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Sonntag, 4. Oktober 2026

Wanderung mit Zugabe

Blick von einem Aussichtskänzeli zwischen der Rotenflue und der Holzegg auf den
Vierwaldstättersee. Rechts der Bildmitte das Rigimassiv mit der Hochfluh.
Let the sunshine in: kurz vor Wanderende beim Brunni.
Der Gross Schijen, ein Kletterbergli.
Die Route von Unteriberg auf die Bergkuppe Rotenflue ist abwechslungsreich, stellten wir am Mittwoch fest. Der Anfang ist streng. Durch einen steilen, von Kalkfelsen durchsetzten Wald geht es vorbei an der Lourdesgrotte bei der Guggeren, einem tatsächlich aussichtsreichen Ort, nach Oberiberg. Sanfter ist die Steigung – die meiste Zeit jedenfalls – auf dem zweiten Teilstück via Änglisfang hinauf zum Pass der Ibergeregg, wobei in der Nähe immer mehr der beliebte Kraxelberg Gross Schijen dominiert. Von der Ibergeregg schliesslich zieht sich der Weg gemütlich durch die voralpinen Hügel, um im letzten Teil vor der Rotenflue doch kräftig zu steigen. Nach gut vier Stunden waren wir oben, genossen den Tief- und Weitblick und fanden nach dem Zmittag, dass es angesichts der Landschaft und des prächtigen Wetters schade wäre, nun schon die Gondel talwärts nach Rickenbach zu nehmen. Also gönnten wir uns eine Zugabe: via die Holzegg hinab zum Brunni. War gut, war schön, war bei etwas über fünf Stunden Gehzeit mit 920 Höhenmetern aufwärts und 750 Höhenmetern aber durchaus auch ein wenig anstrengend.
Schon ein bisschen kitschig: Am Weg von Unteriberg hinauf zur
Lourdesgrotte von Oberiberg sind unzählige Engeli platziert.

Oberiberg voraus. Links der Roggenstock.

Freitag, 2. Oktober 2026

Kleine grosse Insel

St. Martin (l.) und St. Peter und Paul auf der Insel Ufenau, die zur Gemeinde Freienbach SZ gehört.
Der leere Sarkophag des heiligen Adalrich in der Kapelle St. Martin.
Fresken in der Kirche St. Peter und Paul.
Die Ufenau oder auch Ufnau im Zürichsee ist seit mehr als 1300 Jahren ein Kraftzentrum des christlichen Glaubens. Alles Historische hat auf der kleinen Insel, die seltsamerweise doch die grösste im Land ist, mit dem Glauben zu tun. Schon um 700 stand hier eine christliche Kirche, deren Nachfolgerin die anmutige St.-Martin-Kapelle auf dem kleinen Hügel ist; in ihrem Inneren steht der Sarkophag des heiligen Adalrich, der der Sohn der schwäbischen Herzogin Reginlinde gewesen sein soll. Diese lebte auf der Insel in einem Haus, das über einen Steg im Obergeschoss mit der Kapelle verbunden war. Heisst es. Etwas unterhalb steht eine etwas grössere Kirche, den Heiligen Peter und Paul gewidmet, sie wurde auf den Mauern eines antiken Tempels errichtet. Uff, die Geschichte ist auf der Ufenau dicht, die Dinge überlagern sich, alles ist mit allem verwoben durch Tatsachen und Legenden. Am Montag schauten wir uns zur Mittagszeit beide Gotteshäuser an und gingen dann in der nahen Inselwirtschaft essen. Sie gehört, wie die ganze Insel, dem Kloster Einsiedeln, worauf schon die beiden Raben an der Hausfassade deuten, Einsiedelns Wappentier-Duo.
Die zwei Einsiedler Raben an der Fassade der Inselwirtschaft.

Hier gabs Zmittag.

Donnerstag, 1. Oktober 2026

Wir wanderten im See

Der Seegrund bei der Insel Ufenau, normalerweise deckt ihn Wasser.
Lebt hier Robinson? Reizvoll ist die verlandete Fläche schon.
Das Kursschiff kommt.
Der Pegelstand des Zürichsees ist krass niedrig, betroffen ist unter anderem die Passagier-Schifffahrt, die verschiedene Ziele nicht oder nur eingeschränkt bedienen kann. Zum Beispiel die Insel Ufenau, die weniger oft angesteuert wird. Am Montag machten wir einen Ausflug auf die Ufenau und waren schon bei der Annäherung schockiert, grosse Flächen, die normalerweise als eine Art Lagune knapp unter Wasser liegen, sind temporär verlandet. Was uns Anlass gab zu einem ganz besonderen Spaziergang über den ausgetrockneten Seegrund, der leicht nach fauligem Schluck roch. Mit anderen Worten: Wir wanderten nicht am, sondern im Zürichsee.

Dienstag, 29. September 2026

Zur Musik gewandert

Die Aussicht vor Hauptikon: links die Rigi, unter ihr der Zugersee.
Wandern bedeutet auch: Farbe tanken.
Am Sonntagnachmittag wanderte ich von Mettmenstetten nach Kappel am Albis. Säuliamt also, Kanton Zürich. Eine lange Unternehmung war das nicht – anderthalb Gehstunden. Um nicht zu früh in Kappel anzukommen, verbrachte ich viel Zeit auf zwei Bänkli. Das eine stand nah Hauptikon unter einem Birnbaum, ich ruhte, schaute gemütvoll Richtung Zugerland, wunderte mich über die unangemessene Hitze an diesem Spätseptembertag, als … autsch! Eine überreife Birne knallte mir auf den Schädel. Gott sei Dank wars eine eher kleine, Gott sei Dank platzte das matschige Ding nicht. In Kappel gönnte ich mir dann ein kleines Bier in der Klosterbuvette. Alsbald ging ich in die Kirche und hörte mir dort das Konzert des A Cappella Chors Zürich an; eine Bekannte tut im Chor mit und hatte mich eingeladen. Die feine, reine Musik, Renaissancemelodien vor allem, stürzte mich im Verbund mit der ganz besonderen Atmosphäre des gotischen Gemäuers in eine Art Trance. Es war das gute Ende einer guten Wanderung.
Mein Ziel, das ehemalige Kloster von Kappel am Albis.

Noch zehn Minuten, bis das Konzert beginnt.

Sonntag, 27. September 2026

Die Verweigerin

Von einer lieben Redaktionskollegin habe ich zur Pensionierung letzte Woche ein hübsches kleines Buch erhalten, das vor vielen Jahren gelesen zu haben ich mich erinnere. Nun lese ich es wieder, und alles ist mir neu, erstaunlich, wie der Mensch vergessen kann. "52 Wanderungen" von Franz Hohler entstand im Jahr, nachdem der Oltner Schriftsteller 60 geworden war, er beschloss an seinem Geburtstag, sich jede Woche eine Wanderung irgendwo im Land zu gönnen. Die Berichte von diesen Unternehmungen sind unaufdringliche Protokolle. Gespreizten Stil, wilde Wendungen, Sensationen findet man nicht. Aber doch die ruhige Prosa eines genauen Beobachters. Nur schon der Satz über die Sihl, an der die erste Wanderung entlangführt, gefällt mir. Er holt mich sozusagen ab, weil ich selber des öftern gedacht habe, dass die Sihl doch eigentlich bei Pfäffikon oder Richterswil oder Wädenswil in den Zürichsee münden müsste; stattdessen zieht sie parallel zu ihm nach Norden. Sie verweigert sich dem naheliegenden Gewässer. In den Worten Franz Hohlers, dessen Wanderwerklein ich nur empfehlen kann: 

"Was für ein eigenwilliger Fluss, die Sihl. Statt sich von Einsiedeln aus auf geradem Weg in das einladende Zürichseebecken zu ergiessen, hat sie alles getan, um diesem See auszuweichen, und es ist ihr gelungen; sie versteckt sich die längste Zeit hinter einer Seitenmoräne des Linthgletschers und mündet knapp hinter dem Seeausfluss in die Limmat."

Dienstag, 15. September 2026

Schönes Wetter, schöne Stadt

Zürich ist nie schöner, als wenn die Wolken sich über dem See auftürmen. Dachte ich gestern, als ich nach einem Zmittag beim Paradeplatz ein wenig durch die Stadt bummelte. Wobei ich mir vornahm, das in Zukunft noch mehr zu tun als bisher. Ein halber Monat bleibt, dann bin ich pensioniert.

PS: Morgen gibts hier wieder Substanzielleres, von unserer Samstagswanderung im Schwarzbubenland soll berichtet werden.

Freitag, 11. September 2026

Eine Frage des Winkels

Gewellter Rücken: auf dem höchsten Punkt des Mont d'Or (F).
So sah ich den Mont d'Or auf meiner Wanderung leider nicht,
die Felswände bleiben beim Anmarsch von Vallorbe (fast) verborgen.
(Foto: Wikicommons/Vodimivado)
Verdorrter Gelbenzian. Hinten rechts ist in der Tiefe der Lac de Joux erahnbar.
Der dunkle lange Kamm links ist die Dent de Vaulion.
Die Cabane du Mont d'Or circa
20 Gehminuten unterhalb des Gipfels.
Heiss wars am Dienstag, als ich im Waadtländer Grenzdorf Vallorbe loszog; dies war der letzte richtige Sommertag vor dem Temperatursturz. Der Aufstieg zu meinem Gipfelziel führte zunächst durch einen stillen Buchenwald. Höher oben erreichte ich ein Waldsträsschen, kam dann in ein Gebiet typisch jurassischer Weideflächen mit eingestreuten Fichten; markant eine SAC-Hütte, die freilich verschlosssen war. Und dann war ich auch schon ganz oben. Der Mont d'Or, 1463 Meter über Meer, steht auf französischem Boden und ist ein überaus spektakulärer Berg, wobei ich die nackten Kalkwände, die ihn zur Schweiz hin begrenzen, auf meiner Route nur teilweise sehen konnte – eine Frage des Winkels. Beim höchsten Punkt hatte es doch einige Leute, nachdem ich zuvor zweieinhalb Stunden allein unterwegs gewesen war. Grandios die Aussicht, insbesondere gefielen mir in einiger Distanz der Suchet, die Aiguilles de Baulmes und der Chasseron, die ich alle schon besucht habe. Ich verweilte, ich schaute, ich genoss. Und stieg dann wieder ab nach Vallorbe und trank dort im Bahnhofbuffet ein kaltes Bier. Essen mochte ich nicht, es war mir schlicht zu heiss. – 3 h 30 min. Je 690 Hm auf- und abwärts.
Baumskelett.

Sonntag, 6. September 2026

Spatenstich in Morgarten ZG

Bauvisier (r.) am Weg zum Morgarten-Denkmal.
Blick vom Denkmal auf die Theaterbühne und den Ägerisee.
Es darf nicht wahr sein! Bis jetzt wurde das Morgarten-Denkmal in Morgarten ZG einigermassen in Ruhe gelassen. Seit 1908 steht es schön für sich auf einer kleinen Anhöhe über dem Ägerisee. Und jetzt das! In der Wiese unter dem Denkmal sind Bauvisiere aufgestellt, eine Investorengruppe namens "Team of Visions" will ein Luxusresort realisieren. Ich war empört, als ich am Freitag vorbeischaute.

Das Plakat der Aufführung.
Nein, nein. Natürlich war ich nicht empört. Die Bauvisiere sind fake. Teil eines Theaterprojekts sind sie, des zweiten "Morgarten-Spektakels" nach einem längeren Intermezzo. Das Stück "Spatenstich" spielt gleichzeitig in der Vergangenheit des geschichtsträchtigen Platzes und in der Gegenwart. Um Heimatliebe versus Profitgier geht es grob besagt, die Gemüter erhitzen sich heftig. Las ich in den Rezensionen.  Am 7. August war Uraufführung, noch bis 19. September laufen Vorführungen. Könnte sich lohnen hinzugehen.

Samstag, 5. September 2026

Ich konnte mich nicht sattfotografieren

Beim Felsentor: der Vierwaldstättersee mit dem Bürgenstock am Ufer vis-à-vis.
Hinten rechts der Pilatus, hinten etwas links der Bildmitte das Stanserhorn.
Pforte aus verkeilten Blöcken: das Felsentor.
Mein Zmittag nach drei Gehstunden.
Ich habe gestern von den Treppen erzählt, die an der Rigi den Geissrügge bewältigen und hinauf zum Aussichtspunkt Chänzeli leiten. Das kleine Abenteuer war am Mittwoch Teil einer grösseren Unternehmung – Gehzeit 3 h 40 min, 940 Hm aufwärts, 390 Hm abwärts. Wir starteten bei der Bahnstation Romiti Felsentor. Kamen gleich zum Felsentor, einer magischen Felspforte. Durchquerten das Areal des gleichnamigen spirituellen Zentrums, stiegen auf einem breiten Weg durch die Felsbänder ab zum Ober Säntiberg. Worauf der lange Aufstieg nach Rigi Kulm begann. Er führte uns zur Müseralp, über den Geissrügge, zum Chänzeli, zur Staffelhöhe und zur Rigi Staffel. Dort gabs Zmittag auf der Terrasse des "Lok 17", ich hatte eine Pouletbrust an Harissa-Sauce mit Couscous, ganz fein. Es folgte der Schlussaufstieg zum Gipfel. Vielseitig und abwechslungsreich, diese Route. Wenn eines sie zusammenhält als optische Klammer, dann die unzähligen Tiefblicke aufs blaue Wasser, das des Vierwaldstättersees vor allem, aber auch des Zugersees. So schön war das, dass ich mich nicht sattfotografieren konnte.
Die Kapelle Heilig Kreuz zwischen Felsentor und Ober Säntiberg.

Blick vom Rigi-Gipfel über den Zugersee nach Norden.

Mittwoch, 2. September 2026

Land am Wasser

Vor Wochen: Einkehr im "Eierhals" im Weiler Morgarten ZG.
Eben berichtete ich vom "Eierhals", einem Restaurant mit eigener Fischerei am Ägerisee, das nach der gleichnamigen Flur so heisst. Eigenwillige Sache, woher kommt das Wort? Auf ortsnamen.ch wurde ich fündig und kann vermelden: Um Eier gehts hier gar nicht. Die Deutung bzw. die Deutungsvarianten in zwei Teilen:

  1. Hals bedeutet entweder einen Einschnitt oder eine Engstelle, gemeint sein könnte die Runse des Eierhalsbaches. Oder die Engstelle zwischen Hang und See.
  2. Früher hiess der Ort Heierhals. Heier hat zu tun mit hegen, womöglich geht  es um einen Ort, an dem man pflanzte oder hegte. Alternative Deutung: Ei kann auch Land am Wasser bedeuten.

Sonntag, 23. August 2026

Hochgeschwindigkeitshagel

Blick von der Alpwirtschaft Rittmarren Richtung Zürichsee.
Die Wirtschaft.
Der Zmittag.
Eine schmucke, höchstens mittelstrenge St. Galler Wanderung, die ich mit Freund M. am Mittwoch machte: von der Bushaltestelle Dorf in Kaltbrunn hinauf zum Bahnhof, weiter hinauf via Port nach Giegen, noch weiter hinauf auf den Axerberg. An diesem höchsten Punkt der Route auf 1142 Metern über Meer war im Wald ein ungeheuerlicher Lärm zu hören, es ratterte und donnerte schon von Weitem, und ich musste an den "Odysseus"-Film denken, der im Kino läuft; der Titelheld ist ja, derweil er mit seinen Gefährten heimwärts reist bzw. irrt, permanent mit Monstern und Bedrohungen aller Art konfrontiert. Nun, in unserem Fall kamen wir zu einem Kran, der ganze Baumstrünke in eine Verschrotungsmaschine hievte, die wiederum die Schnitzel auf einen Lastwagen spuckte unter schauerlichem Prasseln. War ziemlich eindrücklich – Hochgeschwindigkeitshagel. Nun, kurz darauf war wieder alles friedlich und erreichten wir die etwas tiefer aussichtsreich platzierte Alpwirtschaft Rittmarren. Dort assen wir ein Rindsgeschnetzeltes vom Hof und hielten danach hinab zum nahen Restaurant Bildhaus an der Rickenstrasse. Ein Bier für mich und Glace für M. beschloss auf der Terrasse die Tour. – Die Angaben: 3 h 35 min. 760 Hm aufwärts, 410 Hm abwärts.
Sie sind immer wieder schön.

Mittwoch, 19. August 2026

Vier Seen auf einen Streich

Das schönste Gewässer des Tages: der Seefeldsee, vom Abgschütz aus gesehen.
Abstieg vom Mittelpunkt der Schweiz Richtung Sachseln, der Anblick des Sarnersees motiviert.

Im letzten Eintrag erzählte ich vom Mittelpunkt der Schweiz auf der Älggi-Alp im Kanton Obwalden. Eigentlich wollte ich da gar nicht hin, als ich am Samstagmorgen auf Melchsee-Frutt früh startete. Mein Ziel war der Hochstollen, den ich vor mir hatte. Doch auf dem Abgschütz, einem Pass, fasste ich anderthalb Stunden später einen neuen Plan, dies schlicht darum, weil eine Riesengruppe junger Männer vor mir zum Hochstollen abbog. Auf dem Gipfel würde ich keine Ruhe finden, wusste ich und verspürte Unlust. Ich konsultierte den Abgschütz-Wegweiser, sah die Älggi-Alp als Ziel aufgeführt, voilà. Es folgte ein grober, wirklich sehr grober Abstieg zum Sachsler Seefeld durch eine geröllige Felsflanke: hohe Tritte, Ketten, Eisenbolzen halfen. Auf dem Seefeld wurde alles wieder leicht, und bald erreichte ich, eine Geländestufe tiefer, den Mittelpunkt der Schweiz. Was mich dort enttäuschte, habe ich gestern erzählt: Das Gasthaus war geschlossen. Mittlerweile wasserlos, trat ich den langen Marsch hinab nach Giswil oder Sachseln an; weil es gegen Westen zu nach Gewitter aussah, nahm ich nicht den Pfad durch das Tobel der Kleinen Melchaa. Zwei Stunden lang tippelte ich auf dem Strässchen, Autos fuhren praktisch keine vorbei. Ich fühlte mich schon ziemlich ausgetrocknet, als weit unten doch ein Auto kam und hielt. Ein junger Obwaldner lud mich auf, so fiel der Schluss meiner Wanderung komfortabel aus, in Sachseln rehydrierte ich im "Denner" – herrlich. Aber anstrengend war das durchaus gewesen: fast fünfeinhalb Stunden Gehzeit bei 430 Höhenmetern aufwärts und 1750 Höhenmetern abwärts. Und noch dies: Nicht zuletzt waren es die vier wunderbaren Seen und Seelein, die mir von dieser Route bleiben werden.
Zwei Stunden Hartbelag: das Strässchen, auf dem ich Richtung Sachseln marschierte.

Freitag, 14. August 2026

Rötelsamstag

Mein Rötel mit Gemüse und Kartoffelstäbli.
An gewissen Tagen ist das Leben einfach gut zu einem. Letzten Samstag fuhr ich mit dem Plan über den Ägerisee, mir das Morgarten-Schlachtdenkmal beim Buechwäldli anzuschauen. Und dann im Restaurant Buechwäldli gleich nebenan, einem bekannten Fischlokal, etwas zu essen. Fisch. Nun, mein Tisch auf der ansonsten pumpenvollen Terrasse war parat, als ich im Restaurant eintraf, bloss kam gleich die Wirtin und teilte mit, man sei überlastet, es laufe im Haus auch noch ein Bankett, ich müsse nach dem Bestellen sicher eine Stunde warten. Die Wirtin sagte das total nett, es war ihr gar nicht recht. Nun, wir trennten uns im Frieden, und mir fiel ein, dass zwei Bushaltestellen entfernt das Hotel-Restaurant Eierhals liegt, in dem ich noch nie war. Ich wechselte dorthin, es hatte genug Platz, ich wurde freundlich bedient, hatte bald einen Teller mit Zuger Rötel vor mir, einem Seesaibling. Schmeckte umso besser, als der Fisch aus dem Gewässer direkt vor meinen Augen stammte. Der "Eierhals" ist eines der wenigen Restaurants im Land mit einer eigenen Fischerei; was serviert wird, ist garantiert frisch, je nach Fang gibt es Egli, Felchen, Hecht, Seeforelle, Trüsche und – eben – Rötel. Der Betrieb hat im Übrigen eine tiefe Geschichte. Die Familie Merz lebt hier seit 1744, bauert und fischt, eröffnete 1891 ein Restaurant. Eines, das ich gern wieder aufsuchen werde.

Blick von der Bushaltestelle auf den "Eierhals".

Mittwoch, 12. August 2026

Lautlos übers Wasser

Schon schön, im Elektro-Motorschiff über den Ägerisee zu gleiten, ein Windchen im Haar, die Landschaft schmuck, der Antrieb praktisch lautlos. Die E-MS Ägerisee ging 2003 als Motorschiff in Betrieb, wurde letztes Jahr auf Elektrobetrieb umgerüstet, kann 130 Personen fassen. Als ich letzten Samstag von der Schifflände Unterägeri zum Morgartendenkmal reiste, war sie vielleicht zu einem Drittel besetzt, herrlich, es gab Platz, und die Besatzung war so was von entspannt. Ich kann die Fahrt allen empfehlen, die sich entspannen und ein bisschen Frische tanken wollen.

Montag, 10. August 2026

Ein Tag im Gebirge

Zehn Minuten vor Wanderende: Es wird Abend in Sur.
Wunderschön, diese Wanderung. Aber auch anstrengend. Kürzlich nahm ich die frühestmögliche Verbindung vom Zollikerberg auf den Julier, Haltestelle La Veduta. Unterwegs stieg mein Bündner Bergfreund Peider zu, gemeinsam starteten wir auf dem Pass. Stiegen das Val d'Agnel hinauf, bogen ab zum höchsten Punkt des Tages, der Fuorcla digl Leget auf 2710 Metern über Meer. Das namensgebende Seelein ("Leget") lag uns zu Füssen. Hart der folgende Abstieg, zuerst gingen wir auf einem enorm steilen, rutschigen, bröseligen, staubigen Erdpfad, kamen dann in die Geröllzone. Weiter unten erreichten wir Weideböden, weit war es freilich auch da noch bis zur Alp Flix. Als wir auf ihr ankamen, gönnten wir uns auf der Terrasse des Berghauses Piz Platta Kaltes, ich ein Bier, Peider einen Eiscafé. Nun hätten wir eine Stunde warten müssen bis zur Abfahrt des Kleinbusses, der hinab nach Sur verkehrt. War uns zu lang, wir machten auch dieses unschwierige Stück noch zu Fuss und langten rechtzeitig unten an. Die Zeit hätte sogar noch für einen Einkauf im modernen, automatisierten 24-Stunden-Laden von Sur gleich bei der Postautohaltestelle gereicht, bloss kamen wir drinnen nicht mit der Kasse zurecht. Kein Problem, es wäre ja mehr ein Sympathiekauf gewesen. Um 5 Uhr 25 morgens war ich im Zollikerberg gestartet, um 21 Uhr war ich wieder daheim – um grandiose Eindrücke reicher. (5 Stunden, 640 Meter aufwärts, 1310 Meter abwärts)

PS: Morgen geht es um einen Abstecher auf dieser Wanderung zu einer grossartigen geologischen Formation.

Allein der Anblick kühlt ab: das Seelein auf der Fuorcla digl Leget.
Steiler Abstieg von der Fuorcla.

Es ist nicht mehr weit bis zu den flachen Böden der Alp Flix (Bildmitte).
Romantisches Surses: Spätnachmittagslicht auf der Alp Flix.