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Sonntag, 15. Februar 2026

Eine spezielle Brücke

Eine kleine grosse Attraktion am Wanderweg von Rüti ZH nach Rapperswil SG: die Naturbrücke im Waldstück Martinsbrünneli. Gestern Samstag besuchten wir sie und waren beeindruckt. Zustande kam die Naturbrücke so: Der – namenlose – Bach frass die Nagelfluh im Lauf der Zeit weg, wohingegen die höher liegende härtere Gesteinsschicht bestehen blieb. Um Appenzellergranit handelt es sich bei dieser härteren Schicht, womit ich beim "Tagi" wäre, der mich letzte Woche mit einem langen Artikel zum Ausflug inspirierte. Vor 16 Millionen Jahren ereignete sich im Gebiet der heutigen Schweiz ein gewaltiger Murgang. Eine zähflüssige Masse, eine Art Fels-Schlamm-Müesli, ergoss sich von den Alpen her, aus dem Raum Sargans, Richtung Norden. Am Ende bedeckte der Brei bei einer Höhe von zwei bis fünf Metern eine Fläche von rund 50 auf 50 Kilometer, diese Zone reichte in der Ost-West-Achse von Abtwil bei St. Gallen bis Feldbach bei Rapperswil. Die Masse verfestigte sich später und wurde hart wie Zement, so entstand der Appenzellergranit. Wie ich im Zeitungsartikel las, diente er als Baumaterial unter anderem für Eisenbahnbrücken. Wer die Naturbrücke beim Martinsbrünneli aus der Nähe sehen will: Sie findet sich circa zwei Kilometer nördlich von Jona und ist auf der Landeskarte eingezeichnet.

Samstag, 14. Februar 2026

Per Bus zum Bergsee

Bald fährt zu ihm ein Bus: der Bergsee Lai da Vons,
Gemeinde Andeer GR. (Foto: Adrian Michael / Wikicommons)
Der Verein Bus alpin und seine regionalen Partnerunternehmen bedienen uns Wanderer und Wanderinnen in 18 Schweizer Bergregionen mit Verbindungen abseits des normalen ÖV-Netzes – eine gute Sache. Letztes Jahr, so kürzlich eine Mitteilung, wurden allein im Sommerhalbjahr 110 000 Personen transportiert. Diesen Sommer wird es zwei neue Angebote geben:

  • Linie von Rabius in der Surselva das Val Sumvitg hinauf nach Runcahez. 
  • Linie Rofflaschlucht – Festung Crestawald – Sufers – Lai da Vons in der Region Hinterrhein.

Freitag, 13. Februar 2026

Zirkumflex muss sein

Rôtisserie. Höre ich das Wort, denke ich an einen weissbemützten Chef, der an meinem Tisch ein paar Nierli flambiert oder ein Entrecôte grilliert. Irgendwie kommt mir die Bezeichnung veraltet vor, doch kann ich mich täuschen, immerhin hat die weltumspannende "Chaîne des Rôtisseurs" hierzulande 1600 Mitglieder. 70 Prozent davon sind sozusagen Freunde und Freundinnen des gepflegten Stückes Fleisch und überhaupt des luxuriösen Speisens und Trinkens, derweil es sich bei den restlichen Prozent um die Profis handelt vom Küchenchef über die Sommelière bis zum Chef de Service. Wie sich die Rôtisseure und Rôtisseurinnen im sich wandelnden Gastrogewerbe – sinkender Fleischkonsum – halten: Ich weiss es nicht. Jedenfalls wurde mir leicht nostalgisch, als ich eben in der Altstadt von Rheinfelden an einer Rotisserie – pardon, Rôtisserie, der Zirkumflex muss sein – vorbeikam.

Donnerstag, 12. Februar 2026

Favres Tunnel

Tod von Louis Favre im Gotthardtunnel 1879. Dessen Vollendung
und Inbetriebnahme hat er nicht mehr erlebt. 
("Unser Gotthard", Lüönd/Iten, Adrian Michael / Wikicommons)
Diesen ikonischen Moment kennen wohl die meisten, die Bahn fahren: Kurz vor dem Genfersee taucht der Zug, von Freiburg her kommend, beim Bahnhof Puidoux in einen Tunnel. Und dann kommt er wieder ans Licht, und man japst nach Luft. Dieser Blick über die Reben des Lavaux auf die blaue Weite des Sees und zu den Savoyer Alpen, fantastisch! Was ich erst letzte Woche zufällig aufschnappte: Der Cornallaztunnel, 500 Meter lang, eine Röhre mit zwei Gleisen, geht auf den Genfer Ingenieur Louis Favre zurück. Den berühmten Baumeister des Gotthardtunnels im 19. Jahrhundert.

Mittwoch, 11. Februar 2026

Alpsteingetreide

Neuerdings eine Mühle: die Bürgerscheune in Nesslau SG.
Mehl aus der "Alpsteinmühle".
Abnehmerin der ersten Charge ist die Migros.
Die Verwandlung der rund 100-jährigen Bürgerscheune am Rand von Nesslau im Toggenburg war aufwändig und mit viel Fronarbeit verbunden; die "Schweizer Berghilfe", deren Medienmitteilung mich gestern auf das Projekt aufmerksam gemacht hat, half mit einem Beitrag von 50'000 Franken. Schon seit einigen Jahren bauen Mitglieder des Vereins "Alpsteinkorn" im Raum Säntis wieder hochwertiges Berggetreide an. Ein Problem, das sich vorerst stellte: Das Getreide konnte nicht im Berggebiet verarbeitet werden, in dem es wuchs. Eine 2023 gegründete Genossenschaft hat es nun zustandegebracht, besagte Bürgerscheune zu erwerben und zur Mühle umzurüsten. Im November liefen die Maschinen das erste Mal, und das gleich für einen Grossauftrag, Mitte Januar ging die erste Charge Ruchmehl aus der "Alpsteinmühle" an die Migros Ostschweiz. Was mich grad motiviert, bei meinem nächsten Besuch in der Region mal in St. Gallen oder Teufen zu schauen, ob ich das Mehl dort finde.

Dienstag, 10. Februar 2026

Migroswandern

Einer der Veranstaltungsorte: der Schwarzsee.
Eben ging mir das Programm von "Migros Hiking Sounds" zu. Die unter diesem Namen zusammengefassten Events finden heuer vom Frühsommer bis zum Herbst statt unter anderem in Schwarzsee FR, Airolo TI, Wildhaus SG und Gstaad-Schönried, mit dabei sind Musikerinnen und Musiker wie Bastien Baker,  Linda Fäh, Kunz, Vanessa Mai. Die Sache geht so: Man kauft sich das Ticket für einen bestimmten Tag und eine bestimmte Route. Zieht vom Startpunkt los und bekommt nach der Hälfte des Weges bei einem Grillplatz ein erstes Mal Live-Sound serviert. Am Ziel dann gibts später ein grosses Freiluft-Konzert. Kannte ich gar nicht, den Anlass. Ist er etwas für mich? Eher nicht, ich mag meine Wanderungen ruhig.

Montag, 9. Februar 2026

Aargauer Kurzfrühling

Das Pferd von Möhlin.
Schloss Beuggen am deutschen Rheinufer.
Der Rhein in Rheinfelden.
Mein Zmittag: Forellenfilets mit
Stangensellerie und Kartoffelstampf.
Soll man es wandern nennen? Ich hatte am Samstag nur ein Ziel, als ich nach einem Blick auf die Wetterkarte ins Fricktal reiste: die Sonne sehen. Das gelang nicht von Anfang an, es dauerte am Vormittag ein Weilchen, bis das Licht sich so richtig durchgesetzt hatte. Wie blau der Fluss dann plötzlich war. Ah ja, vielleicht sollte ich die Route benennen: von Möhlin hinab zum Rhein und an seinem Ufer, mal in geringer Entfernung, mal ganz nah, nach Rheinfelden. Dort gönnte ich mir nach zweieinhalb Stunden forschen Gehens einen Zmittag im "Park-Hotel" und fuhr alsbald zufrieden wieder heim mit dem vagen Gefühl, kurz mal im Frühling gewesen zu sein.

Sonntag, 8. Februar 2026

Dutti und die Tanks

Nichts ist mehr zu sehen von den unzähligen Tanks, die in dieser
Wiese am Rhein bei Tössriederen ZH im Boden versenkt waren.
Vor gut 70 Jahren spekulierte Migros-Gründer Gottlieb Duttweiler. Die Schweiz werde am Rhein bei Eglisau einen Industriehafen anlegen, sodass Lastschiffe von der Nordsee via Basel bis hierhin, ins Zürcher Unterland, fahren könnten. Wähnte er. Und liess ab 1957 in Tössriederen bei Eglisau am Fluss ein riesiges Tanklager anlegen mit unzähligen unterirdischen Tanks für total 40 Millionen Liter Heizöl und Benzin – schliesslich war die Migros mit ihrer "Migrol" dick drin in diesem Geschäft. Nun ja, der Hafen wurde nie gebaut, Lastwagen trugen den Treibstoff heran, der im Kalten Krieg als strategische Reserve für die Schweiz gedacht war. Bis die Migros 1978 die Anlage stilllegte und verkaufte. Später kam es zum Rückbau, der teuer war; heute gehört die Wiese, an der wir am Mittwoch auf dem Weg von Eglisau zur Tössegg vorbeiwanderten, der Pro Natura Zürich. Die lobt sie als "artenreich". Als wertvollen Lebensraum für Amphibien und Reptilien. Auch gut.

Samstag, 7. Februar 2026

Ein Dorf ohne Handyempfang? Wirklich?

Die Töss bei der Tössegg.
Der Wachturm bei der Tössegg entstand im vierten Jahrhundert nach Christus.
Den Bau als Ganzes und die frierenden Legionäre muss man sich dazudenken.
Super, im "Rorboz" haben sie "Sirocco"-Tee.
Die Sonne war am Mittwoch kurz mal im Himmel als blässliches Zitat ihrer selbst erahnbar, der Nebel hatte das Zürcher Unterland im Griff. Unsere dreieinhalbstündige Wanderung (355 Höhenmeter aufwärts, 265 abwärts) führte von Eglisau via die Tössegg und Rorbas hinauf nach Nussbaumen und dann hinab ins nahe Bülach, in das Nussbaumen eingemeindet ist. Schön, erfreulich, interessant, sympathisch war an der Route vieles. Zum Beispiel:

  • die Tössegg, wo die Töss in den Rhein mündet, und nachher der einsame Landstrich der Töss entlang flussaufwärts. Idyllisch war dieser Abschnitt.
  • die Mauerreste eines römischen Wachlagers bei der Tössegg. Es stammt aus der Spätantike und ist Teil einer ganzen Kette solcher Stationen, die den Übergriff der Germanen auf die Gebiete südlich des Rheins verhindern sollten. Was bekanntlich nicht gelang.
  • das Café Rorboz in Rorbas. Das Dorf kam uns trist vor. Verlocht. Im"Rorboz" fanden wir Wärme, die Frau, die uns bediente, war total freundlich. So haben wir Rorbas letztlich doch in guter Erinnerung.
  • der "Sternen" in Nussbaumen war eine Trouvaille. Das Dorf liegt oberhalb von Bülach ganz für sich in einem Geländekessel, es hat keinen Handyempfang, erstaunlich, dass es das noch gibt. Im "Sternen" kochen sie auch nachmittags warm. Und wirklich gut. Die Hacktätschli und insbesondere auch die Sauce sei einfach wunderbar, sagten die zwei aus dem Grüppli, die das bestellt hatten. Ich war mit meinem Schweinssteak und den schön breit geschnittenen Pommes frites sehr zufrieden. Nebel? Who cares.
    Noch zehn Minuten bis Nussbaumen. Hinten die Kämme des Randen.

    Mmmmm, Hacktätschli. (Foto: Ronja)

Freitag, 6. Februar 2026

Eglisau, das kannst du besser

Der Vorplatz des Bahnhofs von Eglisau ZH wirkt ein wenig verkommen, fanden wir am Mittwoch, als wir dort zu einer Wanderung starteten. Kurios kam uns die dreckige Tafel mit dem Hinweis auf den Defibrillator vor. Stellen wir uns vor, wir wären hier mit einer Person unterwegs, die sur place eine Herzkrise erleidet. Und dann sehen wir dieses Schild. Wo zur Hölle ist das Restaurant Rheinfels? Die roten Pfeile deuten in den Boden, was nicht sein kann. Vielleicht ist es am besten, gar nicht nach dem 300 Meter entfernten Defibrillator zu suchen und gleich die Notfallnummer 144 zu wählen. Die immerhin ist brauchbar.

Donnerstag, 5. Februar 2026

400 Millionen pro Minute

Nach dem kleinen Dorf Brütten ist der Brüttener Tunnel benannt.
(Foto: Abderitestatos/Wikicommons)
20 Minuten: So lange braucht man heute für die Fahrt von Zürich nach Winterthur auf der schnellsten Verbindung via Stadelhofen und Stettbach. In gut zehn Jahren, wenn der Brüttener Tunnel als Teil einer neuen Linienführung gebaut ist, sollen es noch 12 Minuten sein. Jede der 8 eingesparten Minuten kostet 400 Millionen Franken. Ein unglaublich teures Vorhaben ist das, wobei im Preis auch die Erneuerung bestehender Geleisinfrastruktur inbegriffen ist und der Umbau von Bahnhöfen wie Dietlikon und Bassersdorf. Der Brüttener Tunnel wird die Strecke zwischen den beiden grossen Zürcher Städten zu einer Metrostrecke machen – zu einer fantastisch effizienten Sache, wobei Fahrgäste nicht mehr viel von der Landschaft sehen werden, die meiste Zeit werden sie auf vier neuen Gleisen unterirdisch unterwegs sein. In der NZZ war vor kurzem ein Artikel, der das alles samt Vorgeschichte und Geografie brillant erläutert. Nachdem das Bundesverwaltungsgericht Mitte Januar zwei Beschwerden abgeschmettert hat, können die SBB nun mit den Vorbereitungen loslegen.

Mittwoch, 4. Februar 2026

Über den Gotthard gondeln

Verkehrt hier in Zukunft eine Seilbahn?
Die Hochfläche der Gotthard-Passhöhe und des Gotthard-Hospizes ist im Sommer überlaufen. Und im Winter praktisch ausgestorben, wenn die Strasse geschlossen bleibt. Nun gibt es, las ich eben im "Blick", eine Idee, die Gegend ganzjährig zu erschliessen – mit einer Seilbahn. Mit einem Seilbahnnetz sogar, das Airolo, die Passhöhe und den Gemsstock im Skigebiet Andermatt verbinden würde samt einem Abzweiger nach Realp. "Porta Gottardo" heisst das Projekt privater Investoren. Eine vorläufige Umweltstudie kommt zum Schluss, dass es keine Gründe gibt, die Planung abzubrechen. Mal schauen, was aus der Sache wird.

Dienstag, 3. Februar 2026

Hüpp, hüpp, hurra!

Gottlieber Hüppen in der Variante Himbeere.
Hüppen sind Waffelröhrchen mit einer süssen Füllung. Wahnsinnig beliebt sind sie nicht, wie ich eben in meinem Grüppli feststellte, dort findet das Gros der Leute Hüppen langweilig. Kann ich nachvollziehen, wenn ich an die Hüppen denke, die es bisweilen im Café als Beigabe gibt, oft ist der Teig schon ein wenig lahm und der Inhalt öd (die übliche hellbraune Schoggi-Irgendwas-Masse). Nun, am Mittwoch probierte ich in Gottlieben TG, wo in der bekannten Manufaktur Hüppen fabriziert werden, diverse Hüppen-Varianten. Schön, dass sie mit allem Möglichen gefüllt waren, speziell mochte ich die Geschmacksrichtungen Vanille und Himbeere. Und schön, dass die Röhrchen so richtig frisch und knackig waren. So lob' auch ich mir meine Hüppe.

Montag, 2. Februar 2026

Höllische Fetzen

Das "Constanzer Wirtshaus" und die Fetzen.
Wir waren alle drei zufrieden mit unserem Essen. Allerdings fanden ich (Saiblingsfilets mit Röstkartoffeln und Gemüse) und Anita (Rinderroulade mit Kartoffelpüree), dass Ronjas Gericht einen seltsamen Namen hatte, einen potenziell abstossenden. Ist das typisch deutsch, dass man ein pikant gewürztes Rindsgeschnetzeltes als "Höllische Oxenfetzen" verhunzt? Gut seien die Fetzen jedenfalls, beschied uns Ronja. Am letzten Mittwoch war das, in Konstanz, wo wir zu Ende unserer Wanderung dort einkehrten, wo der Seerhein aus dem Obersee strömt. Nördlich steht am Wasser ein grosser Biergarten mit mehreren, zum Teil wintergartenartig modernisierten Räumen. Ein Gemäuer mit Stufengiebel, vage an eine alte Feuerwache in Potsdam oder so erinnernd. Das "Constanzer Wirtshaus" stammt von 1899. Es wurde damals von Kaiser Wilhelm II. als Offizierscasino eingerichtet.

Sonntag, 1. Februar 2026

Wanderung mit Hüppenhalt

Blick von Schloss Arenenberg auf Ermatingen mit dem
markant in den Untersee vorgeschobenen Schwemmdelta.
Weltkriegsbunker bei der Bahnstation Triboltingen.
Letzten Mittwoch zogen wir vom Bahnhof Mannenbach-Salenstein im Kanton Thurgau nach Konstanz. Weil wir dort einen Abstecher zu einem besonderen Restaurant machten, brauchten wir dreieinhalb statt der für die Direttissima nötigen drei Stunden. Die Route war abwechslungsreich. Wir bekamen es mit gleich drei Gewässern zu tun, zuerst mit dem unteren Teil des Bodensees, dann mit dem Seerhein, dann mit dem oberen Seeteil. Im ersten Drittel gingen wir etwas oberhalb, via Schloss Arenenberg mit dem Napoleonmuseum, das grad noch in der Winterpause ist. Ab Ermatingen waren wir später in flachem Gelände ufernah unterwegs. In Gottlieben machten wir Pause im stilvollen Seecafé, das mit der örtlichen Hüppen-Manufaktur assoziiert ist, natürlich probierte ich Hüppen (einmal Vanille, einmal Mandel) und kaufte auch welche (Himbeere). Gleich anschliessend passierten wir, noch in Gottlieben, das Wasserschloss. Jenen Bau, in dem der böhmische Reformator Jan Hus 1415 als Gefangener sass. Noch einmal eine Strecke am Wasser, dann langten wir in Konstanz an und gönnten uns einen späten Zmittag. Wo genau, erzähle ich morgen oder so.
Schönes Gottlieben: das "Seecafé".

Düsteres Gottlieben: das Wasserschloss.

Samstag, 31. Januar 2026

Rührung in Konstanz

Letzten Mittwoch wanderten wir vom Bahnhof Mannenbach-Salenstein nach Konstanz. Vom Thurgau nach Deutschland. In Konstanz sah ich eine Tafel, die für den regionalen ÖPNV warb, also für den öffentlichen Personennahverkehr. Und war als Schweizer ein wenig gerührt, dass die Deutschen das mit Verweis auf unseren ÖV tun.

Freitag, 30. Januar 2026

Das Bachduell

Dieser Tage lese ich das letztes Jahr erschienene Buch "Die Reuss. In der Mitte der Schweiz und ihrer Geschichte". Es diskutiert unter anderem die Frage, welcher unter den diversen Quellbächen der Reuss der wichtigste ist, also sozusagen DIE Quelle der Reuss. Bis in die frühe Neuzeit schien die Sache klar: Die Gotthardreuss galt als Reussquelle, denn man schaute den Gotthard als Herz der Alpen an. Als Zentrum. Als Ort des Ursprungs der Dinge. Als Mitte. Später verbreitete sich die Ansicht, die Furkareuss sei wichtiger und der eigentliche Quellfluss. Da war aber auch noch der Mönch und Alpenforscher Placidus a Spescha aus dem Kloster Disentis, 1752–1833. Für ihn lag der Anfang der Reuss in der Witenwasserenreuss, die bei Realp in die Furkareuss einmündet. A Spescha könnte recht haben, findet Buchautor Jean-Daniel Blanc. Erstens führt die Witenwasserenreuss mehr Wasser als die Furkareuss. Zweitens, das macht sie bedeutend, kommt sie von einer Dreifach-Wasserscheide, wo die Einzugsgebiete der Reuss, der Rhone und des Ticino aufeinanderstossen.  Ein dritter Grund ist mittlerweile hinzugekommen: Aufgrund des Rückzuges des Witenwasserengletschers ist der Bach, den er entlässt, signifikant länger geworden. Interessant, dieses Quellbachduell.

Donnerstag, 29. Januar 2026

Zofinger Schatzkammer

Ein schöner Bau, dieses Museum Zofingen, das ich am Wochenende besuchte. Er datiert von 1901, imitiert die Palazzi von Florenz, die Fassade ist mit Sgraffiti dekoriert, man hatte in der Aargauer Kleinstadt Stil. Geld sowieso. Inwendig ist das Haus eine Fundgrube respektive Schatzkammer, es gibt auf mehreren Etagen Versteinerungen und Kristalle zu sehen, aber auch präparierte Tiere, Feuerwehrgerät, Flinten, Säbel, und der im Ort verwurzelte Schweizer Medienkonzern Ringier hat eine eigene Abteilung. Mir gefiel das Museum, weil es so schön altmodisch ist, Schaukästen dominieren, das digitale Angebot ist klein, viel Museumspädagogik gibts nicht. So kann man sich treiben lassen, was ich mit Freuden tat.

Mittwoch, 28. Januar 2026

Ein Römer in Solothurn


Darf ich vorstellen? Das ist Candidus. Er lebte im 4. Jahrhundert nach Christus in Rom, starb jung, mit etwa 20 Jahren, wurde unterirdisch begraben in einer der Katakomben, deren Entdeckung mehr als tausend Jahre später das katholische Abendland beflügelte – man nahm an, dass all die Toten zu Lebzeiten Christen gewesen waren. Verfolgte. Märtyrer. Heilige. Viele von ihnen, also ihre Reste, wurden über die Alpen geschafft, auch in der Schweiz gibt es an einigen Orten, etwa in der Klosterkirche Rheinau ZH, Katakombenheilige. Zurück zu Candidus: Er wurde, salopp gesagt, in Solothurn eingebürgert, wo er auch seinen Namen erhielt und die längste Zeit im Frauenkloster Namen Jesu aufbewahrt wurde. Ich fotografierte den jungen Mann respektive sein mit Gaze verhülltes, nach Art eines römischen Legionärs gepanzertes, mit kostbaren Steinen veredeltes Skelett im Historischen Museum Blumenstein in Solothurn.

PS: Heute gehe ich nach längerer Pause (Grippe) wieder wandern. Am Bodensee. Freue mich.

Dienstag, 27. Januar 2026

Zofingens Blutstab

Man soll nicht vorschnell den Stab über jemanden brechen. Die Redewendung heisst so viel wie: Man soll nicht vorschnell über eine Person ein endgültiges Urteil sprechen. Sie verurteilen. Am Sonntag war ich im Museum Zofingen und sah dort – neben unzähligen anderen interessanten Dingen – einen Blutstab. Auf meinem Foto ist es der dünne Stab rechts, das links ist passenderweise ein Richtschwert. In sehr alten Zeiten, las ich im Begleittext, wurde in Zofingen auf dem Gerechtigkeitsplatz, mittlerweile umbenannt in "Niklaus-Thut-Platz", Recht gesprochen. Hatte der Richter das Urteil gefällt, zerbrach er seinen Blutstab und warf ihn dem oder der Verurteilten vor die Füsse. Das Urteil war endgültig, Rekursinstanzen gab es nicht. 

Montag, 26. Januar 2026

Halb St. Gallerin, halb Schwyzerin

Was sein muss, muss sein: Das Zürcher Grossmünster ist
derzeit eingerüstet. Hinten rechts das Fraumünster.
Aus einem Infoplakat am Grossmünster-Bauzaun.
Kürzlich kämpfte ich mich in Zürich durchs Oberdorf, die breite Gasse ist abschnittweise zu einem schmalen Pfad reduziert mit Baugruben links und rechts. Im Niederdorf sieht es ähnlich aus. Und auch an meiner Lieblingskirche, dem Grossmünster, wird gearbeitet. Es ist samt den Türmen eingerüstet, die gesamte Aussenhülle soll bis ins Jahr 2028 etappenweise aufgefrischt werden. Interessant fand ich die Erklärplakate mit historischen Informationen an der Abschrankung. Jetzt weiss ich, dass die Steine für das Grossmünster aus zwei Brüchen am oberen Zürichsee stammen, der eine in Bollingen SG gelegen und der andere vis-à-vis am Buechberg SZ. Per Lastkahn wurden die Steine einst angeliefert. Mit anderen Worten: Zürichs Wahrzeichen ist halb St. Gallerin und halb Schwyzerin.

Sonntag, 25. Januar 2026

Geberts Fabrik

Im Foyer der Alten Fabrik in Rapperswil (sorry für die
dilettantische Retusche, ich kanns nicht besser).
Die Gebert-Fabrik in ihren Anfängen.
(Foto: Infotafel vor Ort)
Albert Emil Gebert, ein Spengler, kreierte einen mit Blei ausgeschlagenen Holzspülkasten und brachte es fertig, diesen ab 1905 in Serie zu produzieren. So begann der Aufstieg der Firma Geberit, deren WC-Spülkästen uns allen ein Begriff sind. In Rapperswil wirkte der Pionier, unterhielt dort in der ganzen Stadt etliche Werkstätten, eine von ihnen, die heutige "Alte Fabrik", war das Stammhaus des Unternehmens, das heute global geschäftet. In dieser Fabrik von einst ist in der Gegenwart die Stadtbibliothek untergebracht plus ein sehr schönes Kulturlokal. In ihm erlebte ich am Donnerstag den Aufritt der Appenzeller Stand-up-Comedian Reena.

Samstag, 24. Januar 2026

Der Hampi, das Monsti und die Reena

Reena sehen? Lohnt sich. (Foto: Reenas Website)
Also diese Reena! Ich weiss nicht, wer am Donnerstagabend in der Alten Fabrik in Rapperswil mehr Spass hatte – sie auf der Bühne oder wir im Saal. Unsereins feixte eigentlich permanent, sie ebenfalls. Über ihre eigenen Spässe über sich selber, aber auch über die Antworten auf die kleinen Fragen, die sie gezielt ins Publikum warf – eine Frau verriet, ihr Freund (der neben ihr sass) nenne sie "Monster" oder auch "Monsti". Und Zuschauer Hampi wurde, nicht zuletzt aufgrund seines Urschweizer Vornamens, gleich zum Dauergag (er fands auch lustig). Reena, "Rina" ausgesprochen, Krishnaraja gewann mit zarten 19 Jahren den "SRF Best Talent Comedy Award" und ist jetzt, vier Jahre danach, mit ihrem ersten Soloprogramm "Kurkuma" auf Schweiz-Tournee. In Rapperswil hatte sie die gut 80 Leute im Raum ab der ersten Minute im Sack mit ihrem Ausserrhoder Schalk (sie ist in Grub AR aufgewachsen), der aber auch tamilisch sein könnte (ihre Eltern sind eingewandert). Oder dann ist er angeboren. Reena erzählte von der multikulturell veranlagten, leicht aufdringlichen, demonstrativ aufgeschlossenen Jacqueline aus ihrem Dorf, die Curry liebt. Aber auch vom Platzspeaker am Grümpeli, der den Namen "Krishnaraja" beim Rangverlesen einfach nicht über die Lippen brachte oder bringen wollte. Von ihrem Freund Severin berichtete Reena zudem, dessen Namen ihre Eltern fürs erste mehrere Monate lang nicht aussprechen konnten, sie nannten ihn "Semmeli". Apropos Severin: Einmal gingen Reena die sauberen Unterhosen aus, und so adaptierte sie halt Severins Boxershorts – mit ungeahnten Folgen. Reena bringt derbe Themen völlig underb vor. In der zweiten Hälfte ihres Auftritts war dann berührend, wie sie darlegte, weshalb sie eine Narbe quer über die Kehle hat. Da wäre einem das Lachen womöglich vergangen, wenn sie in diesen bangen Minuten nicht selber so ausgiebig gelacht hätte. Doch, Reena kam uns in Rappi wirklich nah. Und den Hampi und das Monsti vergessen wir auch nicht so schnell wieder.

Freitag, 23. Januar 2026

Wer ist hier schuld?

Hoch über Bad Ragaz: rechts unten die Seilbahnstation Pardiel
mit dem Bergwanderweg zum Schwarzbüelhüttli links oben.
(Schweizmobil, Screenshot)
Am Mittwoch las ich in der "Appenzeller Zeitung" den interessanten Bericht über einen Prozess, der derzeit vor dem Kreisgericht Werdenberg-Sargans läuft. Verklagt wurden ein ehemaliger Gemeindepräsident samt zwei seiner ehemaligen Mitarbeiter, dazu zwei ehemalige CEOs der Heidiland AG und Pizolbahnen AG mit ihren ehemaligen Kommunikationschefs. Fast zehn Jahre ist es her, dass der Unfall im Pizolgebiet passierte. Ein älteres Paar, er im Elektrorollstuhl, fuhr damals hinauf nach Pardiel und nahm dort den sogenannten Heidipfad Richtung Schwarzbüel. Der war zu jener Zeit auf den Websites der zuständigen Organisationen als "rollstuhlgängig" bezeichnet, war freilich vor Ort weiss-rot-weiss markiert als Bergwanderweg. Das Paar zog los, dann stürzte der Mann im Rollstuhl sieben Meter den Abhang neben dem Weg hinab. Die Frau, die den Unfall verhindern wollte, wurde mitgerissen und unten vom Rollstuhl schwer getroffen. Sie ist seither Tetraplegikerin, lebt in einem Heim und hat geklagt, derweil der Mann, der damals nur leicht verletzt wurde, mittlerweile, was nichts mit dem Ereignis zu tun hat, verstorben ist. Die Frage stellt sich: Wer ist schuld? Entlastet die Tatsache, dass der Weg als Rollstuhlweg eingeordnet war, das Paar von der Anwendung des gesunden Menschenverstandes, der Beachtung der Beschilderung und der Topografie? Und lässt sich eine allfällige Schuld unter so vielen Angeschuldigten nach so langer Zeit überhaupt zuordnen? Wir bleiben dran.

Donnerstag, 22. Januar 2026

Mein Arbeiterkotelett

Panierter und gebratener Cervelat? Gestern war ich im "Ochsen", dem geschätzten Dorfrestaurant von Stein AR, es gab drei Mittagsmenüs, darunter der Cervelat. Also das "Arbeiterkotelett". Nahm ich natürlich. Schmeckte vorzüglich. Schön, dass es nicht nur Restaurants gibt, die Teures und Exklusives kochen. Einfache Kost macht auch Spass.

Mittwoch, 21. Januar 2026

Grobi Noldi

Es sitzt noch kaum jemand draussen, zu klamm, zu grau sind die Tage. Jedenfalls aber ist der neue Kiosk auf dem Bürkliplatz in Zürich seit dem 4. Januar offen. Eben ging ich ihn mir anschauen und trank einen Kafi – der Bürkliplatz ist in seiner Nähe zum See, von dem ihn leider die mehrspurige Strasse trennt, ja doch einer der wichtigsten Zürcher Plätze. Erster Eindruck: Der Kiosk, schlicht und elegant, erinnert ein wenig an einen Badepavillon. Die "Keller Services GmbH", ein Familienbetrieb, hat für ihn ein anspruchsvolles Konzept erarbeitet und sich mit diesem gegen Dutzende Bewerbungen durchgesetzt, es gibt Feines zu essen von Bananenbrot bis "Grobi Noldi", wie die eigens für das Lokal kreierte Wurst heisst. Ich freue mich auf den Frühling, dann werde ich mal testessen gehen. Nach Arnold Bürkli, dem grossen Zürcher Stadtingenieur des 19. Jahrhunderts, ist der Kiosk benannt, er heisst "Arnold-Kiosk".

Dienstag, 20. Januar 2026

Gibt es eine Verbindung?

Vor Jahren bestiegen wir die Silberen. Das Kalkgelände
mit den vielen Löchern war etwas unheimlich.
Vor wenigen Wochen berichtete ich hier, dass im Oktober im Gebiet Silberen in der Gegend des Pragelpasses eine neue Höhle entdeckt worden ist – sie wurde "Hustenschacht" getauft. Vor kurzem nun erschien auf der Plattform "Infosperber" ein Artikel, der erläutert, was der Fund bedeuten könnte. Möglich, dass Forscherinnen und Forscher aufgrund des neuen Schachts bald vom Silberen-System ins angrenzende Hölloch-System gelangen könnten. Bisher ging man davon aus, dass die beiden durch eine unterirdische Einsturzzone getrennt sind. Der jetzt entdeckte Schacht liegt aber ausserhalb dieser Zone und könnte die Hölloch-Gänge und die des Silberen-Systems zusammenschliessen. Wir bleiben dran.

Montag, 19. Januar 2026

Esther und Abi

Im Jüdischen Museum Schweiz in Basel – ich war letzte Woche dort – erblickte ich eine Schallplatte. Knapp erinnerte ich mich an den Namen der Sängerin, Esther Ofarim. Die Israelin zog 1962 mit ihrem damaligen Mann Abi, mit dem sie oft im Duo auftrat, nach Genf und liess sich dort nieder. 1963 nahm sie, damals 22-jährig, für die Schweiz am Grand Prix Eurovision de la Chanson teil; sie wurde zweite mit dem Lied "T'en va pas".

Sonntag, 18. Januar 2026

Der Fotoschatz

Tschäggätä im Lötschental.
Leider finde ich keine Jahresangabe.
(Sprachatlas der deutschen Schweiz)
Beiliegendes Foto zeigt zwei Maskierte an der Tschäggätä, der Fasnacht in Blatten VS im Lötschental, das Dorf ist uns allen ein Begriff seit dem verheerenden Bergsturz. Der "Sprachatlas der deutschen Schweiz", ein Werk mit wissenschaftlichem Anspruch, führte in der Vergangenheit mancherorts im Land Erhebungen zu unseren Dialekten durch; so nebenbei entstanden vor Ort auch Fotos. Die insgesamt 12'500 Aufnahmen, ein volkskundlicher Schatz, sind mitterweile digitalisiert und, wo möglich, mit dem passenden Eintrag im Dialektwörterbuch Idiotikon verknüpft. Seit anderthalb Monaten ist die Foto-Sammlung im Internet frei zugänglich, sie ist auch mit einer praktischen Suchfunktion ausgestattet.