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Samstag, 16. Oktober 2021

Vom kurzen Leben des Flaz

Der Flaz (rechts) und seine Einmündung in den Inn. Dies ist der korrigierte
Lauf des Flaz. Vorne links das frühere Flussbett, damals tangierte der Fluss Samedan (hinten links).
(Foto: Sven Scharr / Wikicommons)
Kennt jemand den Flaz? Mir war dieser Fluss kein Begriff. Bis ich kürzlich im Oberengadin wanderte und ihn auf der Karte eingezeichnet sah. Bei Pontresina wird der Flaz geboren, indem Berninabach und Rosegbach sich vereinigen. Bei Samedan, nach sechseinhalb Kilometern, ist schon wieder Schluss: Einmündung in den Inn. 2004 wurde das Flussbett des Flaz bei Samedan korrigiert zwecks Hochwasserschutz. Auf dem Foto sieht man schön beide Läufe.

Freitag, 15. Oktober 2021

Zu hell, zu sonnig war der Tag

Bei Corte di Sotto.
Die Römerbrücke über die Melezza in Intragna.
Palagnedra, die Centovalli-Bahn kommt, es geht heimwärts.

Meine Dienstagsunternehmung im Centovalli begann mit einem Missgeschickli. Ich kam um 8 Uhr 14 in Locarno an und musste für die Weiterfahrt den Bus Richtung Onsernonetal nehmen, der in Intragna bei der Brücke anhält; dort wollte ich starten. Allerdings stieg ich zu früh aus, statt in "Intragna Ponte" in "Golino Ponte". Kein Problem, meine Wanderung nach Rasa (Eintrag von vorgestern) verlängerte sich so bloss um eine Viertelstunde und einige Höhenmeter. In Intragna machte mir wieder einmal der Campanile der Dorfkirche Eindruck, der höchste des Tessins. Es folgte ein Abschnitt an der Melezza, ich überquerte die Römerbrücke und andere stilvolle Brücken. Kastanienhüllen polsterten den Boden. Auf der Höhe von Corcapolo begann der Aufstieg. Der war happig. Von Corte di Sotto sah ich den Campanile von Intragna wieder, eingebettet in das Grün des Tales. Wie fern er war! An diesem Ort bauert man bio, in einem Stübli mit der Aufschrift "Bar" kaufte ich Käse und ein Glas Bienenhonig. Bald darauf erreichte ich Rasa, das Dorf, zu dem keine Strasse führt. Im Grotto kehrte ich ein und hätte im Folgenden die Seilbahn hinab nach Verdasio nehmen können. Ich verzichtete, zu hell, zu sonnig war der Tag. Stattdessen ging ich zu Fuss nach Terra Vecchia und Bordei und zog, wobei ich das Fahrsträsschen benutzte, hinab nach Palagnedra, zuerst zum Dorf, dann zur Mauer des Stausees, dann zur winzigen Station der Centovalli-Bahn. Dort hatte ich eine Stunde Zeit. Ich legte mich auf den Rasen, schaute in den von Wolken dekorativ durchzogenen Himmel und sinnierte, wohin ich als nächstes wandern will. (5 Stunden, 1090 Meter aufwärts, 815 abwärts)

Donnerstag, 14. Oktober 2021

Julia und die Kommentare

Gute Nachricht auf bild.de
Das Mädchen Julia aus Berlin sei gefunden worden, las ich am Dienstag. Die Eltern waren mit ihr und zwei weiteren Kindern im unwegsamen Waldgebiet an der Grenze von Deutschland zu Tschechien wandern gegangen, die Kinder entfernten sich beim Spielen, zwei fanden zurück, Julia nicht. Sie verbrachte zwei Nächte im Wald, eine riesige Suchaktion lief, bis ein Förster sie leicht unerkühlt, aber unversehrt fand. Was mich an der Geschichte mit dem Happy End erschütterte, waren die Kommentare auf der Plattform nau.ch. Was da zusammenkam, tat weh. Hier ein paar Müsterli, die Grammatikfehler habe ich belassen:

  • Man stelle sich vor, die Polizisten wären ungeimpft gewesen!
  • Bei den Eltern würde ich als Behörde mal sehr genau hinschauen. Waren die Eltern am chatten oder sonst was und Tochter geht verloren. Wäre ja nicht das 1. Mal.
  • ... eine grosse Ohrfeige an die Eltern, die das Leben ihres Kindes riskieren!
  • Heutzutage ist es gefährlich Kinder alleine Spielen lassen im Wald! Die Grenzen sind offen!
  • Die Eltern haben nicht aufgepasst? Die Kinder haben doch ein Handy dabei! Oder hat sie ein Familienmitglied umge...

Mittwoch, 13. Oktober 2021

Tabula Rasa

Die Kirche von Rasa.

Diesen schlicht-eleganten Palazzo würde ich gern bewohnen.
Rasa ist dieses Tessiner Dorf auf 900 Metern, das man nur per Seilbahn erreicht. Oder zu Fuss. Toll, dort oben hat man seine Ruhe, dachte ich im Vorfeld meiner Wanderung. Tatsächlich traktierte gestern ein Typ mit Gehörschutz neben dem Grotto ausgiebig seinen Garten mit dem Laubbläser. Trotzdem, Rasa ist toll, fand ich. Ich tat dort zwei Dinge. Ich besichtigte die Kirche, von deren Vorplatz man die steilen Waldhänge unter dem Pizzo Leone vor Augen hat. Und ich ging ins Grotto, trank einen Boccalino Merlot und ass Spaghetti Aglio e Olio – endlich einmal Aglio e Olio mit genug Knoblauch! Während des Essens fiel mir ein Kalauer ein, ob er lustig ist oder nicht, weiss ich nicht. Wie nennt man eine Mahlzeit in diesem unverschandelten Dorf? Jawohl, Tabula Rasa.

P.S. Wer auch Lust auf eine Rasa-Visite hat, muss sich sputen. Mitte November stellt die Seilbahn um von öffentlich auf privat, in der Wintersaison dürfen nur die wenigen Dorfbewohnerinnen und -bewohner sie nutzen. Auch mit Einkehren ist dann bis nächsten Frühling nichts mehr.

Blick von der Terrasse der Kirche in Rasa.

Dienstag, 12. Oktober 2021

Die Nebelfresserin

Im Ijental, gleich hat sich die Sonne durchgesetzt.
Auf der Bremacher Höchi. Hinten die Churfirsten.
Auf dem Bützalpsattel zeigt sich der Speer.

Also mein Fussabdruck ist das nicht!
Vom Bahnhof Nesslau-Neu St. Johann das Ijental hinauf nach Stofel. Via die Alp Hengst zum Bützalpsattel. Dort Kehrtwende und über den Hügelkamm aus Nagelfluh hinab nach Büchel und Bumoos und weiter hinab zur Wolzenalp. So zeichnete ich heute vor einer Woche zuhause die Wochenend-Wanderung. Dann dachte ich: Da fehlt etwas! Jawohl, es fehlte ein Berg! Ein Gipfel, ein Höhepunkt. Auf der Karte sah ich, dass man vom Bützalpsattel aus leicht die Bremacher Höchi 50 Meter höher auf 1641 Metern erreicht. Womit der Plan komplett war. Rund. Am Sonntag nahmen wir diese Route unter die Füsse und wurden froh, als sich nach dem ersten Drittel des Aufstiegs die Sonne zeigte. Die grosse Nebelfresserin. Auf besagter Bremacher Höchi, seltsamerweise nicht mit einem Wanderweg erschlossen, rasteten wir, hatten die Wand des Speer direkt gegenüber, sahen aber auch den Säntis, die Churfirsten, die Rote Wand im Vorarlbergischen, den Pizol. Schön war das. Noch schöner war, dass wir im Abstieg nicht mehr wirklich im Dunst landeten, er zog sich vor uns zurück, er sank und sank. Genau deswegen verlängerten wir nach der Einkehr in der Wolzenalp die Wanderung, statt die Sesselbahn zu benutzen, stiegen wir ab nach Krummenau. Zufrieden fuhren wir heim, wir hatten eine Grossdosis Licht abbekommen. (5 1/2 Stunden, 975 Meter aufwärts, 1020 abwärts)

Montag, 11. Oktober 2021

Partnun und die Pritanni

Partnun liegt nördlich von St. Antönien im Prättigau.
Kürzlich schaute ich mir eine Karte der heutigen Schweiz an mit den keltischen Stämmen, die zur Zeit der römischen Eroberung, kurz vor Christi Geburt, hierzulande lebten. Ein Stamm war mir neu. Dabei gehören die Pritanni zu jenen Völkerschaften, die in einem Gebietsnamen ewig leben. Sie siedelten im Prättigau (und dem angrenzenden Montafon im Vorarlbergischen). Auch im Flurnamen Partnun sind die Pritanni uns erhalten geblieben.

Sonntag, 10. Oktober 2021

News aus Graubünden

Unterwegs im Zug im Bündnerland, las ich diese Woche die "Südostschweiz". Gleich drei Artikel fand ich aus meiner Wanderersicht interessant.

Der Spöl, dieser Abschnitt ist betroffen.
(Foto: Wandersmaa/Wikicommons)

  1. Der Spöl, der Fluss im Schweizer Nationalpark, ist seit einem Malheur der Engadiner Kraftwerke an der Staumauer Punt dal Gall 2016 oberhalb Zernez mit Chemikalien verseucht. Wann und in welchem Umfang saniert wird, ist nach wie vor unklar. Die Sache schockiert mich.
  2. Auf Pradaschier in Churwalden gibt es neuerdings eine Zipline, die erste im Kanton Graubünden. Man fährt mit der Seilbahn hoch und rast dann, in ein Kabel eingeklinkt, mehr oder minder parallel zur Seilbahn wieder talwärts. Die Bergfahrt plus "Flug", so der Ausdruck der Anbieter, kostet pro Person mit Halbtax 59 Franken, man erreicht eine Geschwindigkeit von über 100 Stundenkilometern. Also ich verzichte.
  3. In Jenaz im Prättigau ist ein "Genussmarkt" eröffnet worden. In dem riesigen Holzhaus bieten über 60 Produzenten und Produzentinnen aus dem Kanton Fleisch, Käse, Wein und vieles mehr an. Es handelt sich um Betriebe, die zu klein sind, um sich selber gut zu vermarkten. Da will ich hin.

Samstag, 9. Oktober 2021

Der Drei-Jahreszeiten-Tag

Still wars gestern im Val Fedoz.
Alphütten auf 2106 Metern an dem Punkt im Tal, wo wir wendeten.
Mein Zmittag um 15 Uhr.
Gestern gabs im Oberengadin eine Bergwanderung der Sonderklasse. Ich und mein Bündner Wanderfreund Peider zogen von Sils aus ins Val Fedoz, das Herbstwetter war prächtig. Je höher wir freilich stiegen, desto mehr machte sich der nahende Winter bemerkbar mit Schneeflecken da und dort und gefrorenen Pfützen. Das Val Fedoz, politisch dem Bergell zugehörig, ist der Nachbar des Fextals, doch im Unterschied zu diesem ist es einsam und wird wenig besucht. Wir zogen weit in das Tal hinein und kehrten erst dort um, wo auch der Wanderweg wendete, auf der anderen Seite des Baches hielten wir zurück. Später, wieder am Silsersee, kehrten wir in Isola im Restaurant Lagrev ein, ich hatte fantastische Pizzoccheri. Tiefblau war der See, an dessen Ufer wir zum Schluss Richtung Sils gingen, ein Stück mediterrane Welt war das inmitten hoher Berge, diese Etappe fühlte sich an wie Sommer. Wir erlebten also drei Jahreszeiten an ein und demselben Tag. Route: Sils – Petpreir – Wanderweg-Wendepunkt im Val Fedoz auf 2106 Metern – Sass Fess – Ca d'Starnam – Petpreir – unmarkierter Steilpfad nach Isola hinab – Sils. 4 1/2 Stunden, je 615 Meter auf und ab.
Am Silsersee.

Isola, Blick über den Silsersee Richtung Maloja. Hier kehrten wir ein.

Freitag, 8. Oktober 2021

Wir können auch Kanada

Herbst am Stazersee. Etwas fehlt: Die Wälder haben sich noch nicht verfärbt.

Die Nacht auf Donnerstag war recht kalt in Pontresina, unter Null, die Bergflanken und die Gipfel sind weiss. Gestern Vormittag drehte ich eine kleine Runde. Ich ging vom Dorf zum Bahnhof, stieg auf zur Ebene Plaun da Staz, stieg ab zum Stazersee, kehrte nach Pontresina zurück (2 3/4 Stunden, je 315 Meter auf und ab). Am Stazersee, den ich diesen Sommer erlebt hatte, als dort reger Betrieb herrschte mit Badegästen, Bikern, Brätlern, Wanderern, Restaurantbesuchern und und und – am Stazersee war es diesmal still. Und sehr herbstlich. Ich dachte über mein Land: Wir können auch Kanada.

Donnerstag, 7. Oktober 2021

Heiligensturz


Bin in Pontresina, habe heute zusammen mit dem Berner Geschichtenerzähler Martin Niedermann einen Auftritt am Kulturfestival  "La Fascinaziun"; ich kann dabei auf mein Buch "Hundertundein Stein" zurückgreifen. Gestern reiste ich an und besuchte nach dem Check-in im Hotel den Punt Ota. Besonders lang ist die Hohe Brücke, so der deutsche Name, nicht. Man macht ein paar Schritte und ist schon auf der anderen Seite. Aber die Schlucht, die der Berninabach unter dieser Verbindung vom Dorf zum Bahnhof eingefressen hat, ist imposant. Rund 300 Jahre alt ist der Punt Ota, vom Vorgängermodell warfen die Leute 1537 in der Reformationszeit die Heiligenbilder und Heiligenstatuen. Ich musterte das Wasser und die Uferfelsen lange. Leider sah ich nichts, was von damals übriggeblieben wäre.

Mittwoch, 6. Oktober 2021

Der nackte Berg

Der Monte Bar auf Schweizmobil, Screenshot.

Zwei Nachträge zum Monte Bar, den wir letzte Woche bewanderten:
  • Oberhalb der Dörfer des Val Colla und des Val Capriasca gibt es am Fuss des Berges eine Geländeterrasse. Auf dieser mittleren Höhe stehen die Barchi, landwirtschaftliche Gebäude, in denen man traditionell im Frühling und im Herbst das Vieh unterbrachte. Die Barchi dürften dem Bar den Namen gegeben haben.
    Einst bewaldet: der Caval Drossa (l.) und der Monte Bar.
  • In dieser waldreichen Gegend fällt die Kahlheit des Monte Bar und seiner Nachbargipfel auf. Einst waren auch sie dicht bewaldet. Dann kam das Jahr 1848. In Mailand brachen Unruhen aus, das Volk vertrieb die Österreicher, zu deren Territorium die Lombardei und Venetien gehörten. Als die Österreicher zurückschlugen, flohen viele Leute aus Mailand und der Region. Der im selben Jahr gegründete Schweizer Bundesstaat nahm 20 000 von ihnen auf. Im Gegenzug wies das Österreichische Reich alle Tessiner aus der Lombardei aus und schloss die Grenzen zum Tessin. Im armen Südkanton brach eine Wirtschaftskrise aus, der Hunger ging um. Man brauchte mehr Äcker und Weiden, holzte dafür die Wälder ab, der Berg wurde sozusagen rasiert. Die Folgen waren Erosion und Hochwasser. Später, kurz vor 1900, begann man mit der Wiederaufforstung. Der Monte Bar freilich ist nackt geblieben.

Dienstag, 5. Oktober 2021

Die Föhnroute

Föhnhimmel. Der bewaldete Kamm in der Bildmitte ist der Buechberg.
Rechts hinter ihm zu sehen ist der Obersee und ganz hinten der Zürichsee.

Ich wollte am Sonntag im Gasterland eigentlich höher hinauf, zur Federihütte auf 1372 Metern. Der Föhn verhinderte es, der derart stark blies, dass es unheimlich war in den Wäldern unterhalb des Federispitz und Chüemettler. Und so fiel meine Wanderung wesentlich bescheidener aus: Schänis – Ledi – Obermatt – Hüsliberg – Nätzlisbach – Bergli – Blochberg – Maseltrangen (3 1/2 Stunden, 620 Meter aufwärts, 605 abwärts). Trotzdem fuhr ich bereichert heim. Der einsame Steilwald mit den wuchtig ihn zerfurchenden Tobeln, die aparten Riesenfelsklötze und vor allem der Blick über die Ebene der Linth zum Zürcher Oberland, zum Zürichsee und Obersee mit dem Buechberg, zum Benkner Büchel, zum Etzel, zum Hirzli und den Bergen des vorderen Glarnerlandes – doch, das war schon was.
Maseltrangen voraus. Links hinten der Chüemettler, rechts der Federispitz.

Montag, 4. Oktober 2021

Der Flumserberg zeigt Herz

Ein Herz aus Wasser.
Hinten links der Spitzmeilen, rechts der Mitte der Magerrain.
Die Alp Fursch mit dem Spitzmeilen. Hier kehrten wir ein.
Markenzeichen der Gegend: violettes Gestein. 
Gewelltes Gelände. Mal grüner, mal brauner, mal oranger Sumpfboden. Berge aller Formen. Violetter Fels. Dutzende von Moortümpeln. All das und vieles mehr macht es aus, dass man auf dem Flumserberg zwischen dem Maschgenkamm und dem Spitzmeilen so schön bergwandert wie fast nirgendwo anders im Land. Und die Aussicht ist fantastisch mit dem Säntis, den Churfirsten, besagtem vulkankegel-förmigen Spitzmeilen, dem Guscha, dem Mürtschenstock, dem Glärnisch und und und. Am Samstag fuhren wir in der Gondel auf den Maschgenkamm, gingen hinüber zur Zigerfurgglen, bestiegen den Leist, den Rainissalts, den Mütschüelergulmen, den Erdisgulmen, stiegen ab zum Calanshüttli und zur Alp Fursch (Einkehr im Alpbeizli) und stiegen via die Maschgenlücke wieder auf zum Maschgenkamm. Am Schluss waren wir uns einig, dass diese knapp fünfstündige Runde (je 925 Meter aufwärts und abwärts) herrlich gewesen war.

Sonntag, 3. Oktober 2021

Die Geschichte vom toten Pferd

Ich kann die Geschichte nicht vollständig erzählen. Zum Beispiel ist mir nicht bekannt, wem das Pferd gehörte. Einem Bauer der Umgebung, nehme ich an. Sicher ist eins: Das Pferd war tot, als wir es am Mittwoch passierten auf unserer Tessiner Bergwanderung (Eintrag von gestern). In der Senke zwischen den Zwillingsgipfeln Caval Drossa und Monte Bar waren bereits die Vögel am Werk, der Kadaver roch streng, wir hatten keine Lust, ganz nah heranzugehen. Später, im Aufstieg zum Monte Bar, blickten wir zurück und sahen einen Ladewagen auf dem Erschliessungssträsschen heranfahren. Männer schleiften das Pferd zum Strässchen, luden es auf, fuhren wieder talwärts. Als wir in der nahen Capanna Monte Bar ankamen, erkundigten wir uns. Man wusste Bescheid. Die junge Frau, die uns bediente, sagte, das Pferd habe ein Einschussloch von einer Gewehrkugel. Das sei ganz sicher ein besoffener Jäger gewesen. So etwas komme in der Gegend oft vor, manche Jäger tränken viel und ballerten dumm herum. Wer konkret der Schütze war, sei nicht bekannt, es werde wohl auch nie herauskommen. Soweit die Geschichte vom toten Pferd, die ich nicht vollständig erzählen kann.

Samstag, 2. Oktober 2021

Zwei Gipfel und ein glänzender Tessiner

Im Anstieg zum Monte Bar, Blick zurück zum Caval Drossa.
Nach der ersten Wanderstunde nah A Pián Passamont, der Luganersee zeigt sich.

Ein glänzender Tessiner.
Wanderstart war in Lelgio im Capriascatal, Wanderschluss in Bidogno im Val Colla. Die Unternehmung dazwischen, die Ersteigung der Nachbargipfel Caval Drossa und Monte Bar, war anstrengend. Wir brauchten 5 3/4 Stunden bei 1250 Höhenmetern aufwärts und 1115 Höhenmetern abwärts. Mal blies ein kalter Wind, mal schwitzten wir in der durchbrechenden Sonne. Zu Füssen hatten wir die schon genannten zwei Täler plus ein drittes, das Val d'Isone. Vis-à-vis sahen wir je nach Standort den Monte Boglia, di Denti della Vecchia, den Gazzirola und, etwas weiter entfernt, den Monte Tamaro. Wir gingen durch Buchenwälder, Kastanienwälder, Birkenhaine. Passierten Alphütten und verschlafene Rustici. Erfreuten uns an Hunden, die an diesem Tag alle lieb und sehr spielfreudig waren. Und waren in der Höhe in waldlosem Terrain unterwegs mit begrasten Hügelbergen vor Augen. In der Capanna del Monte Bar gabs um zwei Zmittag, Nudeln bzw. Polenta mit Wildschweinragout, gut und deftig. So war das am Mittwoch auf unserer Tessiner Route, die ich allen empfehlen möchte. Ah ja, ein totes Pferd sahen wir auch. Aber das ist wieder eine andere Geschichte.

In der Capanna Monte Bar.

Freitag, 1. Oktober 2021

Die Sherpafrauen von Bidogno

Die Capanna Monte Bar, der Neubau von 2016.
Kreuzweg von der Kirche Maria delle Grazie nach Bidogno hinein.
Magisches Steinarrangement bei Pian Sotto. Hinten links die Denti della Vecchia.

Am Mittwoch bestiegen wir den Monte Bar, einen Berg oberhalb des Val Colla, das war herrlich. Für den Abstieg von der Capanna Monte Bar unterhalb des Gipfels nach Bidogno 820 Höhenmeter tiefer wählten wir den "Weg der Skiträgerinnen". Ihn beschritten einst die Frauen von Bidogno, deren Männer als Saisonarbeiter in der Fremde weilten. Diese Frauen, Sherpas des Tessins, schafften 1936 das Material für den Bau der ersten Monte-Bar-Hütte in die Höhe, transportierten aber auch junge Tannen in die kahlen Fluren oberhalb, diese wurden für die Aufforstung der Hänge gebraucht. Im Winter warteten die Trägerinnen vor der Kirche von Bidogno auf wohlhabende Luganesi. Deren Ski trugen sie zur Hütte hinauf, der Lohn pro Paar Ski betrug 50 Rappen.

Donnerstag, 30. September 2021

Die Franzosenkehle

Die Witenwasserenreuss. Von
der Franzosenkehle habe ich
leider kein Bild gefunden.
(Foto: Rechentechniker/Wikicommons)
Franzosenkehle. Als ich das Wort las, sah ich gleich einen Mann vor mir, der grossen Durst hat nicht auf Wasser, sondern auf Wein, und ein Glas nach dem anderen leert. In Tat und Wahrheit handelt es sich um einen Gewässernamen; so heisst ein rechter Nebenfluss der Witenwasserenreuss, die bei Realp im Kanton Uri in die Furkareuss einmündet. Mit einer Deutung kann ich nicht aufwarten, frage mich bloss, ob "Franzosenkehle" auf die Zeit Ende des 18. Jahrhunderts zurückgeht, als Napoleons Truppen das Urnerland heimsuchten.

Mittwoch, 29. September 2021

Redog übt

Die Schweizer Redog-Standorte.
(Redog-Website, Screenhot)
Redog ist eine Schweizer Rettungsorganisation, der Name besteht aus "Re", Rettung, und "dog", Hund. Haut eine demente Person aus dem Altersheim ab oder wird ein Kind vermisst, kann es sein, dass eine der 12 Redog-Regionalgruppen die Suche übernimmt. Am Samstag waren Redog-Leute bei Tiefenbach am Furkapass mit ihren Hunden am Üben, als wir vorbeikamen. Das Mitmachen bei Redog ist ehrenamtlich, 700 Leute und 600 Hunde sind derzeit eingespannt.

Dienstag, 28. September 2021

Wir nahmen ein Taxi

Hoffentlich hält das Felsarrangement noch lange.
Herbstfarben. In der Tiefe das Urserental.
Die Furkastrasse im Rückblick.

Es gibt am Morgen bzw. Vormittag genau eine Busverbindung von Andermatt nach Tiefenbach an der Furkastrasse: 8.30 ab Andermatt. Wer aus Zürich anreist, muss daselbst um 6.05 den Zug nehmen. Wollten wir nicht. Wir reisten am Samstag eine Stunde später und leisteten uns in Andermatt ein Taxi, vier Leute kann es mitnehmen, die halbstündige Fahrt kostete 70 Franken. Ein guter Preis. Bei Tiefenbach kehrten wir zuerst ein, nahmen jedes einen Startkafi und einen Mandelgipfel. Dann gings los. Was folgte, war grossartig, wenn man von der Anfangspartie (Kiessträsschen, Camper zur Linken und zur Rechten) absieht. Der Urschner Höhenweg, wie unsere Route heisst, zieht sich auf ungefähr 2000 Metern Richtung Andermatt, bietet fantastische Blicke auf die Berge rundum, auf das Urserental, auf die Furka-, die Gotthard- und die Oberalpstrasse. Bizarre Felsgebilde binden das Auge ebenso wie aparte Seeli, siehe Eintrag von gestern. Und am Schluss, im Abstieg, hat man den perfekten Überblick über das Sawiris-Areal. Sehr zufrieden kamen wir am Nachmittag in Andermatt an und gönnten uns nach doch knapp 5 1/2 Stunden Gehzeit (580 Meter aufwärts, 1250 abwärts) im rustikalen Restaurant Sonne Dinge wie Rösti, Bratwurst, Steak. Dieser Höhenweg ist mit Sicherheit einer der schönsten im Land, finde ich.
Die Belohnung.

Montag, 27. September 2021

Das Seelirätsel

Der Trübsee. Der netzartige Bewuchs sieht kunstvoll aus
Der Lutersee, ein Urschner Bijou.

Der Urschner Höhenweg zieht sich nordseitig des Urserentals in einiger Höhe über wasserreiche Böden, als wir ihn am Samstag bewanderten, registrierten wir etliche Tümpel. Drei Gewässer sind auf der Karte mit Namen eingetragen. Vor Ort waren wir freilich erstaunt, nur zwei von ihnen anzutreffen. Den Trübsee fanden wir ziemlich verschlickt vor, was auch seinen Reiz hatte. Der nah gelegene Lutersee kam uns tatsächlich lauter vor mit seinem schimmernden Wasser – was für ein Bijou! Was den Blausee angeht: Ihn gab es nicht, da war bloss eine wasserlose Eintiefung im geröligen Grund. Ein Bergbauer, den wir in der Nähe ansprachen, klärte das Rätsel. Das sei normal, sagte er. Jeweils im August sei alles Wasser weg, erst im folgenden Jahr fülle sich die Senke wieder. Dieser Bergsee hat schon Saisonende.
Die leere Blausee-Senke. Das rote Gestein zeigt, wo das Wasser war.