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Dienstag, 12. Juni 2012

Vom herumschweifenden Unterwegssein

Gestern brachte der "Tages-Anzeiger" ein Interview mit Marie-Anne Lerjen, einer - ihr Wort - Spaziergangexpertin, die in Zürich ein eigenes Büro betreibt. Ich fand Lerjens Ausführungen gestelzt. Und jetzt, wo ich auch auf ihrer Homepage war, werde ich aus ihr noch weniger schlau - Zitat:
"lerjentours, die Agentur für Gehkultur, ist Expertin für Erkundungsspaziergänge. lerjentours konzipiert Spaziergänge und Wanderungen, die vielfältige Raumschichten erfahrbar machen. Durch herumschweifendes Unterwegssein werden entdeckungsreiche Ortsanalysen angeregt. lerjentours performt, spricht und schreibt über Aspekte des Gehens."
Geht er? Oder performt er das Gehen?
Vielfältige Raumschichten. Herumschweifendes Unterwegssein. Entdeckungsreiche Ortsanalysen. Hier sondert jemand wässrigen Phil-eins-Slang ab. Expo-Speak. Und wie bitte "performt" man "über Aspekte des Gehens"?

Montag, 11. Juni 2012

So findet der Wanderer immer einen Migros

Das SchweizMobil-App, rot die von mir eingezeichnete Route.
Ich bin ein Fan der Internetseite von SchweizMobil. Dort kriegt man die Karte von Swisstopo, der schweizerischen Landestopografie; das Wanderwegnetz kann man einblenden. Für 30 Franken pro Jahr kann man auf der Karte eigene Routen zeichnen, das ist gewiss nicht überzahlt. Und jetzt die Frohbotschaft: Neu gibt es, vorerst fürs iPhone, später auch für Android-Handys, die SchweizMobil-App. Sie ist kostenlos. Loggt man sich auf der App mit demselben Passwort ein wie auf dem Browser, werden die dort gezeichneten Routen aufs Handy übertragen. Toll, funktioniert alles, man bekommt den 25 000-er-Massstab! Mit anderen Worten: Für 30 Franken pro Jahr hat man nun auf dem Handy Swisstopo-Qualität, und natürlich sieht man sich dank GPS selber als blauen Punkt verortet samt Kompass, der die Richtung zeigt. Weil die Migros sponserte, sind alle Migrosfilialen eingezeichnet. Man kann sie ausblenden. Wandererfreude herrscht.

Sonntag, 10. Juni 2012

High Tech in Mägenwil

Alte Zigarettenautomaten sehe ich beim Wandern häufig. Aber der in Mägenwil AG.... hey! High Tech, wie hier das Alter des Käufers geprüft wird. Ist das neu? Keine Ahnung.

Samstag, 9. Juni 2012

Theokrit und ich

Theokrit auf einer antiken Münze, mit Tierli. (Bild: gekl.)
Gestern beschrieb ich die Landschaft zwischen Niederscherli und Zimmerwald als "bukolisch". Darauf schrieb mir Liliane, das sei wohl mein neues Lieblingswort, und es klinge übrigens "total geschwollen". Beides stimmt. Der Begriff stammt aus dem Altgriechischen, setzt sich zusammen aus bou und kolos, Rind und Hirte; Bukolik ist jenes Genre der Poesie, das auf dem Lande spielt, unter Kuhhirten. Oft kommt es zum Dialog zweier Hirten. Oder der Hirte schäkert mit einer Quellnymphe, wobei die Lieblichkeit der Umgebung besungen wird. Ein berühmter Vertreter der Gattung ist der Grieche Theokrit um 270 vor Christus, der 32 "Idyllen" schrieb. Die erste beginnt so:
"Lieblich, o Geisshirt, ist das Getön, das die Pinie drüben
Säuselnd am Felsquell übt, das melodische..."
Eben, klingt geschwollen.

Freitag, 8. Juni 2012

Es rentiert nicht in Zimmerwald

Berner Toskana: Weiler Egg über Zimmerwald.

Godi, Stefan, Andreas (von links).
Gestern war ich mit drei Herren meiner Altersklasse unterwegs, Godi, Stefan, Andreas. Und wer nun fragt, weswegen - in den nächsten drei, vier Wochen will ich das in meiner Kolumne in der Zeitung ausbreiten. Vorerst nur eine Andeutung: Unsere Wanderung hatte unter anderem damit zu tun, dass die Gemeinde Köniz, Nachbarin der Stadt Bern, den Wakkerpreis 2012 erhält. Wir starteten in Niederscherli, gingen nach Oberscherli, aufs Zingghöch und den Lisiberg, wieder hinab nach Zimmerwald und weiter via Niederhüseren und Englisberg nach Kühlewil. Die 4 1/2-Stunden-Route führte durch eine Landschaft, die bukolischer nicht hätte sein können - ja, gestern war mal kurz Sommer.

Und noch eine Anekdote zur Gastfreundschaft im Land. Im Löwen in Zimmerwald assen wir, es war sehr gut. Befremdlich allerdings die Antwort auf die anfängliche Frage, ob wir draussen auf der Terrasse sitzen könnten, "Gartenterrasse hinter dem Haus" stand beim Haupteingang, und der Tag war ja heiss. Die Wirtin lehnte ab mit den Worten: "Nein. Das rentiert nicht."

Donnerstag, 7. Juni 2012

Knonauer Läusequetscher

Man schnuppere an diesem Foto. Ja, eindeutig Holunder!
Hübsche Repo gestern im "Tages-Anzeiger" über den Biohof "Im Margel" bei Knonau im Zürcher Säuliamt. Dort baut man im grossen Stil Holunder an, 600 Bäume sind es, die derzeit blühen und Wohlgeruch verbreiten. Die Ernte geht an die Hustenbonbon-Firma Ricola, also in meinen Mund. Hier ein lustiges Zitat:
"Dieses Jahr aber kamen die Läuse so spät, dass sie nicht mehr gespritzt werden können, ohne dass Rückstände in den Blüten blieben. Daher wird ein Erntehelfer zum Läusequetschen abkommandiert."

Mittwoch, 6. Juni 2012

Kant und der Kübel von Zumikon

Hach, was haben die Leute in meiner Wohngegend doch intellektuelles Niveau! Kaum einen Kilometer entfernt von meinem Haus steht in Zumikon dieser Pflanzenkübel mit einem Spruch von Immanuel Kant. Ich kam vorgestern bei meinem Abendspaziergang vorbei. Und natürlich ist die grosse Frage, wer zu wem spricht. Kant zum Gewächs, dem er Ratio zugesteht? Der Hausbesitzer zu mir? Der Kübel zum Gewächs? Oder das Gewächs - im Geiste universeller Aufklärung - zur Menschheit? Das wäre dann natürlich eine Sensation.