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Mittwoch, 29. August 2018

Rohllstuhltaugliche Bergwelt

Berg.
Wasser.
Kuh.
Die Engstligenalp bei Adelboden könnte flacher nicht sein; ihr Boden ist topfeben, so dass auch Rollstühle die vorgeschlagene einstündige Rundwanderung auf dem breiten Kiesweg machen können. Rundum hat es Berge, die Tschingellochtighoren (oberstes Foto) sind etwa zu nennen, der Wildstrubel und der Ammertenspitz. Die Bäche, die von den Fluhen herabkommen, fliessen auf der Ebene im Zeitlupentempo breit und flach, um sich mancherorts zu schneiden und wieder auseinanderzuziehen. Das Glitzern des Wassers auf der Engstligenalp, die samt ihren Auen national geschützt ist: ein bleibender Eindruck meines Wandersommers.
Ebene.

Dienstag, 28. August 2018

Gestern war ich eine Kuh

Die Adelbodner strahlen ihre Fälle
nachts im Fall an.
Es gischtete, toste, brauste, röhrte, schäumte, auch war da dieser feine, vom Wind herangetragene, nebelartige, die Kameralinse nässende Sprühdunst. Gestern stieg ich von Unter dem Birg bei Adelboden, also der Talstation der Seilbahn zur Engstligenalp, zu ebendieser Alp auf. Mein Weg war der Zügelweg, auf dem die Kühe die Alp erreichen und verlassen; ich war demnach selber eine Kuh, irgendwie. Die Route bereitete - muh! - Spass: diese in den Fels gehauenen und gesprengten Passagen, diese mit unzähligen Holzbohlen befestigten Tritte, diese Tiefblicke und Steilkehren. Noch viel mehr machten die beiden über 370 Höhenmeter sich ziehenden Engstligenfälle Freude; es sind kaum gebändigte, in ihrer Wildheit beeindruckende Kraftkerle, denen ich auf dem Kuhweg nahe kam. Oben drehte ich später eine Runde über eine der grössten Hochebenen der Alpen. Aber das muss in einem eigenen Blogeintrag geschildert werden. Zu den Fotos: Sie zeigen alle vier den oberen Fall, beim untersten Fall-Foto sieht man an der Felskante die Seilbahnstation.

Montag, 27. August 2018

Ade, Sommerfahrplan, ade

Gestern fuhr ich nach St. Gallen und retour. Es ging gut.
In den letzten Monaten war ich viel unterwegs, für Wanderungen, für den Job, sonst. Sicher zwei, drei Mal pro Woche fuhr ich weite Strecken, war mehrmals in der Romandie, im Bündnerland, in der Ostschweiz, war auch im Tessin und im Wallis. Und so wurde auch ich vom "Sommerfahrplan" der SBB tangiert; dieser schlaue, nach Ferien und Sonnencrème klingende Euphemismus kaschierte gut 30 Grossbaustellen, die zum Teil massive Beeinträchtigungen verursachten - besonders betroffen waren die drei Abschnitte Lausanne - Puidoux, Gelterkinden - Tecknau und St. Gallen - St. Gallen Winkeln, es gab Zugumleitungen, Zugausfälle und grobe Verspätungen. Und doch! Letztlich war Planung im Chaos, es ging stets vorwärts, bloss ein bisschen umständlicher und langsamer, in Rolle oder Biasca oder Liestal stranden musste niemand. Aber froh bin ich schon, dass ab heute der Sommerfahrplan, der am 30. Juni begann, Vergangenheit ist. Falls es diese Woche auf dem SBB-Netz hapern sollte, dann ist das wieder normal. Ausrufen, sich beschweren, motzen finde ich übrigens gut, wenn wieder mal ein Zug mit mehreren Waggons ohne funktionierende WCs verkehrt (letzte Woche fuhr ich nach Biel, da waren es vier hintereinander; der Kundendienst hat mein Mail bisher nicht beantwortet). Gleichzeitig sollten wir die Relationen nicht verlieren; dabei hilft der Artikel meines NZZ-Lieblingsautors Benedict Neff über die Zustände bei der Deutschen Bahn. Dort sind die Probleme im Vergleich riesig; genau darum mag ich die amüsante Note von Neffs Text.

Sonntag, 26. August 2018

Wunschlistenhoger

Mutz zwischen Winzenried und Englisberg.
Heim Kühlewil voraus.
Beste Freundinnen.
Bin halt ein technisches Simpeli, war ich immer. Nachdem ich gestern meinen Jammerbeitrag über die kaputte Lumix aufgeschaltet hatte, meldete sich Leserin Marianne mit dem Tipp, ich solle doch die Speicherkarte in eine andere Kamera einlegen. Ja, ja, lacht nur, Leser, darauf wäre ich nicht gekommen. Es klappte, danke Marianne und danke liebe billige, vergessene Ersatzlumix im Schublädli ganz unten. Und also kann ich hier nun doch in Wort und Bild von meiner Freitagswanderung erzählen. Sie führte von Belp über Winzenried, Englisberg, Kühlewil, Oberulmiz auf den Ulmizberg und hinab nach Schliern; von dort trug mich ein Bus direkt an den HB Bern. Das Wetter war interessant, ich schwitzte wie wild, wenn es nicht windete und die Sonne sich zeigte; dann wieder blies ein Giftwind, der mein nasses Hemd zu einem Eispflaster machte, brrr. Aber ergiebig war das schon, ich sah vieles, alte Speicher, eine kuriose Bärenskulptur im Wald, den Findling Teufelsstein, das riesige Alters- und Pflegheim Kühlewil im Grünen. Und natürlich war da der Turm auf dem Ulmizberg, eine Hässlichkeit sondergleichen mit einer - das versöhnt - Aussichtsplattform, auf der mich freilich der Wind dermassen plagte, dass ich nicht verweilte. Reizvoll schliesslich der Abstieg durch den Wald mit einer langen Holztreppe eine besonders rutschige und steile Sandstein-Passage hinab. Ulmizberg: Der Hoger stand lange auf meiner Wunschliste. Endlich habe ich ihn bestiegen.
Hässlich: Der Turm auf dem Ulmizberg.
Es geht hinab nach Schliern, gut, ist der Boden trocken.

Samstag, 25. August 2018

Wir werden sehen. Oder nicht

Oh weh. Gestern erwanderte ich mir von Belp BE via Winzenried, Englisberg, Kühlewil und Oberulmiz den Ulmizberg und stieg ab nach Schliern. Die Wanderung war toll, ich machte viele Bilder, insbesondere vom Turm auf dem Ulmizberg. Bloss, als ich die Kamera zuhause an den Computer anschloss, kam nichts, das ich hätte hinüberladen können. Die Kamera stellte sich tot oder ist es, sie hat aufgegeben, nachdem sie mir über viele Jahre einige Zehntausend Fotos geschenkt hat. Meine gute, liebe, abgewetzte, treue Lumix, sie ist nicht mehr. Das einzige Bild, das ich an dieser Stelle von der gestrigen Unternehmung bieten kann, ist eines, das ich mit dem Handy machte. Es zeigt den Teufelsstein oberhalb Belp, einen fast vier Meter hohen Findling. Heute will ich nun ins Fotogeschäft. Die können, denke ich, die Speicherkarte der Lumix einlesen, wer weiss, vielleicht sind die Fotos auf ihr erhalten. Wir werden sehen. Oder auch nicht.

Freitag, 24. August 2018

Originelles von Origen

Verrückte Sache. Auf dem Julierpass stehen - auf Zeit - gleich zwei Türme. Der eine ist rot und dick, der andere goldfarben und schmal, der eine ist ein komplettes Theaterhaus, der andere praktisch nur ein Treppenhaus mit Aussichtsplattform. Ausgedacht hat sich die Türme auf dem Pass Origen, die im Dorf Riom unweit von Savognin basierte Gruppe um den Theatermacher Giovanni Netzer. Als ich am Montag auf dem Pass für eine Stunde einen Stopp einlegte, waren leider beide Türme verschlossen; am grossen roten arbeiteten Handwerker, der kleine goldene stand verlassen und verrammelt da. Man müsste hinauf, wenn eine Aufführung oder Führung läuft.

Donnerstag, 23. August 2018

Die überlastete Beiz

Der Aescher. (Zach T/ Wikicommons)
Vor wenigen Wochen ging es hier darum, dass der Alpstein, das Gebirge um den Säntis, überlastet ist: zuviele Touristen, zuviel Rummel. Insbesondere die Ebenalp mit dem Wildkirchli und dem Berggasthaus Aescher ist ungeniessbar, jedenfalls bei schönem Wetter. Nun kommt die Meldung: Das Aescher-Wirtepaar hört auf, es hat die Pacht per Ende Saison gekündigt. Grund: Die Infrastruktur der Beiz kann dem Ansturm der Gäste nicht mehr genügen. Ein interessanter Fall. Fast jeder Beizer wünscht sich mehr Kunden. Im Alpstein aber scheint eine Limite erreicht. Kann eine Region Tourismus im Übermass haben? Es sieht so aus.