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Samstag, 5. September 2026

Ich konnte mich nicht sattfotografieren

Beim Felsentor: der Vierwaldstättersee mit dem Bürgenstock am Ufer vis-à-vis.
Hinten rechts der Pilatus, hinten etwas links der Bildmitte das Stanserhorn.
Pforte aus verkeilten Blöcken: das Felsentor.
Mein Zmittag nach drei Gehstunden.
Ich habe gestern von den Treppen erzählt, die an der Rigi den Geissrügge bewältigen und hinauf zum Aussichtspunkt Chänzeli leiten. Das kleine Abenteuer war am Mittwoch Teil einer grösseren Unternehmung – Gehzeit 3 h 40 min, 940 Hm aufwärts, 390 Hm abwärts. Wir starteten bei der Bahnstation Romiti Felsentor. Kamen gleich zum Felsentor, einer magischen Felspforte. Durchquerten das Areal des gleichnamigen spirituellen Zentrums, stiegen auf einem breiten Weg durch die Felsbänder ab zum Ober Säntiberg. Worauf der lange Aufstieg nach Rigi Kulm begann. Er führte uns zur Müseralp, über den Geissrügge, zum Chänzeli, zur Staffelhöhe und zur Rigi Staffel. Dort gabs Zmittag auf der Terrasse des "Lok 17", ich hatte eine Pouletbrust an Harissa-Sauce mit Couscous, ganz fein. Es folgte der Schlussaufstieg zum Gipfel. Vielseitig und abwechslungsreich, diese Route. Wenn eines sie zusammenhält als optische Klammer, dann die unzähligen Tiefblicke aufs blaue Wasser, das des Vierwaldstättersees vor allem, aber auch des Zugersees. So schön war das, dass ich mich nicht sattfotografieren konnte.
Die Kapelle Heilig Kreuz zwischen Felsentor und Ober Säntiberg.

Blick vom Rigi-Gipfel über den Zugersee nach Norden.

Dienstag, 11. August 2026

Himmlisch, dieses Tor

Beim Felsentor haben Leute ein hübsches
Steinkreislabyrinth gebaut. (Foto: Peider)
Etwas über anderthalb Gehstunden braucht man, um das Felsentor, auch "Himmelstor" genannt, zu erwandern. Der Bergweg führt vom Julierpass das Val d'Agnel hinauf, schon vom Abzweiger zur Fuorcla digl Leget aus sieht man das Tor in der Höhe auf einer Krete. Noch ein wenig Richtung Fuorcla aufgestiegen, dann zeigt ein Schild nach rechts ins Gelände, das spektakuläre Gebilde ist nun schnell – und problemlos – erreicht. Aus Dolomit besteht es, ein weicherer Teil des Gesteins verwitterte im Lauf der Zeit, derweil der härtere Teil geblieben ist. Es braucht Mut, auf den Bogen zu steigen, mein Bergfreund Peider tat es, derweil ich dankend verzichtete. Glücklich machte mich das Tor in seiner hochalpinen Umgebung, gut 2650 Meter über Meer, auch so. Die Koordinaten für die, die es auf der Karte verorten wollen; angeschrieben ist es dort nämlich nicht: 2'773'532 1'151'350.

Sonntag, 28. Juni 2026

Die Bröckelschlucht

In der Zügenschlucht, Brombenzviadukt voraus.
Atemberaubend, oder? Blick in die Zügenschlucht.

In der Landschaft Davos von Monstein durch die Zügenschlucht hinab zum Bahnhof Wiesen zu wandern oder auch umgekehrt – das fühlt sich an wie ein Geschenk. Die hohen Felswände zur Rechten und Linken mit den vielen Bach- und Lawinenrinnen, den "Zügen", sind aus unseriösem Material gebaut, es rutscht und bröselt, immer wieder mal gab es Sperrungen, an einigen Orten warnen Schilder davor stehenzubleiben, Steinschlag droht. All das steigert den Genuss, auf der im 19. Jahrhundert gebauten, 1974 aufgegebenen Strasse unterwegs zu sein; man frohlockt, dass die Strecke offen ist, die den Fluss von Davos, das Landwasser, talwärts begleitet. Von der neuen Strasse höher im Hang und auch von der Bahn merkt man eher wenig. Immerhin sind da Tunnels zu erahnen, und der Brombenzviadukt der Bahn beeindruckt. Etwas über eine Stunde brauchten wir am Freitag für die Route und freuten uns am Bahnhof Wiesen, das Beizli offen vorzufinden. Dort sass schon einiges Volk, speziell Ferrophile, Bahnfans. Kaum etwas bekamen wir vom Wiesener Viadukt mit, der hier ansetzt. Vom Beizli aus ist er nicht zu sehen, und als Fortsetzung wählten wir den Weg in der Nähe des Landwassers; besagter Viadukt, die höchste Brücke der Rhätischen Bahn, zeigt sich aus diesem Winkel nur teilweise. Was auch seinen Reiz hat.
Der Bahnhof Wiesen steht weit abseits des gleichnamigen Dorfes.

Aus dem Beizli beim Bahnhof Wiesen fotografiert: historische Waggons der Rhätischen Bahn,
die in den warmen Monaten des Jahres zwischen Davos Platz und Filisur verkehren.

Mehr sahen wir vom Wiesener Viadukt, Höhe 88,9 Meter, nicht. 

Mittwoch, 10. Juni 2026

Der Tomasee rückt weiter weg

Der Tomasee, "Lai da Tuma" auf Rätoromanisch, ist ein beliebtes Wanderziel. Als wir ihn
letzten August besuchten, gabs mit dem Bergweg vom Oberalppass her noch kein Problem. 
Plant jemand eine Wanderung zum Tomasee, der als Quelle des Rheins gilt? Achtung, da gibts etwas Wichtiges zu beachten: Der Bergwanderweg vom Oberalppass zum See ist wegen eines Bergsturzes gesperrt. Wer die signalisierte Umleitung nimmt, braucht – hin und zurück – gut zwei Stunden länger.

Donnerstag, 14. Mai 2026

Weg gesperrt? Ah ja?

Gestern in Weesen SG.  
Gestern wollten wir von Weesen nach Quinten wandern, dort Zmittag essen und dann eventuell weiterziehen nach Walenstadtberg. Nun, wir waren gegen halb zehn Uhr schon gut 20 Minuten unterwegs, als uns auf der Betlisstrasse zwei Leute entgegenkamen. Die erzählten, die Strasse sei weiter vorn gesperrt, man könne nicht durch, ein Felssturz oder so. Tatsächlich fand ich im Internet einen Artikel auf einer regionalen News-Plattform, dort stand, dass in der Vorwoche Steinschlag einen Teil der Schutznetze an der Betlisstrasse beschädigt hatte. Und dass diese repariert werden müssten, dies am 12. Mai und – unser Wandertag – am 13. Mai. Die Betlisstrasse sei deswegen gesperrt. Wäre nett gewesen, wenn eine Tafel in Weesen das angekündigt hätte oder wenn es auf Schweizmobil eingezeichnet gewesen wäre. Ich annullierte die Reservation im Restaurant in Quinten, wir wanderten stattdessen auf der anderen Seite des Walensees. War auch wunderbar.

Donnerstag, 23. April 2026

Granit und Tiefblicke

Der Wasserfall des Ri della Froda bei Chironico – bzw. ein Teil von ihm.
Die mittlere Leventina mit der Autobahn nah Lavorgo.
Calonico gesehen vom Kirchlein San Martino am Dorfrand.
Die Strada Alta vor Anzonico im Frühlingslicht.
Simpel und sehr fein: mein Essen in Anzonico.
Vieles war schön, vieles gefiel mir auf meiner Montagswanderung von Chiggiogna via Calonico und Anzonico nach Lavorgo. Die erste Attraktion, das war der Wasserfall des Bergbaches Ri della Froda am Dorfrand. Es folgte der Pfad durch einen Wald voller Granitblöcke, an manchen Orten sah ich hinab auf die mittlere Leventina, deren Autobahn fast die ganze Unternehmung über (3 h 20 min, 530 Hm aufwärts, 590 Hm abwärts) zu hören war. Im winzigen Dorf Calonico tat es mir das berühmte Kirchlein an, von dem ich morgen erzählen will. Das nächste Stück, Teil der Strada Alta, führte hinüber ins etwas grössere Dorf Anzonico. Noch mehr Granit und neue Tiefblicke. In Anzonico freute ich mich, die örtliche Osteria offen vorzufinden, ich nahm das Tagesmenü, Zucchettisuppe, dann Schweinsvoressen mit Hörnli, die durchsetzt waren von Kartoffelstücklein. War fein. Dann kam der Abstieg hinab nach Lavorgo, einen Wanderweg gibt es nicht, ich ging die meiste Zeit auf der Strasse mit ihren langen Geraden und engen Kehren. Nur an einer Stelle nahm ich die Abkürzung durch den steilen Hang, der Weg war aber nicht geputzt, meine Schuhe verschwanden im Laub, ich musste höllisch aufpassen, nicht auf einem der verborgenen Geröllbrocken auszurutschen. Nun, ging alles gut. Friedlich am Ende die Heimfahrt, und als ich in Zürich ankam, war der Böögg noch nicht angezündet.
Gleich bin ich unten: die Strasse von Anzonico hinab nach Lavorgo.

Samstag, 21. März 2026

Ab zum Heideloch!

Das Heideloch auf dem Born.
Bald ist wieder Karfreitag. Mit ihm kommt eine grosse Chance. Auf dem Oltner Hausberg Born gibt es eine zerklüftete Spalte im Kalkstein, die zu einer Höhle hinab führt, dem Heideloch. Dort wacht ein böser Hund mit scharfen Krallen und feurigen Augen über eine Eisenkiste. Sie soll gefüllt sein mit Goldstücken. Jeweils am Karfreitag aber wird die Kiste ans Licht geholt und gelüftet, man darf sich bedienen, heisst es. Und der Hund? Wer weiss, vielleicht hat er an diesem Tag frei.

Gleich noch eine Sage, die das Heideloch umrankt, ich las auch sie diese Woche vor Ort auf einer Tafel. Ein junger Mann und eine junge Frau, beide bitterarm, wollten einst heiraten. Aber eben, sie hatten kein Geld. Der junge Mann beschloss, in der Fremde sein Glück zu suchen und dann zurückzukommen. Am Tag vor seiner Abreise stieg er von Kappel am Fuss des Born noch einmal auf ebendiesen Berg und pflückte dort Schlüsselblumen für seine Angebetete. Als das Urseli, wie diese hiess, die Blumen berührte, verwandelten sie sich in Goldstücke. Und so konnte das Paar gleich sofort zusammenkommen.

Donnerstag, 12. März 2026

Wanderung mit Weidenkätzchen

Die Salweiden blühen.
Fünf Minuten nach dem Start: Der Solothurner Jura entblösst sein Inneres.
Frisch angelegte Ökoweiher bei Herbetswil.
Bauernbratwurst mit Spätzli und Fähnlideko. (Foto: Ronja)
Heimfahrt mit Bier.
Zuerst setzte ich die Beiz als Ziel fest. Und erst danach zeichnete ich eine Route zu ihr. Schon lange war nämlich auf meiner Wanderwunschliste die Bergwirtschaft Obere Wengi im Solothurner Jura gestanden, ich war viel im Gebiet unterwegs gewesen, aber nie dort eingekehrt. Nun, es lohnt sich, fanden wir Anfang Woche bei unserem Besuch heraus, ich und meine Begleiterin waren jedenfalls von der Bauernbratwurst begeistert. Und wir liebten die Aussicht an diesem Ort hoch über dem Tal der Dünnern, der auch ein Startpunkt für Gleitschirmler und Deltaflieger ist. Halt, das mit der Aussicht ist gelogen. Saharastaub hatte die Luft eingetrübt, wir sahen nicht wirklich weit. Ansonsten war alles gut, wir kamen an jähen Kalkfluhen vorbei, freuten uns über die Kätzchen der Salweiden, genossen später im ersten Teil des Abstiegs den steilen Waldpfad. Am Ende gabs im Coop in Matzendorf dann ein Solothurner Bier für die Heimfahrt. Es machte die Unternehmung rund.

Die Route: Herbetswil, Hinter Hammer – Grossrieden – Sebli – Obere Wengi – Lätt – Untere Bulten – Matzendorf. 4 h 10 min. 690 hm aufwärts, 750 hm abwärts.

Sonntag, 15. Februar 2026

Eine spezielle Brücke

Eine kleine grosse Attraktion am Wanderweg von Rüti ZH nach Rapperswil SG: die Naturbrücke im Waldstück Martinsbrünneli. Gestern Samstag besuchten wir sie und waren beeindruckt. Zustande kam die Naturbrücke so: Der – namenlose – Bach frass die Nagelfluh im Lauf der Zeit weg, wohingegen die höher liegende härtere Gesteinsschicht bestehen blieb. Um Appenzellergranit handelt es sich bei dieser härteren Schicht, womit ich beim "Tagi" wäre, der mich letzte Woche mit einem langen Artikel zum Ausflug inspirierte. Vor 16 Millionen Jahren ereignete sich im Gebiet der heutigen Schweiz ein gewaltiger Murgang. Eine zähflüssige Masse, eine Art Fels-Schlamm-Müesli, ergoss sich von den Alpen her, aus dem Raum Sargans, Richtung Norden. Am Ende bedeckte der Brei bei einer Höhe von zwei bis fünf Metern eine Fläche von rund 50 auf 50 Kilometer, diese Zone reichte in der Ost-West-Achse von Abtwil bei St. Gallen bis Feldbach bei Rapperswil. Die Masse verfestigte sich später und wurde hart wie Zement, so entstand der Appenzellergranit. Wie ich im Zeitungsartikel las, diente er als Baumaterial unter anderem für Eisenbahnbrücken. Wer die Naturbrücke beim Martinsbrünneli aus der Nähe sehen will: Sie findet sich circa zwei Kilometer nördlich von Jona und ist auf der Landeskarte eingezeichnet.

Donnerstag, 29. Januar 2026

Zofinger Schatzkammer

Ein schöner Bau, dieses Museum Zofingen, das ich am Wochenende besuchte. Er datiert von 1901, imitiert die Palazzi von Florenz, die Fassade ist mit Sgraffiti dekoriert, man hatte in der Aargauer Kleinstadt Stil. Geld sowieso. Inwendig ist das Haus eine Fundgrube respektive Schatzkammer, es gibt auf mehreren Etagen Versteinerungen und Kristalle zu sehen, aber auch präparierte Tiere, Feuerwehrgerät, Flinten, Säbel, und der im Ort verwurzelte Schweizer Medienkonzern Ringier hat eine eigene Abteilung. Mir gefiel das Museum, weil es so schön altmodisch ist, Schaukästen dominieren, das digitale Angebot ist klein, viel Museumspädagogik gibts nicht. So kann man sich treiben lassen, was ich mit Freuden tat.

Dienstag, 20. Januar 2026

Gibt es eine Verbindung?

Vor Jahren bestiegen wir die Silberen. Das Kalkgelände
mit den vielen Löchern war etwas unheimlich.
Vor wenigen Wochen berichtete ich hier, dass im Oktober im Gebiet Silberen in der Gegend des Pragelpasses eine neue Höhle entdeckt worden ist – sie wurde "Hustenschacht" getauft. Vor kurzem nun erschien auf der Plattform "Infosperber" ein Artikel, der erläutert, was der Fund bedeuten könnte. Möglich, dass Forscherinnen und Forscher aufgrund des neuen Schachts bald vom Silberen-System ins angrenzende Hölloch-System gelangen könnten. Bisher ging man davon aus, dass die beiden durch eine unterirdische Einsturzzone getrennt sind. Der jetzt entdeckte Schacht liegt aber ausserhalb dieser Zone und könnte die Hölloch-Gänge und die des Silberen-Systems zusammenschliessen. Wir bleiben dran.

Samstag, 27. Dezember 2025

Der Hustenschacht

Ich habe kein Foto vom Hustenschacht.
Hier eines von Forschern im nahen Hölloch.
(Rama/Wikicommons)
In den benachbarten Gebieten des Pragelpasses, der Silberen und des Bödmerenwaldes, deren Untergrund aus wasserdurchlässigem Kalk besteht, gibt es viele Höhlen. Berühmt ist das Hölloch, eines der grössten Höhlensysteme Europas. Gestern las ich im "Infosperber" von einer spektakulären Entdeckung: Im Oktober suchte eine Juniorengruppe tagelang am Pragelpass, auf Schwyzer Terrain, nach noch unbekannten Öffnungen im Gelände. Dabei stiessen die Nachwuchsforscher auf den Eingang zu einer riesigen Höhle, deren vertikale Röhre in der Direttissima 170 Meter tief in den Boden führt. Zum Vergleich: Das Berner Münster ist 101 Meter hoch. Weil mehrere Leute der Expedition erkältet waren, wurde die neue Höhle auf den klingenden Namen "Hustenschacht" getauft.

PS: Unbedingt im oben gelinkten Artikel scrollen – tolle Fotos!

Sonntag, 5. Oktober 2025

Das Loch ist noch da

Das Grosse Tschingelhorn, 2849 Meter, gesehen von
der Bündner Seite. In der Bildmitte das Martinsloch.
In den letzten zwei, drei Jahren hat sich in unseren Bergen so mancher Felssturz ereignet. Wenn ich hier denjenigen hoch über Elm im Glarnerland herausgreife, dann, weil er das Grosse Tschingelhorn betraf. Das Martinsloch in dessen Flanke ist schweizweit bekannt. Keine Angst, das Loch hat den Rutsch überlebt – allerdings sieht der Berg, von dem sowohl auf der  Glarner als auch auf der Bündner Seite (Flims) Gestein niederging, 10 000 Kubikmeter insgesamt, jetzt deutlich anders aus. Wer eine Vorher-Nachher-Darstellung sucht: In diesem Artikel von srf.ch findet man sie.

Nachtrag: Ist mir peinlich. Mir ist ein Fehler unterlaufen. Der Bergsturz am Tschingelhorn ereignete sich letztes Jahr im Oktober, nicht dieses Jahr. Ich ging vorgestern einem Feed auf den Leim, der mir das Vorkommnis als News servierte, und übersah die Datierung.

Dienstag, 9. September 2025

Eine feuchte Wohnung

Der Tüfels-Chäller bei Baden.
Mein Schlussbier im Städtchen Mellingen. 
Am Samstag wanderte ich von Baden via Fislisbach nach Mellingen, also von der Limmat an die Reuss; eine verhältnismässige kurze Unternehmung von zweieinhalb Gehstunden war das. Vieles gefiel mir, besonders aber der Tüfels-Chäller kurz nach Baden bei der Baregg, wo in prähistorischen Zeiten der Hang abrutschte – der Weg führt durch ein unübersichtliches, schattiges Waldstück mit Höhlen, mit vermoosten Nagelfluhbrocken und tiefen Mulden dazwischen; weil hier seit Jahrzehnten keine Bäume mehr geschlagen werden, liegt massenhaft Totholz herum. Gefiel mir bestens. Den Teufel traf ich leider nicht. Vielleicht hat ihn inzwischen der Lärm von der nahen Autobahn vergrault und er ist umgezogen. Oder dann kuriert er in irgendeiner Klinik das Rheuma aus, das er sich als Daueraufenthalter in dem feuchtelnden Keller zugezogen hat.

Samstag, 6. September 2025

Der Neffe, der Stein und die Pizza

1000 Kubikmeter sichtbarer Fels: der Pflugstein in Herrliberg ZH.
Stufen auf der Nordseite.
Der junge Mann auf dem Stein – das ist mein Neffe. Ein Kantischüler, der dieser Tage eine längere Arbeit schreiben muss über ein frei gewähltes Thema. Er entschied sich für Findlinge und fragte mich umgehend, ob ich ihm einen bestimmten Findling empfehlen und ihm auch ein paar grundlegende Dinge erklären könnte. Natürlich sagte ich ja, auch wenn ich kein Geologe bin; immerhin habe ich ein Buch geschrieben, in dem Findlinge prominent vorkommen ("Hundertundein Stein"). Am Mittwoch fuhren wir zum Pflugstein, der oberhalb von Erlenbach steht, knapp schon auf Boden der Gemeinde Herrliberg; er ist auf der Landeskarte übrigens eingezeichnet. Ihn hatte ich vor fünf Jahren für mein Buch besichtigt. Vor Ort erzählte ich dem Neffen vom Linthgletscher, der in der letzten Eiszeit nicht nur die gewaltigen Moränen links und rechts des heutigen Zürichsees anhäufte, sondern ganz nebenbei auch den Pflugstein deponierte, der in der Gegenwart als grösster Findling des Kantons Zürich gilt. Wir schauten ihn uns im Folgenden an, stiegen auf ihn, was man an einer Stelle darf, während andere Partien des Steins geschützt sind, weil dort seltene Moose, Flechten und Farne gedeihen. Dann, nach der Feldforschung, reisten wir retour nach Zürich und gönnten uns eine Pizza. Die war auch riesig.

Sonntag, 24. August 2025

In die graue Welt

Blick vom Saaser Calanda zum Rätschahorn.
Das Rätschahorn vom Rätschajoch aus. Imposant die harte Grenze von Kalk und Gras.
Durch Geröllhalden ist nicht leicht absteigen.
Farbe tut den Augen gut.
Die lange Bergwanderung von der Bergstation Madrisa bei Klosters via Saaser Calanda, Rätschahorn, Rätschajoch hinüber nach St. Antönien führt durch Alpgelände, die Farbe grün dominiert, auch wenn die Weiden grosszügig mit Felsbrocken gesprenkelt sind. Das Rätschenhorn freilich, 2703 Meter über Meer, ist ein Berg, der sich mit Schrattenkalkflanken, Geröllhalden, Kalkschotterflächen in Grau inszeniert und so einen ganz eigenen Charakter hat. Am Montag war ich oben auf einer Tour, die mich durchaus forderte: 980 Höhenmeter im Aufstieg und 1445 Höhenmeter im Abstieg. Was in diesen Zahlen nicht ausgedrückt ist: Es gab schwierige Stücke, im Abstieg vom Horn musste ich die Hände zuhilfe nehmen und gut aufpassen. Und später, zwei Stunden vor dem Ziel, als ich mich schon entspannt hatte und alles voll easy fand, kam die kurze Passage am Unghürtschugga. Dort ist der Pfad schmal und unheimlich steil und geröllig, bei jedem Schritt rutscht er gleich mit. Nun, ich brachte auch diese Schlüssestelle gut hinter mich, gönnte mir bei Litzistafel im "Edelweiss" einen sauren Most samt Nussgipfel (Selbstbedienung), kühlte die müden Füsse im Gafierbach und beschloss die strengste Tour dieses Bergsommers bald darauf in St. Antönien mit einer Glace aus dem Volg.
Hier wird alles gut: das "Edelweiss" in Litzistafel.

Blick zurück kurz nach Litzistafel ins Tal des Gafierbaches.