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Montag, 31. Oktober 2011

Der Loser unter den Hügeln

Grosse Terrasse: Hochhamm-Bergrestaurant.
Der Hochhamm, 1274 Meter über Meer, war unser Samstagshoger und Höhepunkt einer Sechs-Stunden-Route: Waldstatt - Oberwaldstatt - Tüfenberg - Hochhamm - Bächli - Hemberg - St. Peterzell. Eigentlich ist der Hochhamm, der eine prächtige Aussicht bietet, der Verlierer unter den Ostschweizer Hügeln. 1995 wurde der unrentable Sessellift abgebrochen. Und 2008 verunglückte Wirt Peter Flück bei einem Autounfall tödlich. Doch der Hochhamm, ein robuster Ausserrhoder, hat die Schicksalsschläge überstanden. Heute wirtet Flücks Tochter Chantal, die Wirtschaft ist bei gutem Wetter geöffnet, und dass man nicht ohne Schweissvergiessen hinaufkommt, ist eine gute Sache - was es hier oben nicht hat, sind diese fetten Töfffahrer mit ihren Schildkröten-Rückenpanzern.

Sonntag, 30. Oktober 2011

Das Cannabis wirkte nicht


Ich vertippte mich. Der Getränke-Automat beim Bahnhof Forch gab statt eines Mineralwassers dieses orangene Pappding her. Swiss Cannabis Ice Tea. Ich trank die Zuckerlauge mit Schwarztee-Bitternote und hasste jeden Schluck. Und wie das brennesselig in die Nase stach, als beträte ich die Berner Reitschule der späten Achtziger! Und das Perfideste war, dass die Ware nicht im Geringsten high macht. Nehmt sie aus dem Sortiment, Betreiber! Sie spielt mit dem Mythos, kann aber nicht liefern!

Samstag, 29. Oktober 2011

Uli, der Elektronsensible

Ist das Handy gefährlich? Ja, sagt Funk-Uli. (WikCommons)
"Funk-Uli" erwarb sich seinen Übernamen, indem er mit 12 seine erste Funkstation in Betrieb nahm. Nach der Lehre als Kommunikationstechniker verkaufte er Autotelefone und Handys, besass bald eine Firma mit 20 Mitarbeitern. Dann der Zusammenbruch mit Seh- und Herzrhythmus-Störungen. Heute lebt Ulrich Weiner, 34, in einem Funkloch im Schwarzwald. Er ist überzeugt, dass elektrische Felder und technische Strahlen seine Gesundheit ruiniert haben. Verlässt er das Haus, um die Menschheit aufzuklären, tut er das in einem bizarren Schutzanzug à la Imker-Outfit. Sein Credo: "Der technische Funk verträgt sich nicht mit biologischen Systemen. Der Funk ist eine Zeitbombe. Und wir Elektrosensiblen eine Art Frühwarnsystem." Interessantes Porträt in der "Tierwelt" Nr. 42.

Freitag, 28. Oktober 2011

Der 11. Hoger

Die Belohnung auf dem Bözingenberg.
Morgen gibts Hochnebel und darüber Sonne. Hier 10 Höger und hohe Orte, die gut belichtet sind, Aussicht bieten und mit einer Wirtschaft bestückt sind.
1. Gäbris, Ausserrhoden. Immer wieder. Der Klassiker. Man bestelle dann die Südwoescht (Siedwurst).
2. Die Hochalp, Ausserrhoden. Apart und nah an den Bergen. Hat Wirt Hans Fuchs, "dä Fochsä Hans", miese Laune, ist die Beiz allerdings auch mal zu.
3. Tanzboden SG. Siehe meine heutige Kolumne in der Zeitung. Um ihn hat sich ein Kult entwickelt; die Gemeinde der Tanzbödeler frönt ihm ganzjährig.
4. Terrasse mit Aussicht. Man muss nicht hinwandern, kann den Bus nehmen. Beim Aussteigen stürzt man angesichts des zackigen Leistchamms in Shock and Awe.
5. Die Alp Scheidegg ZH mit der höchstgelegenen Alpwirtschaft des Kantons Zürich.
6. Die Bütschelegg. Hier holen sich die Stadtberner ihre Dosis Lux. In der Beiz wirtet ein Tamile, weswegen es auch Curry-Gerichte gibt.
7. Waldhäusern. Im Ämmitau hockt ein Hexenhäuschen, das aussieht, als sei es mit der Laubsäge gemacht. Von Signau oder Emmenmatt her ist man zügig oben.
8. Bözingenberg. Die Bieler kennen ihn, alle anderen sollten ihn kennenlernen.
9. Der Passwang SO. Mit dem Postauto hinauf, dann über den Sunneberg-Kamm. Wirtschaften am Anfang und Ende vorhanden, überhaupt ist die Gegend voller Bauernbeizli wie keine andere.
10.  Hilfe, schon ist der letzte Listenplatz da, und ich lege doch erst los. Die Innerschweiz muss noch hinein. Nehmen wir doch... den Raten. Herrlich der Blick zum Säntis und Pilatus. Eine Wirtschaft hockt auch an diesem Übergang vom Ägerisee ins Tal der Biber, den man mit dem Bus erreicht. Hier kann man gut mit den Kindern hin und spazieren.

Auf den 11. Hoger wandere ich morgen mit meinem Grüppli. Mehr darüber nach vollbrachter Tat!

Donnerstag, 27. Oktober 2011

Livigno und die Grenzen des Wachstums

Ich habe ein GA, aber will ich da hin? Livigno.
Das norditalienische Livigno ist mit der Schweiz durch einen wintersicheren Tunnel Richtung Ofenpass und Zernez verbunden. Ich war einmal in Livigno - und war abgestossen. Das Tal ist Zollfrei-Zone und Billig-Wintersport-Gebiet. Es wurde geschmacklos verbaut.

Letzte Woche las ich das SBB-Reisemagazin "Via". Ich erfuhr, dass man mit dem GA nach Livigno kommt. Dass man Livigno früher "Piccolo Tibet" nannte, weil es bis 1952 sechs Monate im Jahr von der Aussenwelt abgeschnitten war. Als dann in den Sechzigern der Tunnel der Engadiner Elektriztitätswerke zum Livigno-See kam, war Livigno auf einen Schlag das ganze Jahr gegen Norden offen. Die Folge: Verdoppelung der Einwohnerzahl auf heute 6000 Leute. 10 000 Ferienwohnungen. 100 Hotels. 250 Taxfree-Shops. Bis zu 28 000 Übernachtungsgäste in der winterlichen Hochsaison.

Oh Graus. Kurz darauf im "Tages-Anzeiger" die Titelzeile: "Bündnerland droht Italien mit Tunnelsperrung." Livigno zieht soviele Wintergäste an, dass sich der Verkehr durch den Tunnel in die Schweiz an schönen Wochenenden bis zu zehn Kilometer Länge staut und nach Zernez reicht. Somit ist der Ofenpass und die Zufahrt ins Münstertal blockiert - und genau deshalb überlegt sich die Bündner Regierung die Tunnelsperrung. In Livigno gibt man sich allerdings einsichtig, dass die Marketingstrategie, mit Dumping-Preis-Wochenenden vor allem Osteuropas Massen zu ködern, an ihre Grenzen stösst. Man gelobt, in Zukunft auch Skilift-Hotel-Packages zu verkaufen, die den Rest der Woche abdecken. Ob das nützt? Wir werden sehen.

Mittwoch, 26. Oktober 2011

Danke, dass es dich gibt, lieber Föhn!

Alles ist beim Wandern im Spätherbst verstärkt: die Farbkraft der Natur vor allem, aber auch die Gefühle des Wanderers, der weiss, dass bald alles vorbei ist. Nicht für immer natürlich - aber die herrlichsten Gegenden sind doch demnächst für Monate verschneit und kaum zugänglich. Umso mehr geniesst der Wanderer derzeit seine Wege. Gestern fuhren wir nach Euthal am hinteren Sihlsee. Die Gipfel um den mächtigen Fluebrig (auf dem Foto links der Mitte) wirkten aus dem Bus düster und abweisend. Dann aber, im Aufstieg zur Bärlaui, plötzlich blauer Himmel, der Föhn vertrieb uns die Wolken. Das war grandios, wie überhaupt die ganze 5-Stunden-Route Euthal - Bärlaui - Sattelegg - Rinderweidhorn - Wiselegg - Schleipfenmüli - Lachen Bahnhof. Danke, dass es dich gibt, lieber Föhn!

Dienstag, 25. Oktober 2011

El Camino del Grusel



El Camino del Rey, der "Weg des Königs" in Südspanien, gilt als gefährlichster Bergweg der Welt. Hundert Meter über Grund führt er einer Schluchtwand entlang. Aus dem Boden des Stegs sind Stücke herausgebrochen. An manchen Orten balanciert man auf Eisenträgern. Mittlerweile reisen Gruseltouristen und Adventurefreaks extra wegen des Camino an; sie foutieren sich um das Behördenverbot. Es gab auch schon Tote. Kürzlich nun kam die Meldung, dass der Camino saniert werden soll. Obiger Film zeigt ihn im heutigen Zustand und sei nur schwindelfreien Leuten zum Anschauen empfohlen.