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Dienstag, 11. November 2025

Bauer Bodenmanns Beitrag

Das Gäbrisseeli wird gerne fotografiert und ist auch auf Postkarten abgebildet. Als wir am Samstag auf dem Weg zum Gasthaus Oberer Gäbris vorbeikamen, fragte ich mich, wie es entstanden ist. Was seine Geschichte ist. Folgendes entnehme ich einem Artikel der "Appenzeller Zeitung": Bis in die Zeit des Zweiten Weltkriegs wurde an diesem Ort Torf gestochen. Die Grube füllte sich mit Wasser, ein Moortümpel entstand. Freilich wäre er wohl wieder verlandet, hätte nicht der Bauer Ernst Bodenmann eingegriffen. Er vergrösserte die Wasserfläche, pflanzte Arven, aber auch Orchideen und Edelweisse an, platzierte Findlinge und Bänkli. Es kamen Enten, es kamen Amphibien, heute lebt am Wasser auch eine grosse Population von Erdkröten, dazu kommen Bergmolche und Grasfrösche. Mittlerweile gehört das Gäbrisseeli Bodenmanns Nachkommen und steht unter Naturschutz. Es zeigt, was ein Einzelner ausrichten kann.

Freitag, 13. Dezember 2024

Widmer muss schwärmen

Weiher und Bäche machen diese Schaffhauser Strecke besonders schön.
Schloss Herblingen und eine Statue am Wanderweg.
Wen sie verkörpert, weiss ich nicht.
Eine Strecke, die mich letzten Sonntag von Anfang bis Ende begeisterte: von Schweizersbild am Stadtrand von Schaffhausen in zweieinhalb Stunden via Kaiserbuck, Wäier, Langloch, Kurzloch und Cherzestübli nach Lohn. Schweizersbild ist hässlich, eine chaotisch überbaute Gewerbefläche mit viel Verkehr. Charakterlos. Fünf Minuten später ist man in einem Täli, hat alles Üble hinter sich gelassen, ist an Bächen, Weihern, Auenflächen unterwegs. Höhlen gibts auch, vom Dachsenbühl habe ich gestern erzählt. Irgendwann taucht zur Linken in der Höhe Schloss Herblingen auf, am Wanderweg sind Statuen aufgestellt, was diesem Abschnitt etwas Nobles verleiht. Anschliessend gehts zuerst ins enge Langloch und dann ins noch viel engere Kurzloch, nicht verpassen darf man den Abstecher in die nördliche Hälfte des Kurzloches und retour, bevor man nach Lohn abzweigt; auf der Karte wird eine "Prähistorische Wehranlage" verheissen. In der Tat erheben sich im nördlichen Teil des Kurzloches auf beiden Seiten des Pfades hohe Felswände und ist dieses darum besonders gut abschirm- und verteidigbar. Letzter Knaller, bevor die Unternehmung in Lohn endet: das Cherzestübli, ein Aussichtspunkt, von dem man weit Richtung Nordosten schaut in den Hegau hinein, also auf deutsches Gebiet. Selten beging ich eine Route, die kurz ist und gleichzeitig derart viel bietet – Widmer kann nicht anders, Widmer muss schwärmen.
Engstelle im Kurzloch.

Beim Cherzestübli: Blick in den Hegau, Deutschland.

Sonntag, 1. Dezember 2024

Grau ist auch schön

Am Rhein (I).
Am Rhein (II).
Auf respektive in der Brücke von Diessenhofen TG über den Rhein nach Gailingen, Deutschland.
Zmittag im Hotel Rheingold. Ich hatte
Poulet an Zitronensauce mit Reis,
mein Gegenüber ein Stroganoff.
Klamm und grau war es, als wir am Mittwoch von Langwiesen ZH am Rhein nach Diessenhofen TG liefen und dort die Brücke hinüber ans deutsche Ufer nahmen, um 20 Minuten später in Gailingen anzukommen. Dort taten wir zwei Dinge. Zum einen: Wir assen – sehr gut – im Hotel Rheingold. Zum anderen: Nun, von diesem zweiten Erlebnis will ich später erzählen, es braucht einen eigenen Eintrag. Als wir gegen drei Uhr wieder retour nach Diessenhofen gingen, wo die dreistündige Wanderung am Bahnhof endete, schien die Sonne. Schön. Aber der Nebel war mindestens so schön gewesen. Die Stille im Wald, die Wildsaukuhlen, das Totholz im Naturschutzgebiet Schaaren, der träge fliessende, wenig Wasser führende Rhein, die Natur im Winterschlaf und all das umhüllt vom grauen Dunst: Mir hatte dies am Vormittag mindestens ebenso gut gefallen wie die Helligkeit des Nachmittags.

Donnerstag, 25. Januar 2024

Stilvoll essen in Schaffhausen

Der Speisesaal des ehemaligen Klosters Allerheiligen in Schaffhausen. Die Balken sind aus Föhrenholz.
Das Tor zum Kreuzgang.
Im mittelalterlichen Kloster wird der Speisesaal als "Refektorium" bezeichnet, das lateinische Wort bedeutet so viel wie "Ort, an dem man sich neu macht". Also sich erfrischt und stärkt. In der Schaffhauser Altstadt steht das ehemalige Kloster Allerheiligen, eine vor fast 1000 Jahren gegründete, in der Reformation aufgelöste Benediktinerabtei; in der zugehörigen Münsterkirche findet sich jene Glocke, die Friedrich Schiller zu seinem berühmten Gedicht "Das Lied von der Glocke" inspirierte. Zum alten Kloster gehört des weitern ein Kreuzgang. Vor allem aber ist auf dem Areal das "Museum zu Allerheiligen" untergebracht, das diverse Ausstellungen bietet: regionale Prähistorie, Naturkunde,  Kunst. Auch ist da die Sammlung Ebnöther mit Kunst vor allem aus Südamerika und Vorderasien, sie hat internationale Bedeutung. Unmöglich, sich in diesem Museum zu langweilen. Als ich mich am Samstag zur Sonderausstellung über das frühperuanische Volk der Moche im zweiten Stock begab, kam ich am Refektorium vorbei, das 1496 entstand. An langen Tischen nahmen in diesem riesigen Raum die Mönche schweigend ihre Mahlzeiten ein, ein Mitbruder las aus der Bibel – nun ja, die enthält auch sehr spannende Texte. Nachdem der Klosterbetrieb 1529 eingestellt worden war, nistete sich im Refektorium eine Schule für Bürgerknaben ein. Später unterteilte man den Raum und richtete Wohnungen ein. 1923 dann, als eine Renovation lief, stellte man das Refektorium wieder her. Hat sich gelohnt, finde ich.

Montag, 22. November 2021

Tod eines Kallenfängers

Chorgestühl-Figuren im Berner Münster.
(Foto: Mike Lehmann / Wikicommons)

Vor kurzem berichtete ich, dass das Berner Münster der höchste Sakralbau der Schweiz sei. Ich bekam Post von Blogleserin Christine Lienhart-Racine, eine Dokumentation über das Berner Münster, die sie bei Recherchen zu ihrer Familiengeschichte zusammengestellt hatte. Ich las und fand das interessant. Mit Dank an die Autorin hier vier Aperçus:

  1. Der Turm des Berner Münsters schwankt beim Läuten, das leuchtet ein. Doch auch Temperaturdifferenzen bewirken, dass der Turm sich subtil bewegt. Scheint die Sonne, wärmt sie am Morgen dessen Ostseite auf, am Mittag heizt sie von Süden, am Nachmittg von Westen. Die jeweils beschienene Seite dehnt sich um zwei Zentimeter aus.
  2. Am 22. Juni 1502 tobt in Bern ein Hagelsturm. Eisklumpen, gross wie Hühnereier, zerstören einen Grossteil der südlichen Chorfenster des Münsters. Aus den traurigen Trümmern fertigt man ein einziges grosses neues Fenster.
  3. 1517 wird über dem Chor der "Himmlische Hof" vollendet. In dem Kreuzrippengewölbe ist jeder Knotenpunkt mit einer Heiligenfigur befestigt. Ein Heiligenhimmel schwebt also über denen, die die Kirche besuchen.
  4. Die grösste der sieben Münsterglocken wiegt fast zehn Tonnen und gilt als schwerste Glocke der Schweiz. Acht Mann brauchte es einst, sie ins Schwingen zu bringen. Dem erfahrensten Glöckner, dem Kallenfänger, oblag es, am Ende des Läutens den Glockenklöppel mit einem Seil einzufangen. An Silvester 1943 wird der Kallenfänger vom Klöppel erschlagen. Kurz darauf stellt man das Glockenwerk auf Motorenbetrieb um.

Freitag, 13. August 2021

Saratzens Vögel

Ein Pirol-Pärchen aus der Sammlung Saratz.

Gian Saratz, Tourismuspionier,
Politiker und Naturforscher.
(Bild: Wikicommons)
Ich hatte Gück, das Museum Alpin in Pontresina hatte grad offen, als ich am Dienstag vorbeikam. Und also trat ich ein. Ich erfreute mich im Folgenden an den mit Mineralien aus aller Welt vollgestopften Schaukästen, den alten Jagdwaffen, Ski, Steigeisen, den historischen Fotos der ersten Bergführer des Ortes. Am besten aber gefiel mir der Raum mit den ausgestopften Singvögeln aus der Region. Angelegt hatte diese Sammlung Pontresinas Hotelpionier Gian Saratz, 1821 - 1900. Schon als Knabe begeisterte er sich für Vögel, liess sich vom Apotheker in Bever zeigen, wie man sie ausstopft, und perfektionierte sein Können bei Fachleuten in Paris und Stuttgart. 134 von Saratzens präparierten Vögeln sind im Museum Alpin zu sehen.

Donnerstag, 28. Februar 2019

Ort des tiefsten Sprunges

Ui, ist der hoch! Der Salto Angel. (Foto: Inti/ Wikicommons)
Kürzlich recherchierte ich ein wenig zum Pissevache, einem Unterwalliser Wasserfall. Mir kam in den Sinn: Welches ist eigentlich der höchste Wasserfall der Welt? In der Schweiz bilden die drei Seerenbachfälle am Walensee im Kanton St. Gallen zusammen den höchsten Wasserfall, 585 Meter. Aber global? Ich musste es nachschlagen. And the winner is ... der Salto Angel in Venezuela, Höhe 979 Meter. Er ist benannt nach dem amerikanischen Piloten Jimmy Angel, der ihn 1937 "entdeckte", was soviel heisst wie: Für uns Gringos entdeckte. Die örtlichen Indianer nennen den Fall in ihrer Sprache "Ort des tiefsten Sprunges". Wobei auch der tapferste Indianer den Fast-1000-Meter-Sprung nicht überleben würde.

Sonntag, 23. Juli 2017

Zwei Wissenslücken gefüllt

Schwaderloch AG: Reste des Turms, in dem römische Legionäre Wache hielten.

Der Auenwald im Rossgarten,
Schwaderloch, ist der einzige
im ganzen Fricktal. Hübsch
unten am Rhein der Sandstrand.
Manchmal kommt es vor, dass ich von einer Route heimfahre und merke: Du hast etwas verpasst. Oder: Du hast etwas übersehen. In solchen Fällen nehme ich mir vor, noch einmal hinzugehen, und notiere mir das. Kürzlich ging ich noch einmal hin - und zwar nach Schwaderloch. Ich verband die Nachputzete mit einem einstündigen Spaziergang ins Nachbardorf Leibstadt. Die zwei Dinge, die ich mir gezielt anschaute: Zum einen war es der römische Wachtturm beim Oberen Bürgli etwas ausserhalb von Schwaderloch. Das gemauerte Fundament, 7,5 auf 7,5 Meter, ist imposant, der Turm wurde in der Zeit des Kaisers Valentinian ziemlich zu Ende des römischen Reiches erstellt und war Teil einer Reihe von Befestigungen, die den gesamten Raum Rhein-Bodensee sichern sollten. Zum anderen inspizierte ich Schwaderlochs geschützte Auenlandschaft am Rhein. Auch der Rest des Weges bis Leibstadt gefiel mir - und jetzt sind zwei kleine Wissenslücken gefüllt.

Donnerstag, 20. Juli 2017

Das Walliser Monster

Die Bhutanbrücke über den Illgraben. Sie schwankt beim Begehen leicht.
Netter Schluss: Egli aus Raron in der
Brasserie im Hotel Ambassador, Brig.
Ich ass sie nach der Wanderung.
Wenn der Illgraben zum Leben erwacht, dieser vegetationslose Schlund, dann ist das schrecklich. Nicht Wasser kommt das Bachbett herab, sondern eine Art Verdauungsbrei, flüssiger Schlamm mit Baumstämmen und riesigen Felsbrocken. Man kann das hier anschauen, auf Youtube gibt es eine ganze Kollektion mit Murgängen aus dem Illgraben. Für die Leute des Dorfes Susten sind die Entladungen fast schon Routine, die Eidgenössische Forschungsanstalt WSL hat ein Messsystem installiert. Eben war ich im Wallis und machte vom Bahnhof Leuk aus eine hübsche zweistündige Wanderung: auf der einen Seite des Grabens hinauf und auf der anderen Seite hinab. Ich genoss die Föhren des Pfynwaldes, den Anblick des Illhorns, die Tiefblicke in den Graben und natürlich die Bhutanbrücke am obersten Punkt, dem Wendepunkt der Route. Die Brücke aus dem Jahr 2002 ist 134 Meter lang; Gebetsfähnlein sowie ein Heiligtum mit einer Buddhafigur am östlichen Ende signalisieren, dass Know-how aus dem Königreich Bhutan in ihren Bau einfloss.
Messgeräte überwachen den Graben. Hinten in der Mitte das Illhorn.

Dienstag, 25. April 2017

Weiler, Fall, Zirkus

Der Weg gibt einem immer etwas, bisweilen erweist er sich dann als besonders grosszügig. So war das am Samstag, als ich im Glarnerland in knapp 2 1/2 Stunden von der Station Luchsingen-Hätzingen via Luchsingen, Adlenbach, Hätzingen, Diesbach und Betschwanden nach Rüti ging - ich wurde reich beschenkt. Die Schwefelquelle von Luchsingen habe ich vorgestern schon behandelt; hier nun drei weitere Dinge, die mich begeisterten.
Luchsingen, Weiler Adlenbach.
Der Diesbachfall.
Die Zelte des Zirkus Mugg an der Linth in Betschwanden.
  1. Luchsingens geschützter Weiler Adlenbach ist herrlich. Ich hatte bis anhin gedacht, dass man im Glarnerland nach Elm reisen muss, wenn man alte Holzhäuser anschauen will. Adlenbach bietet einen ganzen Schübel Holzhäuser, viele aus dem 18. Jahrhundert, einige auch älter. Auf einer gepflästerten Strasse geht man hindurch und ist gebannt und hat immer die Schneekappe des Tödi vor Augen, wenn man südwärts läuft. Wer wissen will, wie das Glarnerland vor der Industrialisierung aussah - voilà.
  2. Bei Diesbach kommt aus der Kärpf-Gegend der Diesbachfall herabgeschossen; es gibt auch die Bezeichnung "Diesbachfälle", da es sich um eine gestufte Angelegenheit handelt. Eindrücklich, wie man den Fall zuerst hört und erst dann sieht, jedenfalls ging es mir so; ein irgendwie maschinelles Rattern in der steilen Waldflanke zeigte ihn an.
  3. Bei Betschwanden erblickte ich schon von weitem eine Serie von Zeltdachspitzen. Seit fünf Jahren haust dort die Zirkusfamilie Mugg. Es gibt Zauber- und Clownvorstellungen und Ferien-Veranstaltungen für Kinder, auch mieten Firmen die Anlage für interne Anlässe. Mittlerweile ist der Zirkus Mugg ein wichtiger Arbeitgeber im hinteren Glarnerland, dem es wirtschaftlich nicht besonders geht.

Samstag, 15. April 2017

Tage des Eis

Die sind von Natur aus so blau. Drei Rotkehlchen-Eier im Nest.
(DDima/ Wikicommons)
Wir haben Ostern, es sind die Tage des Eis. Im Tagi gibt es von mir heute eine Hommage an das Ei - es ist ein grandioser Gegenstand. Bedenken wir zum Beispiel, dass kugelrunde Vogeleier viel leichter aus dem Nest kullern würden; die Eiform ist die evolutionäre Korrektur des Gefahrens-Szenarios. So hat alles seinen Sinn in der Natur. Den Artikel findet man hier, jetzt wünsche ich allen schöne Ostertage.

Dienstag, 20. Dezember 2016

Au, diese Auen!

Gestern früh fuhr ich nach Aarau mit der Idee, ein wenig der Aare flussabwärts zu folgen, es war eine Verlegenheits-Idee, mir war nichts anderes in den Sinn gekommen. Doch wie es mir in solchen Fällen oft passiert: Die Route, zwei Gehstunden bis Rupperswil, war eine Trouvaille. Zwischen Aarau und Wildegg findet sich die grösste Flussaue des Aargaus. Statt sie zu beschreiben, lasse ich hier Bilder sprechen. Sicher will ich bald fortsetzen und von Rupperswil nach Schinznach gehen.

Montag, 28. November 2016

Verrankt, verbuscht, vermorastet

Berner Wildnis an der Emme bei Utzenstorf.
Gestern vormittag eine ausserordentlich schöne Kurzwanderung von exakt zwei Stunden. Ich startete in Utzenstorf an der Bahnlinie von Burgdorf nach Solothurn und folgte der Emme nach Kirchberg und zum Bahnhof Kirchberg-Alchenflüh. Die erste Hälfte der Wanderung führte mich durch ein verwunschenes, verranktes, verefeutes, vermorastetes, verbuschtes Feuchtrevier: Emmeschachen und Urtenensumpf, die zusammen ein Auengebiet nationaler Bedeutung bilden und vielen seltenen Pflanzen und Tierarten Schutz bieten. Wobei die einzigen Tiere, die ich gestern sah, zum einen die Hunde der Hündeler waren. Und die Pferde - es waren etliche Leute hoch zu Ross unterwegs.

PS. Aus dem geplanten zweiten Schweizer Nationalpark in den Kantonen Graubünden und Tessin wird nichts. 13 der 17 einbezogenen Gemeinden hätten Ja sagen müssen - gestern am Abstimmungsonntag stellte sich heraus: Gleich 8 sind dagegen.

Montag, 11. Juli 2016

Val Strem ist Sperrzone

Derzeit Sperrgebiet: der untere Teil
des Val Strem (Blick Richtung Sedrun).
Haben das alle gewusst? Ich nicht. Zufällig stiess ich gestern im Internet darauf, dass das Val Strem oberhalb von Sedrun gesperrt ist. Sollte jemand über den Chrüzlipass wandern, also von Sedrun nach Bristen im Urnerland, verlängert sich die Wanderzeit dadurch von knapp sieben auf acht Stunden Gehzeit. Die Umleitung führt via Alp Caschlè in den oberen, nicht betroffenen Teil des Val Strem. Mitte März donnerten 200 000 Kubikmeter Geröll und Fels von der Westflanke des Cuolm da Vi nieder, verschütteten eine wichtige Wasserfassung von Sedrun. Die Gefahr, dass ein zweiter Felssturz passiert, ist nicht gebannt, daher die Sperrung des unteren Talteils bis Bauns.

Donnerstag, 5. November 2015

Wo ist denn die Töss?

Die hat ja gar kein Wasser! Die Töss in Bauma.
Die Hörnli-Antenne.
Gestern ging ich mit dem 12-jährigen Julien und seinem Grossvater Heinz im Tössbergland wandern; ich hatte die beiden im Sommer kennengelernt, und wir hatten damals abgemacht, wieder zusammen auszuziehen. Unsere zweite Route war gestern nicht allzu anstrengend: von Bauma via Hundschilen, Musterplatz, Rossweid, Gfell aufs Hörnli und dann nach dem Bratwursthalt in der recht kruden Gipfelbeiz über Tanzplatz hinab nach Steg (3.45 h, 608 m aufwärts, 651 abwärts). Das strahlende Wetter war schon fast Routine, derart lange hält es bereits an. Was mich schockierte: die ausgetrocknete Töss in Bauma; es hat seit Wochen nicht mehr richtig geregnet. Schlechtes Wetter wäre auch wieder mal gut.

Dienstag, 13. Oktober 2015

Kleine Stadt an grosser Quelle

Der Aachtopf. Bei der Brücke findet man Deutschlands stärkste Quelle.
Als ich im August für den Tagi eine Woche lang aus Trüllikon berichtete und zu einer Wanderung in der Gegend einlud, lernte ich Christine kennen. Sie wohnt in Diessenhofen, organisierte lange Jahre von Winterthur aus Wanderungen und schwärmte mir vom Hegau vor, der von Vulkankegelchen durchsetzten Gegend nördlich des Rheins. Wir verabredeten uns, dort mal zu wandern, gestern war es soweit, Deutschland zu Fuss. Unser Ausgangspunkt: Engen, das nördlich von Schaffhausen an der Bahnlinie nach Stuttgart liegt und, übrigens, eine herrliche Altstadt hat; vergesst Singen, Leute, es ist hässlich, schaut euch mal Engen an!
Torte im Gasthaus Jägermühle
beim Aachtopf. Mann, war die gut!
Von Engen wanderten wir in zweieinhalb Stunden nach Aach, der Weg war sehr gut ausgeschildert und wir sahen extrem viele interessante Dinge, von denen ich hier aber nichts erzählen will, weil ich schon bald eine Kolumne über die Route bringen werde. Aach selber war dann reizend, ein Städtchen von 2100 Einwohnern auf einem Hügel, von dem aus man den ganzen Hegau überblickt und auch die Alpen sieht, wenn nicht der Hochnebel wallt. Schliesslich erreichten wir unser Wanderziel, den Aachtopf ganz in der Nähe. So heisst, erfuhr ich, die Quelle der Radolfzeller Aach, eines Flüsschens, das dem Bodensee zuströmt. Der Topf ist nichts weniger als die stärkste Quelle Deutschlands, gespiesen aus Donauwasser, das 12 Kilometer nördlich versickert und hier wieder ans Licht kommt. Der Wasser-Ausstoss kann bis zu 24 000 Liter pro Sekunde betragen, Aach wirbt für sich mit dem Slogan "Die kleine Stadt an der grossen Quelle". Wenn das nicht ein interessantes Wanderziel ist!
Engen hat eine wunderschöne Altstadt. Eine der schönsten, die ich kenne.
Aber diese Brunnenskulptur (Darth Vader?) gehört per sofort entfernt.

Dienstag, 12. Mai 2015

Ballys pädagogischer Patriotismus

Das "Tor" zum Park, wenn man von Schönenwerd her kommt:
das Bally-Kosthaus von 1919, eine soziale Einrichtung für die Arbeiter.

Das Pfahlbauerdörfchen. Eine Brücke gibt es nicht.
Tausend Mal im Zug von Zürich nach Bern Schönenwerd passiert, immer wieder mal den Park zur Kenntnis genommen, mehr nicht. Kürzlich gingen wir hin und durchzogen den Bally-Park. Er entstand in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und liegt zwischen der Aare und dem ehemaligen Fabrikkanal. Sein Stifter war Carl Franz Bally, der Begründer der Schuhfabriken, der die öffentliche Anlage aus Unternehmer-Stolz, aber auch aus Bürgersinn und sozusagen pädagogischem Patriotismus begründete. Er wollte den Leuten ein Flaniererlebnis und Naherholung bieten und zudem die Identität des jungen Bundesstaates zelebrieren. Darum das Pfahlbauerdörfchen; in den Pfahlbauern sahen die Schweizer damals ihre wahren Vorfahren. Der Bally-Park ist bis heute eine tolle Sache, man kommt in zehn Gehminuten der Aare entlang (flussaufwärts) hin.

Dienstag, 21. April 2015

Wanderfritz und Adolf

Adolg Ogi im Jahr 2000.
(Wikicommons/ Tom)

Mein Dienstag beginnt so richtig mit einer Stunde Einzelpilates um halb acht. Danach fliege ich aus: Zuerst Kaffee mit einer lieben Freundin in Bern. Dann gegen Mittag Weiterfahrt nach Frutigen und Besichtigung des Tropenhauses. Und schliesslich um fünf Buchvernissage in Kandersteg. Wanderfreund Fritz Hegi hat seinen Führer "Wandern täglich" aktualisiert und zwölf neue Routen hinzugefügt; die erneuerte Version nennt sich "Wanderfritz zwei". An der Vernissage tritt als Stargast alt Bundespräsident Adolf Ogi auf, er wird auf einem Rundgang sein Kandersteg zeigen. Nicht übel, das Programm, oder? Gegen elf werde ich wieder in meinem Zollikerberg eintreffen und ins Bett sinken.

PS: Heute kann man in der Zeitung von mir eine Seite über Tiergeräusche in Zürich lesen. Es geht um blasende Bachen, schreckende Rehe, aufbaumende Pfauen, um überlaut miauende volltaube Büsis, schnaubende Igelweibchen in der Brunft und spottende Rabenvögel.

Donnerstag, 9. April 2015

Die Flussregenpfeiferparabel

Herziges Kerlchen. (Wikicommons/ Alpsdake)
In Opfikon ZH gibt es beim Glattpark eine grosse Baustelle. Die kiesige Fläche ist neuerdings mit 6000 Quadratmetern Thermofolie abgedeckt. So wollte es die Beamtenvorsorgekasse des Kantons Zürich, die am Ort eine Überbauung mit 117 Wohnungen realisieren will und mit der Folie eine Verzögerung des Projekts zu verhindern trachtet. Die Massnahme richtet sich gegen ein Flussregenpfeiferpärchen, das hier in der Vergangenheit brütete. Die Vogelart ist stark gefährdet und daher geschützt; eine Mulde mit Eiern würde einen Baustopp bewirken. Eine interessante Geschichte, die mein Tagi-Kollege Stefan Hohler kürzlich veröffentlicht hat - ein Lehrstück über Mensch, Tier und die Widersprüche einer rendite-orientierten Gesellschaft, die doch auch die Natur lieben möchte.
Hier kann man übrigens hören, wie der Flussregenpfeifer tönt.

Dienstag, 31. März 2015

Der Doriskult

Glasmalerei im Kloster Muri.
Vergoldeter Totenschädel in Muri.
Gestern berichtete ich über Findlinge, die wir auf unserer Samstagswanderung antrafen: den Erdmannlistein und den Bettlerstein. Die Route Bremgarten - Muri - Obfelden war aber auch abgesehen von den zwei magischen Stein-Orten toll. Zum Beispiel war da ein kleiner Waldweiher im Cholmoos unterhalb des Bettlersteins. Rührend, wie er langsam aus dem Winterschlaf erwacht; noch viel rührender, wie alle Wasservögel Abstand zu uns hielten - bloss eine Graugans wurde zutraulich und schnakte, als wollte sie uns etwas erzählen. Später in Muri besichtigten wir natürlich das Hauskloster der Habsburger mit der Loretokapelle, in der hinter einem Altar die Herzen des letzten Kaiserpaares begraben sind, das von Karl I. und seiner Gattin Zita von Bourbon-Parma. Stilvoll, dieser Begräbnisort im Kreuzgang mit den berühmten Glasmalereien. Personenkult der geschmacklosen Art dann in Merenschwand, dem Ort, wo Bundesrätin Doris Leuthard geboren und aufgewachsen ist und bis heute lebt, wenn sie nicht in Bern geschäftet. Mitten im Dorf stand ein absurdes Denkmal mit einer an ihre Zeit als Bundespräsidentin erinnernden Plakette.
Heieiei, was für ein Kitschding. Ob Frau Leuthard sich so mag?