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Sonntag, 22. Dezember 2024

Zürcher Sinnesverwirrung

In der Tutanchamun-Show in Zürich.
Zur Show gehört eine Photo-Box.
Man setzt sich rein und wird abgelichtet.
Hier ein Porträt, das mich im Outfit der
Pharaonenzeit zeigt. Vorteilhaft ist das
Foto ja nicht. Immerhin war es gratis.
Sein Vater war der Pharao Echnaton, der in Ägypten den Ein-Gott-Glauben durchsetzen wollte und damit grandios scheiterte. Wer seine Mutter war, ist unklar, vielleicht Nofretete, die durch ihre Büste, ein wundervolles Kunstwerk, berühmt ist bei uns Heutigen. Warum aber erinnern wir uns an Tutanchamun, der um 1332 vor Christus als Kind auf den Thron kam und schon mit 18, 19 oder 20 Jahren starb? Ein bedeutender Pharao war er nicht. Aber ...  sein Grab war das erste, das europäische Archäologen ungeplündert vorfanden; als der Engländer Howard Carter es 1922 entdeckte, traten Goldschätze und andere Kostbarkeiten von unschätzbarem Wert ans Licht. In der Lichthalle-Maag in Zürich läuft derzeit eine Tutanchamun-Ausstellung, die auf dem technischen Verfahren der Immersion beruht: digitale Projektionen rund um die Besucherinnen und Besucher, dröhnende Musik, ein Wirbel immer neuer Bilder. Letzten Freitag schauten ich und drei Redaktionskolleginnen uns das Spektakel an, wir fanden es im Vergleich mit der früheren Leonardo-da-Vinci-Show am selben Ort mässig gut gemacht. Nicht wirklich berauschend. Begeistert waren wir immerhin von einer zehminütigen Zusatz-Veranstaltung, für die man extra zahlt: Wir bekamen Brillen aufgesetzt, die den Nachtsichtgeräten heutiger Militärs ähneln und ein Virtual-Reality-Erlebnis ermöglichen. So ausgestattet, traten wir ein in die Grabkammer Tutanchamuns. Schwer zu schildern, wie sich das anfühlte, es war jedenfalls eine köstliche Sinnesverwirrung, wir sahen Schätze, hielten nicht-existierende Laternen in den Händen, die die Ecken des Grabes ausleuchteten, blickten hinaus in die Wüste. Wenn schon Tutanchamun in Zürich, dann Tutanchamun+. Mit der Illusionsbrille.
Die Frau links und die Frau rechts helfen zwei Besucherinnen
mit den Virtual-Reality-Brillen und instruieren sie. Gleich
gehts in die Grabkammer des Tutanchamun – Pharaos Schätze warten.

Sonntag, 13. Mai 2018

Verdammt lang her

Das Finale. Zuvor durfte man nicht fotografieren. Vorn in Blau die Russinnen.
Gestern nachmittag war ich mit meinen beiden Neffen, neun- und elfjährig, in Zürich im Circus Knie. Gefiel mir gut. Zwanzig Jahre lang war ich nicht mehr im Zirkus gewesen und war im Vorfeld skeptisch gewesen. Rasch begann aber doch der Charme der Live-Darstellung zu wirken, wozu die Zirkuskombo auf der Empore viel beitrug. Etwas enttäuscht war ich von den Tiernummern: mehrmals Pferde, aber keine Tiger und Löwen, ich nehme an, das ist nicht mehr politisch korrekt. Nicht einmal ein paar Pudel hatten sie, die durch Reifen sprangen. Dafür waren die Akrobatiknummern atemberaubend. Vor allem die acht Russinnen der "Skokov Troupe" in ihren feenhaften Gewändern; ihre Sprünge und Salti von der einen Schwingschaukel zur anderen waren allein den Eintritt wert. Meine Neffen sahen das ähnlich und liebten auch die etwas derben Spässchen der Gastkomikerin Regula Esposito, die als Helga Schneider durch die Ränge galoppierte und Pointen drosch. Ich hätte am Ende Schulnote 5.5 gegeben, der eine Neffe 5.75, der andere, mein Göttibub, eine glatte 6.

Dienstag, 30. Januar 2018

Schweigend, aber hörend


Zwei Kilometer südöstlich von Heiden AR liegt die Raspeln, von der aus man den Bodensee vor Augen hat. Als ich dort am Samstag den Chindlistein sah, war das atemberaubend. Der gerundete, Kratzspuren, Rinnen und Löcher sowie Graffiti aufweisende Stein in der einsamen Gegend - sein Anblick machte mich glücklich. Er kam mir vor nicht wie ein Objekt, sondern wie ein machtvolles Wesen. Schweigend, aber hörend. Für alle, die hinwollen: Der Chindlistein ist auf der Karte eingezeichnet und liegt an einem Wanderweg, auch gibt es neuerdings den Chindlisteiweg.

Sonntag, 22. November 2015

Seidenhuhn und Stör

Vor einiger Zeit war ich im Tropenhaus Frutigen; erst jetzt komme ich dazu, darüber zu schreiben. Ich betrat den ersten Raum, ein Gewächshaus, und war schon begeistert: diese Wärme! Und gleichzeitig draussen vor den Scheiben die hohen Berge mit Schnee. Zweieinhalb Stunden hielt ich mich im Tropenhaus auf, dessen Konzept das folgende ist: Das seit dem Neat-Lötschberg-Basistunnel-Bau 20 Grad warm aus dem Berg sprudelnde Wasser wird verwendet für die Zucht von Stören und die Kaviarproduktion. Die Abwärme geht in den Tropengarten. Dessen Früchte wiederum werden mit dem nährstoffreichen Abwasser aus der Fischzucht gedüngt. Das Ensemble lässt sich touristisch verwenden, so dass nun zum Beispiel ein Widmer kommen und sich freuen kann. Die Pflanzen und Früchte von Guave über Chili bis Banane! Die haiartig in ihren Becken patrouillierenden Störe! Die frisch geschlüpften Seidenhuhn-Küken! Das schöne Restaurant, wo man Stör-Hackbraten essen kann, wenn man Mut hat! Ich nahm, ich gestehe es, das Pouletgeschnetzelte mit Kokosreis.

PS: Die Störzucht ist ein heikles Geschäft. Vor zwei Jahren verendeten 20 000 Jungstöre, nachdem die Sauerstoff- und Wasserpumpen ausgefallen waren.

Sonntag, 18. Oktober 2015

Die Polterfrauen von der Haggenegg

Diese sechs Frauen fotografierte ich unterhalb der Haggenegg im Kanton Schwyz. Ja, bestätigten sie unsere Vermutung, Polterabend. Welche von ihnen denn heirate? Sie, sagten sie und deuteten auf die eine (die zweite von rechts). Die Frauen waren gut drauf, lustig, freundlich, fröhlich, nicht betrunken, sondern allerhöchstens angeheitert, ich dürfe sie gern fotografieren. Sie fragten dann noch schüchtern - der Nebel war dicht: Sie, wissen Sie, ob wir noch auf dem Rundweg zum Mostelberg sind, geht es auf diesem Weg retour zur Seilbahn? Wir bejahten, verabschiedeten uns, zogen davon und redeten, wieder entre nous, darüber, wie sich das Gefühlsregime der Schweizerinnen und Schweizer oder doch dessen äusserer, sichtbarer, öffentlicher Teil geändert hat. Wieviel extrovertierter dieses Volk doch ist als vor dreissig, vierzig Jahren!

Sonntag, 27. September 2015

Der Mond ist eine Frau

Morgen Montag früh, fast noch in der Nacht, kommt es zur totalen Mondfinsternis; sie sollte bei uns gut beobachtbar sein. Die Phase der totalen Finsternis dauert etwas über 70 Minuten, vorher und nachher gibt es lange partielle Phasen. Um 4 Uhr 11 beginnt die totale Phase, die maximale Verfinsterung ist um 4 Uhr 47 erreicht. Die Finsternis kommt dadurch zustande, dass der Mond in den Kernschatten der Erde gerät. Genauer gesagt, zieht der Mond durch den Schatten der Erde, die zwischen Mond und Sonne steht. Alles klar? Ich habe immer Mühe, mir solche Dinge vorzustellen, in diesem Fall geht es dank obiger Grafik. Der Fahrplan zum astronomischen Grossevent als Screenshot:

Und nun noch etwas Interessantes aus der Welt der Phil-Einser: Gewusst, dass der Mond auf Englisch eine Frau ist? Der Sprachgebrauch schwankt ein wenig, manchmal sagt man für the Moon auch it. Herkömmlich aber, im klassischen Gebrauch sowieso, sagt man she. Hier ein Beleg, eine Gedichtstelle aus John Miltons Poem "Paradise Lost" von 1667:

Sonntag, 16. August 2015

Trüllikon, ich komme

Trüllikons Kirchturm. Riegelbauten dominieren ansonsten das Ortsbild.
Morgen packe ich mein Köfferli und fahre für ein paar Tage nach Trüllikon im Zürcher Weinland. Der Tagi hat nämlich eine Sommerserie "Mein Ferienprojekt". Jeder der Autoren, die mitmachen, absolviert eine Woche, in der er eben ein Projekt vorantreibt: Eine Kollegin bemühte sich, ihre Höhenangst loszuwerden, ein Kollege half eine Sau schlachten und erlernte das Wursten. Mein Projekt ist es, ein Trülliker zu werden - daher der Auszug ins Weinland. Unstreng wird das nicht, denn immerhin gilt es, sechs Tage hintereinander einen grossen Artikel zu schreiben. Meinen ersten gibt es morgen, darin kann man lesen, wie ich auf Trüllikon kam. Die Fotos mache ich übrigens selber, allerdings nicht mit meiner geliebten Kamera, sondern per Smartphone-Nostalgie-App Hipstamatic. Trüllikon, ich komme.

Freitag, 22. Mai 2015

Jener Sommer 89

Damals in Palmyra.
Palmyra, arabisch Tadmur, ist in der Hand der IS-Barbaren. Das meldet das Radio. Oh Graus. Mir fällt jener Sommer 89 ein, in dem wir die Oasenstadt besuchten. Wir, das waren eine Handvoll Berner Arabisch-Studis und ein paar gleichaltrige junge Syrer; man hatte sich in Homs kennengelernt. Heiss war es, staubig, wir gingen endlos durch die Ruinen, tranken dann im Schatten Bier. Und einer der jungen Syrer sagte, dass dort hinten in der Wüste, dort hinten... Er begann zu flüstern. As-sidschn, flüsterte er und wurde ganz bedrückt. As-sidschn: das Gefängnis. Er meinte ein Foltergefängnis. Damals herrschte noch Asad-der-Vater. Heute ist es Asad-der-Sohn, besser ist gar nichts.

Donnerstag, 23. April 2015

Kandersteg by Ogi

Vorgestern, 17 Uhr, Kandersteg: Ogi begrüsst.
Grabstein für Ogis Urgrossvater an
der Wand der reformierten Kirche.
Am Dienstag war Buchvernissage in Kandersteg, Fritz Hegi stellte seinen neuen Wanderführer vor. Als Stargast geladen war Adolf Ogi, 72, der auf einer einstündigen Route sein Dorf präsentierte und allerbestens unterhielt. Der alt Bundespräsident berichtete von den Lawinenverbauungen Fisi, an denen sein Vater mitgearbeitet hatte. Er nannte das Schulhaus "meine Universität" und erzählte vom Lehrer, bei dem man jeden Morgen erstens betete, zweitens sang und drittens politisierte. Und er liess Staatsbesuche wiederaufleben, den von François Mitterrand etwa, der zu ihm spontan gesagt habe: "Je veux voir votre papa et votre mère." Man lernte viel mit Ogi, man lachte und erfuhr doch auch von den Problemen des Ortes, etwa von der Hotellerie, in der einige Betriebe zu kämpfen haben.

Zur Führung gehörte ein Besuch in der reformierten Kirche von Anfang des 16. Jahrhunderts. Ogi hatte den eben abgetretenen Dorfmetzger Hans Schüpbach herbeiorganisiert, der auf der Orgel virtuos drei Lieder spielte. Er sei in dieser Kirche getauft, konfirmiert und getraut worden, erklärte Ogi. Draussen an der Kirchenwand sei sein Urgrossvater begraben, der als Co-Führer für vier Engländer 1860 einer der Erstbesteiger der Blüemlisalp war. Ganz nah sei auch sein Sohn Mathias beerdigt, der 2009 an Krebs gestorben war. In diese Kirche sei er, Ogi, auch gekommen, wenn er im Bundesrat Probleme gehabt habe. "Ich sass dann einfach nur eine Zeitlang still da."
Ogi in der Kirche, wo er getauft, konfirmiert und getraut wurde.

Donnerstag, 16. April 2015

Poesie und Delirium im Limmattal

Gestern Besuch im Bruno Weber Park am Hang oberhalb von Dietikon und Spreitenbach. Der Künstler, 1931 bis 2011, ein lebenslänglicher Maniker, schuf sich unter kreativer Missachtung zonenrechtlicher Bestimmungen ein Gesamtkunstwerk, sein persönliches mythologisches Set, einen Kosmos mit gewaltigen Giraffen- und Spinnenfiguren, bizarren Hybridgeschöpfen, klauenfüssigen Picknickstühlen, einer aus Drachenwesen zusammengesetzten Rundbrücke so hoch wie ein altrömischer Aquädukt. Das Betriebskonzept und den Businessplan lieferte der Mann nicht mit, der Park schlägt sich daher mit stiftungsrechtlichen und anderen juristischen Ungereimtheiten sowie Geldproblemen herum und schien einmal ganz schliessen zu müssen; wie er auf lange Frist betrieben werden kann, ist nach wie vor unklar. Als Besucher ist man nie ganz sicher, ob nicht das eine oder andere Exponat marode ist und eventuell zusammenbrechen und einen verschütten könnte; manches Ding bräuchte dringend einen Materialcheck und eine Auffrischung. Aber faszinierend ist der, sagen wir mal, Trip schon. Webers Park ist: LSD-Tarantula-Fantasie. Angkor Wat und Dschungelcamp. Hundertwasser-Farbexplosion im Widerstreit mit H.R. Giger-Alien-Düsternis. Erich-von-Däniken-Götterastronauten-Parade und Totempfahlland. Nachempfindung präkolumbischer, schwarzafrikanischer und pharaonischer Skulpturentraditionen. Mad-Max-Spielplatz mit Schrottappeal. Altes Haus von Rocky Docky und Villa Kunterbunt, extraterrestrischer Zoo und kollektives Unbewusstes zum Begehen. Poesie und Delirium mischen sich im Limmattal.

Donnerstag, 8. Mai 2014

Die Ostermedaille

Leider hatten sie bei Trophies.ch das Sujet "Wandern" nicht.
Und also nahm ich halt den "Orientierungslauf". Das passt
insofern, als sie bei meinem Grüpplein oft fast rennen.

Als Student arbeitete ich von 1985 bis 1989 drei Tage pro Woche für die Appenzeller Zeitung; die anderen vier Tage, Montag bis Donnerstag, verbrachte ich in Bern und, eben, studierte. Als Jungjournalist musste ich regelmässig Vereinsanlässe rapportieren. Ein Wort ist mir von damals geblieben: "Absenden". Einmal im Jahr trafen sich die Schützen oder die Theäterler oder die Sänger von Dörfern wie Trogen, Hundwil, Schwellbrunn zum Absenden, was hiess, dass sie das Jahr Revue passieren liessen. Epische Berichte von Ausflügen mit dem Car wurden rezitiert und endlose Ranglisten von Wettkämpfen verlesen, an denen man teilgenommen hatte. Mit anderen Worten: Man feierte noch einmal das Jahr und sich selber. Der arme Widmer kämpfte derweil gegen den Schlaf; nun ja, Lehrjahre sind bekanntlich keine Herrenjahre.

So ein Absenden hat mein doch bald zehn Jahre altes Wandergrüpplein nicht. Aber natürlich brauchen auch wir Rituale. Sie entwickeln sich allmählich. Wir gehen zum Beispiel ab und zu gern zu nach dem Wandern zu unserer Lieblingsserviererin Maggy in den St. Gallerhof beim HB Zürich - Schlussbier und so. Und wir treffen uns jeweils vor Weihnachten zum Weihnachtsessen, natürlich samt einer Winterwanderung. Ja, und nachdem wir kürzlich an Ostern einen Weitwander-Versuch unternahmen und es an der Reuss auf 43 Kilometer brachten, könnte es sein, dass sich auch da etwas Ständiges, Wiederkehrendes ergibt. Bereits jedenfalls wollen die ganz Harten im Grüppli die 50 Kilometer anvisieren. Und R. redet in einem Anfall von Wahnsinn gar von 100 Kilometern. Um uns selber und die heroische Ostertat ein wenig zu zelebrieren, liess ich kürzlich bei einem Medaillenshop hübsche Medaillen fertigen. Denn eben, wir haben einen Verein (das klingt nach Mani Matter). Und ein rechter Verein braucht ein Gedächtnis.

Sonntag, 4. Mai 2014

Schwindeleien

Franz Hohler ist ein Schwindler.
Aber nur in den Bergen, gell.
(Wikicommons/ Hannes Röst)
Allenthalben auf der Welt gibt es bereits Skywalks, schwindelerregende Tiefblick-Plattformen, Schockerbrücken. Die Zeitung "The Guardian" hat sie verdienstvollerweise eben zusammengestellt, ich wünsche frohes Gruseln beim Betrachten. Und wenn wir schon dran sind, hier ein Link mit ebenso grausligen Wanderrouten und Klettersteigen.

PS: Gestern kam in meiner Zeitung ein grosses Interview, das ich und ein Kollege mit dem Kabarettisten Franz Hohler führten. Und oh Wunder, auch da ging es um Höhenschwindel.

Montag, 28. April 2014

Schümlipflümli und zweierlei Schüblig


Maienstimmung zwischen Etzel und Büel. Hinten der Höhronen.
Von unserer Gewaltswanderung im Kanton Schwyz (die Route gibts im Nachspann) wird mir vieles bleiben. Zum Beispiel:
Grossartige Gueteregg-Gerstensuppe.
  1. Der Anfang in Siebnen-Wangen. Das Bahnhofs-WC war auf rot, zwei der Leute in meinem Grüppli mussten aber mal. Wir klopften, schrien, stöhnten hysterisch, um Darmdramatik anzuzeigen, doch drinnen antwortete niemand. Vielleicht war das WC auch einfach dauer-zu. Auf jeden Fall war das lustig.
  2. Im Gebiet Bruchriet/Flüewald wurde es abenteuerlich. Derweil meine Vorhut wieder einmal auf Abwege geriet, frönte ich mit Wanderkollege René P. Moor (seine Berichte liest man in der "Schweizer Familie" und der "Tierwelt") der navigatorischen Korrektheit. Sie führte uns durch ein rutschendes Nagelfluhgebiet hoch über dem Wägital vorbei an Erdrissen, die anzeigten, dass das Gelände nicht mehr stabil ist. Auch Löcher gab es, man hätte auf Nimmerwiedersehen im Boden versinken können. Einmal bekamen wir es sogar mit Seilen zu tun; ich griff dankbar zu.
  3. Auf der Gueteregg, die ich wärmstens empfehle, bestellten wir Gerstensuppe und Schüblig. Der Wirt fragte nach: "Wirklich, beides? Habt ihr soviel Hunger?" Wir hatten und vertilgten alles. Ich glaube nicht, dass ich je zuvor in meinem gerstensuppen-geschwängerten Leben eine derart gute Gerstensuppe hatte. Und der Teller wollte und wollte nicht leerwerden, woraus man ein Märchenmotiv zimmern könnte. Beim Schüblig durfte man wählen zwischen "St. Galler" und "Ratsherrenschüblig", der erste etwas dünner, also normaldick, der zweite eine pralle Kurve in braunrot.
  4. Auf dem Etzel nahm ich einen Kafi Schümlipflümli, und wir sassen eine gute Dreiviertelstunde in der Sonne. Wir genossen sie umso mehr, als es zuvor genebelt hatte; wir hatten zwar von der Gueteregg aus knapp den Zürichsee gesehen, aber die ganze Alpenkulisse blieb uns verborgen.
  5. Das Allerfaszinierendste an der Wanderung war die Vegetations-Differenz. Oben auf knapp 1300 Metern waren wir sozusagen noch im Februar: Schneeflecken, niedergedrücktes Kraut und Gras, das sich noch nicht vom Druck der Schneedecke erholt hatte, Pestwurz allenthalben, Kälte, Nässe. Und unten gegen unser Ziel Schindellegi zu allerherrlichster Maien mit gelben Wiesen, blueschtenden Bäumen und dem blauen See. Wir erlebten am Samstag eine Vier-Monats-Spanne in einer Route.
Bahnhof Siebnen-Wangen -  Siebnen - Müli - Gusöteli - Vorderberg - Bruchriet - Flüewald - Pfiffegg - Zauggenhütte - Rinderweidhorn - Gueteregg - Stöcklichrüz - Wissegg - Müligassegg - Chörnlisegg - Eggli - Hof - St. Meinrad - Etzel-Kulm - Änzenau - Büel - Uferweg links der Sihl - Schindellegi - Bahnhof Schindellegi-Feusisberg. 8.09 Stunden, 1209 Meter aufwärts, 892 Meter abwärts.


Vor dem Rindweidhorn: Wanderkollege Moor fotografiert, was das Zeug hält.

Freitag, 16. August 2013

Entlebucher Schnapsidee

Nein, das sind keine Schnapswanderer. Aber das hinten ist Flühli.
Kafi Schnaps ist bekanntlich das Nationalgetränk der Entlebucher. In Flühli kommt es am 21. September zur ersten Entlebucher "Kaffee-Schnaps-Wanderung". Die Strecke ist sechs Kilometer lang, die Teilnahme kostet 75 Franken. Dafür bekommt man am Startpunkt ein Kaffeeglas. Und wird hernach an diversen Stationen mit Kaffee Schnaps aus dem Chessi bedient. Dazu gibt es Dinge wie Biosphären-Suppe, Rauchwurst mit Kartoffelsalat, Käse und ein Dessert. Anmelden kann man sich per E-Mail, gemeindeverwaltung@fluehli.lu. Tolle Sache, hicks.

Freitag, 8. März 2013

Die Putzkatastrophe von Aarau

So. Es ist vollbracht, das Rockwell-Hochhaus in Aarau ist gesprengt - diese Nacht um zwei Uhr schritt Sprengmeister Walter Weber zur Tat. Hier ein schöner Youtube-Clip als Zutat zum Morgenessen, en Guete! Ah ja, das Foto. Es zeigt Sprengstoff im Untergeschoss des Hauses am Montag-Nachmittag, als Webers Team daran war, Tragepfeiler zu präparieren.

Übrigens, mein Lieblingszitat aus dem Clip: eine Frau ist entsetzt über die Staubwolke nach der Sprengung. Sie ruft fassungslos: "Ou, jetzt chan i e Wuche putze."

Mittwoch, 6. März 2013

Explosion in Aarau

Das Rockwell-Haus in Aarau am Montag. Bereits haben
Arbeiter alles Unnötige entfernt, nur das Gerippe steht noch.
Sprengmeister Weber.
In der Nacht vom Donnerstag auf Freitag müsste man nach Aarau. Um zwei Uhr morgens wird dort unweit des Bahnhofs das 45 Meter hohe Rockwell-Hochhaus gesprengt - die erste Hochhaus-Sprengung der Schweiz. Allerdings sind die Verantwortlichen froh, wenn man zuhause bleibt; zwar sind Zuschauerzonen geplant, doch sind sie nicht allzu gross bemessen. Wer mehr über das explosive Event wissen will, liest heute den "Tages-Anzeiger", für den ich ich eine Seite zum Thema verfasst habe. Es geht darin auch um Sprengmeister Walter Weber aus Erlinsbach AG, der für die richtige Anwendung der 75 Kilo Sprengstoff veranwortlich ist.

Mittwoch, 26. Dezember 2012

Der Mailänderlihund

Für heute vier Weihnachts-Impressionen, iPhone-Schnappschüsse aus dem, wie ich zu witzeln pflege, Appenzeller Stammesreservat; ich war am 24./25. auf Familienbesuch. Gewandert wird erst am Samstag wieder, ich arbeite heute und auch Do/Fr.
Aus der Wohnung meines Bruders betrachtete ich
den Alpstein, der Säntis hüllte sich in Abendgold.

Hündin Bella verschlief den Austausch der
Geschenke auf dem Teppich. Sie ist ja doch schon
zehn Jahre alt. Als ich sie fotografierte, hob sie
immerhin den Kopf. Nun gut, vielleicht war es auch
die Schinkentranche in meiner anderen Hand.

Mein Bruder bot an, mich nach Zollikerberg heimzuchauffieren. Ich nahm
gerne an. Es wurde ein herrliches Passfährtli (Wasserfluh und Ricken).
Die Sonne blendete dabei, hier in Schönengrund, als sei es Frühling.
Die Mutter gab Mailänderli mit; auf Wunsch meines
kleinen Neffen hatte sie auch solche in Hundeform gebacken.

Sonntag, 2. September 2012

Heut geh ich an ein Fest

Meine Heimlinie: die Forchbahn.
Heute ist das Forchbahn-Fest auf der Forch: Hundert Jahre Forchbahn werden gefeiert. Ich bin auch dort, habe ja mit zwei Co-Autoren ein Wanderapp für die Forchbahn realisiert. Falls jemand ein iPhone oder einen iPad besitzt und das App noch nicht runtergeladen hat - bitte besorgen, es ist gratis, und natürlich will ich stolz auf gute Downloadzahlen sein. Schönen Sonntag!

Mittwoch, 15. August 2012

Gestern war ich ein Hindu

Im Senseoberland: der Schwarzsee vom Sessellift aus.
Käse auf der Riggisalp. Nicht im Bild: die Fliegen.
Gestern hatte ich im linken Knie das Bänderflattern; seit meinem Schlittelunfall vor Jahren kommt das ab und zu vor. Ich hatte frei, wanderte aber nicht, sondern... fuhr zum Schwarzsee (FR) hinauf, nahm die Sesselbahn zur Riggisalp, besuchte kurz das nahe Dolinenseelein und kehrte dann auf der Alp ein. Der Käseteller schmeckte, das Bier auch, die Fliegen, die auf diesem Hof in seiner Geländemulde zahlreich sind, störten mich nicht sonderlich; ich wedelte sie mit hinduistischer Gelassenheit weg. Dann unterhielt ich mit einem alten Berliner, der Frau, Kinder und Enkelsohn ins Tal vorschickte, um dann auch so einen Käseteller samt Bier zu bestellen. Ein guter Ausflug, fürwahr; es muss nicht immer Wandern sein.

Mittwoch, 11. Juli 2012

Neues vom Trollsteig

Blick ins Leere nach Norweger Art.
Gestern stiess ich in einem Londoner Architekturblog namens "Dezeen" (seltsamer Name) auf eine Bilderstrecke. Atemberaubende Fotos zeigen ein System von Treppen und Aussichtsplattformen über dem schwindelerregenden skandinavischen Nichts. Es handelt sich um eine neue Attraktion an der Trollstigen in Norwegen; die Trollstigen wiederum, zu Deutsch "Trollsteig", ist eine besonders schöne Passstrecke für Autos.