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Freitag, 31. Juli 2026

Durst

Auf halbem Weg von Grandval BE auf den Mont Raimeux: Schutzhütte und Schatten.
Letzte Meter zum Gipfel (versteckt in den Bäumen). Die Weide würde gern wieder mal trinken.
Tiefblick während des Abstiegs ins Tal, aus dem wir kamen.
Widmer. Die Erschöpfung ist gespielt.
Und das Bier war himmlisch.
Was für eine tolle Landschaft, der Jura hat einfach Charisma. Am Mittwoch stiegen wir von Grandval im Berner Jura gut 750 Meter auf; Ziel war der  Mont Raimeux mit dem aparten Aussichtsturm, der bei mir seit Jahren unter Bröselverdacht steht, er ist ja doch schon mehr als 120 Jahre alt. Nun, wir erklommen das Betonding ohne Probleme, das habe ich gestern berichtet. Vom Gipfel stiegen wir alsbald wieder ab ins Nachbardorf von Grandval, Crémines. Ein Aufsteller, dass wir dort das Restaurant de la Croix Blanche offen vorfanden und um halb zwei Uhr zu einem Zmittag kamen, der erst noch günstig war: Rindsentrecôte mit Gemüse und Reis sowie einem Salätli für 22 Franken.

Was mir von der vierstündigen Unternehmung (750 Hm aufwärts, 725 Hm abwärts) auch bleiben wird: die Hitze. Wir hatten damit gerechnet, auf dem Raimeux in der Bergerie du Signal einkehren zu können. Aber sie war zu; dass das Restaurant du Raimeux de Crémines an diesem Tag geschlossen sein würde, hatten wir schon im Voraus gewusst. Die Folge der Beizenlosigkeit: Unsere Wasservorräte wurde knapp, in der letzten Stunde litten wir Durst. Ging aber schon. Leid taten mir die Kühe, die im staubigen, total ausgetrockneten Weidegelände des Raimeux unter den wenigen Bäumen dicht an dicht standen, bewegungslos, von den Fliegen geplagt. Arme Tiere. Wie gut es wir Menschen doch hatten: Unten in Crémines gabs kaltes Panaché-Bier. Selten habe ich so gierig getrunken.
In Crémines BE: Zmittag gut, alles gut.

Donnerstag, 30. Juli 2026

Ich kam durch, hurra!

Widmer auf halbem Weg zur Plattform des Raimeux-Aussichturms. Kollege A. ist schon oben.
Blick vom Turm nach Norden in den Kanton Jura.
Auf dem Mont Raimeux war ich in den letzten Jahrzehnten zwei Mal. Gestern bestieg ich ihn mit drei Freunden zum dritten Mal, das war schweisstreibend wegen der Hitze. Unsere Wanderung spielte sich praktisch ganz auf bernjurassischem Terrrain ab. Oben freilich, wo der Berg gegen Norden brüsk abbricht, erreichten wir die Grenze zum Kanton Jura; der Gipfelpunkt des Mont Raimeux, 1302 Meter über Meer, ist auch der höchste Punkt des Kantons Jura. Gut achteinhalb Meter höher gelangt, wer den Aussichtsturm von 1902 besteigt, der im Ersten Weltkrieg als Flieger-Beobachtungsposten diente. Keine Treppe, sondern eine mit einem Käfig gesicherte, 28-sprossige Leiter führt hinauf. Gut, wenn man nicht zu dick ist. Sonst bleibt man womöglich stecken. Ich kam durch, hurra!
Durch diese enge Öffnung gehts auch wieder runter.

Mittwoch, 29. Juli 2026

Ein Wiedersehen

Kollege Anex an der Arbeit, Regina Martin posiert im Atelier ihres Wohnhauses.
Heute erscheint in der "Schweizer Familie" meine zehnseitige Reportage über die Ferienregion Gstaad, Anlass ist natürlich der "Schweizer Familie"-Wandertag, der dieses Jahr – am 29. August – in Gstaad stattfindet. Mitte Juni war ich mit Fotograf Sébastien Anex vor Ort, wir schauten uns zwei Tage um, trafen einen ehemaligen Profiskirennfahrer, den Geschäftsführer der örtlichen Molkerei, eine frohe Wanderfamilie, beschauten uns Landschaften und liessen die Drohne steigen. Besonders freute mich die Begegnung mit Regina Martin – es war ein Wiedersehen. Sie, die Scherenschnittkünstlerin, eine Bauerntochter aus dem nahen Lauenen, hatte ich vor neun Jahren auf einer Medienreise kennengelernt. Am Wandertag wird sie an einem Stand auf dem Festplatz demonstrieren, wie ein Scherenschnitt zustandekommt. Wer Lust hat, darf unter ihrer Anleitung selber zur Schere greifen und ausprobieren.

Dienstag, 28. Juli 2026

Boubétch?

Das Wappen von Valbirse BE. Es zeigt den Fluss Birs und die grünen Juraberge;
die Sterne stehen für die drei früheren Gemeinden, die sich zusammenschlossen.
Drei bernjurassische Gemeinden, Bévilard, Malleray und Pontenet, schlossen sich 2015 zu einer neuen Gemeinde zusammen: Valbirse. Ein kleines Problem ist noch ungelöst: Wie sollen die Einwohnerinnen und Einwohner von Valbirse heissen? Im Rahmen einer behördlichen Umfrage wurden 55 Vorschläge gesammelt. Ein Komitee hat drei von ihnen ausgewählt, Ende September wird abgestimmt, welche Bezeichnung in Zukunft gilt. Zur Auswahl stehen:

  1. Valbirsiens/Valbirsiennes.
  2. Valbirsois/Valbirsoises.
  3. Boubétch. Diese Variante geht zurück auf einen alten Spitznamen für Pontenet. Wäre seltsam, wenn sie obsiegen würde, da sie sich ja nur auf eine der drei vormaligen Gemeinden bezieht.

Montag, 27. Juli 2026

Zoll einst, Zoll heute

Markantes gelbes Haus in Cantine di Gandria: Im einstigen
Grenzwachtposten ist das Schweizerische Zollmuseum einquartiert.
Im Vorgarten des Museums ausgestellt: Schlagbaum mit Unterstand.
"Meine Schwester hiess Elvezia. Sie trug
den Namen des Landes, das uns aufgenommen hat."
Hart an der Grenze zu Italien findet sich in Cantine di Gandria am Luganersee ein hübsches Stück Eidgenossenschaft. Das Schweizerische Zollmuseum, in einem ehemaligen Grenzwachtposten untergebracht, ist Teil des Bundesamtes für Zoll und Grenzsicherheit und wurde 1943 gegründet. Das Haus ist reich dotiert, stellten wir letzte Woche bei unserem Besuch fest. Es zeigt die Lebenswelt der Zöllner von einst, die – zum Beispiel am Luganersee – den Schmugglern nachjagten, dokumentiert aber auch, wie heute, etwa im Basler Rheinhafen, gearbeitet wird. Es gibt einen Raum, der sich dem Zweiten Weltkrieg widmet, und eine Fotoausstellung zur internationalen Migration in der Gegenwart. Plus dokumenieren Fundstücke, etwa Elefantenstosszähne, das Engagement für den Artenschutz, also gegen die klandestine Einfuhr illegal erjagter Trophäen. Wirklich gut, dieses Museum. Bis 18. Oktober ist es geöffnet, der Eintritt ist gratis.

Büroarbeiten.

Artenschutz: Elefantenstosszähne und andere sichergestellte Dinge.

Sonntag, 26. Juli 2026

Ruhe am Luganersee

Im Grotto Descanso ist es nie heiss.
Schön, hier gegessen zu haben.

Die grillierte Luganigha hatte einen feinen Zimtgout.
Am Freitag fanden wir am Luganersee unser Traumgrotto. Cantine di Gandria liegt gegenüber Gandria und war früher der Ort, wo der Wein von Gandria in Kellern ("Cantine") gelagert wurde. Ob das heute noch so ist, kann ich grad nicht sagen. Hin kommt man nur mit dem Schiff, gemütlich und schön ruhig – Elektroantrieb – fuhren wir von Lugano aus übers Wasser. Das Grotto Descanso ist im Schatten platziert, gegenüber sieht man den Monte Brè und den Monte Boglia, ein kühles Windchen umweht einen, man möchte eigentlich gar nicht mehr fort. Wobei wir doch froh waren, früh dran zu sein: Als wir gegen zwei Uhr Nachmittags aufbrachen, hatte sich die Terrasse ziemlich gefüllt; viele Leute reisen, stellten wir fest, mit dem privaten Motorboot an. Sehr gut war das Essen gewesen, ich hatte eine Luganigha vom Grillblech mit Polenta, meine Begleiterin Polenta mit einem Steinpilzragout, dazu tranken wir einen leichten Roten aus Ascona. Angesichts der Wetterprognose, die die nächste Hitzewelle ankündigt, würde ich am liebsten die nächsten Wochen Tag für Tag im "Descanso" einkehren. Dessen Name ist spanisch und bedeutet "Ruhe", "Pause", "Erholung". Er geht auf einen Mann aus Lugano zurück, der in der Jugend nach Südamerika ausreiste und später in die alte Heimat zurückkehrte. Als Ruheständler eben.

PS: In Cantine di Gandria besuchten wir das Schweizerische Zollmuseum. Davon erzähle ich in einem eigenen Eintrag.

Der Kapitän steuert ...
... Cantine di Gandria an.

Samstag, 25. Juli 2026

Büne und Lukas


Wir fuhren im vordersten Waggon des Zuges "Gurten" von Einsiedeln hinab nach Wädenswil, und mir fiel der etwas kryptische Spruch in Grossbuchstaben neben der Kamera auf: "Lukas the Lokomotivführer is watching you!" Ich fand ihn ein wenig launig, weswegen die Anspielung auf die Jim-Knopf-Geschichten, in denen der Lokführer Lukas heisst? Erst beim Aussteigen realisierte ich dann, dass der Waggon mit vielen anderen Dingen verziert ist, mit Bildern vor allem. Der Berner Büne Huber, "Patent Ochsner"-Sänger und Künstler, steht dahinter; er durfte für die Südostbahn den Waggon gestalten.

Freitag, 24. Juli 2026

Durch den Bannwald

Noch 45 Minuten bis Zwüschetmythen, in diesem oberen Teil des Aufstiegs gibt es ...
... beeindruckende Rüfen mit Geröll.


Widmer bei der "Brunni Lodge".
Fast 1000 Höhenmeter aufsteigen, aus dem Flachland, an einem Julitag? Kein Problem, wenn man es zu einem guten Teil im Wald tut, in diesem Fall dem Mythenbann, der den Flecken Schwyz vor Lawinen und Rutschen schützt. Ging – vorgestern wars – gut, wir hatten keine Probleme. Der Weg ist steil, wird im oberen Teil ein wenig abenteuerlich, es gilt ein paar Geröllrüfen zu queren. Wunderbar dann die Ankunft auf dem Pass Zwüschetmythen, der seine eigene Verortung im Namen enthält: Er findet sich auf 1437 Metern zwischen dem Grossen und dem Kleinen Mythen. Schwyz liegt einem zu Füssen, die Berge reihen sich, besonders nah sind der Fronalpstock, der Niederbauen und die Rigi Hochflue. Vergleichsweise leicht fiel der Abstieg aus, eine Stunde brauchten wir via die Alp Zwüschet Mythen nach Brunni, wo der Bus nach Einsiedeln fährt. Mit deftiger Kost, in meinem Fall einer Bratwurst, endete in der "Brunni Lodge" die Tour in voller Zufriedenheit.
Gehzeit knapp vier Stunden, 960 Hm aufwärts, 425 Hm abwärts.

Auf Zwüschetmythen, unten der Talboden mit Schwyz, Brunnen und dem Vierwaldstättersee,
ganz links der Fronalpstock, ganz rechts die Rigi Hochflue.

Donnerstag, 23. Juli 2026

Virtuelles Kraxeln

Hier könnte mehr laufen, findet das Unternehmen:
die Station Eigergletscher der Jungfraubahnen.
(Foto: TurkAviator / Wikicommons)
Fast 200 Millionen Franken Umsatz machten die Jungfraubahnen letztes Jahr mit dem Jungfraujoch. Da liegt noch mehr drin, findet das Unternehmen; es fokussiert deswegen auf die Station Eigergletscher, den Umsteigeknoten auf halber Strecke. Dort soll, so die neusten Pläne, ein Museum entstehen, das die Eigernordwand mit einer Multimediashow quasi erlebbar macht. Plus ein asiatisches Restaurant mit 200 Plätzen. Naturschutzorganisationen sind dagegen. Und weil ein Gebietsabtausch der Gemeinden Grindelwald und Lauterbrunnen nötig wäre, die bei der Station Eigergletscher aneinandergrenzen, kann Grindelwald in den laufenden Verhandlungen Druck machen. Es will, dass die Jungfraubahnen Geld für die Lösung der Verkehrsprobleme im Dorf aufwerfen – erst dann würde man Hand zum Abtausch bieten. Kommt das Museum, könne der Gast durch die Eigernordwand kraxeln, verheisst der Jungfrau-CEO auf der Newsplattform von srf.ch. Virtuell kraxeln, versteht sich.

Mittwoch, 22. Juli 2026

Maloya, mit Y

Die Busverbindung Kienberg–
Gelterkinden auf sbb.ch.
Im Postauto kam ich am Samstag an der Haltestelle "Gelterkinden, Maloya" vorbei. Der Name weckte in mir Erinnerungen – genau, Autoreifen. Das Unternehmen in Gelterkinden BL startete 1936 als Velopneu-Fabrik, der Inhaber war Bündner, daher nannte er seine Erzeugnisse Maloja; später wurde daraus Maloya mit Y. Ab 1949 stellte man auch Motorrad- und Autoreifen her. 1993 kam das Ende der Produktion in der Schweiz, die Pneufabrik war mit ihrem Standort im Hochlohnland nicht mehr konkurrenzfähig. Die Marke ist geblieben und gehört heute einem indischen Reifenproduzenten.

Dienstag, 21. Juli 2026

Meine Solothurner Forelle

Forelle grilliert. Mundete.
Was für ein Oäschen! Am Samstag beendete ich meine Jurawanderung an der Bushaltestelle in Kienberg SO noch nicht ganz. Vielmehr ging ich 500 Meter weiter, folgte dabei  der Strasse Richtung Wittnau. Ein Trottoir gabs nicht. Bei einer Sägerei erreichte ich den "Forellenhof". Der Name enthält das Programm, hier kann man im hauseigenen Teich, aufgestaut aus dem Dorfbach, nach Forellen fischen. Oder man lässt sich eine Forelle gekocht vorsetzen. Was ich tat. Meine Bestellung führte dazu, dass die Serviererin zum Teich eilte und eine Forelle aus dem Wasser hievte. Die bekam ich 20 Minuten später vorgesetzt. Sie war  – Variante grilliert – sehr gut. Sodass ich nicht nur satten, sondern auch zufriedenen Bauches heimreisen konnte.
Blick über den Fischteich nach Süden. Links gleich neben der
Schweizerfahne ist winzig der Turm der Pfarrkirche von Kienberg auszumachen.

Der "Forellenhof" ist ein perfekter Ort für den Wanderzmittag.

Montag, 20. Juli 2026

Nächstes Mal bringe ich die Machete mit

Wo ist hier der Weg? Im Burggraben oberhalb von Lostorf.
Blick vom Jura-Höhenweg nach Westen.
Am Samstag startete ich bei der Mineralquelle von Lostorf SO, wo unter anderem die Hausmarke des Grossverteilers Lidl abgefüllt wird. Weitläufig das Areal, in einer Gewerbehalle sah ich gestapelte Harasse. Ein paar Meter höher im Hang passierte ich anschliessend das zerfallende Bad Lostorf (Eintrag von gestern). Danach drehte ich nach Westen, kam ins Tälchen des Schwandenbaches, aus dem ich bald nach Norden abbog. In die Höhe. Im dichten Wald ging ich nun abseits des offiziellen Wanderwegnetzes. Mein Weg durch den Burggraben, gestrichelt auf der Landeskarte eingezeichnet, war aber gut, wenn man von wenigen Stellen absieht, an denen Buschwerk und Pflanzen mir buchstäblich über den Kopf wuchsen. Nach einer knappen halben Stunde erreichte ich den Jura-Höhenweg, der Rest war easy: via die Schafmatt, die Sternwarte Schafmatt, Oberer Sennhof, Unterer Sennhof kam ich nach Kienberg SO und beschloss dort die Wanderung nach etwas über drei Stunden (530 Höhenmeter aufwärts, 470 Höhenmeter abwärts). Tolle Route, finde ich. Was die paar verkrauteten, überwachsenen, verbuschten Wegstellen im ersten Drittel angeht: Das nächste Mal bringe ich eine Machete mit.
Die Sternwarte Schafmatt.

Letzte Meter zur Pfarrkirche von Kienberg. Leider fand ich sie verschlossen vor.

Sonntag, 19. Juli 2026

Der Zauber von Ruinen

Manche sprechen von "Schandfleck". Aber ein verfallender oder schon ganz ruinierter Ort hat ja auch etwas Faszinierendes – einen speziellen Zauber. Eine Endzeit-Aura. Mir gefällt der Begriff "lost place" daher besser. Hier zwei "lost places", an denen ich dieses Jahr vorbeikam, beim ersten ist es mehrere Wochen her, beim zweiten wars gestern.

  • Seit 23 Jahren steht die Autobahn-Raststätte Walensee bei Mühlehorn GL leer. Von der Autobahn ist sie längst nicht mehr ansteuerbar. Kürzlich las ich, dass die Liegenschaft einen neuen Besitzer hat; tatsächlich betätigten sich Arbeiter auf dem Dach, als wir sie passierten. Und plötzlich gibt es Projekte oder doch Visionen: Diesen Sommer soll gemäss der "Südostschweiz" hier ein Musikvideo gedreht werden. Und für den Herbst sind Konzerte angesagt. Später könnte ein Café eingerichtet werden. Wir werden sehen.
    Gibts hier bald Livemusik? Die ausrangierte Raststätte Walensee bei Mühlehorn.

  • 2002 wurde das Bad Lostorf am Südrand des Solothurner Juras stillgelegt. Das tat vielen weh, immerhin hat das Bald als Heilbad eine Geschichte, die bis ins später Mittelalter zurückreicht. Derzeit gammelt es vor sich hin, einzig in einem Trakt wird offenbar gewohnt. Letztes Jahr machte sich die Gemeinde Lostorf daran, eine Arbeitsgruppe zu bilden. Sie soll, so das "Oltner Tagblatt", Projekte entwickeln und Kontakte zu Investoren herstellen. Am Ende müsste allerdings die Firma, der das Areal gehört, mitziehen. Wir werden sehen.
    Die Sprayer und Sprayerinnen lieben das stillgelegte Bad Lostorf, soviel ist klar.
    Gebadet wird hier schon lange nicht mehr.

Samstag, 18. Juli 2026

Wir sahen rot

Flumserberg halt: Verrucano im Abschnitt Winkelzahn–Seebenalp.
Loop der Rodelbahn Floomzer beim Tannenboden.
Mein Sandwich.
Am Mittwoch wanderten M. und ich am Flumserberg, von der speziellen Schönheit der Seebenalp mit ihren drei Seen und dem zackigen Sächsmoor am nahen Horizont habe ich gestern erzählt. Hier die ganze Route, für die wir knapp drei Stunden brauchten bei 690 Höhenmetern aufwärts und 60 Höhenmetern abwärts: Tannenboden, Gondelbahn–Winkelzahn–Seebenalp–Heusee–Grueb–Zigerfurgglen–Maschgenkamm. Wieder einmal übertrumpfte die Landschaft bei weitem die Hässlichkeit der Ski- und Freizeitanlagen, wieder einmal bezauberte uns der rote Verrucano, aus dem die Gegend gebaut ist – märchenhaft, dieses Gestein. Wer eine imposante Route sucht: Diese kann ich empfehlen. Samt dem Snack am Ende: Neun Franken nur bezahlte ich für das grosszügig mit örtlichem – chüschtigem! – Alpkäse gefüllte Knusperbrot auf dem Tannenboden im "Colors". So beschloss ein wirklich gutes Sandwich unsere Wanderung.
Zwischen Grueb und Zigerfurgglen: Auf dem Kamm zeigt sich die Bergstation Maschgenkamm.

Talfahrt vom Maschgenkamm zum Tannenboden, es fängt an zu regnen.

Freitag, 17. Juli 2026

Drei Seen und der Sächsmoor

Auf der Seebenalp, im Wasser des Grosssees spiegelt sich der Sächsmoor.
Das Wasser ist rot wegen des roten Verrucanogesteins.
Der Schwarzsee war auch schon grösser.
Heusee mit Ente.
Die Seebenalp, erreichbar in leichten 90 Wanderminuten ab Tannenboden, ist mit Sicherheit einer der schönsten Orte auf dem Flumserberg. Drei Dinge sind es mindestens, mit denen ich das belegen kann, nachdem ich am Mittwoch wieder einmal dort war.

  1. Das Berghotel auf 1620 Metern über Meer. Der gemütliche alte Kubus, grünes Dach, grüne Fensterläden, wurde 1906 gebaut als Erholungsort für Leute mit Atemproblemen und Lungenkrankheiten. Belle Epoque im Sarganserland.
  2. Der Sächsmoor. Was für ein Zacken! Man hat ihn auf der Seebenalp direkt vor Augen und findet, dass man ihn getrost den kleinen Bruder des Matterhorns nennen darf.
  3. Die drei Seen. Den kleinsten, den Schwarzsee, fanden wir geschrumpft vor. Eine Folge der Hitzewelle, nehme ich an. Im grössten, dem Grosssee, gibt es Hechte, erzählte uns ein Angler. Charmant der Heusee. Auf dem Weg zu ihm und um ihn mussten wir gut aufpassen beim Gehen. Hunderte winziger brauner Frösche, kaum grösser als ein menschlicher Daumennagel, waren unterwegs. Was die wohl antrieb?
    Noch einmal der Grosssee mit dem Berghotel Seebenalp (rechts hinten).
    Im Hintergrund zur Rechten ein Teil der Churfirsten.

Donnerstag, 16. Juli 2026

Die Marche de rupture

Ein Foto vom letzten Jahr: auf dem Platz vor der Kathedrale in Santiago de Compostela. 
Jakobswandern als Kinostoff: das Filmplakat. 
Seit ich letztes Jahr auf dem spanischen Jakobsweg für eine Reportage unterwegs war, bin ich von diesem fasziniert. Ehrensache, dass ich mir – diese Woche wars – im Kino den französischen Spielfilm "Compostelle" anschaute. Der erzählt von einer entlassenen Lehrerin, die einen jugendlichen Straftäter auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela begleitet. In Frankreich nennt man das eine "marche de rupture" oder "marche éducative", gemeint ist ein Marsch, der aus dem Alltag reisst und erzieherisch wirkt. Ein Richter, eine Richterin kann die Jakobsroute einem jungen Menschen als Alternative zu einem Gefängnisaufenthalt anbieten. So zottelt das ungleiche Paar, der Delinquent und die ihm behördlich zugeordnete Begleiterin, also los. Von der Mühsal des Langstrecken-Wanderns ist nicht viel zu spüren, dafür sind die grossartigen Landschaften Südfrankreichs und Nordspaniens mit der Drohne genial eingefangen. Die Handlung ist von Kitsch durchsetzt und sprunghaft. Wenn ich am Ende doch zufrieden aus dem Kino ging, dann darum, weil es im letzten Viertel doch einen entscheidenden Bruch gibt – die Geschichte nimmt eine sehr unerwartete Wendung. Also: Widmer gäbe nach Schweizer Schulsystem die Note 4,75 und empfiehlt den Besuch durchaus.

Mittwoch, 15. Juli 2026

Der Gewerbepolizeipalast

Schöner Wohnen: die Villa Hohenbühl  beim Bahnhof Stadelhofen in Zürich.
Man ist tausend Mal vorbeigefahren und hat nie richtig geschaut. Und dann wird eines Tages die Stadtzürcher Endhaltestelle der Forchbahn wegen Bauarbeiten vom Stadelhoferplatz 50 Meter Richtung Hegiplatz verschoben – und plötzlich nimmt man, an der Kreuzbühlstrasse stehend und auf den Zug wartend, die prächtige Villa wahr, die erhaben im Hang über den Geleisen am Bahnhof Stadelhofen steht. Das war am Sonntag. Die Villa Hohenbühl, auch "Villa Wegmann", ein Neorenaissancepalast, wurde 1889 fertiggestellt, hier residierte Friedrich Wegmann, 1832–1905, Erfinder, Müller, Industrieller, der sein Vermögen einem selbstkreierten und patentierten Porzellanwalzenstuhl für die Müllerei verdankte. Porzellanwalzenstuhl? Hm. 1949 erwarb die Stadt Zürich das Anwesen, lange mietete die Kantonsschule Stadelhofen es, mittlerweile ist im Rahmen einer Zwischennutzung die Gewerbepolizei einquartiert. Ich sags ja immer: In der Verwaltung sollte man arbeiten.

Dienstag, 14. Juli 2026

Oberstes Dorf und Ödland

Zelle der Zivilisation: das Kloster Disentis.
Als wir letzten Samstag den Vorderrhein hinauffuhren, dachte ich, dass zwei Ortsnamen in der Kombination eine stimmige Episode zur Besiedlung der Talschaft enthalten. Sumvitg ist gleich summus vicus, höchstes Dorf. Sumvitg war somit als oberster Vorposten am Vorderrhein schon da, als noch etwas weiter oben das Kloster Disentis gegründet wurde; Disentis hat zu tun mit desertus, was verlassen bedeutet. Genau das fanden die Klosterpioniere im achten Jahrhundert dort vor: ödes Land. Was die Dörfer noch weiter hinauf zum Oberalppass, Sedrun etwa, betrifft: Sie gehen auf das Kloster zurück.