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Montag, 18. September 2023

Kerenzerberg meiden

Die A3 zwischen Weesen und Mühlehorn:
Bäumfallarbeiten stehen an.
Bis 1964 fuhr, wer mit dem Auto von Zürich via Walsensee nach Chur wollte oder umgekehrt, über den Kerenzerberg, die Glarner Dörfer Filzbach und Obstalden waren die Leidtragenden. Dann öffnete unten am See die erste durchgehende Fahrstrasse für Autos, die Vorläuferin der heutigen A3. Nun, ab heute wird für drei Wochen jeweils von Montag bis Donnerstag die alte Kerenzerbergroute für den Durchgangsverkehr reaktiviert. Denn auf der A3 stehen Baumfällarbeiten an, eine Spur, die von Chur Richtung Zürich, wird im erwähnten Zeitraum gesperrt. Für uns Wanderinnen und Wanderer bedeutet das: Kerenzerberg meiden.

Sonntag, 17. September 2023

Wielesch!

Holz regiert: die Alpwirtschaft Wielesch, Gemeinde Gommiswald SG.
Das Plättli von Wanderfreund Andi. (Foto: Ronja)
Zwischen Ebnat-Kappel und Kaltbrunn, zwischen dem Toggenburg und dem Linthgebiet findet sich unter dem Speer erstklassiges Wanderland. Die Kämme reihen sich, dazwischen gibt es tiefe Tobel, viele Aussichtspunkte sind zwischen 1000 und 1500 Meter hoch, also nicht hoch – und doch aussergewöhnlich, nun, aussichtsreich. Von der Breitenau sahen wir zum Beispiel den Titlisgletscher und den Chasseral. Was mir auffällt: Es hat in diesem Gebiet bemerkenswert viele Alp- und Bergbeizli. Am bekanntesten ist der Tanzboden, doch sind da auch Ober Bächen, die Alp Egg, der Klosterberg, der Cholwald, Ober Bogmen, die Aufzählung ist wohl nicht vollständig. Gestern lernten wir einen neuen Ort zum Einkehren kennen, die Alpwirtschaft Wielesch hoch über Rieden. Dort gefiel es uns, der Blick auf den Zürichsee war grandios, der Service flink und freundlich, die Kost untadelig von der Portion Käse über den Schüblig bis zum gemischten Plättli. Plant jemand eine Herbstwanderung? Bis Ende Oktober wird auf Wielesch gewirtet, dann ist Saisonende.

Auf Wielesch hat man den Zürichsee zu Füssen.

Samstag, 16. September 2023

Wie man früher Wölfe fing

Eine Wolfsangel aus dem 8. Jahrhundert, gefunden in Hessen.
(Foto: Cherubino / Wikicommons)
Am Sonntag erzählte ich von den Holzzeichen, speziell von denen in Langwies GR. Auf der Infotafel in Langwies, die diese erklärt und auflistet, ist die Wolfsangel erwähnt, auch sie diente in grafisch abstrahierter Form als Signatur. Mittlerweile habe ich nachgeschlagen, was eine Wolfsangel ist. Nun, nichts Schönes. Es handelt sich um ein Stück Eisen mit Widerhaken an beiden Enden, mit dem über Jahrhunderte Wölfe gefangen und getötet wurden. Man bestückte eine Wolfsangel mit Fleisch und hängte sie an einem Baum so hoch auf, dass der Wolf springen musste, um sich den Köder zu schnappen. Dabei verschlang er auch den Haken. Und verendete qualvoll. Die Wolfsangel gibt es nicht nur als Holzzeichen, auch in Wappen taucht sie auf.

Freitag, 15. September 2023

Denkmal für dilettierenden Dichter

Das Gessner-Denkmal am Klöntalersee. Es ist auf der Landeskarte eingezeichnet.

Bukolische Szene von Salomon Gessner, 1767. (Wikicommons)

Der Zürcher Salomon Gessner wurde 58, er starb 1788 und hat somit vollständig im Ancien Régime der Schweiz gelebt, das Napoleons Truppen ein gutes Jahrzehnt später hinwegfegten. Das, neudeutsch gesagt, Timing passt, Gessner war ein Bürger der alten Ordnung durch und durch. In eine gutsituierte und in der Politik verankerte Familie geboren, bekleidete er in seiner Heimatstadt prestigiöse Ämter und war im reifen Alter zum Beispiel "Sihlherr", was bedeutet, dass er für die Versorgung Zürichs mit Brennholz aus dem Sihlwald zuständig war. Geblieben ist anderes. Zum Beispiel, dass er 1780 die "Zürcher Zeitung" gründete, die Vorläuferin der "Neuen Zürcher Zeitung". Vor allem aber war Salomon Gessner Maler. Und Dichter. Mit Vorliebe kreierte er Schäferidyllen bzw. Schäferinnenidyllen, das Genre war harmlos und ein wenig läppisch, der Städter schwärmte vom ländlichen Hirtenleben. Am Montag kamen wir am Südufer des Klöntalersees zu einem Wegweiser, der das einige Meter höher im feuchten Hang platzierte Gessner-Denkmal anzeigte. Natürlich liessen wir es uns nicht nehmen, zu dem Gedenkstein aufzusteigen, den zwei Bewunderer 1788 erwählt und mit einer Inschrift ausgestattet hatten. "Salomon Gessnern wollte die Natur ein Denkmal stiften und lies hier seinen Namen verewigen", steht da zu lesen, die Orthografie von damals habe ich belassen. Das Denkmal in wildromantischer Lage lockte in der Folge viel Volk an den damals noch unglaublich abgelegenen Glarner Bergsee. Gessner selber freilich hat das Klöntal, soweit wir wissen, nie besucht.

Donnerstag, 14. September 2023

Die pinke Appenzellerin

Screnshot aus dem "Appenzellerin"-Kurzwerbespot.
Zugehöriger Slogan: "der charmanteste Käse der Schweiz". 

Appenzeller Käse ist kräftig. Rezent. Manche mögen das nicht. Jetzt gibt es das Gegenprogramm. Nämlich die "Appenzellerin". Die neue Variante sei mild und dezent aromatisch und eigne sich für alle, "die den klassischen Appenzeller für zu würzig halten", so die Werbung. Der neue Käse kommt dieser Tage in die Läden, ich habe ihn noch nicht probiert. Wer die "Appenzellerin" im Käseregal sucht: Die Verpackung ist pink.

Mittwoch, 13. September 2023

Eine Ufertour

Der Klöntalersee ist ein grosser Spiegel.
Felswände säumen das Seeufer.
Frau am Wasser.

Viel Volk wollte am Montagvormittag zum Klöntalersee hinauf, das Postauto ab Glarus war proppenvoll, wie andere Leute musste ich stehen. Oben verteilte sich die Masse bestens, und so konnten wir drei – ein Berner Freund, seine Tochter und ich – den Weg am strassenlosen Südufer des Sees von dessen Ostspitze (Rhodannenberg) zur Westspitze (Klöntal Plätz) voll geniessen. Man wandert den Grossteil der zwei Gehstunden im Schatten und in der Kühle, passiert hohe Wasserfälle und Felswände, quert Auenflächen und Geschiebefelder, stellenweise verläuft der Pfad einige Meter über dem Wasser. Doch, das war an diesem heissen Tag ein erfrischender Ausflug. Hinab nach Glarus verkehrten dann am Nachmittag zwei Busse.
Wieder unten in Glarus: der Vorder Glärnisch als Vulkan.

Dienstag, 12. September 2023

Das Glarner Bahnschlössli


Schon irre. Am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts wird alles Mögliche neu gedacht und geschaffen, es hagelt Fortschritt, das Land wird umgemodelt. Die Eisenbahn ist damals der Inbegriff der Innovation. Und doch gibt es zur gleichen Zeit Architekten, die nicht vorwärts schauen, sondern rückwärts – ihre Gebäude wollen längst vergangene Epochen wieder lebendig machen. Man nennt ihren Stil "Historismus". Gestern fotografierte ich den Bahnhof Glarus, ersonnen um 1900 von Karl August Hiller, von dem auch der Bahnhof Rapperswil stammt. Der Mann hat mitten in die beschleunigte Moderne seine klotzigen Burgenfantasien gestellt. Aber zugegeben, hübsch ist das Bahnschlössli durchaus.