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Mittwoch, 14. Dezember 2011

Mist, Stadtmist!

Hausmüll (nicht der von SO).
"Stadtmist" klingt ja eigentlich, auf eine Mülldeponie angewendet, recht charmant-biologisch. Doch was sich in Solothurn West über fünf Jahrzehnte bis 1978 an Kehricht angesammelt hat, ist zum Teil giftig; bereits sickerten Schadstoffe ins Grundwasser. Ab dieser Woche nun wird im Solothurner Stadtmist gebohrt, so will man sich ein Bild darüber verschaffen, was genau im Untergrund lagert. Klar ist, dass es sich um 350 000 Kubikmeter Material handelt, dessen Abtragung und fachgerechte Entsorgung bis zu 220 Millionen Franken kosten kann. Ein Gutteil des verseuchten Terrains ist im Übrigen deckungsgleich mit demjenigen des Projektes "Wasserstadt". So heisst eine geplante Überbauung mit bis zu 700 Wohnungen gehobenen Standards; umso dringender ist es, jetzt die Sanierung voranzutreiben - und ist das nicht ein hübsches Beispiel für die Art, wie Vergangenheit und Zukunft sich verschränken?

Dienstag, 13. Dezember 2011

Hölderlin in Hauptwil

Tor ins Dorf Hauptwil TG und Gonzenbach-Anwesen "Oberes Schloss".

Die Gonzenbachs, Textilindustrielle, wohnten schön.
Durch dieses Tor mit dem Turmaufbau muss er damals geschritten sein am 14. Januar 1801 nach tagelangem Marsch durch Schnee und Matsch von Deutschland her. Und vielleicht ahnte er gleich, dass das Anwesen zur Linken, das Obere Schloss, den Gonzenbachs gehörte, jener reichen Textilfamilie, die ihn berufen hatte. Drei Monate arbeitete der deutsche Dichter Friedrich Hölderlin dann im thurgauischen Hauptwil als Hauslehrer, bis er wieder entlassen wurde. Gestern morgen um 8 Uhr 10 war ich in Hauptwil und schaute mir die Hölderlin-Ausstellung im Schloss an. Dass ich so früh dran war, lohnte sich: In den nächsten drei Stunden ging ich trockenen Fusses via Wilen, Finkenbach, Häggenschwil zur Station Häggenschwil-Winden. Und kaum war ich am Ziel, begann es scheusslich zu regnen.

Montag, 12. Dezember 2011

Das war unser Weihnachtsessen

Blick von der Gegend beim Türli Richtung Zürichsee und Innerschweiz.

Für solche Kost geht unsereins stundenlang.
Moll, doch, das war eine schöne Wanderung. Sie begann in Stäfa und führte uns in zweieinhalb Stunden via Risi, Obsirain, Türli auf die Höhen des Pfannenstiels. Zeitweise regnete es leicht. Doch die Aussicht auf das Rüebli-Ingwer-Süpplein und einen Kalbscarré-Braten mit Kartoffelgratin im Restaurant Hochwacht motivierte uns genügend. Das Essen war dann wirklich fein, und ein Kafi Schnaps krönte es. Hernach zogen wir im Dunkeln weiter. Die Taschenlampen brauchten wir nicht gross, denn der Vollmond verbarg sich zwar hinter den Wolken, illuminierte aber doch die Landschaft genügend. Beim Bahnhof Forch fanden wir, es sei noch nicht genug, und setzten fort nach Zumikon, wo wir in Zumi's Bistro den Schlusstrunk nahmen. Moll, doch, das war eine schöne Wanderung, die ich zur Nachahmung empfehle; sie ist auch wintertauglich. Mehr darüber diesen Freitag in meiner Kolumne in der Zeitung.

Sonntag, 11. Dezember 2011

Deheem in St. Antoni OW


Ist dieses Höndli nicht reizend? Ich traf es vor einem Hof an, auf dem Jakobsweg von St. Jakob nach Flüeli-Ranft, gleich bei der St. Antoni-Kapelle; die Kolumne über diese Wanderung ist letzte Woche erschienen. Das Tierchen rannte auf mich zu, legte sich auf den Rücken, streckte mir die Pfoten entgegen: Licence to kraul. Ich koste es ausgiebig und musste lachen, als ich mich mit ihm reden hörte: Mein Appenzeller Dialekt, der in der städtischen Umgebung zur Abflachung tendiert, war so stark wie deheem. Das Blässli ist ja auch ein Stück Deheem. Einfach ausgelagert nach Obwalden.

Samstag, 10. Dezember 2011

Heute wird im Mondschein gewandert

Der Mond ist auch eine Lampe.
So. Heute wird nach der Erkältungs-Pause endlich wieder gewandert. Es ist gleich eine spezielle Unternehmung: das Weihnachtsessen meiner Gruppe "Fähnlein Fieselschweif". Wir gehen vom Zürichsee auf den Pfannenstiel und essen dort. Danach ein apartes Dessert: Im Schein des Vollmonds wollen wir absteigen. Meine Taschenlampe habe ich bereits gestern eingepackt, auf dass ich sie nicht vergesse.

Freitag, 9. Dezember 2011

Inkluse und Plättlileger


Dieses Inserat sah ich in einer Zeitung, die in der Sattelegg-Beiz herumlag. Kurz zuvor war mir der Name Fintan das erste Mal begegnet. Ich las nämlich ein wenig über das Kloster Rheinau ZH. Und vernahm vom heiligen Fintan, einer Gestalt aus der Gründerzeit des Klosters im neunten Jahrhundert. Fintan war ein irischer Wandermönch, der sich im Gebiet der heutigen Schweiz niederliess. Angeblich soll er aus seiner Heimat geflohen sein, nachdem ihn die Wikinger gefangen hatten. In der Rheinau war er Inkluse, liess sich also lebenslänglich einmauern. Seine Vita inspirierte katholische Eltern, ihre Kinder nach ihm zu taufen. Und so treffen wir auf katholischem Territorium ab und zu einen Fintan. Der vom Plättlicenter in Feusisberg heisst mit ganzem Namen Fintan Marty.

Donnerstag, 8. Dezember 2011

Sechs Fragen an Schweiz Tourismus

Schweiz Tourismus mailt eine Medienmitteilung, die so anfängt:
"Alle Jahre wieder - mit einem bunten Feuerwerk an festlichen Angeboten, Winterideen und Feierlichkeiten läutet die touristische Schweiz Weihnachten und das Jahresende ein. Wellness, Advent und Tango, historische Hotels und Day Spas, Weihnachtsmärkte und Silvesterbälle, World-Snow-Day und Geschenkideen. Frohe Festtage für die ganze Familie und jedes Budget in der winterlichen Schweiz."
Da, ein Day Spa!
Nachdem ich das las, habe ich folgende Fragen:
  1. Wie muss ich mir dieses "einläuten" vorstellen, wer läutet wo was?
  2. Wo könnte ich einmal die "touristische Schweiz" treffen und mit ihr bei einem Kaffee ein wenig über unsere (ihre, meine) Vorstellungen von Tourismus plaudern?
  3. Klingt "alle Jahre wieder" in dieser Mitteilung nicht ein wenig bedrohlich? Oder ist es doch eher Resignation?
  4. Hat man in Day Spas wirklich einen Tag lang Spass?
  5. Ist der "World Snow Day" mit der Uno koordiniert, und was meinen die Leute im Sahel dazu?
  6. Bin ich ein hoffnungslos verschrobener Sonderling, da sich mir bei der Lektüre die Nackenhaare sträubten, als sei Lord Voldemort in der Nähe; bin ich ein Asozialer, wenn jede Faser in mir, da ich die Schweiz-Tourismus-Zeilen las, nur nach einem trachtete: fort, weg, Flucht! Ja nicht in die Nähe einer der Veranstaltungen kommen, die in diesem Mail aufgezählt werden!