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Donnerstag, 7. Februar 2013

Wenn der Dobermann tanzt

Über Wochen tat mir im rechten Bein etwas weh. Unterhalb der Kniekehle. Bückte ich mich, zwickte es nachher schlimmer. Ich ging zum Chiropraktiker meines Vertrauens. Er verordnete mir eine Dehn-Übung - voilà, nach vier Tagen war das Problem mehr oder minder weg. Es ging zurück auf einen verkürzten Muskel namens Gastrocnemius. Nie von ihm gehört. Er hockt hinten in der Wade, sorgt für ihre Form und hat auch sonst allerlei Aufgaben und Pflichten, die man hier nachlesen kann. Und übrigens gibt es im Tierreich ein interessantes Syndrom, das sich zeigt, wenn der Gastrocnemius ausfällt. Es heisst Dancing Dobermann Disease. Der Dobermann und andere Pinscher entwickeln unter dem Einfluss der Muskelschwäche einen seltsam schwankenden, taumelnden, tanzenden Gang. Arme Hunde!

Mittwoch, 6. Februar 2013

Eleganz am Pferd

Kürzlich kamen wir an dieser Pferdedame vorbei und waren angetan: das hübsche Kleidchen! Die adrette Coiffure! Die Stiefelettchen wie auf der Croisette von Cannes! Manche Wesen tragens halt einfach mit Stil.

Dienstag, 5. Februar 2013

Ochlokinetik


Stau nicht in Bern, sondern Bombay. (RK Kumar)
Kürzlich, als ich im Berner Bahnhof um 17 Uhr 28 auf dem Perron stand und auf den Zug nach Zürich wartete, fiel mir das passende Fremdwort zu dieser unangenehmen Lebenslage ein: Ochlokinetik. Ochlos heisst auf Altgriechisch "Masse, Pöbel", und Kinesis heisst "Bewegung". Der zusammengesetzte Begriff bezeichnet jenen Forschungszweig, der sich mit dem Phänomen des Staus befasst und etwa zu erfassen sucht, wie man Mengen von Menschen am besten kanalisiert und leitet, um gefährliche Ballungen zu vermeiden. Ochlokinetik, ein Fall für den Berner Bahnhof in der Stosszeit.

Montag, 4. Februar 2013

Kuh, Kalb, Islandpferd, Globi

Das Hüttnerseeli, hinten der Etzel im Licht der Nachmittagssonne.

Weiche Landschaft bei Schönenberg ZH.
Von den Freunden und Freundinnen, die ich zur Samstagswanderung lud, kam nur gerade eine einzige Person: Rita. Die anderen haben, sagen wir's salopp, brutal etwas verpasst. Es regnete und schneite, und es graupelte kurz - aber alles in Massen. Die Leute blieben in den Stuben, wir hatten Säuliamt und Sihl für uns. Gute fünf Stunden waren wir unterwegs, dazwischen kehrten wir ein in der Spreuermühle* auf dem Hirzel (grandiose Schweinsbratwurst aus eigener Metzgerei). Wir sahen viel. Vor allem natürlich Landschaft samt den Drumlinen um den Hirzel. Aber auch Island-Pferdchen. Das alte Kloster Kappel. Dessen legendäres Seitengewölbe mit der mittelalterlichen Wappen-Figur der Gessler von Brunegg, die an Globi gemahnt. Riegelbauten noch und noch. Eine hochträchtige Kuh, deren Bauch erbebte von den Tritten des ungeborenen Kälbchens. Am Ende, als fertig gewandert** war, nahmen wir unten in Wädenswil ein Bier bzw. einen Carajillo auf dem Beizenboot "MS Glärnisch", das im Hafen vertäut ist. Es macht immer wieder Freude, dort bei der freakigen Crew einen zu trinken und über den See zu schauen.

Mittelalter-Globi im alten Kloster Kappel.
* Zur "Spreuermühle" will ich demnächst noch einen eigenen Eintrag bringen, da gibt es ein paar kleine Dinge zu erzählen.
** Route: Hausen am Albis - Kappel - Ebertswil - Sihlbrugg Kreisel - Tobelmühle - Hirzel - Spreuermühle - Schönenberg - Hüttnerseeli - Samstagern. 20 Kilometer, 5 1/4 h.


Sonntag, 3. Februar 2013

Die Explosion im Tschungelwäldchen


Bei der Eisenbahnbrücke nach Hemishofen SH, südlich des Rheins auf Gebiet der Gemeinde Wagenhausen TG, explodierten im Juni 1944 zwanzig Minen. Die dort lagernden Grenzfüsiliere hatten den Auftrag, die Brücke zu verminen. Dann der Unfall. Zehn Wehrmänner starben. Die militärgerichtliche Untersuchung anderthalb Jahre später endete mit dem Freispruch der angeklagten Offiziere. Es konnte nicht exakt rekonstruiert werden, wie es zu der Detonation kam und wer daran allenfalls schuld war. Ein Gedenkstein im Tschungelwäldchen direkt am Wanderweg – wir kamen kürzlich vorbei - erinnert an die zehn Toten.

PS: Gestern wanderten wir, nachdem ich in der Nacht zuvor gezweifelt hatte, als ich den Regen und den Wind hörte. Es hat sich gelohnt, mehr von der Route morgen.

Samstag, 2. Februar 2013

Regenreiche Gotik

Gotik im Kanton Zürich: einstiges Kloster Kappel.
(Wikicommons/Schulerst)
Der Plan für heute ist, von Hausen am Albis via Hirzel nach Samstagern zu laufen. Ziemlich bald nach Wanderstart würden wir dann an der berühmten Klosterkirche von Kappel vorbeikommen, einer der schönsten gotischen Kirchen des Landes. Aber sollen wir wirklich gehen? Ich gestehe, dass mich Zweifel packen - der an die Fensterscheibe klatschende Winterregen hört sich scheusslich an.

Freitag, 1. Februar 2013

Leben und Sterben in Graubünden

Ich muss doch noch etwas nachtragen zu meinem Vals-Schlittel-Abenteuer vom Mittwoch. Zuerst eine Grundsatz-Erklärung: Eigentlich habe ich mir vorgenommen, nie, nie, nie mehr zu schlitteln. In Elm hatte ich vor Jahren einen Schlittelunfall; Bänderriss, das linke Bein kriselt seither. Als ich dann aber im Restaurant Zervreila hoch über Vals anlangte, verspürte ich angesichts der Mietschlitten vor dem Haus plötzlich doch Lust. Hier der Fortgang der Ereignisse in drei Bildern.
Mit Interesse las ich im "Zervreila", während ich einen Salsiz ass, das Kärtchen auf dem Tisch. Sicherheitsbelehrung zu den Mietschlitten. Besonders gefiel mir Punkt 3. Allerdings stellte ich, wieder draussen und ready to rodel, fest, dass ich meine Ohren nicht hängen lassen kann. Ich bin kein Spaniel!
Ich brauste los und stellte fest, dass der Rodelschlitten an sich mit Zügeln lenkbar ist; doch wirklich im Griff hatte ich mein Gefährt nicht. Die Strasse hinab ins Dorf ist stellenweise ziemlich steil, vereist war sie auch; mal spürte ich Angst, mal grossen Spass. Schön war ein schneebedeckter alter Tunnel mit Galerien hinaus auf die tiefe Schlucht zur Linken.
Als ich unten in Vals war, war ich erleichtert. Euphorisch nach der Schussfahrt. Jetzt wollte ich mir, wie jedesmal, wenn ich in dem Ort bin, die Kirche anschauen. Sie war jedoch belegt, Beerdigung. Das Sargwägeli draussen vor dem Eingang... nun ja, ich gebe zu, kurz gedacht zu haben: Widmer, du  bist noch einmal davongekommen!