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Samstag, 5. September 2026

Ich konnte mich nicht sattfotografieren

Beim Felsentor: der Vierwaldstättersee mit dem Bürgenstock am Ufer vis-à-vis.
Hinten rechts der Pilatus, hinten etwas links der Bildmitte das Stanserhorn.
Pforte aus verkeilten Blöcken: das Felsentor.
Mein Zmittag nach drei Gehstunden.
Ich habe gestern von den Treppen erzählt, die an der Rigi den Geissrügge bewältigen und hinauf zum Aussichtspunkt Chänzeli leiten. Das kleine Abenteuer war am Mittwoch Teil einer grösseren Unternehmung – Gehzeit 3 h 40 min, 940 Hm aufwärts, 390 Hm abwärts. Wir starteten bei der Bahnstation Romiti Felsentor. Kamen gleich zum Felsentor, einer magischen Felspforte. Durchquerten das Areal des gleichnamigen spirituellen Zentrums, stiegen auf einem breiten Weg durch die Felsbänder ab zum Ober Säntiberg. Worauf der lange Aufstieg nach Rigi Kulm begann. Er führte uns zur Müseralp, über den Geissrügge, zum Chänzeli, zur Staffelhöhe und zur Rigi Staffel. Dort gabs Zmittag auf der Terrasse des "Lok 17", ich hatte eine Pouletbrust an Harissa-Sauce mit Couscous, ganz fein. Es folgte der Schlussaufstieg zum Gipfel. Vielseitig und abwechslungsreich, diese Route. Wenn eines sie zusammenhält als optische Klammer, dann die unzähligen Tiefblicke aufs blaue Wasser, das des Vierwaldstättersees vor allem, aber auch des Zugersees. So schön war das, dass ich mich nicht sattfotografieren konnte.
Die Kapelle Heilig Kreuz zwischen Felsentor und Ober Säntiberg.

Blick vom Rigi-Gipfel über den Zugersee nach Norden.

Freitag, 4. September 2026

Warens Treppen, warens Leitern?

Steiles Stück.
In die Nagelfluh gezwungenes Wegstück.
Der Geissrügge ist ein Hindernisparcours der Natur.
Und hier noch einmal ein Treppenfoto.
Waren es nun acht oder neun Treppen? Ich erinnere mich nicht genau, was wohl auch damit zu tun hat, dass ich auf meine Schritte achten musste und im abschüssigen Gelände ins Keuchen kam. Und waren es Treppen oder Leitern? Für mein Dafürhalten eher Treppen, teilweise steil zwar, aber mit komfortablen Stufen ausgerüstet und jeweils auf der einen Seite mit einem Handlauf versehen. Am Mittwoch wanderten wir im Rigigebiet, und ich lernte den Geissrügge-Weg kennen, der von oberhalb der Müseralp zum Aussichtspunkt Chänzeli führt. Grobes Waldgelände, Nagelfluh, an einigen Stellen mussten wir die Hände zu Hilfe nehmen und kurz kraxeln. Gut, gabs die Treppen. Die vielleicht auch Leitern waren.
Unser Weg von der Müseralp her in Violett auf einem "Schweizmobil"-Screenshot.
Oben links der Geissrügge, ein Waldgrat, der zum Chänzeli führt.

Donnerstag, 3. September 2026

Wurst und Hellebarden

Der Zeughauskeller. Respektive ein Teil des Zeughauskellers.
Meine "Zwingli-Wurst" war würzig,
der Reis viel zu trocken. 
Der Zeughauskeller beim Paradeplatz in Zürich ist riesig. Was beim Eintreten auch gleich auffällt, ist das Kriegsgerät an den Wänden, Hellebarden und dergleichen. Die längste Zeit war dies halt eben ein Zeughaus, in dem Waffen, Rüstungen, Munition gelagert wurden. 1487, als der Bau entstand, hatte Kolumbus noch nicht Amerika entdeckt und war Gutenbergs revolutionäre Druckerpresse noch eine Neuheit. Auch schon wieder 100 Jahre sind vergangen, seit der Zeughauskeller 1926 zur Wirtschaft umgewandelt wurde. Und die Kost? Touristen werden carweise herangeführt, die Karte gibts auch auf Englisch und Chinesisch, die Portionen sind riesig, das Essen, nun ja, okay. Aber seinetwegen geht man auch gar nicht in den Zeughauskeller. Was anzieht, ist die Atmosphäre. Und dass man auch am Nachmittag jederzeit warme Gerichte bekommt.
Seit mehr als fünf Jahrhunderten gibt es das Haus schon. (Foto: Paebi/Wikicommons)

Mittwoch, 2. September 2026

Land am Wasser

Vor Wochen: Einkehr im "Eierhals" im Weiler Morgarten ZG.
Eben berichtete ich vom "Eierhals", einem Restaurant mit eigener Fischerei am Ägerisee, das nach der gleichnamigen Flur so heisst. Eigenwillige Sache, woher kommt das Wort? Auf ortsnamen.ch wurde ich fündig und kann vermelden: Um Eier gehts hier gar nicht. Die Deutung bzw. die Deutungsvarianten in zwei Teilen:

  1. Hals bedeutet entweder einen Einschnitt oder eine Engstelle, gemeint sein könnte die Runse des Eierhalsbaches. Oder die Engstelle zwischen Hang und See.
  2. Früher hiess der Ort Heierhals. Heier hat zu tun mit hegen, womöglich geht  es um einen Ort, an dem man pflanzte oder hegte. Alternative Deutung: Ei kann auch Land am Wasser bedeuten.

Dienstag, 1. September 2026

Carrot wandert durch

Carrot Quinn heisst wirklich so und wuchs in Alaska als Kind einer schizophrenen Mutter auf, die sie und ihren Bruder vernachlässigte, die Geschwister litten oft Hunger, stahlen, lebten zeitweise auf der Strasse. Ich erzähle diese biografischen Dinge, weil Quinns Buch von 2013 bei alledem nur so strotzt vor Lebensenergie und Lebensfreude. "Thru-Hiking Will Break Your Heart" handelt vom 4265 Kilometer langen Weitwanderweg "Pacific Crest Trail", den die junge Frau unter die Füsse nimmt. Die Strecke von der mexikanischen zur kanadischen Grenze führt durch die Wüste, durch die Sierras, durch den Regenwald, an manchen Tagen geht den Leuten, die den Trail bewandern, das Wasser aus, oder ihr Vorrat an Schoggiriegeln ist aufgebraucht und sie leiden Hunger. Oder sie haben Monsterblasen, quälen sich mit Darmparasiten vorwärts, bekommen Fieber, verirren sich, fallen in eisige Bergbäche. Von vielem mehr erzählt dieses Buch, das in einer Art Rausch geschrieben worden sein muss, es zieht vorwärts wie ein reissender Fluss. Und verschweigt nichts, es geht um Menstruationsblut, das an den Beinen eine Kruste bildet. Um einen Schlafsack, der tagelang nicht mehr trocknet. Um Bären und Klapperschlangen mitten auf dem Pfad. Vor allem aber hat Carrot Quinn eine Hommage an die Freundschaft geschrieben, an ihre "trail family", eine Handvoll junger Leute, die zusammen unterwegs sind, sich immer wieder mal aus den Augen verlieren und wieder finden. Auch eine Liebesgeschichte entfaltet sich. Eine traurige. Ich empfehle das Buch allen, es quillt über vor Kraft, es tut weh, es macht glücklich.

PS: Hiking ist Wandern auf Englisch. Thru-Hiking bezeichnet das Langstreckenwandern, das Durchwandern.

Montag, 31. August 2026

Stau im Gebirge

Auf dem Schilthorn, der Zacken ganz rechts ist der Eiger mit der verschatteten Nordwand.
Hübsche Farbe: die Antriebsräder der Seilbahn.
Das Blüemlisalp-Massiv. Im Vordergrund leicht rechts der Mitte in Grün die Sefinenfurgge. (Foto: Ronja)
Eben machte ich mit Begleiterin Ronja einen Ausflug auf das Schilthorn. Seit bald einem Jahr ist es neu erschlossen; von Stechelberg gelangt man jetzt in drei statt wie bisher vier Seilbahn-Sektionen auf den Gipfel auf 2970 Metern über Meer. Hier ein paar Dinge und Beobachtungen:
Eine der Rolltreppen im Gipfelterminal.

  1. Atemberaubend ist die unterste Sektion von Stechelberg hinauf nach Mürren. Offenbar handelt es sich gar um die steilste Seilbahn der Welt.
  2. Schaut man in dieser Sektion rechterhand aus dem Fenster, sieht man in der senkrechten Felswand den Klettersteig Mürren-Gimmelwald. Ausgesetzter geht nicht. Krass, wie viele Leute dort unterwegs waren. Beim Einstieg in den Steig hatte sich eine riesige Schlange gebildet, Stau im Hochgebirge.
  3. Ich hatte im Gipfelrestaurant reserviert für 12 Uhr 30. Die arbeiten dort mit Slots, man soll bitte schön zur reservierten Zeit eintreffen. Taten wir. Bloss das Restaurant war nicht parat. Eine Riesenschlange hatte sich gebildet. Wir standen unten am Fuss der Wendeltreppe, die hinauf ins Restaurant führt. Die Schlange bewegte sich nicht. Um 12 Uhr 45 gingen wir wieder und assen später schön stressfrei in Zürich.
  4. Von der Panoramaterrasse hat man ein paar hundert Berge vor Augen. Mich erfreute etwas anderes noch viel mehr: Einigermassen nah konnte ich am Fuss des Blüemlisalp-Massivs die Sefinenfurgge ausmachen. Einen Pass, dessen Überquerung (von Gimmelwald bei Mürren zur Griesalp) mir in Erinnerung geblieben ist.
  5. Lauterbrunnen, wo man vom Zug auf den Bus nach Stechelberg zur Seilbahn umsteigt, ist ein Irrenhaus. So viele Leute sind dort unterwegs, dass der Bus kaum durch den Ort kommt. Die Berner Oberländer wollten Tourismus, jetzt haben sie, an gewissen Punkten jedenfalls, Overtourism.
    Schlange auf der Treppe zum Drehrestaurant.

Sonntag, 30. August 2026

Der Sockenverteiler

Gestern am Wandertag der "Schweizer Familie" in Gstaad verbrachte ich viel Zeit am Stand unserer Zeitschrift: Gespräche mit Leserinnen und Lesern, Auskunftgeben über das Tagesprogramm und dergleichen, Entgegennehmen ausgefüllter Wettbewerbstalons. Noch mehr Spass machte mir eine andere Tätigkeit: Ich verteilte Wandersocken. Hochwertige Ware vom Outdoor-Ausrüster rukka mit dem aufgeprägten SF-Logo. Ich weiss nicht, wie viele Paar ich ausgab. Aber jedenfalls hats jetzt draussen im Land jede Menge Leute mit neuen Socken, die ich ihnen überreichte. Irgendwie ein gutes Gefühl.