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Montag, 14. April 2025

Verlängerung

Impression von der Samstagswanderung: ruhige Szenerie im Ägerital. 
Die Verenakapelle oberhalb von Zug.
Wenn schon Beton, dann gern farbig: an der Seepromenade in Zug.
Am Samstag machten wir, mit Start in Unterägeri, die Etappe 9 des Schweizer Alpenpanorama-Weges. Die Sache ist ein wenig seltsam, diese Etappe hinab nach Zug braucht nur gerade etwas über drei Stunden Gehzeit. Dafür ist die anschliessende Etappe 10 von Zug über das Michaelskreuz nach Luzern bei fast acht Stunden übermässig lang. Wir korrigierten das Missverhältnis in der offiziellen Vorgabe, indem wir Etappe 9 verlängerten und von Zug via Cham weiter nach Buonas gingen; insgesamt brauchten wir von Unterägeri hierhin sechs Stunden. An Ostern geht es weiter, wenn das Wetter mitmacht, fünf Stunden sind veranschlagt für den Weg von Buonas nach Luzern.

Sonntag, 13. April 2025

Der Dorfarzt und das schluchzende Mädchen

Die heutige Landeskarte mit dem Dreikantonseck AG-BL-SO
östlich von Anwil BL. (Schweizmobil, Screenshot)
Ein politisch-geografisches Kuriosum: In der Schweiz gab es bis 1931 einen langgezogenen, dreiecksförmigen Spickel Land mit einer Fläche von 6300 Quadratmetern, der keinem der drei angrenzenden Kantone Aargau, Basel-Landschaft und Solothurn gehörte und auch keiner der in Frage kommenden Gemeinden Wittnau AG, Anwil BL und Kienberg SO. Man sprach vom "Heimatlosenplatz", auch die Namen "In der Freyheit" und "Vagantenplatz" kursierten. Durch eine Bereinigung verschwand 1931 die sozusagen staatenlose Fläche, es entstand ein Dreikantonseck mit einem Grenzstein, auf der heutigen Landeskarte erinnert der Flurname "Heimetlosespitz" an früher. Einst hielten sich an dem ziemlich abseitigen Ort Menschen ohne festen Wohnsitz auf, Flüchtige, Vertriebene, Fahrende. Wem dies zu abstrakt ist: Christian Rippmann, Dorfarzt im nahen Rothenfluh, führte Tagebuch. Sein Eintrag vom 20. Juni 1838 erzählt eine Geschichte, die weh tut. Sie beginnt damit, dass ein in Lumpen gekleidetes Mädchen von vielleicht 16 Jahren "keuchend und schluchzend" bei ihm vorspricht. Wie es weitergeht, liest man hier.
Vor (oben) und nach der Gebietskorrektur,
die den Heimatlosenplatz 1931 abschaffte.
(Swisstopo, Zeitreise)

Samstag, 12. April 2025

Rudererduo und Solosegler

Drei Männer in zwei Booten: die Wappen von Oberägeri (l.) und Unterägeri. (Wikicommons)
1714 teilt sich die Zuger Talgemeinde Ägeri in zwei separate Pfarreien. 1798, als die alte Eidgenossenschaft nach der Invasion der Truppen Napoleons zusammenbricht, spaltet sich Ägeri vollständig auf in Oberägeri und Unterägeri. Witzig finde ich, wie sich die Wappen der bis heute bestehenden Gemeinden, die auf das frühere Talwappen zurückgehen, gleichen und doch unterscheiden. Beide nehmen sie das Thema Wasser auf, schliesslich liegen die zwei Orte am Ägerisee. Die Gemeinde Oberägeri zeigt in ihrem Wappen die Apostel Petrus und Paulus in einem Boot und verweist somit auf die Pfarrkirche, deren Patrone Petrus und Paulus sind. Im Wappen von Unterägeri ist der See sozusagen dynamisiert, er hat Wellen. Der Mann im Boot ist kein Heiliger, sondern irgendein Mensch, es fehlt der Heiligenschein. Er hat es jedenfalls schöner, braucht nicht zu stehen und zu rudern, sondern bedient bequem sitzend das Ruder eines Segelbootes. Wind hat es, das Segel mit dem Kreuz ist gebläht. Ob die realen Unterägerer und -ägerinnen es gemütlicher nehmen als die Leute von Oberägeri? Falls ich heute entsprechende Beobachtungen mache, gebe ich es durch, wir gehen nämlich ein weiteres Stück auf dem Schweizer Alpenpanorama-Weg. Start ist in Unterägeri.

Freitag, 11. April 2025

Das Bergrefugium

Das Tor und ein Teil der Mauer auf dem Wittnauer Horn.
Die Mauerreste aus der Nähe.
Die Befestigung auf dem Horn, in Blau die Mauer mit dem Tor.
(Plakat der Aargauer Kantonsarchäologie vor Ort)
Auf dem Wittnauer Horn leitet ein historischer Wegweiser in Braun direkt in die Vorzeit. Ein schmaler Pfad, 150 Meter lang, dann ist man da – und ist verblüfft. Der langgezogene Gipfelsporn war einst mit einer Mauer abgetrennt, zu der auch ein Tor gehörte; beides, Mauer und Tor, sind in durchaus imposanten Resten noch vorhanden. Die Datierung ist umstritten, die Befestigung könnte aus der Römerzeit stammen, Mitte 3. Jahrhundert nach Christus, in jener Epoche war das Imperium vermehrt dem Ansturm germanischer Stämme von Norden ausgesetzt. Oder wurde die Mauer erst im 8. Jahrhundert gebaut? Möglich ist auch eine Mischung beider Versionen, die Anlage könnte römisch gewesen und später verstärkt worden sein. Bemerkenswert ist auch, dass sich an diesem gut sicherbaren Ort schon seit der Jungsteinzeit Menschen verschanzten. Lange vor Christi Geburt bauten sie einen Wall aus Erde und Holz, einen Vorwall gabs auch – die Mauer aus Stein kam erst später. Das Wittnauer Horn war über Tausende Jahre ein Refugium.

Donnerstag, 10. April 2025

Bise und Blust

Auf der Wegenstetter Fluh, unten Wegenstetten, mein Wanderziel.
Bluescht bei Widnau, wo ich startete.
Das einzig Unangenehme an meiner Montagswanderung im Fricktal können meine Fotos nicht zeigen. Es war die Bise, die mir zusetzte und die ich nicht loswurde, auch nicht während der Rast bei der Buschberg-Kapelle. Ansonsten war das eine grossartige Route, auch schien die Sonne, und Bäume im Blust schmückten die Landschaft. Ich startete in Wittnau. Hielt auf das Wittnauer Horn zu. Machte freilich auf halber Höhe nah der Lourdesgrotte einen Abstecher zum Martinsbrunnen (Eintrag von gestern). Kehrte auf einem nicht signalisierten Verbindungsweg unter Überkletterung einiger umgestürzter Bäume zurück zum Wanderweg. Erreichte kurz darauf besagtes Horn, dessen Attraktion ein prähistorischer Fluchtort ist, er verdient einen eigenen Eintrag. Es folgte kurz darauf ein zweiter Abstecher zu einem Findling, der vor gut 200 000 Jahren auf einem Gletscher aus dem Wallis angeritten war. Etwas später rastete ich, wie erwähnt, bei der Buschberg-Kapelle, die hübsch einsam auf einer weiten Hochfläche steht. Stieg dann ab nach Wegenstetten, wobei ich mir freilich bald einmal einen dritten Abstecher leistete zur Wegenstetter Fluh; von ihr ist die Aussicht toll, zu Füssen hat man Wegenstetten. Dreieinviertel Stunden dauerte insgesamt, die Pause nicht mitgerechnet, meine Wanderung bei 385 Höhenmetern aufwärts und 355 Höhenmetern abwärts; als am Ende in Wegenstetten der Bus kam, war ich glücklich mit dem Erlebten. Und froh, der Bise zu entkommen.
Baumstamm-Mikado oberhalb des Martinsbrunnens.

Einsam auf weiter Flur: die Buschberg-Kapelle. Auf dem Bänkli rastete ich.

Der Findling, der aus dem Wallis kam.


Mittwoch, 9. April 2025

Ich war ein Held

Der Martinsbrunnen nördlich unter dem Wittnauer Horn. Auf der kleinen Plakette steht: "Kein Trinkwasser."

Das Wasser des Martinsbrunnens macht toll, heisst es. Am Montag stieg ich von Wittnau, einem Dorf im Fricktal, auf das Wittnauer Horn. Machte dabei einen Abstecher zu besagtem Brunnen. Trank, ausgedörrt von der Bise, das kalte Bergwasser. Und fühlte mich wie ein Held umso mehr, als beim Brunnen eine Plakette verkündete, dies sei kein Trinkwasser. Im Abstand zweier Tage kann ich heute vermelden, dass ich nicht verblödet oder irre geworden bin, wenigstens bin ich mir dessen nicht bewusst und habe ich keine entsprechenden Rückmeldungen von den Leuten um mich herum. Und Bauchweh oder Durchfall bekam ich auch nicht. Vielleicht ist das Wasser, über das der heilige Martin wacht, der Patron der Wittnauer Dorfkirche, wirklich gesegnet.

Dienstag, 8. April 2025

Gut von E bis U

Blick zu den Innerschweizer Bergen inklusive Uri Rotstock und Titlis von St. Jost aus.
Der Ägerisee, gesehen von der Gegend der Mangelhöhe.
Bei diesem Torfhüttli nah Altmatt machten wir einen Trinkhalt.
Doppelte Einkehr: St. Jost mit Beizli und Kapelle.
Essen in der Sonne: mein Teller in Unterägeri.
Am Samstag gingen wir bei herrlichem Wetter – Wärme, Sonne – von Einsiedeln nach Unterägeri. Etappe acht des Schweizer Alpenpanorama-Wegs, zuerst Schwyzerland, dann Zugerland, Gehzeit fünfeinhalb Stunden bei 705 Höhenmetern aufwärts und 860 Höhenmetern abwärts. Schon auf dem Chatzenstrick-Pass sahen wir beeindruckende Gipfel wie den dreiteiligen Fluebrig und den spitzen Chöpfenberg, sahen im Hochmoor von Rothenthurm bei Altmatt in der Ferne den Uri Rotstock und den Titlis, auf dem Raten kam später der Säntis hinzu, in der folgenden zweiten Streckenhälfte begann schliesslich die Rigi den Horizont zu dominieren mit ihrem Compagnon Pilatus etwas weiter entfernt. Was die Einkehr angeht, hatten wir die Qual der Wahl. Entschieden uns für eine Rast auf St. Jost kurz vor dem Raten, nahmen dort Kafi und Kuchen, blinzelten in die Sonne, schauten natürlich auch in die Kapelle neben dem Wirtschäftli. Am Ende, in Unterägeri, assen wir in der "Kostbar da Sofia" das erste Mal in dieser Saison draussen, wunderten uns über die Menge an Autos, die das Dorf heimsuchten, genossen unsere Teller mit Falafel, Hummus, grillierten Peperoni und Auberginen und Salat, tranken dazu ein Bier aus Baar. Doch, das war gut von A bis Z. Respektive von E wie Einsiedeln bis U wie Unterägeri.
Was will man mehr als einen Weg mit Blumen?

PS: Ja, zwischen Appenzell und Amden bzw. dem Obersee fehlen uns noch mehrere Etappen. Die machen wir nach Ostern, wenn hoffentlich der Schnee auf dem Kronberg, dem Risipass, der Vorder Höhi weg ist.