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Sonntag, 13. September 2026

Höher wohnen

Ein Foto von 2022, der Roche-Turm 2 (Mitte) im Bau.
Ein Bild des Dreispitz-Projekts habe ich leider nicht.
(Silesia711/Wikicommons)
Basels Roche-Turm 2 ist derzeit mit 205 Metern das höchste Bürohochhaus der Schweiz. Im Oktober werde ich ihn mit Freundinnen und Freunden besuchen, ich freue mich schon jetzt. Heute möchte ich hier von drei anderen Gebäuden erzählen, die in Basel auf dem Gewerbeareal Dreispitz Nord entstehen sollen im Rahmen eines neuen Quartiers; diese Woche hat das Parlament des Kantons den Bebauungsplan genehmigt. 124, 138 und 152 Meter hoch sollen die projektierten Häuser werden; das grösste wäre nach heutigem Stand das höchste Wohnhaus unseres Landes. Läuft alles nach Plan, sind die drei Dreispitz-Türme in zehn Jahren bezugsbereit. Entworfen hat sie, wie schon die Roche-Türme, das Basler Architekten-Duo Herzog & de Meuron.

Samstag, 12. September 2026

Käselose Heimreise

Sieht gut aus, oder? Ein Schweizer Vacherin
Mont d'Or. (Wikicommons)
Als ich eben von Vallorbe VS auf den Mont d'Or stieg, dessen Gipfelkamm in Frankreich liegt, fiel mir natürlich der gleichnamige Vacherin ein. In meinem Gedächtnis begann es zu rumoren. War da nicht mal etwas? Jawohl! 1987 machte eine Epidemie Schlagzeilen. In einer Waadtländer Käserei war der Mont d'Or damals mit Listerien befallen gewesen. Rund 120 Leute erkrankten, rund 30 starben. 200 Tonnen Käse mussten vernichtet werden. Seither wird der Schweizer Mont d'Or thermisiert, also erhitzt, was die Bakterien abtötet. Im nahen Frankreich tut man das nach wie vor nicht. Die dortigen Behörden erklärten zur Zeit des Skandals, noch nie sei in ihrem Land eine Erkrankung mit Sicherheit auf den Genuss von Weichkäse zurückgeführt worden. Obs stimmt? Einen Waadtländer Mont d'Or hätte ich nach der Rückkehr vom Berg jedenfalls gern gekauft. Doch meine Wanderung endete, wo sie begonnen hatte: am Bahnhof von Vallorbe, der ein wenig oberhalb des Dorfes steht. Einen Laden gibts dort nicht. Ohne Vacherin reiste ich heim.

Freitag, 11. September 2026

Eine Frage des Winkels

Gewellter Rücken: auf dem höchsten Punkt des Mont d'Or (F).
So sah ich den Mont d'Or auf meiner Wanderung leider nicht,
die Felswände bleiben beim Anmarsch von Vallorbe (fast) verborgen.
(Foto: Wikicommons/Vodimivado)
Verdorrter Gelbenzian. Hinten rechts ist in der Tiefe der Lac de Joux erahnbar.
Der dunkle lange Kamm links ist die Dent de Vaulion.
Die Cabane du Mont d'Or circa
20 Gehminuten unterhalb des Gipfels.
Heiss wars am Dienstag, als ich im Waadtländer Grenzdorf Vallorbe loszog; dies war der letzte richtige Sommertag vor dem Temperatursturz. Der Aufstieg zu meinem Gipfelziel führte zunächst durch einen stillen Buchenwald. Höher oben erreichte ich ein Waldsträsschen, kam dann in ein Gebiet typisch jurassischer Weideflächen mit eingestreuten Fichten; markant eine SAC-Hütte, die freilich verschlosssen war. Und dann war ich auch schon ganz oben. Der Mont d'Or, 1463 Meter über Meer, steht auf französischem Boden und ist ein überaus spektakulärer Berg, wobei ich die nackten Kalkwände, die ihn zur Schweiz hin begrenzen, auf meiner Route nur teilweise sehen konnte – eine Frage des Winkels. Beim höchsten Punkt hatte es doch einige Leute, nachdem ich zuvor zweieinhalb Stunden allein unterwegs gewesen war. Grandios die Aussicht, insbesondere gefielen mir in einiger Distanz der Suchet, die Aiguilles de Baulmes und der Chasseron, die ich alle schon besucht habe. Ich verweilte, ich schaute, ich genoss. Und stieg dann wieder ab nach Vallorbe und trank dort im Bahnhofbuffet ein kaltes Bier. Essen mochte ich nicht, es war mir schlicht zu heiss. – 3 h 30 min. Je 690 Hm auf- und abwärts.
Baumskelett.

Donnerstag, 10. September 2026

Die Prozession

Zürichs Stadtsiegel von 1347 zeigt die drei geköpften
Stadtheiligen Felix, Regula und Exuperantius.
(Foto: Roland zh / Wikicommons)
Dem Verband Orthodoxer Kirchen im Kanton Zürich gehören 13 Gemeinden an, deren Namen alle exotisch klingen – da ist etwa die Eritreisch-Orthodoxe Tewahedo Kirchgemeinde Medhanialem oder die Serbisch-Orthodoxe Kirche Maria Entschlafen. Am 13. September, also am Sonntag, veranstalten die Orthodoxen eine gemeinsame Prozession durchs zwinglianische Zürich. Gewidmet ist sie übrigens Zürichs Märtyrern und Stadtheiligen: Felix, Regula und Exuperantius. Ich ginge gern hin, kann aber nicht, ich gehe an ein Familientreffen.

Mittwoch, 9. September 2026

Pfeiler Nr. 2

Als 2005 die Sunnibergbrücke, das Herzstück der Umfahrung Klosters, feierlich eingeweiht wurde, war der englische Prinz Charles, heute König Charles III., wichtigster Ehrengast. Und Bundesrat Moritz Leuenberger trug im Rahmen seiner Festrede einen, wie ich finde, grässlichen Spruch vor: "Eine Prättigauer Prücke praucht einen Prinzen." Haben wir alle noch mehr oder minder in Erinnerung. Seither ist Christian Menns Brücke zum Wahrzeichen von Klosters aufgerückt; aus dem Zug ist sie übrigens besonders imposant. Was ich nicht wusste und gestern erst erfuhr, als mir Wanderin Ronja ein Foto schickte, das ich hier gern abdrucke (merci!): Seit vier Jahren gibts "Sunniberg Climbing". Einen Klettergarten mit insgesamt 22 Routen, die den 77 Meter hohen Pfeiler Nr. 2 der Brücke hinaufführen. Erstaunlich, was dieses Pündner Pauwerk pietet. 

Dienstag, 8. September 2026

Verschränkt

Die Kapelle St. Meinrad in Oberbollingen SG.

Einfach und gut: Pouletbrust vom Grill
mit Zitronenbutter und Hörnlisalat.
Wer von Rapperswil auf dem Uferweg Richtung Schmerikon geht, kommt in Oberbollingen durch. Drei Dinge ergeben dort ein stimmiges Ganzes. Erstens ist da die Kapelle St. Meinrad, die so schön für sich auf einer in den Obersee vorgeschobenen Landzunge steht. Zweitens findet sich ganz in der Nähe am Wanderweg der Bauernbetrieb Lehhof. Er gehörte viele Jahrhunderte dem Kloster Wurmsbach in der Nähe von Rapperswil; seit 1915 wird er privat geführt. Womit wir bei drittens wären: Das Bauernpaar vom Lehhof betreibt mit Erfolg die Wirtschaft zum Hof, das Fleisch, das auf den Tisch kommt, nimmt es natürlich aus dem eigenen Betrieb. Alles ist in diesem Weiler auf gute Art verschränkt.
Wenn das Wetter passt, wird in der Wirtschaft zum Hof der Grill angeworfen.

Die Freiluftwirtschaft. Nicht zu sehen ist der andere Restaurantteil, der Garten.

Montag, 7. September 2026

Hofnarr, Herzog, Bäuerin

Hörstation Nr. 2: Hier geht es um den Ritter von Hünenberg,
der die Schwyzer 1315 vor den anrückenden Habsburgern gewarnt haben soll.
Der Morgarten-Letziturm bei Schornen an der Strasse von Oberägeri nach Sattel.
Er ist von einer grösseren Befestigungsanlage an diesem Ort übriggeblieben.
Auch das ist Morgartenpfad: Wegstück mit Seilsicherung Richtung Figlenflue.
Die Kirche von Sattel, wo der Themenweg endet. Oder
beginnt, denn man kann ihn von beiden Seiten angehen.
Als der Habsburgerherzog Leopold damals im November 1315 mit seinem Begleittross anrückt, weiss er wohl nichts vom Hinterhalt der Schwyzer am Morgarten; Leopolds Ziel ist vermutlich das mit Habsburg verbündete Kloster Einsiedeln. Wo am Morgarten in der Gegend des Ägerisees die Schlacht stattfand, ist unklar, wer genau teilnahm und wie viele Leute starben, ebenfalls. Jahrhunderte der patriotischen Ausschmückung überlagern die Vorgänge. Am Freitag absolvierte ich eine Wanderung mit einer Gehzeit von bloss 90 Minuten, freilich brauchte ich wesentlich länger. Der "Morgartenpfad" führt vom Zuger Morgarten-Denkmal hinüber zur Pfarrkirche von Sattel SZ und widmet sich dem Geschehen von einst in sieben Audiostationen; am Weg stehen Säulen, per Knopf ruft man die jeweilige Einspielung von gut vier Minuten ab. Wobei drei Säulen defekt waren, als ich unterwegs war; wiederum war mir das kein Problem, weil man auch per QR-Code zu den Kurzhörspielen kommt. Die sind unterhaltsam und blenden aus verschiedenen Winkeln – Hofnarr, Herzog, Bäuerin usw. – auf die Schlacht am Morgarten samt Vorgeschichte. Auch kommt eine Historikerin zu Wort, die zu jedem Thema darlegt, was wir wissen. Und was erfunden ist. Eine gute Sache, dieser Pfad. Die Route herunterladen kann man hier.
Der Ägerisee von der Aussichtsplattform "Stauffacherkanzel" der Figlenflue gesehen.

Sonntag, 6. September 2026

Spatenstich in Morgarten ZG

Bauvisier (r.) am Weg zum Morgarten-Denkmal.
Blick vom Denkmal auf die Theaterbühne und den Ägerisee.
Es darf nicht wahr sein! Bis jetzt wurde das Morgarten-Denkmal in Morgarten ZG einigermassen in Ruhe gelassen. Seit 1908 steht es schön für sich auf einer kleinen Anhöhe über dem Ägerisee. Und jetzt das! In der Wiese unter dem Denkmal sind Bauvisiere aufgestellt, eine Investorengruppe namens "Team of Visions" will ein Luxusresort realisieren. Ich war empört, als ich am Freitag vorbeischaute.

Das Plakat der Aufführung.
Nein, nein. Natürlich war ich nicht empört. Die Bauvisiere sind fake. Teil eines Theaterprojekts sind sie, des zweiten "Morgarten-Spektakels" nach einem längeren Intermezzo. Das Stück "Spatenstich" spielt gleichzeitig in der Vergangenheit des geschichtsträchtigen Platzes und in der Gegenwart. Um Heimatliebe versus Profitgier geht es grob besagt, die Gemüter erhitzen sich heftig. Las ich in den Rezensionen.  Am 7. August war Uraufführung, noch bis 19. September laufen Vorführungen. Könnte sich lohnen hinzugehen.

Samstag, 5. September 2026

Ich konnte mich nicht sattfotografieren

Beim Felsentor: der Vierwaldstättersee mit dem Bürgenstock am Ufer vis-à-vis.
Hinten rechts der Pilatus, hinten etwas links der Bildmitte das Stanserhorn.
Pforte aus verkeilten Blöcken: das Felsentor.
Mein Zmittag nach drei Gehstunden.
Ich habe gestern von den Treppen erzählt, die an der Rigi den Geissrügge bewältigen und hinauf zum Aussichtspunkt Chänzeli leiten. Das kleine Abenteuer war am Mittwoch Teil einer grösseren Unternehmung – Gehzeit 3 h 40 min, 940 Hm aufwärts, 390 Hm abwärts. Wir starteten bei der Bahnstation Romiti Felsentor. Kamen gleich zum Felsentor, einer magischen Felspforte. Durchquerten das Areal des gleichnamigen spirituellen Zentrums, stiegen auf einem breiten Weg durch die Felsbänder ab zum Ober Säntiberg. Worauf der lange Aufstieg nach Rigi Kulm begann. Er führte uns zur Müseralp, über den Geissrügge, zum Chänzeli, zur Staffelhöhe und zur Rigi Staffel. Dort gabs Zmittag auf der Terrasse des "Lok 17", ich hatte eine Pouletbrust an Harissa-Sauce mit Couscous, ganz fein. Es folgte der Schlussaufstieg zum Gipfel. Vielseitig und abwechslungsreich, diese Route. Wenn eines sie zusammenhält als optische Klammer, dann die unzähligen Tiefblicke aufs blaue Wasser, das des Vierwaldstättersees vor allem, aber auch des Zugersees. So schön war das, dass ich mich nicht sattfotografieren konnte.
Die Kapelle Heilig Kreuz zwischen Felsentor und Ober Säntiberg.

Blick vom Rigi-Gipfel über den Zugersee nach Norden.

Freitag, 4. September 2026

Warens Treppen, warens Leitern?

Steiles Stück.
In die Nagelfluh gezwungenes Wegstück.
Der Geissrügge ist ein Hindernisparcours der Natur.
Und hier noch einmal ein Treppenfoto.
Waren es nun acht oder neun Treppen? Ich erinnere mich nicht genau, was wohl auch damit zu tun hat, dass ich auf meine Schritte achten musste und im abschüssigen Gelände ins Keuchen kam. Und waren es Treppen oder Leitern? Für mein Dafürhalten eher Treppen, teilweise steil zwar, aber mit komfortablen Stufen ausgerüstet und jeweils auf der einen Seite mit einem Handlauf versehen. Am Mittwoch wanderten wir im Rigigebiet, und ich lernte den Geissrügge-Weg kennen, der von oberhalb der Müseralp zum Aussichtspunkt Chänzeli führt. Grobes Waldgelände, Nagelfluh, an einigen Stellen mussten wir die Hände zu Hilfe nehmen und kurz kraxeln. Gut, gabs die Treppen. Die vielleicht auch Leitern waren.
Unser Weg von der Müseralp her in Violett auf einem "Schweizmobil"-Screenshot.
Oben links der Geissrügge, ein Waldgrat, der zum Chänzeli führt.

Donnerstag, 3. September 2026

Wurst und Hellebarden

Der Zeughauskeller. Respektive ein Teil des Zeughauskellers.
Meine "Zwingli-Wurst" war würzig,
der Reis viel zu trocken. 
Der Zeughauskeller beim Paradeplatz in Zürich ist riesig. Was beim Eintreten auch gleich auffällt, ist das Kriegsgerät an den Wänden, Hellebarden und dergleichen. Die längste Zeit war dies halt eben ein Zeughaus, in dem Waffen, Rüstungen, Munition gelagert wurden. 1487, als der Bau entstand, hatte Kolumbus noch nicht Amerika entdeckt und war Gutenbergs revolutionäre Druckerpresse noch eine Neuheit. Auch schon wieder 100 Jahre sind vergangen, seit der Zeughauskeller 1926 zur Wirtschaft umgewandelt wurde. Und die Kost? Touristen werden carweise herangeführt, die Karte gibts auch auf Englisch und Chinesisch, die Portionen sind riesig, das Essen, nun ja, okay. Aber seinetwegen geht man auch gar nicht in den Zeughauskeller. Was anzieht, ist die Atmosphäre. Und dass man auch am Nachmittag jederzeit warme Gerichte bekommt.
Seit mehr als fünf Jahrhunderten gibt es das Haus schon. (Foto: Paebi/Wikicommons)

Mittwoch, 2. September 2026

Land am Wasser

Vor Wochen: Einkehr im "Eierhals" im Weiler Morgarten ZG.
Eben berichtete ich vom "Eierhals", einem Restaurant mit eigener Fischerei am Ägerisee, das nach der gleichnamigen Flur so heisst. Eigenwillige Sache, woher kommt das Wort? Auf ortsnamen.ch wurde ich fündig und kann vermelden: Um Eier gehts hier gar nicht. Die Deutung bzw. die Deutungsvarianten in zwei Teilen:

  1. Hals bedeutet entweder einen Einschnitt oder eine Engstelle, gemeint sein könnte die Runse des Eierhalsbaches. Oder die Engstelle zwischen Hang und See.
  2. Früher hiess der Ort Heierhals. Heier hat zu tun mit hegen, womöglich geht  es um einen Ort, an dem man pflanzte oder hegte. Alternative Deutung: Ei kann auch Land am Wasser bedeuten.

Dienstag, 1. September 2026

Carrot wandert durch

Carrot Quinn heisst wirklich so und wuchs in Alaska als Kind einer schizophrenen Mutter auf, die sie und ihren Bruder vernachlässigte, die Geschwister litten oft Hunger, stahlen, lebten zeitweise auf der Strasse. Ich erzähle diese biografischen Dinge, weil Quinns Buch von 2013 bei alledem nur so strotzt vor Lebensenergie und Lebensfreude. "Thru-Hiking Will Break Your Heart" handelt vom 4265 Kilometer langen Weitwanderweg "Pacific Crest Trail", den die junge Frau unter die Füsse nimmt. Die Strecke von der mexikanischen zur kanadischen Grenze führt durch die Wüste, durch die Sierras, durch den Regenwald, an manchen Tagen geht den Leuten, die den Trail bewandern, das Wasser aus, oder ihr Vorrat an Schoggiriegeln ist aufgebraucht und sie leiden Hunger. Oder sie haben Monsterblasen, quälen sich mit Darmparasiten vorwärts, bekommen Fieber, verirren sich, fallen in eisige Bergbäche. Von vielem mehr erzählt dieses Buch, das in einer Art Rausch geschrieben worden sein muss, es zieht vorwärts wie ein reissender Fluss. Und verschweigt nichts, es geht um Menstruationsblut, das an den Beinen eine Kruste bildet. Um einen Schlafsack, der tagelang nicht mehr trocknet. Um Bären und Klapperschlangen mitten auf dem Pfad. Vor allem aber hat Carrot Quinn eine Hommage an die Freundschaft geschrieben, an ihre "trail family", eine Handvoll junger Leute, die zusammen unterwegs sind, sich immer wieder mal aus den Augen verlieren und wieder finden. Auch eine Liebesgeschichte entfaltet sich. Eine traurige. Ich empfehle das Buch allen, es quillt über vor Kraft, es tut weh, es macht glücklich.

PS: Hiking ist Wandern auf Englisch. Thru-Hiking bezeichnet das Langstreckenwandern, das Durchwandern.

Montag, 31. August 2026

Stau im Gebirge

Auf dem Schilthorn, der Zacken ganz rechts ist der Eiger mit der verschatteten Nordwand.
Hübsche Farbe: die Antriebsräder der Seilbahn.
Das Blüemlisalp-Massiv. Im Vordergrund leicht rechts der Mitte in Grün die Sefinenfurgge. (Foto: Ronja)
Eben machte ich mit Begleiterin Ronja einen Ausflug auf das Schilthorn. Seit bald einem Jahr ist es neu erschlossen; von Stechelberg gelangt man jetzt in drei statt wie bisher vier Seilbahn-Sektionen auf den Gipfel auf 2970 Metern über Meer. Hier ein paar Dinge und Beobachtungen:
Eine der Rolltreppen im Gipfelterminal.

  1. Atemberaubend ist die unterste Sektion von Stechelberg hinauf nach Mürren. Offenbar handelt es sich gar um die steilste Seilbahn der Welt.
  2. Schaut man in dieser Sektion rechterhand aus dem Fenster, sieht man in der senkrechten Felswand den Klettersteig Mürren-Gimmelwald. Ausgesetzter geht nicht. Krass, wie viele Leute dort unterwegs waren. Beim Einstieg in den Steig hatte sich eine riesige Schlange gebildet, Stau im Hochgebirge.
  3. Ich hatte im Gipfelrestaurant reserviert für 12 Uhr 30. Die arbeiten dort mit Slots, man soll bitte schön zur reservierten Zeit eintreffen. Taten wir. Bloss das Restaurant war nicht parat. Eine Riesenschlange hatte sich gebildet. Wir standen unten am Fuss der Wendeltreppe, die hinauf ins Restaurant führt. Die Schlange bewegte sich nicht. Um 12 Uhr 45 gingen wir wieder und assen später schön stressfrei in Zürich.
  4. Von der Panoramaterrasse hat man ein paar hundert Berge vor Augen. Mich erfreute etwas anderes noch viel mehr: Einigermassen nah konnte ich am Fuss des Blüemlisalp-Massivs die Sefinenfurgge ausmachen. Einen Pass, dessen Überquerung (von Gimmelwald bei Mürren zur Griesalp) mir in Erinnerung geblieben ist.
  5. Lauterbrunnen, wo man vom Zug auf den Bus nach Stechelberg zur Seilbahn umsteigt, ist ein Irrenhaus. So viele Leute sind dort unterwegs, dass der Bus kaum durch den Ort kommt. Die Berner Oberländer wollten Tourismus, jetzt haben sie, an gewissen Punkten jedenfalls, Overtourism.
    Schlange auf der Treppe zum Drehrestaurant.

Sonntag, 30. August 2026

Der Sockenverteiler

Gestern am Wandertag der "Schweizer Familie" in Gstaad verbrachte ich viel Zeit am Stand unserer Zeitschrift: Gespräche mit Leserinnen und Lesern, Auskunftgeben über das Tagesprogramm und dergleichen, Entgegennehmen ausgefüllter Wettbewerbstalons. Noch mehr Spass machte mir eine andere Tätigkeit: Ich verteilte Wandersocken. Hochwertige Ware vom Outdoor-Ausrüster rukka mit dem aufgeprägten SF-Logo. Ich weiss nicht, wie viele Paar ich ausgab. Aber jedenfalls hats jetzt draussen im Land jede Menge Leute mit neuen Socken, die ich ihnen überreichte. Irgendwie ein gutes Gefühl.

Samstag, 29. August 2026

Der Playboy

Das Grab von Gunter Sachs in Saanen BE, die Schrift auf dem Stein ist stark verblichen.
Saanens schön schlichte Dorfkirche.
Gunter Sachs war Spross einer Industriellenfamilie, Bobfahrer, Fotograf, Filmer, Kunstsammler; sein Urgrossvater war der Opel-Gründer Adam Opel. Als ich ein Bub war, tauchte Gunter Sachs oft in den deutschen Illustrierten auf, die die Welt der Reichen und Schönen vorführten; dort wurde er stets mit dem Beiwort "Playboy" bedacht. Mit der persischen Ex-Königin Soraya hatte er eine Liaison, mit der französischen Schauspielerin Brigitte Bardot war er drei Jahre verheiratet. 1932 in Deutschland geboren, war Sachs mit der Schweiz eng verbunden, seit er in St. Gallen das Internat "Auf dem Rosenberg" und dann im Engadin das "Lyceum Alpinum Zuoz" besucht hatte, um im Folgenden in Lausanne zu studieren. 2011 schied Gunter Sachs, damals seit Jahrzehnten auch Schweizer, in seinem Haus in Gstaad mit 78 aus dem Leben, er begründete den Suizid mit einer Alzheimer-Erkrankung. Auf dem Friedhof neben der Dorfkirche von Saanen ist er beigesetzt; gestern, als ich dort vorbeischaute, kam ich zum Grabstein.
Gunter Sachs im Jahr 1978.
(Foto: Christof Sonderegger /
ETH-Bibliothek / Wikicommons)

PS: Heute ist "Schweizer Familie"-Wandertag in Gstaad (Teil der Gemeinde Saanen, übrigens). Mit prachtvollem Wetter ist zu rechnen.

Freitag, 28. August 2026

Auf nach Gstaad


Wandern in Gstaad.
Vor wenigen Wochen war ich mit Fotograf Sébastien Anex in Gstaad. Wir realisierten als Vorschau auf den Wandertag der "Schweizer Familie", der dieses Jahr dort stattfindet, eine Reportage. Nun, morgen Samstag ist es soweit: Wandertag. Heute reise ich nach Gstaad, am Abend gibts ein Essen mit den Gastgebern der Ferienregion und Sponsoren, und morgen wird gewandert. Nun, hüstel, ich wandere eigentlich gar nicht. Dafür stehe ich am Stand der "Schweizer Familie" auf dem Festplatz parat, wenn Leserinnen und Leser ein Anliegen haben. Nun hoffe ich auf tolles Wetter (sieht gut aus) und viele gute Begegnungen.

Donnerstag, 27. August 2026

Mutter und Kind

Irgendwie herzig, finde ich. Oder bin ich einfach total verkitscht? Ich musste an ein Tiermami und ihr Tierbaby denken, als ich kürzlich im Bahnhof Luzern darauf wartete, dass mein Zug Richtung Sarnen abfuhr. Gleich gegenüber sah ich einen anderen Zug. Und vor ihm auf dem Perron das Zügli mit Auslagen der Zentralbahn.

Mittwoch, 26. August 2026

Ein neuer Express

Juli 2025 in Innerarosa bei der
Talstation des "Hörnliexpress". 
Ich musste auf den Bus warten.
Diesen Monat gaben die Arosa Bergbahnen bekannt, dass sie 67 Millionen Franken ins Hörnli-Gebiet investieren. Der grösste Teil der Geldsumme fliesst in zwei neue Bahnen. Insbesondere soll die Gondelbahn "Hörnliexpress" von 1986  ersetzt werden. Zudem soll statt der alten, parallel verlaufenden Sesselbahn eine neue gebaut werden. Die Inbetriebnahme der neuen Anlagen ist für Dezember 2028 vorgesehen.

PS: Warum zwei parallel laufende Linien von Innerarosa aufs Hörnli? Wer Ski trägt, nimmt lieber die Sesselbahn, weil er oder sie die Ski während der Fahrt nicht abnehmen muss.

Dienstag, 25. August 2026

Widmer läuft heim

Die rosa Kuh vom Vorderen Pfannenstiel.

Am Sonntagmorgen fuhr ich via Meilen auf den Vorderen Pfannenstiel. Das Restaurant war knapp nach neun Uhr schon offen, ich bestellte einen Kafi und einen Nussgipfel, worauf der Servierer sagte, man habe für diese Tageszeit nichts Essbares. Ich ging wieder, fand eine Viertelstunde etwas weiter oben bei der Hochwacht mein Glück: Kafi und Nussgipfel. Kalt wars auf der Terrasse, zehn Grad oder so. Aber bekanntlich wird einem beim Gehen warm. Via die Guldener Höchi, die Guldenenhalden, Hinter Guldenen zog ich im Folgenden hinab zur Forch. Wanderhalbzeit. Weiter gings über Kaltenstein, Wangen, Wis, Ifang, Schärrüti, die Zumiker Badi Juch, Gössikon, Hohfurren, und dann war ich auch schon daheim im Zollikerberg. Ist hübsch, nach Hause zu laufen, man braucht am Ende nicht auf irgendeinen Bus oder Zug für die Rückreise zu warten. Drei Stunden hatte bei 260 Höhenmetern aufwärts und 350 Höhenmetern abwärts die Tour gedauert. Abgesehen natürlich vom Kafi-Nussgipfel-Halt.
Sonntag um zehn auf der Guldener Höchi, noch ist alles schön still hier.
Der Greifensee, im Vordergrund die Forch.