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Montag, 28. Februar 2011

Schuld und Unschuld der Mänziwilegg

"Mich trifft weder rechtlich noch moralisch eine Schuld", hat Elisabeth Kopp einst gesagt. Der Satz passt auch auf die Wirtsleute der Mänziwilegg (BE). Wir wanderten am Samstag bei diesigem, doch trockenem Wetter von Boll hinauf und assen. Meine Rindshuft mit Pommes und Gemüse war gut. Trotzdem fragte ich mich beim Abgang, und dies umso mehr, als die Vegetarierin Katrin Mühe hatte, auf der Karte etwas für sich zu finden: Wieso forcieren solche Wirtschaften eigentlich derart todverbissen die Kombination "ein Stück Fleisch - Pommes - ein wenig Alibigemüse"? Empfinden sie sich etwa als vielseitig, weil sie neben den Pommes auch Nüdeli anbieten? Und denkt der Mänziwilegg-Beizer wohl in seinen stillen Momenten: Doch, manchmal hätte ich Lust, etwas zuzubereiten, was ich nicht vor 344 Jahren in der Kochstifti gelernt habe! Das wäre dann der seelische Abgrund der schweizerischen Durchschnitts-Gastronomie. Aber wie gesagt: Rechtlich und moralisch sind die Wirte, die die Menükarte einmal im Leben entwerfen, um sie hernach höchstens alle sechs Saisons ein wenig umzustellen und jeweils herbstens das beliebte Rehschnitzel zu programmieren - rechtlich-moralisch sind diese Leute ohne jede Schuld.

Sonntag, 27. Februar 2011

Schlauer Gehörnter

Ein Forscherteam stattete 20 Bündner Steinböcke mit Messsonden aus - und fand Interessantes. Bekanntlich ist das Wild im Winter energietechnisch gefordert. Es kann nur überleben, wenn es mit den eigenen Kräften und Reserven sparsam umgeht. Beim Steinbock nun entdeckten die Forscher, dass seine Körpertemperatur nach Sonnenaufgang recht schnell ansteigt, und zwar ganz ohne Frühsport. Wie das? Nun, der Steinbock erwacht und schlurft zur nächsten besonnten Stelle. Dort legt er sich wieder hin und lässt sich aufheizen. Das dauert zwar in der Regel Stunden, hat aber den Vorteil, dass es sich eben um Fremdenergie handelt und nicht um die eigene des Steinbocks. Schlauer Gehörnter.

Samstag, 26. Februar 2011

Das Tobel, auf das ich verzichte

In dieses Waldloch will man heute nicht: Tobel der Urnäsch.
Heute gibt es Plan B: von Boll auf die Mänziwilegg. Bernbiet also. Eigentlich wollte ich - Plan A - ins Appenzellerland und mein Grüpplein ins Tobel der Urnäsch führen. Doch mit Schnee und Eis ist das zu heikel. Ich habe mir gelobt, die Route Waldstatt - Haslen bald wieder anzugehen. Sie führt durchs Land meiner Kindheit und an Höfen vorbei, denen ich, als ich meinen Vater-den-Briefträger begleitete, die Post brachte.

Freitag, 25. Februar 2011

Ein coiffierter Witz

Was ist das? Ein Auto!
Aber was ist das?
Heute in der Zeitung: die Kolumne meiner Wanderung über den Buechberg in der March, Kanton Schwyz. Kurz vor Wangen kam ich am Auto einer Grosspudelzucht vorbei. Auf dem Internet machte ich mich über den Betrieb kundig, sichtete aus Niegier alsbald weitere Pudelzüchtereien und Pudelcoiffeursalons (Bild) und zog die Folgerung: Jedes Tier hat seine Würde. Aber manches wird vom Menschen zum Witz gemacht.

Donnerstag, 24. Februar 2011

Europas längste internationale Tramlinie

Der Zipfel zwischen den Ausbuchtungen von Basel rechts und Pruntrut links: Rodersdorf (SO). Am Wochenende schloss dort unsere Wanderung, ich war fasziniert. 88 Prozent der Dorfgrenze sind auch Staatsgrenze zu Frankreich. Und nach Basel fährt man nicht mit dem Zug, den gibt es längst nicht mehr. Auf dem alten Trassee verkehrt Tram Nummer 10, das wie eine Wildsau durchs Gehölz prescht und eine französische Haltestelle (Leymen) bedient. Mit 26 Kilometern ist dies Europas längste internationale Tramlinie.

Mittwoch, 23. Februar 2011

Ab in den Ruhestand, Russi!

Dieses Inserat sah man eben in vielen Zeitungen - da im Hintergrund das Matterhorn abgebildet ist, darf ich gewiss in meinem Wanderblog darüber schreiben. Augenoptiker "Visilab" zahlt 100 Franken für eine alte Brille, wenn man eine neue kauft, und verfolgt damit laut eigenen Worten auch ein "ökologisches und humanitäres Ziel". Und Bernhard Russi, unser altes Ski-As, faselt, dass ihn mit "Visilab" die "gleichen Wertvorstellungen" verbänden. Ach, wie war das früher schön, als eine Firma noch dazu stand, Geld verdienen zu wollen, statt einem ihre Weltanschauung anzudienen! Und was Sie angeht, Russi: Jetzt aber husch ab in die Pensionierung und dort stillgehalten, Sie Selbstausverkäufer, Sie!

Dienstag, 22. Februar 2011

Fronarbeit an der Wulp


Schuhe mit Spikes sowie Stöcke braucht es für eine Winterwanderung ins vereiste Küsnachter Tobel. Und ich füge den legal disclaimer bei: Jeder tut es auf eigene Verantwortung. Natürlich wird, wer es wagt, auch die Ruine Wulp aufsuchen. Imposant, wie die Küsnachter das Gemäuer aus dem 11. Jahrhundert ab 1920 in drei Jahren Fronarbeit wieder ans Licht holten. 106 kollektive Samstagseinsätze waren nötig.