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Donnerstag, 27. August 2026

Mutter und Kind

Irgendwie herzig, finde ich. Oder bin ich einfach total verkitscht? Ich musste an ein Tiermami und ihr Tierbaby denken, als ich kürzlich im Bahnhof Luzern darauf wartete, dass mein Zug Richtung Sarnen abfuhr. Gleich gegenüber sah ich einen anderen Zug. Und vor ihm auf dem Perron das Zügli mit Auslagen der Zentralbahn.

Montag, 17. August 2026

Die Pinguinvision

60 Meter Spannweite: die Kuppel der Basler Markthalle.
(Foto: Alexandre Prevot / Wikicommons)
Immer wieder mal sah ich in der Nähe des SBB-Bahnhofs in Basel die riesige rote Kuppel. Letzte Woche habe ich es endlich geschafft, hinzugehen und mir den Bau anzuschauen. Die Markthalle, 1929 erstellt. Das Gewölbe der achteckigen Stahlbetonkuppel hat eine Spannweite von 60 Metern. Im Inneren der Halle war, wie es der Name ja ausdrückt, ein Grossmarkt untergebracht. 2004 zog er aus. Ein paar Jahre später startete die Halle neu, sie beherbergte nun ein Sammelsurium von Fachgeschäften von Mode über Bergsport bis Computer. Mittlerweile hat sich längst ein neues Konzept durchgesetzt. Die Markthalle ist ein Food Court, die Stände mit Verpflegung reihen sich. Zudem finden hier Kulturveranstaltungen statt. Hübsch finde ich eine Idee von 2006, die die Stadt bewegte, die letztlich jedoch verworfen wurde: Der benachbarte Zoo Basel hatte vorgeschlagen, in der Markthalle ein "Polarium" einzurichten für Tiere aus den Polargebieten. Originell wäre das schon gewesen, vom Bahnhof mal kurz hinzuspazieren und den Pinguinen einen Hausbesuch abzustatten.


Freitag, 31. Juli 2026

Durst

Auf halbem Weg von Grandval BE auf den Mont Raimeux: Schutzhütte und Schatten.
Letzte Meter zum Gipfel (versteckt in den Bäumen). Die Weide würde gern wieder mal trinken.
Tiefblick während des Abstiegs ins Tal, aus dem wir kamen.
Widmer. Die Erschöpfung ist gespielt.
Und das Bier war himmlisch.
Was für eine tolle Landschaft, der Jura hat einfach Charisma. Am Mittwoch stiegen wir von Grandval im Berner Jura gut 750 Meter auf; Ziel war der  Mont Raimeux mit dem aparten Aussichtsturm, der bei mir seit Jahren unter Bröselverdacht steht, er ist ja doch schon mehr als 120 Jahre alt. Nun, wir erklommen das Betonding ohne Probleme, das habe ich gestern berichtet. Vom Gipfel stiegen wir alsbald wieder ab ins Nachbardorf von Grandval, Crémines. Ein Aufsteller, dass wir dort das Restaurant de la Croix Blanche offen vorfanden und um halb zwei Uhr zu einem Zmittag kamen, der erst noch günstig war: Rindsentrecôte mit Gemüse und Reis sowie einem Salätli für 22 Franken.

Was mir von der vierstündigen Unternehmung (750 Hm aufwärts, 725 Hm abwärts) auch bleiben wird: die Hitze. Wir hatten damit gerechnet, auf dem Raimeux in der Bergerie du Signal einkehren zu können. Aber sie war zu; dass das Restaurant du Raimeux de Crémines an diesem Tag geschlossen sein würde, hatten wir schon im Voraus gewusst. Die Folge der Beizenlosigkeit: Unsere Wasservorräte wurde knapp, in der letzten Stunde litten wir Durst. Ging aber schon. Leid taten mir die Kühe, die im staubigen, total ausgetrockneten Weidegelände des Raimeux unter den wenigen Bäumen dicht an dicht standen, bewegungslos, von den Fliegen geplagt. Arme Tiere. Wie gut es wir Menschen doch hatten: Unten in Crémines gabs kaltes Panaché-Bier. Selten habe ich so gierig getrunken.
In Crémines BE: Zmittag gut, alles gut.

Montag, 27. Juli 2026

Zoll einst, Zoll heute

Markantes gelbes Haus in Cantine di Gandria: Im einstigen
Grenzwachtposten ist das Schweizerische Zollmuseum einquartiert.
Im Vorgarten des Museums ausgestellt: Schlagbaum mit Unterstand.
"Meine Schwester hiess Elvezia. Sie trug
den Namen des Landes, das uns aufgenommen hat."
Hart an der Grenze zu Italien findet sich in Cantine di Gandria am Luganersee ein hübsches Stück Eidgenossenschaft. Das Schweizerische Zollmuseum, in einem ehemaligen Grenzwachtposten untergebracht, ist Teil des Bundesamtes für Zoll und Grenzsicherheit und wurde 1943 gegründet. Das Haus ist reich dotiert, stellten wir letzte Woche bei unserem Besuch fest. Es zeigt die Lebenswelt der Zöllner von einst, die – zum Beispiel am Luganersee – den Schmugglern nachjagten, dokumentiert aber auch, wie heute, etwa im Basler Rheinhafen, gearbeitet wird. Es gibt einen Raum, der sich dem Zweiten Weltkrieg widmet, und eine Fotoausstellung zur internationalen Migration in der Gegenwart. Plus dokumenieren Fundstücke, etwa Elefantenstosszähne, das Engagement für den Artenschutz, also gegen die klandestine Einfuhr illegal erjagter Trophäen. Wirklich gut, dieses Museum. Bis 18. Oktober ist es geöffnet, der Eintritt ist gratis.

Büroarbeiten.

Artenschutz: Elefantenstosszähne und andere sichergestellte Dinge.

Dienstag, 21. Juli 2026

Meine Solothurner Forelle

Forelle grilliert. Mundete.
Was für ein Oäschen! Am Samstag beendete ich meine Jurawanderung an der Bushaltestelle in Kienberg SO noch nicht ganz. Vielmehr ging ich 500 Meter weiter, folgte dabei  der Strasse Richtung Wittnau. Ein Trottoir gabs nicht. Bei einer Sägerei erreichte ich den "Forellenhof". Der Name enthält das Programm, hier kann man im hauseigenen Teich, aufgestaut aus dem Dorfbach, nach Forellen fischen. Oder man lässt sich eine Forelle gekocht vorsetzen. Was ich tat. Meine Bestellung führte dazu, dass die Serviererin zum Teich eilte und eine Forelle aus dem Wasser hievte. Die bekam ich 20 Minuten später vorgesetzt. Sie war  – Variante grilliert – sehr gut. Sodass ich nicht nur satten, sondern auch zufriedenen Bauches heimreisen konnte.
Blick über den Fischteich nach Süden. Links gleich neben der
Schweizerfahne ist winzig der Turm der Pfarrkirche von Kienberg auszumachen.

Der "Forellenhof" ist ein perfekter Ort für den Wanderzmittag.

Freitag, 17. Juli 2026

Drei Seen und der Sächsmoor

Auf der Seebenalp, im Wasser des Grosssees spiegelt sich der Sächsmoor.
Das Wasser ist rot wegen des roten Verrucanogesteins.
Der Schwarzsee war auch schon grösser.
Heusee mit Ente.
Die Seebenalp, erreichbar in leichten 90 Wanderminuten ab Tannenboden, ist mit Sicherheit einer der schönsten Orte auf dem Flumserberg. Drei Dinge sind es mindestens, mit denen ich das belegen kann, nachdem ich am Mittwoch wieder einmal dort war.

  1. Das Berghotel auf 1620 Metern über Meer. Der gemütliche alte Kubus, grünes Dach, grüne Fensterläden, wurde 1906 gebaut als Erholungsort für Leute mit Atemproblemen und Lungenkrankheiten. Belle Epoque im Sarganserland.
  2. Der Sächsmoor. Was für ein Zacken! Man hat ihn auf der Seebenalp direkt vor Augen und findet, dass man ihn getrost den kleinen Bruder des Matterhorns nennen darf.
  3. Die drei Seen. Den kleinsten, den Schwarzsee, fanden wir geschrumpft vor. Eine Folge der Hitzewelle, nehme ich an. Im grössten, dem Grosssee, gibt es Hechte, erzählte uns ein Angler. Charmant der Heusee. Auf dem Weg zu ihm und um ihn mussten wir gut aufpassen beim Gehen. Hunderte winziger brauner Frösche, kaum grösser als ein menschlicher Daumennagel, waren unterwegs. Was die wohl antrieb?
    Noch einmal der Grosssee mit dem Berghotel Seebenalp (rechts hinten).
    Im Hintergrund zur Rechten ein Teil der Churfirsten.

Mittwoch, 1. Juli 2026

Der virtuelle Zaun

Tragen sie bald GPS-Halsbänder? Kühe in Urnäsch.
Interessant, was ich gestern in der NZZ las. Es geht um virtuelle Weidezäune. Die lernte der Berner Oberländer SVP-Nationalrat Ernst Wandfluh kennen, als er letzten Sommer Besuch von einem Farmer aus Neuseeland bekam. Dieser konnte über Tausende von Kilometern seine Kühe zur Rückkehr in den Stall bringen. Und zwar mit einer Smartphone-App. Die Kühe des Bauern in Neuseeland tragen alle ein GPS-Halsband, das via die App direkt ansteuerbar ist. Auf der App sind auch die Grenzen des Weidegebietes definiert. Nähert sich eine Kuh dem virtuellen Zaun, ertönt ein Warnsignal, überschreitet sie die Grenze, löst dies im Halsband einen leichten elektrischen Impuls aus. Das System erlaubt es, Kühe bis zu einem gewissen Grad zu steuern; in Skandinavien, Grossbritannien, den USA und eben Neuseeland ist es bereits Realität. Wandfluh, selber Bauer, fordert nun mit einem politischen Vorstoss, dass es auch in der Schweiz zugelassen wird. Derzeit verbietet das die Tierschutzverordnung. Eine wissenschaftliche Untersuchung der bundeseigenen Forschungsanstalt Agroscope hat aber offenbar ergeben, dass die technische Vorrichtung kein Problem für die Kühe ist. Und dass sie funktioniert. Und jedenfalls würde mit ihr das speziell auf den Alpen aufwändige Zaunsetzen hinfällig.

Sonntag, 28. Juni 2026

Die Bröckelschlucht

In der Zügenschlucht, Brombenzviadukt voraus.
Atemberaubend, oder? Blick in die Zügenschlucht.

In der Landschaft Davos von Monstein durch die Zügenschlucht hinab zum Bahnhof Wiesen zu wandern oder auch umgekehrt – das fühlt sich an wie ein Geschenk. Die hohen Felswände zur Rechten und Linken mit den vielen Bach- und Lawinenrinnen, den "Zügen", sind aus unseriösem Material gebaut, es rutscht und bröselt, immer wieder mal gab es Sperrungen, an einigen Orten warnen Schilder davor stehenzubleiben, Steinschlag droht. All das steigert den Genuss, auf der im 19. Jahrhundert gebauten, 1974 aufgegebenen Strasse unterwegs zu sein; man frohlockt, dass die Strecke offen ist, die den Fluss von Davos, das Landwasser, talwärts begleitet. Von der neuen Strasse höher im Hang und auch von der Bahn merkt man eher wenig. Immerhin sind da Tunnels zu erahnen, und der Brombenzviadukt der Bahn beeindruckt. Etwas über eine Stunde brauchten wir am Freitag für die Route und freuten uns am Bahnhof Wiesen, das Beizli offen vorzufinden. Dort sass schon einiges Volk, speziell Ferrophile, Bahnfans. Kaum etwas bekamen wir vom Wiesener Viadukt mit, der hier ansetzt. Vom Beizli aus ist er nicht zu sehen, und als Fortsetzung wählten wir den Weg in der Nähe des Landwassers; besagter Viadukt, die höchste Brücke der Rhätischen Bahn, zeigt sich aus diesem Winkel nur teilweise. Was auch seinen Reiz hat.
Der Bahnhof Wiesen steht weit abseits des gleichnamigen Dorfes.

Aus dem Beizli beim Bahnhof Wiesen fotografiert: historische Waggons der Rhätischen Bahn,
die in den warmen Monaten des Jahres zwischen Davos Platz und Filisur verkehren.

Mehr sahen wir vom Wiesener Viadukt, Höhe 88,9 Meter, nicht. 

Samstag, 20. Juni 2026

Entschleunigung

Repo-Tage sind anstrengende Tage, man koordiniert laufend Termine, trifft Leute, stellt Fragen, macht Notizen, schaut hysterisch auf die die Wetterprognose, vernachlässigt das Trinken und hat keine Zeit zum Essen. So war das auch gestern und vorgestern in Gstaad. Wir besuchten eine Künstlerin und einen Kitzbühel-Sieger, begleiteten in der Vormittagswärme und Mittagshitze eine Familie und ihre Kindern beim Wandern, fuhren mit dem Auto an entlegene Punkte und liessen die Drohne steigen, fragten wildfremde Biker und Bikerinnen, ob wir sie fotografieren und mit Namen erwähnen dürften, stiegen zudem in ein unterirdisches Käselager ein. Und und und. Schliesslich endete der rasant getaktete Aufenthalt in einem gemütlichen Entschleunigungsritual: Mit der Kutsche fuhren wir vom Weiler Bissen talwärts nach Gstaad. 

Dienstag, 2. Juni 2026

Hohe Alp, tiefe Alp

Beliebtes Ausflugsziel an der Zürcher Goldküste: die "Blüemlisalp".
Mein später Zmittag.
Man ist hier wirklich auf einer Alp.
Gastliche Häuser namens "Blüemlisalp" gibts hierzulande mehrere. Hier seien zwei erwähnt, die ich schon besuchte. Da ist zum einen die Blüemlisalphütte im Berner Oberland auf einer Höhe von 2834 Metern gleich beim Pass Hohtürli; ich kann mich bestens erinnern, wie wir vor sechs Jahren hinaufkeuchten und oben etwas tranken. Zum anderen ist da die wesentlich leichter erreichbare Wirtschaft Blüemlisalp. Sie findet sich in Herrliberg ZH auf 594 Metern über Meer. Gestern arbeitete ich nur am Vormittag, am Nachmittag wanderte ich; ich zog von der Forch hinab nach Erlenbach, was gut zwei Stunden dauerte. Natürlich stoppte ich unterwegs bei der Blüemlisalp und kehrte ein. Sie ist übrigens – kein Witz – eine richtige Alp, auf der Rinder gesömmert werden. Die geniessen das milde Goldküstenklima garantiert.
Ein Foto von 2020: kurz vor dem Hohtürli.

Ebenfalls 2020: die Blüemlisalphütte des SAC beim Hohtürli.

Montag, 1. Juni 2026

Tierfriedhof zu verkaufen

Der Eingang zum Tierfriedhof von Läufelfingen.
Vor neun Jahren porträtierte ich in der "Schweizer Familie" Marlies Mörgeli, die in Läufelfingen BL 2001 einen Tierfriedhof gegründet hat. Kürzlich nun las ich auf srf.ch, dass Frau Mörgeli altershalber die Anlage verkaufen will, sie geht gegen die 70 und ist mit dem Betrieb zunehmend überfordert. Man könne von ihm leben, werde aber nicht reich, sagt sie. Wieviel man aufwerfen muss, um Besitzer bzw. Besitzerin eines Tierfriedhofs zu werden, steht da nicht.

Mittwoch, 29. April 2026

Luzerner Idyll

Abstieg von der Würzenegg ins Eigental.
Die Pilatuskette ist, vom Eigental gesehen, verwechselbar – 
der Pilatus (l.) wirkt nicht so markant wie aus anderen Winkeln.
1453 erwarb die Stadt Luzern das Eigental, ein Hochtal nördlich der Pilatuskette. Dessen Holz war eine begehrte Ware. Heute sind zwei andere Rohstoffe des Eigentals wichtiger. Zum einen das Wasser: Von hier oben kommt ein guter Teil des Trinkwassers, das 600 Meter tiefer in Luzern konsumiert wird. Das andere Luxusgut, das ist die Natur, das Eigental ist zur Naherholungszone der Stadt Luzern geworden. Seine Staulage begünstigt Regenfälle, so konnten sich mehrere Feuchtgebiete entwickeln, Flach- und Hochmoore. Dies ist ein Amphienlaichgebiet nationaler Bedeutung. Erfreulich, dass sich die Pläne zu Anfang des 20. Jahrhunderts zerschlugen, das Tal mit einer Sperre zu versehen und einen Stausee zu bauen. Am Samstag war das Eigental, wie ich gestern erzählt habe, unser Wanderziel. Wir fanden ein Idyll vor.

Dienstag, 21. April 2026

Kräuterfisch?

Mein schöner Teller in Tufertschwil.
Letzte Woche kehrten wir auf der Wanderung von Degersheim nach Lütisburg im "Rössli" in Tufertschwil SG ein. Das Restaurant ist gross, modern und gepaart mit einem Hotelbetrieb. Ich bestellte den, so die Karte, "Thurgauer Kräuterfisch". Gebraten, an Senfsauce, mit Spargelrisotto und Gemüse. Das Gericht mundete, bloss fand ich den Namen des Fisches seltsam. Obskur. Mittlerweile weiss ich: "Kräuterfisch" ist keine zoologische Bezeichnung, sondern Verkaufsdeutsch. Wie ich es vermutet hatte. Um einen Fisch aus der Ordnung der Cypriniden, der Karpfenartigen, handelt es sich. Um einen Karpfen, grob gesagt. Der lebt mit seinesgleichen in Kradolf TG im Zuchtbetrieb Dualfisch und wird mit Kräutern wie Sumpfminze und Mangold gefüttert – mit einer rein vegetarischen Kost. Zurück zu meinem schönen Teller. Ich würde den Kräuterfisch wieder bestellen, rein vom Gout und von der Anmutung her. Obwohl ich es lieber hätte, wenn von "Karpfen" die Rede wäre. Marketingdeutsch mag ich nicht.

Sonntag, 12. April 2026

Ganso und die Gans

Am Mittwoch waren wir in Gansingen, wo ich auf dem
Dorfplatz dieses Kunstwerk mit Gans fotografierte.

Das Wappen von Gansingen AG.
(Staatskanzlei Aargau / Wikicommons)
Das Wappentier der Gemeinde Gansingen im Fricktal – das ist die Gans. Und wie so oft beruht auch dieses sogenannt sprechende Wappen, das also den Ortsnamen aufnimmt und abbildet, auf einem Missverständnis. Gansingen stammt von einer alemannischen Siedlergestalt namens Ganso, welcher Personenname wiederum abgeleitet ist von ganz im Sinn von: vollständig, gesund, vollkommen. Aber eine Gans ist irgendwie interessanter. Irgendwann wurde um sie auch eine Sage gedichtet. Sie geht so: Als das Dorf noch namenlos war, watschelte als erstes Lebewesen nicht ein Mensch über die kleine Brücke, sondern eine Gans. Worauf man das Dorf Gansingen taufte.

Dienstag, 17. März 2026

Wanderung mit Kiebitz

Am Samstag wanderten wir bei kaltem und nassem Wetter durch das Zürcher Weinland. Dreieinhalb Stunden brauchten wir – reine Gehzeit – für die Strecke von Ossingen via Oerlingen und Marthalen nach Rheinau. Hier fünf Fotos von unterwegs.

Schwer lesbar, der Gedenkstein in zwei Sprachen beim Husemersee. Er erinnert
an den Serben Marko Orlovic, der mit anderen Internierten des Zweiten Weltkriegs
hier Torf stach. Am 26. August 1943 wollte er sich im See abkühlen und ertrank dabei.

Ein Feuchtgebiet kurz vor Oerlingen. Die Ornithologin
liess auch uns durch ihr teures Fernrohr spähen. Wir
sahen Kiebitze, die im Ried ihre Nester hüteten.
Das Bistro Oerlingen war eigentlich noch zu. Die Wirtin sah uns durch die Scheibe,
öffnete, so kamen wir zu einem Tee. Sie erwarte nächstens 30 Leute zu einem
Jassturnier, erzählte sie uns. Und: In wenigen Wochen schliesse sie das Bistro.
In Marthalen lebte im 17. Jahrhundert der steinreiche Pankraz Toggenburger
in einem schmucken Haus, dem "Schneggen-Geheuss". So nebenbei
liess er damals auf dem Guggenbüel dieses barocke Rebhäuschen bauen.

In Rheinau gabs einen späten Zmittag. Im "Augarten" wirten zwei Schwestern.
Appenzellerinnen. Und so kamen wir zu Appenzeller Chäsfladen. (Foto: Ronja)

Dienstag, 3. März 2026

Das neue Inseli

Sie gibt es bereits:1958 wurde bei Zürich-Wollishofen für die
"Schweizerische Ausstellung für Frauenarbeit" SAFFA
die Saffa-Insel aufgeschüttet. (Foto: Roland zh / Wikicommons)
Der Zürichsee ist jetzt nicht reich an Inseln. Möglich, dass er in der nahen Zukunft zu einer neuen Insel kommt. Zu einem Inseli, gebaut mit Aushubmaterial von SBB-Tunnelprojekten wie demjenigen am Bahnhof Stadelhofen. Das Inseli wäre für Wasservögel wie Enten, Schwäne und Taucherli gedacht, die dort in Ruhe nisten könnten. Der grössere Zusammenhang ist dieser: In den nächsten Jahren soll es an den Ufern des Zürichsees zu unterirdischen Aufschüttungen kommen, die flache Wasserzonen schaffen würden, mehr Lebensraum für Tiere und Pflanzen; das Inseli wurde kürzlich als Zusatzidee in dieses Projekt, von dem ich letzte Woche durch den "Tagi" vernahm, integriert. Übersteht der Aufschüttungs-Kredit von 69 Millionen Franken den Stadtrat, wird das Stimmvolk der Stadt Zürich das letzte Wort haben.

Dienstag, 24. Februar 2026

Schwarzer Samstag

Dreimal Achenberg: Dahomey-Zwergrinder (Foto: Ronja) im Stall,
Madonna in der Loretokapelle, Hausbier in der Achenberg-Wirtschaft.
Obiger Titel bezieht sich auf den Achenberg, Gemeinde Zurzach AG, den wir am Samstag überschritten. Gleich drei Dinge waren im Miniweiler schwarz:

  1. die Madonna in der Loretokapelle, einem beliebten Pilgerort. 1660 bis 1662 wurde die Kapelle gebaut. Die ursprüngliche Schwarze Madonna musste dann vor 61 Jahren bei der Kapellenrenovation weichen. Ihre Nachfolgerin wurde 2005 platziert und stammt von einem Zürcher Bildhauer.
  2. das Vieh auf dem Bauernhof. Es handelt sich um Dahomey-Zwergrinder. Die Rasse kam Anfang des 20. Jahrhunderts von Belgisch Kongo nach Europa, als der Zoo von Antwerpen in Belgien Raubtiere einführte und mit ihnen gleich deren Futter (ja, ich weiss, brutal). Ihren Ursprung hat dieses Zwergrind im afrikanischen Dahomey, heute Benin.
  3. das Hausbier im Restaurant Achenberg. Die "Birra Madonna Negra", Bier Schwarze Madonna, wurde zur Feier der neuen Madonnenstatue 2005 lanciert. Obwohl es elf Uhr war, also früh für Alkohol, bestellte ich ein Herrgöttli – journalistische Pflicht, da opfert man sich halt. Es ähnelt dem irischen Guinness, ist aber luftiger, ist leicht säuerlich und prickelt irgendwie im Mund. Man entschuldige die mangelhafte Beschreibung, ich bin kein Bier-Sommelier.

Donnerstag, 19. Februar 2026

Alle sind satt geworden

Ein stimmungsvoller Anfang, oder? In der "Schweizer Familie" gibt es diese Woche eine dichte Reportage zu lesen, natürlich ist sie auch opulent bebildert. Meine Redaktionskollegin Angela Lembo hat im Freiburgischen die Wanderhirtin Sarah Müri getroffen. Die ist den Winter über permanent unterwegs gewesen mit den ihr anvertrauten Schafen, mit Hirtenromantik hat das gar nichts zu tun, es war harte Arbeit – eine Arbeit aber auch, die Sarah Müri schätzt, weil sie zu ihr passt, weil sie in Ruhe verrrichtbar ist und ihr Frieden bringt. Am Ende der Reportage wird es Abend, und Sarah Müri zieht Bilanz: "Alle sind satt geworden, heute war ein guter Tag." Wer mehr wissen will, kaufe das Heft, es lohnt sich allein wegen dieses schönen Textes.