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Freitag, 6. Juli 2012

Thoreau und das einbalsamierte Herz

Henry David Thoreau, 1817 - 1862.
Bei Diogenes ist die Textsammlung "Wanderlust" erschienen. Wie ein Manifest klingt Henry David Thoreaus Essay "Vom Spazieren" - verwunderlich, dass es nicht zuvorderst in dem Buch steht. Hier ein Zitat als Appetitmacher:
"Vielleicht sollten wir noch den kürzesten Spaziergang im Geist eines unendlichen Abenteuers angehen, als wollten wir nie zurückkehren, als wären wir entschlossen, einzig unser einbalsamiertes Herz als Reliquie in unser verwaistes Königreich zurückzusenden."

Donnerstag, 5. Juli 2012

Schiessgefahr bei Gibisnüd

Seltsames Schild bei Gibisnüd in der Pfannenstielgegend. "Schiessgefahr" klingt wie eine Drohung, und es klingt vage. "Schiessbetrieb" wäre doch wohl korrekt. Wie sollte ich denn merken, dass Schiessgefahr herrscht? Muss ich armer Wanderer sie irgendwie wittern? Herrscht nicht letztlich immer Schiessgefahr, solange Schusswaffen vorhanden sind? Ungut kommuniziert wird hier auch, weil die Schützen kraft des Wörtleins "Gefahr" unfreiwillig vermitteln, dass ihr Tun heikel ist und Risiken birgt.

Mittwoch, 4. Juli 2012

Kübelregen, Landwasser, Gerstensuppe

Nicht übel, oder? Die Zügenschlucht mit dem Landwasser.
Als ich gestern morgen um 6 Uhr 45 in Zollikerberg aus dem Haus ging, hätte ich es nicht für möglich gehalten, dass ich am selben Tag noch trockenen Fusses wandern würde; es regnete wie aus Kübeln. Bei der Station, nach sieben Gehminuten, war ich pflotschnass. In "Blick am Abend" las ich zwölf Stunden später, dass in meiner Gegend pro Quadratmeter in drei Stunden eine halbe Badewanne Wasser niedergegangen war.

Wir fuhren ins Bündnerland. Und als wir ausstiegen, war es trocken. Bald zeigte sich die Sonne. Die Wanderung führte von Filisur zuerst zum Wiesener Viadukt, dann zum Bahnhof Wiesen, hernach auf der alten Zügenstrasse des 19. Jahrhunderts zur Station von Monstein und hinauf zum gleichnamigen Dörfchen. Star der äusserst abwechslungsreichen Route war das Landwasser, das sich unglaublich tief in den Fels eingefräst und eine atemberaubende Schlucht geschaffen hat, die vom sicheren Weg aus zu bestaunen man nicht aufhören mag.

Die beste aller Gerstensuppen.
Am Schluss, nach vier Gehstunden, kamen wir an der Monsteiner Brauerei vorbei, die von sich behauptet, die höchstgelegene in ganz Europa zu sein; ich nehme jetzt mal an, es stimmt. Wir probierten ihr Bier im Restaurant Veltlinerstübli, es schmeckte. Noch feiner war allerdings die Gestensuppe, die ich als die beste meines nicht mehr ganz jungen Lebens bezeichnen würde - gross, ganz gross, diese sämige Mixtur von weissen Miniböhnchen, viel Gerste, Gemüse-Schnippseln, Speckwürfeli und etwas Rahm sowie zwei Davoser Schweinswürstchen als Geschmacksvollender.

Dienstag, 3. Juli 2012

Vom Rechtenjäger zum Routenjäger

Was man in Zürich so sieht... Henry Moores "Sheep Piece" im Seefeldquartier.
Jürg Frischknecht war einst bekannt als Co-Autor von "Die unheimlichen Patrioten". Das Buch beleuchtete Ende der Siebzigerjahre rechte Netzwerke der Schweiz und wurde ein linker Klassiker. Heute jagt Frischknecht statt Extremisten Routen. Mit seiner Gefährtin Ursula Bauer wandert er und schreibt darüber; typisch Alt-68-er, man hat Frieden mit dem System geschlossen und geht für den Rest des Lebens als sanft-ökologischer Hedonist um. Das neuste Werk entstand mit dem Fotografen Marco Volken: "Zürich" handelt vom, so der Untertitel, "Wandern in der Stadt" und führt kundig durch die Wunder der City.

Montag, 2. Juli 2012

Babyschlänglein und Cheesecake

Nesselalp, Maria zum Schnee.
Diese Frau geniesst ihren Bach.

Die Samstags-Wanderung (Birgisch - Nesselalp - Belalp, knapp vier Gehstunden) hatte viele Höhepunkte. Unter anderem:

  1. Die Postautofahrt hinweg aus dem überbauten Brig/Naters auf die Terrasse von Birgisch und das dabei aufkommende Befreiungsgefühl.
  2. Das Babyschlänglein auf dem Asphalt zwei Minuten nach Wanderbeginn.
  3. Der betörende Harz-Kräuter-Duft im Gebirgswald, eine Wohlfühldroge.
  4. Der derzeit aussergewöhnlich wasserreiche, tosende Nessjeri-Bach, eine Sinneserfrischung für den, der aus der hitzeverseuchten Stadt kommt.
  5. Die gemauerte Kapelle "Maria zum Schnee" auf der Nesselalp mit dem aufgeklappten Gnadenbild von 1656 über dem Altar.
  6. Das Fussbad im Bach auf der Nesselalp mit Blick auf die Schneegipfel. Und links und rechts Felder blühender Alpenrosen.
  7. Der Blick auf den durch seine Senke kriechenden Aletschgletscher, der von ferne wirkt wie eine vielspurige Autobahn.
  8. Der Cheesecake auf dem Balkon der "Hamilton Lodge" auf der Belalp; das Holzmobiliar des Hauses ist grob, als hätte es ein irrer, 2 Meter 40 grosser Finne mit der Motorsäge designt.

Sonntag, 1. Juli 2012

Der Silberzwiebelsturm

Heute morgen, 7 Uhr 50, plötzlich wird es wieder dunkel. 7 Uhr 55 ist es noch dunkler, eigentlich wieder Nacht. Und dann der Hagel. Es knallt und donnert und prasselt, die Körner sind so gross wie... Oliven. Oder noch passender, wegen der Farbe: Silberzwiebeln. 10 Minuten später ist die Wiese vor dem Haus weiss, überall liegt zerfetztes Blattwerk. Aber die Vögel pfeifen wieder, demonstrativ konstruktiv.

Weniger wäre hier mehr

Weniger wäre vielleicht mehr: Neue Häuser auf der Belalp.
Super Wanderung gestern von Birgisch zur Nesselalp und dann Belalp. Etwas mehr über die Route morgen - hier vorerst nur dieser eine Eindruck von der Belalp: Masshalten bei der Überbauung scheint den Wallisern noch fremder als dem Rest der Schweiz.