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Freitag, 25. September 2026

Eine Anregung

Schön abenteuerlich: auf dem Groot.
Der höchste Punkt des Kantons Thurgau, den ich am Montag besuchte, ist nicht sonderlich hoch. Auf dem Groot liegt er, einem Waldgrat südlich von Fischingen, der in diesem Abschnitt die Grenze zum Kanton St. Gallen bildet. Wobei die Grenzlinie knapp vor dem höchsten Punkt des Groot (996 Meter) wegknickt – zuungunsten des Thurgaus. Dessen höchster Punkt liegt deswegen auf bloss 991,1 Metern.

PS: Eine Anregung. Der Kanton St. Gallen könnte doch den Thurgauerinnen und Thurgauern auf dem Groot einige Meter Fläche schenken, sodass deren Staatsgebiet ein paar Meter höher kulminiert. St. Gallens höchster Punkt, das ist der Gipfel des Ringelspitz auf 3247 Metern. Mitleidvolle Grosszügigkeit wäre also angebracht. Und wenn der höchste Punkt des Thurgaus dann auf 996 Metern läge, könnte man ihn um 4 Meter aufschütten – auf 1000 Meter über Meer. Gute Idee, oder?

Der Groot mit dem höchsten Punkt auf St. Galler Boden. Die Kantonsgrenze in Rot.
PS: Gestern hatte ich meinen letzten Arbeitstag. Wie in diesem Blog angekündigt. War intensiv, war berührend, war schön. Am Nachmittag konnte ich der Branchenzeitschrift Persönlich ein Interview geben. Hier ist es.

Sonntag, 6. September 2026

Spatenstich in Morgarten ZG

Bauvisier (r.) am Weg zum Morgarten-Denkmal.
Blick vom Denkmal auf die Theaterbühne und den Ägerisee.
Es darf nicht wahr sein! Bis jetzt wurde das Morgarten-Denkmal in Morgarten ZG einigermassen in Ruhe gelassen. Seit 1908 steht es schön für sich auf einer kleinen Anhöhe über dem Ägerisee. Und jetzt das! In der Wiese unter dem Denkmal sind Bauvisiere aufgestellt, eine Investorengruppe namens "Team of Visions" will ein Luxusresort realisieren. Ich war empört, als ich am Freitag vorbeischaute.

Das Plakat der Aufführung.
Nein, nein. Natürlich war ich nicht empört. Die Bauvisiere sind fake. Teil eines Theaterprojekts sind sie, des zweiten "Morgarten-Spektakels" nach einem längeren Intermezzo. Das Stück "Spatenstich" spielt gleichzeitig in der Vergangenheit des geschichtsträchtigen Platzes und in der Gegenwart. Um Heimatliebe versus Profitgier geht es grob besagt, die Gemüter erhitzen sich heftig. Las ich in den Rezensionen.  Am 7. August war Uraufführung, noch bis 19. September laufen Vorführungen. Könnte sich lohnen hinzugehen.

Sonntag, 5. Juli 2026

Zürich trüllt

Heisst dieser Platz, den ich mir kürzlich anschaute, bald "Trülleplatz"?
Der Drehkäfig von La Neuveville BE, circa 1790.
(Wikicommons)
Wo in Zürich von der Bahnhofstrasse der Rennweg abzweigt, gibt es einen kleinen Platz. Der hat keinen Namen, ist auch wirklich nichts Besonderes, das einzige prägnante Objekt vor Ort ist der Herkulesbrunnen. Gott sei Dank nur auf Zeit steht da zudem ein Behelfspavillon der Confiserie Honold, die ihr Stammhaus am Rennweg umbaut. 

Kürzlich las ich im "Tagi", dass der Platz bald "Trülleplatz" heissen soll. Gegenüber, an der heutigen Bahnhofstrasse 69, stand nämlich einst das Haus zur Trülle. Die Bezeichnung verweist auf eine Strafeinrichtung des Mittelalters und der frühen Neuzeit, die Trülle. Eine schmale, hohe Trommel, in der Delinquentinnen und Delinquenten landeten. Ein drehbarer Käfig; gewisse Leute drehten ("trüllten") so lange, bis es der gefangenen Person so richtig schlecht wurde. Ziemlich fies. Eine Einladung zum Sadismus. Weswegen sich nun Widerstand gegen das Ansinnen der Stadt regt, den Namen "Trülleplatz" einzuführen. Weil der ja an ein Quälgerät erinnert. Der Quartierverein jedenfalls ist dagegen. Mal schauen, wie es weitergeht, ich werde es gern mitteilen.

Mittwoch, 1. Juli 2026

Der virtuelle Zaun

Tragen sie bald GPS-Halsbänder? Kühe in Urnäsch.
Interessant, was ich gestern in der NZZ las. Es geht um virtuelle Weidezäune. Die lernte der Berner Oberländer SVP-Nationalrat Ernst Wandfluh kennen, als er letzten Sommer Besuch von einem Farmer aus Neuseeland bekam. Dieser konnte über Tausende von Kilometern seine Kühe zur Rückkehr in den Stall bringen. Und zwar mit einer Smartphone-App. Die Kühe des Bauern in Neuseeland tragen alle ein GPS-Halsband, das via die App direkt ansteuerbar ist. Auf der App sind auch die Grenzen des Weidegebietes definiert. Nähert sich eine Kuh dem virtuellen Zaun, ertönt ein Warnsignal, überschreitet sie die Grenze, löst dies im Halsband einen leichten elektrischen Impuls aus. Das System erlaubt es, Kühe bis zu einem gewissen Grad zu steuern; in Skandinavien, Grossbritannien, den USA und eben Neuseeland ist es bereits Realität. Wandfluh, selber Bauer, fordert nun mit einem politischen Vorstoss, dass es auch in der Schweiz zugelassen wird. Derzeit verbietet das die Tierschutzverordnung. Eine wissenschaftliche Untersuchung der bundeseigenen Forschungsanstalt Agroscope hat aber offenbar ergeben, dass die technische Vorrichtung kein Problem für die Kühe ist. Und dass sie funktioniert. Und jedenfalls würde mit ihr das speziell auf den Alpen aufwändige Zaunsetzen hinfällig.

Freitag, 8. Mai 2026

Ab nach Amerika

Stille Ecke: das Rumstal bei Pfungen. Schön, dass es noch nicht regnete.
Im "Stars and Stripes".
Pfungen und Brütten liegen beide in der Nähe von Winterthur und sind beide Agglodörfer. Erstaunlich, wie ruhig und vergleichsweise idyllisch das Land zwischen ihnen ist. Am Mittwoch bewanderte ich es mit Freund A., wir fanden beide: doch, eine erholsame Gegend. Schön, dass der Regen erst kam, als wir etwas ausserhalb von Brütten am Mittag unsere Hamburger vertilgten in einem Restaurant, das aussen als Fachwerkbau daherkommt, innen aber auf USA getrimmt ist. Das "Stars and Stripes" gefiel uns gut - für Donald Trump kann es ja wirklich nichts.

Pfungen, Bahnhof - Multberg - Rumstal - Furt - Aspenriet - Horntobel - Jungholz - Steighof (Restaurant Stars and Stripes) - Brütten, Harossen (Bus). 3 h 10 min, 420 Hm aufwärts, 255 Hm abwärts.

Mein Burger mit Chicken.
Unser Restaurant bei Steighof, etwas ausserhalb von Brütten.

Samstag, 10. Januar 2026

Fauler Bauer

Beim Schochengäbris in der Nähe des Gäbris.
Mal wieder ein bisschen Namenskunde, ich mag das halt. Als wir vor wenigen Wochen vom Gäbris nach Bühler abstiegen, kamen wir beim Schochengäbris vorbei. Ich schaute nach, was der Flurname bedeutet, was mich umso mehr interessierte, als der Familienname Schoch in Ausserrhoden häufig vorkommt; unvergessen unser mittlerweile verstorbener FDP-Politiker Otto Schoch, der den Kanton im Ständerat vertrat. Zurück zur Namensdeutung: Ein Schoch ist entweder ein Bauer, der Heuhaufen anlegt, Schochen. Oder aber, auch das meint Schoch, ein gutmütiger, etwas fauler Bauer.

Donnerstag, 8. Januar 2026

Oltens Jüngling


Wie kaum ein anderes Kunstwerk prägt dieses das Oltner Stadtbild. "Remonte!" findet sich auf der Altstadtseite der Bahnhofbrücke, der Name bedeutet "Steig wieder auf!", freilich scheint sich der Jüngling mit dem Wieder-Aufsteigen schwer zu tun, das Pferd benimmt sich widerspenstig. Von Otto Charles Bänninger stammt die Bronzeplastik von 1961 und war in ihren Anfängen umstritten. Es gab Leute, die störten sich daran, dass der Jüngling nackt war. Und dass seine Gesichtszüge abstrahiert waren. Womöglich ging es aber auch darum, dass die örtlichen Behörden vorerst einen Bildhauer aus der Region auserkoren hatten, diesen zentralen Ort zu bestücken, bis nach einigem Hin und Her doch ein Wettbewerb ausgeschrieben wurde. Den gewann Bänninger. Ein Zürcher. Aber das ist alles vergangen, vergeben, vergessen. Heute ist "Remonte!" akzeptiert. Die Skulptur, die ich kürzlich fotografierte, würde einem fehlen, wenn sie nicht dastünde.

PS: Der Führer "Kunst in Olten" listet 83 Kunstwerke in der Stadt auf und schlägt fünf Spaziergänge vor, auf denen man sie kennenlernt. Er ist gratis beziehbar und auch herunterladbar – toll und vorbildlich, liebes Olten.

Donnerstag, 18. Dezember 2025

Wer ersetzt Moutier?

Ab Neujahr ist Moutier mit seinen 7300 Einwohnerinnen und Einwohnern nicht mehr bernisch, es wechselt zum Kanton Jura. Und welches wird an Moutiers Stelle neu die grösste Gemeinde im französischsprachigen Berner Jura sein? An dieser Stelle darf der Leser, die Leserin gern pausieren und ein wenig grübeln.

Neue "Kapitale" des Jura Bernois: Saint-Imier.
(Foto: Andreas Faessler / Wikicommons)
Dass Saint-Imier als bevölkerungsstärkste bernjurassische Gemeinde nachrückt, ich hätte es nicht gewusst. Aus einem Artikel auf srf.ch erfuhr ich es kürzlich und las auch, was das für die rund 5200 Menschen, die in der Gemeinde leben, bedeutet. Der Gemeindepräsident schwärmt, Saint-Imier werde in Zukunft ein Zentrum der Gesundheitsvorsorge, der Ausbildung, der Kultur. Jemand anderes nervt sich allerdings, weil die Verwaltungsposten nach dem Abgang von Moutier alle anderswohin gehen, die Polizei etwa nach Loveresse: "Saint-Imier hätte mehr kämpfen müssen."

Montag, 15. Dezember 2025

Haemmerlis Ikonen

In Lenzburg ausgestellt: der kriegerische Erzengel Michael als Heerführer (18. Jh.).
Und eine zweite Ikone aus dem Ikonenmuseum Lenzburg: das
sogenannte Tuchbild des Erlösers, 17. Jh. Das Originaltuch, die
Vorlage, wurde in Byzanz aufbewahrt als besonders kostbare Reliquie.
Das Museum Burghalde in Lenzburg, in dem auch das
Ikonenmuseum untergebracht ist. (Foto: Voyager/Wikicommons) 
Das Ikonenmuseum in Lenzburg, das wir am Samstag besuchten, überraschte uns gleich zweifach. Erstens birgt die Sammlung im Museum Burghalde wunderbare Stücke. Grossartige Kultbilder aus dem Gebiet der Ostkirche, die in der Regel Christus, Maria oder Heilige zeigen – so die Definition der Ikone. Dieses eigenständige Genre der Malerei entstand im Rom des Ostens, also in Byzanz, das das Ende der Antike um viele Jahrhunderte überstand.

Und damit zu zweitens. Die 64 in besagtem Museum ausgestellten Ikonen gehörten, bevor er sie nach Lenzburg verschenkte, dem in Zürich lebenden, doch aus einem altem Lenzburger Geschlecht stammenden Mediziner Urs Peter Haemmerli, Chefarzt im Zürcher Triemlispital. Er wurde in den 1970er-Jahren über die Schweiz hinaus bekannt als Vorkämpfer der passiven Sterbehilfe. Jetzt, in Lenzburg im Ikonenmuseum, wurde mir sein Name wieder in Erinnerung gerufen.

Donnerstag, 13. November 2025

Überall diese Stühle

Im Sommer 2013 war ich für den Tagi in Hundwil AR. Ich schrieb damals einen längeren Text zum gemeinsamen Jubiläumsfest beider Kantone, 500 Jahre zuvor waren die Appenzeller, damals noch vereint, der Eidgenossenschaft beigetreten. Auf dem Hundwiler Landsgemeindeplatz war ein Theaterstück angesagt, "Der dreizehnte Ort", der Platz war mit Kunstrasen ausgelegt und mit grünen Stühlen bestückt. Seither geistern die Stühle durch die Region, ob man sie kaufen konnte oder geschenkt bekam, weiss ich nicht, jedenfalls sehe ich immer wieder mal einen oder zwei. Vor wenigen Monaten kehrte ich in der "Alpenrose" auf dem Buechberg in Hundwil ein. Da waren sie, von der Sonne gebleicht, wieder.

PS: Die "Alpenrose" hat unterdessen den Betrieb eingestellt. Mehr als ein halbes Jahrhundert walteten hier die Toblers, schon als Kind kehrte ich in der Wirtschaft ein. Weil Anita und Markus Tobler sich mehr Zeit für die Familie nehmen wollen, ist jetzt Schluss. Ich kann sie verstehen. Aber ... die gemütliche Rast auf dem Weg von Hundwil zur Hundwiler Höhi wird mir fehlen.

Grüne Stühle 2013 in Hundwil auf dem Landsgemeindeplatz.

Grüne Stühle 2025 in Hundwil bei der "Alpenrose".

Donnerstag, 14. August 2025

Lago mio, der ist schön!

Gestern konnte ich wieder einige Bildungslücken auffüllen. Geografische. Zum Beispiel lernte ich den Lago di Lucendro kennen, der auf Boden der Gemeinde Airolo TI liegt, nicht weit von der Gotthard-Passhöhe entfernt, aber doch dem Blick der Durchreisenden entzogen. Auf meiner Wanderung vom Gotthardpass über einen eher selten genutzten Pass nach Realp im Urserntal (mehr dazu ein andermal) kam ich nach einer guten Stunde zur Staumauer gut 40 Höhenmeter über der Passstrasse; 1947 war der Lago di Lucendro vom Berggewässer zum Stausee umgewandelt worden. Seit Beginn des laufenden Jahres gehört er der "Azienda Elettrica Ticinese", also dem Kanton Tessin, nachdem zuvor Deutschschweizer Energieunternehmen mit seinem Wasser Strom produziert hatten. Schmuck ist er ganz unabhängig von den Eigentumsverhältnissen, dieser Stausee, den ich nun aus eigener Ansschauung kenne.

Freitag, 1. August 2025

Der Bähnliretter

Talfahrt vom Monte Generoso nach Capolago.
Es sind fast 1300 Höhenmeter.
Auf dem Monte Generoso hat die Migros das Sagen, man sieht ihr Logo an den Liegestühlen des Restaurants, das zum Gipfelgebäude Fiore di pietra (Steinblume) von Mario Botta gehört. Seit 1890 fährt die Zahnradbahn auf den Berg. Bloss – das sympathische Ding geriet immer wieder in finanzielle Krisen. Nach einem jahrelangen Stillstand kam Migros-Gründer Gottlieb Duttweiler 1941 zu Ohren, dass die Bahnanlagen abgebrochen werden wollten. Er sprang ein. Ob das nun Bähnlibegeisterung war, ein Ausdruck der Sympathie für den Kanton Tessin, ein Beitrag zur Geistigen Landesverteidigung, Imagepflege eines Grossverteilers oder der Drang des Patrons, sich als Volksfreund zu geben – jedenfalls ist der Monte Generoso, der auf der Grenze zu Italien steht, dank Dutti ein Touristengipfel geblieben. Als ich am Dienstag am frühen Nachmittag talwärts fuhr, brauchte es dann gleich zwei Kompositionen, um all die Leute aufzuladen, die hinab nach Capolago am Luganersee wollten.
Dem Migros-Genossenschafts-Bund gehören mit der Ferrovia
Monte Generoso
auch das zugehörige Gipfelgebäude Fiore di pietra
samt Restaurant (Foto) und das Buffet Bellavista bei der Mittelstation. 

Kompositionen der Generoso-Bahn bei der Bergstation.

Samstag, 28. Juni 2025

Wird Blatten auferstehen?

Blick von weiter unten im Tal Richtung Blatten (nicht zu sehen).
Der Schuttkegel ist lang und sehr hoch. Hinten die Lötschenlücke. (Foto: Ronja)

Nach dem Augenschein im oberen Lötschental, siehe gestern, ziehe ich folgende Schlüsse zum Bergsturz, der vor einem Monat Blatten verschüttet hat.

  • Erstens kann ich mir nicht vorstellen, dass am selben Ort ein neues Blatten gebaut werden kann. Neun Millionen Kubikmeter Schuttmasse liegen dort. Und zwar am unteren Ende einer Rutschbahn, durch die noch mehr Material talwärts stürzen könnte. Schaut man von weiter unten im Tal Richtung Blatten, türmt sich dieses Material auf wie die Mauer eines Staudammes. Wegräumen unmöglich, rein von der Masse her. Zudem besteht der Schutt zu einem guten Teil aus kompaktem Eis. Bis dieses geschmolzen ist, dauert es Jahre oder gar Jahrzehnte. Diese Art Untergrund ist instabil.
  • Zweitens wäre es vielleicht möglich, im Weiler Weissenried, der am Hang gegenüber der Bergsturzflanke 200 Meter über Blatten liegt, ein neues Blatten zu bauen. Auch andere Weiler stehen für ein solches Projekt zur Debatte. Man frage mich nicht, wie stabil Weissenried aus geologischer Sicht ist. Jedenfalls müsste man in diesem Fall eine neue Zugangsstrasse aus der Gegend von Wiler bauen. Die heutige führt durch Blatten und ist unter dem Schutt begraben.
  • Drittens sind auch die Nachbardörfer talwärts, Wiler, Kippel, Ferden usw., in einer bedauernswerten Lage. Die heutige Strasse nach Blatten hinauf ist eng, hat teilweise keinen Mittelstreifen, ist kurvig. Selbst wenn man nur rudimentäre Sicherungsarbeiten im Bergsturzgebiet ausführt, etwas eine neue Fassung der Lonza, wird der Aufwand riesig sein. Will heissen: Monate oder eher Jahre, in denen Lastwagen durch die erwähnten Dörfer fahren oder auch Spezialfahrzeuge riesige Maschinen hinauftransportieren. Ohne einen Ausbau der neuen Strasse oder einen Strassenneubau ist das kaum zu machen.
Okay, ich bin kein Fachmann und lasse mich in allen drei Punkten gern eines Besseren belehren. An Sympathie für Blatten mangelt es mir jedenfalls nicht; ich erinnere mich an die Zeit vor 35 Jahren, als ich dort einige Male mit Berner Freundinnen und Freunden in einem rührenden Holzhüsli die Wochenenden verbrachte. Die nächsten Monate werden erweisen, was machbar ist, denke ich.

Freitag, 27. Juni 2025

Ja, ich war im Lötschental

Strictly legal und interessant: Unsere Route (schwarz) am Rand der Sperrzone ums Bergsturzgebiet bei Blatten VS. Die Wanderung verlief ganz auf dem vielbefahrenen Strässchen zur Lauchernalp hinauf.
Am Mittwoch reiste ich mit Ronja ins Lötschental, mich mal umschauen. Katastrophentourismus? Ich sag's eher so: Ich wollte mir eine Meinung bilden, wie es dort aussieht und ob man das verschüttete Blatten, das oberste Dorf des Tales, wiederaufbauen kann. Und ausserdem stand in den letzten Tagen in der Zeitung zu lesen, dass der Tourismus in den Dörfern weiter unten am Talfluss Lonza praktisch zum Erliegen gekommen sei. Es ist also nicht so, dass die Leute in Massen ins Lötschental vordringen und dort die Helfer und Helferinnen behindern.
Trister Anblick: Der See, der sich beim verschütteten Blatten gebildet hat.
Folgendes machten wir: Wir fuhren mit dem Bus nach "Wiler, Dorf". Stiegen aus, gingen hinauf zur Kirche, schauten sie an. Und nahmen danach – heiss war's, brutal heiss – das Strässchen, das hinauf zur Lauchernalp kurvt, einem mittelgrossen Ski- und Wandergebiet mit Seilbahn. An den Orten, wo das Strässchen gegen Osten zu vor dem Tobel des Tännbaches eine Spitzkehre vollzieht, sahen wir hinüber ins Bergsturzgebiet, sahen also die sich freikämpfende Lonza, sahen die Rutschrinne vom Kleinen Nesthorn talwärts, sahen schliesslich auch den See beim fast ganz zerstörten Blatten. In zwei dieser Spitzkehren zweigen Fusswege Richtung Osten ab, die freilich gesperrt waren, selbstverständlich respektierten wir das. Es wäre auch schwierig gewesen, in die verbotene Zone überzutreten, wir passierten gleich drei Posten, an denen gelangweilte Jungwalliser (Zivilschützler, glaube ich) unter einem Sonnendach wachten.
Die Lauchernalp ist auch in diesen Tagen ein touristisches Ziel. Mein Foto
vom Bergrestaurant aus zeigt hinten die schneebedeckte Lötschenlücke.

Oben bei der Lauchernalp waren wir wieder im Courant Normal, da gab es doch einige Leute, die wanderten, und im Restaurant neben der Seilbahn waren andere Leute am Essen. Das taten wir auch, bevor wir wieder heimreisten. Und jetzt weiss ich Bescheid und finde, dass ... Halt, der Eintrag wird zu lang. Was ich vom Vorhaben halte, Blatten wiederaufzubauen, erzähle ich morgen.

Donnerstag, 19. Juni 2025

Da kommen sich zwei näher

Die Innerrhödler haben mehr Berge, die Ausserrhödler mehr Hügelland samt Bodenseeblick. Die Innerrhödler haben das ein wenig disneyhafte Appenzell mit seinen farbigen Häusern, die Ausserrhödler das stille Trogen mit den Palazzi der Textilbarone von einst. Die Innerrhödler haben Prozessionen und Barockkapellen und das Wildkirchli, die Ausserrhödler haben die berühmte Alder-Streichmusik-Dynastie und das noch viel berühmtere Silvesterchlausen. Den Säntis aber, den höchsten Gipfel des Alpstein-Gebirges, teilen sich die zwei Kantone, wobei in diesem Fall noch ein dritter Kanton hinzukommt, St. Gallen. Ist es wirlich sinnvoll, dass die beiden Appenzell separate Tourismusorganisationen betreiben? Ab 2026 verstärken diese ihre Zusammenarbeit, weswegen die Ausserrhoder Geschäftsstelle in Herisau schliesst, während die Innerrhoder Zentrale in Appenzell bestehen bleibt; Ausserrhoden betreibt aber weiter die Niederlassungen in Urnäsch und Heiden. Für Ende 2028 prüfen die Partner eine vollständige Fusion, wurde diese Woche des Weitern lautbar. Finde ich gut: Es gibt zwei Appenzeller Kantone, der eine reformiert, der andere katholisch. Aber es gibt nur ein Appenzellerland.

Karte des Appenzellerlandes von Bartholomäus Bischofberger, 1682.
Oben links Herisau (HE), unten in der Mitte Appenzell (AP).
(Kantonsbibliothek Appenzell Ausserrhoden / Wikicommons)
Ab 2026 vermarkten Appenzell Innerrhoden und Ausserrhoden ihre Region touristisch unter einer gemeinsamen Organisation. Die beiden bisherigen Tourismusorganisationen rücken enger zusammen, prüfen eine Fusion bis Ende 2028.

Donnerstag, 24. April 2025

Dornenvolle Speise

Das Spiegelei ist mit Dornen gespickt, die Freude am Essen vergällt. Das Kunstwerk stammt vom ukrainischen Duo Marharyta Zhurunova und Bohdan Lokatyr, die Botschaft ist klar: Was einst gut war, ist es nicht mehr, auch harmlose Dinge bergen neuerdings Schmerz, sind zur Bedrohung geworden. 17 Künstlerinnen und Künstler sind an der Ausstellung "Frieden" im Museum Bruder Klaus in Sachseln beteiligt, die meisten leben in der Ukraine oder sind von dort geflüchtet, hinzu kommen einige wenige Schweizerinnen und Schweizer. Am Gründonnerstag fuhr ich nach Sachseln und schaute mir die Ausstellung an, ich fand sie beeindruckend und beklemmend zugleich. Dass sie in dem Haus stattfindet, das sich Bruder Klaus' Leben und Wirken widmet, passt durchaus; der Obwaldner Eremit, der später unser Landesheiliger wurde, gilt als grosser Friedensstifter. Wer auch nach Sachseln will: Die Wechselausstellung läuft bis in den Herbst.

Donnerstag, 3. April 2025

Wir wanderten, sie flogen

Die "Patrouille Suisse" am Himmel über Galgenen. (Foto: Ronja)
Als wir letzten Freitag von Siebnen nach Einsiedeln wanderten, wurde es bei Galgenen plötzlich laut über uns: die "Patrouille Suisse" in voller Aktion. Ihre Flugzeuge drehten gleich mehrere Runden in der Gegend des Obersees. Und ich dachte: Gibt es die überhaupt noch, wird die nicht abgeschafft? Ich musste nachschauen. Nun, tatsächlich benutzt die Kunstflugstaffel F-5-Tiger-Kampfjets, und die werden auf Ende 2027 ausgemustert, sie sind längst veraltet. Und wie es aussieht, bedeutet dies das Aus für die 1964 gegründete "Patrouille Suisse", überzeugende, zum Beispiel kostengünstigere, Nachfolgelösungen sind derzeit nicht bekannt.

Dienstag, 25. März 2025

Wie weiter mit der "Schwammhöhe"?

Winterblick von der "Schwammhöhe" auf den gefrorenen Klöntalersee.
Glarus, eine der drei Gemeinden des Kantons Glarus, muss vier Millionen Franken im Jahr sparen. Las ich eben im "Blick", der auflistete, was das konkret bedeutet. Unter anderem soll diesen Sommer das Schwimmbad in Glarus geschlossen bleiben. Und: Die Gemeinde will sechs Restaurants verkaufen, bei denen grössere Investitionen anstehen. Betroffen ist auch die "Schwammhöhe", von der man einen wundervollen Blick auf den Klöntalersee hat. Ich hoffe, es finde sich eine Lösung; es wäre schade, wenn dieses grandios aussichtsreiche Lokal verschwände.

Donnerstag, 13. März 2025

Herrenwanderung auf den Herrenberg

Mmmm, Zuger Kirschtorte.
Und das am Tag, als ein Zuger in den Bundesrat gewählt wurde.
Hier gabs die Torte: Restaurant Herrenberg auf dem Herrenberg, Bergdietikon AG.
Schrottkunst beim Reppischhof.
Das Wetter war eher trüb. Wobei dann doch gegen drei Uhr nachmittags die Sonne trotzig durch die Wolken drängte. Aber da machten wir uns grad wieder an die Heimreise. Ich rede von unserer Herrenwanderung – so nenne ich jene Art Unternehmung, auf der Freund M. und ich jedes Jahr zuerst seinen (März) und dann meinen (September) Geburtstag mit einer Wanderung und einem Essen feiern. Der neue Bundesrat Martin Pfister war gerade gewählt, als wir gestern Vormittag an der S-Bahn-Station Urdorf-Weihermatt starteten. Durch den Wald zogen wir zum Reppischhof, überquerten die Reppisch. Stiegen auf nach Bergdietikon. Und erreichten unser Ziel, das passenderweise "Herrenberg" heisst, in diesem Aussichtsrestaurant, das an unserem Tag wenig Aussicht offerieren konnte, assen wir fein zu Mittag: Forelle meunière, dann Zuger Kirschtorte. Um hernach hinab nach Rudolfstetten zu halten. Knapp dreieinhalb Stunden brauchten wir für die Wanderung. Und fanden am Schluss, dass sie schön gewesen war, auch wenn es nicht schön gewesen war.
Bärlauch zwischen Urdorf und dem Reppischhof.

Dienstag, 25. Februar 2025

Büsingens Wahl

Vor der Wahl: Plakatwerbung
Anfang Februar in Büsingen.
Kürzlich wanderten wir durch Büsingen am Hochrhein, die deutsche Exklave unweit von Schaffhausen. Gestern fiel mir ein, ich könnte nachschauen, wie die circa 1650 Büsingerinnen und Büsinger in der Bundestagswahl vom Wochenende abgestimmt haben.

Zur Erinnerung: Landesweit wählten 28,5 Prozent der Deutschen die CDU/CSU und 20,8 Prozent die Rechtsaussenpartei AfD. Die SPD erhielt 16,4 Prozent der Stimmen.

Und Büsingen? Es wählte im Vergleich mit dem nationalen Durchschnitt stärker rechts. Die CDU/CSU kommt bloss auf 26,4 Prozent. Die AfD aber auf 26,1 Prozent. Und die SPD auf nur 11,5 Prozent. Die AfD hat in Büsingen fast mit der CDU/CSU gleichgezogen. Was dahintersteht, kann ich nicht sagen.