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Dienstag, 23. April 2024

Das Lichtspiel von Ingenbohl

Die Decke der Klosterkirche Ingenbohl. (Foto: Ronja)

Das Kloster Ingenbohl.
Am Samstag wanderten wir auf dem Jakobsweg, das Wetter war schlecht, darum hatten wir einen kurzen Abschnitt ausgewählt: Schwyz–Brunnen. Hab ich vorgestern erzählt. Wir sahen und erlebten aber doch erstaunlich viel, einmal abgesehen vom Besuch der Ausstellung über Kinderarbeit im "Forum Schweizer Geschichte Schwyz". Wir kehrten zum Beispiel drei Mal ein. Im altehrwürdigen Café Haug in Schwyz. In der Hafenbar "Haddock" in Brunnen, einem Etablissement, das natürlich nach der "Tim und Struppi"-Figur Kapitän Haddock benannt ist. Und bald darauf liessen wir uns im Restaurant des Schiffs nieder, das uns von Brunnen nach Luzern trug, und genossen zwei Stunden lang das Vorbeigleiten der Gestade des Vierwaldstättersees. Wieder zur Wanderung: Doch, sie war vielfältig. Wir passierten unter anderem den Hauptsitz des Sackmesserherstellers Victorinox in Ibach. Auch waren da am Weg acht Kirchen und Kapellen. Am besten gefallen hat mir, denke ich auch drei Tage danach, die Kirche des Klosters Ingenbohl. Dessen diverse Gebäude wirken düster. Die Kirche aber, erbaut vom Architekten Karl Higi, mochten wir – halt, ich mochte sie, bei den anderen Leuten im Grüppli bin ich mir nicht so sicher. Der verwinkelte Grundriss tat es mir an. Und die Inszenierung des Lichts, das durch die kolorierten Fenster in der Decke einfällt.
Das Innere der Klosterkirche.

Montag, 22. April 2024

Die Winterattacke

Gestern kurz nach 14 Uhr, als ich die "Linde" verliess.
Zehn Minuten später am Bahnhof Teufen.

Eigentlich wollte ich hier heute mehr von unserer Samstagwanderung auf dem Jakobsweg von Schwyz nach Brunnen berichten. Doch dann ereilte mich gestern Mittag im heimischen Ausserrhoden derart heftig der Winter, dass ich gleich fand, ich müsste dieser Wetterattacke einen eigenen Eintrag widmen. Ich war zu einem Geburtstagsessen in der "Linde" in Teufen, einem Lokal, in dem man hervorragend kocht und ich seit vielen Jahren immer wieder mal mit der Familie einkehre. Draussen flockte es derart dicht und schwer, dass ich dachte, wir hätten Weihnachten. Später, auf der Heimreise, als ich in St. Gallen umsteigen wollte, herrschte im Bahnhof Chaos, viele Züge hatten Verspätung, Leute wuselten herum und fragten sich, auf welchem Perron ihr Zug fahren würde, wenn überhaupt. Der Schnee hatte die SBB überrumpelt. Nun, ich gelangte dann doch wieder nach Zürich. Faszinierend, wie auf der Reise zwischen Wil und Winterthur die Landschaft von Weiss auf Grün wechselte. Ich war zurück im Frühling.

Sonntag, 21. April 2024

Regenpilgern

Pfützen und Nebel: gestern zwischen Ibach und Brunnen.
Brunnen, fertig gepilgert.
Brunnen, zaghaft wird es heller über dem Vierwaldstättersee.

Kalt wars, die klammen Hände verkrochen sich in die Jackenärmel. Die Hügel und Berghänge rundum waren mit einem Schneelein überzuckert bis auf 600 Meter hinab. Nebel waberte. Auch regnete es ziemlich fest, als wir gestern auf dem Jakobsweg Schweiz die kurze Etappe von Schwyz nach Brunnen zurücklegten; dass wir für die gut zweistündige Route drei Stunden brauchten, liegt auch daran, dass wir in all die Kapellen und Kirchen am Weg eintraten, um uns immer wieder mal aufzuwärmen. Spass machte die Pilgerei allemal. Wir besuchten eine Ausstellung, lernten ein riesiges Kloster kennen, tranken in einem lustigen Hafenbeizli Prosecco (mehr von alledem bald). Am Ende nahmen wir in Brunnen spontan das Schiff nach Luzern und registrierten während der Fahrt, wie der Regen aufhörte. Wie es heller wurde. Wie sogar die Sonne sich zeigte. Was wären wir Wanderer und Wanderinnen ohne das Wetter, es ist beste Unterhaltung und hält das Gemüt in Bewegung.

Samstag, 20. April 2024

Augenhunger

Werk von Barbara Probst, in New York aufgenommen, in Luzern zu sehen:
Exposure #64, N.Y.C., 555 8th Avenue, 11. 26. 08, 5.52 p. m.
(2008 Centre PasquArt, Biel @ Barbara Probst, 2024 ProLitteris Zürich)
Wenn meine Augen hungrig sind nach Bildern, gehe ich gern in ein Museum oder Kunsthaus. Kürzlich war ich im Kunstmuseum Luzern. Dort sind grossflächige Fotos der Münchnerin Barbara Probst ausgestellt. Nie ein Fotos aufs Mal, Barbara Probst arbeitet mit Kombinationen, sie stellt mal zwei, mal drei, mal viele Aufnahmen zusammen, die ein Ganzes ergeben. In der Regel geht die Künstlerin so vor: Sie stellt mehrere Kameras auf, verbindet sie elektronisch, löst alle gleichzeitig aus. Eine bestimmte Fotokombination zeigt also stets eine einzige Szene. Aber aus verschiedenen Winkeln. Wenn dann noch Farbe und Schwarz-Weiss kombiniert sind und verschiedene Zoom-Einstellungen gewählt wurden, ist der Effekt besonders verblüffend. Mich hat die Ausstellung bestens unterhalten. Sie hat meinen Augenhunger gestillt.

Freitag, 19. April 2024

Spendables Sirnach

Sirnachs Wappen mit
drei Jakobsmuscheln.
Vor einiger Zeit passierten wir auf dem Jakobsweg Sirnach. Dass die Jakobspilgerei über Jahrhunderte den Ort im Kanton Thurgau geprägt hat, sieht man schon am Gemeindewappen, es zeigt drei Jakobsmuscheln, das Zeichen der Jakobspilger. An der Sirnacher Fasnacht wird zudem die Muschelfee erkoren, eine junge Frau, die nach der Wahl einer riesigen Muschel entsteigt und für fünf Tage die Gemeinde führt. Besonders hübsch finde ich eine andere Gepflogenheit: Jakobspilgerinnen und -pilger bekommen im "Engel", einem stattlichen Gasthaus, das früher eine Pilgerherberge war, gegen Vorweisung des Pilgerpasses gratis eine einfache Mahlzeit. Die Kosten übernimmt die Bürgergemeinde. Doch, Sirnach hat Stil.

Donnerstag, 18. April 2024

Die Stellvertreterin

Rosa Gutknecht, 1885 in Deutschland geboren, kam als kleines Kind in die Schweiz, wuchs in Zürich und später in Graubünden auf. 1901 wurde sie in Chur konfirmiert, sie war reformiert. Gutknecht besuchte das Lehrerseminar in Zürich, stellte später fest, dass ihr der Schulbetrieb nicht gefiel, ging an die Uni, begann 1913 ein Theologiestudium. Als erste Schweizerin. 1918 wurde sie ordiniert, konnte aber nicht ordentliche Pfarrerin werden, der Zürcher Regierungsrat liess keine Frauen zum Pfarramt zu mit der Begründung, dass Frauen ja auch kein Stimm- und Wahlrecht hätten. Das Bundesgericht stützte den Entscheid. Die Landeskirche schuf die Bezeichnung "Pfarrhelferin", Gutknecht sprang für erkrankte Pfarrer ein, wirkte als Spitalseelsorgerin, erteilte Religionsunterricht, doch eben, eine vollwertige Pfarrerin durfte sie nicht werden. 1959 starb sie in Zürich. Ich stiess kürzlich auf sie, als ich in Zürich beim Grossmünster am Haus zum Loch vorbeikam. Dort erklärt eine blaue Tafel die Geschichte des historischen Hauses. Rosa Gutknecht, die lange im Haus zum Loch lebte, hat auch eine Tafel, angebracht durch die Gesellschaft zu Fraumünster. Diese Tafel ist stark abgenutzt – die Schrift an einigen Stellen fast nicht mehr lesbar. Seltsam, dass die Gesellschaft, die verdiente Zürcherinnen ehren will, die eigenen Tafeln nicht anständig unterhält.

Zwei historische Tafeln am Haus zum Loch in Zürich.

Mittwoch, 17. April 2024

Auf Ottos Spuren

Pilgern oder wandern die? Zwei Frauen am Lukmanier-Stausee.

Via Konstanz, das Rheintal, den Lukmanierpass und das Tessin reisten Deutsche im Mittelalter gern nach Rom. Nicht nur Händler, Pilger, Söldner nutzten diese Route, sondern auch hochgestellte Geistliche, Adelige und gar Kaiser wie Otto I. In alten Dokumenten ist wechselweise die Rede von der Via Francigena, Via Francisca, Via Francesca; in allen drei Ausdrücken steckt "Franke", gemeint sind die Deutschen. Neuerdings versucht hierzulande ein Verein, den Schweizer Abschnitt der Route zu neuem Leben zu erwecken, er hat sich auf den Namen "Via Francisca" festgelegt, "Via Francigena" ging nicht, denn diese Bezeichnung benennt mittlerweile fix eine andere Pilgerstrecke, die von Canterbury via die Westschweiz nach Rom. Die"Via Francisca" ist in der Deutschschweiz noch nicht beschildert, im Tessin hingegen schon. Der besagte Verein wolle die Via Francisca sozusagen "aus dem Schatten des Jakobsweges" holen, las ich soeben in einem Artikel auf srf.ch. Und bekam grad Lust, auf den Spuren von Kaiser Otto zu wandeln.

Dienstag, 16. April 2024

"Der alles stürzt und znichten richt"

Der Tod in Aktion, auf der rechten Tafel attackiert er ein Ehepaar. (Foto: Ronja)
Der ganze Totentanz.

Dass der Totentanz in der Heiligkreuz-Kapelle im Emmetter Ortsteil Sagendorf auch für uns Heutige ein Stoff zum Staunen, Studieren, Verweilen ist – wir verdanken es dem Pfarrer Franz-Xaver Gabriel. Als in den 1930er-Jahren die Beinhauskapelle von Emmetten abgerissen wurde, blieb der Totentanz übrig. Eine Holztafel von fast fünf Metern Breite mit 23 Einzelfeldern. Freilich war das Holz morsch, vom Wurm zerfressen, schmutzig. Und die Farben waren ausgetrocknet, teilweise abgeblättert, einzelne Partien der Tafel waren mit Leinwand überklebt. Pfarrer Gabriel kam auf die Idee, das um 1700 entstandene Kunstwerk von hohem Rang in die Heiligkreuz-Kapelle zu überführen, in die es passt, als sei es schon immer dort platziert gewesen. Vor dem Zügel hatte sich 1934/35 ein Künstler aus Beckenried ans Restaurieren gemacht. Auch dank ihm sehen wir Heutigen, wie der Tod sie alle holt vom Papst bis zur Kaiserin, vom Abt bis zur Edeldame, vom Bettler bis zu den Eheleuten. Zu dem Paar, das dahin gerafft wird, steht dies zu lesen: "Uff Erden ist kein sterckter Band / Uffzulösen als der ehelich Stand / Dan dieses Band der allein bricht / Der alles stürzt und znichten richt."
Sagendorf, Emmetten, die Heiligkreuz-Kapelle. Hinten links der Niederbauen.

Montag, 15. April 2024

Alles war gut

Bei der Schifflände von Treib kann man schön einkehren.
Wir hatten unseren Kafi aber schon in Brunnen getrunken.
Abenteuer Jakobsweg: schmale Passage einige Zeit nach Triglis.
Ich ass wenig, der Wärme wegen. Mein
Fischsüppli mit Safran war sehr fein. 
Die vierstündige Etappe von Treib via Triglis und Recketen nach Emmetten und weiter via Schöneck und Rütenen nach Beckenried war die schönste der sieben Etappen auf dem Schweizer Jakobsweg, die wir bis jetzt gemacht haben. Fanden wir am Samstag unisono. Natürlich liegt das zuallererst am Weg, der nach Triglis abenteuerlich durch den steilen bewaldeten Felshang führt mit dem Vierwaldstättersee in der Tiefe. Am Weg, der den Blick auf grosse Berge wie die Mythen, den Fronalpstock, den Niederbauen, den Uri Rotstock, die Rigi und den Pilatus geradezu forciert. Am Weg, der zu diversen historischen Kapellen und Kirchen leitet. Hinzu kam die Stimmung im Grüppli; die Schifffahrt von Brunnen nach Treib, so kurz sie war, machte Freude, die Sonne und ihre Wärme sowieso. Und der späte Zmittag kurz nach zwei Uhr im "Rössli" in Beckenried war ebenfalls ein Vergnügen: feines Essen, Direktblick über den Vierwaldstättersee und eine junge Serviererin, die derart höflich, flink, umsichtig war, dass es für drei Servicepersonen gereicht hätte. Am Samstag war alles gut.
Emmetten ist nah, aber noch nicht zu sehen, es liegt hinter der Graskrete in der Bildmitte.
Vorne rechts die Heiligkreuz-Kapelle. Ihr will ich einen eigenen Eintrag widmen.

Steiler Abstieg auf gutem Weg
von Schöneck nach Rütenen.

Sonntag, 14. April 2024

Star des Tages war …

Der Schweizer Jakobsweg führt von Brunnen SZ über
den Vierwaldstättersee nach Treib UR. Seine offizielle
Nummer im nationalen Wegnetz, die 4, ist darum im
Wasser platziert. (Schweizmobil-Screenshot).

Gestern begingen wir ein weiteres Stück des Schweizer Jakobsweges. Nicht die Etappe 7 von Einsiedeln nach Schwyz nahmen wir uns vor, die eigentlich dran wäre; es hat um die Haggenegg im Schatten eventuell ein kleines bisschen Schnee, sodass der Weg glitschig sein könnte. Und vor allem ist das Gasthaus auf dem Pass noch geschlossen. Die Etappe 8 wiederum von Schwyz nach Brunnen ist sehr kurz, nur etwas über zwei Stunden sind für sie nötig. Dieses Stück sparen wir uns auf für einen Schlechtwettertag. Womit wir bei der gestrigen Unternehmung wären: Sie fand bei strahlendem Wetter statt. Wir machten Etappe 9, die mit der Schifffahrt von Brunnen nach Treib startete. Und zogen dann von Treib hinauf nach Emmetten und hinab nach Beckenried, was ingesamt vier Stunden dauerte. Star des Tages war der Vierwaldstättersee mit seiner sagenhaften Bläue, den wir praktisch permanent vor Augen hatten. Hier drei Fotos, eines vom Anfang, eines von der Mitte und eines vom Ende der Wanderung, mehr zu ihr erzähle ich morgen oder übermorgen.

Vierwaldstättersee (I): Mit dem Schiff fahren wir von Brunnen nach Treib.
Vierwaldstättersee (II): Blick aus den Felsen nah Emmetten aufs Wasser. Hinten rechts die Mythen.
Vierwaldstättersee (III): Im "Rössli" Beckenried assen wir auf der Terrasse.

Samstag, 13. April 2024

Die 63 Zentimeter von Willisau

Fällt nicht gross auf: die Elle beim Eingang zum Willisauer Rathaus.
Das Rathaus. Im Erdgeschoss gibts heute einen Saal
für Veranstaltungen, darüber haben die Schulischen
Dienste und die Musikschule Willisau ihre Räume.
Willisau hat mehrere Brände hinter sich. Nach dem letzten baute man in der Hauptgasse um das Jahr 1720 ein stattliches Haus fürs Gewerbe, Tuch- und Kornhändler hielten hier ihre Waren feil, im Erdgeschoss war das Schlachthaus eingerichtet. Seit 1887 dient das Gebäude als Rathaus, es ist sozusagen ein sozialer Aufsteiger. Am Freitag schaute ich mich im historischen Städtchen um, musterte natürlich auch das Rathaus, man kann es nicht übersehen. Der Metallstab links im Eingang allerdings ist schon sehr unauffällig. Er ist ein Stück Erinnerung an das frühere Marktgeschehen, es handelt sich um die Willisauer Elle. Bekanntlich hatte in früheren Jahrhunderten jede Region, manchmal gar jeder Flecken im Land seine eigenen Masseinheiten. Willisaus Elle hatte eine Länge von 63 Zentimetern.

PS: Gestern vermass ich mich zuhause, bestimmte den Abstand von den Fingerspitzen bis zum Ellenbogen. Die Widmer-Elle ist 45 Zentimeter lang. Dies entspricht praktisch genau der antiken griechischen Elle. Das gefällt mir.

Freitag, 12. April 2024

Wieder mal ein Seilbahnprojekt

Sommer 2022, mein Grüppli im Aufstieg
von Kandersteg zum Golitschepass.
Eine Seilbahn, die vom Bahnhof Kandersteg den Bergkamm im Westen überquert und auf der anderen Seite das kleine, feine Ski- und Wandergebiet Elsigenalp hoch über Adelboden ansteuert: Diese Idee geistert derzeit durch die Medien, letzte Woche las ich in der "Berner Zeitung" einen Artikel zum Thema. Für die Touristiker sowohl auf der Adelbodner als auch auf der Kandersteger Seite wäre eine solche Bahn attraktiv. Die Elsigenalp ist von der Adelboden-Seite her, aus dem Engstligental, erschlossen. Aber umständlich: Man nimmt zuerst einen Bus und dann ein Seilbähnli. Kandersteg wäre seinerseits froh um eine zusätzliche Attraktion. Kompliziert wird alles durch die Klimaveränderung: Die Elsigenalp liegt auf 1900 Metern Höhe, wird es dort in Zukunft genügend Schnee haben? Und wenn nein, wird dafür der Wandersommer länger und interessanter? Derzeit läuft jedenfalls eine Machbarkeitsstudie. Die neue Bahn würde, sollte sie kommen, übrigens über den Golitschepass verkehren. Der ist mir vertraut, seit wir ihn vor zwei Jahren in einer strengen Wanderung überquerten.

Donnerstag, 11. April 2024

Ein Stück Amerika

"Neu York", Gemeinde Rüti, Kanton Zürich, Schweiz.
Auf dem Jakobsweg-Abschnitt Gibswil–Rapperswil kamen wir am Samstag östlich von Rüti an einer Häusergruppe vorbei, die auf der Karte, siehe meinen Schweizmobil-Screenshot, mit "Neu York" angeschrieben ist. Die Geschichte zu dem Namen ist schnell erzählt. Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts grassierte in der Schweiz für einige Jahrzehnte das Amerikafieber, ausgelöst 1848 durch Berichte über Goldfunde in Kalifornien. Viele hiesige Leute, vor allem ärmere, wollten nach Übersee auswandern, sie träumten von einem besseren Leben. Ein Bauer in Rüti hatte einen Sohn, der auch Abgangspläne hegte. Der Vater wollte ihn halten, baute ihm einen Bauernhof. Den taufte der Sohn, der nun also blieb und nicht nach Amerika auswanderte, "Neu York".

Mittwoch, 10. April 2024

Menschheitssprache

Vor Wochen fiel mir in der Iberer-Ausstellung in Basel, über die ich hier schon berichtet habe, auch eine kleine Statuette auf. Sie wurde in Andalusien gefunden, stammt aus dem Zeitraum vom vierten bis zweiten Jahrhundert vor Christus, stand in einem iberischen Heiligtum. Sie zeigt, so der Begleittext in der Ausstellung, eine "Adorantin". Also eine Person, die anbetet, so die wörtliche Übersetzung. Mich verblüfft immer wieder, wie gewisse Gesten oder Körperhaltungen über die Jahrtausende bleiben. Dass die in der Statuette erfasste Frau mit den nach oben gekehrten Handflächen huldigt, erfasst man gleich sofort. Es ist ein Stück Menschheitssprache.

(Foto: Antikenmuseum Basel, © Museu d'Arquelogia de Catalunya)

Dienstag, 9. April 2024

Die "Rebsamen"

Einst im Zürioberland gebaut, heute im Zürioberland ausgestellt:
die "Rebsamen" von 1864. (Foto: Ronja)
Das Nähmaschinen-Museum im Grundtal. Es ist mit einer
Antikschreinerei und einem Antiquitätenladen gepaart. 
1864 gründet Albert Rebsamen-Pfister in Hadlikon ZH eine Nähmaschinenfabrik. In ihr entsteht die erste Nähmaschine der Schweiz, sie wird allerdings nur für kurze Zeit und in kleiner Stückzahl hergestellt, die "Rebsamen" mag von hoher Qualität sein, kann aber auf dem Markt gegen die ausländische Konkurrenz nicht bestehen. Albert Rebsamen-Pfister verlegt sich bald auf die Endmontage importierter Nähmaschinen, wird später vom Fabrikanten zum Händler. Letzten Samstag, unterwegs auf dem Jakobsweg im Zürcher Oberland, besuchten wir das Nähmaschinen-Museum in der Gemeinde Dürnten, gelegen im Grundtal an der Durchgangsstrasse von Wald nach Rüti. Es präsentiert unzählige Nähmaschinen aus aller Welt samt Zubehör, aber auch alte Werbeplakate und Fotos in einem Raum, der an eine Brockenstube erinnert: schmale Wege für die Besucherinnen und Besucher, die von den Exponaten sozusagen umzingelt sind, darunter übrigens auch die "Singer Nr. 1", die allererste Nähmaschine der Welt von 1853 aus Amerika. Nun zur einheimischen "Rebsamen": Leider sei kein Exemplar erhalten geblieben, hiess es lange. Dann kam dem einen der beiden Museumsbetreiber, Nähmaschinenfan seit früher Kindheit, ein altes Foto von sich selber in die Hände, das ihn als Dreizehnjährigen auf Besuch bei einem Sammler zeigt. Auf diesem Foto glaubte er nun eine "Rebsamen" aus Hadlikon zu erkennen. Die Suche begann – und dauerte. 2018 dann spürten die Museumsmänner tatsächlich diese Maschine auf, konnten sie dem Besitzer abkaufen. Aufwändig restauriert, steht sie jetzt im Museum direkt am Jakobsweg. Und ist selber ein kleines Pilgerziel.

Montag, 8. April 2024

Blumenwiesen und Bluescht

Auf dem Jakobsweg nah Wald, Blick zu den Glarner Alpen, hinten links der Mitte der Tödi.

Die Fernsicht war toll, als wir vorgestern auf dem Jakobsweg von Gibswil nach Rapperswil zogen via Dieterswil, Pilgersteg, Weier, Jona. In der klaren Luft sahen wir die Berge vor uns aufgereiht von Speer und Federispitz über Fluebrig, Glärnisch, Tödi bis Rigi und Pilatus. Auch die Dinge am Weg gefielen uns oder waren doch bemerkenswert. Wir passierten etliche Hofläden. Trafen einen alten Italiener, der über die Jungen ausrief, die ganz in der Nähe ihre Schnapsflaschen von einem nächtlichen Gelage hatten liegenlassen. Halfen einem gestrandeten Feuersalamander von der Strasse. Genossen die Blumenwiesen und den Bluescht. So war das am Samstag, und jetzt bin ich gespannt auf unsere nächste Pilgeretappe. Innerschweiz, wir kommen.

Sonntag, 7. April 2024

Happy End mit Vitello tonnato

25 Stunden Wanderdauer, 94 Kilometer Distanz, 2465 Meter im Aufstieg und 1980 Meter im Abstieg: dies die Fakten zum Schwabenweg, wie der Abschnitt Konstanz-Einsiedeln des Schweizer Jakobsweges heisst. Supermegabeeindruckend sind die Zahlen nicht, aber wir waren doch stolz und zufrieden, als wir gestern von Gibswil her kommend in Rapperswil einliefen und somit die noch fehlende Lücke geschlossen hatten, Etappe fünf unserer insgesamt sechs Schwabenweg-Etappen. Wir machten keinen Leistungssport, hatten jede Menge Spass, so mein Fazit; kommenden Samstag gehts weiter, das nächste grosse Ziel ist der Brünigpass. Hier nun drei Fotos, eines vom Anfang der gestrigen Wanderung, eines von der Mitte und eines vom Schluss – mehr folgt morgen. Allen einen schönen Sonntag, möge das Wetter uns so verwöhnen wie gestern und möge sich der Saharastaub fernhalten.

Kurz nach dem Start in Gibswil trafen wir beim Hof Ried diesen lustigen Hund.
Er liess sich das Güggeli aus Plastik gern entwinden und apportierte es dann brav.
Die Nr. 4 bezeichnet im nationalen Wanderwegnetz den Jakobsweg. Wer die Muschel darunter,
angebracht hat, eine (echte) Jakobsmuschel als Zeichen der Jakobspilger, weiss ich nicht.

Happy End in Rapperswil im Restaurant mit dem passenden Namen Jakob.
Mein Vitello tonnato war sehr gut und passte zur Sommerwärme.

Samstag, 6. April 2024

Sommerpilgern

Hier kommen wir heute vorbei: der Fischmarktplatz in Rapperswil.
(Foto: Roland zh / Wikicommons)
25 Grad sind verheissen. Heute gibts Sommerwetter, unsereins will auf dem Jakobsweg von Gibswil nach Rapperswil wandern, was gut viereinhalb Stunden dauern dürfte. Mit der Ankunft in Rapperswil sind dann alle sechs Teilstücke der Route Konstanz–Einsiedeln bewältigt, also der ganze Schwabenweg absolviert. Eine gute Sache. Noch besser fühlt es sich an, dass wir Einsiedeln–Genf vor uns haben, dass die Pilgerei weitergehen wird. Nun noch dies: Ich tagge meine Blogeinträge zum Schweizer Jakobsweg fortlaufend, was heisst, dass man sie alle niedlich aufgereiht finden und lesen kann. Und zwar hier.

Freitag, 5. April 2024

Süsser Transport

"Lindt & Sprüngli" in Kilchberg. (Foto: Roland zh / Wikicommons)
In Kilchberg am linken Zürichsee-Ufer könnte bald ein Schoggischiff anlegen, las ich gestern in der Zeitung. Huch, dachte ich, jetzt bauen sie schon Schiffe aus Schoggi. Doch natürlich ist alles ganz anders. Besagtes Schiff würde von Zürich aus das Schokoladenmuseum von Lindt & Sprüngli ansteuern, darum der Name. Die Busse, die das Museum derzeit zur Hauptsache erschliessen, sind oft überladen, was insbesondere die Leute aufregt, die in der Gegend wohnen. Ein Schoggischiff wäre die Lösung. Die Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft, die Kilchberg bereits jetzt bedient, drängt sich als Betreiberin auf, will aber nicht, Kapazitätsprobleme. Hingegen ist der grösste auf dem See aktive Anbieter, die
Hensa AG
in Rapperswil, interessiert und kann sich gar vorstellen, ein zusätzliches Schiff zu bauen. Falls das Projekt sich konkretisiert, müsste der Kanton die Konzession für den neuen Kurs genehmigen. Der Regierungsrat hat sich zurückhaltend, doch positiv geäussert. Wer weiss, vielleicht kommt das Schoggischiff, das gar nicht aus Schoggi ist.

Donnerstag, 4. April 2024

Children Of The Revolution

Unvergessen: Marc-Bolan-Gedenkbüste
in Barnes bei London am Ort, wo er im Auto
verunfallte. (Foto: Britimax/Wikipedia)

T. Rex, die ersten drei Jahre unterwegs als "Tyrannosaurus Rex" - das war eine englische Siebzigerjahreband, die mit ihrem exaltierten Rock weltberühmt wurde. Marc Bolan war ihr Star und ihr Mittelpunkt. Als ich in der Pubertät war, war mir die Band eher zu wild, ich begann ihre Musik erst in den frühen Achtzigerjahren zu mögen. Da war Marc Bolan schon nicht mehr vorhanden, er war 1977 bei einem Autounfall nah London umgekommen. Sehr sinister der Tod von Band-Mitgründer Steve Took. Er erstickte, ebenfalls noch jung, 1980 an einer Cocktailkirsche.

PS: Auf T. Rex bin ich natürlich wegen meines Besuches bei T-Rex im Aathaler Sauriermuseum am Gründonnerstag gekommen. Wer nicht (mehr) weiss, wie T. Rex klangen: Hier gehts zu einem ihrer erfolreichsten Songs, "Children Of The Revolution".

Mittwoch, 3. April 2024

Starke Marke

Der war wirklich riesig: Brontosaurus.
(Tom Parker / Wikicommons)
Gewusst, dass die heutigen Vögel Nachfahren der Dinosaurier sind? Ich muss mir das immer wieder mal in Erinnerung rufen, wenn ich zum Beispiel eine Amsel oder ein Huhn sehe – Vorsicht, Widmer, geh nicht zu nahe ran! Gern komme ich hier noch einmal zurück auf den Besuch bei T-Rex (11,6 Meter lang, 3,9 Meter hoch) im Sauriermuseum Aathal am Gründonnerstag. Ich muss etwas anfügen: Als ich nach dem Besuch wieder zuhause war, las ich über T-Rex nach. Und war ein klein wenig enttäuscht. Ich hatte gedacht, das sei der grösste aller Dinos, die es je gab. Aber nein. Da waren ja einst auch Brachiosaurus und Brontosaurus, die beide gut 26 Meter lang wurden. Und Supersaurus war doppelt so hoch wie T-Rex. Und und und. Warum also ist T-Rex so berühmt und fasziniert alle? Ich glaube, es liegt am Namen. "Tyrannosaurus Rex" klingt einfach unnachahmlich furchterregend. T-Rex ist eine starke Marke.

Dienstag, 2. April 2024

Die Rebellensäule

Beim "Galgenchappeli" steht heute diese Schutzhütte.
Der Säulenrest im Inneren.

"Galgenchappeli" heisst ein Punkt am Wanderweg drei Kilometer nördlich von Einsiedeln. Ich hatte beim Kartenstudium aufgrund des Namens angenommen, dass dort ein Chappeli, eine kleine Kapelle, zu sehen ist. Und auch ein Galgen? Das Einzige, was wir am Ostersamstag vor Ort erblickten, war eine Schutzhütte samt einem Säulenrest im Inneren sowie einer Infotafel. Die erklärt, dass das Kapellchen 1844 abgebrochen wurde. Die zugehörige Gerichtsstätte mit dem Galgen war schon 1799 abgeschafft worden, als die Franzosen unter Napoleon kamen und eine neue Zeit einführten; damals wurden alle Galgen im Land beseitigt als Ausdruck einer überkommenen Ordnung. Bleibt die Säule zu erklären. Eventuell, so die Tafel, handelt es sich um einen Teil der "Schandsäule von Trachslau". Sie stand einst drei Kilometer südlich von Einsiedeln und hat mit dem "Einsiedler Handel" zu tun: Im späten Ancien Régime erhoben sich Einheimische gegen den Einsiedler Abt und die Schwyzer Obrigkeit. Drei Rädelsführer wurden 1766 hingerichtet, in Trachslau wurde besagte Säule aufgestellt mit der Inschrift: "Allhier ist der Ort, allwo von einigen treulosen einsidlischen Unterthanen ab der Trachslau gegen Ihren hohen Stand Schweitz eine rebellische tat verübet worden …". Die Köpfe der Hingerichteten wurden beim Galgenchappeli zur Abschreckung ausgestellt. Hm. Da wandert man durch eine Landschaft, die man malerisch findet – und dann das!

Montag, 1. April 2024

Wir gingen auf dem Wasser

Auf dem Holzsteg über den Zürichsee, Blick zurück nach Rapperswil.
Uff, gleich sind wir oben: Kapelle und Gasthaus auf dem Etzelpass.
Wer pilgert, darf auch essen. Oder?
War eine tolle Strecke, die wir da am Samstag begingen. Die Abwechslung machte es aus. Fünf Stunden reine Gehzeit brauchten wir für den Jakobsweg von Rapperswil nach Einsiedeln bei 755 Metern aufwärts und 280 abwärts und kamen durch ganz verschiedene Landschaften. Zuerst war da der Zürichsee, den wir auf dem Holzsteg überquerten, dieser bereitet immer wieder Freude, man ist weg von Strasse und Schiene, ist nah am Ried und dessen Vogelwelt, geht praktisch auf dem Wasser, sieht die Berge des Glarnerlandes und Zürcher Oberlandes. Wir atmeten Weite. Es folgte der steile Hang zum Etzelpass hinauf mit Wald und Weiden, mit Treppenstufen und Gott sei Dank auch flacheren Intermezzi. Dann die Passhöhe und gleich ein neues Szenario: Wir gerieten nun in hügeliges Land, klassisches Bauernterrain. Unten an der Sihl faszinierte uns die Brücke über den Fluss, ein historisches Steinmodell. Schliesslich erblickten wir in der Ferne die Türme des Klosters Einsiedeln, hatten zur Linken den Sihlsee, sahen am Horizont die Mythen aufragen; moorig war nun der Boden. Lange dauerte es noch bis zur Ankunft beim Kloster. Bis zur Audienz bei der Schwarzen Madonna. Bis zum wohlverdienten Bier. Natürlich tranken wir ein örtliches der Brauerei Rosengarten. Dies in geraffter Form unsere Oster-Unternehmung, freilich wäre der Bericht nicht vollständig, würde ich nicht den Zmittag auf dem Etzelpass im Gasthaus St. Meinrad erwähnen. Mein Saiblingsfilet an Bärlauchrisotto mit frischen gebratenen Morcheln und Babykarotten schmeckte. Dazu gabs einen Roten aus der Klosterkellerei. So macht Jakobspilgern Spass – nein, Askese ist nicht unser Ding.
Die Steinbrücke über die Sihl trägt den Namen "Teufelsbrücke".
Einsiedeln, Klosterplatz, es ist vollbracht. Wursthunger hatten wir nicht.

Sonntag, 31. März 2024

Fahler Tag

Gestern Vormittag: der Himmel über dem Obersee.
Gestern Nachmittag: der Horizont Richtung Einsiedeln.

Ein Osterfoto: Vor dem Etzelpass tütschten wir Eier. 
Das Wetter fanden wir gestern sehr eigen. Warm und drückend wars, wir kamen ins Schwitzen. Doch gleichzeitig blies stark und kalt der Föhn, er kühlte den erhitzten Kopf und Körper dann doch wieder ab. Vor allem aber trübte Saharastaub den Himmel, machte ihn grau mit einem Gelbstich, die Fernsicht war eingeschränkt, alles wirkte fahl und trüb. Ja, wir fanden das Wetter gestern sehr eigen. Mehr zu unserer Wanderung von Rapperswil nach Einsiedeln, also aus der Landschaft des Zürichsees in die des Sihlsees, erzähle ich morgen, ich kam gestern eher spät nach Hause und muss heute meine Eindrücke zuerst ein wenig ordnen. Ich wünsche allen einen frohen Ostersonntag.