Land schmückt? Gerade lese ich – ein Weihnachtsgeschenk – das Sachbuch "Helvetia und die Helvetier. Eine Spurensuche" von Felix Müller, Archäologieprofessor. Er legt sauber aus, was wir über die Helvetier von einst wissen. Hier nur ein Aperçu: Die allererste Erwähnung der Helvetier findet sich in einer Schrift des griechischen Autors Athenaios von Naukratis, der im zweiten Jahrhundert nach Christus in der Bibliothek von Alexandria alte Zitate über alle möglichen Dinge sammelte. Darunter auch eine Aussage des Universalgelehrten Poseidonios von Apameia, der ein Jahrhundert vor Christi Geburt Forschungsreisen unternahm und vom westlichen Mittelmeer aus Erkundigungen über die Völkerschaften im Norden einzog. Die Helvetier-Stelle bei Athenaios:

"In den entlegensten Teilen der Welt führen kleine Flüsse Goldstaub. Dieser wird von Frauen und körperlich schwachen Männern ausgesiebt und geschmolzen. Nach meinem Gewährsmann Poseidonios ist das bei den Helvetiern und anderen keltischen Stämmen üblich."

Hübsch. Das erste, was über uns Helvetier also bekannt ist: dass wir Gold wuschen. Tun wir, im Napfgebiet und anderswo, ja auch heute noch. Was die Schwächlichkeit angeht: Soviel ich weiss, ist Goldwaschen körperlich ziemlich anstrengend.

Freitag, 13. Dezember 2024

Widmer muss schwärmen

Weiher und Bäche machen diese Schaffhauser Strecke besonders schön.
Schloss Herblingen und eine Statue am Wanderweg.
Wen sie verkörpert, weiss ich nicht.
Eine Strecke, die mich letzten Sonntag von Anfang bis Ende begeisterte: von Schweizersbild am Stadtrand von Schaffhausen in zweieinhalb Stunden via Kaiserbuck, Wäier, Langloch, Kurzloch und Cherzestübli nach Lohn. Schweizersbild ist hässlich, eine chaotisch überbaute Gewerbefläche mit viel Verkehr. Charakterlos. Fünf Minuten später ist man in einem Täli, hat alles Üble hinter sich gelassen, ist an Bächen, Weihern, Auenflächen unterwegs. Höhlen gibts auch, vom Dachsenbühl habe ich gestern erzählt. Irgendwann taucht zur Linken in der Höhe Schloss Herblingen auf, am Wanderweg sind Statuen aufgestellt, was diesem Abschnitt etwas Nobles verleiht. Anschliessend gehts zuerst ins enge Langloch und dann ins noch viel engere Kurzloch, nicht verpassen darf man den Abstecher in die nördliche Hälfte des Kurzloches und retour, bevor man nach Lohn abzweigt; auf der Karte wird eine "Prähistorische Wehranlage" verheissen. In der Tat erheben sich im nördlichen Teil des Kurzloches auf beiden Seiten des Pfades hohe Felswände und ist dieses darum besonders gut abschirm- und verteidigbar. Letzter Knaller, bevor die Unternehmung in Lohn endet: das Cherzestübli, ein Aussichtspunkt, von dem man weit Richtung Nordosten schaut in den Hegau hinein, also auf deutsches Gebiet. Selten beging ich eine Route, die kurz ist und gleichzeitig derart viel bietet – Widmer kann nicht anders, Widmer muss schwärmen.
Engstelle im Kurzloch.

Beim Cherzestübli: Blick in den Hegau, Deutschland.

Donnerstag, 12. Dezember 2024

Magere Kost

Die Höhle Dachsenbühl wurde in der Prähistorie als Bestattungsplatz genutzt.
Die Höhle (r.) und die zugehörige Infotafel.
Am Sonntag kam ich am Rand der Stadt Schaffhausen bei Schweizersbild an der kleinen Höhle Dachsenbühl vorbei. Sie wurde vor 150 Jahren von einem archäologisch interessierten Arzt erforscht, der bei seinen Grabungen herausfand, dass die Höhle in der Jungsteinzeit als Bestattungsplatz genutzt worden war. Knochenvermessungen ergaben, dass die damaligen Erwachsenen nur so gross waren wie heutige Teenies im Alter von 12 bis 14. Dass die Menschen von einst so klein waren, um die 150 Zentimeter, gehe auf Mangelernährung zurück, stand auf der Infotafel vor der Höhle.

Donnerstag, 19. September 2024

Ich durchschritt das Höllentor

Die Porte des Enfers, Blick zurück.

Dinospuren in der Forêt des Enfers bei La Heutte.
Dieses Foto nahm ich vor Jahren auf, als das
Licht die Spuren plastischer machte als am Montag.
Am Montag reiste ich früh nach La Heutte, einem Dorf im Tal der Schüss unweit von Biel. Dort ging ich mir als erstes wieder einmal die Dinospuren in der Forêt de l'Envers anschauen. Dann zog ich mehr oder minder horizontal durch ebendiesen Wald zur Porte des Enfers, dem Höllentor; es ist plausibel, dass der Flurname auf einem Missverständnis beruht und ursprünglich "Porte des Envers" lautete, den Namen des Waldes aufnehmend. Das Höllentor stellte sich als Tunnel heraus, als Felsdurchbruch im steilen Hang vor mir. Was folgte, fand ich wunderschön: Mutterseelenallein, den Kragen hochgezogen gegen die Kälte, war ich anderthalb Stunden in einer Rinne zwischen zwei Jurakämmen unterwegs, im unteren Teil, "La Steiner", war's ausgesprochen feucht, Totholz lag herum, hoch wucherten Kraut und Farne, alles war mit Moos überzogen. Im oberen Teil, der passenderweise "Le Graben" heisst, führte ein Weg durch manierlicheres Weidegelände, ich sah einen Bauernhof – Menschen! Am Ende dieses Abschnitts zeigte sich in der Ferne der Chasseral, zehn Minuten später langte ich bei einer Bauernwirtschaft an, der Métairie de Gléresse. Die hatte zu, was mich nicht störte, ich fühlte mich an diesem Tag selbstgenügsam. Der folgende Abstieg war lang, aber leicht, via den Pont des Anabaptistes und Le Cernil hielt ich wieder hinab an die Schüss und beendete die etwas mehr als fünfstündige Unternehmung (820 Meter aufwärts, 770 abwärts) am Bahnhof Sonceboz-Sombeval. Der Schüss entlang gings mit dem Zug heimwärts.
Moos dominiert zwischen der Porte des Enfers und
Le Graben, dieses Gebiet heisst "La Steiner".

Die letzten Meter von "Le Graben", hinten zeigt sich der Chasseral mit der Antenne.
Die Strasse links führt zur Métairie de Gléresse. Diese hatte aber zu.

Donnerstag, 8. August 2024

Gut getimt

In die Felswand gebaut: das Berggasthaus Äscher.
In der einen der drei Wildkirchli-Höhlen lagerten einst prähistorische Jäger.
Das Ebenalp-Gasthaus (l.) und die Seilbahn-Bergstation.
Man schläft der Hitze wegen schlecht, wacht um vier Uhr morgens auf, beschliesst, wandern zu gehen, nimmt um 5 Uhr 22 im Zollikerberg den ersten Zug, ist schon um 8 Uhr 12 in Wasserauen AI, zieht sofort los und steigt via die Alp Bommen hinauf zur Ebenalp, einen Berg mit viel Aussicht und einer Seilbahn. Es war eine gute Idee, so früh zu starten. Das Berggasthaus Äscher in der Felswand unterhalb der Ebenalp gilt als Inbegriff eines von zu vielen Touristinnen und Touristen aufgesuchten Punktes; als ich um zehn Uhr ankam, war es aber bestenfalls halb voll. Herrlich, ich genoss es, wieder einmal im "Äscher" einzukehren, ein Stück Kindheit kehrte zurück. Und ich kam zum Schluss, dass das Wildkirchli, wie der Ort mit dem Gasthaus, dem winzigen Kirchlein und der Höhle, in der einst jagende Neandertaler lagerten – dass dieser Ort zu Recht als einer der schönsten oder gar als der schönste Ort der Schweiz gilt. Und ich war dort. Und hatte so ziemlich meine Ruhe. Alles eine Frage des Timings.
Weil der Ort so schön ist ... hier noch einmal das Gasthaus Äscher.

Donnerstag, 20. Juni 2024

Das Sonnenwunder

Sarnens Pfarrkirche steht nicht im Ort, sondern über ihm.

Heute ist Sommersonnenwende. In Sarnen lohnt es sich um dieses Datum herum, sich bei der Pfarrkirche frühmorgens aufzustellen und den Sonnenaufgang zu erleben. Die Sonne tritt über den Sattel zwischen dem Stanserhorn und dem Chli Horn hervor und erleuchtet mit ihren ersten Strahlen die Ostfassade der Kirche, derweil das Dorf unterhalb noch in der Düsternis liegt – ein Lichtwunder. Die Pfarrkirche steht, vermutet der Sarner Künstler Kurt Sigrist, der das Phänomen bekannt gemacht hat, auf einem vorchristlichen Kultort; seit einiger Zeit findet sich vor der Kirche eine Tafel, die das Phänomen erklärt. Hat jemand am Samstag Zeit? Um 15 Uhr findet in Sarnen vor besagter Kirche eine Veranstaltung statt, eine Sonnenwende-Feier mit kurzen Referaten.

Mittwoch, 3. April 2024

Starke Marke

Der war wirklich riesig: Brontosaurus.
(Tom Parker / Wikicommons)
Gewusst, dass die heutigen Vögel Nachfahren der Dinosaurier sind? Ich muss mir das immer wieder mal in Erinnerung rufen, wenn ich zum Beispiel eine Amsel oder ein Huhn sehe – Vorsicht, Widmer, geh nicht zu nahe ran! Gern komme ich hier noch einmal zurück auf den Besuch bei T-Rex (11,6 Meter lang, 3,9 Meter hoch) im Sauriermuseum Aathal am Gründonnerstag. Ich muss etwas anfügen: Als ich nach dem Besuch wieder zuhause war, las ich über T-Rex nach. Und war ein klein wenig enttäuscht. Ich hatte gedacht, das sei der grösste aller Dinos, die es je gab. Aber nein. Da waren ja einst auch Brachiosaurus und Brontosaurus, die beide gut 26 Meter lang wurden. Und Supersaurus war doppelt so hoch wie T-Rex. Und und und. Warum also ist T-Rex so berühmt und fasziniert alle? Ich glaube, es liegt am Namen. "Tyrannosaurus Rex" klingt einfach unnachahmlich furchterregend. T-Rex ist eine starke Marke.

Freitag, 29. März 2024

Aug in Aug mit dem Monster

Aathaler Selfie.
Gestern war ich mit der "Schweizer Familie" auf Teamausflug im Sauriermuseum Aathal, es wimmelte von Schweizer Familien, Kinder wuselten durch den labyrinthartigen Bau, in dem man mit Schauen eigentlich nie fertig wird, weil immer irgendwo noch ein Gang zu noch einem Raum mit noch einem Unterthema kommt. Wobei das ziemlich dezentrale Haus derzeit ein klares Zentrum hat. Einen Star. Letzten April ersteigerte eine belgische Stiftung in Zürich ein T-Rex-Skelett, das aus drei Tieren zusammengesetzt ist. Weil für das 4,8 Millionen-Franken-Knochengerüst in Belgien zuerst eine passende Bleibe gebaut werden muss, kam das Sauriermuseum Aathal im Zürcher Oberland zum Zug. Bis nächsten Januar darf es die 67 Millionen Jahre alte, 11,6 Meter lange und 3,9 Meter hohe Urzeitkreatur zeigen, der Zulauf ist riesig, es dürften wohl 20 000 Gäste mehr kommen als in einem normalen Betriebsjahr. Unter ihnen waren gestern wir, und also kann ich stolz sagen: Ich bin T-Rex tapfer entgegengetreten.

Dienstag, 26. März 2024

Vom Nil an den Rhein

Er brachte das alte Ägypten zum Sprechen:
Jean-François Champollion.

Als es  der Franzose Jean-François Champollion 1822 schaffte, die ägyptische Hieroglyphenschrift zu entziffern, wurde die Zivilisation der Pharaonen für Europa noch einmal attraktiver: Man konnte nun lesen, was auf Tempeln und Statuen eingraviert war, Ramses und all die anderen Herrscher begannen zu sprechen. Champollions Porträt ziert  im "Antikenmuseum Basel" den Eingang zur ägyptischen Sammlung. Letzten Freitag schaute ich mich in ihr um, nachdem ich zuvor im selben Museum die Iberer-Ausstellung besucht hatte. Eine Visite reicht nicht, das Präsentierte zu fassen, stellte ich fest. Erstaunlich, was da alles vom Nil an den Rhein geschafft wurde.
Särge aus der Pharaonenzeit im Basler Antikenmuseum.
Sandalen von damals.

Ramses II. als siegreicher Kriegsherr (links). In der Mitte ein Gefangener.
Rechts der Schöpfergott Amun, der Ramses anerkennend ein Sichelschwert überreicht.

Sonntag, 24. März 2024

Das Rätsel der Iberer

Die "Dama de Baza" (Baza ist ein Ort nah Granada). Die Statue
fand sich im Grab einer edlen Ibererin aus dem 4. Jahrhundert vor Christus. 
Spanien mit dem iberischen Siedlungsraum in Rot.
Er reichte zeitweise ins heutige Frankreich hinüber.

Iberische Halbinsel: Diese Bezeichnung kennen wir alle. Vom Volk freilich, auf das der geografische Name zurückgeht, wissen wir wenig. Vermutlich handelt es sich auch gar nicht um ein Volk, sondern um einen losen Verbund von Stämmen. Nun, jedenfalls ist die iberische Zivilisation im 4. Jahrhundert vor Christus auf ihrem Höhepunkt. Das und vieles mehr macht eine Ausstellung über die Iberer im Antikenmuseum Basel deutlich, die ich diese Woche besuchte. Grosszügig dotiert mit Leihgaben aus Barcelona, präsentiert sie Töpferei, Statuen, Stelen, beschriftete Gegenstände. Da stellt sich ein Problem. Es gibt drei iberische Schriftvarianten. Wie die Buchstaben klingen, kann man erschliessen. Bloss die daraus resultierenden Wörter und Sätze sind bis jetzt ein Rätsel geblieben, die iberische Sprache ist nicht erklärt und ergründet. Sie dürfte jedenfalls nicht indoeuropäisch sein. Wie die baskische. Bloss ist auch unklar, ob die beiden Sprachen verwandt sind. Eher nicht. Die iberische Kultur ging später in der römischen auf, verschmolz, verschwand. Immerhin ist uns als Erinnerung die "Iberische Halbinsel" geblieben.

Wenn wir das bloss lesen könnten: Grabstein mit iberischer Inschrift.

Donnerstag, 25. Januar 2024

Stilvoll essen in Schaffhausen

Der Speisesaal des ehemaligen Klosters Allerheiligen in Schaffhausen. Die Balken sind aus Föhrenholz.
Das Tor zum Kreuzgang.
Im mittelalterlichen Kloster wird der Speisesaal als "Refektorium" bezeichnet, das lateinische Wort bedeutet so viel wie "Ort, an dem man sich neu macht". Also sich erfrischt und stärkt. In der Schaffhauser Altstadt steht das ehemalige Kloster Allerheiligen, eine vor fast 1000 Jahren gegründete, in der Reformation aufgelöste Benediktinerabtei; in der zugehörigen Münsterkirche findet sich jene Glocke, die Friedrich Schiller zu seinem berühmten Gedicht "Das Lied von der Glocke" inspirierte. Zum alten Kloster gehört des weitern ein Kreuzgang. Vor allem aber ist auf dem Areal das "Museum zu Allerheiligen" untergebracht, das diverse Ausstellungen bietet: regionale Prähistorie, Naturkunde,  Kunst. Auch ist da die Sammlung Ebnöther mit Kunst vor allem aus Südamerika und Vorderasien, sie hat internationale Bedeutung. Unmöglich, sich in diesem Museum zu langweilen. Als ich mich am Samstag zur Sonderausstellung über das frühperuanische Volk der Moche im zweiten Stock begab, kam ich am Refektorium vorbei, das 1496 entstand. An langen Tischen nahmen in diesem riesigen Raum die Mönche schweigend ihre Mahlzeiten ein, ein Mitbruder las aus der Bibel – nun ja, die enthält auch sehr spannende Texte. Nachdem der Klosterbetrieb 1529 eingestellt worden war, nistete sich im Refektorium eine Schule für Bürgerknaben ein. Später unterteilte man den Raum und richtete Wohnungen ein. 1923 dann, als eine Renovation lief, stellte man das Refektorium wieder her. Hat sich gelohnt, finde ich.

Dienstag, 23. Januar 2024

Ein Glarner in Peru

Moche-Gegenstände, dokumentiert von Johann Jakob von Tschudi.

Johann Jakob von Tschudi.
(Foto: Wikicommons)
Johann Jakob von Tschudi, ein Glarner, war Linguist, Naturforscher, Zoologe und später in seinem Leben, das sich ganz im 19. Jahrhundert abspielte, auch Schweizer Botschafter zuerst in Brasilien und dann in Wien. 1851 publizierte er mit einem peruanischen Co-Autor die erste Kultur- und Kunstgeschichte des alten Peru, das Buch "Antigüedades Peruanas", das international beachtet wurde. Tschudi machte drei ausgedehnte Reisen durch Südamerika, beschäftigte sich mit der Tier- und Pflanzenwelt, den Relikten untergegangener Zivilisationen, der Ketschua-Sprache in Peru und Ecuador. Als junger Mann war er 1838, damals erst 20-jährig, in die Neue Welt aufgebrochen, um für die Universität Neuenburg eine naturhistorische Sammlung anzulegen. In der Ausstellung über die Kultur der Moche im "Museum zu Allerheiligen" in Schaffhausen (siehe Eintrag vom Sonntag) gibt es eine Tschudi-Ecke. In ihr wird der Mann vorgestellt samt Zeichnungen, die er im Siedlungsgebiet der Moche an der Küste Perus anfertigte.

Sonntag, 21. Januar 2024

Das Reich der Moche

So muss man sie sich vorstellen: zwei Moche-Männer.

Moche-Frau mit Kind.
Das römische Kaiserreich, der Aufstieg des Christentums, Roms Zusammenbruch, die Völkerwanderung und das frühe Mittelalter: Ereignete sich alles vom ersten bis achten Jahrhundert nach Christus, wir haben darüber in der Schulzeit so einiges gelernt. Doch wer waren die Moche? Nun, exakt in derselben Zeitspanne von 700 Jahren errichten sie – ihr Name wird übrigens spanisch ausgesprochen, "Motsche" – an der Nordküste Perus ihr Reich, einen kriegerischen Staat. Schriftliche Aufzeichnungen haben uns die Moche nicht hinterlassen, wohl aber ihre Keramikwaren, die von künstlerischer Meisterschaft zeugen und so einiges über diese Zivilisation verraten, die um 500 nach Christus blühte und am Ende von derjenigen der Inka abgelöst wurde. Wer mehr über die Moche wissen will, reist nach Schaffhausen und besucht das Museum zu Allerheiligen, dort läuft derzeit eine Ausstellung zum Thema. Während ich sie mir gestern anschaute, beschäftigte mich immer wieder die Frage der Gleichzeitigkeit: Was, wenn sich Römer und Moche gekannt hätten? Hätten sie sich bekämpft? Es ist anzunehmen. Und wer hätte gesiegt? Das bleibt offen. Sie wussten ja nicht einmal voneinander.

Zwei rätselhafte Skelettwesen, jedes mit einer Frau zur Seite. Das rechts bläst auf einer Flöte.
Beim Paar zur Linken ist, glaube ich zu erkennen, etwas Sexuelles im Gang. Beide
Keramikerzeugnisse sind Gefässe, daher (das gilt auch für die anderen Fotos) die Röhren.

Mittwoch, 10. Januar 2024

Die Keltenfestung über der Glatt

Auf dem Hügel Alte Burg, ein Wall mit zwei Gräben links und rechts ist deutlich zu erkennen.
Schweizmobil-Screenshot mit der Station
Glattfelden (oben rechts) und der Alten Burg (unten).

Südlich der Station Glattfelden erhebt sich in einer der Schleifen der Glatt ein 50 Meter hoher Nagelfluhhügel. Auf der Karte ist er als "Alte Burg" bezeichnet. Gemeint ist aber wohl keine Burg des Mittelalters, Mauerreste wurden jedenfalls keine gefunden, erklärt unten am Fluss eine Infotafel. Trotzdem konnte ich am Samstag, als ich mich auf dem Hügel umschaute, eine Verteidigungsanlage klar ausmachen, die dadurch entstand, dass man Gräben grub und den Aushub zu zwei parallelen Wällen anhäufte. Die primitive Festung stammt laut der Infotafel wohl aus vorgeschichtlicher Zeit und wird den Kelten zugeschrieben. Ich war beeindruckt, anderswo erkennt man von solchen Bauten im Gelände praktisch nichts. Hier aber wird die Prähistorie fassbar.
An der Glatt. Links sieht man als helles Band den breiten Weg auf den Hügel.
Blick von oben Richtung Norden.

Samstag, 26. August 2023

Armer behaarter Simpel

Der Wilde Mann auf dem
Wappen von Klosters.
(Wikicommons)
Die Gemeinde Klosters GR hat den Wilden Mann im Wappen. Die Vorstellung, dass draussen im Wald halb oder ganz nackte, gutmütige, bärenstarke Menschen leben, ist uralt. Sie findet sich in Wappen und mittelalterlichen Handschriften, auf Gemälden und Fresken; wer sich für das Thema interessiert, muss den Wikipedia-Artikel lesen, der tief schürft in der Geschichte, Mythengeschichte, Kunstgeschichte. Eine Idee fasziniert mich besonders: Es gibt in der Prähistorie, in der Steinzeit, jene Epoche des Wandels, als die Menschen vom Jagen und Sammeln aufs Bauern wechseln und sesshaft werden, was man "neolithische Revolution" nennt. Konservieren der Wilde Mann und die Wilde Frau – ja, die gibt es auch! – die Erinnerung an jenen entscheidenden Übergang bzw. an die, die ihn nicht vollziehen und lieber in der Wildnis verharren? Und eine Anschlussfrage, die auf das Alte Testament zielt: Ist eventuell auch Esau, der stark behaarte Simpel, der so gern auf die Jagd geht, während sein Bruder Jakob lieber zuhause bleibt, ein Wilder Mann? Jedenfalls hat Esau gegen das Ränkespiel des zivilisierten Zwillings keine Chance, er gibt sein Erstgeborenenrecht preis und lässt sich um den Segen des Vaters prellen.