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Mittwoch, 7. Januar 2026

Zollikons Wolfsgarn

Hier kam einer durch. (Foto: U.S. Fish
and Wildlife Service / Wikicommons)


Oswald Renner, damals Pfarrer in Greifensee, schildert die Wolfsjagd von 1594 in drastischen Bildern. Hunderte Männer treiben den Wolf aus der Gegend von Winterthur Richtung Zürichsee, mehrere Tage dauert die Hatz, auf der Flucht soll das Tier einige Kinder gerissen haben. Bis es sich schliesslich in Zollikon im aufgespannten Garn verheddert und getötet wird. Eine Delegation präsentiert den Menschenfresser umgehend dem Zürcher Bürgermeister und kassiert eine dicke Prämie. Die Begebenheit ist im "Zolliker Jahrheft" 2025 erzählt samt dem Detail, dass das alte Wolfsgarn – solche Fangnetze waren bis zu 100 Meter lang – noch 1830 auf dem Dachboden des Restaurants Rössli in Zollikon gelegen habe. Mitterweile ist es verschwunden.

Dienstag, 6. Januar 2026

26 in 24

Blogger Harris in Aktion. (Youtube)
Heute mal wieder ein Video, eines mit sehr schönen Bildern aus der Schweiz. Der amerikanische Blogger Johnny Harris – 7,36 Millionen Menschen folgen ihm – lässt sich von der SBB einladen und darf eine Woche lang gratis durch unser Land reisen. Gegen den Schluss zu formuliert er eine anspruchsvolle Challenge: in 24 Stunden mit dem ÖV alle 26 Kantone berühren. Schafft er es? Nun, man schaue selber. Ich verrate nur soviel: Es gibt unterwegs dann doch Komplikationen. Und noch ein Tipp für die, die sich nicht die ganzen 43 Minuten Video anschauen wollen, in denen so nebenbei die ganze Bahngeschichte der Schweiz zusammengefasst wird: Die eigentliche Challenge beginnt in der Minute 25.

Montag, 5. Januar 2026

Das Ybrig hat einen Gletscher

Mein "Schweizmobil"-Screenshot zeigt rechts das Gebiet der Wannenalp.
Die Infotafel beim Loch. (Foto: Schwyz Tourismus)
So ein Eisloch ist doch immer faszinierend. Vor längerem besuchten wir im Neuenburgischen die Glacière de Montlési, stiegen über eine Leiter hinab in den Kessel mit dem Minigletscher. Nun, auf der Wannenalp im Ybrig, Kanton Schwyz, gibt es auch ein solches Loch, das ganzjährig Eis enthält. Letztes Jahr wurde dort im Juli eine Infotafel enthüllt, las ich kürzlich und nahm mir den Ort auf 1700 Metern als Ausflugsziel vor. Auch wenn man als Wanderer nur von einer gesicherten Plattform ins Loch in 25 Metern Tiefe spähen kann, nicht aber es betreten. Über Jahrzehnte nutzte offenbar der mittlerweile verstorbene Älpler die Eisgrube als Kühlschrank und lagerte in ihr seine verderblichen Waren in einem Kessel, den er bei Bedarf mit einem Seil hochhievte.

Sonntag, 4. Januar 2026

Das Ding auf meiner Brust


Antike Wärmflaschen aus Terrakotta, die auf einzelne Körperteile
zugeformt sind. Wie man sie verschloss, weiss ich nicht; ich nehme
mal an, mit einem Korken. Ausgestellt sind die 2000 Jahre alten
Flaschen im Archäologischen Bezirksmuseum in Paphos auf Zypern.
(Foto: Hermann Junghans / Wikicommons)
Ich bin daran, mich nach der Grippe wieder hochzurappeln, gar nicht so einfach, es dürfte noch ein paar Tage dauern, bis ich wieder ganz gesund bin. Wertvolle Dienste leistet mir auch diesmal meine Bettflasche, die ich mir ein bis zweimal pro Tag auflege. Während ich kürzlich so auf dem Sofa ruhte, fragte ich mich, was für eine Geschichte das Ding auf meiner Brust eigentlich hat. Nun, schon in der Antike gab es Wärmflaschen, solche aus Terrakotta. In den letzten Jahrhunderten kamen Flaschen aus allen möglichen Materialien zum Einsatz, aus Zink, Messing, Aluminium, Glas, Steingut. Aus Kupfer waren jene Wärmflaschen, die offenbar in der Frühzeit der Eisenbahn den Passagieren und Passagierinnen mitgegeben wurden, als die Züge noch ungeheizt waren; in den Bahnhöfen gab es damals Wärmeflaschentauscher, Bahnmitarbeiter, die während des Haltes die erkaltete Kupferflasche gegen eine heisse eintauschten. Heutzutage hat sich als Standardmaterial Gummi durchgesetzt, auch meine Bettflasche ist aus Gummi.

Samstag, 3. Januar 2026

Hütet euch in Visp (II)

Wichtiger Umsteigeort: der Bahnhof Visp.
(Foto: Daniel Reust / Wikicommons)
Unter dem Titel "Hütet euch in Visp" schrieb ich hier vor langem, dass die Perrons des Visper Bahnhofs und auch die Abgänge in die Unterführung eng sind – zu eng angesichts der Massen von Menschen, die hier in Stosszeiten umsteigen. Vor gut zwei Wochen gabs einen Zwischenfall, der das belegt. Der Walliser Onlinedienst pomona.ch berichtete darüber, wie ein älterer Mann auf dem Perron in Visp im Getümmel von einem Rollkoffer derart heftig gerammt wurde, dass er aufs Gleis stürzte. Umstehende Reisende hievten ihn wieder auf sicheren Boden, kurz darauf fuhr auf diesem Gleis der Zug nach Genf ein. Der Mann, stellte sich heraus, hatte sich beim Sturz einen Milzriss mit starken inneren Blutungen zugezogen, er musste notoperiert werden. "Zwischen Treppenaufgängen, Rollkoffern und entgegenkommenden Personengruppen wird es eng – manchmal gefährlich eng", steht im Artikel zu lesen. Genauso ist es.

Freitag, 2. Januar 2026

Zweimal Erinnerung

Das Kreuz von Deinikon und der Milchsuppenstein.
Das Gelände westlich des Albis wurde nach der Reformation zur Kampfzone, hier stossen bis heute katholisches und reformiertes Land aufeinander. Der Erste Kappelerkrieg (benannt nach der Ortschaft Kappel am Albis ZH) endete 1529 ohne Kampfhandlungen, angeblich verspiesen die Krieger beider Seiten gemeinsam eine chüschtige Milchsuppe und zogen dann wieder heim. Historisch ist dieses Ereignis nicht, aber es liefert ein starkes, bleibendes Bild. 1931 wurde auf der Anhöhe beim Baarer Rüteli auf der Kantonsgrenze Zug–Zürich ein Gedenkstein aufgestellt, damit hat der nicht lokalisierbare Mythos einen Ort bekommen. Letzte Woche kamen wir wieder einmal dort durch und machten Pause. Neu war uns eine andere Gedenkstätte, die wir zuvor besucht hatten, sie liegt, vom Milchsuppenstein Richtung Baar geschaut, weiter unten bei der Ortschaft Deinikon. Dort steht seit 1931 das sogenannte "Friedenskreuz". Als der Zweite Kappelerkrieg von 1531 zu Ende war – schwere Niederlage der Reformierten, Tod des Zürcher Reformators Zwingli –, wurde hier der natürlich den Interessen der siegreichen Innerschweizer zudienende Friedensvertrag unterzeichnet. Das ist belegt.

Donnerstag, 1. Januar 2026

Lichtblick

Am Tag vor Silvester hat mich eine heftige Grippe ereilt mit allen, wirklich allen Zutaten. Und so musste ich gleich drei Verabredungen absagen, die mir wichtig sind, darunter auch die traditionelle Neujahrswanderung meines Grüpplis. Bis Ende Woche bleibe ich im Bett. Respektive auf dem Sofa. Gestern erhielt ich einen Krankenbesuch, der mich sehr freute: Die Sonne, die sich wochenlang rar gemacht hatte, schien mir in die Stube. Sehr schön war das.

Allen  ein gutes neues Jahr.