Gesamtzahl der Seitenaufrufe

Sonntag, 20. August 2017

Postkartengenerator

Bisse oder, auf Deutsch, Suone, das sind diese Walliser Kanäle, die den Trockenhängen Wasser zuführen. In der Regel sind sie ein paar hundert Jahre alt. Manche führen durch senkrechte Gruselwände und sind der Horror, so etwa die Bisse du Ro. Andere aber sind sanft und lieb und ziehen sich waagrecht dahin. Der Bisse de Clavau in seinem Abschnitt zwischen St-Léonard und Sion ist so ein Komfort-Bisse. Gestern beging ich ihn, was gut zwei Stunden dauerte. Reben, Rhone, Berge und kecke Hügel wie Sions Zwillinge Tourbillon und Valère machten die Strecke zum Augenfest. Alle zwei Meter hätte ich ein Foto machen können - der Weg war ein Postkartengenerator.

Samstag, 19. August 2017

Grün vs. Grau im Waadtland

Unverkennbar ich: Selbstporträt auf dem Videmanette-Gipfel.
Auf der Videmanette, erreichbar per Gondelbahn ab Rougemont, ist man mitten drin: Le Rubli, Gummfluh, Giferspitz, Dent de Ruth, Vanil Noir - Berge rundum, die dem Deutschschweizer aus der Ostschweiz nicht wirklich geläufig sind, reizvolle neue Zacken zum Einprägen. Am Donnerstag machten wir im Videmanette-Gelände eine Rundwanderung, die knapp drei Stunden lang war und bei je 500 Metern auf und ab gar nicht mal so leicht. Wir stiegen ab zu den zwei Seelein von Les Gouilles und weiter ab zur Buvette von Ruble, hielten hinüber nach Pra Cluen und Les Praz, stiegen in der Falllinie schnurgerade auf zum Col de la Videman, erklommen den Grasgipfel La Videmanette und waren kurz darauf wieder bei der Gondel. Sehr empfehlenswert. Was mir bleibt, ist der Kontrast der Farben Grün und Grau als ewige Konfrontation: Alpweiden zum einen und erodierende Berge mit steilen Geröllhalden zum anderen. Ich hoffe, meine Fotos machen Lust auf La Videmanette.
Das untere der beiden Seelein von Les Gouilles. 
Die Gummfluh.
Aufstieg zum Col de la Videman (r.) mit der Pointe de la Videman (Mitte).
Rückblick zum Col (Vordergrund rechts) und der Pointe.
Auf La Videmanette: Rocher Plat (l.) und Le Rubli, dazwischen die Bahnstation.
Und weil es so schön war, noch einmal Grün: La Videmanette.

Freitag, 18. August 2017

Der Berg mit dem Gemüsenamen

Le Rubli aus der Nähe. Der Bergpfad führt zum Klettersteig - und der zum Gipfel.

Le Rubli (rechts) aus dem Zug.
Wenn man von Saanenmöser Richtung Gstaad und Saanen reist, hat man dauernd diesen Zacken vor Augen, wild und hoch. Und man ist dann schon belustigt oder auch irritiert, wenn man vernimmt, dass der Zacken mit seinen immerhin 2285 Metern Höhe "Rüeblihorn" heisst respektive - wir sind an der Sprachgrenze - "Le Rubli". Unheroischer kann ein Berg kaum getauft sein. Vor wenigen Wochen war ich mit ein paar Leuten im Saanenland, und wir fragten uns: Kann man als Wanderer aufs Rüebli, hintenrum vielleicht? Nun, der Wanderer kann nicht; ohne Klettern geht das nicht, ein Klettersteig führt von der Videmanette hinauf. Aber diese Videmanette, die ist bestens erschlossen mit einer schnellen Gondelbahn ab Rougemont und führt praktisch an den Sockel des Rüebli-Gipfelaufbaus. Gestern nahmen wir die Gondel, schauten uns den Berg mit dem Gemüsenamen aus der Nähe an und fanden ihn toll. Le Rubli ist mir entscheidend näher gekommen, ist nun sozusagen ein geschätzter Bekannter. Mehr zu der fantastischen Bergwanderung mittlerer Länge von der Videmanette aus folgt morgen, die Tief- und Weitblicke waren herzerwärmend.
Von der Seite ist das Horn ein Kasten. Links die Videmanette-Terrasse.

Donnerstag, 17. August 2017

Das edle Dutzend

In der Kirche auf Valère, einer Basilica minor.
Der Papst kann nicht nur Kirchenleute befördern, sondern auch Kirchen - indem er ihnen den Titel einer Basilica minor verleiht, einer "Kleineren Basilica". Kirchen, die irgendwie besonders wichtig waren oder sind, zum Beispiel punkto Glaubensverbreitung, können ernannt werden. Weltweit sind es über 1600, die den Titel tragen, 12 davon stehen in der Schweiz. Kürzlich in Sion besichtigten wir eine. Die Kirche auf dem Hügel Valère ist seit 30 Jahren eine Basilica minor. Dies sagt das Schild an der Fassade.
Das Ernennungsschild.

Mittwoch, 16. August 2017

Mein Totenreisli

Der Dolmen von Aesch wird durch ein Geländer geschützt.

Einer der Dolmen von Laufen.
Man darf einen Menschen durchaus als Morbidling bezeichnen, der durch die halbe Schweiz reist, um ein Grab zu besuchen, in dem kein Verwandter oder Bekannter liegt und auch kein Prominenter. So einer bin ich. Gestern fuhr ich nach Aesch BL und suchte dort den Dolmen im Gebiet Chlusböden westlich des Dorfs. Ein Dolmen ist ein prähistorisches Grab, das in der Regel eine ganze Sippe aufnahm, meist ist es gebaut aus Seitensteinen und einer Deckplatte. In Oberbipp und im Laténium bei Neuenburg hatte ich bereits Dolmen gesehen. Nun also der von Aesch. Er stammt wohl aus dem 3. Jahrtausend vor Christus, also aus der Jungsteinzeit, ist rechteckig, 2 1/2 auf 4 Meter, die Deckplatte fehlt, dafür war er sicher von einem Erdhügel bedeckt. Die Reste von 47 Skeletten fand man in ihm und dazu Beigaben für die Toten. - Nach gut anderthalb Stunden war ich wieder unten im Dorf und ganz schön verschwitzt, die Hitze setzte mir zu. Im Zug von Zürich nach Basel hatte ich aber gelesen, dass es in Laufen BL gleich zwei Dolmen des Typs von Aesch gibt. Das wiederum hielt mich davon ab, sofort heimzureisen und kalt zu duschen. Ich begab mich nach Laufen, durchquerte die Altstadt, fand nach dem nördlichen Stadttor linkerhand die Glasabdeckung über den zwei Dolmen - und war gleich wieder berührt. Dass Menschen vor Tausenden von Jahren schon Sorge zu ihren Toten trugen, bringt uns diese Menschen näher.

P.S. In Courgenay JU gäbe es die Pierre Percée, einen besonders markanten, vereinzelten Dolmenstein. Aber den hob ich mir für ein andermal auf. Für das nächste Totenreisli.

Dienstag, 15. August 2017

Südbündner Schönheit

Ist das die schönste Gebirgslandschaft der Schweiz? Wie gestern erzählt, nahm ich am Sonntag mit Freunden an einer Kunstführung im Gebiet Albigna teil. Bergell also, Südbünden. Wir fuhren per Seilbähnli von Pranzaira zum Albigna-Stausee hinauf, wanderten zur gleichnamigen Hütte, stiegen wieder hinab zur Bergstation. Lang war diese Wanderung nicht, etwas unter zwei Stunden reine Gehzeit. Aber das Auge, der Kopf, das Gemüt kamen aus dem Staunen nicht heraus.

Montag, 14. August 2017

Schräger Piaggio

Huch, hat sich da ein italienischer Gärtner oder Gemüsler verfahren? Natürlich nicht. Wie ginge das denn auch? Ein Helikopter trug den blauen Piaggio vor einiger Zeit auf 2100 Meter über Meer und seilte ihn ab zur Staumauer des Albignasees hoch über dem Talboden des Bergells; Arbeiter standen bereit und fixierten ihn. Es handelt sich um einen Beitrag zu Arte Albigna, einer Kunstaktion im Raum Albigna, die noch bis Ende September dauert. Ob es sinnvoll sei, im Gebirge nun auch noch Kunst zu installieren, und sei es auch auf begrenzte Zeit - darüber kann man diskutieren. Aber die Künstler haben es im verschärften Kampf um Aufmerksamkeit, immer neue Ausstellungsflächen und Spielräume sowie Sponsorengelder bekanntlich nicht leicht. Und Albigna ist von der Stromwirtschaft längst kolonisiert, unberührt ist die Natur dort nicht. Aus ökologischer Sicht ist die Sache jedenfalls nicht ganz unproblematisch: Warentransporte und so. Aber okay, ich will nicht puritanisch tun. Bleibt die Frage nach der Qualität der Kunst von Arte Albigna. Gestern Sonntag war ich an einer anderthalbstündigen Führung. Ich fand einiges gut und inspirierend. Manches schmerzhaft banal. Und eines grandios: den Piaggio an der Staumauer. Er stammt vom genialsten aller Kindsköpfe, Roman Signer.

Sonntag, 13. August 2017

Engadiner Seen von oben

Ist das Foto richtig platziert? Ich bin unterwegs, blogge im Hotel in Maloja auf dem iPhone, mit Fotos arbeiten ist ein Problem. Aber jedenfalls wurde dieses gestern mittag auf dem Piz Nair aufgenommen, einem per Seilbahn erschlossenen Dreitausender über Sankt Moritz, als eben das Wetter kehrte. Zuvor hatte es geschneit, nun kam die Sonne. Das Foto zeigt den Silvaplanersee sowie den See von Champfèr. Heute nun geht es den Malojapass hinab. Mehr darüber bald. Schönen Sonntag!

Samstag, 12. August 2017

Der Maschinengewehrschütze vom Crestawald

Festungsmuseum Crestawald bei Sufers GR: Soldat am MG.
Fahne und Hellebarde als Schmuck: in der Offiziersmesse.
Als ich am Mittwoch von Sufers Richtung Rofflaschlucht wanderte, passierte ich nach 30 Minuten im Crestawald ein Geschützrohr, das aus der aufgemauerten Felswand im Hang ragte. Kurz darauf ein Schild: Festungsmuseum. Die Festung Crestawald war Teil eines grösseren Abwehrdispositivs bei Sufers. Im Juni 1941 bezogen 95 Mann die Räume unter Tag, deren Bau knapp zwei Jahre zuvor begonnen worden war. Bis 1995 lief der Betrieb, dann wurde die Festung aufgehoben, 2000 fiel die Geheimhaltung. Heute kümmert sich ein Verein um die Anlage, die mittlerweile ein Museum ist. Ich hatte Glück, das Museum war offen, als ich vorbeiwanderte. Im Inneren war ich fasziniert, überwältigt, ergriffen angesichts der endlosen Gänge auf mehreren Etagen: Was war das für ein Leben im Berg zwischen den Geschützständen, dem Maschinenraum, den Kajütenbett-Schlafräumen, der Funknische, dem Munitionsmagazin, dem Soldatenstübli und der Totenkammer? Die Männer, die hier während der Kriegszeit Dienst taten, hatten es in der Tat hart. Dass der Feind nicht kam - wir wissen es heute. Aber damals war die Bedrohung samt Gefühlen von Angst und Beklemmung täglich Realität.
Eine der vielen Treppen.

Freitag, 11. August 2017

Bico-flex-Moos

Sufers war gestern um 10 besonnt. Aus Südwest drückte das schlechte Wetter.
Strassenschleife bei der Rofflaschlucht.
Kann man in meinem Fall von Fernweh reden, oder ist es eher Nahweh? Jedenfalls verspürte ich gestern früh um 5 Uhr 10, während ich meinen Schwarztee trank, schon wieder dieses Reissen. Ich öffnete im Internet das Niederschlagsradar, schaute mir den prognostizierten Zug der Regenfronten über das Land für die nächsten Stunden genau an und befand, dass es am Hinterrhein noch bis mindestens zwei Uhr nachmittags trocken bleiben würde. Um zehn Uhr war ich in Sufers und startete. Drei Stunden später endete meine Wanderung beim Rofflaschlucht-Gasthaus. In der Tat hatte es in dieser Zeit nicht geregnet, nur kurz einmal getröpfelt, und es hatte sich gar immer wieder die Sonne gezeigt. Der Weg, Teil der Via Spluga, ist herrlich, ich empfehle ihn allen. Es ging auf und ab, ich sah Strassenbauten und -brücken aller Art, ich wanderte auf Moos so weich wie eine Bico-flex-Matratze, auf Natursträsschen, auf Waldboden, auf Wiesengrund, auf kunstvoll arrangierten Steintreppen und auf Holzstegen und auf Gitterrosten und einmal sogar auf dem Dach einer Autobahn-Galerie. Der Regen ereilte mich schliesslich während der Heimreise in der Gegend von Domat/Ems.
Sauber gebaut, schön vermoost.

Donnerstag, 10. August 2017

Lebe wohl, Titisee

Star des Titisees: die Kuckucksuhr.
Titisee, das Gewässer samt dem zugehörigen Ort im südlichen Schwarzwald, hatte in meinen Ohren immer einen mythischen Klang. Oft stellte ich mir in den letzten Jahren vor, ich würde dort einmal Wanderferien machen. Aber wie würde sich das anfühlen? Nun, vergangene Woche begab ich mich auf eine Zürich-Rundfahrt mit Meier Tours und stellte dabei fest, dass dieser Operator weitere Ziele bedient. So kann man für 78 Franken von Zürich via den Schluchsee zum Titisee reisen, zurück geht es über Schaffhausen mit einem Zwischenhalt am Rheinfall. Das Ganze dauert mit einem zweistündigen Stopp am Titisee acht Stunden. Ich fand das Angebot toll und reiste gestern mit. Als wir am Tititsee ankamen, waren ich und meine Begleiterin, nun ja, schockiert. Die Souvenirshops reihten sich, auf den Trottoirs war Gedränge, viel Gescheites gab es nicht zu kaufen, Trachtenpuppen halt, Schwarzwälder Schinken, Kuckucksuhren noch und noch. Die Reiseleitung lotste uns zuallererst in einen Kuckucksuhren-Shop. Ein slawischer Typ erklärte uns in sieben Minuten alles über die alte Tradition des Kuckucksuhren-Baus. Danach hatten wir frei. Wir assen in einem der Restaurants, die voneinander schwer zu unterscheiden sind in ihrer Aufgepumptheit, Schwarzwäldertorte, gingen aufs Riesenrad (tolle Seesicht), strolchten durch die Läden, kehrten noch einmal ein und waren uns einig: Gut, den Titisee jetzt zu kennen, der übrigens rein topografisch herrlich liegt mit den Wäldern rundum. Gut, ihn zu kennen, weil damit klar ist, dass man an ihm, mindestens in dieser Jahreszeit, nicht zur Ruhe kommt. Die Car-Tour hat mir geholfen, einen Traum mit der Wirklichkeit abzugleichen und ihn zu liquidieren. Lebe wohl, Titisee, wir werden uns nicht wiedersehen.

Mittwoch, 9. August 2017

Wetterwunder im St. Galler Oberland

Fussgängersteg vor Vättis über den Radeinbach. 
Meine Forelle im Rest. Tamina.
Der Mörder kehrt bekanntlich oft an den Ort seiner Tat zurück; und genauso gilt für mich als Wanderer, dass ich gern dorthin zurückkehre, wo ich eben schon wanderte. Letzte Woche betätigte ich mich auf dem Vättnerberg hoch über Vättis; gestern besuchte ich mit Ronja die Gegend ein zweites Mal. In 2 3/4 Stunden wanderten wir von Valens nach Vättis. Der Pfad verlief meist nah der Tamina, zwischenzeitlich aber auch entlang ihrer gestauten Version, dem Stausee Mapragg; dazu querte der Pfad ein paar bösartige Wildbäche wie den Radeinbach. Ingesamt ergab sich eine höchst abwechslungsreiche Route; das kleine Prickeln lieferte ein Infoblatt mitten im Wald. Es erklärte, wie man sich verhalten soll, wenn ein Wolf auftaucht, in der Gegend geht das Calandarudel um. Nun, wir sahen keinen Wolf. Bedrohlich waren einzig die schwarzen Wolken. Sie wurden aber vom Föhn noch und noch abgedrängt, so dass wir, während sie im Unterland schon Regen hatten, trockenen Fusses am späten Mittag Vättis erreichten. Dort assen wir sehr gut im Hotel Tamina, Ronja hatte Capuns, ich eine Zuchtforelle aus dem benachbarten Weisstannental. Danach hatten wir eine Verabredung im Ortsmuseum. Dieses ist auf jeden Fall einen eigenen Eintrag wert, denn einst lebten am Berg über Vättis Neandertaler, die Bären jagten. Mehr von ihren prähistorischen Spuren bald.
Ein Teil des Calandamassivs kurz vor Vättis.

Dienstag, 8. August 2017

Sind die Leute am Simplon Simpel?

Simplon ist nicht nur ein Pass im Wallis, sondern auch eine Gemeinde an ebendiesem Pass. Und Achtung, jetzt kommts: Die Leute dort heissen nicht etwa "Simploner", "Simpel" oder "Simplizisten". Sie sind vielmehr "Simpiler". Ich erfuhr das aus einer Walliser Zeitung, die ich kürzlich in Brig las; in dem Blatt stand ein Artikel über den Zürcher TV-Mann Roman Kilchsperger, der in Simplon auf dem Simpiler Dorfplatz einen Auftritt gehabt und Hände geschüttelt hatte.

Montag, 7. August 2017

Zwei Länder und zwei Flüsse

Am deutschen Rheinufer zwischen Waldshut und Koblenz,
der Fluss rechts der Bildmitte hinten ist die Aare auf ihren  letzten Metern. 
Gestern hatte ich gegen Mittag eine Verabredung in Aarau. Ich beschloss, zuvor meinem alten Knochengestell etwas Bewegung zu verschaffen, und fuhr nach Waldshut. Ein Kaffee in der noch einigermassen verschlafenen Altstadt, dann zottelte ich los - hinunter zur Fähre, mit der wir kürzlich erst von Full AG übergesetzt waren, und weiter, alles dem deutschen Rheinufer entlang, retour in die Schweiz; die Unternehmung endete nach Überquerung der Brücke und der Zollstation an der Bahnstation Koblenz Dorf. Der Uferweg, das gefiel mir sehr, war durchgehend unasphaltiert: Kies und Erdboden. Und endlich habe ich nun einmal ganz aus der Nähe den Ort gesehen, wo die Aare im Rhein endet. Die Wanderung dauerte nur eine Stunde, war aber gehaltvoll.

Sonntag, 6. August 2017

Mein neustes Bähnli

Vitznau, die gelbe Kabine kommt, gleich geht es hinauf nach Hinterbergen
In der Mitte unserer Wanderung:
Tiefblick auf den Bürgenstock.
Wie viele Wanderer bin auch ich ein Bähnlisammler. Gestern konnte ich meiner Kollektion ein neues Bähnli einverleiben, dasjenige, das von Vitznaus oberem Dorfrand hinauf nach Hinterbergen fährt. Vier Personen fasst es, und was ich besonders mag: Wenn niemand da ist, der kassiert, gibt es einen Automaten, an dem man sein Billett lösen kann; man kann also immer fahren. Erfreulich war an unserem Wandertag, dass kaum Leute aufs Bähnli wollten, so kamen wir speditiv hoch und fühlten uns wieder als Einzelne, nachdem zuvor das Schiff von Luzern nach Vitznau pumpenvoll gewesen war. Von Hinterbergen wanderten wir in 2 1/4 Stunden nach Rigi-Kaltbad, der erste Teil war steil und anstrengend, der zweite ein herrlicher Höhenweg. Hinterbergen, ich freue mich, dich jetzt zu kennen, und will wiederkommen, dein Bähnli ist eine super Sache.
Vor Rigi-Kaltbad gibt es eine schöne Nagelfluhpassage.

Samstag, 5. August 2017

Meine City-Tour

Der Bus, in dem ich durch Zürich fuhr. Der Betreiber wirbt immer noch
mit dem Trolley, auch wenn der nicht mehr wirklich zum Einsatz kommt. 
Mein Ticket. 34 Franken zahlte ich.

Als ich 1995 als Journalist von Bern nach Zürich wechselte, und dann wieder, als ich 2000 nach Zürich übersiedelte, nahm ich mir dies vor: Ich will baldmöglichst eine City-Tour machen mit dem schnuckeligen, bähnliähnlichen Trolley in Rot. Nun ja, der Trolley verkehrt mittlerweile nicht mehr regelmässig, bloss mieten kann man ihn noch, als Gesellschaft (die Internetpage von Meier Tours wirbt immer noch mit ihm, sie sollte schnellstens aufdatiert werden). Aber Stadtrundfahrten gibt es natürlich nach wie vor, mehrere täglich. Gestern raffte ich mich auf, begab mich auf das Cargelände am Sihlquai neben dem HB, wo einst das AJZ stand, und kaufte mir am Tickethäuschen für 34 Franken ein Ticket für die Tour The Zurich Experience mit Start 9 Uhr 45. Irgendwie war mir das Ganze peinlich. Bis es losging. Dann fand ich es, sorry für den Dialekt, uhuere cool. Ich stöpselte den Kopfhörer ein, wählte Deutsch, fand die Diktion des Sprechers unsäglich schneidend, wehrmachtsartig scharf, sehr unpassend jedenfalls, stieg um auf Englisch und hatte mit dieser Version meinen Spass; der Humor ist im Englischen in der Regel inbegriffen. Wir waren in unseren zwei Stunden dann wirklich all over the place von Bahnhof Enge bis Grossmünster und von ETH bis Bankendistrikt. Die Kommentare im Ohr spiegelten Zürich recht witzig, bisweilen hart am Klischee, man erfuhr viel auch aus dem Leben der Zürcher: wie das Schulsystem funktioniert, wie man an einem Gasttisch richtig prostet, wo es gute Partys gibt und wo die einfacheren Leute wohnen. Zwei 10-minütige Fotostopps waren inbegriffen: Am See wieselten die Chinesen raus, um möglichst schnell möglichst viele Selfies mit Wasserhintergrund zu machen. Beim Fraumünster wiederum begegnete ich meinem ehemaligen Tagi-Ressortkollegen, dessen Schwester grad heiratete; ich machte kulant ein paar Fotos von der Festgesellschaft, bis ich weiter musste und sie zur Zeremonie ins Stadthaus neben dem Fraumünster. Am Schluss der Tour verspürte ich eine Art Champagnereffekt, Zürich kam mir bunter vor als am Morgen, spritziger, witziger, begehrenswerter. Ich hätte früher schon eine Stadtrundfahrt machen sollen.
Auch am Fifa-Museum kamen wir vorbei.