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Montag, 2. Februar 2026

Höllische Fetzen

Das "Constanzer Wirtshaus" und die Fetzen.
Wir waren alle drei zufrieden mit unserem Essen. Allerdings fanden ich (Saiblingsfilets mit Röstkartoffeln und Gemüse) und Anita (Rinderroulade mit Kartoffelpüree), dass Ronjas Gericht einen seltsamen Namen hatte, einen potenziell abstossenden. Ist das typisch deutsch, dass man ein Rindsgeschnetzeltes mit pikanter Würzung als "Höllische Oxenfetzen" verhunzt? Gut seien die Fetzen jedenfalls, beschied uns Rita. Am letzten Mittwoch war das, in Konstanz, wo wir zu Ende unserer Wanderung dort einkehrten, wo der Seerhein aus dem Obersee strömt. Nördlich steht am Wasser ein grosser Biergarten mit mehreren, zum Teil wintergartenartig zugerüsteten Räumen. Ein Gemäuer mit Stufengiebel, vage an eine alte Feuerwache in Potsdam oder so erinnernd. Das "Constanzer Wirtshaus" stammt von 1899. Es wurde damals von Kaiser Wilhelm II. als Offizierscasino eingerichtet.

Sonntag, 1. Februar 2026

Wanderung mit Hüppenhalt

Blick von Schloss Arenenberg auf Ermatingen mit dem
markant in den Untersee vorgeschobenen Schwemmdelta.
Weltkriegsbunker bei der Bahnstation Triboltingen.
Letzten Mittwoch zogen wir vom Bahnhof Mannenbach-Salenstein im Kanton Thurgau nach Konstanz. Weil wir dort einen Abstecher zu einem besonderen Restaurant machten, brauchten wir dreieinhalb statt der für die Direttissima nötigen drei Stunden. Die Route war abwechslungsreich. Wir bekamen es mit gleich drei Gewässern zu tun, zuerst mit dem unteren Teil des Bodensees, dann mit dem Seerhein, dann mit dem oberen Seeteil. Im ersten Drittel gingen wir etwas oberhalb, via Schloss Arenenberg mit dem Napoleonmuseum, das grad noch in der Winterpause ist. Ab Ermatingen waren wir später in flachem Gelände ufernah unterwegs. In Gottlieben machten wir Pause im stilvollen Seecafé, das mit der örtlichen Hüppen-Manufaktur assoziiert ist, natürlich probierte ich Hüppen (einmal Vanille, einmal Mandel) und kaufte auch welche (Himbeere). Gleich anschliessend passierten wir, noch in Gottlieben, das Wasserschloss. Jenen Bau, in dem der böhmische Reformator Jan Hus 1415 als Gefangener sass. Noch einmal eine Strecke am Wasser, dann langten wir in Konstanz an und gönnten uns einen späten Zmittag. Wo genau, erzähle ich morgen oder so.
Schönes Gottlieben: das "Seecafé".

Düsteres Gottlieben: das Wasserschloss.

Samstag, 31. Januar 2026

Rührung in Konstanz

Letzten Mittwoch wanderten wir vom Bahnhof Mannenbach-Salenstein nach Konstanz. Vom Thurgau nach Deutschland. In Konstanz sah ich eine Tafel, die für den regionalen ÖPNV warb, also für den öffentlichen Personennahverkehr. Und war als Schweizer ein wenig gerührt, dass die Deutschen das mit Verweis auf unseren ÖV tun.

Freitag, 30. Januar 2026

Das Bachduell

Dieser Tage lese ich das letztes Jahr erschienene Buch "Die Reuss. In der Mitte der Schweiz und ihrer Geschichte". Es diskutiert unter anderem die Frage, welcher unter den diversen Quellbächen der Reuss der wichtigste ist, also sozusagen DIE Quelle der Reuss. Bis in die frühe Neuzeit schien die Sache klar: Die Gotthardreuss galt als Reussquelle, denn man schaute den Gotthard als Herz der Alpen an. Als Zentrum. Als Ort des Ursprungs der Dinge. Als Mitte. Später verbreitete sich die Ansicht, die Furkareuss sei wichtiger und der eigentliche Quellfluss. Da war aber auch noch der Mönch und Alpenforscher Placidus a Spescha aus dem Kloster Disentis, 1752–1833. Für ihn lag der Anfang der Reuss in der Witenwasserenreuss, die bei Realp in die Furkareuss einmündet. A Spescha könnte recht haben, findet Buchautor Jean-Daniel Blanc. Erstens führt die Witenwasserenreuss mehr Wasser als die Furkareuss. Zweitens, das macht sie bedeutend, kommt sie von einer Dreifach-Wasserscheide, wo die Einzugsgebiete der Reuss, der Rhone und des Ticino aufeinanderstossen.  Ein dritter Grund ist mittlerweile hinzugekommen: Aufgrund des Rückzuges des Witenwasserengletschers ist der Bach, den er entlässt, signifikant länger geworden. Interessant, dieses Quellbachduell.

Donnerstag, 29. Januar 2026

Zofinger Schatzkammer

Ein schöner Bau, dieses Museum Zofingen, das ich am Wochenende besuchte. Er datiert von 1901, imitiert die Palazzi von Florenz, die Fassade ist mit Sgraffiti dekoriert, man hatte in der Aargauer Kleinstadt Stil. Geld sowieso. Inwendig ist das Haus eine Fundgrube respektive Schatzkammer, es gibt auf mehreren Etagen Versteinerungen und Kristalle zu sehen, aber auch präparierte Tiere, Feuerwehrgerät, Flinten, Säbel, und der im Ort verwurzelte Schweizer Medienkonzern Ringier hat eine eigene Abteilung. Mir gefiel das Museum, weil es so schön altmodisch ist, Schaukästen dominieren, das digitale Angebot ist klein, viel Museumspädagogik gibts nicht. So kann man sich treiben lassen, was ich mit Freuden tat.

Mittwoch, 28. Januar 2026

Ein Römer in Solothurn


Darf ich vorstellen? Das ist Candidus. Er lebte im 4. Jahrhundert nach Christus in Rom, starb jung, mit etwa 20 Jahren, wurde unterirdisch begraben in einer der Katakomben, deren Entdeckung mehr als tausend Jahre später das katholische Abendland beflügelte – man nahm an, dass all die Toten zu Lebzeiten Christen gewesen waren. Verfolgte. Märtyrer. Heilige. Viele von ihnen, also ihre Reste, wurden über die Alpen geschafft, auch in der Schweiz gibt es an einigen Orten, etwa in der Klosterkirche Rheinau ZH, Katakombenheilige. Zurück zu Candidus: Er wurde, salopp gesagt, in Solothurn eingebürgert, wo er auch seinen Namen erhielt und die längste Zeit im Frauenkloster Namen Jesu aufbewahrt wurde. Ich fotografierte den jungen Mann respektive sein mit Gaze verhülltes, nach Art eines römischen Legionärs gepanzertes, mit kostbaren Steinen veredeltes Skelett im Historischen Museum Blumenstein in Solothurn.

PS: Heute gehe ich nach längerer Pause (Grippe) wieder wandern. Am Bodensee. Freue mich.

Dienstag, 27. Januar 2026

Zofingens Blutstab

Man soll nicht vorschnell den Stab über jemanden brechen. Die Redewendung heisst so viel wie: Man soll nicht vorschnell über eine Person ein endgültiges Urteil sprechen. Sie verurteilen. Am Sonntag war ich im Museum Zofingen und sah dort – neben unzähligen anderen interessanten Dingen – einen Blutstab. Auf meinem Foto ist es der dünne Stab rechts, das links ist passenderweise ein Richtschwert. In sehr alten Zeiten, las ich im Begleittext, wurde in Zofingen auf dem Gerechtigkeitsplatz, mittlerweile umbenannt in "Niklaus-Thut-Platz", Recht gesprochen. Hatte der Richter das Urteil gefällt, zerbrach er seinen Blutstab und warf ihn dem oder der Verurteilten vor die Füsse. Das Urteil war endgültig, Rekursinstanzen gab es nicht.