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Sonntag, 14. September 2025

Hilfe für Anzeindaz

Die "Schweizer Berghilfe" macht das gut, dachte ich kürzlich wieder einmal. Gleichentags war mir ihr Magazin zugegangen mit Reportagen, die ausgewählte Projekte dokumentieren. Nehmen wir die Alp Anzeindaz hoch über Bex im Kanton Waadt. Bis anhin war an manchen Tagen nicht klar, ob es die Älplerfamilie schaffen würde, nach dem Melken rund 500 Liter Kuhmilch sicher ins Tal zu bringen; die Kiesstrasse ist gefährlich, bei grösseren Gewittern bilden sich Sturzbäche, manchmal klappte es mit dem Transport nicht. Dank einem Zustupf der "Berghilfe" wird nun direkt auf der Alp gekäst.

Der Artikel über die Alp Anzeindaz im neusten
Magazin der "Schweizer Berghilfe".

Samstag, 13. September 2025

Der Elsässer handelte

Die Marienkirche von Davos.
Am Eingang gibt es eine Mariengrotte.
Das Innere.

Die Marienkirche ist ein Klotz von Gotteshaus.
Kirchen immer interessant. Getreu dieser Maxime besuchte ich gestern in Davos nach meiner Ankunft gleich zwei Kirchen. Aufgrund einer Tafel an der Marienkirche in Davos Platz wurde mir die konfessionelle Geschichte der Talschaft klar. Die Landschaft Davos schloss sich 1528 der Reformation an. Die katholischen Kirchen wurden zu reformierten, praktisch alle Katholikinnen und Katholiken zogen weg, für die wenigen verbliebenen war der Pfarrer des in einiger Distanz gelegenen Dorfes Schmitten zuständig; schaute er in Davos vorbei, zelebrierte er die heilige Messe in einem Privathaus. Mit dem aufkommenden Kurtourismus kamen freilich wieder mehr Menschen katholischen Glaubens nach Davos. Sie besuchten Gottesdienste, die zum Beispiel im Rathaus, im Schulhaus, im offenen Schuppen eines Hotels stattfanden. Unbefriedigend. Ein Geistlicher aus dem Elsass, der nach Davos gezogen war, handelte. Er sammelte Geld, kaufte 1877 einen Bauplatz beim – bis heute bestehenden – Hotel National, 1879 wurde das Kapellchen "Maria zum Schnee" eingesegnet. 1892 schon wurde es, weil bereits zu klein, durch die heutige Marienkirche ersetzt; sie ist die grösste Kirche von Davos und ein Wahrzeichen der Alpenstadt. Heute gibt es in Davos etwas mehr Katholiken als Reformierte. Die grösste Gruppe unter den rund 12'000 Menschen der Gemeinde sind freilich die Konfessionslosen.

Freitag, 12. September 2025

Morgen ist Wandertag

Tiefblick zum Davosersee: ein Foto von Anfang Juli, als ich vom Jakobshorn ins Sertig wanderte.
Heute fahre ich nach Davos, morgen findet dort der alljährliche Nationale Wandertag der "Schweizer Familie" statt. Ob grad wieder so viele Leute – 5500 waren es – kommen wie letztes Jahr, als der Austragungsort Willisau war? Wir werden sehen. Mich findet man jedenfalls auf dem Festplatz, wo meine Zeitschrift einen grossen Stand unterhält.

Donnerstag, 11. September 2025

Lohnt sich sehr wohl

Gute Sache: Heli der Schweizerischen Rettungsflugwacht
Rega
bei der Basis Erstfeld im Kanton Uri, 2009.
(Foto: Weekender73/Wikicommons)
Wenn es unter Bekannten um das Thema Bergrettung geht, erwähne ich jeweils, dass ich Rega-Gönner bin. Immer wieder mal bekomme ich dann zu hören, die 40 Franken Jahresbeitrag könnte ich mir sparen, denn die Krankenkassen würden eine Rettung im Notfall ja auch bezahlen. Nun, liebe Freundinnen und Freunde, das stimmt und stimmt nicht. Auf srf.ch las ich eben von einem Fall, in dem zwei Bergwanderer im Wallis in der Nähe der Dents du Midi in einer steilen Flanke in eine ausweglose Situation gerieten. Sie konnten nicht weiter vorwärts und auch nicht zurück – Lebensgefahr. Und also kam es zum Hilferuf bei Air-Glaciers. Weil deren Heli dann nach einem weiten Anflug länger kreisen musste bis zur Lokalisierung der zu Rettenden, kostete das am Ende 4128 Franken pro Person. Der eine Wanderer musste im Folgenden feststellen, dass seine Krankenkasse bzw. die Zusatzversicherung der Krankenkasse den Betrag nicht übernahm. Die Sache ist nämlich die: Rein versicherungstechnisch handelte es sich nicht um eine Rettung, wie sie aus medizinischer Sicht nötig wird wegen einer Verletzung – bei einer Rettung hätte die Kasse bezahlt. Was im Dents-du-Midi-Gebiet vor sich gegangen war, war eine Evakuierung, für die keiner der grossen Versicherer aufkommt.  Der zweite aus der Bergflanke geholte Mann hatte Glück. Er war Rega-Gönner, die Rega übernahm die Kosten. Dass sie gar nicht selber unterwegs gewesen war, spielte keine Rolle: Sie ist mit anderen Luftrettungsorganisationen zusammengeschlossen, die Gönnerschaft für die eine Organisation gilt automatisch auch für die anderen im Zusammenschluss. Ich sags ja: Ich bin Rega-Gönner. Seit Jahren.

Mittwoch, 10. September 2025

Monster und Zardoz

Ein Kinderschreck namens Zardoz steht seit kurzem im kleinen Park hinter dem Chipperfield-Erweiterungsbau des Kunsthauses Zürich. Passend der Name der Künstlerin, von der das Werk stammt, sie, Jahrgang 1973, eine Engländerin, nennt sich "Monster Chetwynd". Der Riesenkopf aus Beton birgt im Inneren ein Seilgeflecht, über das man sich zur Dachplattform auf acht Metern hocharbeitet. Hinab gehts – Belohnung! – durch die Rutschbahnröhre. Bis 2027 soll Zardoz in Zürich zu sehen sein.

Dienstag, 9. September 2025

Eine feuchte Wohnung

Der Tüfels-Chäller bei Baden.
Mein Schlussbier im Städtchen Mellingen. 
Am Samstag wanderte ich von Baden via Fislisbach nach Mellingen, also von der Limmat an die Reuss; eine verhältnismässige kurze Unternehmung von zweieinhalb Gehstunden war das. Vieles gefiel mir, besonders aber der Tüfels-Chäller kurz nach Baden bei der Baregg, wo in prähistorischen Zeiten der Hang abrutschte – der Weg führt durch ein unübersichtliches, schattiges Waldstück mit Höhlen, mit vermoosten Nagelfluhbrocken und tiefen Mulden dazwischen; weil hier seit Jahrzehnten keine Bäume mehr geschlagen werden, liegt massenhaft Totholz herum. Gefiel mir bestens. Den Teufel traf ich leider nicht. Vielleicht hat ihn inzwischen der Lärm von der nahen Autobahn vergrault und er ist umgezogen. Oder dann kuriert er in irgendeiner Klinik das Rheuma aus, das er sich als Daueraufenthalter in dem feuchtelnden Keller zugezogen hat.

Montag, 8. September 2025

Der entschlafene Bahnhof

Badener Bahnhofsunkraut.
Noch mehr Bahnhofsunkraut.

Der Bahnhof Oberstadt.
In unseren Städten gibt es eher wenige Brachflächen. Darum faszinierte mich, als ich am Samstag vorbeikam, der alte Bahnhof Oberstadt in Baden, die Geleise sind dort mit Unkraut überwuchert, man fühlt sich ein wenig wie irgendwo im Ausland, in Berlin vielleicht. Im Bahnhofsgebäude ist eine Kunstgalerie einquartiert, das sorgt dann doch für eine – bescheidene – Portion Leben. Badens Bahnhof Oberstadt gehörte einst zur Schweizerischen Nationalbahn, lag an deren Linie von Zofingen nach Wettingen. Bloss ging die Nationalbahn, die sich als Volksbahn verstand und von den tangierten Gemeinden finanziert wurde, nach wenigen Jahren Existenz 1878 bereits in Konkurs. Die Konkurrenz schlug zu, sicherte sich die Konkursmasse, ging aber ihrerseits 1902 in der SBB auf. Gut 100 Jahre später wurde der Bahnhof Oberstadt 2004 stillgelegt.
Diese Passerelle nahm ich, nachdem ich mir den Bahnhof
Oberstadt angeschaut hatte. Wohin es danach ging, erzähle ich nächstens.