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Donnerstag, 9. Januar 2014

Die Snöberhorde und der Widmer

Rechts hebe, rechts hebe! Gleich kommt eine schlimme Kurve.
Die Druesberghütte. Hinten Biet und Schülberg. Glaube ich.
Falls es jemand sicher weiss, bitte melden. Danke.
Die Mittwochswanderung war so kurz wie grossartig. Mein Gspändli M. hatte am frühen Morgen leider abgesagt. Zusammen mit einer Horde blassgesichtiger, zum Teil biertrinkender, in ihren Bajass-Gwändli seltsam verhutzelt wirkender Prä-Bartwuchs-Snöber fuhr ich von Einsiedeln in die Weglosen. Die Snöber gwaggleten mit ihren Brettern zur Hoch-Ybrig-Bergbahn, als seien sie frisch hüftgelenk-operiert. Und ich zog auf dem Alpsträsschen los und war sofort allein; nun gut, da waren noch zwei, drei Tourenskifahrer, aber die waren auf ihren Fellen langsamer als der Widmer. 550 Höhenmeter und knapp zwei Stunden später langte ich gegen elf Uhr oben bei der Druesberghütte an. Ich war der einzige Gast, das Gas-Cheminée war angefeuert, es herrschte eine umwerfende Gemütlichkeit; ich mag diese Hütte sehr, sie ist sauber, hell, totalpositiv. Nach der Einkehr dann ratterte ich mit dem Mietschlitten wieder zu Tal. Das war gefährlich, die Piste war gegen unten vereist und gleichzeitig mit aperen Stellen und Steinen durchsetzt. Vom heftigen Bremsen zwicken mir, während ich dies schreibe, die Kniebänder. Nichts, was Voltaren Dolo nicht richten könnte; hey, Leute, das war eine grosse kleine Unternehmung!

PS: Ah, ja, noch ein Detail. Die Druesberghütte ist angeschrieben mit "Druesberghütte Plus". Ich fragte die Hüttenfrau, was das "Plus" bedeute, sie antwortete: "Mit dem Plus ist unser Anbau gemeint."
Schöne Trias (v.l.): Twäriberg, Druesberg, Forstberg.

Mittwoch, 8. Januar 2014

Plan C

September 2012, Kotelett und Rösti
in der formidablen Druesberghütte SZ.
Eigentlich wollten wir heute von Hinterrhein nach Sufers winterwandern. Vorsichtshalber rief ich bei der Tourismusstelle an, denn die Anreise dort hinauf dauert. Die Frau sagte, der Weg sei zurzeit leider teilweise gesperrt, Lawinengefahr. Daraufhin fand ich, man könnte endlich einmal vom Aroser Weisshorn zum Prätschli laufen. Doch auch dieses Vorhaben kommt nicht zustande; der Winterwanderweg sei derzeit nicht offen, ergab ein zweiter Anruf. Nun fahren wir stattdessen in den Talkessel des Hoch-Ybrig. Von der Postauto-Endstation Weglosen kann man in zwei Stunden zur gut 500 Meter höheren Druesberghütte aufsteigen, das Strässlein ist gepfadet, die Hütte offen. Ich ass dort im Herbst vor einem Jahr ein unglaublich gutes Kotelett mit Rösti. Freilich will ich mich diesmal mässigen, ich möchte ein wenig abspecken - ein Süpplein solls für einmal tun.

Dienstag, 7. Januar 2014

Valkenträger und Grautener

Lese gerade "Zu Fuss. Eine Geschichte des Gehens" von Johann-Günther König. Ein erschütternder Gedanke aus dem Mittelteil des Buches: In wirtschaftlich schwierigen Zeiten, so nach der Grossen Pest oder dem Dreissigjährigen Krieg, lebte mehr als ein Zehntel der deutschen Bevölkerung auf der Strasse. Um 1600 dürften es gut zwei Millionen Menschen gewesen sein. Ein Teil davon waren Wanderarbeiter, Gewerbler und Tagwerker, Scherenschleifer und Kesselflicker. Dazu kamen Vagabunden, Bettler, Landstreicher. Selbst gebrauchte Kleidungsstücke, die damals den Gegenwert eines Monats Lohnarbeit kosteten, waren für sie unerschwinglich; kam der Winter, starben sie zuhauf an der Kälte, an Erkältungen, an der Erschöpfung. Der grosse Kulturhistoriker Egon Friedell beschrieb den Menschenmix von damals auf den Strassen und Pfaden in seinem eloquenten Stil so:
"Mönche und Nonnen, Scholaren und Handwerksburschen, Söldner und Klopffechter, Begharden und Beghinen, Geissler und Spielleute, Hausierer und Schatzgräber, Zigeuner und Juden, Quacksalber und Teufelsbeschwörer, heimische Wallfahrer und Jerusalempilger: die Palme tragend, zum Zeichen, dass sie aus dem gelobten Land kamen; zahllose Bettler-Spezialitäten: die Valkenträger, die den blutig angestrichenen Arm in der Binde trugen, die Grautener, die sich epileptisch stellten, die falschen Blinden, die Mütter mit gemieteten verkrüppelten Kindern und noch vielen anderen Sorten; alles erdenkliche Variétévolk, die sogenannten Joculatores: Akrobaten, Tänzer, Taschenspieler, Jongleure, Clowns, Feuerfresser, Tierstimmenimitatoren, Dresseure mit Hunden, Böcken, Meerschweinchen..."

Montag, 6. Januar 2014

Die Speisung der Wanderer

Der Grilleur von Hombrechtikon rettet die Hungrigen.
Eine von vielen Villen am Weg.
Es war einfach alles zu am Samstag in Hombrechtikon. "Gehen Sie zur Linde, die Linde hat sicher offen", riet uns, als wir schon leicht verzweifelt waren, ein Handwerker. Die Linde war auch zu. Schliesslich entdeckten wir vor dem Volg einen Wurstbrater und kauften uns eine Wurst. Die war gut, ich hatte Kalb, Rita Schwein. Ein Bier gab es dann halt erst am Schluss des Viereinhalbstünders in Esslingen. Dort befanden wir, dass das eine tolle Sache gewesen war: aus dem Häusergewirr von Rapperswil Flucht auf die Villenanhöhe des Meienbergs. Hernach alles vorwärts über Balm und Schwösterrain zum Lützelsee. Daselbst der Abstecher nach Hombrechtikon. Und dann weiter über Dändlikon und die Summerau nach Esslikon. Die 20 Kilometer waren ein Föhn-Schnäppchen: Derweil es in Zürich bereits regnete, genossen wir die milde Luft und den Blick auf das Sonnenfenster über Glarus und der Innerschweiz. Es war wunderbar von A bis Z - samt der mirakulösen Speisung der Wanderer durch den Bratwurstgrilleur von Hombrechtikon.
Föhn gegen das Glarnerland zu.

Sonntag, 5. Januar 2014

Sommerziel Schlaubetal

Hübsch oder? Der Klautzkesee in der Region Schaubetal.
(Wikicommons/ Juttrzad)
Vor einiger Zeit ist mir eine 84-seitige Broschüre zugegangen. Man kann sie auch direkt aus dem Internet herunterladen, sie heisst "Wanderbares Deutschland". Unter diesem Label fungieren beliebte und bekannte "Qualitätswege" (huch, schon wieder ein Label). Ihre Namen machen Lust aufs Hingehen und Wandern, es gibt einen Harzer Hexen-Steig, einen Goldsteig, einen Heidschnuckenweg, einen Nibelungensteig und sogar einen Urwaldsteig (am Edersee). Ich glaub, da muss ich hin. Oder soll ich zuerst den Schlaubetal-Wanderweg...? Wo zur Hölle ist das Schlaubetal? Weiss es jemand? Jawohl, in Brandenburg, gut 80 Kilometer von Berlin entfernt! Wäre doch ein Sommerziel.

Samstag, 4. Januar 2014

Saddam, Jelzin und der Förster

Heute wird gewandert, jawoll. Aber nicht allzu lang und weit, weil ich am frühen Abend mit meinem alten Freund B. verabredet bin, einem Zürcher Journalisten, der hernach mit der Familie für einige Monate nach Amerika reist; wir wollen den Abschied gebührend feiern mit einem guten Essen und einer guten Flasche Wein. Die moderate Route, die ich für heute herausgesucht habe: von Rapperswil via Lenggis und Hombrechtikon nach Esslingen. Vielleicht gar nicht so schlecht, wenn wir ausnahmsweise nur vier statt sechs oder so Stunden samstagswandern. Das Wetter droht, sich mies zu betragen.
In Kerzers haben sie lustige Strassennamen.

PS: Ein Nachtrag zur Wanderung vom Neujahrstag, die ja in Kerzers im Kanton Freiburg begann. Der Name Kerzers kommt von lateinisch "ad carcerem". Dies bedeutet entweder "beim Kerker" oder aber, etwas harmloser, "bei der Umzäunung". 
PS 2: Gestern widmete ich mich einer Thurgauer Scheune, auf der ein seltsamer Spruch steht. Darauf bekam ich ein Mail von meinem jungen Ressortkollegen Mario, der in der Nähe von Frauenfeld aufgewachsen ist: "Smarte Sprüche an Holzwänden haben bei uns Tradition. In unserem Dorf hing jahrelang folgender Spruch an einer Holzbeige im Wald: 'Öl vom Saddam, Gas vom Jelzin, Holz vom Förster.'"

Freitag, 3. Januar 2014

Thurgauer Tautologenpoesie

Okay, es gelte der benefit of the doubt. Nehmen wir also gütig an, die Zeile, die wir vor wenigen Tagen auf der Wanderung von Aadorf nach Frauenfeld an einer Scheunenwand antrafen, meine, dass im Thurgau die Wälder besonders holzreich sind. Aber irgendwie klingt der Slogan einfach ein wenig deppert. Eben doch reichlich tautologisch. Wie wärs mit: "O Genf, dein See voll Wasser". Oder mit: "O Bündner Berge voll Stein".