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Samstag, 3. Januar 2026

Hütet euch in Visp (II)

Wichtiger Umsteigeort: der Bahnhof Visp.
(Foto: Daniel Reust / Wikicommons)
Unter dem Titel "Hütet euch in Visp" schrieb ich hier vor langem, dass die Perrons des Visper Bahnhofs und auch die Abgänge in die Unterführung eng sind – zu eng angesichts der Massen von Menschen, die hier in Stosszeiten umsteigen. Vor gut zwei Wochen gabs einen Zwischenfall, der das belegt. Der Walliser Onlinedienst pomona.ch berichtete darüber, wie ein älterer Mann auf dem Perron in Visp im Getümmel von einem Rollkoffer derart heftig gerammt wurde, dass er aufs Gleis stürzte. Umstehende Reisende hievten ihn wieder auf sicheren Boden, kurz darauf fuhr auf diesem Gleis der Zug nach Genf ein. Der Mann, stellte sich heraus, hatte sich beim Sturz einen Milzriss mit starken inneren Blutungen zugezogen, er musste notoperiert werden. "Zwischen Treppenaufgängen, Rollkoffern und entgegenkommenden Personengruppen wird es eng – manchmal gefährlich eng", steht im Artikel zu lesen. Genauso ist es.

Freitag, 2. Januar 2026

Zweimal Erinnerung

Das Kreuz von Deinikon und der Milchsuppenstein.
Das Gelände westlich des Albis wurde nach der Reformation zur Kampfzone, hier stossen bis heute katholisches und reformiertes Land aufeinander. Der Erste Kappelerkrieg (benannt nach der Ortschaft Kappel am Albis ZH) endete 1529 ohne Kampfhandlungen, angeblich verspiesen die Krieger beider Seiten gemeinsam eine chüschtige Milchsuppe und zogen dann wieder heim. Historisch ist dieses Ereignis nicht, aber es liefert ein starkes, bleibendes Bild. 1931 wurde auf der Anhöhe beim Baarer Rüteli auf der Kantonsgrenze Zug–Zürich ein Gedenkstein aufgestellt, damit hat der nicht lokalisierbare Mythos einen Ort bekommen. Letzte Woche kamen wir wieder einmal dort durch und machten Pause. Neu war uns eine andere Gedenkstätte, die wir zuvor besucht hatten, sie liegt, vom Milchsuppenstein Richtung Baar geschaut, weiter unten bei der Ortschaft Deinikon. Dort steht seit 1931 das sogenannte "Friedenskreuz". Als der Zweite Kappelerkrieg von 1531 zu Ende war – schwere Niederlage der Reformierten, Tod des Zürcher Reformators Zwingli –, wurde hier der natürlich den Interessen der siegreichen Innerschweizer zudienende Friedensvertrag unterzeichnet. Das ist belegt.

Donnerstag, 1. Januar 2026

Lichtblick

Am Tag vor Silvester hat mich eine heftige Grippe ereilt mit allen, wirklich allen Zutaten. Und so musste ich gleich drei Verabredungen absagen, die mir wichtig sind, darunter auch die traditionelle Neujahrswanderung meines Grüpplis. Bis Ende Woche bleibe ich im Bett. Respektive auf dem Sofa. Gestern erhielt ich einen Krankenbesuch, der mich sehr freute: Die Sonne, die sich wochenlang rar gemacht hatte, schien mir in die Stube. Sehr schön war das.

Allen  ein gutes neues Jahr.

Mittwoch, 31. Dezember 2025

Auf gute Begegnungen

Ein Foto von der allerletzten Wanderung des Jahres, die uns am Samstag zum Albishorn hinauf führte. Ich wünsche den lieben Leserinnen und Lesern dieses Blogs alles Gute für 2026. Bedanke mich für all die wertvollen Reaktionen von Kritik über Anregung bis Freude. Und hoffe, dass uns allen auch im nächsten Jahr gute Begegnungen und Gespräche – eben keine Selbstgespräche – zuteil werden. Das lustige Telefon sah ich an einer Hauswand im Minidorf Husertal.

Dienstag, 30. Dezember 2025

Die Sache mit der Schleuse

Die Berninabahn auf einer Aufnahme von 1928.
(Foto: Wikicommons)
Bei dem Nebel in den letzten Wochen ist es kein Wunder, dass es alle in die Berge zog. "20 Minuten" reportierte, wie es über Weihnachten auf der Berninalinie der Rhätischen Bahn zu und her ging. Die war mit den Massen von Leuten überfordert, sie hatte zwar gegenüber dem Vorjahr je 600 zusätzliche Plätze von St. Moritz Richtung Tirano und retour geschaffen, was aber nicht reichte. Unglücklich auch der Versuch, an den Bahnhöfen von Tirano und St. Moritz ein Schleusensystem zu testen mit getrennten Zugängen für Gruppen und Leute mit Reservation bzw. Einzelreisende ohne Reservation. Im erwähnten Artikel erzählt ein Mann, er habe am späten Nachmittag "mit etwa 400 anderen" eine Stunde lang im Freien warten müssen. Bei minus 12 Grad. "Man hätte doch wenigstens Tee verteilen können." Die Rhätische Bahn ihrerseits liess verlauten: "Wir versuchen alles, aber es ist schwierig bei diesem ausserordentlichen Andrang, und die Möglichkeiten sind irgendwann ausgeschöpft."

Montag, 29. Dezember 2025

Appenzeller auf dem Albis

Der so reizende wie abseitige Weiler Husertal gehört zur Gemeinde Hausen am Albis.
Rasten mit Stil: die"Kraftzelle" oberhalb Husertal.
Im Bergrestaurant Albishorn.
Am Samstag wanderten wir von Baar via Deinikon, Rütelihof, Ebertswil, Husertal, Oberalbis aufs Albishorn. Wir trafen dort in der Wirtschaft auf einen jungen Servierer, der stark appenzellerte, und merkten auch, dass die halbe Wirtschaft voller Appenzeller war. Warum? Keine Ahnung. Ein Verwandtentreffen? Appenzellerverein? Parallel zum Albiskamm zogen wir im Folgenden unterhalb auf der Zürichsee-Seite durch den Sihlwald nach Unteralbis und assen dort um 14 Uhr im "Löwen" Zmittag (Eintrag von gestern), um danach schnell und easy hinab zum Bahnhof Langnau-Gattikon zu gelangen. Bemerkenswert war an dieser Wanderung rein wettermässig, dass wir bis Oberalbis in grünem Gelände unterwegs waren. Danach wechselte das Szenario auf Winter, die Pfade waren unangenehm rutschig, die Stimmung mit den verschneiten Bäumen wundervoll. Wenn etwas die Unternehmung (4 h 40 min, 580 Hm aufwärts, 555 Hm abwärts) doch zusammenhielt, dann der Nebel. Der war unten und auch oben. Die Sonne haben wir am Samstag nicht gesehen. Aber vieles andere.

Winterliche Verhältnisse auf dem Albis.

Kurz vor dem Albishorn.

Sonntag, 28. Dezember 2025

Der Club der 200

An die 200 Tavernenrechte gibt es im Kanton Zürich noch. Ein solches Tavernenrecht steht im Grundbuch, ist an die betreffende Liegenschaft gebunden und gibt dem Besitzer das Recht, Gäste mit Speis und Trank zu versorgen und sie auch zu beherbergen. Vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert war der Betrieb einer Wirtschaft ohne Tavernenrecht nicht möglich; wer es besass, musste zwingend das Haus mit einem Wirtshausschild kennzeichnen und ihm auch einen Namen geben. Gestern kehrten wir am Ende unserer Wanderung über den Albiskamm im "Löwen" im Weiler Unteralbis, Gemeinde Langnau am Albis, ein – das Restaurant an der Strasse zum Albispass gehört zum Club der 200 und feiert, wie auf der Website zu lesen steht, nächstes Jahr den 500. Geburtstag. Und damit vollends in die Gegenwart: Wir hatten alle das Cordon bleu im kleinsten der drei Formate, es war riesig und mundete sehr. Nach dem Essen in der Gaststube im Erdgeschoss zeigte uns der Wirt die Räume im ersten Stock, wo für vielleicht 100 Leute aufgedeckt war. Am Abend – wir waren am frühen Nachmittag da – habe er voll, erzählte er. Cordon bleu sei halt beliebt. Wir waren beeindruckt. Wobei: Die wirten ja auch schon seit einem halben Jahrtausend und wissen, wies geht.