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Mittwoch, 31. Dezember 2025

Auf gute Begegnungen

Ein Foto von der allerletzten Wanderung des Jahres, die uns am Samstag zum Albishorn hinauf führte. Ich wünsche den lieben Leserinnen und Lesern dieses Blogs alles Gute für 2026. Bedanke mich für all die wertvollen Reaktionen von Kritik über Anregung bis Freude. Und hoffe, dass uns allen auch im nächsten Jahr gute Begegnungen und Gespräche – eben keine Selbstgespräche – zuteil werden. Das lustige Telefon sah ich an einer Hauswand im Minidorf Husertal.

Dienstag, 30. Dezember 2025

Die Sache mit der Schleuse

Die Berninabahn auf einer Aufnahme von 1928.
(Foto: Wikicommons)
Bei dem Nebel in den letzten Wochen ist es kein Wunder, dass es alle in die Berge zog. "20 Minuten" reportierte, wie es über Weihnachten auf der Berninalinie der Rhätischen Bahn zu und her ging. Die war mit den Massen von Leuten überfordert, sie hatte zwar gegenüber dem Vorjahr je 600 zusätzliche Plätze von St. Moritz Richtung Tirano und retour geschaffen, was aber nicht reichte. Unglücklich auch der Versuch, an den Bahnhöfen von Tirano und St. Moritz ein Schleusensystem zu testen mit getrennten Zugängen für Gruppen und Leute mit Reservation bzw. Einzelreisende ohne Reservation. Im erwähnten Artikel erzählt ein Mann, er habe am späten Nachmittag "mit etwa 400 anderen" eine Stunde lang im Freien warten müssen. Bei minus 12 Grad. "Man hätte doch wenigstens Tee verteilen können." Die Rhätische Bahn ihrerseits liess verlauten: "Wir versuchen alles, aber es ist schwierig bei diesem ausserordentlichen Andrang, und die Möglichkeiten sind irgendwann ausgeschöpft."

Montag, 29. Dezember 2025

Appenzeller auf dem Albis

Der so reizende wie abseitige Weiler Husertal gehört zur Gemeinde Hausen am Albis.
Rasten mit Stil: die"Kraftzelle" oberhalb Husertal.
Im Bergrestaurant Albishorn.
Am Samstag wanderten wir von Baar via Deinikon, Rütelihof, Ebertswil, Husertal, Oberalbis aufs Albishorn. Wir trafen dort in der Wirtschaft auf einen jungen Servierer, der stark appenzellerte, und merkten auch, dass die halbe Wirtschaft voller Appenzeller war. Warum? Keine Ahnung. Ein Verwandtentreffen? Appenzellerverein? Parallel zum Albiskamm zogen wir im Folgenden unterhalb auf der Zürichsee-Seite durch den Sihlwald nach Unteralbis und assen dort um 14 Uhr im "Löwen" Zmittag (Eintrag von gestern), um danach schnell und easy hinab zum Bahnhof Langnau-Gattikon zu gelangen. Bemerkenswert war an dieser Wanderung rein wettermässig, dass wir bis Oberalbis in grünem Gelände unterwegs waren. Danach wechselte das Szenario auf Winter, die Pfade waren unangenehm rutschig, die Stimmung mit den verschneiten Bäumen wundervoll. Wenn etwas die Unternehmung (4 h 40 min, 580 Hm aufwärts, 555 Hm abwärts) doch zusammenhielt, dann der Nebel. Der war unten und auch oben. Die Sonne haben wir am Samstag nicht gesehen. Aber vieles andere.

Winterliche Verhältnisse auf dem Albis.

Kurz vor dem Albishorn.

Sonntag, 28. Dezember 2025

Der Club der 200

An die 200 Tavernenrechte gibt es im Kanton Zürich noch. Ein solches Tavernenrecht steht im Grundbuch, ist an die betreffende Liegenschaft gebunden und gibt dem Besitzer das Recht, Gäste mit Speis und Trank zu versorgen und sie auch zu beherbergen. Vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert war der Betrieb einer Wirtschaft ohne Tavernenrecht nicht möglich; wer es besass, musste zwingend das Haus mit einem Wirtshausschild kennzeichnen und ihm auch einen Namen geben. Gestern kehrten wir am Ende unserer Wanderung über den Albiskamm im "Löwen" im Weiler Unteralbis, Gemeinde Langnau am Albis, ein – das Restaurant an der Strasse zum Albispass gehört zum Club der 200 und feiert, wie auf der Website zu lesen steht, nächstes Jahr den 500. Geburtstag. Und damit vollends in die Gegenwart: Wir hatten alle das Cordon bleu im kleinsten der drei Formate, es war riesig und mundete sehr. Nach dem Essen in der Gaststube im Erdgeschoss zeigte uns der Wirt die Räume im ersten Stock, wo für vielleicht 100 Leute aufgedeckt war. Am Abend – wir waren am frühen Nachmittag da – habe er voll, erzählte er. Cordon bleu sei halt beliebt. Wir waren beeindruckt. Wobei: Die wirten ja auch schon seit einem halben Jahrtausend und wissen, wies geht.

Samstag, 27. Dezember 2025

Der Hustenschacht

Ich habe kein Foto vom Hustenschacht.
Hier eines von Forschern im nahen Hölloch.
(Rama/Wikicommons)
In den benachbarten Gebieten des Pragelpasses, der Silberen und des Bödmerenwaldes, deren Untergrund aus wasserdurchlässigem Kalk besteht, gibt es viele Höhlen. Berühmt ist das Hölloch, eines der grössten Höhlensysteme Europas. Gestern las ich im "Infosperber" von einer spektakulären Entdeckung: Im Oktober suchte eine Juniorengruppe tagelang am Pragelpass, auf Schwyzer Terrain, nach noch unbekannten Öffnungen im Gelände. Dabei stiessen die Nachwuchsforscher auf den Eingang zu einer riesigen Höhle, deren vertikale Röhre in der Direttissima 170 Meter tief in den Boden führt. Zum Vergleich: Das Berner Münster ist 101 Meter hoch. Weil mehrere Leute der Expedition erkältet waren, wurde die neue Höhle auf den klingenden Namen "Hustenschacht" getauft.

PS: Unbedingt im oben gelinkten Artikel scrollen – tolle Fotos!

Freitag, 26. Dezember 2025

Der Ichthys von Hundwil

Ein halbes Kilo Mostbröckli. Eine fette Schützenwurst (ähnlich wie eine Lyoner). Sowie eine Schachtel Pralinen. Eine Schachtel Basler Läckerli. Amaretti. Baumnuss-Nussgipfel. Und dazu mein über alles geliebter Mandelfisch vom Oertle in Hundwil. Wissen alle, was das ist? Ein typisches Ostschweizer Gebäck aus Mürbeteig mit einer schönen, süssen, dunklen Mandelfüllung. Ich liebe alles, was mir im Rahmen der Weihnacht, vor allem der Familienweihnacht, zugegangen ist. Würde mich nicht wundern, wenn ich in zwei Wochen zwei Kilo schwerer bin. Immerhin, morgen soll gewandert werden, da dürften einige der Kalorien wieder verbrannt werden. 

PS: Der Fisch passt bestens in die Weihnachtszeit, er war im frühen Christentum ein geheimes Erkennungszeichen. Die Erklärung ist sprachlicher Art: Fisch heisst auf Griechisch Ichthys. Dieses Wort wiederum ist ein Akronym: Iesus Christos Theou Yios Soter. Zu Deutsch: Jesus Christus, Gottes Sohn, Erretter.

Donnerstag, 25. Dezember 2025

Zinggelers Jet d'Eau

Der Sternenweiher auf der Geländeterrasse oberhalb von Richterswil ZH.
Eine Viertelstunde ist nicht lang, wenn man etwas Schönes geniessen will. Winters ist die Fontäne in Richterswil, direkt am Zürichsee-Ufer gelegen, jeweils am Sonntag von 11.45 bis 12 Uhr angestellt. Um den weltweit höchsten bloss mit der Schwerkraft funktionierenden Springbrunnen soll es sich handeln, 101 Meter schiesst das Wasser in die Höhe. Dass Richterswil einen Jet d'Eau à la Genf hat, verdankt es dem Textilindustriellen Rudolf Zinggeler-Syfrig. Er liess im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts den Bach oberhalb Richterswil in der Nähe von Samstagern aufstauen zu einem Weiher, dem Sternenweiher, dessen Wasser fortan via ein weitverzweigtes Netz von Druckleitungen die Maschinen von Zinggelers Fabrik und anderer Betriebe antrieb. Die Fontäne war ein Nebenprodukt, ein Geschenk des Unternehmers sozusagen, das die Einheimischen stolz machte und den Fremdenverkehr ankurbelte. Jahrzehntelang lief sie, doch in den 1960er-Jahren war dann doch Schluss. Bis sich später ein Verein bildete, der sie reaktivierte. Was etwas mehr als zwei Millionen Franken kostete, die alte Leitung musste ersetzt werden, und weil der Sternenweiher mittlerweile unter Naturschutz steht und aus ihm kein Wasser entnommen werden darf, wurde eine Wasserfassung etwas unterhalb gebaut. 2007 war es soweit und schoss die Fontäne wieder in die Höhe. Warum ich das alles erzähle? Weil wir am Wochenende am Sternenweiher vorbeikamen. Was für ein geschichtsträchtiges Gewässer.