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Sonntag, 14. August 2011

Der liebe Elefant vom Adlisberg

Seit 1898 bläst der Elefant nun schon Wasser.
Im Osten Zürichs fliesst am Fusse des Adlisbergs der Stöckenbach durch ein Tobel, das der Wanderer von heute als malerisch empfindet - wenigstens ging es mir diese Woche so. Mitten im Bachbett erblickte ich den legendären Elefanten aus Beton, von dem ich schon viel gehört hatte. Er ist seit mehr als einem Jahrhundert der Liebling aller Stadtkinder, die gern auf ihm reiten oder sich unter den Bogen des Wasserstrahls stellen, der aus seinem Rüssel spritzt. Das Tier wurde 1898 geschaffen auf Initiative eines Verschönerungsvereins, und es wurde "Dschumbo" getauft nach dem legendären Elefanten, der ab 1865 lange Jahre brav Besucher auf seinem Rücken durch den "London Zoo" trug. Der Stöckenbach heisst im Volksmund übrigens Elefantenbach; doch wer nun meint, der Betonelefant habe mit seinem Charisma dem Bach sozusagen einen neuen Namen verschafft, der irrt. Umgekehrt. Schon 1830 war der Name "Elefantenbach" im Umlauf, man vermutet, dass daran einige entsprechend geformte Felsen schuld sind. Es war dann der Name des Baches, der den pensionierten Bauunternehmer und Quästor des Verschönerungsvereins inspirierte, einen Elefanten zu realisieren. Ein Geniestreich, wenn man die Beliebtheit des Ortes bis heute zum Masse nimmt.

Und hier eine Variante, wie man im Rahmen eines Sonntagsspazierganges in einer halben Stunde hinkommt: Tram 11 bis Haltestelle Burgwies. Links (Fahrtrichtung Tram stadtauswärts) dem Wanderwegweiser Richtung Werenbachtobel folgen, doch nicht ins Werenbachtobel, sondern weiter oben links in den Stöckentobelweg biegen. Nun alles dem Bach entlang, wobei man die Witikonerstrasse in einem Fussgängertunnel unterquert. Viel Spass! Und liebe Kinder, seid lieb zum Elefanten, denn er ist alt!

Samstag, 13. August 2011

Auf dem Pragelpass ist auch eine Parade

Grossanlass: Pragelschiessen 2010. (Screenshot Homepage)
Man überlegt sich, wo man am Tag der Streetparade wandern will - und kommt auf den Pragelpass. Man lädt darauf das Grüpplein ein, Abfahrt ab Zürich Richtung Luzern 8.04. Doch dann merkt man im letzten Moment, dass auf dem Pragelpass just am 13. August (und am 14. dazu) auch eine Art Streetparade stattfindet, die noch lärmiger ist als die in Zürich: das Pragelschiessen, grösstes Bergschützenfest der Schweiz. Und deshalb wandern wir heute am Südrand des Kantons St. Gallen, im Gebiet des Spitzmeilen.

Freitag, 12. August 2011

Der Alternativlift

Solarpanels direkt über dem Schleppseil: Geplanter Lift in Tenna GR.
Die Konzession des alten Skilifts von Tenna im Bündner Safiental läuft heuer aus. Und jetzt hat man die Baubewilligung für einen neuen Lift erhalten. Bereits im Dezember soll er eingeweiht werden - und es soll der weltweit erste Solarskilift sein. Die Panels werden direkt über dem Schleppseil angebracht und sind schwenkbar. Auf Facebook gibt es eine Fanpage, und sogar 3Sat hat darüber berichtet. Ich bin nun gespannt, ob das Ding funktioniert und rentiert. Und wenn ich grad noch ein wenig aus Wanderersicht stänkern darf: Das Problem an jedem Skilift ist, dass er die Landschaft verschandelt und die Böden kaputt macht. Nun halt mit Solarstrom.

Donnerstag, 11. August 2011

Pragelbus R.I.P. - Anatomie eines Todesfalles

Kein ÖV mehr zur Pragelkapelle. WikiCommons/Fred
Beim Rekognoszieren einer Pragelpass-Wanderung stellte ich fest: Oh, der Pragelbus ist nicht mehr! Besser informierte Wanderer haben das vielleicht gewusst. Ich aber habe die Stillegung der Linie, die genau zwei Saisons (2008 und 2009) Klöntal und Muotatal verband, offenbar verpasst. Ein Bericht der "Südostschweiz" erklärt die Sache so: Mit den Kleinbussen à 14 Plätze beförderte man im ersten Jahr 2800 und im zweiten 3400 Leute und produzierte je ein Defizit von 80 000 Franken. Der Gemeinde Muotathal als Hauptzahlerin war das zuviel, sie zog sich zurück. Betriebswirtschaftlich wäre es schlau gewesen, auf grössere Busse zu setzen, um bei nur wenig höheren Kosten viel mehr zahlende Gäste befördern zu können; das Potenzial für mehr Passagiere war da. Doch das wiederum ging nicht. Denn der Kanton Schwyz als Besitzer der Pragelstrasse fand, diese sei für diese grösseren Busse nicht geeignet. Und so kam es zum Tod einer guten Sache.

Mittwoch, 10. August 2011

Hölzerne Baumfällung


Mein Leibblatt, der "Zolliker Bote", berichtet über eine anstehende Baumfällung an der Rebwiesstrasse in Zollikon. Mir scheint das eins zu eins aus dem Forstverwaltungs-Communiqué abgeschrieben, hölzern, wie es klingt:
Bei Windeinfluss sind die drei 25 bis 30 Meter hohen Kanadischen Pappeln infolge hoher Astdichte und extremer Ausladung von Stark- und Grobästen an der Kronenperipherie einer enormen Drucklast ausgesetzt. Damit verbunden sind markante Bewegungen dieser Kronenteile mit einer entsprechenden Gefährdung der Stabilität mit Astbrüchen oder Astrissen.

Dienstag, 9. August 2011

Von einem genussreichen Autofährtli

Auf der langen Strassenrampe Richtung Klausen-Passhöhe.
Gerade weil ich selber nicht autofahren kann und will, liebe ich ein Passfährtli dann und wann. Kürzlich chauffierte mein Bruder mich und meine Eltern im Regen über den Klausen. Wir assen zuvor in Flüelen im "Urnerhof" zu Mittag, stoppten oben auf dem Pass kurz, tranken auf dem Urnerboden Kaffee. Dann gings wieder heim. Und natürlich deckte ich meine Mitpassagiere mit Wander-Reminiszenzen ein: Hey, schaut mal, dort hinten beim Wasserfall von Äsch waren wir vor zwei Wochen! - Hey, schaut mal, dort oben ist das Firnerloch; durch diese Geröllhalde bin ich letztes Jahr abgestiegen! - Hey, schaut mal, da vorne geht es links Richtung Braunwald; das haben wir vor zwei Jahren mal gemacht, der Gugelhopf im Nussbüel ist super! Der Wanderer schaut das Gelände anders an. Er hat es sich durch Bewandern anverwandelt und zu seinem Eigen gemacht. Es ist voll mit seinen Erinnerungen, also mit ihm selber.

Montag, 8. August 2011

Opfer des Patriarchats

Am Altmann passierte dem Bock das Malheur.
Eine hübsche Tiergeschichte mit glücklichem Ausgang hat eben das "St. Galler Tagblatt" gebracht: Im Alpsteingebiet entdeckt ein Wanderer am Weg von der Zwinglihütte zum Altmann in einer Grube einen Steinbock. Tags darauf ist der Steinbock immer noch gefangen, aus eigener Kraft kommt er nicht hinaus. Fünf Männer besammeln sich, darunter der Wildhüter, der dem gut 80 Kilo schweren Bock eine Beruhigungs-Spritze ins Fleisch schiesst. Dann hievt man das Tier an einem Seil aus der Grube - es ist wieder frei. Doch wie ist es überhaupt hineingefallen, Steinböcke sind doch Kletter- und Balancierspezialisten? Offenbar während eines Kampfes, ein Rivale schubste es ins Felsloch. Was wieder einmal beweist, wie dumm und destruktiv doch die Rituale des Patriarchates sind, gell.