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Donnerstag, 19. September 2024

Ich durchschritt das Höllentor

Die Porte des Enfers, Blick zurück.

Dinospuren in der Forêt des Enfers bei La Heutte.
Dieses Foto nahm ich vor Jahren auf, als das
Licht die Spuren plastischer machte als am Montag.
Am Montag reiste ich früh nach La Heutte, einem Dorf im Tal der Schüss unweit von Biel. Dort ging ich mir als erstes wieder einmal die Dinospuren in der Forêt de l'Envers anschauen. Dann zog ich mehr oder minder horizontal durch ebendiesen Wald zur Porte des Enfers, dem Höllentor; es ist plausibel, dass der Flurname auf einem Missverständnis beruht und ursprünglich "Porte des Envers" lautete, den Namen des Waldes aufnehmend. Das Höllentor stellte sich als Tunnel heraus, als Felsdurchbruch im steilen Hang vor mir. Was folgte, fand ich wunderschön: Mutterseelenallein, den Kragen hochgezogen gegen die Kälte, war ich anderthalb Stunden in einer Rinne zwischen zwei Jurakämmen unterwegs, im unteren Teil, "La Steiner", war's ausgesprochen feucht, Totholz lag herum, hoch wucherten Kraut und Farne, alles war mit Moos überzogen. Im oberen Teil, der passenderweise "Le Graben" heisst, führte ein Weg durch manierlicheres Weidegelände, ich sah einen Bauernhof – Menschen! Am Ende dieses Abschnitts zeigte sich in der Ferne der Chasseral, zehn Minuten später langte ich bei einer Bauernwirtschaft an, der Métairie de Gléresse. Die hatte zu, was mich nicht störte, ich fühlte mich an diesem Tag selbstgenügsam. Der folgende Abstieg war lang, aber leicht, via den Pont des Anabaptistes und Le Cernil hielt ich wieder hinab an die Schüss und beendete die etwas mehr als fünfstündige Unternehmung (820 Meter aufwärts, 770 abwärts) am Bahnhof Sonceboz-Sombeval. Der Schüss entlang gings mit dem Zug heimwärts.
Moos dominiert zwischen der Porte des Enfers und
Le Graben, dieses Gebiet heisst "La Steiner".

Die letzten Meter von "Le Graben", hinten zeigt sich der Chasseral mit der Antenne.
Die Strasse links führt zur Métairie de Gléresse. Diese hatte aber zu.

Mittwoch, 18. September 2024

Der Militärkoffer

Offiziere führten früher reichlich Gepäck mit sich: Koffer im Schloss Morges. (Foto: Ronja)

Einst fuhr diesen Töff ein Waadtländer Polizist.
Schloss Morges ist eine wuchtige Burg. Viereckig, errichtet im Schema des carré savoyard; der Fachbegriff bezeichnet einen viereckigen Burgen-Grundriss, wie ihn die Savoyer oft anwendeten. Schloss Morges bauten sie gegen Ende des 13. Jahrhunderts, später übernahmen die Berner das Gemäuer. Letzten Samstag besichtigten wir dieses, stiegen auf zum Innenhof und noch höher zum Wehrgang mit den Schiessscharten und den runden Ecktürmen. Durchschritten Ausstellungen, die sich mit der Armee, dem Schweizer Söldnerwesen und der Polizei des Kantons Waadt befassen. Modern ist an der Art, wie die Exponate gezeigt werden, gar nichts. Was auch seine Vorteile hat, oft ist diese Art von altmodischem Museum trouvaillenreich. Interessant fand ich eine riesige Kiste, die in der Form einem Sarg ähnelt. Es handelt sich um eine Rarität, einen Koffer, wie ihn Offiziere zu Beginn des 19. Jahrhunderts auf Feldzüge mitnahmen. Der Militärkoffer von Morges soll einem Freiburger Oberst gehört haben, der Napoleon begleitete, als dieser Russland angriff.
Der Innenhof des Schlosses.

Dienstag, 17. September 2024

Die nautae vom Genfersee

Die Mauerreste der langgestreckten Basilika von Lousonna. In der Antike ist 
mit "Basilika" nicht eine Kirche gemeint, sondern ein öffentliches Gebäude;
die römische Basilika diente als Markthalle oder auch als Verwaltungbau.

Ein antikes Mosaik in Lousonna.
Kurz nach dem Start zu unserer Wanderung auf dem Jakobsweg wichen wir am Samstag mal kurz von der offiziellen Route ab. Im Stadtteil Lausanne-Vidy erstreckt sich eine weite Fläche mit niedrigen Mauerresten. Bei ihnen handelt es sich um die Überbleibsel der gallo-römischen Siedlung Lousonna; "gallo-römisch" bedeutet, dass sich die Zivilisation der militärisch besiegten Gallier (Kelten) mit derjenigen der siegreichen Römer vermischt hatte. 1500 bis 2000 Menschen lebten in Lousanna, das ein wichtiger Umschlagplatz für Waren war, die über den See herangeschafft und auf dem Landweg weitertransportiert wurden und umgekehrt. Schmuck muss die kleine Stadt gewesen sein, die Häuser waren mit Säulenvorhallen versehen und hatten Innenhöfe, es gab Tempel und ein Theater. Und eine Basilika, eine grosse Halle, in der Handwerksgilden ihre Räume hatten und Läden untergebracht waren. Zu den wichtigen Berufsgruppen Lousonnas zählten die nautae lacus Lemanni, die Schiffer des Genfersees, das ist belegt. Im vierten Jahrhundert begann der Niedergang des Ortes direkt am Seeufer, gleichzeitig bildete sich höher oben am Hang ein neues Zentrum, die Cité. Dort entstand im Mittelalter die Lausanner Kathedrale.

Montag, 16. September 2024

Unsere Rivieraferien

Auf unserer 24. Schweizer-Jakobsweg-Etappe mit Start in Lausanne wechselte die Stimmung schnell ins Rauschhafte. Derweil es im Osten düster war und regnete, schien in der Romandie die Sonne. Die Berge Savoyens am anderen Ufer des Genfersees waren ein betörender Anblick, in der Ferne sahen wir gar den Mont Blanc. Der Genfersee wiederum – nun, der lehrte uns Zürcherinnen und Zürcher Demut. Unser Zürichsee schien uns angesichts der Weite, die wir nun genossen, ein armseliges Schmalgewässer. Wir schwelgten denn auch in Lottogewinn-Fantasien, stellten uns vor, in St-Sulpice oder Préverenges eine Villa direkt am See zu bewohnen. Apropos Préverenges: Dort gönnten wir uns am Mittag in einem Freiluft-Strandbeizli am Wasser einen Prosecco, nahmen danach gleich einen zweiten und fanden, wir seien an diesem Tag irgendwie nicht als Pilger unterwegs; das Lebensgefühl war eher das von Ferien an der Riviera. Kein Wunder, marschierten wir im Folgenden nicht, sondern flanierten. Und beendeten den grossartigen Tag bereits in Morges; eigentlich war die Idee gewesen, bis St-Prex zu gehen. Immerhin besichtigten wir in Morges das wuchtige Schloss mit den diversen Ausstellungen. Zum Schluss dann gabs beim Bahnhof in einem der wenigen Restaurants, die auch am Nachmittag etwas Warmes servieren, einen deftigen Hamburger. Und jetzt freue ich mich auf die Fortsetzung in zwei Wochen – auf die Fortsetzung der Jakobspilgerei, wohlverstanden, nicht auf die der Riviera-Ferien. Nächstes Wochenende kann ich nicht, da steht eine Klassenzusammenkunft an, Kanti Trogen, Matura 81. Wir treffen uns in Urnäsch.
Auf Sand pilgert es sich luftig leicht.

Sonntag, 15. September 2024

Das Kirchenkastell

Am Hang über Grüsch im Prättigau erblickten – und besuchten – wir letzte Woche die Ruine Solavers, die hart an der Kante des Schmittnerbachtobels sitzt. Viel ist von ihr nicht übriggeblieben, Tore, ein paar Mauern. An der Ruine von Solavers ist speziell, dass im Frühmittelalter an diesem Ort eine befestigte, der Jungfrau Maria gewidmete Kirche stand. Man nennt eine solche Wehranlage "Kirchenkastell". Später kam, etwas tiefer gelegen, eine Ritterburg hinzu. Die Kirche auf Boden der Gemeinde Seewis verschwand später, als die Talschaft sich der Reformation anschloss.

Samstag, 14. September 2024

Blödheit am Berg

Vielbesucht: der Säntis, von der Toggenburger Seite gesehen. (Foto: Slurpi/Wikicommons)

Der Säntis ist ein klassischer Publikumsberg. Viele Touristinnen und Touristen gondeln in Turnschuhen hinauf, geniessen das Panorama, gondeln wieder hinab. Allerdings gibt es auch die, die sich im urbanen Tenu mal eben vom Gipfel auf die Himmelsleiter wagen, eine unheimlich steile Passage im Kalkstein, auf der man griffige Bergschuhe braucht. Dort machen die Leute Selfies und begeben sich dabei in Gefahr. Auch anderswo am Säntis sind Leute zu beobachten, die jede Vorsicht vermissen lassen und zum Beispiel ohne angemessene Ausrüstung auf irgendeinen exponierten Felsvorsprung kraxeln, um sich selber am Abgrund zu fotografieren. Aus dem Artikel im "St. Galler Tagblatt" von dieser Woche erfuhr ich zudem, dass es Berggängerinnen und Berggänger gibt, die auf dem Weg zum Säntis Pyrofackeln zünden und sich so filmen; Leute, die in der Nähe wandern, gehen in diesem Fall womöglich von einem Notsignal aus. Die Blödheit am Berg nervt.

PS: Heute jakobswandern wir wieder. Etappe 24 steht an, sie führt uns am Genfersee von Lausanne nach St-Prex.

Freitag, 13. September 2024

Vom Sommer in den Herbst

Die letzten Meter vor dem Fadärastein. Unten Malans.
Auf dem Fadärastein, 1178 Meter über Meer. Unten (r.) Landquart, hinten der Haldensteiner Calanda.
Schloss Seewis. Heute dient es als
Schulhaus und Gemeindehaus.
Wir hatten das Wetter gut eingeschätzt, wanderten vorerst in der Sonne, stellten später fest, wie sich der Himmel langsam verdüsterte und Wind aufkam – doch wir blieben trocken bis Wanderschluss, derweil es in Zürich schon regnete, weiter im Westen sowieso. So war das am Mittwoch, als ich mit Bergkollege Peider von der Bündner Herrschaft auf felsigen Pfaden ins Prättigau zog. Wir starteten in Malans, stiegen steil in vielen Kehren auf zum Fadärastein, einem formidablen Panoramapunkt, stiegen ein wenig ab nach Unter Fadära und Furgga, stiegen grad wieder auf zum Crupspitz, der mindestens ebensoviel Aussicht, Fern- und Tiefblick bietet: Wir sahen hinüber zum Haldensteiner Calanda, in der Ferne lugte der Piz Beverin über die Kette tieferer Gipfel, in der Nähe gefielen uns der Pizol und die Grauen Hörner. Und direkt zu Füssen hatten wir die kanalisierte Landquart im Gebiet der Chlus und das Rheintal. Die Unternehmung war damit noch lange nicht fertig. Durch das Islatal hielten wir auf Seewis zu, waren im Ort beeindruckt vom riesigen Schloss der Familie Salis-Seewis, assen im Restaurant der Rehaklinik. Und stiegen schliesslich, wobei wir gegen Ende auch noch die Burgruine Solavers besuchten, ab nach Grüsch. Viereinhalb Stunden waren wir gewandert bei 890 Metern aufwärts und 790 Metern abwärts. Auf der Heimfahrt begann es auf der Höhe des Walensees zu regnen, zuhause in Zollikerberg musste ich für die letzten 500 Meter von der Station zu meinem Haus doch noch die Kapuze montieren. Am Morgen war ich im Sommer gestartet, nun am späten Nachmittag hatte der Herbst übernommen.
Crupspitz voraus.
Tiefblick vom Crupspitz, 1164 Meter über Meer, auf die Landquart.

Donnerstag, 12. September 2024

Das Niesenrätsel

Gutes Buch!

Warum wurden am Niesen, dem Berg, der als markante Pyramide den Thunersee überragt – warum wurden am Niesen in den nicht leicht zugänglichen und steilen Flanken Mühlsteine geschlagen? Und warum blieben viele dieser Mühlsteine dort liegen, wurden also nicht zu Tale geschafft? Geschichtliche Aufzeichnungen, etwa Dokumente der Gemeinden rundum, gibt es zu dem Phänomen nicht. Der in Adelboden geborene Robert Allenbach widmet sich dem Rätsel in "Mühlsteine am Niesen", er kann es zwar nicht auflösen, dokumentiert es aber in starken Fotos und klugen Texten. Auch Karten gibt es in dem eben erschienenen Buch, sodass man sich jederzeit zu einer Mühlstein-Expedition aufmachen kann. Nun, nicht grad jederzeit, so wie's aussieht, schneit es dieser Tage weit hinab, auch die oberen Partien des Niesen, 2362 Meter über Meer, dürften weiss werden.

Mittwoch, 11. September 2024

Der Jakobsweg kann auch hässlich

Autobahn mit Mietskaserne am oberen Rand von Lausanne.
Im Tobel des Flon. Der Boden war rutschig, des Regens wegen.
Hurra, Lausannes Kathedrale ist gleich erreicht.
Andis Cheesburger, Andis Pommes Frites.
Am oberen Stadtrand von Lausanne erreichten wir am Sonntag auf dem Schweizer Jakobsweg dessen bisher hässlichsten Punkt. Die A9 überquert auf einem Viadukt das Flüsschen Flon, man steigt als Wanderer vom Fuss der Brücke auf zur Unterseite der Fahrbahn, blickt zurück und sieht mit Schaudern die in das lärmige Schattenloch gezwängte Mietskaserne. Ansonsten war unsere Unternehmung von fünfeinhalb Stunden (420 Meter aufwärts, 710 Meter abwärts) durchaus schön, wir waren über weite Strecken im Wald unterwegs, was von Vorteil war, weil es zwischenzeitlich regnete. Wir lernten den Flon kennen, der reizende Tobel in den Mergel gefressen hat. Wir passierten das etwas ausserhalb stehende Kirchlein von Montpreveyeres. Und wir waren mehr oder minder fassungslos über die geballte Wucht der Kathedrale von Lausanne, eines Gotikbaus. Die Stillung des Pilgerhungers gestaltete sich anschliessend schwierig. Wir sahen in Lausanne Restaurants noch und noch, die aber allesamt geschlossen waren. Und die wenigen, die offen hatten, servierten am Nachmittag nichts zu essen. Am Ende landeten wir im Cocktail-Tapas-Lokal "Le 20". Es stellte sich als Trouvaille heraus, alle vier waren wir mit unseren Gerichten von Tsatziki bis Cheeseburger sehr zufrieden. 

PS: Vier Etappen sind es noch von Lausanne bis zur Kathedrale von Genf. Plus eine kurze fünfte von dort bis zur Grenze. Wir kommen unserem Schlussziel immer näher. Sicher werden wir das Schweizer Pilgerabenteuer in Genf mit einem Zweitäger beenden. Samt Festmahl.

Dienstag, 10. September 2024

Lausanne spiralt

Der Sauvabelin-Turm. Die steilen Spiraltreppen sind nicht jedermanns Sache.
Der See von Sauvabelin ist ein beliebtes
Stück Lausanner Naherholungszone.
Sauvabelin: So heisst ein Lausanner Quartier in erhöhter Lage. Wir entdeckten es am Sonntag, während wir von Mézières nach Lausanne jakobswanderten. Drei Dinge gefielen uns in Sauvabelin. Erstens der Lac de Sauvabelin, ein Kunstgewässer in einem grossen Park, das 1888 eröffnet worden war als Ort zum Schlittschuhlaufen. Zweitens das Restaurant am Seeufer, in dem wir gern einkehrten, nachdem wir doch fünf Stunden ohne grossen Halt unterwegs gewesen waren. Drittens tat es uns der Tour de Sauvabelin an, ein 35 Meter hoher, aus Holz der städtischen Wälder gebauter Aussichtsturm aparter Gestalt. Von oben sieht man auf die Stadt, weit über den See, zu den Bergen, speziell zu den Alpen Savoyens. Allerdings war das Wetter an unserem Tag nicht besonders gut, der Himmel war verhangen. Beeindruckend war das Panorama allemal.

Montag, 9. September 2024

Der Eber spielt Golf


In Otelfingen ZH fotografierte ich letzte Woche diesen Kreisel mit einem Eber, der einen Golfschläger schwingt. Ein Golfball gehört auch zur Skulptur. Diese wirkt bizarr, lässt sich aber erklären. Die Golfutensilien verweisen auf den dorfeigenen Golfpark der Migros, der sogar eine eigene S-Bahn-Station hat – es gibt tatsächlich Leute, die mit dem ÖV zum Golfen reisen, jawohl. Der Eber wiederum ist dem gemeindeeigenen Wappen entlehnt, für das Jahr 1493 ist er belegt, er war das Symbol der Edelleute von Otelfingen.

Sonntag, 8. September 2024

Nicht längs, sondern quer

Burghorn, 859 Meter über Meer. Beim Bänkli gibts in der Blechbüchse ein Gipfelbuch.
Alter Markstein auf der Kantonsgrenze Zürich–Aargau
im Gebiet Cholgrueb auf der Südseite der Lägern.
"BienVenus Messieurs": Hausfassade in Otelfingen.
Letzten Mittwoch beging ich die Lägern. Mal nicht der Länge nach, was der Klassiker ist, weil man dabei auf der Achse Regensberg–Baden immer dem Grat des Höhenzuges folgt. Habe ich schon mehrmals gemacht, diesmal aber wanderte ich im Quermodus. Im rechten Winkel zum Grat. Steil rauf von Otelfingen zum Burghorn, dem markanten Aussichtspunkt der Lägern, und steil wieder runter nach Niederweningen. Drei Stunden dauerte die Unternehmung bei 470 Metern aufwärts und 440 Metern abwärts, der Himmel war bedeckt, es regnete mal kurz, andere Leute sah ich nicht, abgesehen von einem Hündeler in der Nähe des Otelfinger Schützenhauses. Die Stille des Geländes gefiel mir. Und wieder einmal stellte ich fest, dass die Lägern unverwechselbar ist. Wenigstens oben. Ihr Grat schaut knapp nur aus dem Wald, der die Flanken bedeckt, und gleicht einer Art Drachenkamm.

PS: Der Wandertag der "Schweizer Familie" war gestern ein voller Erfolg, die Leute kamen in Massen nach Willisau, 6000 waren es, die Stimmung war super – wie auch nicht bei dem Prachtwetter? Nächstes Jahr findet der Anlass in Davos statt, gehen wir also in die Berge.

Samstag, 7. September 2024

Zimmer mit Panorama

In meinem Zimmer. Man müsste wieder mal auf den Napf.
Guten Morgen aus Willisau, ich habe gut geschlafen in meinem BnB mit dem hübschen, sich auf die Stadtheiligen beziehenden Namen "Peter und Paul". Das BnB liegt zehn Gehminuten entfernt vom Bahnhof in der Gewerbezone, mir gefällt das Haus, das eigentlich ein richtiges Hotel ist, wenn man davon absieht, dass man in der Regel per Self-check-in zur digitalen Zimmerkarte kommt. Die Zimmer sind gross und haben nichts Spiessiges, keine Badewannen mit Duschvorhang und so, stattdessen Geräumigkeit und Funktionalität. Noch ein Letztes: Eine Freundin fragte mich gestern, ob ich dieses Wochenende nicht jakobswandere. Doch, tun wir! Morgen wollen mein Grüppli und ich von Mézières nach Lausanne pilgern. Aber zuerst ist jetzt der "Schweizer Familie"-Wandertag angesagt.

Freitag, 6. September 2024

Auf nach Willisau

Hereinspaziert! Tor zum Städtchen Willisau.
Morgen ist wieder "Schweizer Familie"-Wandertag, er findet dieses Jahr im Städtchen Willisau im Luzerner Hinterland statt, die stilvolle historische Kulisse ist garantiert, drei unterschiedlich lange Routen stehen zur Auswahl, im Festzelt lässt es sich ruhen und geniessen, Marktstände mit regionalen Erzeugnissen gibt es auch. Und am Abend findet ein Gratiskonzert mit dem Sänger Ritschi statt. Ich reise wie etliche Kolleginnen und Kollegen schon heute an zu einem Sponsorenessen. Morgen findet man mich dann am zentralen Zelt unserer Zeitschrift, ich freue mich auf alle, die vorbeischauen.

Donnerstag, 5. September 2024

Buffet nach St. Galler Art

Leider nicht essbar: ein Buffet im Textilmuseum in St. Gallen.
All-you-can-eat-Buffets lernte ich vor vielen Jahren in Amerika kennen. Kürzlich traf ich in St. Gallen auf eines. Wobei, halt! In diesem Fall lautet das Motto: "All you canNOT eat." So heisst eine Ausstellung im Textilmuseum (toller Bau, tolle Daueraustellung). Gezeigt werden kulinarische Arrangements, die alle eines gemeinsam haben: Es handelt sich um Fake Food, der stilvoll auf Stoff angerichtet ist. Ich amüsierte mich bestens und ziehe dieses Buffet nach St. Galler Art allem vor, was ich in Amerika antraf.

Dieses Gericht im "Schlössli" ist real und mundete:
Fisch mit Tätschli aus blauen Kartoffeln auf Lauch.
PS: Ich war an einem Vormittag in der Ausstellung. Anschliessend ging ich in der Altstadt in der Nähe des Spisertors mit meiner Gotte gut essen im "Schlössli". Ich wurde in St. Gallen also durchaus satt.

Mittwoch, 4. September 2024

Sherlock Holmes im Waadtland

Das Sherlock-Homes-Museum (l.) unterhalb des Schlosses (r.) von Lucens.
Dank dem örtlichen Grossverteiler kam mein Foto des Schlosses zur stilvollen Beflaggung.

Warum um alles in der Welt gibt es in Lucens VD, im alten Kern unterhalb des Schlosses, ein Muséee Sherlock Holmes? Einfach zu erklären. Das Schloss, das im 13. Jahrhundert über dem Städtchen entstand, ging 1798, als Napoleons Truppen die Eidgenossenschaft umkrempelten, an den Kanton Bern. Der verkaufte es schon bald, worauf es mehrere Male den Besitzer wechselte. Schliesslich erwarb Adrian Conan Doyle es, der Sohn von Schriftsteller Sir Arthur Conan Doyle, Verfasser der berühmten Sherlock-Holmes-Romane. Der Sohn richtete im Schloss ein Museum ein mit Objekten, die an den Vater erinnerten. Als er seinerseits starb, wurde das Schloss wieder verkauft, seit 2005 ist es nicht mehr zugänglich, ausser man nehme an einer der gelegentlich stattfindenden Führungen statt oder miete es, zum Beispiel für eine Hochzeit. Das Sherlock-Holmes-Museum wurde 2001 in die nahe Maison Rouge verlegt, ein historisches Gebäude; wir erblickten es kürzlich, während wir auf dem Jakobsweg das Broyetal hinaufzogen.

Dienstag, 3. September 2024

Der Pina-Colada-Traum

Die Cocktail-Karte im Schwimmbad von Moudon.

J'aime! Filet mignon in Mézières.
Heiss wars, als wir am Samstag unsere 22. Etappe auf dem Schweizer Jakobsweg absolvierten und von Lucens via Moudon nach Mézières zogen. Die Waadtländer Route war abwechslungsreich, wir stiegen auf zum Schloss von Lucens (nicht zugänglich) und zum Château de Carrouge in Moudon, das umgeben ist von alten Gassen mit vorgelagerten Gärten. Lange folgten wir im ersten Teil der Broye, deren schnurgerade Uferpartien einen in eine meditative Trance stürzen können. Knapp vor der Streckenmitte tranken wir im Schwimmbad-Resti von Moudon etwas; am liebsten hätte ich eine Pina Colada bestellt, doch wäre ich dann wohl nicht mehr weitergewandert. Es folgte der Aufstieg Richtung Jorat, wie die Hochebene nordöstlich von Lausanne mit den eingestreuten Dörfern heisst. Die Hitze setzte uns nun zu, selten habe ich so geschwitzt. Schliesslich bogen wir einige Zeit vor Montpreveyres vom Jakobsweg ab und erreichten in einem 10-minütigen Schlusseffort Mézières, den Ort, in dem 1874 unser Weltkriegsgeneral Henri Guisan geboren wurde. Das Mahl, das uns im Restaurant du Jorat zuteil wurde, war toll: Filet mignon mit einer würzigen Morchelsauce und Nudeln. Dazu tranken wir einen kühlen Epesses. Wie ich vor vielen Monaten bemerkte: Wir sind im Modus "Pilgern plus" unterwegs. Legen Wert darauf, zwischen Konstanz und Genf jeden Meter zu Fuss zurückzulegen. Und gleichzeitig wollen wir uns etwas gönnen, Askese ist nicht unser Stil.
Zwetschgen bei Curtilles.

In Moudons Viertel Le Bourg, Gasse unterhalb des Château de Carrouge.

Montag, 2. September 2024

Die Killerraupen von der Broye

Ein Schild warnt an der Broye vor einer bestimmten Raupenart. Gleich gegenüber ist
am anderen Ufer der Broye die Aussenanlage des stillgelegten AKW Lucens zu sehen,
Ronjas Geigerzähler zeigt 0,12 Mikrosievert an. (Untere zwei Fotos: Ronja) 
Als wir uns am Samstag von Pré Cerjat, etwas ausserhalb von Lucens gelegen, einem Waldrand entlang dem Broyeufer näherten, die Aussenanlage des nach dem Unfall von 1969 dekontaminierten und zubetonierten unterirdischen AKW am anderen Ufer vor Augen, begann Ronjas Geigerzähler schneller zu ticken. Innerhalb von 200 Metern verdoppelte sich die Strahlung, der wir ausgesetzt waren. Und damit fertig dramatisch: Ronjas höchster Messwert war tief, 0,12 Mikrosievert sind kein Problem. Eine Tafel warnte an unserem Ufer vor einer realen Gefahr: Der Uferweg von Lucens bis Moudon ist grossteils von Bäumen gesäumt. In ihnen prosperiert offenbar die Raupe des Eichen-Prozessionsspinners. Deren Brennhaare können die Haut beschädigen und eine spezielle Dermatitis auslösen. Nun, soviel ich weiss, haben wir alle die heiklen Kilometer auf dem Jakobsweg unbeschadet überstanden. Die Raupe heisst übrigens so, weil sie und ihresgleichen sich gern in einer prozessions-artigen Kolonne fortbewegen. 

Sonntag, 1. September 2024

Uriella und ihr Hüsli

Im rosaroten Hüsli (Bildmitte, mit grüner Hecke) in Rötschwil, Gemeinde Schwellbrunn AR, wirkte einst Uriella.

Erinnert man sich noch an Uriella? Wenn ja, dann wegen ihres Looks. Weisse Wallekleider, verziert mit Stickereien, Spitzen, Glitzersteinen. Eine schwarze Perücke. Und darauf ein Diadem. Sie hiess eigentlich Erika Bertschinger, war die Gründerin und Chefin der Sekte "Fiat Lux", verstand sich als Sprachrohr Jesu Christi und gab an, dass in ihrer guten Stube immer wieder mal der Erzengel Uriel erscheine. Ihren Anhängerinnen und Anhängern verhiess sie, sie würden vor dem nahen Weltuntergang rechtzeitig von Raumschiffen gerettet werden. Die Frau kam mir wieder in den Sinn, als wir kürzlich von Herisau nach Schwellbrunn wanderten. Im Weiler Rötschwil steht nämlich im Wiesenhang unterhalb des Restaurants Störchli das Haus, in dem sie lange als Geistheilerin gewirkt hatte. Vor fünf Jahren ist sie verstorben. Erinnert man sich noch an Uriella? Mir ist sie unvergesslich.

PS: Mehr von der Jakobsweg-Etappe Lucens–Moudon–Mézières nächstens. Wir kamen gestern spät heim, ich muss heute zuerst die Fotos sichten. Toll wars. Heiss auch.

Samstag, 31. August 2024

Die Reaktor-Etappe

Der Aussenbereich des Reaktors von Lucens auf einer Flugaufnahme von Werner Friedli.
Das Foto stammt vom Juli 1969, im Januar 1969 war die Katastrophe passiert.
(ETH-Bibliothek / Wikicommons)

Heute wird wieder gejakobswandert, Etappe 22 steht an, es geht von Lucens via Moudon nach Mézières; wir wechseln dabei so etwa in der Hälfte der Strecke die Landschaft, der erste Teil spielt sich im Tal der Broye ab, der zweite führt Richtung Jorat, die Hochebene nordöstlich von Lausanne. Eine halbe Stunde nach Wanderstart werden wir bei Pra Salabre vom Uferweg östlich der Broye übers Wasser linsen. Auf der anderen Seite hat sich am Fuss eines Waldhanges Zeitgeschichte ereignet. In einem unterirdischen Atomkraftwerk kam es 1969 zu einer Teil-Kernschmelze, der Reaktor wurde zerstört, die Anlage im Berg stark verstrahlt. Was mir bisher nicht bewusst war: Der Reaktor von Lucens diente womöglich nicht nur zivilen Zwecken, also der Energieproduktion; er sollte angeblich auch helfen, atombomben-taugliches Plutonium herzustellen. Nach dem Gau wurde der Reaktor dekontaminiert und zerlegt, die Reaktorkaverne zubetoniert. Die 250 Fässer mit radioaktivem Abfall stehen seit mehr als 20 Jahren im Zwischenlager in Würenlingen. Ich bin gespannt, ob heute der grüppli-interne Geigerzähler anschlägt. Ronja besitzt seit ihrer Reise nach Tschernobyl einen solchen und wird ihn mitbringen.

Freitag, 30. August 2024

Bündner Militärbasis

Grabungszelte auf dem Colm la Runga (Bildmitte). Die nahe bewaldete Kuppe
 (links hinten) ist der Motta Palousa. Im Hintergrund das Bergsturzgelände von Brienz.

Was Legionäre so hinterliessen.
(Beide Fotos: Andrea Badrutt, Chur /
Medienmitteilung Kanton Graubünden)

Vor fünf Jahren stiegen wir im Sommer von Cunter aus auf den Motta Palousa und sahen dabei ganz in der Nähe unseres Ziels den Sattel von Colm la Runga. Gestern berichteten verschiedene Medien, dass ein Archäologenteam dort, auf circa 2200 Metern über Meer, ein römisches Militärlager entdeckt und erforscht hat. Die Wachstation war laut der Medienmitteilung des Kantons Graubünden mit drei Gräben und einem Wall befestigt und ermöglichte es, unter anderem das Oberhalbstein und das Albulatal zu kontrollieren. Das Lager datiert aus dem dritten oder zweiten Jahrzehnt vor Christus, also aus der Zeit des Kaisers Augustus. Einige Jahre später machten sich Tiberius und Drusus, dessen Adoptivsöhne, daran, die Alpen endgültig zu erobern und deren Stämme zu unterwerfen. Das Militärlager auf dem Colm la Runga liegt rund 900 Höhenmeter über einem Gefechtsfeld im Oberhalbstein, dessen Lage seit einigen Jahren bekannt ist; beide Orte dürften zusammenhängen.

Donnerstag, 29. August 2024

Verfilmte Kälte

20 Minuten dauert das Filmli, wir sind in Alaska, es ist Winter. Eine Hütte irgendwo draussen in den Wäldern, ein Typ, noch jung, steht auf, feuert ein, hackt Holz, sammelt Birkenrinde (fürs Feuermachen), kocht (enorme Portionen), putzt und schlurft einmal auch rüber zur Sauna. Gesellschaft leistet ihm allein sein Hund. "Cabin life in a snowstorm" entspannt mich total. Heute, da es wieder so heiss wird, ist zudem – verfilmte Kälte – der Anblick von Schnee wundervoll erfrischend.

Birkenrinde ist das Allerbeste, wenn man ein Feuer machen will. (Screenshot)

Mittwoch, 28. August 2024

Katholische Insel

In der Bildmitte die Freiburger Exklave Tours,
die vom Rest der Gemeinde Montagny FR (unten)
durch einen schmalen Waadtländer Korridor getrennt ist.

Notre-Dame-de-Tours.
Auf dem Jakobsweg kamen wir unlängst, nah Corcelles-près-Payerne VD und Payerne VD, zur Kirche Notre-Dame-de-Tours, die auf einem Hügelchen steht. Sie ist Teil der winzigen Freiburger Exklave Tours, die zur Freiburger Gemeinde Montagny gehört, von dieser aber durch einen Waadtländer Gebietsstreifen getrennt ist, der an der schmalsten Stelle nur grade 150 Meter misst. Tours war ursprünglich im Besitz der Stadt Payerne, kam durch einen Gebietstausch 1509 zu Freiburg, Payerne erhielt dafür Land in Corcelles. Kurz darauf wurde die Waadt reformiert. Und so ist Tours heute nicht nur eine politische, sondern auch eine konfessionelle Exklave. Eine katholische Insel im Protestantenland.