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Mittwoch, 13. April 2011

Widmer wandert westwärts

Basel, rot die Buchhandlung Bachletten: Hier bin ich heute.
Heute habe ich um 19.30 eine Lesung in Basel, und ich muss schon sagen, wenn es in jenem urbanen Setting eine Buchhandlung gibt, die zu einem Wanderer passt, dann diese: Bachletten - denn neben dem "Bach" steckt in diesem Wort ja wohl der "Lett", also Lehm. Buchhandlung Bachletten, ich glaub, ich zieh die Wanderschuhe an. Ob ich Stöcke brauchen werde? Hm.

Dienstag, 12. April 2011

Mit Herrn X. in Schlossstadt

Späte Gotik: Burgdorfs Siechenhaus.
Gestern war ich mit einem "Tagi"-Kollegen in Burgdorf, wir interviewten dort... hups, den Namen kann ich nicht verraten, denn garantiert liest die Konkurrenz mit. Besagter Gesprächs-Partner,  ein Burgdorf-Habitué, schlug einen Spaziergang vor. Er führte uns vorbei am Kornhaus und dem Museum Franz Gertsch auf der Wynigenstrasse aus dem Ort - und siehe da, endlich erblickte ich in der Realität, was ich nur aus Bildbänden kannte: das Siechen- oder Pesthaus, ein Sandsteingemäuer mit gewaltigem Walmdach und zugehöriger Kapelle, rares Bauzeugnis ausserstädtischer Gotik in der Schweiz. Das allein hätte mich glücklich gemacht. Es folgten eine apart gelegene Beiz, das "Sommerhaus", ein gutes Essen, ein lebendiges Interview. Und danach wurden die vier Sandsteinklippen erklommen, die Burgdorf prägen und die jeder Bahnreisende kennt, der auf der alten Strecke von Bern nach Zürich fährt; von diesen Fluhen stürze sich traditionell der unglückliche Burgdorfer in den Tod, merkte unser ortskundiger Begleiter trocken an. Hernach die Waldegg-Brücke und die erhöhte Altstadt - am Schluss waren wir zwei Stunden gewandert. Mir hat das gefallen, mich hat das bereichert, und was ich gestern auch erfuhr: Burgdorf ist kein Dorf, sondern eine Stadt. Und die "Burg" wird nie so genannt, sondern heisst "Schloss". Seltsam. Warum heisst Burgdorf nicht "Schlossstadt"?

Montag, 11. April 2011

Moor, die Rentner, die Fahne

Moor hats getan, Stock wird eingefahren, Fahne flattert.
Als ich gestern auf der Belchenflue, auch Belchen oder Bölchen genannt, ankam, stand da oben, auf der beengten Plattform, eine Kleinschar Rentner und ärgerte sich, dass die Schweizer Fahne, die sich offenbar an ihrer eigenen Stange verheddert hatte, nicht sich selber dem Lande und ihnen zeigte, worauf nun aber mein Wanderkollege René P. Moor, dessen Blog ich übrigens allen als ebenso lesenswert wie meinen eigenen zur Lektüre empfehle, zur Tat schritt und mit der Spitze seines zu grösstmöglicher Länge ausgefahrenen Wanderstocks, dessen allumfassende Nützlichkeit ich in diesem Moment eigentlich erst begriff, die Fahne in einigen Sekunden entwirrte dergestalt, dass sich diese gemächlich in der Brise zu entfalten und stolz im Winde zu flattern begann, welch beherztes Handeln diesem meinem Kollegen Moor alsbald einen dankbaren Applaus besagter Rentner eintrug. So war das anlässlich unserer Wanderung auf den Belchen.

Sonntag, 10. April 2011

Sahel im Baselbiet

Gestern zwischen Lauchflue und Chilchzimmersattel (BL) waren wir doch schon einige Zeit unterwegs und hatten, da die Sonne uns sengte und die Bise uns austrocknete, Durst. Der Erdboden hatte noch viel mehr Durst als wir, scheint mir allerdings.

Samstag, 9. April 2011

Teufelsschlucht, Teufel auch!

Belchenflue samt Seniorenwanderern und Widmerrucksack.
Wahnsinn! Heute ist schon wieder ein guter Tag zum Wandern; fast schon unheimlich, wie derzeit Samstag um Samstag besonnt ist. Kürzlich witzelte ich, ich hätte einen Pakt mit dem Teufel geschlossen: Ich habe ihm meine Wandererseele versprochen, und er liefert mir dafür die nächsten 30 Jahre jeden Samstag das ideale Wetter. Heute nutzen wir es, um von Waldenburg aus zuerst die Gerstelflue und dann die Belchenflue zu besteigen. Ach ja, und dem Allerheiligenberg (Wirtschaft!) statten wir auch einen Besuch ab und wollen last not least oberhalb von Hägendorf durch die... jetzt kommts: TEUFELSSCHLUCHT.

Freitag, 8. April 2011

Fischpediküre?

Breaking News des Tages, heute im "Tages-Anzeiger" auf Seite 35 zu lesen: Die asiatische Fischpediküre ist in Europa angekommen. Nun fragt man sich natürlich sofort: Wirkt bei dieser Substantivfügung ein Genetivus subjectivus oder ein Genetivus objectivus? Handelt es sich mit anderen Worten um die Pediküre, die ein Fisch verabreicht? Oder um die Pediküre, die einem Fisch verabreicht wird? Nun, ersteres. Meine Redaktionskollegin Simone Meier liess sich in London die tote Haut von den Füssen entfernen, und zwar durch ausgehungerte Saugbarben, kleine, recht zärtlich agierende Fische mit schabenden Mündern. Schlüsselsatz aus der langen Reportage, die ich super geschrieben und grusig zugleich finde: "Junge Menschen sitzen da, oben knabbern sie an ihren Sandwiches und ihren Cupcakes, unten knabbern die Fische an ihnen."
Nun ja, jedem Tierchen sein Pläsierchen, heisst es. Wem das zuviel wird, der kann auf der gleichen Seite meine neue, vergleichsweise dezente Wanderkolumne lesen, die von der Solothurner Verenaschlucht erzählt. Offenbar ist die in der Schlucht lebende Eremitin eine Hundehasserin, welche gegen einzelne Hündeler schon rabiat geworden sein soll.

Verenaschlucht bei Solothurn, die Einsiedelei.

Donnerstag, 7. April 2011

O-Ton von der Arche

Eine ganze Welt: Kloster Disentis.
Das Kloster Disentis ist mir seit Jahrzehnten ein Begriff durch die schöne Reportage von Niklaus Meienberg, "O du weisse Arche am Rande des Gebirges" von 1985. Seit ein paar Monaten gibt es im Benteli Verlag den opulenten Band "Ein Buch über die Welt" zu besagtem Kloster. Die 30 dort lebenden Brüder selber kommen zu Wort, aufgezeichnet hat ihre Beiträge Journalist Erwin Koch, und Fotograf Giorgio von Arb liefert die Bilder. Im "Migros Magazin" waren kürzlich zwei Texte abgedruckt. In dem einen erzählt Abt Daniel, wie anstrengend das Abtsein manchmal ist, und illustriert dies mit einer Anekdote:

"Ein französischer Bischof, überladen mit Arbeit und Sorgen, verzweifelnd in seinem Amt, setzte sich eines Abends hin und sagte: So, mein lieber Herrgott, wem gehört eigentlich diese Diözese, he? Gehört die Dir oder mir? Die gehört doch eindeutig Dir! Also pass gut auf sie auf, ich geh jetzt schlafen."