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Dienstag, 27. Oktober 2026

Kleiner Mann

Ein Ausschnitt aus dem Gemälde.
Ende Monat schliesst das Museum des Landes Glarus, das im Freulerpalast zu Näfels untergebracht ist. Ich bin froh, vor der Winterpause wieder einmal zu Besuch gewesen zu sein, letzte Woche wars. Das Haus, das in sich selber eine Pracht und ein Spektakel ist, birgt ausserordentlich viel an Sammelgut, ich entdecke bei jeder Visite Neues.

Diesmal blieb ich länger vor dem Porträt der Anna Elisabetha Müller, geborene von Blumenthal, stehen. Der Künstler Martin Leonz Zeuger porträtierte sie 1755 in ihrem 32. Lebensjahr, die reiche Glarnerin aus bestem Haus, die verheiratet war mit Kaspar Müller-Freuler, einem Enkel des Freulerpalast-Erbauers. Angesichts der Tatsache, dass ihr Gatte im Staate Glarus zeitweise das Amt des Landammanns bekleidete, fand ich ihn auf dem Gemälde im Verhältnis zu seiner Gattin geradezu lächerlich klein. Verniedlicht. Aber offenbar war es damals Mode, dass reiche Leute Porträtminiaturen mit sich trugen mit dem Konterfei des Ehemannes oder der Ehefrau. Wenn Anna Elisabetha Müller mit dem Minibildnis ihres Gatten posiert, bezeugt sie damit ihre Verbundenheit mit diesem oder, modern gesagt, ihre Liebe zu ihm. Und ihre Treue – Kaspar Müller-Freuler war auch Söldnerführer und viel in fremden Diensten im Ausland unterwegs.

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