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Samstag, 18. Juli 2026

Wir sahen rot

Flumserberg halt: Verrucano im Abschnitt Winkelzahn–Seebenalp.
Loop der Rodelbahn Floomzer beim Tannenboden.
Mein Sandwich.
Am Mittwoch wanderten M. und ich am Flumserberg, von der speziellen Schönheit der Seebenalp mit ihren drei Seen und dem zackigen Sächsmoor am nahen Horizont habe ich gestern erzählt. Hier die ganze Route, für die wir knapp drei Stunden brauchten bei 690 Höhenmetern aufwärts und 60 Höhenmetern abwärts: Tannenboden, Gondelbahn–Winkelzahn–Seebenalp–Heusee–Grueb–Zigerfurgglen–Maschgenkamm. Wieder einmal übertrumpfte die Landschaft bei weitem die Hässlichkeit der Ski- und Freizeitanlagen, wieder einmal bezauberte uns der rote Verrucano, aus dem die Gegend gebaut ist – märchenhaft, dieses Gestein. Wer eine imposante Route sucht: Diese kann ich empfehlen. Samt dem Snack am Ende: Neun Franken nur bezahlte ich für das grosszügig mit örtlichem – chüschtigem! – Alpkäse gefüllte Knusperbrot auf dem Tannenboden im "Colors". So beschloss ein wirklich gutes Sandwich unsere Wanderung.
Zwischen Grueb und Zigerfurgglen: Auf dem Kamm zeigt sich die Bergstation Maschgenkamm.

Talfahrt vom Maschgenkamm zum Tannenboden, es fängt an zu regnen.

Freitag, 17. Juli 2026

Drei Seen und der Sächsmoor

Auf der Seebenalp, im Wasser des Grosssees spiegelt sich der Sächsmoor.
Das Wasser ist rot wegen des roten Verrucanogesteins.
Der Schwarzsee war auch schon grösser.
Heusee mit Ente.
Die Seebenalp, erreichbar in leichten 90 Wanderminuten ab Tannenboden, ist mit Sicherheit einer der schönsten Orte auf dem Flumserberg. Drei Dinge sind es mindestens, mit denen ich das belegen kann, nachdem ich am Mittwoch wieder einmal dort war.

  1. Das Berghotel auf 1620 Metern über Meer. Der gemütliche alte Kubus, grünes Dach, grüne Fensterläden, wurde 1906 gebaut als Erholungsort für Leute mit Atemproblemen und Lungenkrankheiten. Belle Epoque im Sarganserland.
  2. Der Sächsmoor. Was für ein Zacken! Man hat ihn auf der Seebenalp direkt vor Augen und findet, dass man ihn getrost den kleinen Bruder des Matterhorns nennen darf.
  3. Die drei Seen. Den kleinsten, den Schwarzsee, fanden wir geschrumpft vor. Eine Folge der Hitzewelle, nehme ich an. Im grössten, dem Grosssee, gibt es Hechte, erzählte uns ein Angler. Charmant der Heusee. Auf dem Weg zu ihm und um ihn mussten wir gut aufpassen beim Gehen. Hunderte winziger brauner Frösche, kaum grösser als ein menschlicher Daumennagel, waren unterwegs. Was die wohl antrieb?
    Noch einmal der Grosssee mit dem Berghotel Seebenalp (rechts hinten).
    Im Hintergrund zur Rechten ein Teil der Churfirsten.

Donnerstag, 16. Juli 2026

Die Marche de rupture

Ein Foto vom letzten Jahr: auf dem Platz vor der Kathedrale in Santiago de Compostela. 
Jakobswandern als Kinostoff: das Filmplakat. 
Seit ich letztes Jahr auf dem spanischen Jakobsweg für eine Reportage unterwegs war, bin ich von diesem fasziniert. Ehrensache, dass ich mir – diese Woche wars – im Kino den französischen Spielfilm "Compostelle" anschaute. Der erzählt von einer entlassenen Lehrerin, die einen jugendlichen Straftäter auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela begleitet. In Frankreich nennt man das eine "marche de rupture" oder "marche éducative", gemeint ist ein Marsch, der aus dem Alltag reisst und erzieherisch wirkt. Ein Richter, eine Richterin kann die Jakobsroute einem jungen Menschen als Alternative zu einem Gefängnisaufenthalt anbieten. So zottelt das ungleiche Paar, der Delinquent und die ihm behördlich zugeordnete Begleiterin, also los. Von der Mühsal des Langstrecken-Wanderns ist nicht viel zu spüren, dafür sind die grossartigen Landschaften Südfrankreichs und Nordspaniens mit der Drohne genial eingefangen. Die Handlung ist von Kitsch durchsetzt und sprunghaft. Wenn ich am Ende doch zufrieden aus dem Kino ging, dann darum, weil es im letzten Viertel doch einen entscheidenden Bruch gibt – die Geschichte nimmt eine sehr unerwartete Wendung. Also: Widmer gäbe nach Schweizer Schulsystem die Note 4,75 und empfiehlt den Besuch durchaus.

Mittwoch, 15. Juli 2026

Der Gewerbepolizeipalast

Schöner Wohnen: die Villa Hohenbühl  beim Bahnhof Stadelhofen in Zürich.
Man ist tausend Mal vorbeigefahren und hat nie richtig geschaut. Und dann wird eines Tages die Stadtzürcher Endhaltestelle der Forchbahn wegen Bauarbeiten vom Stadelhoferplatz 50 Meter Richtung Hegiplatz verschoben – und plötzlich nimmt man, an der Kreuzbühlstrasse stehend und auf den Zug wartend, die prächtige Villa wahr, die erhaben im Hang über den Geleisen am Bahnhof Stadelhofen steht. Das war am Sonntag. Die Villa Hohenbühl, auch "Villa Wegmann", ein Neorenaissancepalast, wurde 1889 fertiggestellt, hier residierte Friedrich Wegmann, 1832–1905, Erfinder, Müller, Industrieller, der sein Vermögen einem selbstkreierten und patentierten Porzellanwalzenstuhl für die Müllerei verdankte. Porzellanwalzenstuhl? Hm. 1949 erwarb die Stadt Zürich das Anwesen, lange mietete die Kantonsschule Stadelhofen es, mittlerweile ist im Rahmen einer Zwischennutzung die Gewerbepolizei einquartiert. Ich sags ja immer: In der Verwaltung sollte man arbeiten.

Dienstag, 14. Juli 2026

Oberstes Dorf und Ödland

Zelle der Zivilisation: das Kloster Disentis.
Als wir letzten Samstag den Vorderrhein hinauffuhren, dachte ich, dass zwei Ortsnamen in der Kombination eine stimmige Episode zur Besiedlung der Talschaft enthalten. Sumvitg ist gleich summus vicus, höchstes Dorf. Sumvitg war somit als oberster Vorposten am Vorderrhein schon da, als noch etwas weiter oben das Kloster Disentis gegründet wurde; Disentis hat zu tun mit desertus, was verlassen bedeutet. Genau das fanden die Klosterpioniere im achten Jahrhundert dort vor: ödes Land. Was die Dörfer noch weiter hinauf zum Oberalppass, Sedrun etwa, betrifft: Sie gehen auf das Kloster zurück.

Montag, 13. Juli 2026

Visite bei La Pendenta

Auf der Brücke, Blickrichtung Disentis. Hinten die Kapelle Sontga Gada.
Bodengitter. Hundepfoten müssen leiden.
Das muss im Oktober 2024 ein Spektakel gewesen sein. Kurz vor ihrer Einweihung wurden auf der neuen Hängebrücke La Pendenta, die bei Disentis GR den Vorderrhein Richtung Mumpé Medel überquert, 35 Behälter aufgestellt und mit insgesamt 20 Tonnen Wasser gefüllt. La Pendenta überstand den Belastungstest mit Bravour, sie senkte sich damals in der Mitte um 80 Zentimeter, es war genau der Wert, den die Ingenieure im Voraus berechnet hatten. Das Wasser konnte man dann bequem in den Fluss ablassen. Vorgestern Samstag beging ich die Brücke, mein Gewicht kumuliert mit dem der anderen paar Menschlein, die auf ihr unterwegs waren, dürfte vernachlässigbar gewesen sein. Ein schönes Bauwerk ist La Pendenta ("Die Hängende") jedenfalls. Und ihre Dimensionen sind eindrücklich: 270 Meter lang ist sie und verläuft auf knapp 100 Metern Höhe über Grund. Seitlich hat sie übrigens Vertäuungen, die ein übermässiges Schwanken auch bei Starkwind verhindern. Für mich war es in dieser Woche die zweite Hängebrücke, nachdem ich zuvor die eben fertiggestellte Thurstegweg-Brücke im unteren Toggenburg getestet hatte. Eine nächste Hängebrückenvisite ist derzeit nicht geplant.
Bei Sontga Gada. Oben in der Mitte das Dorf Mumpé Medel an der Wanderroute zum Lukmanierpass.

Sonntag, 12. Juli 2026

Ich bin jetzt Baba-Fan

Hercule Poirots Lieblingsdessert im "Neue Forch".
In den "Asterix"-Comics gibt es das Legionärslager Babaorum. Der Name spielt auf das Dessert Baba au rhum an, das man ziemlich ähnlich ausspricht. Aus früheren Jahren ist mir die Speise als tropfnasser, matschiger Ring in Erinnerung, sie hatte mir nie besonders geschmeckt. Und nun sah ich sie diese Woche im Restaurant Neue Forch auf der Forch unweit von Zürich auf der Menükarte und fand, ich müsste sie wieder bestellen. Hat sich gelohnt: Baba au rhum, angeblich von einem polnischen König erfunden, besteht aus einem gugelhopf-artigen Kuchen, der mit einer Mischung aus Rum und Zuckersirup getränkt wird. In diesem Fall war das Ergebnis wundervoll, weil die erwähnten Flüssigkeiten dosiert eingesetzt wurden: Der Kuchen duftete und schmeckte nach Rum, aber nicht übertrieben. Auch war er nicht pflotschig. Und die Garnitur, siehe Foto, mochte ich auch. Und so bin ich nun ein Baba-Fan und werde das Dessert wohl wieder einmal bestellen, wenn es irgendwo angeboten wird. In guter Gesellschaft bin ich dabei auf jeden Fall: Die Romanfigur Hercule Poirot, Agatha Christies Detektiv, liebt es über alles.