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Montag, 16. Juli 2018

Ich ermahnte die Kröte zu mehr Vorsicht

Blick von der Rückenegg nach First. Dahinter der Alpweiler Breitenfeld.
Turren, bei der Seilbahn-Bergstation, unten Lungern mit seinem See.
Am Samstag wanderte ich: Mörlialp - Alpoglen - Fontanen - Heidenboden - Chringe - Rückenegg - Dundelegg - Dundel - Turren, Seilbahn. Das dauerte knapp vier Stunden, der Weg führte auf der Westseite des Giswilerstocks hart an dessen Wänden und Geröllflanken vorbei. Ein paar markante Momente:
  • Die Anfahrt im Postauto führte über die Panoramastrasse, wie die Strasse über den Glaubenbielenpass heisst. Der Fahrer erzählte, sie sei im zweiten Weltkrieg erbaut worden unter Mithilfe internierter Polen.
  • Auf der Mörlialp fand grad ein Frauen- und Meitlischwinget statt. Der Postifahrer nannte es "Wiiberschwinge". Vor mir im Bus sassen ein Vater sowie seine Tochter, etwa zwölfjährig. Sie stiegen auf der Mörlialp aus und gingen Richtung Schwingplatz. Ich stellte mir vor, dass sie das Mami bzw. die Ehefrau besuchten, die grad im Einsatz war.
  • Kurz mal regnete es, als ich auf Alpoglen durchkam. Aber nur leicht. Alpoglen klingt wie Alpoglu, das ist ein türkischer Familienname; ich spielte mit dem Gedanken, ich sei in Anatolien unterwegs.
  • Bei Fontanen hätte ich um ein Haar mit meinem Wanderstock eine braune Kröte perforiert, die mitten auf dem Weg im Heidekraut hockte. Das war mir gar nicht recht, aber die Kröte war wirklich praktisch unsichtbar. Ich nahm eine Notevakuation vor und platzierte das Tierli unter Entschuldigungen und Ermahnungen (mehr Vorsicht bei der Überquerung von Hauptverkehrsachsen!) einen Meter neben dem Weg.
  • Vor Turren begegnete ich einem Mann aus Zürich und seiner Partnerin, die vor einiger Zeit an einem Vortrag von mir gewesen waren ("Warum wandert der Mensch?"). Sie rekognoszierten gerade für die Wanderung mit einer Grossgruppe den Schmetterlingspfad.
  • In der Seilbahn hinab nach Lungern war eine chinesische Familie, die filmte die ganze Talfahrt auf dem Handy. Ich dachte: Wenn die alle ihre Ausflüge in der Schweiz filmen, wer wird hernach in China das ganze Material anschauen müssen? Vermutlich die arme Verwandtschaft, die viele Stunden lang entzückte Teilnahme heucheln muss.
    Kurz nach dem Wanderstart: Der Sarnersee spielt Schottland.

Samstag, 14. April 2018

Schlauer Hebel

Das Sesambein an der grossen Zehe.
(Bild: Alison Cassidy/ Wikicommons)
Für das Wanderspezial der "Schweizer Familie" machte ich eben ein Interview mit einer Sportärztin, es geht um korrektes Stretching, um Fehlbildungen wie den Hallux Valgus und um neue Therapien gegen verbreitete Probleme wie den Fersensporn. Ein anatomisches Detail, das ich lernte: Der Mensch hat Sesambeine. Auch am Fuss. Es sind kleine Knochen, die in gewisse Sehnen eingebaut sind und diese ein wenig vom Knochen wegdrücken. So entsteht eine Hebelwirkung - die Sehne hat es leichter, den Knochen zu bewegen. Das Interview kommt dann in drei Wochen.

Sonntag, 9. Oktober 2016

Hochzeitsschnupfen

Gestern auf dem Fussgängersteg, der von Hurden bei Pfäffikon über den Zürichsee nach Rapperswil führt, hatte ich gegen Mittag im leichten Regen mal kurz ein sehr schlechtes Gefühl. Muss das wirklich sein, dass ein Brautpaar bei ziemlich kühlem Wetter auf den Steg abkommandiert wird zwecks Foto? Oder wollten die das selber? Jedenfalls würde ich wetten, dass die Braut, deren nackte Schultern bloss mit einem durchbrochenen Nichts bedeckt waren, heute ziemlich krank ist. Ist es das, woran sie sich punkto Hochzeit lebenslänglich erinnern wird: Wie sie sich damals im unwirtlichen Oktober auf dem See vor Rappi einen schauderhaften Schnupfen zuzog?

Sonntag, 4. September 2016

Das Traumbänkli von Märis

Unterhalb der Wissifluh am Rigihang über Vitznau und Gersau liegt ein Ort namens Märis. Wir kamen gestern vorbei, ich finde, das Bänklein dort ist eines der am schönsten platzierten im ganzen Land. Die Wirtin der Wirtschaft Kuorez weiter unten erzählte, dass regelmässig Nachtwanderer dorthin gehen; sicher schön, der Blick durchs Dunkel auf die Lichter am See und auf dem Bürgenstock. In der Nähe trafen wir übrigens Jäger. Wir fragten, ob sie etwas geschossen hätten, sie sagten nein, auch nach drei Tagen nichts. Der eine fügte bei: "Es isch bald eifacher z'hüroote, als en Hirsch z Bode z bringe."

Freitag, 22. Januar 2016

Ich bin auch ein Kulturvermittler

Eigentlich wollte ich an dieser Stelle von der gestrigen Winterwanderung erzählen. Ich ging von Kandersteg zum Blausee hinab, das war sehr schön. Doch ich bin mit den Fotos noch nicht ganz soweit, hier vorerst bloss ein Bild quasi als Appetizer. Es ist auf halbem Weg aufgenommen, der Blick geht retour, das Kandertal hinauf Richtung Süden. Prachtvoll, oder?

Auf dem Heimweg ging ich in meinem Cööpli in Zollikerberg posten. Als ich gerade zwei Joghurt ins Wägeli lud, hörte ich neben mir eine junge Mutter mit einem Baby die Verkäuferin auf Hochdeutsch fragen: "Haben Sie Hero-Babynahrung?" Die Mutter war Ausländerin, vermutlich eine Russin, sie sprach "Hero" englisch aus, hi-rou, "Held". Die Verkäuferin verstand gar nichts. Ich erklärte ihr, was die Mutter wollte. Und fühlte mich als Held der Kulturvermittlung.

PS. "Hero" hat nichts mit Heroismus zu tun. Es ist der Zusammenzug der Namen Henckell und Roth. Was wiederum an Ricola erinnert: Richterich & Co., Laufen.

Donnerstag, 30. April 2015

Ora et labora in Düdingen


Südwestlich von Düdingen FR quert die A12 auf einer Brücke den Schiffenensee. Unter der Brücke ist eine alte Einsiedelei zu besichtigen. Als in ihr Eremiten wohnten, gab es die Autobahn noch nicht. Und auch nicht den Schiffenensee. Er wurde erst in den 1960er-Jahren aus der Saane gestaut. Gestern besuchten wir auf einer dreistündigen Rundwanderung den Ort im steilen Sandsteinhang über dem See. Gut 120 Meter lang ist die Flucht von Kavernen: Stall, Keller, Altarraum, Turm, Küche, grosser Saal, Kammer, Werkstatt und so weiter. Türen und Treppen verbinden das alles, dazu gibt es im Freien eine Gartenterrasse. Das Gros der Räume hoben zwischen 1680 und 1708 zwei Eremitenbrüder aus, tätige Andacht sozusagen. Die Einsiedelei St. Magdalena muss man gesehen, begangen, erlebt haben. A propos: Als ich wieder zuhause war, hörte ich im Radio, dass die Einsiedlerin in der Solothurner Verenaschlucht nur noch beten und seelsorgen will; die Haus-, Garten- und Unterhaltsarbeit will sie abgeben. Dabei heisst doch das berühmte Motto der Benediktiner "ora et labora", bete und arbeite.

Donnerstag, 23. April 2015

Kandersteg by Ogi

Vorgestern, 17 Uhr, Kandersteg: Ogi begrüsst.
Grabstein für Ogis Urgrossvater an
der Wand der reformierten Kirche.
Am Dienstag war Buchvernissage in Kandersteg, Fritz Hegi stellte seinen neuen Wanderführer vor. Als Stargast geladen war Adolf Ogi, 72, der auf einer einstündigen Route sein Dorf präsentierte und allerbestens unterhielt. Der alt Bundespräsident berichtete von den Lawinenverbauungen Fisi, an denen sein Vater mitgearbeitet hatte. Er nannte das Schulhaus "meine Universität" und erzählte vom Lehrer, bei dem man jeden Morgen erstens betete, zweitens sang und drittens politisierte. Und er liess Staatsbesuche wiederaufleben, den von François Mitterrand etwa, der zu ihm spontan gesagt habe: "Je veux voir votre papa et votre mère." Man lernte viel mit Ogi, man lachte und erfuhr doch auch von den Problemen des Ortes, etwa von der Hotellerie, in der einige Betriebe zu kämpfen haben.

Zur Führung gehörte ein Besuch in der reformierten Kirche von Anfang des 16. Jahrhunderts. Ogi hatte den eben abgetretenen Dorfmetzger Hans Schüpbach herbeiorganisiert, der auf der Orgel virtuos drei Lieder spielte. Er sei in dieser Kirche getauft, konfirmiert und getraut worden, erklärte Ogi. Draussen an der Kirchenwand sei sein Urgrossvater begraben, der als Co-Führer für vier Engländer 1860 einer der Erstbesteiger der Blüemlisalp war. Ganz nah sei auch sein Sohn Mathias beerdigt, der 2009 an Krebs gestorben war. In diese Kirche sei er, Ogi, auch gekommen, wenn er im Bundesrat Probleme gehabt habe. "Ich sass dann einfach nur eine Zeitlang still da."
Ogi in der Kirche, wo er getauft, konfirmiert und getraut wurde.

Dienstag, 21. April 2015

Wanderfritz und Adolf

Adolg Ogi im Jahr 2000.
(Wikicommons/ Tom)

Mein Dienstag beginnt so richtig mit einer Stunde Einzelpilates um halb acht. Danach fliege ich aus: Zuerst Kaffee mit einer lieben Freundin in Bern. Dann gegen Mittag Weiterfahrt nach Frutigen und Besichtigung des Tropenhauses. Und schliesslich um fünf Buchvernissage in Kandersteg. Wanderfreund Fritz Hegi hat seinen Führer "Wandern täglich" aktualisiert und zwölf neue Routen hinzugefügt; die erneuerte Version nennt sich "Wanderfritz zwei". An der Vernissage tritt als Stargast alt Bundespräsident Adolf Ogi auf, er wird auf einem Rundgang sein Kandersteg zeigen. Nicht übel, das Programm, oder? Gegen elf werde ich wieder in meinem Zollikerberg eintreffen und ins Bett sinken.

PS: Heute kann man in der Zeitung von mir eine Seite über Tiergeräusche in Zürich lesen. Es geht um blasende Bachen, schreckende Rehe, aufbaumende Pfauen, um überlaut miauende volltaube Büsis, schnaubende Igelweibchen in der Brunft und spottende Rabenvögel.

Samstag, 11. April 2015

Aurelio und Ernst

Die Aurelio-Zen-Krimis wurden verfilmt. Zen hat nichts
mit Zen zu tun, sondern ist ein venezianischer Name.
Heute und morgen wird nicht gewandert. Ich habe mich erkältet. Jetzt will ich mich erholen, dies umso mehr, als ich der Neuling im Tagi-Lokalressort bin - und der Neuling muss das Sechseläuten machen. Will heissen: eine Seite am Dienstag in der Zeitung, stark bildlastig, aber doch ein Text, für den man eine Idee haben muss. Samt etwas Stress am Montag abend. Da will man fit sein. Das Wochenende versüssen mir zwei Dinge:
  • Zum einen lese ich die Aurelio-Zen-Krimis von Michael Dibdin. Es sind elf Romane, jetzt bin ich beim Zweiten, der im Italien der 1980er-Jahre spielt. Grossartige Sache. Übrigens las ich die ganze Serie vor Jahren schon einmal, habe sie unterdessen aber weitgehend vergessen. Es gehört zu den Vorzügen des Alters, dass man Dinge zum zweiten Mal entdecken darf.
  • Zum anderen bin ich heute mittag an ein Geburtstagsfest in Opfikon geladen. Wir feiern Ernst. Vor einem halben Jahr rief mich eine Frau aus Wallisellen an. Sie sagte, Ernst sei ein begeisterter Leser meiner Kolumnen und sei früher selber ein grosser Wanderer gewesen. Jetzt sei er 94 und habe den Wunsch, mich kennenzulernen. Das ist inzwischen geschehen, ich habe Ernst zweimal getroffen, wir haben uns befreundet. Erstaunlich finde ich, wie genau Ernst seine Routen im Gedächtnis hat; er beginnt gleich zu strahlen, wenn er die eine oder andere Unternehmung schildert, und kennt alle Wegdetails. Es gehört zu den Vorzügen des Alters, dass einem die wirklich wichtigen Dinge wohl doch bleiben.

Samstag, 21. März 2015

Hommels Haematogen

Hier wohnte Hommel. Villa "Dem Schönen" in Zürich, heute Sitz eines Kunstgymnasiums.
(Sidonius/Wikicommons)
Kürzlich schaute ich ein Buch* mit 157 biografischen Kurzporträts durch: Martin Müllers "Adler bis Wesendonck. Deutsche und andere Ausländer in Zürich 1830 bis 1914" (Chronos Verlag). Darin wimmelt es von interessanten Gestalten. Zum Beispiel Adolf Hommel, 1851 in Chemnitz geboren, 1913 in Hanau gestorben. Er war zunächst Kaufmann in Russland, kam als spätberufener Medizinstudent nach Zürich, doktorierte, heiratete, zeugte mit seiner Gattin eine "reizende Kinderschar", wie es im Nachruf heisst. Ungeheuer reich, liess er sich in Zürich-Enge die Villa "Dem Schönen" bauen, ein Prunkgebäude nach Art der italienischen Renaissance; heute ist dort das Liceo Artistico untergebracht. Daneben besass Hommel eine Zweitvilla am Vierwaldstättersee und eine gigantische Kunstsammlung. Woher kam all das Geld? Von seinem Haematogen. So hiess ein aus Rinderblut stabilisiertes Präparat, das die Ärzte bei Blutarmut, Bleichsucht, Magengeschwüren, Malaria, Zuckerkrankheit und Rachitis verschrieben. Dank dem guten Hommel mussten empfindsame Bürgerinnen und Bürger sich nicht mehr krankheitshalber in den Schlachthof begeben und dort frisches Tierblut trinken. Wohlverdient, der Reichtum!

PS: Ich studierte das Buch für einen Artikel, der diese Woche erschienen ist. Er handelt von einer Zeit, als mehr als jede fünfte in Zürich lebende Person ein Deutscher war.

Montag, 12. Januar 2015

Januarfrühling

Unsere Samstagsroute: Zug - Cham - Buonas - Meierskappel - Michaelskreuz - Haltikon - Allmig - Küssnacht - Gesslerburg - Hohle Gasse - Immensee; 6 Stunden 50 Gehzeit, 580 Meter aufwärts, 540 abwärts. In Erinnerung bleiben wird vieles:
  • Die immer neuen Blicke auf den Zugersee und später auch den Vierwaldstättersee, welch beide Gewässer von einem intensiven Blau waren, das wirkte wie vom Chemiker angerührt.
  • Eine schillernde Wolke über dem Michaelskreuz; mehr zu dem irisierenden Ding in einem separaten Eintrag.
  • Die allerschönsten Berge über wallenden Wolken; der Landschaftsmaler war an diesem Tag ungeheuerlich romantisch gestimmt.
  • Starke Winde, die doch angenehm lau waren. Sie erfrischten, statt zu schrecken, wie es im Winter üblich ist. Man öffnete ihnen gern die Jacke.
  • Das Schlussbier im Café Bijou in Immensee. Alle Tische waren gedeckt für eine Geburtstagsparty, Papierschlangen und so. Eine Dudelband baute gerade ihre Instrumente auf. Die Serviererin war eine herbe Schönheit aus Ex-Jugoslawien. An der Bar sassen gegerbte Kroaten oder Serben. Und dazu ein junger Schweizer, der etliche Schnäpse getrunken hatte und uns in eine wirre Konversation verwickelte. Zudem sprach ich mit einem Walliser französischer Zunge, der mich über die Immobilienpreise in der Innerschweiz kompetent ins Bild setzte.
Soweit der Samstag, ein wahnsinnig milder Tag; wir hatten gut 15 Grad Wärme und genossen das sehr. Über kurz oder lang wird die deutsche Sprache nicht umhin können, für solche Tage mitten im Winter ein Wort einzuführen. Wie wäre es mit "Januarfrühling"?
Zwischen Zug und Cham.
Vor Buonas, rechts hinten die Rigi.
Dräuende Wolken im Gebiet Stoos und Riemenstaldertal.
Der Zugersee mit dem Rossberg.
Der Küssnachtersee.
Am Hafen von Küssnacht. Hinten Seebodenalp und Rigi.

Mittwoch, 30. Juli 2014

Der Mann, der den Tod gesehen hat

Detail aus einem Gang im Palazzo
Salis: 400-jährige Wandkritzelei.
Gestern bei monsunartigem Wetter - feuchte Hitze, immer neue Regengüsse - eine Tour nach Tirano, dem Städtchen zuunterst an der Berninalinie auf italienischem Boden. Höhepunkt war der Besuch des Palazzo Salis aus dem 17. Jahrhundert. Die gleichnamige Adelsfamilie entstand im Hochmittelalter in Como und zog bald alpenwärts; sie verzweigte sich dabei mehrfach, der Schweizer Ableger der Salis vor allem im Bündnerland und speziell im Bergell ist wohlbekannt. Der Palazzo zu Tirano besteht aus zehn Sälen, von denen einer prächtiger ist als der andere. Man sieht Deckengemälde mit antiken Motiven, rustikale Möbel, Trompe-l'oeil-Türen, die hausinterne Kirche, Wappen und Embleme noch und noch. Ah ja, ein riesiger Ziergarten war da auch. Als wir ihn betreten wollten, begann es gerade wieder wild zu schütten.

Später dann eine kurze Wanderung die bahnlose Seite des Poschiavo-Sees entlang von Miralago nach Le Prese. Sie endete mit der Einkehr in der Beiz gegenüber der Station von Le Prese. Ein Mann kam herein, setzte sich an den Stammtisch, eröffnete allen Anwesenden: "Ich habe den Tod gesehen." Die Serviererin lachte, bis sie merkte, dass er es ernst meinte. Offenbar war der Mann vor ein paar Tagen von einem guten Dutzend Wespen gestochen worden; ich verstand die Umstände nicht ganz genau; er sprach ein zwar nicht dialektales, aber schnelles und von Agrar-Ausdrücken durchsetztes Italienisch. Er habe dann einen Schock erlitten, sei fast gestorben, sei ein paar Tage im Spital gelegen. Auch jetzt noch wirke das Insektengift nach. Der Mann klagte: Mi gira l'albicocca! "Mir schwirrt die Aprikose."

Mittwoch, 23. Juli 2014

Aargauer Traum

Der Moor (l.) mit mir. Aber nicht im
Aargau, sondern im Solothurnischen.
Mein gewitzter Wanderfreund René P. Moor legt ein neues Buch vor. Der Titel sagt es, "Aargau rundum" schildert eine Serie von Wanderungen entlang der Kantonsgrenze. Man liest das gern, Renés Geschichten sind amüsant im Grossen wie im Kleinen. Und unterhaltsam. Die Servierfrau im Restaurant in Reitnau hat "Fingernägel so lang wie eine Dessertgabel".  Der Lokführer der Stadtbahn Zug lässt René bei sich im Flirt-Führerstand mitfahren. Bei Jonen hat der Waldbach Hochwasser, seine hellbraune Farbe inmitten des Waldgrüns erinnert "an Bilder aus dem Amazonas-Becken". Der Käse "Aargauer Traum" gemahnt an Appenzeller, wird ja aber auch von einem Käser namens Brülisauer hergestellt. Immer wieder gerät die Unternehmung zum Abenteuer und zur Strapaze. Etwa im Aufstieg zum Hersberger Plateau durch brutal dichtes Stechlaub. Wer den Aargau umkreist, kann etwas erleben.

Montag, 14. Juli 2014

Der Alte vom Bachtel

Holzbohlenstufen hinab zur Täuferhöhle. Brutal steil war das. Und glitschig.
Kotelett und Rösti auf dem Bachtel.
Holzbohlen, mit Eisenbeschlägen gesichert, dominierten unsere Samstagswanderung: Holzbohlen im Aufstieg von Wernetshausen zum Bachtel. Holzbohlen im Abstieg vom Bachtel zur Egg. Holzbohlen im Wald vom Allmen hinab zur Täuferhöhle, der so feucht und steil war, dass man sich am liebsten angeseilt hätte. Holzbohlen schliesslich auf der letzten Passage von Wappenswil nach Bäretswil.

Die 5 1/2-stündige Wanderung (Wetzikon - Hinwil - Wernetshausen - Bachtel - Egg - Allmen - Täuferhöhle - Wappenswil - Stockrüti - Bäretswil) war im Übrigen vollgepackt mit guten Dingen. Wir fanden den Anfang, die Drumlinlandschaft gleich nach Wetzikon, apart. Wir mochten die Wirtschaft Zum Bachtel in Wernetshausen, wo wir Kaffeehalt machten und uns erkundigten, wo genau Ueli Maurer wohnt (wir erfuhren es nicht). Wir liebten das Kotelett und die Rösti oben im Bachtel-Restaurant, dessen Wirt es wirklich gut macht. Wir waren von der Täuferhöhle beeindruckt, ihrer Lage unter einem Nagelfluhvorsprung, dem Wasserfällchen, der Abgelegenheit dieses Ortes. Schliesslich amüsierte uns vor dem Volg von Bäretswil, wo wir unser Schlussbier kauften, ein 76-jähriger Bauer mit quicklebendig-jungen Äuglein, der uns in fünfzehn Minuten mehr oder minder sein Leben erzählte. Und das beste von allem: Es regnete erst, als wir ausgewandert hatten. Perfektes Timing.
Die Täuferhöhle erinnert an die Anatomie eines Nashorns oder so.

Montag, 6. Januar 2014

Die Speisung der Wanderer

Der Grilleur von Hombrechtikon rettet die Hungrigen.
Eine von vielen Villen am Weg.
Es war einfach alles zu am Samstag in Hombrechtikon. "Gehen Sie zur Linde, die Linde hat sicher offen", riet uns, als wir schon leicht verzweifelt waren, ein Handwerker. Die Linde war auch zu. Schliesslich entdeckten wir vor dem Volg einen Wurstbrater und kauften uns eine Wurst. Die war gut, ich hatte Kalb, Rita Schwein. Ein Bier gab es dann halt erst am Schluss des Viereinhalbstünders in Esslingen. Dort befanden wir, dass das eine tolle Sache gewesen war: aus dem Häusergewirr von Rapperswil Flucht auf die Villenanhöhe des Meienbergs. Hernach alles vorwärts über Balm und Schwösterrain zum Lützelsee. Daselbst der Abstecher nach Hombrechtikon. Und dann weiter über Dändlikon und die Summerau nach Esslikon. Die 20 Kilometer waren ein Föhn-Schnäppchen: Derweil es in Zürich bereits regnete, genossen wir die milde Luft und den Blick auf das Sonnenfenster über Glarus und der Innerschweiz. Es war wunderbar von A bis Z - samt der mirakulösen Speisung der Wanderer durch den Bratwurstgrilleur von Hombrechtikon.
Föhn gegen das Glarnerland zu.

Sonntag, 27. Oktober 2013

Ich habe unglaublich liebe Leser

Vor einiger Zeit stellte ich in meiner Zeitungskolumne in "Tagi" und "Bund" die Route aufs Bäderhorn im Kanton Bern vor. Daraufhin bekam ich kürzlich von einem Ehepaar, das die Kolumne offensichtlich gelesen hatte und die Route nachgewandert war, ein Mail mit einem angehängten Foto. Es zeigt den Eintrag des Paars im Gipfelbuch auf dem Bäderhorn. Habe ich nicht unglaublich liebe Leser?

Sonntag, 25. August 2013

Dann kam heftig der Regen

Das vorne sind Kühe. Und das hinten der Stockberg.
Ebener Boden eine halbe Stunde vor der Mistelegg.
Wer einsame Gegenden mag, dem empfehle ich das Gebiet des westlichen Alpsteins und den angrenzenden Teil des Neckertals. Am Samstag stiegen wir von der Schwägalp-Passhöhe via Horn und Ellbogen auf den Hinterfallenchopf und stiegen wieder ab via Gössigenhöchi zur Mistelegg und stiegen wieder auf nach Hemberg. Der Höhepunkte waren viele: der Alpsteinriegel samt Säntis, eine kilometerlange graue Felsmauer. Das gruslige Ofenloch, in das wir hinablinsten. Und überhaupt die aus der Distanz glattgeschmirgelt wirkenden Nagelfluh-Wände der Gegend (Vorsicht vor diesen Schlünden, liebe Pilzsammler). Der umfassende Rundblick vom Hinterfallenchopf. Das genussvolle Höhe-Wieder-Hergeben Richtung Mistelegg. Und schliesslich, daselbst, die Einkehr im Alpstöbli von Markus Nef. Der Wirt ist ein Gastfreund, und das Essen war gut. Und als wir assen, setzte draussen heftig Regen ein. Pflotschnass kamen wir am Ende in Hemberg an.
Im Alpstöbli in der Mistelegg, Gemeinde Hemberg, muss man einkehren.

Freitag, 12. April 2013

A blog is born

Blick von der Albiskette über den Zürichsee auf die Goldküste
und den Pfannenstiel. (Bild: Wikicommons/ Roland.zh)
Beat Studer schickt mir manchmal interessante Hinweise und tauchte schon in meinem Blog auf. Bisweilen begegnen wir uns am Samstag morgen im Wanderoutfit in der Forchbahn - Beat wohnt wie ich in der Region Pfannenstiel. Deshalb heisst der Blog, den er kürzlich lanciert hat, "Pfannenstiel Wanderblog". Weil Beat aber mit seiner Gruppe, den "Freizeitfreunden", im ganzen Land unterwegs ist, wird es in seinem Blog beileibe nicht nur um den Pfannenstiel gehen. Ich wünsche gutes Gelingen, Bloggerfreund!

Samstag, 2. März 2013

Mein Otto-Bruderer-Tag

Auch Menschen malte er gern: Bilder auf der
Homepage des Otto-Bruderer-Hauses (Screenshot).
Otto Bruderer, 1911 bis 1994, war Papeterist in Waldstatt AR. Und, mit zunehmendem Alter, immer mehr auch Kunstmaler. Er malte sein Appenzellerland, Landschaften anderswo, Menschen; und manchmal platzierte er auch Feen in seine Bilder, porträtierte Clowns oder wurde mystisch. Das Otto-Bruderer-Haus in Waldstatt, das zu bestimmten Tagen samt vieler Gemälde besichtigbar ist, erinnert an den Maler. Heute bestreite ich dort ein sogenanntes Hausgespräch - ich bin gehalten, über "Landschaft" zu sprechen.

Freitag, 25. Januar 2013

Ueli und seine Karten

Im Gletschergarten Luzern hockt ein 73-Jähriger an einem Tisch und zeichnet hochkonzentriert. Er ist der Schöpfer der Landkarten, die im Museum zurzeit und noch bis in den September hinein ausgestellt sind. Er ist aber auch selber, indem er vor Publikum zeichnet, Teil der Ausstellung. "Ueli's Maps" heisst sie, Ueli Läuppi, Geologe und Bauingenieur, arbeitet seit mehr als 25 Jahren an seinem Kartenatlas, der die ganze Welt abbildet. Nicht mit dem Computer, sondern von Hand eben tut er dies, wobei er ungeheuer sorgfältig vorgeht; Läuppi sieht sich selber nicht als Künstler, sondern als Wissenschaftler. Ich glaube, ich muss mir das vor Ort anschauen, die Rede ist von einem Wunderwerk der Exaktheit.

PS: Leider kann ich nicht mit einem Kartenfoto aufwarten, ich müsste es klauen. Hier der Link zu einem Bericht, der eine Fotostrecke enthält.