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Mittwoch, 22. August 2018

Es ging abwärts mit mir

Die Albigna-Staumauer war eine Zeitlang Teil meines Wanderhorizontes.
Gletschertopf in Maloja.
900 Höhenmeter im Abstieg und nur etwas über 100 im Aufstieg: Es ging bös abwärts mit mir vorgestern auf dem Weg von Maloja nach Vicosoprano, vom Hochplateau des Oberengadins in den engen Taleinschnitt des Bergells. Ein Gutteil der Strecke spielte auf historischen Verkehrswegen, es gab Überraschungen wie einen Gletschertopf zu Beginn, die verfallene Kirche San Gaudenzio vor Casaccia oder auch ein kurzes Regengüssli, das mich freilich nicht nass machte, weil ich just da auf der gedeckten Terrasse des Restaurants Pranzaira einen Zwischenhalt einlegte. Ich kann die Strecke nur empfehlen. Und Vicosoprano sowieso. Ich schlief im Hotel Corona, herrlich kühl war das Zimmer im alten Steinhaus. Und was ich unten im Bergell auch liebte: Im Unterschied zu oben, zu Orten wie St. Moritz, Silvaplana, Sils, war kein Rummel. Tatsächlich traf ich ausserhalb der Dörfer und abseits der Strassen auf meiner Wanderung niemanden an.
Granitstufen im Steilwald unterhalb Maloja.

Dienstag, 21. August 2018

Au, s Vreni!

Ich bin in Vicosoprano im Bergell. Wie ich hinkam, was ich unterwegs sah, was ich liebte: demnächst in diesem Blog. Aber nicht heute. Denn wie kürzlich gilt auch diesmal: Bild-Upload unmöglich aus technischen Gründen, die App will nicht. Darum hier bloss ein Kurzdialog, aufgeschnappt gestern im pumpenvollen Posti über den Julier. Das Ehepaar: Du, lueg, det vorn ischs Vreni, jetzt hets die au i der Bus verschlage. - Au jo, villicht macht sie die gliich Tour wie mir. - Seb würd mer grad no fähle!

Montag, 20. August 2018

Kino, bevor es Kino gab

Gewaltige Szenen am Rand eines Krieges: das Bourbaki-Panorama in Luzern.
Das Panoramagebäude.
Nachdem ich an dieser Stelle letzte Woche über den General Bourbaki, seine Soldaten, deren Internierung in der Schweiz und den all dies inszenierenden Themenweg in Les Verrières berichtet hatte, beschloss ich, nach Luzern zu fahren und mir das Bourbaki-Panorama anzuschauen, das in ein Rondell platzierte Gemälde, 112 Meter lang, 14 Meter hoch. Es stammt von Edouard Castres, der 1871 als Helfer im Jura die Kriegsgeschehnisse erlebt hatte; zehn Jahre später malte er sie. Der Besuch - heute vor einer Woche war ich dort - lohnt. Man steigt in den zweiten Stock über eine enge Wendeltreppe, kommt auf die Rundgalerie und hat nun auf allen Seiten Winter, den kargen Jura, Soldaten und Talleute, tote und halblebendige Pferde, ein paar Häuser. Das Panorama war im 19. Jahrhundert ein eigenständiges Massenmedium. In manchen europäischen Städten gab es eigens erbaute Rondellgebäude, die gezeigten Bilder wechselten, es gab also immer wieder Neues zu schauen. Wenn das nicht an das Kino erinnert. In Luzern lernte ich auch ein neues Wort: Faux Terrain. Zwischen der Leinwand und der Zuschauerplattform sind Figuren aufgestellt und auch Gegenstände. In diesem Zwischenbereich, dem Faux Terrain, geht die Kunst von der zweiten in die dritte Dimension über, vom Bild zur Plastik. Der Trick hilft, die Illusion zu verstärken. Kein Wunder, bewegte mich Castres Werk.
Hier wirds dreidimensional: Faux Terain im Vordergrund.

Sonntag, 19. August 2018

Hoppid, liebe Leser

Gestern war ich an einem Geburtstagsfest. Und zwar in Oberschwanden, einem Dorf mit wunderbarer Sicht auf den Brienzersee. Als ich auf den Bus wartete, der mich wieder hinab nach Brienz und also heimwärts tragen würde, traf ich eine Frau. Eine Einheimische. Wir kamen ins Gespräch, und sie erzählte mir, dass man sich in Brienz und den umliegenden Dörfern nicht mit "hoi", "tschou" und so weiter grüsst. Sondern mit: "hopp". Sind es mehrere Leute, die man grüsst, lautet das korrekte Wort: "hoppid". In diesem Sinn: Hoppid, liebe Blogleserinnen und liebe Blogleser, ich wünsche einen schönen Sonntag.

Samstag, 18. August 2018

Die arabische Theorie

Der Bisse des Sarrasins. 
Die Zwetschgen sind reif.
Eine Entdeckung: der Bisse des Sarrasins im Val d'Anniviers. Er zieht sich hoch über dem Talfluss Navizence parallel zu diesem vom Dörfchen Pinsec bis Les Voualans unterhalb Vercorin. Theoretisch, denn eigentlich sieht man vom Wasserkanal aus dem 14. Jahrhundert nichts. Geblieben ist jedoch der - sauber restaurierte - Serviceweg, der ihn erschloss. Im Namen spielt dieser Bisse auf die Hypothese an, Sarazenen, also Araber, hätten ihn einst gebaut; wahrscheinlich ist das nicht, es waren wohl die Talleute. Am Donnerstag bewanderten wir den Bisse, wobei wir einen coupierten Seitenzugang wählten: Wir starteten in Fang, einem Dörfli zwischen Siders und Vissoie, stiegen ab zur Navizence, überquerten sie, stiegen steil wieder auf auf einem kurvigen Pfad, um so den Bisse etwa in dessen Mitte zu erreichen. Er ist ein Erlebnis mit den langen Stegpassagen über dem Nichts; an einer Stelle hängt der Fels derart stark über, dass man sich hinsetzen und auf dem Hosenboden unten durch rutschen muss. Toll war die Einkehr am Ende in der Buvette des Voualans, eine gute Stunde später endete die Wanderung in Vercorin. Hinab ins Rhonetal und heimwärts nimmt man von dort die kleine Seilbahn nach Chalais bei Siders.
Sympathisches Beizli in Voualans.

Freitag, 17. August 2018

Vier Seen und ein Gipfel

Der Illsee. Und das namenlose Seeli im Vordergrund.
Am Illsee, einige Zeit zuvor. Hier gabs ein Fussbad.
Eringerkühe am Seeli ohne Namen.
Wenn man den ganzen Tag Zeit hat und eine sehr gute Kondition, ist es am schönsten, das Illhorn, 2717 Meter über Meer, von Leuk oder dessen Nachbarort Susten zu besteigen. Wenn man allerdings den Morgen mit der Anreise ins Wallis verbracht hat und dort erst um halb eins loslegen kann, empfiehlt sich die Halbtagesversion von Tsapé aus; so heisst die Bergstation des Sessellifts, der in Chandolin startet. Die Tour ist eine Explosion von Farbe, Licht, Kräutlein- und Blümleinduft, eine Orgie der Flechtenfelsen und Glimmersteine, ein Sinnenfest sondergleichen. Oben sieht man alles. Wirklich alles. Danach wird man nicht gleich wieder Tsapé zustreben wollen. Vier Seen warten, die man in einer grossen Schleife verbindet: der Waschsee zuerst, dann der Illsee mit der Staumauer, dann ein namenloses Seelein, um das die Eringerkühe weiden, und schliesslich der Lac Noir. Unsere Wanderung vorgestern: Bergwelt in höchster Dosierung. Ein Erlebnis, das man, selbst wenn man dies wollte, nicht vergessen kann.
Ha, oben: der Gipfel des Illhorns.
Kein Walliser Berg ohne Kreuz.
Blick vom Illhorn nach Süden.

Donnerstag, 16. August 2018

Frohes Lebenszeichen

Ich bin in Saint-Luc im Val d‘Anniviers, gestern gabs eine spektakulär aussichtsreiche Wanderung auf das Illhorn und zum Illsee. Doch Fotos kann ich heute keine bringen, ich blogge auf dem iPhone, und die App will mir das Hochladen der Fotos nicht gestatten. Früher gings, jetzt nicht mehr. Daher heute bloss diese Zeilen als frohes Lebenszeichen aus dem Wallis - Bilder folgen morgen oder übermorgen.