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Martin, hoch zu Ross, zerteilt sein Gewand, den Armen freuts: Fresko an der Fassade der Kirche San Martino in Calonico. |
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| Im Innern der Kirche: Carlo Borromeo hält Hof. |
Die Kirche San Martino, im kleinen Tessiner Dorf Calonico hart am Abgrund auf einen Felsen gestellt, dominiert die Media Leventina, die mittlere Leventina. Wer durch das Tal fährt, kann sie nicht übersehen. So habe auch ich sie schon vor Jahrzehnten erstmals registriert. Habe sie seither immer wieder mal bewundert. Aber nie sie besucht. Bis diesen Montag, als ich San Martino von Chiggiogna aus erwanderte, siehe Eintrag von gestern. Der Kirchturm ist romanisch, wurzelt im Mittelalter, der Rest wurde im 17. Jahrhundert total umgemodelt. Meine Visite begann damit, dass ich die
Kirche umrundete und vom Friedhof hinab ins Tal 300 Meter tiefer mit dem Schienenstrang und der Autobahn schaute. Wonach ich eintrat und auch drinnen meine Augen schweifen liess; besonders präsent ist in den verblichenen Fresken Carlo Borromeo, der Mailänder Kardinal, der im 16. Jahrhundert für die Gegenreformation kämpfte, also sowohl die Erneuerung der katholischen Kirche vorantrieb als auch den Kampf gegen den Protestantismus. Das klingt heroisch, heisst aber: Intoleranz, Verfolgung, Folter, Hinrichtung nicht-katholischer Menschen. Carlo Borromeo wurde heiliggesprochen. Ich muss sagen, mir ist der Kirchenpatron von San Martino lieber, der heilige Martin eben, der als Militär mit seinem Schwert den eigenen Rock zerteilte und die Hälfte einem frierenden Armen gab. Und jetzt wieder in die Gegenwart: Ich bin glücklich, San Martino endlich besucht zu haben.
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| Hinter der Kirche liegt, 300 Meter tiefer, der Talboden der Leventina. |
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| Blick vom Kirchhof Richtung Faido. |
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