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Samstag, 31. Januar 2026

Rührung in Konstanz

Letzten Mittwoch wanderten wir vom Bahnhof Mannenbach-Salenstein nach Konstanz. Vom Thurgau nach Deutschland. In Konstanz sah ich eine Tafel, die für den regionalen ÖPNV warb, also für den öffentlichen Personennahverkehr. Und war als Schweizer ein wenig gerührt, dass die Deutschen das mit Verweis auf unseren ÖV tun.

Freitag, 30. Januar 2026

Das Bachduell

Dieser Tage lese ich das letztes Jahr erschienene Buch "Die Reuss. In der Mitte der Schweiz und ihrer Geschichte". Es diskutiert unter anderem die Frage, welcher unter den diversen Quellbächen der Reuss der wichtigste ist, also sozusagen DIE Quelle der Reuss. Bis in die frühe Neuzeit schien die Sache klar: Die Gotthardreuss galt als Reussquelle, denn man schaute den Gotthard als Herz der Alpen an. Als Zentrum. Als Ort des Ursprungs der Dinge. Als Mitte. Später verbreitete sich die Ansicht, die Furkareuss sei wichtiger und der eigentliche Quellfluss. Da war aber auch noch der Mönch und Alpenforscher Placidus a Spescha aus dem Kloster Disentis, 1752–1833. Für ihn lag der Anfang der Reuss in der Witenwasserenreuss, die bei Realp in die Furkareuss einmündet. A Spescha könnte recht haben, findet Buchautor Jean-Daniel Blanc. Erstens führt die Witenwasserenreuss mehr Wasser als die Furkareuss. Zweitens, das macht sie bedeutend, kommt sie von einer Dreifach-Wasserscheide, wo die Einzugsgebiete der Reuss, der Rhone und des Ticino aufeinanderstossen.  Ein dritter Grund ist mittlerweile hinzugekommen: Aufgrund des Rückzuges des Witenwasserengletschers ist der Bach, den er entlässt, signifikant länger geworden. Interessant, dieses Quellbachduell.

Donnerstag, 29. Januar 2026

Zofinger Schatzkammer

Ein schöner Bau, dieses Museum Zofingen, das ich am Wochenende besuchte. Er datiert von 1901, imitiert die Palazzi von Florenz, die Fassade ist mit Sgraffiti dekoriert, man hatte in der Aargauer Kleinstadt Stil. Geld sowieso. Inwendig ist das Haus eine Fundgrube respektive Schatzkammer, es gibt auf mehreren Etagen Versteinerungen und Kristalle zu sehen, aber auch präparierte Tiere, Feuerwehrgerät, Flinten, Säbel, und der im Ort verwurzelte Schweizer Medienkonzern Ringier hat eine eigene Abteilung. Mir gefiel das Museum, weil es so schön altmodisch ist, Schaukästen dominieren, das digitale Angebot ist klein, viel Museumspädagogik gibts nicht. So kann man sich treiben lassen, was ich mit Freuden tat.

Mittwoch, 28. Januar 2026

Ein Römer in Solothurn


Darf ich vorstellen? Das ist Candidus. Er lebte im 4. Jahrhundert nach Christus in Rom, starb jung, mit etwa 20 Jahren, wurde unterirdisch begraben in einer der Katakomben, deren Entdeckung mehr als tausend Jahre später das katholische Abendland beflügelte – man nahm an, dass all die Toten zu Lebzeiten Christen gewesen waren. Verfolgte. Märtyrer. Heilige. Viele von ihnen, also ihre Reste, wurden über die Alpen geschafft, auch in der Schweiz gibt es an einigen Orten, etwa in der Klosterkirche Rheinau ZH, Katakombenheilige. Zurück zu Candidus: Er wurde, salopp gesagt, in Solothurn eingebürgert, wo er auch seinen Namen erhielt und die längste Zeit im Frauenkloster Namen Jesu aufbewahrt wurde. Ich fotografierte den jungen Mann respektive sein mit Gaze verhülltes, nach Art eines römischen Legionärs gepanzertes, mit kostbaren Steinen veredeltes Skelett im Historischen Museum Blumenstein in Solothurn.

PS: Heute gehe ich nach längerer Pause (Grippe) wieder wandern. Am Bodensee. Freue mich.

Dienstag, 27. Januar 2026

Zofingens Blutstab

Man soll nicht vorschnell den Stab über jemanden brechen. Die Redewendung heisst so viel wie: Man soll nicht vorschnell über eine Person ein endgültiges Urteil sprechen. Sie verurteilen. Am Sonntag war ich im Museum Zofingen und sah dort – neben unzähligen anderen interessanten Dingen – einen Blutstab. Auf meinem Foto ist es der dünne Stab rechts, das links ist passenderweise ein Richtschwert. In sehr alten Zeiten, las ich im Begleittext, wurde in Zofingen auf dem Gerechtigkeitsplatz, mittlerweile umbenannt in "Niklaus-Thut-Platz", Recht gesprochen. Hatte der Richter das Urteil gefällt, zerbrach er seinen Blutstab und warf ihn dem oder der Verurteilten vor die Füsse. Das Urteil war endgültig, Rekursinstanzen gab es nicht. 

Montag, 26. Januar 2026

Halb St. Gallerin, halb Schwyzerin

Was sein muss, muss sein: Das Zürcher Grossmünster ist
derzeit eingerüstet. Hinten rechts das Fraumünster.
Aus einem Infoplakat am Grossmünster-Bauzaun.
Kürzlich kämpfte ich mich in Zürich durchs Oberdorf, die breite Gasse ist abschnittweise zu einem schmalen Pfad reduziert mit Baugruben links und rechts. Im Niederdorf sieht es ähnlich aus. Und auch an meiner Lieblingskirche, dem Grossmünster, wird gearbeitet. Es ist samt den Türmen eingerüstet, die gesamte Aussenhülle soll bis ins Jahr 2028 etappenweise aufgefrischt werden. Interessant fand ich die Erklärplakate mit historischen Informationen an der Abschrankung. Jetzt weiss ich, dass die Steine für das Grossmünster aus zwei Brüchen am oberen Zürichsee stammen, der eine in Bollingen SG gelegen und der andere vis-à-vis am Buechberg SZ. Per Lastkahn wurden die Steine einst angeliefert. Mit anderen Worten: Zürichs Wahrzeichen ist halb St. Gallerin und halb Schwyzerin.

Sonntag, 25. Januar 2026

Geberts Fabrik

Im Foyer der Alten Fabrik in Rapperswil (sorry für die
dilettantische Retusche, ich kanns nicht besser).
Die Gebert-Fabrik in ihren Anfängen.
(Foto: Infotafel vor Ort)
Albert Emil Gebert, ein Spengler, kreierte einen mit Blei ausgeschlagenen Holzspülkasten und brachte es fertig, diesen ab 1905 in Serie zu produzieren. So begann der Aufstieg der Firma Geberit, deren WC-Spülkästen uns allen ein Begriff sind. In Rapperswil wirkte der Pionier, unterhielt dort in der ganzen Stadt etliche Werkstätten, eine von ihnen, die heutige "Alte Fabrik", war das Stammhaus des Unternehmens, das heute global geschäftet. In dieser Fabrik von einst ist in der Gegenwart die Stadtbibliothek untergebracht plus ein sehr schönes Kulturlokal. In ihm erlebte ich am Donnerstag den Aufritt der Appenzeller Stand-up-Comedian Reena.

Samstag, 24. Januar 2026

Der Hampi, das Monsti und die Reena

Reena sehen? Lohnt sich. (Foto: Reenas Website)
Also diese Reena! Ich weiss nicht, wer am Donnerstagabend in der Alten Fabrik in Rapperswil mehr Spass hatte – sie auf der Bühne oder wir im Saal. Unsereins feixte eigentlich permanent, sie ebenfalls. Über ihre eigenen Spässe über sich selber, aber auch über die Antworten auf die kleinen Fragen, die sie gezielt ins Publikum warf – eine Frau verriet, ihr Freund (der neben ihr sass) nenne sie "Monster" oder auch "Monsti". Und Zuschauer Hampi wurde, nicht zuletzt aufgrund seines Urschweizer Vornamens, gleich zum Dauergag (er fands auch lustig). Reena, "Rina" ausgesprochen, Krishnaraja gewann mit zarten 19 Jahren den "SRF Best Talent Comedy Award" und ist jetzt, vier Jahre danach, mit ihrem ersten Soloprogramm "Kurkuma" auf Schweiz-Tournee. In Rapperswil hatte sie die gut 80 Leute im Raum ab der ersten Minute im Sack mit ihrem Ausserrhoder Schalk (sie ist in Grub AR aufgewachsen), der aber auch tamilisch sein könnte (ihre Eltern sind eingewandert). Oder dann ist er angeboren. Reena erzählte von der multikulturell veranlagten, leicht aufdringlichen, demonstrativ aufgeschlossenen Jacqueline aus ihrem Dorf, die Curry liebt. Aber auch vom Platzspeaker am Grümpeli, der den Namen "Krishnaraja" beim Rangverlesen einfach nicht über die Lippen brachte oder bringen wollte. Von ihrem Freund Severin berichtete Reena zudem, dessen Namen ihre Eltern fürs erste mehrere Monate lang nicht aussprechen konnten, sie nannten ihn "Semmeli". Apropos Severin: Einmal gingen Reena die sauberen Unterhosen aus, und so adaptierte sie halt Severins Boxershorts – mit ungeahnten Folgen. Reena bringt derbe Themen völlig underb vor. In der zweiten Hälfte ihres Auftritts war dann berührend, wie sie darlegte, weshalb sie eine Narbe quer über die Kehle hat. Da wäre einem das Lachen womöglich vergangen, wenn sie in diesen bangen Minuten nicht selber so ausgiebig gelacht hätte. Doch, Reena kam uns in Rappi wirklich nah. Und den Hampi und das Monsti vergessen wir auch nicht so schnell wieder.

Freitag, 23. Januar 2026

Wer ist hier schuld?

Hoch über Bad Ragaz: rechts unten die Seilbahnstation Pardiel
mit dem Bergwanderweg zum Schwarzbüelhüttli links oben.
(Schweizmobil, Screenshot)
Am Mittwoch las ich in der "Appenzeller Zeitung" den interessanten Bericht über einen Prozess, der derzeit vor dem Kreisgericht Werdenberg-Sargans läuft. Verklagt wurden ein ehemaliger Gemeindepräsident samt zwei seiner ehemaligen Mitarbeiter, dazu zwei ehemalige CEOs der Heidiland AG und Pizolbahnen AG mit ihren ehemaligen Kommunikationschefs. Fast zehn Jahre ist es her, dass der Unfall im Pizolgebiet passierte. Ein älteres Paar, er im Elektrorollstuhl, fuhr damals hinauf nach Pardiel und nahm dort den sogenannten Heidipfad Richtung Schwarzbüel. Der war zu jener Zeit auf den Websites der zuständigen Organisationen als "rollstuhlgängig" bezeichnet, war freilich vor Ort weiss-rot-weiss markiert als Bergwanderweg. Das Paar zog los, dann stürzte der Mann im Rollstuhl sieben Meter den Abhang neben dem Weg hinab. Die Frau, die den Unfall verhindern wollte, wurde mitgerissen und unten vom Rollstuhl schwer getroffen. Sie ist seither Tetraplegikerin, lebt in einem Heim und hat geklagt, derweil der Mann, der damals nur leicht verletzt wurde, mittlerweile, was nichts mit dem Ereignis zu tun hat, verstorben ist. Die Frage stellt sich: Wer ist schuld? Entlastet die Tatsache, dass der Weg als Rollstuhlweg eingeordnet war, das Paar von der Anwendung des gesunden Menschenverstandes, der Beachtung der Beschilderung und der Topografie? Und lässt sich eine allfällige Schuld unter so vielen Angeschuldigten nach so langer Zeit überhaupt zuordnen? Wir bleiben dran.

Donnerstag, 22. Januar 2026

Mein Arbeiterkotelett

Panierter und gebratener Cervelat? Gestern war ich im "Ochsen", dem geschätzten Dorfrestaurant von Stein AR, es gab drei Mittagsmenüs, darunter der Cervelat. Also das "Arbeiterkotelett". Nahm ich natürlich. Schmeckte vorzüglich. Schön, dass es nicht nur Restaurants gibt, die Teures und Exklusives kochen. Einfache Kost macht auch Spass.

Mittwoch, 21. Januar 2026

Grobi Noldi

Es sitzt noch kaum jemand draussen, zu klamm, zu grau sind die Tage. Jedenfalls aber ist der neue Kiosk auf dem Bürkliplatz in Zürich seit dem 4. Januar offen. Eben ging ich ihn mir anschauen und trank einen Kafi – der Bürkliplatz ist in seiner Nähe zum See, von dem ihn leider die mehrspurige Strasse trennt, ja doch einer der wichtigsten Zürcher Plätze. Erster Eindruck: Der Kiosk, schlicht und elegant, erinnert ein wenig an einen Badepavillon. Die "Keller Services GmbH", ein Familienbetrieb, hat für ihn ein anspruchsvolles Konzept erarbeitet und sich mit diesem gegen Dutzende Bewerbungen durchgesetzt, es gibt Feines zu essen von Bananenbrot bis "Grobi Noldi", wie die eigens für das Lokal kreierte Wurst heisst. Ich freue mich auf den Frühling, dann werde ich mal testessen gehen. Nach Arnold Bürkli, dem grossen Zürcher Stadtingenieur des 19. Jahrhunderts, ist der Kiosk benannt, er heisst "Arnold-Kiosk".

Dienstag, 20. Januar 2026

Gibt es eine Verbindung?

Vor Jahren bestiegen wir die Silberen. Das Kalkgelände
mit den vielen Löchern war etwas unheimlich.
Vor wenigen Wochen berichtete ich hier, dass im Oktober im Gebiet Silberen in der Gegend des Pragelpasses eine neue Höhle entdeckt worden ist – sie wurde "Hustenschacht" getauft. Vor kurzem nun erschien auf der Plattform "Infosperber" ein Artikel, der erläutert, was der Fund bedeuten könnte. Möglich, dass Forscherinnen und Forscher aufgrund des neuen Schachts bald vom Silberen-System ins angrenzende Hölloch-System gelangen könnten. Bisher ging man davon aus, dass die beiden durch eine unterirdische Einsturzzone getrennt sind. Der jetzt entdeckte Schacht liegt aber ausserhalb dieser Zone und könnte die Hölloch-Gänge und die des Silberen-Systems zusammenschliessen. Wir bleiben dran.

Montag, 19. Januar 2026

Esther und Abi

Im Jüdischen Museum Schweiz in Basel – ich war letzte Woche dort – erblickte ich eine Schallplatte. Knapp erinnerte ich mich an den Namen der Sängerin, Esther Ofarim. Die Israelin zog 1962 mit ihrem damaligen Mann Abi, mit dem sie oft im Duo auftrat, nach Genf und liess sich dort nieder. 1963 nahm sie, damals 22-jährig, für die Schweiz am Grand Prix Eurovision de la Chanson teil; sie wurde zweite mit dem Lied "T'en va pas".

Sonntag, 18. Januar 2026

Der Fotoschatz

Tschäggätä im Lötschental.
Leider finde ich keine Jahresangabe.
(Sprachatlas der deutschen Schweiz)
Beiliegendes Foto zeigt zwei Maskierte an der Tschäggätä, der Fasnacht in Blatten VS im Lötschental, das Dorf ist uns allen ein Begriff seit dem verheerenden Bergsturz. Der "Sprachatlas der deutschen Schweiz", ein Werk mit wissenschaftlichem Anspruch, führte in der Vergangenheit mancherorts im Land Erhebungen zu unseren Dialekten durch; so nebenbei entstanden vor Ort auch Fotos. Die insgesamt 12'500 Aufnahmen, ein volkskundlicher Schatz, sind mitterweile digitalisiert und, wo möglich, mit dem passenden Eintrag im Dialektwörterbuch Idiotikon verknüpft. Seit anderthalb Monaten ist die Foto-Sammlung im Internet frei zugänglich, sie ist auch mit einer praktischen Suchfunktion ausgestattet.

Samstag, 17. Januar 2026

Basel, Vesalgasse 5

Das Jüdische Museum Schweiz an der Vesalgasse 5 in Basel.
Den Umbau des ehemaligen Tabaklagers besorgte das örtliche
Architekturbüro Diener & Diener. Das Kunstwerk an der
Fassade heisst "Jeziory" und stammt von Frank Stella.
Kostbar: eine Tora-Rolle aus dem Kairo des 13. oder 14. Jahrhunderts.
Seit 1966 gibt es in Basel das Jüdische Museum Schweiz, diesen November ist es nach einem Zügel in den umgebauten Räumen eines ehemaligen Tabaklagers gleich bei der Universität neu eröffnet worden. Am Mittwoch besuchte ich das Museum, lernte und erfuhr etliches. Manches davon war deprimierend. 1349 etwa kam es in Basel zu einem Pogrom. Ein Mob trieb die Juden und Jüdinnen der Stadt auf eine Insel im Rhein und brachte sie alle um, zwischen 100 und 600 Menschen starben damals. Ich hoffe, dass sich so etwas nie wiederholt – die jüdische Bevölkerung der Schweiz war bekanntlich auch schon sicherer als derzeit.

Synagogenbänke im Museum. Das Buntglasfenster rechts stammt aus der Synagoge in Biel.

Freitag, 16. Januar 2026

Les Arales? C'est où?

Die schöne Broschüre des SAC.
Ich bin an einem Artikel zu den höchsten Punkten aller Schweizer Kantone. Gestern, beim Einlesen, war ich erfreut. Es gibt im Internet einige brauchbare Listen. Am übersichtlichsten ist diejenige in einer Broschüre des "Schweizer Alpen-Clubs". 

Hier drei Kantonshöhepunkte, die nicht so bekannt sind:

  • Bös Fulen, Schwyz, 2801 Meter.
  • Vanil Noir, Freiburg, 2389 Meter.
  • Les Arales, Genf, 516 Meter.
Und noch etwas Wissenswertes: Der einzige Ort, an dem gleich zwei Kantone, AR und AI, ihren höchsten Punkt erreichen, ist der Säntisgipfel, 2502 Meter.

Donnerstag, 15. Januar 2026

Die Superlativbahn

Garaventa ist in der Doppelmayr-Gruppe das
Kompetenzzentrum für Standseil- und Pendelbahnen.
(Foto: BKP/Wikicommons)
Die Vorarlberger Doppelmayr-Gruppe, zu der auch das Schwyzer Unternehmen Garaventa gehört, hat sich einen riesigen Auftrag gesichert. In Mexiko-Stadt soll die Firma bis 2028 eine Seilbahn bauen, die Linie 5 mit 12 Stationen. Bei einer Gesamtlänge von 15,2 Kilometern dürfte es sich nach der Realisierung um die längste urbane Seilbahn der Welt handeln. 3000 Fahrgäste können pro Stunde effizient befördert werden, umgerechnet 340 Millionen Franken kostet das Projekt.

Mittwoch, 14. Januar 2026

Noch 45 Tage

Der Winter – hier in Oberrieden ZH – ist nicht so mein Ding.
Der sogenannte meteorologische Winter umfasst die drei Monate Dezember, Januar und Februar. Zusammen sind das 90 Tage. Heute erreichen wir den 45. Tag, stehen somit in der Mitte des Winters. Eine gute Sache, finde ich, jetzt beginnt schon die zweite Halbzeit. Ich gebs gern zu, ich bin kein besonderer Winterliebhaber. Heuer ist dies auch der Grippe geschuldet, die mich zum Jahresende gepackt hat und jetzt langsam – leider nur langsam – wieder freigibt. Aber wie gesagt: Bald ist Frühling.

Dienstag, 13. Januar 2026

Das Tessin ist mal kurz weiter weg

Derzeit gesperrt: der Gotthard-Basistunnel.
(Foto: Bundesamt für Verkehr / Wikicommons)
Plant jemand ein Tessinreisli? Eine Stunde mehr Fahrzeit einplanen! Seit gestern und bis zum 23. Januar wird das Gros des Bahnverkehrs über die alte Bergstrecke umgeleitet. Im 57 Kilometer langen Basistunnel stehen Unterhaltsarbeiten an. Nur ganz wenige Kurse, etwa die Verbindung Mailand-Zürich-Frankfurt, sind von der Sperrung ausgenommen.

Montag, 12. Januar 2026

Das schlummernde Wehr

Gewusst, welcher Fluss als einziger in der Schweiz mit einem Eiswehr ausgestattet ist? Ich las das im "Tagi" – es ist die Sihl.

Die Sihl. Das Eiswehr sieht man unten links, zur Orientierung oben rechts
in Rot die S-Bahn-Station Brunau. (Screenshot Schweizmobil
Das Sihl-Eiswehr steht auf Stadtzürcher Boden nah der Allmend Brunau und hat vier bewegliche Schützen, mächtige Metallschilder, die man absenken und so Eisschollen auf dem Wasser stauen könnte. 100 000 Kubikmeter Eis vermag das Wehr aufzuhalten, bloss kam es nie zum Einsatz, der Klimawandel macht sich bemerkbar. 1968 wurde es gebaut, damals lag die letzte Gfrörni des Zürichsees erst fünf Jahre zurück, und man ging davon aus, dass sich früher oder später auf der Sihl Eis bilden und dann die weiter flussabwärts liegende Sihlhochstrasse, die zur gleichen Zeit wie das Wehr entstand, gefährden könnte. Nun, die Sihlhochstrasse wurde nicht fertiggestellt. Warum also bricht man das schlummernde Wehr, das vom Bundesamt für Strassen finanziert und betrieben wird, nicht ab? Weil es in einer anderen Art Notfall helfen könnte: wenn Schadstoffe im Wasser Richtung Zürich treiben. Mit anderen Worten: nicht ausgeschlossen, dass die Schützen doch einmal aktiviert werden.

Sonntag, 11. Januar 2026

Paris fährt Seilbahn

Die neue Seilbahn. (Screenshot)
Am südlichen Rand von Paris sind einige Vororte seit kurzem mit einer Seilbahn verbunden; bei einer Strecke von 4,5 Kilometern soll es sich um Europas längste urbane Seilbahn handeln. Kurz vor Weihnachten eröffnet, führt sie mit ihren 105 barrierefrei zugänglichen Gondeln die Leute, die in der betreffenden Agglozone wohnen, effizient zum Anschluss ans städtische Metronetz, pro Tag wird mit 11'000 Passagierinnen und Passagieren gerechnet.

Samstag, 10. Januar 2026

Fauler Bauer

Beim Schochengäbris in der Nähe des Gäbris.
Mal wieder ein bisschen Namenskunde, ich mag das halt. Als wir vor wenigen Wochen vom Gäbris nach Bühler abstiegen, kamen wir beim Schochengäbris vorbei. Ich schaute nach, was der Flurname bedeutet, was mich umso mehr interessierte, als der Familienname Schoch in Ausserrhoden häufig vorkommt; unvergessen unser mittlerweile verstorbener FDP-Politiker Otto Schoch, der den Kanton im Ständerat vertrat. Zurück zur Namensdeutung: Ein Schoch ist entweder ein Bauer, der Heuhaufen anlegt, Schochen. Oder aber, auch das meint Schoch, ein gutmütiger, etwas fauler Bauer.

Freitag, 9. Januar 2026

Ich riech' ihn schon

Die Siedlung Winkelhalden in Oberrieden ZH ("anders wohnen im Alter") ist ein Ort, an dem die Leute, viele davon fortgeschrittenen Alters, sich in allerlei gemeinschaftlichen Aktivitäten und Komitees engagieren. Auch eine eigene Kultur-Veranstaltungs-Reihe haben sie, den "Salon im Winkel". Diesen Sonntag bin ich dort zu Gast, stehe der Fernsehjournalistin und Dokfilmerin Christa Miranda Red und Antwort. Nach der Matinée gibts Brunch - ich rieche ihn schon, den Butterzopf. 

Donnerstag, 8. Januar 2026

Oltens Jüngling


Wie kaum ein anderes Kunstwerk prägt dieses das Oltner Stadtbild. "Remonte!" findet sich auf der Altstadtseite der Bahnhofbrücke, der Name bedeutet "Steig wieder auf!", freilich scheint sich der Jüngling mit dem Wieder-Aufsteigen schwer zu tun, das Pferd benimmt sich widerspenstig. Von Otto Charles Bänninger stammt die Bronzeplastik von 1961 und war in ihren Anfängen umstritten. Es gab Leute, die störten sich daran, dass der Jüngling nackt war. Und dass seine Gesichtszüge abstrahiert waren. Womöglich ging es aber auch darum, dass die örtlichen Behörden vorerst einen Bildhauer aus der Region auserkoren hatten, diesen zentralen Ort zu bestücken, bis nach einigem Hin und Her doch ein Wettbewerb ausgeschrieben wurde. Den gewann Bänninger. Ein Zürcher. Aber das ist alles vergangen, vergeben, vergessen. Heute ist "Remonte!" akzeptiert. Die Skulptur, die ich kürzlich fotografierte, würde einem fehlen, wenn sie nicht dastünde.

PS: Der Führer "Kunst in Olten" listet 83 Kunstwerke in der Stadt auf und schlägt fünf Spaziergänge vor, auf denen man sie kennenlernt. Er ist gratis beziehbar und auch herunterladbar – toll und vorbildlich, liebes Olten.

Mittwoch, 7. Januar 2026

Zollikons Wolfsgarn

Hier kam einer durch. (Foto: U.S. Fish
and Wildlife Service / Wikicommons)


Oswald Renner, damals Pfarrer in Greifensee, schildert die Wolfsjagd von 1594 in drastischen Bildern. Hunderte Männer treiben den Wolf aus der Gegend von Winterthur Richtung Zürichsee, mehrere Tage dauert die Hatz, auf der Flucht soll das Tier einige Kinder gerissen haben. Bis es sich schliesslich in Zollikon im aufgespannten Garn verheddert und getötet wird. Eine Delegation präsentiert den Menschenfresser umgehend dem Zürcher Bürgermeister und kassiert eine dicke Prämie. Die Begebenheit ist im "Zolliker Jahrheft" 2025 erzählt samt dem Detail, dass das alte Wolfsgarn – solche Fangnetze waren bis zu 100 Meter lang – noch 1830 auf dem Dachboden des Restaurants Rössli in Zollikon gelegen habe. Mitterweile ist es verschwunden.

Dienstag, 6. Januar 2026

26 in 24

Blogger Harris in Aktion. (Youtube)
Heute mal wieder ein Video, eines mit sehr schönen Bildern aus der Schweiz. Der amerikanische Blogger Johnny Harris – 7,36 Millionen Menschen folgen ihm – lässt sich von der SBB einladen und darf eine Woche lang gratis durch unser Land reisen. Gegen den Schluss zu formuliert er eine anspruchsvolle Challenge: in 24 Stunden mit dem ÖV alle 26 Kantone berühren. Schafft er es? Nun, man schaue selber. Ich verrate nur soviel: Es gibt unterwegs dann doch Komplikationen. Und noch ein Tipp für die, die sich nicht die ganzen 43 Minuten Video anschauen wollen, in denen so nebenbei die ganze Bahngeschichte der Schweiz zusammengefasst wird: Die eigentliche Challenge beginnt in der Minute 25.

Montag, 5. Januar 2026

Das Ybrig hat einen Gletscher

Mein "Schweizmobil"-Screenshot zeigt rechts das Gebiet der Wannenalp.
Die Infotafel beim Loch. (Foto: Schwyz Tourismus)
So ein Eisloch ist doch immer faszinierend. Vor längerem besuchten wir im Neuenburgischen die Glacière de Montlési, stiegen über eine Leiter hinab in den Kessel mit dem Minigletscher. Nun, auf der Wannenalp im Ybrig, Kanton Schwyz, gibt es auch ein solches Loch, das ganzjährig Eis enthält. Letztes Jahr wurde dort im Juli eine Infotafel enthüllt, las ich kürzlich und nahm mir den Ort auf 1700 Metern als Ausflugsziel vor. Auch wenn man als Wanderer nur von einer gesicherten Plattform ins Loch in 25 Metern Tiefe spähen kann, nicht aber es betreten. Über Jahrzehnte nutzte offenbar der mittlerweile verstorbene Älpler die Eisgrube als Kühlschrank und lagerte in ihr seine verderblichen Waren in einem Kessel, den er bei Bedarf mit einem Seil hochhievte.

Sonntag, 4. Januar 2026

Das Ding auf meiner Brust


Antike Wärmflaschen aus Terrakotta, die auf einzelne Körperteile
zugeformt sind. Wie man sie verschloss, weiss ich nicht; ich nehme
mal an, mit einem Korken. Ausgestellt sind die 2000 Jahre alten
Flaschen im Archäologischen Bezirksmuseum in Paphos auf Zypern.
(Foto: Hermann Junghans / Wikicommons)
Ich bin daran, mich nach der Grippe wieder hochzurappeln, gar nicht so einfach, es dürfte noch ein paar Tage dauern, bis ich wieder ganz gesund bin. Wertvolle Dienste leistet mir auch diesmal meine Bettflasche, die ich mir ein bis zweimal pro Tag auflege. Während ich kürzlich so auf dem Sofa ruhte, fragte ich mich, was für eine Geschichte das Ding auf meiner Brust eigentlich hat. Nun, schon in der Antike gab es Wärmflaschen, solche aus Terrakotta. In den letzten Jahrhunderten kamen Flaschen aus allen möglichen Materialien zum Einsatz, aus Zink, Messing, Aluminium, Glas, Steingut. Aus Kupfer waren jene Wärmflaschen, die offenbar in der Frühzeit der Eisenbahn den Passagieren und Passagierinnen mitgegeben wurden, als die Züge noch ungeheizt waren; in den Bahnhöfen gab es damals Wärmeflaschentauscher, Bahnmitarbeiter, die während des Haltes die erkaltete Kupferflasche gegen eine heisse eintauschten. Heutzutage hat sich als Standardmaterial Gummi durchgesetzt, auch meine Bettflasche ist aus Gummi.

Samstag, 3. Januar 2026

Hütet euch in Visp (II)

Wichtiger Umsteigeort: der Bahnhof Visp.
(Foto: Daniel Reust / Wikicommons)
Unter dem Titel "Hütet euch in Visp" schrieb ich hier vor langem, dass die Perrons des Visper Bahnhofs und auch die Abgänge in die Unterführung eng sind – zu eng angesichts der Massen von Menschen, die hier in Stosszeiten umsteigen. Vor gut zwei Wochen gabs einen Zwischenfall, der das belegt. Der Walliser Onlinedienst pomona.ch berichtete darüber, wie ein älterer Mann auf dem Perron in Visp im Getümmel von einem Rollkoffer derart heftig gerammt wurde, dass er aufs Gleis stürzte. Umstehende Reisende hievten ihn wieder auf sicheren Boden, kurz darauf fuhr auf diesem Gleis der Zug nach Genf ein. Der Mann, stellte sich heraus, hatte sich beim Sturz einen Milzriss mit starken inneren Blutungen zugezogen, er musste notoperiert werden. "Zwischen Treppenaufgängen, Rollkoffern und entgegenkommenden Personengruppen wird es eng – manchmal gefährlich eng", steht im Artikel zu lesen. Genauso ist es.

Freitag, 2. Januar 2026

Zweimal Erinnerung

Das Kreuz von Deinikon und der Milchsuppenstein.
Das Gelände westlich des Albis wurde nach der Reformation zur Kampfzone, hier stossen bis heute katholisches und reformiertes Land aufeinander. Der Erste Kappelerkrieg (benannt nach der Ortschaft Kappel am Albis ZH) endete 1529 ohne Kampfhandlungen, angeblich verspiesen die Krieger beider Seiten gemeinsam eine chüschtige Milchsuppe und zogen dann wieder heim. Historisch ist dieses Ereignis nicht, aber es liefert ein starkes, bleibendes Bild. 1931 wurde auf der Anhöhe beim Baarer Rüteli auf der Kantonsgrenze Zug–Zürich ein Gedenkstein aufgestellt, damit hat der nicht lokalisierbare Mythos einen Ort bekommen. Letzte Woche kamen wir wieder einmal dort durch und machten Pause. Neu war uns eine andere Gedenkstätte, die wir zuvor besucht hatten, sie liegt, vom Milchsuppenstein Richtung Baar geschaut, weiter unten bei der Ortschaft Deinikon. Dort steht seit 1931 das sogenannte "Friedenskreuz". Als der Zweite Kappelerkrieg von 1531 zu Ende war – schwere Niederlage der Reformierten, Tod des Zürcher Reformators Zwingli –, wurde hier der natürlich den Interessen der siegreichen Innerschweizer zudienende Friedensvertrag unterzeichnet. Das ist belegt.

Donnerstag, 1. Januar 2026

Lichtblick

Am Tag vor Silvester hat mich eine heftige Grippe ereilt mit allen, wirklich allen Zutaten. Und so musste ich gleich drei Verabredungen absagen, die mir wichtig sind, darunter auch die traditionelle Neujahrswanderung meines Grüpplis. Bis Ende Woche bleibe ich im Bett. Respektive auf dem Sofa. Gestern erhielt ich einen Krankenbesuch, der mich sehr freute: Die Sonne, die sich wochenlang rar gemacht hatte, schien mir in die Stube. Sehr schön war das.

Allen  ein gutes neues Jahr.