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Donnerstag, 31. Dezember 2015

Unterwegs im Nebel (VD)

Cudrefins Wahrzeichen ist der Turm, Teil der einstigen Befestigungsmauer.
Gestern wanderte ich. Aber nur zwei Stunden. Und im fetten Nebel. Eigentlich war es eher eine Reko-Tour für mein neues Buch, das im März erscheinen wird. Mehr davon an einem der nächsten Tage, belassen wir es heute bei der Route: Waadtland, von Cudrefin am Neuenburgersee via Montet, Vallamand-Dessus und Cotterd nach Salavaux. Das war speziell, der Nebel dämpfte den Schall, alles war nass und tropfte, ich war ganz allein. Der Seeblick blieb mir verwehrt, der Alpenblick ebenfalls, und von den prachtvollen Rebhängen bekam ich auch nicht allzu viel mit. Machte nichts, ich kenne die Gegend und habe ihre Schönwetterseite schon ausgiebig genossen. Gestern war alles ganz anders, und auch das war gut.

So, das ist der letzte Eintrag des Jahres. Jetzt wünsche ich allen ein gutes und glückliches 2016.

Mittwoch, 30. Dezember 2015

Design im Gebirge

Die Bar im Gebirge. (2013 Engadin St. Moritz Mountains/ Andreas Keller, Altdorf)
Dieses wahnsinnig hippe Ding steht auf dem St. Moritzer Hausberg Corviglia. Die Quattro Bar hat vor einiger Zeit einen renommierten Designpreis gewonnen. Ich finde die Bar wirklich schön. Anderseits frage ich mich: Muss es denn wirklich sein, dass auf 2400 Metern über Meer gelounged wird? Können wir das nicht im Flachland erledigen?

Dienstag, 29. Dezember 2015

Ull und Johann, beide tot

Zwei junge Männer steigen auf in die Hochalpen. Vielleicht spielt die Geschichte in den Glarner Alpen, vielleicht anderswo; Ludwig Hohl, geboren 1904 in Netstal GL und als junger Mann selber ein grosser Berggänger, lässt es offen. Der eine heisst Ull, der andere Johann, der eine ist ein Vorwärtsstürmer, der andere ein Zauderer und Bremser und Schweiger. Im Schneesturm endet ihre Bergpartnerschaft. Johann will wieder hinab, Ull aber will immer noch hinauf. Man trennt sich im Streit. Am Schluss sind sie beide tot, der eine in aussichtsloser Lage nah dem Gipfel abgestürzt, der andere in einem lächerlichen Bergbach fast schon im Tal ausgerutscht - zwei Menschen, zwei Charaktere, zwei Schicksale. "Bergfahrt" heisst der Klassiker der Schweizer Literatur, eine kurze Erzählung von 100 Seiten, die ich nun endlich gelesen habe.

Montag, 28. Dezember 2015

Ein bisschen Schlyfologie

Gestern in der Schlyfi.
Gestern nur ein Spaziergang. Und zwar im Gebiet von Zürich-Witikon. Ich kam bei der Schlyfi vorbei, einer engen Kurve zwischen Witikon und dem Klusplatz im Tobel des Elefantenbaches; auch die dortige Haltestelle des 34er-Busses heisst Schlyfi. Es liegt nahe, dass der Flurname sich auf die Strassenschleife bezieht. Allerdings stimmt das nicht, vermutlich. Auf der Internetseite Alt-Zueri.ch las ich nämlich Folgendes: In der Schlyfi stand am Bach von 1853 bis 1968 eine industrielle Schleiferei. Wasserkraft trieb via ein sechs Meter hohes Wasserrad die Schleifmaschine an. So ist das.

Sonntag, 27. Dezember 2015

Nein, nicht Streisand. Streusand!

Das Goldene Tor lieferte Sand.
Gleich noch ein Nachtrag zur Weihnachtswanderung vom 19. Dezember. Wir besichtigten östlich des Flughafens das sogenannte Goldene Tor, manchmal auch "Goldiges Tor". Einen Weiher. Auf einer Tafel stand, dass das hier aus dem Boden quellende Grundwasser einen speziell feinen Sand aus Muscheln mit sich trägt. Dieser Sand sei einst als Schreibsand genutzt worden.

Schreibsand, auch Streusand oder Löschsand geheissen, wurde in Schul- und Schreibstuben verwendet. Die Tinte von damals trocknete nur langsam. Damit es nicht zu Verwischungen und Schmierflecken kam, streute man auf das Schriftstück periodisch Sand, der die nasse Tinte trocknete. Eine Büchse mit Streusand stand auf jedem Schreibpult. Das Kurfürstentum Brandenburg wurde, dies nebenbei, "Streusandbüchse des Deutschen Reichs" genannt, weil der Boden in Brandenburg besonders sandig war.

Samstag, 26. Dezember 2015

Ihr täuscht euch, Schneeglöggli!

Was für herrlich warme, helle, blitzende Weihnachten. Gleichzeitig kollidiert das unglaubliche Wetter mit den Weihnachten, wie man sie seit der Kindheit verinnerlicht hat: dunkel, kalt, mit Eis und Schnee. Und es steigert die Gefühlsverwirrung, dass der Klimawandel wohl auch mitspielt bei der Mutation des abendländischen Zentralfestes. Eine Wanderfreundin schickte mir gestern obiges Foto, aufgenommen gleichentags im Laufental - vielen Dank! Es handelt sich um Schneeglöcklein, die vermutlich meinen, es sei März oder so.

Freitag, 25. Dezember 2015

Hersche, der Nazi

Zu den Geschenken, die ich gestern bekam, gehört eines, das bzw. dessen Thema mir seltsam irreal vorkommt - kann es sein, dass aus meiner Heimat einst einer aufbrach, um in Nazi-Deutschland ein Standartenführer zu werden? Doch es hat dieses Leben gegeben. Heinrich Johann Hersches Geschichte ist erzählt in "Ein Appenzeller in der Waffen-SS" von Vincenz Oertle. Ich werde heute mit Lesen beginnen. Auch wenn mich solche Stoffe deprimieren.