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Sonntag, 8. Februar 2026

Dutti und die Tanks

Nichts ist mehr zu sehen von den unzähligen Tanks, die in dieser
Wiese am Rhein bei Tössriederen ZH im Boden versenkt waren.
Vor gut 70 Jahren spekulierte Migros-Gründer Gottlieb Duttweiler. Die Schweiz werde am Rhein bei Eglisau einen Industriehafen anlegen, sodass Lastschiffe von der Nordsee via Basel bis hierhin, ins Zürcher Unterland, fahren könnten. Wähnte er. Und liess ab 1957 in Tössriederen bei Eglisau am Fluss ein riesiges Tanklager anlegen mit unzähligen unterirdischen Tanks für total 40 Millionen Liter Heizöl und Benzin – schliesslich war die Migros mit ihrer "Migrol" dick drin in diesem Geschäft. Nun ja, der Hafen wurde nie gebaut, Lastwagen trugen den Treibstoff heran, der im Kalten Krieg als strategische Reserve für die Schweiz gedacht war. Bis die Migros 1978 die Anlage stilllegte und verkaufte. Später kam es zum Rückbau, der teuer war; heute gehört die Wiese, an der wir am Mittwoch auf dem Weg von Eglisau zur Tössegg vorbeiwanderten, der Pro Natura Zürich. Die lobt sie als "artenreich". Als wertvollen Lebensraum für Amphibien und Reptilien. Auch gut.

Samstag, 7. Februar 2026

Ein Dorf ohne Handyempfang? Wirklich?

Die Töss bei der Tössegg.
Der Wachturm bei der Tössegg entstand im vierten Jahrhundert nach Christus.
Den Bau als Ganzes und die frierenden Legionäre muss man sich dazudenken.
Super, im "Rorboz" haben sie "Sirocco"-Tee.
Die Sonne war am Mittwoch kurz mal im Himmel als blässliches Zitat ihrer selbst erahnbar, der Nebel hatte das Zürcher Unterland im Griff. Unsere dreieinhalbstündige Wanderung (355 Höhenmeter aufwärts, 265 abwärts) führte von Eglisau via die Tössegg und Rorbas hinauf nach Nussbaumen und dann hinab ins nahe Bülach, in das Nussbaumen eingemeindet ist. Schön, erfreulich, interessant, sympathisch war an der Route vieles. Zum Beispiel:

  • die Tössegg, wo die Töss in den Rhein mündet, und nachher der einsame Landstrich der Töss entlang flussaufwärts. Idyllisch war dieser Abschnitt.
  • die Mauerreste eines römischen Wachlagers bei der Tössegg. Es stammt aus der Spätantike und ist Teil einer ganzen Kette solcher Stationen, die den Übergriff der Germanen auf die Gebiete südlich des Rheins verhindern sollten. Was bekanntlich nicht gelang.
  • das Café Rorboz in Rorbas. Das Dorf kam uns trist vor. Verlocht. Im"Rorboz" fanden wir Wärme, die Frau, die uns bediente, war total freundlich. So haben wir Rorbas letztlich doch in guter Erinnerung.
  • der "Sternen" in Nussbaumen war eine Trouvaille. Das Dorf liegt oberhalb von Bülach ganz für sich in einem Geländekessel, es hat keinen Handyempfang, erstaunlich, dass es das noch gibt. Im "Sternen" kochen sie auch nachmittags warm. Und wirklich gut. Die Hacktätschli und insbesondere auch die Sauce sei einfach wunderbar, sagten die zwei aus dem Grüppli, die das bestellt hatten. Ich war mit meinem Schweinssteak und den schön breit geschnittenen Pommes frites sehr zufrieden. Nebel? Who cares.
    Noch zehn Minuten bis Nussbaumen. Hinten die Kämme des Randen.

    Mmmmm, Hacktätschli. (Foto: Ronja)

Freitag, 6. Februar 2026

Eglisau, das kannst du besser

Der Vorplatz des Bahnhofs von Eglisau ZH wirkt ein wenig verkommen, fanden wir am Mittwoch, als wir dort zu einer Wanderung starteten. Kurios kam uns die dreckige Tafel mit dem Hinweis auf den Defibrillator vor. Stellen wir uns vor, wir wären hier mit einer Person unterwegs, die sur place eine Herzkrise erleidet. Und dann sehen wir dieses Schild. Wo zur Hölle ist das Restaurant Rheinfels? Die roten Pfeile deuten in den Boden, was nicht sein kann. Vielleicht ist es am besten, gar nicht nach dem 300 Meter entfernten Defibrillator zu suchen und gleich die Notfallnummer 144 zu wählen. Die immerhin ist brauchbar.

Donnerstag, 5. Februar 2026

400 Millionen pro Minute

Nach dem kleinen Dorf Brütten ist der Brüttener Tunnel benannt.
(Foto: Abderitestatos/Wikicommons)
20 Minuten: So lange braucht man heute für die Fahrt von Zürich nach Winterthur auf der schnellsten Verbindung via Stadelhofen und Stettbach. In gut zehn Jahren, wenn der Brüttener Tunnel als Teil einer neuen Linienführung gebaut ist, sollen es noch 12 Minuten sein. Jede der 8 eingesparten Minuten kostet 400 Millionen Franken. Ein unglaublich teures Vorhaben ist das, wobei im Preis auch die Erneuerung bestehender Geleisinfrastruktur inbegriffen ist und der Umbau von Bahnhöfen wie Dietlikon und Bassersdorf. Der Brüttener Tunnel wird die Strecke zwischen den beiden grossen Zürcher Städten zu einer Metrostrecke machen – zu einer fantastisch effizienten Sache, wobei Fahrgäste nicht mehr viel von der Landschaft sehen werden, die meiste Zeit werden sie auf vier neuen Gleisen unterirdisch unterwegs sein. In der NZZ war vor kurzem ein Artikel, der das alles samt Vorgeschichte und Geografie brillant erläutert. Nachdem das Bundesverwaltungsgericht Mitte Januar zwei Beschwerden abgeschmettert hat, können die SBB nun mit den Vorbereitungen loslegen.

Mittwoch, 4. Februar 2026

Über den Gotthard gondeln

Verkehrt hier in Zukunft eine Seilbahn?
Die Hochfläche der Gotthard-Passhöhe und des Gotthard-Hospizes ist im Sommer überlaufen. Und im Winter praktisch ausgestorben, wenn die Strasse geschlossen bleibt. Nun gibt es, las ich eben im "Blick", eine Idee, die Gegend ganzjährig zu erschliessen – mit einer Seilbahn. Mit einem Seilbahnnetz sogar, das Airolo, die Passhöhe und den Gemsstock im Skigebiet Andermatt verbinden würde samt einem Abzweiger nach Realp. "Porta Gottardo" heisst das Projekt privater Investoren. Eine vorläufige Umweltstudie kommt zum Schluss, dass es keine Gründe gibt, die Planung abzubrechen. Mal schauen, was aus der Sache wird.

Dienstag, 3. Februar 2026

Hüpp, hüpp, hurra!

Gottlieber Hüppen in der Variante Himbeere.
Hüppen sind Waffelröhrchen mit einer süssen Füllung. Wahnsinnig beliebt sind sie nicht, wie ich eben in meinem Grüppli feststellte, dort findet das Gros der Leute Hüppen langweilig. Kann ich nachvollziehen, wenn ich an die Hüppen denke, die es bisweilen im Café als Beigabe gibt, oft ist der Teig schon ein wenig lahm und der Inhalt öd (die übliche hellbraune Schoggi-Irgendwas-Masse). Nun, am Mittwoch probierte ich in Gottlieben TG, wo in der bekannten Manufaktur Hüppen fabriziert werden, diverse Hüppen-Varianten. Schön, dass sie mit allem Möglichen gefüllt waren, speziell mochte ich die Geschmacksrichtungen Vanille und Himbeere. Und schön, dass die Röhrchen so richtig frisch und knackig waren. So lob' auch ich mir meine Hüppe.

Montag, 2. Februar 2026

Höllische Fetzen

Das "Constanzer Wirtshaus" und die Fetzen.
Wir waren alle drei zufrieden mit unserem Essen. Allerdings fanden ich (Saiblingsfilets mit Röstkartoffeln und Gemüse) und Anita (Rinderroulade mit Kartoffelpüree), dass Ronjas Gericht einen seltsamen Namen hatte, einen potenziell abstossenden. Ist das typisch deutsch, dass man ein pikant gewürztes Rindsgeschnetzeltes als "Höllische Oxenfetzen" verhunzt? Gut seien die Fetzen jedenfalls, beschied uns Ronja. Am letzten Mittwoch war das, in Konstanz, wo wir zu Ende unserer Wanderung dort einkehrten, wo der Seerhein aus dem Obersee strömt. Nördlich steht am Wasser ein grosser Biergarten mit mehreren, zum Teil wintergartenartig modernisierten Räumen. Ein Gemäuer mit Stufengiebel, vage an eine alte Feuerwache in Potsdam oder so erinnernd. Das "Constanzer Wirtshaus" stammt von 1899. Es wurde damals von Kaiser Wilhelm II. als Offizierscasino eingerichtet.