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Mittwoch, 26. September 2018

Schneller zu den Appenzellern

Am Sonntag fotografierte ich am Bahnhof von Teufen AR diese Abschrankungen quer über das Trassee - die Linie von Teufen hinab nach St. Gallen ist seit Monaten unterbrochen; man muss den Ersatzbus nehmen. Wird Zeit, dass die Bahn endlich wieder fährt. Am 7. Oktober ist es soweit. Die Reise von St. Gallen nach Teufen wird dann ganz anders sein, abgesehen davon, dass ein Viertelstundentakt eingeführt wird. Bis anhin fuhr der Zug gleich nach der Abfahrt von St. Gallen an der steilen Ruckhalde eine Aufwärtskurve, das ging per Zahnrad. Die gleiche Strecke wird nun, nach den Bauarbeiten, im neuen Tunnel zwischen Güterbahnhof St. Gallen und dem Riethüsli schneller und eleganter bewältigt, der Zug wird aufwärts 60 Stundenkilometer machen, abwärts 40. Demnächst. Ich bin gespannt. Ah ja, im Dezember gibts bei den Appenzeller Bahnen die nächste Neuerung. Dann wird die Strecke St. Gallen - Teufen - Gais - Appenzell in St. Gallen mit der Strecke St. Gallen - Speicher - Trogen verbunden: Geburt einer neuen Durchmesserlinie.

Dienstag, 25. September 2018

Überdosis

Goldparmänen. (Sven Teschke, Wikicommons)
Gestern las ich im Tagi eine witzige Kolumne, die ich gern verlinken würde, wenn ich sie bloss im Netz fände. In "Früchtestress"erzählt Marina Bolzli von ihrem Haus im Berner Seeland und dem zugehörigen Bauerngarten. Das Problem ist: Ihr Apfelbaum trägt soviele Goldparmänen wie nie zuvor. Und weil es anderen Leuten ähnlich geht und jeder Gartenbesitzer unter zuviel Äpfeln, Birnen, Zwetschgen, Trauben leidet, kommt es zu kuriosen Folgeerscheinungen - zum Beispiel bringen alle Eltern säckeweise Früchte an den Elternabend der Schule, um sie dort loszuwerden. Und kommt man abends heim, findet man vor der Tür eine Ladung Birnen vor. Ungefragt, unbestellt, der Nachbar hat sie deponiert. "Die Angst vor einer Überdosis steigt", schreibt Marina Bolzli.

Montag, 24. September 2018

Die begehbare Bibel

Derzeit werden bekanntlich 500 Jahre Reformation gefeiert. Aus diesem Anlass tourt seit einiger Zeit eine sechs Meter hohe Skulptur durch St. Gallen, die nun an ihrem vierten und letzten Standort in der Stadt angelangt ist, der Gutenbergstrasse beim Bahnhofplatz. Gestern kam ich vorbei, stieg schnell die Treppe im Innern der Skulptur hinauf zum Guckloch; es handelt sich bei dieser um ein begehbares Buch, genauer gesagt um eine Bibel, deren 14 Tritte auf die 14 Stationen des christlichen Kreuzweges anspielen. Geschaffen hat das Ding der St. Galler Künstler Josef Geier.

Sonntag, 23. September 2018

Totenklage

"Geschlossen", heisst es auf dem Schild bei der Tür:
die Blume in Fischenthal.
Auf jeder zweiten Wanderung, scheint mir momentan, komme ich an einer Beiz vorbei, die eingegangen ist. Oder geschlossen bei unklarer Zukunft. Hier drei von vielen schmerzlichen Beispielen:
  • Die Blume in Fischenthal ZH, die ich letzten Sonntag zu vorfand.
  • Das Edelweiss in Fernigen im Urner Meiental; ich hätte dort vor wenigen Wochen gern nach meiner Sustlihütten-Wanderung etwas getrunken. Leider nein.
  • Das Restaurant Post in Schleitheim SH. Da ass ich zwei Mal gut und wollte kürzlich gern ein drittes Mal gut essen. Ging nicht. Zu, für immer zu.

Samstag, 22. September 2018

Jödelig? Bin ich jödelig?

Um diesen Appenzeller geht
es hier und heute nicht.
Ich mag die vollmundige Sprache alter Bücher. Von einer Wanderkollegin ist mir eine kleinformatige Schrift mit dem Titel "Poststrassen im Appenzellerland" zugegangen, publiziert 1952. Als Appenzeller habe ich vorerst das Kapitel über DEN Appenzeller gelesen. Der Appenzeller gelte, heisst es darin, als "witzig, jödelig und lebensfroh". Dann wird relativiert: Ebensowenig wie alle Appenzeller witzig seien, seien alle St. Galler schlau. Hat etwas. Wobei es wirklich viele schlaue St. Galler gibt - mir fällt grad Kurt Furgler ein (hier ein TV-Leckerbissen von 1978). Schlusssatz der Schilderung des Appenzeller Wesens: "Wir wollen uns bewusst bleiben, dass in diesem Völklein unter dem Säntis die Seele auch alle Lichttöne von Sonnengold bis zur Nachtschwärze hat." Wie gesagt, ich mag die vollmundige Sprache alter Bücher.

Freitag, 21. September 2018

Zwischen Reben und Kalk

Die Pierre à 1000 trous hat riesige Löcher. Total veremmentalert ist sie.
Am Brunnen von Longirod rastete ich:
Vorgestern wanderte ich zwischen Reben und Kalk. Zwischen Genfersee und Jura. Ich startete in Bursins, einem Waadtländer Winzerdorf unweit von Rolle nah am See. Von dort ging es die meiste Zeit aufwärts und ab und zu geradeaus. Nach Le Molard hatte ich den Jurariegel direkt vor Augen und hatte zur Linken den Berg La Dôle mit der weissen Radom-Kugel. Bald passierte ich drei riesige Steine im Wald, die allesamt angeschrieben waren: die Pierre à mille trous, die Pierre à Phébou und die Pierre à Roland, alle sind sie von Sagen umrankt. Via den Bauernweiler Maison Rouge erreichte ich Longirod, entschied mich ausnahmsweise fürs Nichteinkehren in der Dorfwirtschaft und beendete die Wanderung eine Stunde später etwas höher in Saint-George. Schön wars.
Das Pferd wäre, so kam es mir vor, gern mit mir gewandert.

Donnerstag, 20. September 2018

Bundesrat und Jahrhundertschauspieler

Bursins VD unweit von Rolle - im Bild die Kirche - ist übrigens sehr schön.
Bursins, Bursins, Bursins? Als ich dort gestern aus dem Bus ausstieg, grübelte ich: Wo hatte ich den Namen des Dorfes schon gehört? Schliesslich fiel es mir ein. Bursins ist der Geburts- und Lebensort von Bundesrat Guy Parmelin, Bauer und Winzer. Der Wikipedia-Eintrag zu Bursins gab dazu einen zweiten, weltweit bekannten Namen her. Auf dem Friedhof von Bursins ist der 2004 verstorbene - ich wage das Wort - Jahrhundertschauspieler Peter Ustinov begraben.