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Freitag, 30. Januar 2026

Das Bachduell

Dieser Tage lese ich das letztes Jahr erschienene Buch «Die Reuss. In der Mitte der Schweiz und ihrer Geschichte". Es diskutiert unter anderem die Frage, welcher unter den diversen Quellbächen der Reuss der wichtigste ist, also sozusagen DIE Quelle der Reuss. Bis in die frühe Neuzeit schien die Sache klar: Die Gotthardreuss galt als Reussquelle, denn man schaute den Gotthard als Herz der Alpen an. Als Zentrum. Als Ort des Ursprungs der Dinge. Als Mitte. Später verbreitete sich die Ansicht, die Furkareuss sei wichtiger und der eigentliche Quellfluss. Da war aber auch noch der Mönch und Alpenforscher Placidus a Spescha aus dem Kloster Disentis, 1752–1833. Für ihn lag der Anfang der Reuss in der Witenwasserenreuss, die bei Realp in die Furkareuss einmündet. A Spescha könnte recht haben, findet Buchautor Jean-Daniel Blanc. Erstens führt die Witenwasserenreuss mehr Wasser als die Furkareuss. Zweitens, das macht sie bedeutend, kommt sie von einer Dreifach-Wasserscheide, wo die Einzugsgebiete der Reuss, der Rhone und des Ticino aufeinanderstossen.  Ein dritter Grund ist mittlerweile hinzugekommen: Aufgrund des Rückzuges des Witenwasserengletschers ist der Bach, den er entlässt, signifikant länger geworden. Interessant, dieses Quellbachduell.

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