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Samstag, 6. Oktober 2018

Ein musikalischer Ort, immerhin

Gestern fuhr ich auf den Berner Hausberg Gurten - ein Interview. Lange her, das letzte Mal war ich 1989 oben. Während ich bei der Talstation der Standseilbahn in Wabern auf die Leute wartete, mit denen ich verabredet war, stellte ich fest: Oh, der Platz heisst "Mani-Matter-Platz". Seit zwei Jahren ist das so. Sicher keine schlechte Wahl der Gemeinde Köniz, zu der Wabern gehört: Musikalischer ist kaum ein Platz in der Region, hier stauen sich jeweils die Leute, wenn auf dem Gurten das jährliche Festival ist und das Bähnli nicht mehr nachkommt. Viel Charisma hat der Ort nicht, aber immerhin. In Bern selber gibt es auch eine Erinnerung an den Liedermacher Matter: den Mani-Matter-Stutz. Er ist unansehnlich und trist, die NZZ schrieb über ihn: "Eingezwängt zwischen der Westfassade des Rathauses und der christkatholischen Kirche, führt er vom Rathausplatz hinab zum Eingang eines Parkings. Wohnungen gibt's keine. Das Schild ist überflüssig: Es ist kein Ort zum Verweilen." Da ist der Platz bei der Gurtenbahn allemal schöner.

Samstag, 25. Juli 2026

Büne und Lukas


Wir fuhren im vordersten Waggon des Zuges "Gurten" von Einsiedeln hinab nach Wädenswil, und mir fiel der etwas kryptische Spruch in Grossbuchstaben neben der Kamera auf: "Lukas the Lokomotivführer is watching you!" Ich fand ihn ein wenig launig, weswegen die Anspielung auf die Jim-Knopf-Geschichten, in denen der Lokführer Lukas heisst? Erst beim Aussteigen realisierte ich dann, dass der Waggon mit vielen anderen Dingen verziert ist, mit Bildern vor allem. Der Berner Büne Huber, "Patent Ochsner"-Sänger und Künstler, steht dahinter; er durfte für die Südostbahn den Waggon gestalten.

Freitag, 29. März 2013

Sandstein-Kathedrale


Wie ich in einem früheren Eintrag schrieb, stiegen wir kürzlich von Krauchthal auf die Chrüzflue, jenen Felsen, der den Ort überragt. Auf halbem Weg kamen wir zu dem gewaltigen Chrüzflue-Sandsteinbruch. Die glatten Wände, die Dominanz der Vertikalen, die natürliche Heiligkeit des Ortes liessen an eine Kathedrale denken. Dies ist einer von vier Sandstein-Abbau-Plätzen in Krauchthal; ein Sandsteinpfad verknüpft sie. Die Begehung dauert eine Stunde, man sieht alte Werkzeuge, und natürlich gibt es allerlei lehrreiche Tafeln und offenbar sogar ein Gästebuch aus Sandstein. Nun noch eine Definition: Wir reden von "Berner Sandstein"; als solcher gilt Sandstein, der vom Gurten, Ostermundigen oder eben Krauchthal stammt.


Donnerstag, 1. November 2018

Drei Leute in zwei Porträts

Lo & Leduc.
Max Göldi.
Vor einem Monat erzählte ich hier vom Gurten und vom Mani-Matter-Platz unten bei der Talstation der Standseilbahn. Damals war ich für einen Artikel unterwegs, ich traf auf dem Berner Hausberg die Rapper Lo & Leduc, die sich dieses Jahr mit "079" 21 Wochen lang ununterbrochen an der Spitze der Schweizer Hitparade hielten, das gelang in den letzten fünfzig Jahren niemand anderem, ausländische Konkurrenz inklusive. Die beiden Sänger waren angenehm allürenlos und ruhig - es war für mich eine gute Begegnung. Mein Porträt kann man in der "Schweizer Familie" lesen, die ab heute erhältlich ist. In derselben Ausgabe gibt es von mir noch ein zweites Porträt, das der ehemaligen Schweizer Libyen-Geisel Max Göldi. Anlass in diesem Fall: Göldi hat sein Libyen-Tagebuch publiziert.

Freitag, 15. Januar 2021

Die verschwundene Burg

Die Ruine Aegerten auf dem Gurten bei Bern
in der Tschachtlanchronik aus dem Jahr 1470.
(Adrian Michael / Zentralbibliothek Zürich / Wikicommons)
 
Gestern lernte ich ein neues Wort: Burgstelle. Oder auch Altburgstelle. Oder Burgstall, worin sich kein "Stall" verbirgt, sondern die "Stelle". Auch von einer abgegangenen oder abgekommenen Burg redet man. All diese Ausdrücke bezeichnen eine Burg, von der praktisch nichts geblieben ist. Anders gesagt:

  • Eine Burg ist eine Burg. Ein integrales Gemäuer mit Wänden usw.
  • Eine Ruine ist die rudimentäre, reduzierte Ausgabe. Man erkennt noch gewisse Züge der Burg, zum Beispiel aufgrund von Mauerresten.
  • Eine Burgstelle ist eine ehemalige Burg knapp vor dem Nichts. Eine Rekonstruktion des Grundrisses ist nicht möglich.
    Dieselbe Ruine heute, der Halsgraben ist knapp
    noch auszumachen. (Ginkgo2g/Wikiommons)

Dienstag, 13. April 2021

Eine sehr indirekte Route

Sorry, was ist das denn für eine Route? Pfungen – Winterthur auf sehr indirekte Art.

Brätlen macht gute Laune. Immer.
Die Route, die ich meinem Grüpplein zweiTage vor dem Wandersamstag per Mail vorgeschlagen hatte, löste Stirnrunzeln aus – dieses Geschlängel, dieses Vorwärts und dann im spitzen Winkel Rückwärts, dieses kuriose Auf und Ab. Nun, ich hatte mir durchaus etwas überlegt, nämlich dies: Ich wollte ein paar markante Hügel bei und in Winterthur verknüpfen und so demonstrieren, wie grosszügig die zweitgrösste Zürcher Stadt mit naher Natur ausgestattet ist; meiner Meinung nach können die Zürcher mit ihrem Uetliberg und die Berner mit ihrem Gurten einpacken, sobald die Winterthurer Höger ins Spiel kommen. Winterthurs Gipfel toppen alles. Wir starteten in Pfungen, bestiegen durch ein reizendes Tobel den Schlossbuck zur Hälfte, gingen in seiner Waldflanke weit nach Osten, stiegen ab ins Rumstäli und stiegen gleich wieder auf zum Beerenberg. Daselbst wurde gebrätlet, wir können das mittlerweile aus dem Effeff, ratschbummzack ist alles ausgepackt und der Wein entkorkt und das Feuer entfacht und die Wurst parat. Wieder hielten wir hinab und hielten wieder hinauf nach Hoch-Wülflingen, einem Burghügel ohne Burg; die ist entschwunden. Und hielten wieder hinab und wieder hinauf nach Alt-Wülflingen, wo ein imposanter, per Treppe erschlossener Bergfried an die adeligen Bewohner noch erinnert. Und hielten wieder hinab und wieder hinauf auf den Brüelberg – schade, war der Turmaufgang verschlossen. Eine halbe Stunde später, nach fünf Gehstunden (665 Meter aufwärts, 635 abwärts), waren wir uns einig: Das war gut.
Auf dem Bergfried der Ruine Alt-Wülflingen, unten Winterthur. Links ein Teil des Brüelbergs.