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Samstag, 4. April 2026

Eier und Prosecco

Woher kommt eigentlich das Wort Ostern? Offenbar vom altgermanischen austro, Morgenröte; so hiess eventuell ein germanisches Frühlingsfest. Wobei es auch andere Theorien gibt. Nun, jedenfalls wünsche ich allen ein frohes Osterfest. Unsereins zieht heute aus ins Untertoggenburg, wir werden im Grossraum Wil wandern. Im Rucksack reisen auch die Eier für das Eier-Tötsche mit. Und ein Prosecco zum Anstossen. Schön, dass auch das Wetter einigermassen stimmt.

Das abgebildete Gemälde, die "Auferstehung Christi", datiert von 1455 und stammt vom Niederländer Dieric Bouts. Was für eine dynamische Szene! Christus, mit blutigem Nagel-Stigma im sichtbaren Fuss, tut den ersten Schritt aus dem Grab, beobachtet vom Engel. Zur Rechten weiss der orientalisch gekleidete Wachmann grad nicht, was da passiert; sein Kollege ganz links tagträumt derweil vor sich hin. Und der junge Mann im Vordergrund trauert noch um den Toten, der doch aber nicht mehr tot ist und die rechte Hand zur Segnung erhoben hat. (Wikicommons)

Freitag, 3. April 2026

Das Trio von Grüningen

Mein Dessert. Der Mann gegenüber hatte
ein Osterchüechli mit Sauerrahmglace.
Vorgestern, als ich mit Freund Markus von Rüti via Bubikon und Grüningen nach Esslingen ging, war es  richtig kalt. Knapp winterlich noch. Die nahen Zürcher Oberländer Hügel waren bis weit hinab mit Schnee überzuckert, die Bise blies, im Wald wars stellenweise glitschig. Aber die Luft war klar, und irgendwann kam die Sonne. Im "Bären" in Grüningen nahmen wir den Zmittag, ich hatte Kalbsschnitzel an einer Morchelsauce mit Bärlauchrisotto. War sehr gut. Noch viel stärker in Erinnerung bleibt mir das Dessert, da ich in letzter Zeit selten Dessert esse: Das Trio Schlorzifladen, Dicke Berta (ein Käse) und Vieille Prune war eine ausgeklügelte Sache. Wer eine ruhige Osterroute sucht, ist mit dieser (vierstündigen) bestens bedient. Und: Die diversen kleinen Moore, die man durchwandert, machen die Landschaft stimmungsvoll.
Bedeckter Himmel einige Zeit vor Grüningen.
Nach dem Zmittag in Grüningen kam die Sonne.
Ein Ostermotiv, aufgenommen eine halbe Stunde vor Esslingen.

Donnerstag, 2. April 2026

Gefahr am Wanderweg

Gestern, auf dem Weg von Rüti nach Esslingen, kamen wir kurz vor dem Ritterhaus Bubikon an diesem reizenden Fabelwesen vorbei. Etwas irritierend fanden wir das nahe Schild mit der Warnung "Zu Ihrer Sicherheit bitte nicht stehenbleiben". Nun, das geflügelte Pferd war harmlos, das war uns klar. Der Wanderweg führt allerdings zum und durch das Areal des Bubiker Golfplatzes. Von einem Golfball könnte man getroffen werden, das ist die Gefahr an diesem Ort.

Mittwoch, 1. April 2026

Sechs Monate

Ich bzw. mein Schatten letzten Sommer
hoch über Realp im Urserntal.
Heute mal etwas Persönliches. In genau sechs Monaten werde ich pensioniert. Frühpensioniert, mit 64. Vor einiger Zeit habe ich das beschlossen und es dem Betrieb, der "Schweizer Familie", durchgegeben. Was bedeutet das für diesen Blog? Vermutlich gar nichts, jedenfalls will ich weiterhin im selben Rahmen, so circa zwei Mal pro Woche, wandern. Und hier darüber schreiben. Und sonst – Ziele, Wünsche, Ideen? Am allerwichtigsten ist mir das: Ich will keiner dieser übergeschäftigen, totaleingespannten, atemlosen Rentner werden, die man stets vollverplant antrifft. Mich vorerst einmal genüsslich langweilen, das schwebt mir vor. Und mich mehr als bisher selber überraschen und Dinge unternehmen, die ich zuvor als abwegig verwarf, was auch viel mit Zeitmangel zu tun hatte. Obs mir gelingt?

Dienstag, 31. März 2026

Eggers Menagerie

Die Geschichte hinter dieser reich mit Tiermotiven – darunter sind auch Affen und Raubtiere – bemalten Fassade ist interessant. Jakob Egger war "Marchand en bêtes sauvages", handelte also mit wilden Tieren. 50 Jahre lang zog er im 18. Jahrhundert durch Europa samt seinem Wanderzirkus. 1767 liess er in Aarwangen BE das "Tierlihuus" bauen als Menagerie – als Privatzoo und Basislager.

Montag, 30. März 2026

Monoton oder meditativ?

Hier starteten wir: Schloss Aarwangen.
Letzte Impression von Aarwangen.
Man könnte die Route von Schloss Aarwangen via Weissenried und Brotheiteri zum Flugplatz Langenthal bei Bleienbach "monoton" nennen. Oder aber "meditativ". Jedenfalls bestand sie aus langen Geraden und verlief zu einem guten Teil im Wald, wir sahen vor allem Bäume. Der Flugplatz bot dann Unterhaltung und Abwechslung, ich habe ihn gestern bereits vorgestellt und möchte heute bloss nachführen, dass das Essen im Restaurant Hangar 5 – schön mit Blick auf die zwei Pisten – sehr gut war von Käseschnitte über Schnipo bis Flammkuchen. Danach wählten wir, weil es bereits halb regnete, halb graupelte, die Direttissima hinüber ins nahe Herzogenbuchsee. War durchaus schön, wobei ich schon finde, der Winter dürfte jetzt seine Feindseligkeiten einstellen und uns dem Frühling überlassen.
4 h, 290 Hm aufwärts, 240 Hm abwärts.
Sieht immer schön aus: Flammkuchen.

Gleich noch ein Foto aus dem "Hangar 5".

Sonntag, 29. März 2026

Der Oberaargau geht in die Luft

Das mobile Kontrollcenter des Flugplatzes Langenthal.
Der Hangar mit dem Flugplatz-Restaurant.
Kinder haben ihr eigenes Flugi.
Mitte der 1930er-Jahre wird in Bleienbach, fünf Kilometer südwestlich von Langenthal BE, ein kleiner Flugplatz gebaut. Eine Graspiste, ein Hangar, mehr ist da nicht. Im Zweiten Weltkrieg sind Jahre später an diesem Ort Fliegertruppen stationiert, die Piste wird für sie verlängert; später, nach dem Krieg, kann allerdings auch diese erneuerte Piste nicht mehr genügen, die Militärs ziehen ab. Aber den Flugplatz gibt es bis heute, zur Graspiste ist eine Asphaltpiste hinzugekommen. Für Betrieb sorgen drei Luftsportclubs, es wird motorisiert geflogen, aber auch Segelflugzeuge haben in Bleienbach ihre Basis. Gestern schauten wir vorbei, assen im Flugplatz-Restaurant, sahen einige Starts und Landungen. Lustig fanden wir das Kontrollcenter, das in und auf einen VW-Bus montiert ist und auch mal den Ort wechselt.

Der Flugplatz Langenthal ist von Wiesen umgeben.

Samstag, 28. März 2026

Busbahnhof Novosibirsk

Ich finds hässlich. Dieses Schmutzgelb. Vor wenigen Tagen schickte ich dem Kollegen, der in Lenzburg lebt, ein Foto des Lenzburger Bahnhofplatzes mit dem überdachten Wartebereich bei den Bussen. Das sehe aus wie der Busbahnhof von Novosibirsk, schrieb ich dazu. Mein Kollege, ganz der Lokalpatriot, antwortete, die Anlage sei "Kult". Nun, lassen wirs offen, ist wohl Geschmackssache. Sicher ist, dass die SBB den Bahnhof Lenzburg, den täglich 25'000 Menschen benutzen, umbauen will, er ist längst veraltet, zudem soll die Anzahl der Reisenden in den nächsten anderthalb Jahrzehnten auf 40'000 steigen. Rund 230 Millionen Franken dürfte die Erneuerung und Erweiterung kosten, auch der Vorplatz, von dem hier die Rede ist, soll umgemodelt werden. Voraussichtlich diesen Herbst sollen die Arbeiten am Bahnhof beginnen. Ich gehe davon aus, dass die Schmuddelüberdachung in den nächsten Jahren verschwinden wird.

Freitag, 27. März 2026

Ein Aargauer Esszimmer

Mein Zmittag.
Drinnen.
"Maria's Esszimmer im Seetal": Das klingt schon so gemütlich. Am Mittwoch, nachdem wir vom Homberg abgestiegen waren, gingen wir dort – in Beinwil am See – essen. Es war wirklich, wirklich, wirklich gemütlich. Drei eher kleine Einzelstuben in Folge, darin ältere Personen aus dem Ort. Sowie Handwerker und andere Berufsleute. Und nun auch wir. Mein Gegenüber hatte ein Cordon bleu, das sie, eine ausgewiesene Oft-Cordon-bleu-Esserin und -Kennerin, als "das beste seit ewig" lobte. Ich wiederum liebte meine Hacktätschli auf Lauchgemüse mit Risotto als Beilage. Und gleich noch zwei tolle Dinge: Das Essen ist wesentlich günstiger als in der Stadt. Und der Service so was von freundlich. Geht zu Maria, Leute, die kanns.

PS: Maria gibt es nicht. Die Wirtin Mirjam Strub fand, als sie das Lokal im vormaligen Restaurant Seetal vor neun Jahren eröffnete, dass ihr eigener Name nicht so toll klinge bzw. "Maria" viel besser töne. Kann ich nicht nachvollziehen, ist mir aber völlig egal. Hauptsache, die Küche ist gut.

Das "Eszimmer" findet sich gut 600 Meter vom
Bahnhof Beinwil entfernt im vormaligen Restaurant Seetal.

Donnerstag, 26. März 2026

Die Böen wurden heftig

Schöner Aargau: der Hallwilersee (l.) und der Baldeggersee vom Homberg aus.
Baujahr 1910, Höhe 16,9 Meter:
der Hombergturm, Gemeinde Reinach AG.
Kurz vor dem Temperatursturz gingen wir gestern Vormittag von Oberkulm via Sood, Tätschbüel und Ober Flügelberg zum Homberg, der die Gegend des Wynentals vom Seetal trennt. Als wir um neun Uhr starteten, schien noch die Sonne. Bald aber überzogen Wolken den Himmel. Und es kam ein starker Wind auf, der im Wald ein wenig unheimlich war, es lärmte. Die Böen wurden so heftig, dass wir es auf dem Homberg, 787 Meter über Meer, nur knapp noch auf den Aussichtsturm schafften, oben auf der Plattform musste man sich mit beiden Händen festhalten, um sicher stehen zu können. Aber trocken blieb es, dies auch, während wir im Folgenden nach Beinwil am See abstiegen. Dort gabs einen wunderbaren Zmittag, von dem ich gesondert erzählen möchte. Auf der Heimreise setzte schliesslich der Regen mit Wucht ein. Toll, unser Aargauer Wanderschnäppchen.
(3 h 30 min, 480 Hm aufwärts, 445 Hm abwärts)
Letzter Blick zurück auf den Hombergturm im Abstieg nach Beinwil.

Mittwoch, 25. März 2026

Schoggi-Gigantismus

  • Drei neue Hotels sollen auf dem Areal entstehen.
  • Eine Seilbahn soll Besucherinnen und Besucher zum Eingang führen.
  • Die bestehende Ausstellungsfläche soll von 2'000 auf 30'000 Quadratmeter anwachsen.
  • Pro Jahr soll eine Million Menschen vorbeischauen, doppelt so viele wie im Rekordjahr 2025.
"Cailler"-Werbeplakat von 1929.
(Foto: Wikicommons)
Die Rede ist von der "Maison Cailler" in Broc im Kanton Freiburg, einer aktiven Schoggifabrik samt grosssem Besucherzentrum. In naher Zukunft soll daraus ein riesiger Schokoladenpark werden, 400 Millionen Franken dürften in das Projekt fliessen. Eben wurden die Pläne öffentlich aufgelegt, wenn alles gut läuft, könnten die Bauarbeiten 2027 beginnen, reportiert die "Hotel-Revue". In diesem Fall würde der neue Themenpark im Jahr 2030 eröffnet.

Dienstag, 24. März 2026

Mein Brückenvormittag

Von oben nach unten: die Thurbrücke, die ARA-Hängebrücke, die
Altener-Brücke, die alle Andelfingen und Kleinandelfingen verbinden.
Am Sonntag hatte ich nur einen halben Tag Zeit. Am Vormittag, derweil die Sonne sich noch durchsetzen musste. Ich fuhr ins Zürcher Weinland. Von Andelfingen ging ich hinab zur Thur, folgte ihr lange flussabwärts, bog schliesslich ab, überquerte den Höhenzug Egg und kam am Ende nach Volken. Zweieinviertel Stunden nur hatte die Wanderung gedauert, sie hatte mich bestens unterhalten. Hier drei Dinge:

  • Ich sah gleich drei Brücken, von denen ich aber keine nahm, da ich stets auf der Südseite der Thur blieb. Erstens: die gute alte Thurbrücke von Andelfingen, ein schmuckes Holzmodell aus dem Jahr 1815, das wie die beiden noch zu erwähnenden Brücken von der Gemeinde Andelfingen hinüber in die Gemeinde Kleinandelfingen führt. Zweitens: die Hängebrücke etwas ausserhalb, die unter sich zwei Leitungen trägt. Durch sie fliesst das Abwasser der Leute von Kleinandelfingen über die Thur in die ARA Andelfingen. Und drittens: die Altener-Brücke, die weit ausserhalb zum Kleinandelfinger Ortsteil Alten führt.
  • Der Thur hat man im 19. Jahrhundert übel mitgespielt und sie in dieser Gegend total begradigt. Die renaturierten Thurauen der Gegenwart wirken dem entgegen, schaffen Lebensraum für Pflanzen und Tiere. Sie sind das grösste Auengebiet im Schweizer Mittelland.
  • Am Ende in Volken wäre ich gern in der "Post" eingekehrt, aber sie hatte zu. Ich studierte die Speisekarte im Internet und sah, dass es in diesem Restaurant in der Spargelzeit Spargel gibt. Man muss also nicht immer in den bekannten Nachbarort Flaach reisen, um örtlichen Spargel zu essen. Mal schauen, wo ich ihn mir in ein paar Wochen zuführen werde.

Montag, 23. März 2026

Regula und der Schultheissensaal

Gediegen, der Schultheissensaal im ersten Stock der Bibliothek Münstergasse in Bern. Und ein wenig einschüchternd – es sind die Gnädigen Herren von einst, die da aus den Gemälden der Galerie auf einen niederblicken. Die Stadtchefs. Am Samstag sass ich mit vielen anderen Leuten im Saal, eine Buchvernissage, Regula Tanner, die in Steffisburg das "Leseglück" betreibt, Bücherbrocki, Veranstaltungsort, Kafi-Kuchen-Treff in einem – diese Regula Tanner, die auch für die "Schweizer Familie" schreibt, stellte ihr neues Buch vor. In "Schweiz erlesen" präsentiert sie 55 literarische Orte im ganzen Land, die mit Büchern zu tun haben. Die Stiftsbibliothek St. Gallen ist darunter. Aber auch das "Centre Dürrenmatt" in Neuenburg. Das verrückte "B2 Hotel" in Zürich mit 33'000 Büchern (zu sehen auf dem Vorderdeckel). Und natürlich der Berner Schultheissensaal. Ich kann Regulas Buch nur empfehlen, es ist mit Liebe geschrieben. Und garantiert bietet es staunenswerte Ziele für Ausflüge.

Sonntag, 22. März 2026

Alder gönnt sich etwas

Schöne, auffällige, historische Häuser fotografiere ich immer. Dieses steht in Schwellbrunn AR schräg vis-à-vis der Dorfkirche, ich sah es kürzlich und blieb gern stehen. "Grafenhaus" oder auch "Hochhaus" heisst der Bau, der erste Name geht zurück auf die Gebrüder Graf, Schweinehändler, die ihn 1926 kauften. Er ist wesentlich älter. Bauherr war 1784 der Mousseline-Fabrikant und Tuchhändler Johannes Alder. Der Textilbaron, der übrigens verarmt starb, wollte sich offensichtlich etwas gönnen.

PS: Man entschuldige, dass der Text zum Foto als erweiterte Bildlegende daherkommt. Ein Problem mit der Formatierung, ich werde sie einfach nicht los.

Samstag, 21. März 2026

Ab zum Heideloch!

Das Heideloch auf dem Born.
Bald ist wieder Karfreitag. Mit ihm kommt eine grosse Chance. Auf dem Oltner Hausberg Born gibt es eine zerklüftete Spalte im Kalkstein, die zu einer Höhle hinab führt, dem Heideloch. Dort wacht ein böser Hund mit scharfen Krallen und feurigen Augen über eine Eisenkiste. Sie soll gefüllt sein mit Goldstücken. Jeweils am Karfreitag aber wird die Kiste ans Licht geholt und gelüftet, man darf sich bedienen, heisst es. Und der Hund? Wer weiss, vielleicht hat er an diesem Tag frei.

Gleich noch eine Sage, die das Heideloch umrankt, ich las auch sie diese Woche vor Ort auf einer Tafel. Ein junger Mann und eine junge Frau, beide bitterarm, wollten einst heiraten. Aber eben, sie hatten kein Geld. Der junge Mann beschloss, in der Fremde sein Glück zu suchen und dann zurückzukommen. Am Tag vor seiner Abreise stieg er von Kappel am Fuss des Born noch einmal auf ebendiesen Berg und pflückte dort Schlüsselblumen für seine Angebetete. Als das Urseli, wie diese hiess, die Blumen berührte, verwandelten sie sich in Goldstücke. Und so konnte das Paar gleich sofort zusammenkommen.

Freitag, 20. März 2026

8 von 10

Der Weg von Olten zum Säli-Schlössli führt durch das Müliloch.
Blick über die Mauern der Alt-Wartburg zum Säli-Schlössli.
Blick zurück: die Aare und hinten die Kirche und die Festung Aarburg.
Fast oben: Widmers Schuhe auf dem Tuusigerstägli.
Die Aare, gesehen vom Born.
Deftiger Burger im "Astoria" in Olten.
Ich würde dieser Tour mit Anfang und Ende in Olten auf einer Zehnerskala glatt eine 10 geben. Oder, weil man aus Prinzip anspruchsvoll sein soll, eine 9. Wobei – als wir am Mittwoch wanderten, blies eine derart brutale Bise, dass ich ihretwegen noch einen Punkt abziehen muss. Also, eine 8. Ausser den Windböen, die uns schlottern liessen, war alles gut. Wir stiegen von Olten zum Säli-Schlössli auf (Eintrag von vorgestern), wärmten uns im Restaurant mit einem Tee wieder auf. Besuchten die benachbarte Ruine Alt-Wartburg, der Pfad zu ihr ist kettengesichert, der Blick in die Ferne, zu den Alpen etwa und Richtung Jura, atemberaubend. Danach hielten wir zur Festung Aarburg hinab, folgten anschliessend der Aare flussaufwärts bis zum Fuss des Tuusigerstäglis. Das kam hier auch schon vor, es führt schnurgerade die Flanke des Berges Born hinauf, begleitete früher ein Wasserdruckrohr, das heute nicht mehr da ist, und hat in Wahrheit 1150 Stufen. Auf dem Stägli war viel Betrieb, Leute rannten hinauf und hinab, da hat sich ein kleiner Kult etabliert, manche Personen machen die Treppe an ein und demselben Tag gleich mehrmals. Uns reichte einmal, oben waren wir, oder zumindest ich, ziemlich geschafft. Hart an der Kante des Born zogen wir im Folgenden hinab nach Olten und gönnten uns im "Astoria" warme Kost. Die Bise hätte nicht sein müssen, ansonsten war das eine sehr ergiebige Unternehmung, fanden wir dort.
5 Stunden. 715 Hm aufwärts, 705 Hm abwärts.

Donnerstag, 19. März 2026

Tobis drei Wochen

Tobias Renggli und ich beim Käfelen in Zürich.

Vor einigen Wochen traf ich in Zürich in einem Café einen jungen Mann, die Serviererin fotografierte uns beide mit meinem Handy. Jetzt ist in der "Schweizer Familie" mein grosses Gespräch mit Tobias Renggli, 23, erschienen, auf die Titelseite hat er es auch gebracht. Der Luzerner, Student an der ETH und Leistungssportler, hat sich in der Outdoorszene einen Namen gemacht mit originellen Leistungen. Zum Beispiel absolvierte er in nur drei Wochen eine verrückte Velo-Berg-Tour, fuhr durch die ganze Schweiz und besuchte die höchsten Punkte aller Kantone. Alles nur mit der eigenen Körperkraft, oft schlief er bloss zwei Stunden und stieg dann wieder aufs Velo, auf dem er auch alles Material mitführte. Ah ja, noch dies: So nebenbei testete er auf jedem Gipfel ein Gipfeli, das er unten im Ort gekauft hatte. Denn Tobi ist kein bierernster Typ, sondern ein Schalk. Dafür mag ich ihn besonders. Meinen Respekt hat er sowieso.

Mittwoch, 18. März 2026

Wo Mosimann waltete

Hübsche Fantasie: das Säli-Schlössli bei Olten.
(Foto: Uwelino/Wikicommons)
Schönes Wetter, ich freue mich. Heute legen wir im Gebiet Olten-Starrkirch-Aarburg eine grosse Schleife ins Gelände. Zu Beginn steigen wir von Olten zum Säli-Schlössli auf, einem Ausflugsrestaurant, das von weitem sichtbar ist und Anfang der 2000er-Jahre besonders bekannt war, als dort der Spitzenkoch Anton Mosimann kochte. Der Bau wurde ohne Rücksicht auf archäologische Verluste vor 155 Jahren auf eine Burgruine gepfropft – das Schlössli sieht wunderbar aus, ist aber völlig geschichtsfrei, es ist eine romantische Fantasie des 19. Jahrhunderts. Und noch etwas: Seinen Namen verdankt das Säli-Schlössli einer Feuerwächterdynastie, die hier oben einst nach Bränden Ausschau hielt, als es das Restaurant noch nicht gab. Die Familie hiess Sali.

Dienstag, 17. März 2026

Wanderung mit Kiebitz

Am Samstag wanderten wir bei kaltem und nassem Wetter durch das Zürcher Weinland. Dreieinhalb Stunden brauchten wir – reine Gehzeit – für die Strecke von Ossingen via Oerlingen und Marthalen nach Rheinau. Hier fünf Fotos von unterwegs.

Schwer lesbar, der Gedenkstein in zwei Sprachen beim Husemersee. Er erinnert
an den Serben Marko Orlovic, der mit anderen Internierten des Zweiten Weltkriegs
hier Torf stach. Am 26. August 1943 wollte er sich im See abkühlen und ertrank dabei.

Ein Feuchtgebiet kurz vor Oerlingen. Die Ornithologin
liess auch uns durch ihr teures Fernrohr spähen. Wir
sahen Kiebitze, die im Ried ihre Nester hüteten.
Das Bistro Oerlingen war eigentlich noch zu. Die Wirtin sah uns durch die Scheibe,
öffnete, so kamen wir zu einem Tee. Sie erwarte nächstens 30 Leute zu einem
Jassturnier, erzählte sie uns. Und: In wenigen Wochen schliesse sie das Bistro.
In Marthalen lebte im 17. Jahrhundert der steinreiche Pankraz Toggenburger
in einem schmucken Haus, dem "Schneggen-Geheuss". So nebenbei
liess er damals auf dem Guggenbüel dieses barocke Rebhäuschen bauen.

In Rheinau gabs einen späten Zmittag. Im "Augarten" wirten zwei Schwestern.
Appenzellerinnen. Und so kamen wir zu Appenzeller Chäsfladen. (Foto: Ronja)

Montag, 16. März 2026

Schnörrli, Schwarte, Schwänzli

Bei Weissbad AI zweigt ein so langes wie enges Tal ab, gesäumt auf der einen Seite von Bergen wie dem Schäfler und auf der anderen von der Hügelkette Richtung Kronberg. Weit hinten in der Triebern, wie das Tal heisst, weil es hier im Mittelalter genau drei Bauernhöfe gab, steht das Gasthaus Lehmen. Ein beliebter Ort, in dem seit vielen Jahren das Ehepaar Müller wirtet und ich – mit der Familie – seit vielen Jahren einkehre. Gestern war im "Lehmen", von dem ich hier auch schon erzählte, Metzgete, was da auf den Tisch kam, weitete so manchen Bauch. Voll war die Gaststube, voll die Nebenstube, man ass, man trank nach Kräften, Vegetarier hätten den Anblick nicht ausgehalten. Und das Beste daran: Draussen war es so richtig kalt, was natürlich zu einer Metzgete passt. Ich denke, der Winter wird heute schon wieder entschwinden. Gestern war er noch einmal voll da und verlieh meinem Kalorienausflug eine fast unwirkliche Note.
Schlachtteller. Was man nicht sieht: Die Wirtin schaute
regelmässig an den Tischen vorbei und offerierte 
weitere Fleischteile wie Schnörrli, Schwarte, Schwänzli.

PS: Mehr von der Wanderung durch das Zürcher Weinland morgen.

Sonntag, 15. März 2026

Ihr armen Blumen

Gestern Mittag im Zürcher Weinland. Ich nehme an,
mittlerweile frieren die Blüemli im Schnee.
Gestern, das war der Tag des Absturzes, die Temperatur fiel Stunde um Stunde. Als wir am Vormittag in Ossingen ZH loszogen, wars einigermassen mild. Stunden später, als wir am Nachmittag von  Rheinau, ebenfalls ZH, heimfuhren, fühlte sich die Luft unangenehm eisig an. Und hatte es zuvor geregnet, begann es nun zu schneien. Nennen wirs einen Rückfall in den Winter, ich denke, der Frühling ist bloss für wenige Tage ausser Kraft gesetzt. Wenn mir gestern jemand leid tat, dann nicht unser Fünfergrüppli. Sondern die Blumen, die mittlerweile vermutlich im Schnee frieren. Morgen erzähle ich mehr von unserer Tour. Heute geht es übrigens an eine Metzgete im Appenzellerland. Ich glaube, ich werde kältehalber etwas Fettiges essen, so ein Widmer will ordentlich beheizt sein.

Samstag, 14. März 2026

Das Rätsel des Dreiecks

Oben links rot markiert das Steital. Unten rechts
St. Niklaus im Mattertal zwischen Stalden und Zermatt.
(Schweizmobil, Screenshot)
Eine dreieckige Trockensteinmauer von zwei Metern Höhe, die eine Fläche von nicht einmal 400 Quadratmetern fasste und recht gut erhalten ist. 14 leichte Unterstände fanden sich auf dem Areal, vermutlich waren es bloss Zelte; direkt an der Mauer platziert waren sie, so dass die Bewohner einigermassen gegen Wind und Wetter geschützt waren. 50 bis 70 Soldaten dürften sich an diesem Ort aufgehalten haben, ob sie das nur in einem bestimmten Jahr taten oder mehrere Jahre hintereinander, wissen die Fachleute vom Amt für kantonale Archäologie nicht oder noch nicht, diesen Sommer soll die Erkundung der Festung weitergehen, die letztes Jahr begann. Um römische Legionäre geht es, die in den Jahrzehnten vor Christi Geburt an diesem abgelegenen und unwirtlichen Ort im Kanton Wallis, im Steital, auf 2600 Metern, hoch über St. Niklaus, Dienst taten. Was genau sie im Auge hatten, was genau sie kontrollierten, was genau sie ermöglichen oder verhindern sollten, ist bisher unklar. Das Steital liegt in einem Felskessel unterhalb des Steitalhorns; das Archäologenteam musste jeweils mit dem Schlafsack und Proviant anrücken; in einem Tag hin und zurück und dazwischen noch messen und graben – das wäre nicht gegangen. Mal schauen, wie es weitergeht und was man herausfindet, das hier Dargelegte las ich vor einigen Tagen im "Walliser Boten",  hier ist der Artikel als PDF abrufbar.

Freitag, 13. März 2026

Ein Luxushotel für Siebenzach

Leider fand ich kein Foto von Schloss La Chassotte
und kein gutes von Givisiez. Hier daher einfach
das Gemeindewappen von Givisiez samt der
Zusatzinformation, dass dieses den – verblassten –
deutschen Namen "Siebenzach" trägt. (Wikicommons)
Im Kanton Freiburg gibt es derzeit kein 5-Sterne-Hotel. Das dürfte sich ändern. Vor kurzem las ich in der "Hotelrevue", dass die Gemeindeversammlungen von Givisiez und Granges-Paccot dem Verkauf von Schloss La Chassotte in Givisiez zugestimmt haben. Der Investor Antonio Carrisi will in dem Gebäude, das unter anderem ein Mädcheninternat beherbergte und seit 15 Jahren lehrsteht, ein Luxushotel bauen. Und dazu, damit das Ganze rentiert, 50 bis 60 Mietwohnungen. In drei Jahren soll die Anlage eröffnet werden.

Donnerstag, 12. März 2026

Wanderung mit Weidenkätzchen

Die Salweiden blühen.
Fünf Minuten nach dem Start: Der Solothurner Jura entblösst sein Inneres.
Frisch angelegte Ökoweiher bei Herbetswil.
Bauernbratwurst mit Spätzli und Fähnlideko. (Foto: Ronja)
Heimfahrt mit Bier.
Zuerst setzte ich die Beiz als Ziel fest. Und erst danach zeichnete ich eine Route zu ihr. Schon lange war nämlich auf meiner Wanderwunschliste die Bergwirtschaft Obere Wengi im Solothurner Jura gestanden, ich war viel im Gebiet unterwegs gewesen, aber nie dort eingekehrt. Nun, es lohnt sich, fanden wir Anfang Woche bei unserem Besuch heraus, ich und meine Begleiterin waren jedenfalls von der Bauernbratwurst begeistert. Und wir liebten die Aussicht an diesem Ort hoch über dem Tal der Dünnern, der auch ein Startpunkt für Gleitschirmler und Deltaflieger ist. Halt, das mit der Aussicht ist gelogen. Saharastaub hatte die Luft eingetrübt, wir sahen nicht wirklich weit. Ansonsten war alles gut, wir kamen an jähen Kalkfluhen vorbei, freuten uns über die Kätzchen der Salweiden, genossen später im ersten Teil des Abstiegs den steilen Waldpfad. Am Ende gabs im Coop in Matzendorf dann ein Solothurner Bier für die Heimfahrt. Es machte die Unternehmung rund.

Die Route: Herbetswil, Hinter Hammer – Grossrieden – Sebli – Obere Wengi – Lätt – Untere Bulten – Matzendorf. 4 h 10 min. 690 hm aufwärts, 750 hm abwärts.