Gesamtzahl der Seitenaufrufe

Donnerstag, 29. Juni 2017

Textilturm wird Hexenmuseum

Im neuen Museum. (zvg)
1782 wird in Glarus die Dienstmagd Anna Göldi als Hexe hingerichtet. Heute gedenkt ihrer nicht nur der Roman von Eveline Hasler, sondern auch das Anna-Göldi-Museum. Es stand bisher in Mollis und wechselt heuer den Ort; am 20. August ist Neueröffnung im Hänggiturm von Ennenda, dem Nachbarort von Glarus. Besagter Turm ist ein Relikt der Textilindustrie; an ihm hängte man früher nasse Stoffbahnen zum Trocknen auf. 800 000 Franken kostet das Göldi-Projekt, die Anschubfinanzierung kam vom Kanton Glarus, 700 000 Franken hat die Stiftung selber gesammelt. Ich werde das neu gestaltete Museum sicher bald besuchen, wenn es denn mal offen ist. Betriebsführung und Marketing obliegen übrigens einem Gemeinderat von Glarus Nord, Fridolin Elmer. Ich muss bei dem Namen schmunzeln. Glarnerischer kann man nicht heissen, Elm spricht für sich, und Fridolin ist bekanntlich der Landesheilige.

Mittwoch, 28. Juni 2017

Man wüsste mal wieder nach Nos

Nods/Nos mit dem Chasseral im Hintergrund.
(Roland Zumbühl/ Wikicommons)
Als ich mir unlängst anschaute, welche Gemeinden dem Verwaltungskreis Berner Jura angehören, stiess ich wieder einmal auf ihre alten deutschen Namen. Hier diejenigen Orte, die es auch auf Deutsch gibt - man sei sich freilich bewusst, dass die deutschen Bezeichnungen am Aussterben sind oder bereits praktisch tot:

Belprahon: Tiefenbach
Eschert: Escherz
Grandval: Granfelden
La Neuveville: Neuenstadt
Mont-Tramelan: Bergträmlingen
Moutier: Münster
Nods: Nos
Orvin: Ilfingen
Perrefitte: Beffert
Péry-La Heutte: Büderich
Petit-Val: Kleintal
Plateau de Diesse: Tesshochebene
Rebévelier: Rupertsviler
Reconvilier: Rokwiler
Renan: Rennen
Romont: Rothmund
Saint-Imier: Sankt Immer
Sonvilier: Sumwiler
Tavannes: Dachsfelden
Tramelan: Tramlingen

Dann gibt es noch den umgekehrten Fall: bernjurassische Gemeinden mit deutschem Hauptnamen und einem französischen Pendant. Es sind zwei:

Schelten: Scheulte
Seehof: Elay

Dienstag, 27. Juni 2017

Familie Vögeli

Mami hat lustige Füsse (Fotos: Betti Hildebrandt).
Schiff, Mole, Vogelnest.
Als unser Schiff am Samstag, von Stein am Rhein kommend, in Schaffhausen an der Schifflände anlegen wollte, war der Vorgang komplizierter als gewöhnlich, die Crew samt Kapitän stark gefordert - und am Geländer standen viele Leute und schauten auf den stetig sich verengenden Zwischenraum zwischen Schiff und Ufermole und machten Aaaa und Uuuu. Genau dort, wo das Schiff anlegt, schwappte nämlich ein Vogelnest auf den Wellen sanft auf und abwärts, darin Eier und darauf das Mami mit einem bereits geschlüpften Jungen. Wunderbar, wie das ging und das gewaltige Schiff die kleine Welt der Familie Vögeli schonte in ihrem prekären Winkel.

Montag, 26. Juni 2017

Thurgauer Kaltstart

Stein am Rhein voraus. Aber wo ist die Sonne?
Diesen Findling an der Schifflände von Steckborn mochte ich
sehr. Er besteht aus verknetetem Hornstein aus dem Surses.
Das war seltsam am Samstag, man war voll auf Hitze eingestellt, aber der Himmel war am Morgen grau. Einmal tröpfelte es. Und als wir von Steckborn auf dem Untersee nach Stein am Rhein fuhren und von dort weiter auf dem Rhein nach Schaffhausen, war es auf dem offenen Oberdeck ziemlich kühl, die Leute trugen Jacken und fröstelten. Aber erfrischend war das schon. In Schaffhausen assen wir etwas und besuchten dann das Museum zu Allerheiligen. Dort gibt es derzeit eine Reformationsaustellung. Ich kam gar nicht bis zu ihr. Die Sammlung Ebnöther nämlich im Erdgeschoss fesselte mich derart, dass ich mich ganz ihr widmete - und ich will noch einmal hin, um ihre Exponate genauer anzuschauen. Was es mit der Sammlung auf sich hat, dazu bald mehr. Vorerst wünsche ich einen schönen Montag. Ah ja, noch dies: Morgen möchte ich von einem ganz besonderen Vogelnest erzählen. Von einem ganz besonders platzierten.
Derselbe Findling aus der Nähe.

Sonntag, 25. Juni 2017

Schöner Name

Der Familienname passt in diesem Fall perfekt zum Gewerbe. Das Foto entstand gestern in Steckborn TG.

Samstag, 24. Juni 2017

Tod einer Alpwirtschaft

Vor zwei Jahren kehrte ich ein.
Au nein, so schade. Die Alpwirtschaft Stäfeli, die zwei Gehstunden oberhalb von Schwarzenberg LU liegt und als eine Art Basislager für alle Besteiger des Mittaggüpfi diente - diese Alpwirtschaft Stäfeli ist eingegangen. Ich wollte dort kürzlich anrufen, wegen eines geplanten Artikels, doch die Handynummer aus dem Telefonbuch war nicht mehr in Betrieb. Und also rief ich die Gemeindeverwaltung Schwarzenberg an, und die bestätigte meine Ahnung: Das Stäfeli gibt es nicht mehr. Au nein, so schade, es lag dort oben im Wiesland unter der steilen Güpfiflanke einfach ideal. Trauer herrscht, mir tut so etwas immer in der Seele weh - jede Beiz weniger ist eine Beiz zu wenig.
Lieblich der Alpboden des Stäfeli. Die ehemalige
Wirtschaft sieht man in der Bildmitte.

Freitag, 23. Juni 2017

Berner Politgeografie

Der Kanton Bern mit dem Berner Jura in Rot. Noch mit Moutier, natürlich.
(Wikicommons/ Tschubby)
Heute mal ein wenig Politgeografie. Ich musste selber, ich gestehe es, nachschlagen, nachdem ich am Sonntag vernommen hatte, dass Moutier den Kanton Bern verlassen und zum Kanton Jura wechseln will. Ich fragte mich: Wie ist eigentlich der Berner Jura genau definiert, der bald Moutier verliert? Die Antwort: Er besteht aus dem gleichnamigen Verwaltungskreis, der wiederum sich aus den bisherigen bernjurassischen Amtsbezirken Courtelary, Moutier und La Neuveville zusammensetzt.

Moutier selber als grösster Ort des Berner Juras hat 7615 Einwohner.  Nicht gerade eine Riesenballung. Ich fragte mich auch, welcher Ort der nächstgrösste der 40 zugehörigen Gemeinden ist und also der grösste, wenn Moutier abgegangen ist. Voilà die Einwohnerzahlen der grössten fünf nach Moutier:
  • Saint-Imier, 5101
  • Tramelan, 4417
  • Valbirse, 4009
  • La Neuveville, 3693
  • Tavannes, 3612

Donnerstag, 22. Juni 2017

Die Brücke, der Bauer, der Wolf

Hier schauten schon Wölfe vorbei: Vättis SG.
Die neue Taminabrücke zwischen Pfäfers und Valens kam in diesem Blog bereits vor; ich war ja mit meinem Grüppli am Volksfest, das die Fertigstellung feierte. Morgen wird die Brücke für den Verkehr freigegeben - zu diesem Termin widmete ihr die NZZ gestern einen schönen Artikel. Ich las darin ein paar interessante Dinge, darunter diese drei:
  • Am 8. Juli kommt die neue Postautolinie, die das Taminatal samt allen Dörfern erschliessen wird. Bisher gab es je eine Linie nach Pfäfers bzw. Vättis und eine nach Valens.
  • Jener Bauer, der auf der Seite von Valens das Land für die neue Brücke hergeben musste, beging sie in einer Art feierlichem Akt gleich nach Inbetriebnahme, um in Pfäfers die Steuererklärung im Rathaus persönlich abzugeben.
  • Im Taminatal lebt das einzige Wolfsrudel der Schweiz. Letzten Winter wagten sich die Wölfe bis in den Dorfkern von Vättis vor, sie hatten wohl Hunger. Gefressen wurde niemand.
Wer weiss: Vielleicht nutzen die Tiere ja bald auch die Taminabrücke, nachts zum Beispiel, um die Talseite zu wechseln. Aber das ist Spekulation und stand nicht in der Zeitung.

Mittwoch, 21. Juni 2017

Über den Dächern von Zürich

6. Stock, Modissa-Haus, Zürich, an der Vernissage.
Sorry, das Bild ist nicht besonders, denn es war eng.
Ist das ein Geheimtipp? Ich glaube es, jedenfalls für Nicht-Züris; ich kannte dieses Restaurant über den Dächern von Zürich nicht. Im Haus Bahnhofstrasse 74 ist der Modissa untergebracht. Man nimmt den Lift, fährt in den sechsten Stock hinauf und ist oben erfreut über den Weitblick; zum Rooftop Restaurant gehört zudem eine 50-plätzige Terrasse, die alles noch schöner macht. Und ebensogut: Das Restaurant bleibt am Abend offen, nachdem der Modeladen längst geschlossen hat, Freitag und Samstag ist gar Open End.

Wie kam ich auf das Restaurant? Ich ging kürzlich zur Vernissage des neuen Buches von Silvia Aeschbach, einer Redaktionskollegin noch aus "Facts"-Zeiten. Sie schrieb letztes Jahr ein Buch, das zum Bestseller wurde; nun hat sie ein Folgebuch nachgelegt - bei beiden geht es ums Älterwerden. An Silvias Vernissage hatte es mir freilich zuviele Leute, mir wurde fast ein wenig platzangstig, so dass ich frühzeitig floh. Mit dem Vorsatz, ein andermal zurückzukommen und das Rooftop zu testen.

Dienstag, 20. Juni 2017

Schlafen in der Blase

Auf dem Areal von Schloss Arenenberg passierte ich, in der Halde gleich unterhalb des Schlosses, am Samstag diese Kugel, in der eine Angestellte gerade das Bett machte. "Himmelbett - Bubble-Hotel" nennt sich die Einrichtung von Thurgau Tourismus, es gibt sie auch andernorts im Kanton. Falls jemand in einer solchen Blase schlafen will - hier der Link. Die von Arenenberg kann ich empfehlen, jedenfalls ist der Blick auf den Untersee unverstellt und nachts sicher einmalig.

Montag, 19. Juni 2017

Was für ein Park, was für ein Blick!

Blick von der Arenenberg-Terrasse zur Insel Reichenau.
Hier verbrachte Napoleon III. seine
Kindheit. Nicht übel, oder?
Schloss Arenenberg, herrlich über dem Untersee gelegen, kennen viele. Es beherbergt das Napoleonmuseum, gewidmet dem französischen Kaiser Napoleon III., der im Thurgau einen Teil seiner Jugend verbrachte. Etwas weniger bekannt ist die Arenenberger Gartenwelt, die Teil des Schlossareals ist. Sie besteht aus herrschaftlichen Gärten sowie den Schulgärten der kantonalen Landwirtschaftsschule BBZ - und war auch mir neu, als ich am Samstag vorbeischaute. Mich begeisterte vor allem der Landschaftspark unterhalb des Schlosses mit der Steiltreppe "Himmelsleiter", der Grotte, dem Eiskeller, dem Springbrunnen und so weiter und so fort. Es lohnt sich, hinzugehen und sich das alles anzuschauen; ich fand auch die Infotafeln ergiebig, so dass ich bereichert von dannen zog. Die Restaurierung des Parks, der vor neun Jahren öffnete, war übrigens aufwendig, denn in unserer barbarischen Neuzeit hatte die Schlosshalde als Schuttdeponie herhalten müssen.
Der eiförmige, in den Schlosshang gemauerte Eiskeller.
Im Winter eingelagertes Eis hielt sich in ihm auch im Sommer.

Sonntag, 18. Juni 2017

Körpertherapie im Thurgau

Gestern fuhr ich mit dem Postauto vom Bahnhof Müllheim-Wigoltingen nach Ermatingen; ich fand die knapp halbstündige Fahrt wunderschön - wie sich der Bus aus der Ebene auf den Seerücken hinauf arbeitet, bis endlich eine Art Riviera-Landschaft, die des Untersees, in Sicht kommt. In der Gegend von Ermatingen rekognoszierte ich für einen Artikel, etwas mehr davon morgen. Auf der Anreise passierten wir ein Schild an der Strasse, das ich leider nicht fotografieren konnte; stattdessen hier der Screenshot desselben Betriebs aus dem Internet. Yoga am Rücken könnte ich auch wieder mal brauchen. Am Seerücken? Vielleicht auch.

Samstag, 17. Juni 2017

Sechs Trämel auf 4158 Metern über Meer


Seit Dienstag stehen auf der Jungfrau im Berner Oberland sechs Holzskulpturen, gedrechselte Stangen, die aussehen wie Blätterteig-Apero-Stängel - also grosse Kunst finde ich sie nicht. Das ist aber auch nicht der Punkt. Was mich wirklich nervt: dass in den letzten Jahren vermehrt die Berge als Austellungsort herhalten müssen. Natürlich hat man dann immer einen Grund: Im Fall der Jungfrau sagt der Künstler Dominic Müller, seine Skulpturen wollten an den verantwortungsvollen Umgang mit dem Unesco-Welterbe (Jungfrau-Aletsch gehört dazu) appellieren. Sechs Wochen sollen seine Trämel auf 4158 Metern über Meer stehen. Für mich sind es Aneignungssymbole. Fremdkörper: Kultur, wo sonst Natur waltet.

Freitag, 16. Juni 2017

Das Wurstmysterium

Am Mittwoch referierte ich auf dem Plantahof in Landquart vor Bündner Touristikern über meine Wandererlebnisse - ich kann nur sagen: Es lief mir gut und kam, soweit ich weiss, auch so an. Nach dem Auftritt bekam ich - abgesehen vom Honorar - Geschenkli: rote Socken, einen Birenweggen, einen Fitness-Salsiz. Den habe ich bereits angeschnitten, er ist fein. Was ich nach wie vor nicht begreife: Wie das Wort "Fitness" in die Welt des Essens und der Gastronomie kam, wo es meist in der Gestalt des "Fitnesstellers" auftritt; dabei handelt es sich um ein Schnitzel mit Salat. Ich frage mich jetzt angesichts meines Salsiz: Werde ich wirklich fitter sein, wenn ich ihn ganz gegessen habe?

Donnerstag, 15. Juni 2017

Hochstehender Wein

Kürzlich im Alten Bad Pfäfers tranken wir zum Essen eine Flasche "Schloss-Wy" aus Pfäfers. Er kam vom Weingut Portaser unterhalb des Schlosses Wartenstein. Die Mönche des Klosters Pfäfers bauten dort schon im Mittelalter Wein an. Den Superlativ holt sich der Portaser-Wein durch eine andere Tatsache: Die Rebstöcke in windgeschützter Lage stehen auf gut 720 Metern über Meer, dies ist der höchste Rebberg der Ostschweiz. Und ja, der Wein war sehr, sehr gut.

Mittwoch, 14. Juni 2017

Auftritt im Plantahof

Der Plantahof auf einer Zeichnung von 1940.
(Archiv Fundaziun Capauliana/ Wikicommons)
Ich muss gleich los, heute morgen habe ich in Landquart im Plantahof einen Vortrag. Mir kommt die Ehre zu, die Tagung "Graubünden Mobil 2017" mit einer sogenannten Keynote zu eröffnen; ich will in meiner halben Stunde ein wenig über die Vielgestaltigkeit des Kantons reden und ein bisschen die real existierende Tourismuswerbung anzweifeln, das ganze untermale ich mit ein paar Fotos. Wissen alle, was der Plantahof ist? In Kürze: Ein Schweizer Rückkehrer aus Sankt Petersburg namens Thomas Lareda, als Zuckerbäcker zu Reichtum gekommen, baute das heutige Hauptgebäude 1811 im russischen Stil und nannte es "Russhof". Später erwarb Rudolf Alexander von Planta den Hof; in seinem Testament übertrug er diesen dem Kanton Graubünden und wünschte sich die Einrichtung einer landwirtschaftlichen Schule. 1896 öffnete sie. Heute ist der Plantahof immer noch eine Bauernschule und dazu ein landwirtschaftliches Bildungs- und Beratungszentrum.

Dienstag, 13. Juni 2017

Maurmer Maurer

MAURMER Enten, fotografiert
an der Schifflände von Maur ZH.
Wer mauert, ist ein Maurer. Und wer in Maur, der Zürcher Gemeinde zwischen Greifensee und Forch, wohnt, der ist ein ... jawohl, ein Maurmer, ein "Murmer" im Dialekt. Und um gleich beim Thema zu bleiben: Wer in Maur im Ortsteil Binz lebt, der ist ein Binzmer. Das wollte ich hier heute mal kurz durchgegeben haben; die zwei Bezeichnungen kommen in meine stetig wachsende Sammlung von überraschenden Schweizer Ortsadjektiven. Ah ja, noch dies: Die Lokalzeitung von Maur, das ist die Maurmer Post.

Montag, 12. Juni 2017

Und am Schluss zu Maggy

Festbetrieb auf der neuen Taminabrücke, gesehen aus dem Heli.
Abstieg ins Tobel der Tamina.
Am Samstag waren wir an der Einweihung der neuen Taminatalbrücke und wanderten auch ein wenig. Hier die Höhepunkte des Tages:
  • Natürlich die Brücke selber, die grösste Bogenbrücke der Schweiz mit einer Länge von 475 Metern. Gut, waren wir früh dran; um zehn langten wir in Pfäfers an, und bereits hatte es viel Volk auf der Brücke; später, als wir gingen, kam Shuttlebus um Shuttlebus mit Leuten.
  • Vom Helirundflug habe ich gestern erzählt, der Pilot flog zum Schluss wunderbar auf die Brücke zu und ihr entlang, aus der Luft realisierte ich erst ihre Eleganz.
  • Schön wild und steil war der Abstieg durch den Wald von Pfäfers in die Taminaschlucht, er war ein kleines Gehabenteuer.
  • Weiter oben in der Taminaschlucht assen wir im Speisesaal des Alten Bades sehr gut, ich hatte Buntbarsch aus einem nahen Zuchtbetrieb in Bad Ragaz.
  • Danach gingen wir wieder einmal durchs Drehkreuz in den Engteil der Taminaschlucht und zur heissen Quelle. Diesmal vollzog sich alles in Trockenheit, während wir letztes Mal Plastikpelerinen hatten anziehen müssen, weil es von den senkrechten Wänden überall plätscherte und spritzte.
  • Unten in Bad Ragaz gab es einen Coupe. Und in Zürich ein Schlussbier. Natürlich im St. Gallerhof bei unserer Lieblingsserviererin Maggy.
    Immer wieder ist die Taminaschlucht schön.

Sonntag, 11. Juni 2017

Im Zebra übers Taminatal

Unser Pilot schaut, was es für seine Passagiere rechts und links zu sehen gibt.
Über dem Gigerwaldsee.
Ich flog bisher zweimal im Leben Heli. Das erste Mal tat ich es in einem Chinook, einem Helikopter des amerikanischen Militärs; das war, als ich für das IKRK in den Neunzigern in Saudiarabien unterwegs war - es fühlte sich an, als sässe man in einem schwebenden Tram. Gestern flog ich wieder, diesmal mit einem Vierplätzer der Heli Tamina (drei Passagiere plus der Pilot). Das war ganz anders, man sitzt in einem solchen Kleinding, einem MD 500 D "Zebra", quasi direkt über dem Abgrund, und es ruckelt und schaukelt in alle Richtungen, mit Fliegen in einem Flugzeug ist das nicht zu vergleichen. Zehn Minuten waren in der Luft. Wir hoben bei Pfäfers SG ab, überflogen den Stausee von Malpragg, den Vättnerberg, den Gigerwald-Stausee und das winzige Walserdorf St. Martin; hernach die Wende, nun ging es zurück über Valens. All das geschah natürlich im Zusammenhang mit der Einweihung der neuen Taminabrücke, von der ich kürzlich berichtete; mehr zu der Brücke, zum Fest und der Wanderung will ich morgen erzählen. Dass wir Heli fliegen konnten, war übrigens ein Glücksfall. Wir kamen um 10 Uhr an das Zelt, wo man bucht, es waren praktisch alle Slots des Tages schon weg. Aber in zehn Minuten gäbe es noch drei Plätze, sagte die Frau, wir müssten uns beeilen, dann klappe es. Wunderbar war auch, dass ich zuvor im Grüpplein gefragt hatte, wer allenfalls fliegen wolle. Es waren exakt drei von acht Leuten. So passte alles an diesem Samstag.
Das Zebra nach der Landung.

Samstag, 10. Juni 2017

Fit mit Blauzahn


Grosser Gott. Schauderhaft, wie man heutzutage offenbar auch beim Sport voll erreichbar sein soll. Mir wird atemlos bei der Vorstellung schon zuhause auf dem Sofa. Der Screenshot entstammt dem neusten Werbemail des Händlers Pearl.ch.

Freitag, 9. Juni 2017

Eidgenössische Farbexplosion

Pop Art kam in den 1950er-Jahren auf und setzte sich ein Jahrzehnt später durch; das Programm bestand darin, die Düsternis des Krieges hinter sich zu lassen und die Buntheit der neuen Werbe- und Warenwelt zu feiern. Andy Warhols Suppendosen und Roy Lichtensteins Comic-Gemälde machten weltweit Furore. Das Aargauer Kunsthaus zeigt derzeit und bis in den Herbst hinein Schweizer Pop Art, ich kann den Besuch der Ausstellung in Aarau empfehlen, gestern war ich da und serviere hier ein paar Werke kommentar- und legendenlos. Als Appetizer sozusagen auf die 240 Arbeiten von 50 Künstlerinnen und Künstlern. Was man sieht, ist zum Teil dilettantisch, zum Teil grossartig und in der Summe eine Farbexplosion mit einem Schuss Erotik.

Donnerstag, 8. Juni 2017

Dreitägiges Brückenfest

Mai 2016: Aus der Taminaschlucht sahen wir die noch nicht ganz fertiggestellte Brücke.
Über die entstehende neue Taminabrücke habe ich hier auch schon geschrieben; während der Bauarbeiten sahen wir sie im Mai 2016 von unten, als wir von Bad Ragaz in die Taminaschlucht hielten. Hauptzweck der Brücke ist es, dem Dörfchen Valens mit seinem riesigen Rehazentrum eine sichere Zufahrt zu verschaffen, da die heutige Strasse durch einen Rutschhang führt. Demnächst wird das 56-Millionen-Bauwerk eröffnet. Zum Auftakt gibt es ab morgen Freitag ein dreitägiges Brückenfest, an dem man die Brücke zu Fuss begehen und in den Abgrund blicken kann.

Mittwoch, 7. Juni 2017

Es tut sich was in Nidwalden

Klein und sympathisch: Seilbahn zur Alp Tschingel bei Elm GL.
Die hiesigen Seilbähnli hatten es in den letzten Jahren nicht leicht: Das Passagieraufkommen hält sich traditionell in Grenzen, die Anlagen wollen instandgehalten sein, was kostet, und von den Behörden kommen allerlei Regeln, die grössere Bahnen leichter umsetzen als die kleinen; auch das verschlingt im Übrigen Geld. Und auf der anderen Seite hängt doch manche Älplerfamilie vom Gondeli ab, mit dem sie überhaupt in die höheren Lagen gelangt. Gestern war ein schöner Artikel in der NZZ, er erzählt, wie sich die Bähnli-Betreiber zusammentun, gemeinsam neue Marketingmethoden erproben und nun gar, im Kanton Nidwalden, einen Verein gründen: "Freunde der Kleinseilbahnen" heisst er.

Dienstag, 6. Juni 2017

In vier Stunden durch die Gruselwand

Gruselwand: El Capitan in Nordkalifornien.
(Wikicommons/Mike Murphy)
Alex Honnold hat es geschafft. Sie geschafft: die 1000 Meter hohe Granitwand "El Capitan" im Yosemite-Nationalpark in Amerika. 3 Stunden 56 Minuten brauchte er am Samstag, um sie zu durchklettern. Ohne Seil, wohlgemerkt, bloss einen Beutel Magnesium hatte er dabei, um die Hände schön trocken zu halten. Den ersten Versuch letzten November hatte Honnold abbrechen müssen.

Montag, 5. Juni 2017

Mein Coop-Freudeli

Mmmmh, Biberfladen, dachte ich kürzlich im kleinen Coop in Zollikerberg und freute mich über die Neuheit im Regal. Dann merkte ich, dass es sich um Baumerfladen handelt, um einen engen Verwandten oder auch um ein Derivat des Appenzeller Erzeugnisses; der Name bezieht sich natürlich auf Bauma im Tösstal. Die Sache dahinter ist die: In der Belle Epoque arbeitete im Tösstal ein Appenzeller Bäckermeister, der das Biberfladen-Rezept von zuhause mitgebracht hatte. Er wandelte es freilich ab, verwendete für die Füllung Haselnüsse statt Mandeln. Heute ist der Baumerfladen regional bekannt und geschätzt, es gibt ihn beim Voland in Steg und in desen Filialen, und ich muss sagen: Er ist dem Biberfladen meiner Heimat ebenbürtig.

P.S. Alles über den Biberfladen, gefüllt und ungefüllt findet man hier.

Sonntag, 4. Juni 2017

Viel Sonne und ein fast leeres Schiff

Uttwil (I): an der Schifflände.
Uttwil (II): eines der schönen Häuser.
Mein Kopf ist jetzt noch heiss von der vielen Sonne. Und was den Bodensee gestern wieder einmal prägte: ein, zwei, drei Zeppelins im Himmel; sie starten jeweils von Friedrichshafen. Unser Ausflugsziel war das Thurgauer Seedorf Uttwil, genauer gesagt die dortige Ausstellung mit Zeichnungen von Ralph Brühwiler, der Uttwils schönste Häuser akribisch mit Tusche gezeichnet hat. Sie machten Eindruck, die Zeichnungen, und jetzt freue ich mich auf die Lektüre des zugehörigen Buches, das auch die Geschichte der abgebildeten Häuser erzählt: Wer lebte einst darin, wer lebt heute darin, was hat sich verändert? Uttwil, dies zur Erinnerung an meinen früheren Blogeintrag, beherbergte in der Belle Epoque eine Künstlerkolonie. Nun noch zum Drumherum: Wir assen gut im Pier, der Touristenbeiz von Uttwil, in der wir tatsächlich einen Terrassentisch direkt am Geländer zum See erwischten, es gab Felchenknusperli und so. Und vor allem fuhren wir ausgiebig Schiff, am Vormittag von Rorschach nach Uttwil und am Nachmittag von dort nach Konstanz. Sehr erfreulich, wir hatten viel Platz, vor allem das Nachmittagsschiff war praktisch leer. Fragt mich nicht, wo all die Leute waren.
Uttwil (III): Ralphs Ausstellung in einer alten Torggelmühle.

Samstag, 3. Juni 2017

Des Dichters Lieblingsflecken

Jean-Jacques Rousseau im Jahre 1753,
Pastell von Maurice Quentin de la Tour.
(Wikicommons)
Der Genfer Jean-Jacques Rousseau, Schriftsteller und Philosoph und als solcher gedanklicher Vorbereiter der französischen Revolution, war, wie man heute sagen würde, ein Freak. Ein Spinner war er, ein Hippie, ein Naturschwärmer. Und ein Pionier der Ethnomode: In Môtiers im Val de Travers, Kanton Neuenburg, wo ihm der preussische König, der damalige Gebietsherr, Unterschlupf bot, trug er permanent bloss armenische Kleider, wie er es in Paris gesehen hatte. Die Bauernschaft, aufgehetzt vom Klerus, warf Pflastersteine gegen die Scheiben seines Hauses, der Mann war umstritten und den konservativen Kräften des Kontinents zutiefst verhasst. So zog er sich im Jahr 1765 für sechs Wochen auf die St. Petersinsel im Bielersee zurück, die damals übrigens wirklich noch eine Insel war; der nabelschnurartige Zugang von Erlach her entstand erst später durch die Juragewässerkorrektion und die damit verbundene Absenkung des Wasserspiegels. Zur St. Petersinsel und ihrem prominentesten Besucher las ich im SBB-Magazin "Via" (Mai-Nummer) eine schöne Titelgeschichte. Rousseau schrieb später: "Von allen Orten, an denen ich gelebt habe (darunter viele charmante) hat mich keiner so wahrhaft glücklich gemacht und bei mir derart zärtliche Wehmutsgefühle hinterlassen wie die St. Petersinsel mitten im Bielersee."

Freitag, 2. Juni 2017

Mamma Mia, diese Ravioli!


Witzig, dieser Kinowerbespot aus den Fünfzigerjahren, zu dem man unendlich lange in alle Richtungen sinnieren könnte. Belassen wir es bei zwei Bemerkungen: Heute würde jeder Werber, der einen Spot von über vier Minuten Länge produziert, aus der Branche entfernt. Und: Unglaublich, die meinten damals wohl allen Ernstes, Hero-Büchsenravioli würden einen Italiener beeindrucken und in ihm Assoziationen an die Ravioli seiner Mamma auslösen. Da treffen sich Ignoranz punkto italienische Küche und Schweizer Nachkriegs-Überheblichkeit. Herrlich ist der Spot natürlich trotzdem. Und genau deswegen.

Donnerstag, 1. Juni 2017

Walserweg, Walserbuch, Walseranlass

Das Buch zum Weg.
Die Walser sind das historische Pioniervolk, das im Mittelalter überall in den Schweizer Alpen und im benachbarten Ausland siedelte, mal waren sie Gründer, mal Zuzüger. In Arosa GR, in Braunwald GL, im Urserntal UR und unzähligen anderen Orten und Gegenden wurden sie tätig, sicherten in harter Arbeit die Hänge, säten und ernteten, bauten auf oder bauten weiter. Der Walserweg Graubünden führt auf über 300 Wanderkilometern dem Fussgänger das Wirken der Walser vor Augen. Heute und nächste Woche gäbe es je einen Walserabend zu besuchen, Irene Schuler, Initiantin des Weges und des zugehörigen, jetzt aktualisierten Wanderbuches, erzählt. Anschliessend gibt es Spezialitäten aus den Bergen zu probieren.

Die Anlässe:
  • Heute: Kulturpark Pfingstweidstrasse 16, gleich beim Bahnhof Hardbrücke in Zürich, 18 bis 20 Uhr.
  • Heute in einer Woche: Bachhuus Stuba in Hinterrhein, 20 Uhr. Und ja, auch Hinterrhein ist ein Walserort.

Mittwoch, 31. Mai 2017

Schaffhausen neu dokumentiert

Die Baugeschichte, um die es hier geht. (zvg)
Wenn er einem amerikanischen Touristen das Rathaus zeige mit dem Ratssaal und der Wand von 1411, "die also mehr als 600 Jahre Demokratie erlebt hat, 10 000 Ratsherren, Richter, Angeklagte, Regierende, die Kriege, Seuchen etc., dann ist er sprachlos". Kurt Bänteli, von dem der Satz stammt, ist Mittelalter-Archäologe, ein Spezialist der frühen Schaffhauser Stadtgeschichte. Und er hat, mit Katharina Bürgin, eine Baugeschichte Schaffhausens geschrieben, die am 16. Juni anlässlich der Vernissage erscheint und die Häuser, Gassen, Quartiere dokumentiert. Es dürfte lohnend sein, mit der Publikation einen Rundgang durch die Stadt zu machen. Deren Allerheiligenmünster habe ich übrigens vor einiger Zeit einen begeisterten Eintrag gewidmet - Schaffhausens Altstadt ist wirklich beeindruckend.

Dienstag, 30. Mai 2017

Uttwil, da muss man hin

Die Titelseite von Ralph Brühwilers Buch.
Uttwil liegt prachtvoll am Bodensee, und wer jetzt ruft, "ah, ja, Werni Günthör ist dort geboren", dem schleudere ich ein "Banause" entgegen. Uttwil gilt als Dorf der Künstler von Ernst Ludwig Kirchner über René Schickele bis Henry van de Velde. Und gleich noch ein Name: Ralph Brühwiler. Er kam in diesem Blog auch schon vor, Ralph ist Toggenburger; er ist Maler, Illustrator und auch Autor. Sein neues Buch bietet Ansichten in Bleistift und Tusche der schönsten Häuser von Uttwil. Wer sich dafür, für die Ausstellung vor Ort und den Dorfrundgang interessiert, hier der Link.

Montag, 29. Mai 2017

Der Wanderschlagzeuger

Julian im Jura. (Pressebild/ Irrascible Music)
Kürzlich traf ich am Zürcher HB den Musiker Julian Sartorius, er ist derzeit in ganz Europa unterwegs, zickzackt, meist im Zug, zwischen Berlin, Paris, London und anderen Städten hin und her. Dazwischen geniesse er es sehr, zuhause in Bern in der Aare zu schwimmen, erzählte er mir. Sartorius, 36-jährig, ist ein grosser Wanderer und Berggänger. Und ein grosser Schlagzeuger, ein international gefragter; ursprünglich hatte er an den Jazzschulen Bern und Luzern studiert. Beide Leidenschaften, das Gehen und das Perkussionieren, hat er für sein neues Album zusammengebracht, das zwischen Basel und Genf entstand. Wie das? Man lese es nach in meinem Artikel.