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Donnerstag, 30. November 2017

Acht mal Wallis

Wie gestern berichtet, machte ich am Dienstag eine Rundwanderung ab Saillon, einem Dorf zwischen Sion und Martigny. Drei Stunden dauerte diese bei je 500 Höhenmetern auf und ab, hier die Route: Saillon, Collombeyres (Bus) - Saillon, Bourg - Saillon, Kirche - Saillon, Tour Bayart - Aux Corbassières - Passerelle à Farinet - Les Places - Montagnon - Produit - Saillon, Les Moulins - Salentse-Schlucht-Weg - Saillon, Les Moulins - Saillon, Les Bains (Bus). Und jetzt möchte ich die Fotos erzählen lassen.
Saillon ist im Kern ein Bourg, ein Mittelalterstädtchen auf einem Hügelsporn.
Steil geht es auf einem Fusspfad mit Geländer hinauf. Links die Tour Bayart.
Die Tour Bayart vom Nachbarhügel (Blickrichtung Martigny). Nicht zu sehen:
Vor dem Turm klafft ein Geländeloch. Meterhoch die Tritte der Direttissima,
auf beiden Seiten ist sie mit Ketten gesichert. Das ist nicht ungefährlich.
Von der Tour, die man innen über Wendeltreppen und Steintreppen ersteigt,
hat man Rundsicht. Hier der Blick das Rhonetal hinauf Richtung Sion.
Einige Zeit später in den Reben. Unten wieder die Tour Bayart.
Die Passerelle à Farinet. Der Tiefblick in die Schlucht ist schwindelerregend.
Am einen Ende sass ein Trüppchen Walliser Wanderer und becherte vergnügt.
Wieder unten in Saillon  an der kanalisierten Salentse. Ihr entlang ging ich in die
Schlucht. Dort liegt die Thermalquelle des Bades, für das Saillon bekannt ist.
Hübsches Treppli in der Schlucht. Deren Unterteil ist touristisch hergerichtet.
Am Ende war die Sonne weg. Hier noch einmal der Bourg von Saillon
mit der Tour Bayart. Sieht aus wie Sions Stadtberg Tourbillon, fand ich.

Mittwoch, 29. November 2017

Der Geldfälscher und seine Hängebrücke

Gestern war ein guter Tag. Ein sehr guter Tag. Um 6 Uhr 40 traf ich im HB Zürich anhand der Wetter-App auf meinem Handy die Entscheidung: ab ins Wallis, zur Restsonne! Tatsächlich hielt die Sonne praktisch bis zum Ende meiner dreistündigen, abenteuerlichen, von Kettensicherungen, steilen Stufen, abrupten Steigen und sogar einer Leiter geprägten Rundwanderung ab Saillon durch. Mehr zur Route morgen, vorgezogen will ich hier bloss eine der Entdeckungen präsentieren, die ich machte: die Passerelle à Farinet, die bei Saillon auf 136 Metern über Grund die Schlucht der Salentse überquert. Benannt ist diese neuzeitliche Hängebrücke, bien sûr, nach dem Walliser Ur-Schlitzohr, dem Geldfälscher Joseph-Samuel Farinet; er fand auf der Flucht vor seinen Häschern in der Salentse-Schlucht 1880 sein Ende. Zeitweise sollen in der Schweiz ein Drittel aller kursierenden Zwanzigräppler Fake-Exemplare aus Farinets Werkstatt gewesen sein.

Dienstag, 28. November 2017

Das Namensrätsel

Zusammengebaut: Helmhaus und Wasserkirche. Hinten der eine Turm
des Grossmünsters. (Bild: Roland zh/ Wikicommons)
Kennen alle das Helmhaus in Zürich, das nördlich an die Wasserkirche angebaut ist und als städtische Kulturinstitution zeitgenössische Kunst zeigt? Schon lange fragte ich mich, woher der Name stammt. Wen könnte man Berufeneres fragen als Anna Pia Maissen, die Stadtarchivarin von Zürich. Sie hat umgehend geantwortet, was ich sehr freundlich finde, und geht dabei in die Vollen. Die Sache ist nämlich nicht eindeutig, "nun, es ist kompliziert", leitet Maissen ihr Mail ein und listet danach die Theorien auf, natürlich unter Angabe der jeweiligen Quelle. Hier die Möglichkeiten:
  • "Helmhaus" könnte von "hellen" gleich "hüllen" stammen; gemeint wäre die kleine Vorhalle vor der Wasserkirche, die schon früh entstand. Später wurde sie durch einen Anbau zum Helmhaus ergänzt.
  • "Helmhaus" könnte abgeleitet sein von "hehlen" gleich "schützen"; das Verb ist von derselben Wurzel abgeleitet wie "Helm". Das Helmhaus schützt helmartig die Wasserkirche. 
  • "Helmhaus" könnte aber auch zurückzuführen sein auf die Masseinheit der Elle; andere Wortformen sind Ell, Eln, Heln, verwandt mit lateinisch "ulnea". Der frühere gedeckte Markt an diesem Ort, zeitweise ein Tuchmarkt, stellte das Urmass der Zürcher Elle zur Schau. So konnte jeder kontrollieren, dass man ihn, etwa beim Abmessen von Tuch, nicht mit einer falschen Kopie der Elle betrug. Das Helmhaus wäre aus dieser Warte das Ellenhaus.
Interessant, oder? Schade finde ich, dass das Helmhaus selber auf seiner Homepage mit keinem Wort auf den eigenen Namen eingeht.

So, gleich gehe ich auf den Zug. Es geht ins Wallis. Oder an den Neuenburgersee. Oder nach Wolhusen im Luzernischen. Entscheiden werde ich spätestens im HB Zürich.

Montag, 27. November 2017

Die Glocke von Stein

Die Glocke der Thelema rief die Anhänger jeweils zu Gebet und Messe.
Ein Sakralschurz, geschneidert von einer Ordensfrau.
Gut 50 Jahre lang gab es in Stein im Appenzellerland, Dorf meiner Jugend und mein Bürgerort, im Gasthof Rose die "Abtei Thelema". Der dort residierende okkulte Orden namens "Psychosophische Gesellschaft" war - sagen wir mal - zu einem Drittel unheimlich und zu zwei Dritteln lächerlich, im Nachhinein betrachtet. Es wurden im Keller Messen gefeiert, die Hierarchen trugen dabei fantasievolle Gwändli, man vernetzte sich international mit anderen Gruppen wie den Templern und den Freimaurern. Im Zentrum stand ein verkrachter, vormals in Zürich wegen Betrugs gebüsster Graphologe, der es verstand, sich Leute, vor allem Frauen, gefügig zu machen und diese emotional und auch finanziell zu vampirisieren - ein klassischer Sektenmechanismus. Das alles ist seit gut zwei Jahrzehnten Vergangenheit, der Guru längst ebenso tot wie eine Handvoll Leute des engeren Kreises, deren Seelen nachhaltig ruiniert wurden. Tausende Dokumente, Schriften und Objekte der sich am englischen Magier Aleister Crowley orientierenden Abtei lagern heute unter dem Namen "Collectio Magica et Occulta" in der Ausserrhoder Kantonsbibliothek in Trogen. Ich schrieb im Tagi diesen Sommer einen Artikel über die merkwürdigen Thelemisten von Stein, die von den Einheimischen stets als Fremdkörper empfunden wurden, und bloggte auch zum Thema. Nun, da in Stein im Appenzeller Volkskundemuseum eine aus dem Fundus der erwähnten Collectio gespiesene Ausstellung angelaufen ist, ging ich mir diese - das war vorgestern - anschauen. Ausgestellt sind Kultgegenstände und -gewänder, dazu Bücher aus der Bibliothek des Ordens, Fotos, Zeitungsartikel sowie die abtei-eigene Glocke, die Sakralanlässe einläutete. Mein Eindruck nach dem Besuch der Ausstellung ist derselbe wie nach der Lektüre des kundigen Buches der Historikerin Iris Blum: Die Leute von der Rose waren wirre Charaktere. Aber sie waren es mit Methode und Beharrlichkeit, so dass sich die Psychosophische Gesellschaft ein halbes Jahrhundert halten konnte.
Das Appenzeller Volkskundemuseum in Stein AR mit dem Plakat
zur gegenwärtig laufenden Ausstellung "Tu, was du willst".

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Sonntag, 26. November 2017

Das Tannzapfenprojekt

Dieses sauglatte Tourismusangebot auf der Rigi gibt es schon länger.
Diese Woche online gelesen: Den Rigibahnen lief es letztes Jahr sehr gut, für 2016 resultierte ein satter Gewinn. Nun fasst das Zentralschweizer Unternehmen ein ehrgeizigeres Management der Regen- und Schlechtwetter-Tage ins Auge, auf dass auch bei durchzogenem Wetter viele Leute auf den Berg reisen. Drei Stichworte: Auf Rigi Kaltbad soll ein Baumhüttendorf entstehen, in dem Gäste übernachten können (okay, möglicherweise zieht das). Auf Rigi Staffel will man ein "Swissness"-Bergdorf mit Schauwerkstätten hochziehen (klingt ein wenig nach Ballenberg, oder?). Und auf Rigi Scheidegg ist eine meterhohe Aussichtsplattform geplant. Sie soll die Gestalt eines Tannzapfens haben (oh Graus). Hoffentlich ist das Ding wenigstens nicht aus Plastik.

Samstag, 25. November 2017

Alles so schön durchnummeriert

Der neue Netzplan. Wer ihn studieren will, hier der Link.
Gelesen, gesehen, gehört? Auf den Fahrplanwechsel am 10. Dezember führen die SBB neue Bezeichnungen für die grossen Bahnlinien durchs Land ein. Diese bekommen Nummern grad wie die Autobahnen oder die S-Bahn-Linien. Zum Beispiel:
  • IC 1: Genf Flughafen - Bern - Zürich - St. Gallen
  • IC 2: Zürich - Zug - Lugano
  • IC 3: Basel - Zürich - Chur
  • IC 4: Zürich - Schaffhausen.
Mir gefällt das. Es hat etwas bubentraumartig Aufgeräumtes, Adrettes, Ordentliches, Soldatisches. Alles so schön durchnummeriert. Antreten zum Appell, Bahnlinien!

Freitag, 24. November 2017

Hackbraten am Röstigraben

Ein Teil des Alpenkranzes, gesehen vom Waldrand oberhalb Heitiwil FR.
Schloss Balliswil. Es ist Privatbesitz.
Ein Nachtrag bzw. eine Präzisierung zu gestern, als ich vom Grandfey-Viadukt erzählte: Die Wanderung, in deren Rahmen ich den Viadukt bewanderte, dauerte 3 1/2 Stunden, es ging je knapp 300 Meter aufwärts und abwärts; ich zog von der Freiburger S-Bahn-Station Poya zum Murtentor, nach Le Palatinat und Grandfey, überquerte auf besagtem Viadukt den Schiffenensee und setzte via Balliswil, St. Wolfgang, Jetschwil, Heitiwil, Farneraholz, Bethlehem, Ochsenried fort nach Schmitten. Dort ass ich im Restaurant Kreuz zu Mittag und beendete die Wanderung am unterhalb des Dorfes gelegenen Bahnhof. Soweit die Fakten. Aber natürlich ging es auch bei dieser Wanderung in erster Linie um Gefühle und Stimmungen und interessante Dinge. Zum Beispiel war mir das Murtentor, das zu Freiburgs mittelalterlicher Befestigung gehört, bisher kein Begriff gewesen; was für eine massive Anlage es ist mit dem darüber aufragenden Turm! Wunderschön dann viel später der Blick vom Waldsaum oberhalb Heitiwil zum Alpenkranz. Und im Kreuz hatte ich einen sehr guten Rindshackbraten. Das sind Eindrücke, die mir von der Route am Röstigraben bleiben werden.
Der Murtentor-Turm in Freiburg (links) ist 34 Meter hoch und fast 600-jährig.