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Samstag, 16. Dezember 2017

Oh du komplizierter Winter

Winter. (Alan Zomerfeld/ Wikicommons)
Während ich gestern im Schleichtempo meine Langwattstrasse hinunterging zur Station Zollikerberg - das Trottoir war teilweise eingeschneit, teilweise aber auf die Art freigeräumt, bei der die Schaufel des Schneeräumtraktors hauchdünne und spiegelglatte Eisflächen hinterlässt -, dachte ich, dass der Winter dieses Jahr früh und mächtig Präsenz angenommen hat. Gleich anschliessend fragte ich mich, woher eigentlich das Wort Winter kommt. Zuhause schlug ich das nach und stellte fest: Der Winter ist aus etymologischer Sicht reichlich kompliziert. Es gibt mindestens drei Theorien:
  1. Das Wort, das im Althochdeutschen, Altsächsischen, Altfriesischen und dergleichen mehr in verwandten Formen wie wintar, winder, winter belegt ist, könnte verwandt sein mit Lateinisch unda gleich Welle und Litauisch vanduc gleich Wasser. Gemäss dieser Theorie ist der Winter die feuchte, die nasse Jahreszeit.
  2. Das altirische Wort find gleich weiss könnte Pate stehen. Heutige Namen wie Finn und Fiona sind mit dieser Wurzel verwandt, ihre Träger sind die Hellen oder Blonden. Übrigens bloggte ich vor Jahren über den Namen Fintan, der auch in diese Gruppe gehört.
  3. Dann gibt es noch das althochdeutsche Wort winistar mit der Ausgangsbedeutung weg oder abgewendet; dieser Ausdruck findet sich im Zusammenhang mit den Himmelsreichtungen und meint soviel wie: vom Süden abgewendet.

Freitag, 15. Dezember 2017

Sein Ohr war gefroren und brach ab

Dawson. Am Yukon. In Nordkanada.
(Bild: Wikicommons)
Es gibt diese Traumorte. Man stellt sich vor hinzureisen. Aber man weiss auch, dass es kaum so weit kommen wird - vielleicht ist es auch besser so, weil die Idee in der Regel mehr Spass macht als ihre Ablösung durch die Realität. Mich fasziniert seit Jahren Dawson, die alte nordkanadische Goldgräberstadt am Yukon. Und à propos Yukon: Wenn ich mich nach Dawson begeben würde, dann natürlich im Kanu. Von Whitehorse aus, der grössten Stadt des Yukon Territory, braucht man 14 Tage, Abenteuer wie Stromschnellen und hungrige Bären inbegriffen. Allerdings sass ich noch nie in einem Kanu; auch darum ist es wohl besser, wenn ich es bleiben lasse. Stattdessen lese ich allerhand Bücher über die Gegend; eben gerade begeisterte mich "The Good Life: Up the Yukon without a Paddle" vom Engländer Dorian Amos. An einer Stelle erzählt er, was man so für Sätze hört, wenn man winters bei circa 35 Grad unter Null in Dawson in einer Bar hockt und den Einheimischen, einer rauen Mischung aus Holzfällern und Karibujägern, zuhört. Zum Beispiel: "Hey, ich habe meinen Finger bis heute nicht gefunden." Oder: "Ich folgte der Blutspur, bis sie sich unter einer Eisscholle verlor." Oder: "Sein Ohr war gefroren und brach ab."

Donnerstag, 14. Dezember 2017

Wölfisches in Zürich

Schaut, ein Wolf! Das Foto stammt aus Italien (Abruzzen).
(Bild: Medienmitteilung Uni Zürich/ Fabien Brugman)
Vor ungefähr 20 Jahren kam der Wolf zurück in die Schweiz, viele freuten sich, einige ärgerten sich, die einen wollen ihn hegen und pflegen, die anderen abschiessen. Im Zoologischen Museum der Uni Zürich läuft seit kurzem eine Ausstellung, die vom Naturhistorischen Museum Freiburg übernommen wurde: "Wolf - Wieder unter uns" enthält sich, so wenigstens sagt es die Medienmitteilung, der Wertungen und "gibt jedem die Möglichkeit, sich ein eigenes Bild zu machen". Ich werde sicher hingehen, schön, dass die Ausstellung sechs Monate offen ist, man hat keinen Ich-muss-subito-hin-Stress.

Mittwoch, 13. Dezember 2017

Der Pilgerberg ohne Pilgerei

Vor bald zwei Jahren traf ich mich mit einem deutschen, in Konstanz lebenden, geradezu unheimlich vielseitigen Wander- und Tourismus-Autor. Das war auf der Hohen Buche im Appenzellerland. Auf Facebook sind Patrick Brauns und ich schon viel länger befreundet, ab und zu kommentiert er Blogeinträge von mir, oft sind es Ergänzungen, manchmal auch freundliche Einwände oder kritische Nachfragen. Dass Patrick ein Schweizkenner ist, zeigt sich auch in vielen seiner Bücher. Eben ist im Midas Verlag ein neues erschienen: "Das kleine Buch der grossen Berge", Untertitel: "50 Berge, die Sie kennen müssen, um die Schweiz zu verstehen". Besonders gefällt mir an der Sammlung, dass sie nicht nur berühmte Berge wie das Matterhorn, die Rigi, den Säntis behandelt; etliche Kapitel widmen sich eher abseitigen, unbekannten oder auch verkannten Erhebungen. Und immer sind die Texte witzig und gewitzt. Warum bloss, fragt sich Patrick, heisst der Mont Pèlerin über den Rebbergen des Lavaux eigentlich so, also "Pilgerberg", da es doch keine Hinweise auf eine Wallfahrt und auch keine Kapelle gibt? Man liest den scharfsinnigen Schreiber mit Gewinn.

Dienstag, 12. Dezember 2017

Der Tag begann mit der 8

Gestern beim Escher-Wyss-Platz: Die Haltestelle des neuen Achters ist nicht zu übersehen.
Gestern morgen reiste ich auf einem Riesenumweg zur Arbeit. Dies, um mit dem neuen Achter-Tram zu fahren. Den Achter gibt es schon lange, er war unter Zürichs vielen Tramlinien aber zweitklassig. Seit dem Wochenende ist das anders: Der Achter hat nun eine neue Funktion als Problemlöser. Er verbindet nämlich die Gegend des Paradeplatzes und des Stauffachers effizient mit dem Bahnhof Hardbrücke, dem Escher-Wyss-Platz und Züri West. Anders gesagt: Wer von der alten City oder auch dem angrenzenden Kreis vier hinüber in den boomenden Kreis fünf will, hat nun ein komfortables Direkttram und muss nicht mehr via HB fahren. Der Achter überwindet den Schienenstrang der Bahn, indem er die Hardbrücke benützt. Die entsprechenden baulichen Anpassungen samt Rampenausbau kosteten 130 Millionen Franken. Die Verbesserung für so manchen Zürcher ÖV-Nutzer ist markant. Und es macht Spass, mit dem Tram über die Brücke zu flitzen; bis jetzt war jeweils am Hardplatz Endstation.

Montag, 11. Dezember 2017

Doorffä

"Kauz" Walpen ist Kriminalpolizist in Zürich. Freigestellt, beschliesst er, im Goms, wo er familiäre Wurzeln hat, seine Langlauftechnik zu verfeinern. Doch wie das halt so geht in derlei Geschichten, passiert gleich ein Mord, so dass das mit der verbrechensfreien Zeit eine Illusion bleibt. Kaspar Wolfensberger, Zürcher Psychiater, hat einen untadeligen Krimi geschrieben, clever gebaut, sprachlich souverän, doch. Zudem strotzt "Gommer Winter" (bilgerverlag, 477 Seiten) vor Lokalkolorit, man erfährt und lernt vieles über das Hochtal des jungen Rotten. Zum Beispiel das Verb "doorffä". Es bezeichnet das Geplauder im Dorf unter Einheimischen.

Sonntag, 10. Dezember 2017

Die neuen Schuhe waren lieb zu mir

Immer wieder eine Augenfreude: das Sälischlössli über Olten, gestern.
Einige Zeit zuvor unweit von Safenwil: Gleich kommt die Sonne.
Viechlifüttern im Wildpark Mühletäli. Hey Motzer: Das Futter ist gekauft und ok!
Meine neuen Schuhe taten null weh.
Gestern Samstag hatten wir es schön. Drei Stunden dauerte die Wanderung. Sie führte uns von Safenwil zum Sälischlössli und via das Mühletäli hinab nach Olten. Hier die bestimmenden Faktoren:
  • Wetter: Wunderbar wechselhaft. Am Vormittag hatten wir Sonne, am Nachmittag flockte es wie wild.
  • Sound: Zuerst Autolärm in Safenwil. Dann das I-Aa eines einsamen Esels am Hang des Engelbergs. Schliesslich im nassen Neuschnee das Knarzen der Schuhe während des Abstiegs ins Mühletäli.
  • Tierli: Der erwähnte Esel. Und die zutraulichen Geissen und Schafe und Rehe im Wildpark Mühletäli. Plus zwei streichelbare Sennenhunde, halb Berner, halb Appenzeller, im Wald.
  • Essen: Das Schnitzel auf dem Sälischlössli war ausgegangen. Ich nahm halt den Salat. Und dazu die Pommes. Man muss ja nicht immer opulent.
  • Aussicht: Toll die Ansichten schon im ersten Teil dank der höhenwegartigen Passage über Safenwil. Noch toller war der Tiefblick auf die vollmöblierte Ebene um Olten mit den Gott sei Dank unmöblierten Jurahügeln dahinter.
  • Sonstiges: Meine nigelnagelneuen Wanderschuhe (Lowa, per Paket von Zalando geliefert) machten null Probleme. Lieb von ihnen, wirklich lieb. - Im Wald trafen wir einen Mann, der für seine Mitpontoniere auf dem 35-Kilometer-Chlausenmarsch die Mittagssuppe bereitete. Leider offerierte er kein Bier von seinen Sixpacks. Pontonier müsste man sein. - Die Sälischlössli-Wirtin erzählte von Kroatien. Und von ihrer 750-Kubik-BMW. - Ah ja, Walterswil noch: Neben der Kirche steht die alte "Sonne." In ihr ist heute mittlerweile ein Sexclub eingerichtet. 
Die Schweiz halt. Und jetzt wünsche ich allen einen schönen Sonntag. Nächsten Samstag wird mein Grüpplein weihnachtsessen. Wo? Am Rhein. Der Rest ist noch Betriebsgeheimnis.

Samstag, 9. Dezember 2017

Ein neues Museum im Rheinwald

Nufenen.
(Bild: Adrian Michael/ Wikicommons)
Einer meiner letzten Artikel beim Tages-Anzeiger widmete sich diesen Sommer den Walsern, den Pioniersiedlern des Mittelalters im Alpenraum. In ihm erwähnte ich auch das Projekt eines Walser-Museums in Nufenen im Rheinwald. Kürzlich nun ist das "Walserama" feierlich eröffnet worden. Man stelle sich nicht zu viel vor: Dies ist der erste von zehn geplanten Ausstellungsräumen im Bünlastall, einer ehemaligen, 300-jährigen Suste, einem Säumer-Warenumschlagplatz also, und wer sich die ausgestellten Dinge anschauen will, muss einen Termin für eine Führung vereinbaren. Doch ein Anfang ist gemacht, die Kultur der Walser am oberen Hinterrhein vor dem Vergessen zu bewahren.

P.S. Zur gestrigen Schätzfrage sind folgende Daten eingegangen; jetzt gilt es zu warten, bis der Zählerstand 2'222'222 eintritt. Danke jedenfalls fürs Mitmachen!
  • AS: 26.01.2019
  • AT: 21.10.2018
  • ES: 20.07.2018
  • HB: 13.07.2018
  • MJ: 22.02.2022
  • SB: 21.06.2018
  • WA: 21.10.2018

Freitag, 8. Dezember 2017

Wird 2'222'222 zur Glückszahl?

Oh weh! Ich wollte einen Screenshot machen, wenn der Klick-Zähler dieses Blogs auf 1'777'777 springt, verpasste den Augenblick aber. Das war gestern. Die nächsten magischen Zahlenmomente sind: 1'888'888, 1'999'999, 2'000'000, 2'111'111 und natürlich 2'222'222. Machen wir doch einen Wettbewerb. Man schicke mir bis heute 18 Uhr ein Mail auf die Adresse, die in der rechten Spalte unter meinem Foto angegeben ist. Und zwar mit der Antwort auf diese Schätzfrage: An welchem Tag wird der Zähler 2'222'222 erreichen? Falls jemand das Datum trifft, gibt es ein Essen mit mir in einer guten Beiz. Falls!

Donnerstag, 7. Dezember 2017

Mein Kunstfährtli

Etwas für Geometriefetischisten: "5-stöckiger Dodekaeder" von Beat Zoderer.
Gestern morgen unternahm ich eine Zürcher Stadtwanderung: Geschenkli kaufen für Weihnachten. Als die anspruchsvolle Tour (unübersichtliches Terrain, viele andere Wanderer, Kälte und Nebel) zu Ende ging, war ich müde und fand, ich hätte eine Belohnung verdient. Ich deponierte die Geschenke im HB in einem Schliessfach und nahm den Zug nach Aarau - ein Kunstfährtli, wie ich es mir ab und zu gönne, ich mag das Aargauer Kunsthaus und seine Art auszustellen, machmal bin ich enttäuscht, manchmal begeistert, aber nie lässt mich das Gezeigte kalt. Diesmal gab es zwei neue Ausstellungen: zum einen die "Auswahl 17" mit Werken von Aargauer Künstlerinnen und Künstlern aus der unmittelbaren Gegenwart (Foto oben) und zum anderen "Wild Thing" mit Kunst aus den 1980er-Jahren (Foto unten). Beides gefiel mir gut, ein bisschen besser noch die Achtzigerjahre-Sache, der Zeitgeist war damals wild, das prägte auch die Kunst. Also, liebe Leserin und Leser, hinreisen und schauen, es lohnt sich.
Miriam Cahn, "Morgengrauen". Kohle auf Papier.

Mittwoch, 6. Dezember 2017

Die tödliche Rheinkurve

Tödlich: die Kurve des Rheins bei der Tössegg nah Teufen.
(Screenshot Open Street Map)
Eine Tageszeitung leistet enorm viel - das muss wieder einmal gesagt sein. Unter anderem blickt sie auch regelmässig in die Vergangenheit. Beim Tages-Anzeiger kann das kaum jemand besser als Martin Huber, mein früherer Kollege im Zürich-Ressort; er schürft mit auffallendem Gespür nach den Dingen von einst, von denen keiner mehr weiss. Gestern kam von Martin ein langer Artikel, der auf Teufen im Zürcher Unterland fokussiert. Dort kollidieren am 16. Juli 1945 zwei französische Jagdflugzeuge. Deren Piloten kommen ums Leben. Beide sind bei verhangenem Wetter unterhalb der Wolken unterwegs in die französische Besatzungszone in Süddeutschland, fliegen also flussaufwärts und schrecken kurz vor dem fatalen Unfall bei Teufen die Bewohner von Eglisau auf. Zum Verhängnis wird ihnen - sie fliegen auf Sicht - die Rheinkurve bei der Tössegg. Hier vollzieht der Rhein eine abrupte Kurve nach Norden; sie dürfte die jungen Piloten überfordert haben, so dass es zum Unglück kam. Die Gemeinde Teufen-Freienstein überlegt sich nun, im Gebiet, wo die Flugzeuge in den Boden schossen, ein Gedenkzeichen anzubringen. Wer wissen will, ob es dazu kommt, wird es erfahren. Aus seiner Tageszeitung.

Dienstag, 5. Dezember 2017

Du hast das falsche Motiv, Kröpelin!

(Bild: N3MO/
Wikicommons)
Vor Wochen präsentierte ich das Wappen von Matt GL, das sehr hübsch einen alten Brauch zeigt, das Schybefleuge. Wappen, die etwas erzählen, sind interessant. Aber sagen sie immer die Wahrheit? In Mecklenburg-Vorpommern, Deutschland, gibt es die Kleinstadt Kröpelin. Das zugehörige Wappen setzt den sprechenden Ortsnamen um und zeigt einen, pardon, Krüppel. Bloss ist die Ableitung kreuzfalsch. "Kröpelin" ist ein Wort aus dem Slawischen, "crepelita" heisst offenbar soviel wie "Wachtelfeld". Man müsste eine Wachtel zeigen, nicht einen Mann ohne Beine. Doch was falsch ist, wird nach einigen Jahrhunderten richtig.

Montag, 4. Dezember 2017

Zuerst Bise, dann Metzgete

Die Kirche von Wynau. Und (kleines Bild) der Schlüssel, der sie öffnet.
Also schwitzen musste man am Samstag als Wanderer nicht - was für eine Bise! Wir reisten in den Oberaargau, zogen vom Schloss Aarwangen los, folgten der Aare nach Wynau und Murgenthal und bogen dort ab zu unserem Schlussziel, dem Kloster St. Urban. Etwas über drei Stunden dauerte das, wir wanderten in drei Kantonen (Bern, Aargau, Luzern), der Giftwind blies uns in die Ohren, aber wir hatten doch Spass und sahen viel: die altehrwürdige Kirche von Wynau etwa mit schönen alten Wandmalereien; im Pfarrhaus holten wir uns den Schlüssel zu dem Gotteshaus, einer Basilika mit frühromanischem Kern. Am Ende, in St. Urban, gerieten wir im Klosterrestaurant Löwen dann in eine Metzgete. Die wärmte uns endgültig wieder auf.
Kurz vor dem Ziel: Zwei rote Türme zeigen die Klosterkirche St. Urban an.
So endete im Löwen zu St. Urban die Wanderung.

Sonntag, 3. Dezember 2017

Malerische Sache

Wahrzeichen der Salentse-Schlucht ist die Tète du Géant (Bildmitte).
1873 lässt sich der französische Maler Gustave Courbet im verschlafenen Walliser Dorf Saillon nieder. Und zwar in der Mühle, gelegen am unteren Eingang der Salentse-Schlucht. Ab und zu stellt er seine Staffelei in der Schlucht unweit der Thermalquelle auf; eines seiner Bilder wird die Tête du Géant zeigen. "Riesenkopf", so heisst eine verblüffende Geländeformation aus Tuffstein. Besagtes Gemälde geht später verloren und taucht erst 1977 bei einer Courbet-Retrospektive in Paris wieder auf. Heute ist es im Musée de Picardie in Amiens ausgestellt. Freilich wusste man in Frankreich lange nicht, woher das Motiv samt dem Riesenkopf stammt. Bis sich ein Lehrer aus Saillon meldete. Im Wallis nämlich hatte man das Courbet-Gemälde nie vergessen und rätselte bis in unsere Zeit, wo es sei. Der Lehrer forschte nach, wurde in Frankreich fündig und konnte den Kuratoren von Amiens berichten, dass es sich bei dem Riesen um den Riesen aus der Salentse-Schlucht handelt. Hübsches Geschichtlein, oder? Schönen Sonntag!
Courbets "Vue de la Caverne des Géants près de Saillon (Suisse)". Der Gemäldetitel wurde nachträglich
kreiert. Zum eigentlichen Riesen der Schlucht (l.) hat der Maler einen zweiten Kopf (Mitte) dazufantasiert.

Samstag, 2. Dezember 2017

Neues von Schweizmobil

Die Rubrik "Winter“ bei
Schweizmobil.ch ist neu.
(Screenshot)
Die Mobilitätsplattform Schweizmobil hat ein neues Angebot aufgeschaltet. Zu den Wander-, Velo-, Mountainbike-, Skating- sowie Kanurouten gibt es per sofort auch 500 Winterrouten aus dem ganzen Land. Man gibt einen Ort ein, wählt zwischen den Kategorien Winterwandern, Schneeschuhlaufen, Langlauf und Schlitteln und lässt sich einen Vorschlag servieren. Gute Sache - mit folgenden Einschränkungen: 500 Angebote klingt nach viel, aber es gibt dann doch viele Orte, bei denen die Suche je nach Unterkategorie gar nichts bringt. Da dürften die Schweizmobil-Partner, also die Touristiker in den Orten, noch mehr liefern; weil sie aber die entsprechende Route im Gelände auch signalisieren müssen, geht das nicht so schnell. Etwas schlufig finde ich zudem, dass der Winterservice auf der Schweizmobil-App, also auf dem Mobilphone, erst im neuen Jahr funktioniert. Hey, Schweizmobil, der Winter ist jetzt da. Jetzt!

Freitag, 1. Dezember 2017

Alptraumstoff


Am Rande der Place Riponne, die wiederum unweit der Kathedrale gelegen ist, steht in Lausanne das Palais de Rumine. Gebaut um die Wende des 19. zum 20. Jahrhunderts im Stil der florentinischen Renaissance, beherbergt es heute, nachdem darin einst das Universitäts-Hauptgebäude untergebracht war, fünf Museen sowie eine öffentliche Bibliothek. Einige der Museen sind noch vom 19. Jahrhundert geprägt, die Forscher und Sammler von damals legten eine auffallende Lust am Kuriosen und Schockierenden, am Schrecklichen und Abweichenden an den Tag. Und daher gibt es im Zoologischen Museum eine grosse Vitrine mit tierischen Missgeburten. Hier zwei Beispiele, einmal Schaf und einmal Kalb. Es sind alptraumhafte Kreaturen.

Donnerstag, 30. November 2017

Acht mal Wallis

Wie gestern berichtet, machte ich am Dienstag eine Rundwanderung ab Saillon, einem Dorf zwischen Sion und Martigny. Drei Stunden dauerte diese bei je 500 Höhenmetern auf und ab, hier die Route: Saillon, Collombeyres (Bus) - Saillon, Bourg - Saillon, Kirche - Saillon, Tour Bayart - Aux Corbassières - Passerelle à Farinet - Les Places - Montagnon - Produit - Saillon, Les Moulins - Salentse-Schlucht-Weg - Saillon, Les Moulins - Saillon, Les Bains (Bus). Und jetzt möchte ich die Fotos erzählen lassen.
Saillon ist im Kern ein Bourg, ein Mittelalterstädtchen auf einem Hügelsporn.
Steil geht es auf einem Fusspfad mit Geländer hinauf. Links die Tour Bayart.
Die Tour Bayart vom Nachbarhügel (Blickrichtung Martigny). Nicht zu sehen:
Vor dem Turm klafft ein Geländeloch. Meterhoch die Tritte der Direttissima,
auf beiden Seiten ist sie mit Ketten gesichert. Das ist nicht ungefährlich.
Von der Tour, die man innen über Wendeltreppen und Steintreppen ersteigt,
hat man Rundsicht. Hier der Blick das Rhonetal hinauf Richtung Sion.
Einige Zeit später in den Reben. Unten wieder die Tour Bayart.
Die Passerelle à Farinet. Der Tiefblick in die Schlucht ist schwindelerregend.
Am einen Ende sass ein Trüppchen Walliser Wanderer und becherte vergnügt.
Wieder unten in Saillon  an der kanalisierten Salentse. Ihr entlang ging ich in die
Schlucht. Dort liegt die Thermalquelle des Bades, für das Saillon bekannt ist.
Hübsches Treppli in der Schlucht. Deren Unterteil ist touristisch hergerichtet.
Am Ende war die Sonne weg. Hier noch einmal der Bourg von Saillon
mit der Tour Bayart. Sieht aus wie Sions Stadtberg Tourbillon, fand ich.

Mittwoch, 29. November 2017

Der Geldfälscher und seine Hängebrücke

Gestern war ein guter Tag. Ein sehr guter Tag. Um 6 Uhr 40 traf ich im HB Zürich anhand der Wetter-App auf meinem Handy die Entscheidung: ab ins Wallis, zur Restsonne! Tatsächlich hielt die Sonne praktisch bis zum Ende meiner dreistündigen, abenteuerlichen, von Kettensicherungen, steilen Stufen, abrupten Steigen und sogar einer Leiter geprägten Rundwanderung ab Saillon durch. Mehr zur Route morgen, vorgezogen will ich hier bloss eine der Entdeckungen präsentieren, die ich machte: die Passerelle à Farinet, die bei Saillon auf 136 Metern über Grund die Schlucht der Salentse überquert. Benannt ist diese neuzeitliche Hängebrücke, bien sûr, nach dem Walliser Ur-Schlitzohr, dem Geldfälscher Joseph-Samuel Farinet; er fand auf der Flucht vor seinen Häschern in der Salentse-Schlucht 1880 sein Ende. Zeitweise sollen in der Schweiz ein Drittel aller kursierenden Zwanzigräppler Fake-Exemplare aus Farinets Werkstatt gewesen sein.

Dienstag, 28. November 2017

Das Namensrätsel

Zusammengebaut: Helmhaus und Wasserkirche. Hinten der eine Turm
des Grossmünsters. (Bild: Roland zh/ Wikicommons)
Kennen alle das Helmhaus in Zürich, das nördlich an die Wasserkirche angebaut ist und als städtische Kulturinstitution zeitgenössische Kunst zeigt? Schon lange fragte ich mich, woher der Name stammt. Wen könnte man Berufeneres fragen als Anna Pia Maissen, die Stadtarchivarin von Zürich. Sie hat umgehend geantwortet, was ich sehr freundlich finde, und geht dabei in die Vollen. Die Sache ist nämlich nicht eindeutig, "nun, es ist kompliziert", leitet Maissen ihr Mail ein und listet danach die Theorien auf, natürlich unter Angabe der jeweiligen Quelle. Hier die Möglichkeiten:
  • "Helmhaus" könnte von "hellen" gleich "hüllen" stammen; gemeint wäre die kleine Vorhalle vor der Wasserkirche, die schon früh entstand. Später wurde sie durch einen Anbau zum Helmhaus ergänzt.
  • "Helmhaus" könnte abgeleitet sein von "hehlen" gleich "schützen"; das Verb ist von derselben Wurzel abgeleitet wie "Helm". Das Helmhaus schützt helmartig die Wasserkirche. 
  • "Helmhaus" könnte aber auch zurückzuführen sein auf die Masseinheit der Elle; andere Wortformen sind Ell, Eln, Heln, verwandt mit lateinisch "ulnea". Der frühere gedeckte Markt an diesem Ort, zeitweise ein Tuchmarkt, stellte das Urmass der Zürcher Elle zur Schau. So konnte jeder kontrollieren, dass man ihn, etwa beim Abmessen von Tuch, nicht mit einer falschen Kopie der Elle betrug. Das Helmhaus wäre aus dieser Warte das Ellenhaus.
Interessant, oder? Schade finde ich, dass das Helmhaus selber auf seiner Homepage mit keinem Wort auf den eigenen Namen eingeht.

So, gleich gehe ich auf den Zug. Es geht ins Wallis. Oder an den Neuenburgersee. Oder nach Wolhusen im Luzernischen. Entscheiden werde ich spätestens im HB Zürich.

Montag, 27. November 2017

Die Glocke von Stein

Die Glocke der Thelema rief die Anhänger jeweils zu Gebet und Messe.
Ein Sakralschurz, geschneidert von einer Ordensfrau.
Gut 50 Jahre lang gab es in Stein im Appenzellerland, Dorf meiner Jugend und mein Bürgerort, im Gasthof Rose die "Abtei Thelema". Der dort residierende okkulte Orden namens "Psychosophische Gesellschaft" war - sagen wir mal - zu einem Drittel unheimlich und zu zwei Dritteln lächerlich, im Nachhinein betrachtet. Es wurden im Keller Messen gefeiert, die Hierarchen trugen dabei fantasievolle Gwändli, man vernetzte sich international mit anderen Gruppen wie den Templern und den Freimaurern. Im Zentrum stand ein verkrachter, vormals in Zürich wegen Betrugs gebüsster Graphologe, der es verstand, sich Leute, vor allem Frauen, gefügig zu machen und diese emotional und auch finanziell zu vampirisieren - ein klassischer Sektenmechanismus. Das alles ist seit gut zwei Jahrzehnten Vergangenheit, der Guru längst ebenso tot wie eine Handvoll Leute des engeren Kreises, deren Seelen nachhaltig ruiniert wurden. Tausende Dokumente, Schriften und Objekte der sich am englischen Magier Aleister Crowley orientierenden Abtei lagern heute unter dem Namen "Collectio Magica et Occulta" in der Ausserrhoder Kantonsbibliothek in Trogen. Ich schrieb im Tagi diesen Sommer einen Artikel über die merkwürdigen Thelemisten von Stein, die von den Einheimischen stets als Fremdkörper empfunden wurden, und bloggte auch zum Thema. Nun, da in Stein im Appenzeller Volkskundemuseum eine aus dem Fundus der erwähnten Collectio gespiesene Ausstellung angelaufen ist, ging ich mir diese - das war vorgestern - anschauen. Ausgestellt sind Kultgegenstände und -gewänder, dazu Bücher aus der Bibliothek des Ordens, Fotos, Zeitungsartikel sowie die abtei-eigene Glocke, die Sakralanlässe einläutete. Mein Eindruck nach dem Besuch der Ausstellung ist derselbe wie nach der Lektüre des kundigen Buches der Historikerin Iris Blum: Die Leute von der Rose waren wirre Charaktere. Aber sie waren es mit Methode und Beharrlichkeit, so dass sich die Psychosophische Gesellschaft ein halbes Jahrhundert halten konnte.
Das Appenzeller Volkskundemuseum in Stein AR mit dem Plakat
zur gegenwärtig laufenden Ausstellung "Tu, was du willst".

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Sonntag, 26. November 2017

Das Tannzapfenprojekt

Dieses sauglatte Tourismusangebot auf der Rigi gibt es schon länger.
Diese Woche online gelesen: Den Rigibahnen lief es letztes Jahr sehr gut, für 2016 resultierte ein satter Gewinn. Nun fasst das Zentralschweizer Unternehmen ein ehrgeizigeres Management der Regen- und Schlechtwetter-Tage ins Auge, auf dass auch bei durchzogenem Wetter viele Leute auf den Berg reisen. Drei Stichworte: Auf Rigi Kaltbad soll ein Baumhüttendorf entstehen, in dem Gäste übernachten können (okay, möglicherweise zieht das). Auf Rigi Staffel will man ein "Swissness"-Bergdorf mit Schauwerkstätten hochziehen (klingt ein wenig nach Ballenberg, oder?). Und auf Rigi Scheidegg ist eine meterhohe Aussichtsplattform geplant. Sie soll die Gestalt eines Tannzapfens haben (oh Graus). Hoffentlich ist das Ding wenigstens nicht aus Plastik.

Samstag, 25. November 2017

Alles so schön durchnummeriert

Der neue Netzplan. Wer ihn studieren will, hier der Link.
Gelesen, gesehen, gehört? Auf den Fahrplanwechsel am 10. Dezember führen die SBB neue Bezeichnungen für die grossen Bahnlinien durchs Land ein. Diese bekommen Nummern grad wie die Autobahnen oder die S-Bahn-Linien. Zum Beispiel:
  • IC 1: Genf Flughafen - Bern - Zürich - St. Gallen
  • IC 2: Zürich - Zug - Lugano
  • IC 3: Basel - Zürich - Chur
  • IC 4: Zürich - Schaffhausen.
Mir gefällt das. Es hat etwas bubentraumartig Aufgeräumtes, Adrettes, Ordentliches, Soldatisches. Alles so schön durchnummeriert. Antreten zum Appell, Bahnlinien!

Freitag, 24. November 2017

Hackbraten am Röstigraben

Ein Teil des Alpenkranzes, gesehen vom Waldrand oberhalb Heitiwil FR.
Schloss Balliswil. Es ist Privatbesitz.
Ein Nachtrag bzw. eine Präzisierung zu gestern, als ich vom Grandfey-Viadukt erzählte: Die Wanderung, in deren Rahmen ich den Viadukt bewanderte, dauerte 3 1/2 Stunden, es ging je knapp 300 Meter aufwärts und abwärts; ich zog von der Freiburger S-Bahn-Station Poya zum Murtentor, nach Le Palatinat und Grandfey, überquerte auf besagtem Viadukt den Schiffenensee und setzte via Balliswil, St. Wolfgang, Jetschwil, Heitiwil, Farneraholz, Bethlehem, Ochsenried fort nach Schmitten. Dort ass ich im Restaurant Kreuz zu Mittag und beendete die Wanderung am unterhalb des Dorfes gelegenen Bahnhof. Soweit die Fakten. Aber natürlich ging es auch bei dieser Wanderung in erster Linie um Gefühle und Stimmungen und interessante Dinge. Zum Beispiel war mir das Murtentor, das zu Freiburgs mittelalterlicher Befestigung gehört, bisher kein Begriff gewesen; was für eine massive Anlage es ist mit dem darüber aufragenden Turm! Wunderschön dann viel später der Blick vom Waldsaum oberhalb Heitiwil zum Alpenkranz. Und im Kreuz hatte ich einen sehr guten Rindshackbraten. Das sind Eindrücke, die mir von der Route am Röstigraben bleiben werden.
Der Murtentor-Turm in Freiburg (links) ist 34 Meter hoch und fast 600-jährig.

Donnerstag, 23. November 2017

Unter der Brücke über die Brücke

Gestern im Grandfey-Viadukt, Kanton Freiburg. Die Bahn verkehrt eine Etage höher.
Anrufen statt springen: eine gute Idee.
Gestern kam ich endlich dazu, mir den Grandfey-Viadukt vorzunehmen; schon lange steht er auf meiner Wunschliste. Es handelt sich um jene Eisenbahnbrücke, auf der man zwischen Düdingen und Freiburg den Schiffenensee überquert - also den Röstigraben. Ich wanderte in der Gegenrichtung, von Welsch zu Deutsch, näherte mich also von Freiburg (S-Bahn-Haltestelle Poya) her der Brücke und überquerte sie, um alsbald in der Deutschschweiz zu landen. Wobei, "überqueren" ist eigentlich irreführend, Fussgänger gehen durch einen Arkadengang unter dem Bahntrassee. Wunderbar dabei der Blick auf den Schiffenensee, die aufgestaute Saane. Berückend die Architektur mit den Bögen. Und etwas beklemmend die Sprayereien auf der anderen Seite des Geländers, es gibt offenbar immer wieder Junge, die hart am Abgrund in einer der Arkadennischen ungesichert ihre Graffiti anbringen. 79 Meter hoch ist die Brücke und 334 Meter lang und ist auch baugeschichtlich interessant. 1858 bis 1862 entstand sie als simples Eisenmodell: waagrecht die Brücke, senkrecht dazu die Träger. Als die Züge aber allmählich schwerer wurden, musste man die Konstruktion verstärken. 1925 bis 1927 wurde der Viadukt quasi verbetoniert, aus jener Zeit stammen die Bögen. Elegant fiel diese Umgestaltung auf jeden Fall aus.
Auf der welschen Seite der Brücke, das Haus ist eine Beiz.
Blick von der Brücke Richtung Nordwesten mit dem Schiffenensee.

Mittwoch, 22. November 2017

Ich war der Zar der Schweiz

Schon bizarr, wenn man spätnachmittags in der beginnenden Stosszeit in Gossau SG in den Zug nach Zürich steigt und den Speisewagen leer vorfindet - kein Mensch da. Okay, der Speisewagen war geschlossen im Sinn von: Hier wird heute auf dieser Strecke nicht gewirtet. Aber offen war er doch. Und gemütlich dank dem gelben Warmlicht. Ich mochte es sehr, mutterseelenallein Richtung Zürich zu gondeln. Erst im Zürcher Flughafen stieg noch jemand anders ein und machte so mein Gefühl zunichte, im privaten Salonwagen durchs Land zu reisen - der Zar der Schweiz.