Gesamtzahl der Seitenaufrufe

Montag, 1. Juni 2015

Charmantes Abseits

Schwarze Wolken über der noch jungen Wanderung.
Baumbärte bei Les Lavoirs.
Zwischen La Caquerelle und Les Malettes.
Der Doubs in St-Ursanne.
Truite aux amandes im Ours.
Der Samstag im Kanton Jura war grosses Wetterkino. Am Startort Delémont dräuten schwarze Wolken, so dass wir vorerst fürchteten, es würde regnen. In der Senke von Les Lavoirs war es schwitzig-warm-feucht wie im Dschungel. Oben bei La Caquerelle blies eine kräftige Bise, so dass wir beim Zwischenhalt im bzw. vor dem gleichnamigen Restaurant froren. Das Städtchen St-Ursanne am Ende der Wanderung wiederum war von der Sonne aufgeheizt worden und wärmte uns lieb. In St-Ursanne ist immer ein schönes Ankommen, man hat dort unten am Doubs im Abseits der grossen Verkehrswege das Gefühl, aus der Zeit zu fallen, was durch die Stiftskirche aus dem 12. Jahrhundert forciert wird. Die Neuzeit holte uns um sechs Uhr abends oben am Bahnhof wieder ein, als wir nach einem guten Essen im Ours die Heimfahrt antraten. Doch, das war eine gute Route!
Delémont - Domont - Les Lavoirs - Séprais - La Caquerelle - Les Malettes - Les Grangettes - Outremont - Derrière le Château - St-Ursanne - St-Ursanne, Bahnhof. 6 1/4 Stunden, 776 Meter aufwärts, 698 abwärts, 22 Kilometer.

Sonntag, 31. Mai 2015

Madonna mia!

Hans Schärer, 1927 bis 1997, Maler von Madonnen und erotischen Aquarellen. Beide Aspekte zeigt derzeit das Aargauer Kunsthaus in Aarau. Ich war diese Woche dort und machte Fotos. Voilà ein paar Madonnen und andere ikonische Frauengestalten, die übrigens interessant gemacht sind. Schärer baute gerne Steine, Muscheln oder Scherben ein, so dass seine Gemälde oft flächig sind, ja Reliefcharakter haben. Sie sind mal karnevalesk, mal Voodoo. Man gehe nach Aarau und schaue selber, es lohnt sich.

Samstag, 30. Mai 2015

Delsberg?

Delsberg/Delémont im ersten Weltkrieg: Verladen der Feldpost.
(Schweizerisches Bundesarchiv/Wikicommons)
Heute soll es von Delémont zum Pass von Les Rangiers gehen und dann hinab nach St-Ursanne. Aber sollte ich statt "Delémont" nicht den deutschen Namen verwenden, Delsberg? Ich glaube nicht; ich denke, dieser Zug ist abgefahren und das deutsche Wort in das Schattenreich der rein passiven Verwendung entschwunden. Es ist interessant zu sehen, wie sich einzelne deutsche Namen von Orten in der Romandie halten, während andere verblassen oder völlig vergessen sind. Keiner sagt: "Ich fahre heute nach Genève." Ebensowenig aber sagt einer, wenn er Saint-Imier meint: "Ich fahre heute nach Sankt-Immer." Bei Neuenburg/ Neuchâtel beobachte ich, dass tendenziell der französische Name auf- und der deutsche Name absteigt. Weiss übrigens noch jemand, was "Vivis" ist? Jawohl, Vevey.

Freitag, 29. Mai 2015

Bestialischer Stumpen

Tut mir leid, wenn das Foto ein wenig dunkel ist. Man siehts aber schon, oder? Ein altes Rössli-Stumpen-Werbeschild an einer Hauswand in Unterägeri. Waren das Zeiten, als die Männer noch Stumpen rauchten. Zum Beispiel der Bäcker Kürsteiner, der in den Sechzigerjahren auf dem Töffli am Samstag nachmittag um vier bei uns vorfuhr und ein unglaublich gutes Weissbrot auslieferte. Er rauchte beim Fahren. Immer noch besser als in der Beiz. Dort stank es jeweils bestialisch, als Kind hielt man das manchmal gar nicht aus. Wobei es Beizen und Beizen gab. Normale, in denen gemässigt geraucht wurde. Und, eben, Stumpenbeizen. Lang ists her.

Donnerstag, 28. Mai 2015

Kurts Buch über Marcos Leben

1995 fing ich beim Facts an, das damals auch anfing (mittlerweile ist das Heftli ja längst schon wieder tot). Unter vielen brillanten Kollegen einer der zwei, drei brillantesten war Kurt Brandenberger; er war Auslandchef. Jetzt hat Kurt ein Buch über Marco Camenisch geschrieben, den Italienischbündner, der im Gymnasium super Noten hat, es aber zum Leidwesen seiner Eltern vor der Matura verlässt; er will bei den einfachen Leuten sein, möchte ein Proletarier sein. Er kifft, macht ein Kind, um das er sich nicht gross kümmert, wird Hilfsarbeiter und Alternativbauer und und und. Vor allem aber beginnt er bald mit dem, was er selber "Widerstand" nennen würde, was ihm aber auch das Beiwort "Ökoterrorist" einbringt. Er sprengt Strommasten und Anlagen der verhassten Elektrizitätskonzerne. Schliesslich die Verhaftung und das Gefängnis. Er flieht mit ein paar Berufsverbrechern, taucht unter. Als ein Jahrzehnt später in Brusio ein Grenzwächter erschossen wird, deuten die Indizien auf ihn, den die Polizei nach der Tat wieder eingefangen hat. Er wird verurteilt, die Strafe ist hart. Seither, seit 25 Jahren, sitzt er im Gefängnis und ist für jüngere Leute, auch für gewalttätige, ein Vorbild. Ich muss gestehen, dass ich Radikale dieser Art nie verstanden habe. Aber Camenischs Leben wird durch Kurts Buch doch um einiges erhellt, ich empfehle es sehr zur Lektüre.
"Marco Camenisch. Lebenslänglich im Widerstand", von Kurt Brandenberger, Echtzeit Verlag.

Mittwoch, 27. Mai 2015

Tag der offenen Wand

In Hochfelden ZH gewährte uns vor einiger Zeit ein verfallender Fachwerkbau Einblick in das Geheimnis seines Aufbaus. Wo der weisse Verputz weg war, sahen wir Weidengeflecht und darin als Füllung - nun, was war die Bröckelware einst, Erde oder Lehm? Stroh glaubten wir auch zu erkennen an diesem Tag der offenen Wand.

Dienstag, 26. Mai 2015

Zwei Stunden in Mittelerde

Gestern Fahrt nach Jenins und Besuch des Greisinger Museums. Es heisst so nach Bernd Greisinger, einem früheren Bankkaufmann aus Deutschland, der offenbar Geld scheffelte. Er kaufte damit überall auf der Welt Tolkien-Objekte zusammen und eröffnete vor zwei Jahren an seinem neuen Lebensort in der Bündner Herrschaft besagtes Museum. Eine geführte Tour dauert mehr als zwei Stunden, kostet 50 Franken und ist erschlagend - eine unglaubliche Fülle an Gegenständen aller Art erwartet einen; indestens ebenso interessant ist das Museum selber, ein unterirdischer Bau nach Hobbitart. Doch, die Reise nach Mittelerde hat sich gelohnt.
Soweit meine sechs Fotos. Die Frau, Enza, une Romande, war unsere Führerin.