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Samstag, 31. Oktober 2026

Das Tor des Abtes

Zwei Fotos vom St. Galler Karlstor. Auf diesem ersten sieht man hinten die Türme der Kathedrale.

Im Turm sitzen heute Untersuchungshäftlinge ein.
Ich stelle mir die Zellen grimmig vor.
Vermutlich kam ich schon vor Jahrzehnten in St. Gallen am Karlstor vorbei; wenn man in Stein AR aufwächst, spielt sich ein Gutteil der Freizeit in der nahen Stadt St. Gallen ab, dort gibts Kinos, Buchhandlungen, Plattenläden – na gut, das mit den Plattenläden war damals so. Allerdings nahm ich besagtes Karlstor erst vor wenigen Tagen wirklich wahr, als ich am Rand von St. Gallens Altstadt unterwegs war. Es ist das einzige Tor der Stadt, das in der Gegenwart noch da ist. Und steht für einen Konflikt, der einst über Jahrhunderte schwelte. Die aufstrebende Stadt verstand sich schon im Mittelalter nicht wirklich mit dem Kloster in ihrem Inneren, der Klosterbezirk war ein Fremdkörper, immer wieder gab es Streitigkeiten. Als St. Gallen sich dann gar der Reformation anschloss, verschärften sich die Spannungen noch einmal. Unter Vermittlung eidgenössischer Schlichter wurde dem Abt schliesslich erlaubt, ein eigenes Tor in die Stadtmauer zu brechen, samt Zugbrücke. Das Karlstor eben, durch das er vom Klosterareal direkt in ihm gehörende Ländereien wechseln konnte, ohne Stadtboden zu betreten. 1570 war das. Der Mailänder Kardinal und Erzbischof Karl Borromäus, streitbarer Held der katholischen Welt von damals, soll das Tor als erster durchschritten haben; nach ihm ist es jedenfalls benannt. Heute sitzen im alten Gemäuer Untersuchungshäftlinge ein.

Freitag, 30. Oktober 2026

Der lange Marsch zu Giacometti

Kunsthaus Zürich, im Foyer des Erweiterungsbaus.
Das Foyer von oben.
Der unterirdische Verbindungsgang vom alten zum neuen Trakt.
Unverkennbar Giacometti.
Ist mir jetzt peinlich. Fünf Jahre hat es gedauert seit dessen Eröffnung, bis ich nun doch – am Dienstag wars – den Chipperfield-Erweiterungsbau des Zürcher Kunsthauses besucht habe. Was für Dimensionen! Im Gang, der den alten Gebäudetrakt unterirdisch mit dem neuen auf der anderen Seite der Heimstrasse verbindet, fühlte ich mich wie in der Moskauer Metro. War im Folgenden aber sehr angetan vom Gebäude und von dem, was ich an Kunst sah. Weil im Erweiterungsbau derart viel gezeigt wird, konzentrierte ich mich fürs erste auf die Ausstellung mit Werken des Südbündner Bildhauers Alberto Giacometti. Ich will aber bald wieder hin und mir andere Dinge anschauen.

Donnerstag, 29. Oktober 2026

Bierburg

Am Montag wanderte ich, siehe den gestrigen Eintrag, von St. Gallen nach Herisau. Unterwegs fiel mir ein, dass dies die beiden einzigen Kantonshauptorte der Schweiz sind, die direkt aneinandergrenzen. Speziell gefielen mir an der dreistündigen Route im Übrigen die vielen charaktervollen Bauten. Hier seien fünf von ihnen genannt.

In manchen Bahnhöfen kann man kaum atmen, im Bahnhof Bern etwa fühle
ich mich stets beengt. Der Bahnhof St. Gallen hingegen: Luft, Licht, Weite. 

Die reformierte Kirche St. Leonhard steht in der Nähe des St. Galler Bahnhofs.
Seit mehr als 20 Jahren ist sie mittlerweile in Privatbesitz und wird
kaum genutzt. Einen Brand hat sie auch schon hinter sich. Schade.
Die Burg Waldegg an der Fürstenlandstrasse wurde 1475 von zwei St. Galler
Handelsherren erbaut. 1901 gabs einen Grossbrand. Der untere Teil ist der ursprüngliche,
der obere Fachwerk-Teil entstand nach dem Brand. Die Burg ist Privatbesitz.
Der Tröckneturm gehörte zu einer Färberei, die nassen Stoffbahnen wurden in und an ihm zum
Trocknen aufgehängt. Heute ist im Turm eine Ausstellung zum Textilgewerbe untergebracht.

Am Rand des Sittertobels findet sich die alte Brauerei Stocken. Jahreszahl an der
Fassade: 1784. Wenn ich den Bau sehe, denke ich stets: Was für eine trutzige Bierburg.

Mittwoch, 28. Oktober 2026

Gute Route

Der Bibelspruch in der reformierten Kirche in St. Gallen-Bruggen passt auch für Leute, die wandern.
Halloween steht an.
Für einen Spitalbesuch musste ich auf Montagmittag nach Herisau und fand am frühen Morgen, ich könnte das mit einer fussgängerischen Unternehmung verbinden – wieso nicht von St. Gallen nach Herisau wandern? Ich fuhr nach St. Gallen. Zottelte vom Bahnhof los. Und stellte anhand des Wegweisers bald fest, dass ich auf dem Jakobsweg unterwegs war. Bloss kurz wich ich einmal von diesem ab, nachdem ich auf dem SBB-Viadukt die Sitter überquert hatte: Ich wählte den lauschigen Weg am Südufer des Gübsensees, der Jakobsweg verläuft nördlich. Ein lohnender Umweg, fand ich. Nach gut drei Stunden erreichte ich Herisau und fand, dass dies – allein schon des schönen Wetters wegen – eine gute Sache gewesen war.
Auf dem SBB-Sitterviadukt – mit Blick auf den Sitterviadukt der Südostbahn.

Naherholungszone bei St. Gallen-Winkeln: der Gübsensee, ein Staugewässer.
Reizender Wolkenhimmel über Herisau.

Dienstag, 27. Oktober 2026

Kleiner Mann

Ein Ausschnitt aus dem Gemälde.
Ende Monat schliesst das Museum des Landes Glarus, das im Freulerpalast zu Näfels untergebracht ist. Ich bin froh, vor der Winterpause wieder einmal zu Besuch gewesen zu sein, letzte Woche wars. Das Haus, das in sich selber eine Pracht und ein Spektakel ist, birgt ausserordentlich viel an Sammelgut, ich entdecke bei jeder Visite Neues.

Diesmal blieb ich länger vor dem Porträt der Anna Elisabetha Müller, geborene von Blumenthal, stehen. Der Künstler Martin Leonz Zeuger porträtierte sie 1755 in ihrem 32. Lebensjahr, die reiche Glarnerin aus bestem Haus, die verheiratet war mit Kaspar Müller-Freuler, einem Enkel des Freulerpalast-Erbauers. Angesichts der Tatsache, dass ihr Gatte im Staate Glarus zeitweise das Amt des Landammanns bekleidete, fand ich ihn auf dem Gemälde im Verhältnis zu seiner Gattin geradezu lächerlich klein. Verniedlicht. Aber offenbar war es damals Mode, dass reiche Leute Porträtminiaturen mit sich trugen mit dem Konterfei des Ehemannes oder der Ehefrau. Wenn Anna Elisabetha Müller mit dem Minibildnis ihres Gatten posiert, bezeugt sie damit ihre Verbundenheit mit diesem oder, modern gesagt, ihre Liebe zu ihm. Und ihre Treue – Kaspar Müller-Freuler war auch Söldnerführer und viel in fremden Diensten im Ausland unterwegs.

Montag, 26. Oktober 2026

Das Hüttlein der Heiligen

Wiborada in einem St. Galler Kodex des
15. Jahrhunderts. Die Hellebarde verweist
wohl darauf, wie sie umgebracht wurde.
(Foto: Wikicommons)
Wiborada oder – näher an der Originalform – Wiberat war Thurgauerin. Eine Adelstochter, die früh schon einen starken religiösen Drang entwickelte und bald allem Weltlichen entsagte. Asketin wurde sie, Einsiedlerin auch, kam schliesslich bei der Kirche St. Mangen in St. Gallen zur Ruhe; in einer Zelle liess sie sich dort für den Rest ihres Lebens einschliessen und soll allerlei Wunder gewirkt haben. Kürzlich besuchte ich St. Mangen, an der Hinterwand des Gotteshauses verdeutlicht ein Gehütt aus der Gegenwart, wie Wiborada an diesem Ort in etwa gelebt haben könnte. Bis zu ihrem Tod als Märtyrerin: 926 fielen die Ungarn ins Land ein, plünderten, mordeten. Sie töteten die fromme Frau. Im laufenden Jahr begeht bzw. beging das katholische St. Gallen den 1100. Todestag Wiboradas – notabene ist sie die erste Frau der Christenheit, die heiliggesprochen wurde. Mir kommt es allerdings vor, als würden die meisten Leute im Land nichts von ihr wissen.
Die Kirche St. Mangen am Rand der St. Galler Altstadt.

Die Holzhütte an der Kirchenwand ist neuzeitlich und
soll zeigen, wie Wiborada als Eingeschlossene lebte.

Sonntag, 25. Oktober 2026

Quinten unter Druck

Quinten voraus, gerade legt das Schiff ab.
Die Schiffverbindung nach Quinten, Gemeinde Quarten SG, schien mir immer eine Selbstverständlichkeit; wie sonst wäre das Dorf am Nordufer des Walensees denn erreichbar? Eine Strasse führt nicht hin. Ja, klar, man kann zu Fuss in das winzige Quinten gelangen, aber das ist, ob von Walenstadt oder von Weesen her, weit. Diese Woche gab es Medienberichte, wonach der Kanton das Kursschiff nach Quinten nicht mehr subventionieren und so pro Jahr 250 000 Franken sparen will; die Gemeinde müsste in diesem Fall die jährlichen Gesamtkosten von einer halben Million Franken selber tragen – was sie überfordern dürfte. Eine Gruppe hat sich mittlerweile eingeschaltet, die die Kürzung per Aufsichtsbeschwerde verhindern will. Noch dieses Jahr dürfte der Kantonsrat in der Sache entscheiden. Es gibt also Hoffnung.

Samstag, 24. Oktober 2026

Aufladen in Wallisellen

Kürzlich betrat ich in der Nähe des Bahnhofs Wallisellen das "Zentrum Wallisellen". Mitten in der riesigen Eingangshalle lag am Boden ein Kopfhörer. Beim Näherkommen sah ich, dass er angeschlossen war und dass zwanzig Meter weiter auf einer Sitzbank am Rand der Halle ein junger Typ sass, ein Lehrling oder so. Ihm war wohl der Strom ausgegangen, und findig wie die Jugend ist, hatte er in der Halle den einzigen Stecker gefunden. Wenn man hochladen muss, muss man hochladen.

Freitag, 23. Oktober 2026

Ausgepächtert

Ein Foto von einer Tour im September 2020: Abstieg vom Speer, gleich gibts in der
Oberchäseren zu essen und zu trinken. Hinten der Riegel des Mattstock, Amdens Hausberg.
Hoffentlich kommt das gut! Die Alp Oberchäseren in Amden SG, auf der man einkehren und auch übernachten kann, ist sozusagen das Basislager der Leute, die auf den Speer steigen wollen, Europas höchsten Nagelfluhberg. Am Toggenburger Höhenweg liegt Oberchäseren auch. Und nun las ich eben in der "Linth-Zeitung", dass sich das langjährige, bewährte Pächterpaar zurückzieht. Offenbar stehen hinter dem Schritt Differenzen mit der Ortsgemeinde, der die – nicht ans Stromnetz angeschlossene – Alp gehört. Um Pläne, den Wassermangel auf Oberchäseren zu beheben und das Alpgebäude zu modernisieren, geht es anscheinend. Und womöglich auch um mangelhafte Kommunikation, ich sehe das Problem nicht wirklich scharf. Mittlerweile ist die Saison zu Ende und der Alpbetrieb geschlossen, mal schauen, wie es nächstes Jahr weitergeht und ob sich neue Pächter finden. Alles andere wäre übel. Hoffentlich kommt das gut!

Donnerstag, 22. Oktober 2026

Alles wird neu auf dem Eggishorn

So soll es auf dem Eggishorn künftig aussehen.
(Visualisierung: Aletsch-Bahnen)
Das Eggishorn ist auf Kurs, was den Bau einer neuen Seilbahn, eines neuen Restaurants und einer Erlebnis-Inszenierung zum Thema Gletscher angeht: Eben las ich, dass letzten Monat das Bundesamt für Verkehr grünes Licht gegeben hat. Baustart ist nächsten Frühling, bis Dezember 2028 soll das Projekt realisiert sein. Mit dem Neubau wollen die Aletsch-Bahnen laut ihrer Mitteilung insbesondere das Geschäft im Frühling, Sommer und Herbst ausbauen. Das Eggishorn, 2926 Meter über Meer, bietet einen grandiosen Blick insbesondere auf den Aletschgletscher.

Mittwoch, 21. Oktober 2026

Klar kenn ich den!

Unkonventionelles Modell: der Stadlerturm.
Der Turm ist ganz aus Holz gebaut.
Tiefblick auf Stadel. Ganz hinten in der Mitte ist auf dem Foto der Flughafen Zürich erahnbar.
Etwas Farbe am Weg kurz vor Weiach.
Am Montag gingen wir von Bachs via den Stadlerberg nach Weiach, eine Wanderung im Zürcher Unterland. Schon bei der Anreise stellten wir fest, dass die herbstliche Hochnebelsaison begonnen hat, grau war der Horizont, grau der Himmel. Immerhin hatten wir ein wenig Sicht, was gut war, weil wir auf dieser Route einen Panoramaturm anvisierten. Seit drei Jahren erst steht er auf dem Stadlerberg als Nachfolger eines früheren Modells, besteht ganz aus Holz, ist 27,5 Meter hoch und bietet viel Sicht. Wenn die Luft klar ist. Wir sahen ein paar Kilometer weit, sahen ganz nah das Dorf Stadel, sahen das Neeracherried, sahen knapp den Flughafen Zürich. Wie immer, wenn eine Bildungslücke geschlossen wurde, verspüre ich Befriedigung. Der neue Stadlerturm? Ja, klar kenn ich den!

Dienstag, 20. Oktober 2026

Alltag und Hochglanz

Tom Kublin, Fotografien für Forster Willi, 1959/60. Courtesy:
Maria Helena Kublin. Mise en Scène, Ausstellung im
Textilmuseum St. Gallen. Foto: Jürg Zürcher, 2026.
Barbara Davatz, Porträt einer Schweizer Firma, 1972. Mise en Scène,
Ausstellung im Textilmuseum St. Gallen. Foto: Jürg Zürcher, 2026.
Ausstellungsansicht, Mise en Scène, Textilmuseum St. Gallen. Foto: Jürg Zürcher, 2026.
Ich mochte die Ausstellung, die ich am Wochenende besuchte. "Mise en Scène" im Textilmuseum St. Gallen bietet Modefotografie von der Belle Epoque bis heute. Die Roaring Twenties kommen vor, aber auch die Haute Couture von Paris nach dem Zweiten Weltkrieg, die wilden Sechzigerjahre samt der Londoner Twiggy-Ästhetik, aber auch die sexualisierten Frauenkörper der Strumpf- und Unterwäscheprodukte – womit wir praktisch schon in der Gegenwart wären. Und dann gibts sozusagen die Kehrseite zu erleben. Oder doch eine völlig andere Welt. In einem separaten Raum sind Aufnahmen der Fotografin Barbara Davatz zu sehen. Sie bat 1972 die gesamte Belegschaft der Textildruckerei und Zwirnerei H. Walser AG in Zürchersmühle AR vor die Kamera. Also Menschen, die damals Stoffe fertigten, die andere Menschen trugen. Krass der Kontrast von Davatz' Fotos zur Hochglanzsphäre der Mode und Werbung. 

Montag, 19. Oktober 2026

Bern barock

Berns Heiliggeistkirche von der Bahnhof-Rolltreppe aus gesehen.

Als ich in Bern lebte, war die Heiliggeistkirche praktisch immer verschlossen. Dann, 1999, wurde sie zur sogenannten interreligiösen Citykirche umgestaltet, was ich aber nicht mehr mitbekam. Nun, am Donnerstag ging ich wieder einmal an der Kirche vorbei, sah Leute, die eintraten, fand drinnen gleich beim Eingang ein Grüppli von Randständigen beim Käfele vor und konnte mir endlich das Gotteshaus von innen anschauen. Barock ist nicht mein Lieblingsbaustil, aber in diesem Fall mache ich gern eine Ausnahme, da er in Bern kaum anzutreffen ist, was Kirchen angeht. Die heutige Heiliggeistkirche wurde vor gut 300 Jahren eingeweiht und findet sich am Standort, an dem es schon im Mittelalter eine Spitalkapelle gab. In diesem Sinn kann man sagen, dass das heutige Konzept des Zufluchtsortes für alle gut passt.

Sonntag, 18. Oktober 2026

Hochzig of de Schwägalp

So sehen die neuen Bahnkabinen aus. (Foto: Säntisbahn)
Die Säntisbahn wird derzeit bekanntlich neu gebaut, kurz vor Weihnachten kann man wieder auf den Berg fahren. Morgen Montag werden die neuen Kabinen von Herisau auf die Schwägalp transportiert, am Dienstag oder Mittwoch sollen sie dann mit Gehänge und Laufwerk auf das Tragseil gehoben werden. Wie ich der Pressemitteilung der Säntisbahn auch entnehme, nennt man diesen Vorgang in der Branche hübscherweise "Hochzeit".

Samstag, 17. Oktober 2026

Heimreise nach Usakos

Ausstellungsplakat am Eingang zum 
Bernischen Historischen Museum in Bern.
In jener Epoche, in der das heutige Namibia eine deutsche Kolonie ist, entsteht eine Bahnlinie, die das nordöstliche Innere des Landes (Kupfervorkommen) mit der Küste verbindet. Chefingenieur des Projekts im ersten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts ist ein Schweizer, Victor Solioz. Seine Ehefrau Marie legt um 1904 eine Sammlung mit Gegenständen an, die den Eisenbahnarbeiterinnen und -arbeitern gehören. Unter welchen Umständen genau das geschieht, ist nicht mehr rekonstruierbar. Später verkauft das Ehepaar Solioz die Kollektion dem Bernischen Historischen Museum in Bern, wo sie fortan im Depot schlummert. Bis in die Gegenwart. Nächstes Jahr, gut 120 Jahre später, reisen die 286 Objekte – Musikinstrumente, Dolche, Geschirr – zurück nach Namibia. Zuvor aber sind sie in Bern im erwähnten Museum zu sehen im Rahmen der Ausstellung "Destination Usakos"; am Freitag schaute ich sie mir an. Die Stadt Usakos liegt an der erwähnten Eisenbahnlinie, im örtlichen Museum soll dort dereinst gezeigt werden, was Marie Solioz damals mit in die Schweiz nahm.
Einige der Objekte, die nächstes Jahr
nach Usako reisen sollen.

Freitag, 16. Oktober 2026

Diesmal hats geklappt

Unterwegs zum Roggenstock im Gebiet Schlipfauweid.
Unser Gipfelziel gesehen vom Tubenmoos.
Oben, 1777 Meter über Meer. Hinten rechts der Grosse Mythen.
Halbes Poulet im Chörbli im Restaurant Sager
in Oberiberg – der Zmittag nach dem Berg. (Foto: Ronja)
Der Roggenstock will doch einfach bestiegen sein, wie er  sich, zwar nicht besonders hoch, aber doch als Solitär, über Oberiberg SZ beeindruckend erhebt. Vor zweieinhalb Wochen scheiterte das Roggenstock-Unterfangen daran, dass ich morgens den falschen Zug nahm. Davon habe ich bereits erzählt. Nun, gestern klappte es mit der Anreise. Knapp vier Stunden brauchten wir bei je 750 Höhenmetern auf und ab für unsere Tour mit Start in Oberiberg, die eine Rundtour um den Berg war. Das letzte Stück zum Gipfel fanden wir etwas heikel, weil der Kalk feucht und rutschig war und der Pfad sehr steil; Gott sei Dank wachsen auf diesem Abschnitt Föhren, an denen man sich bei Bedarf halten kann. Grandios oben die Aussicht, was auch mit dem schönen Herbstlicht und dem Spiel der Wolken zu tun hatte. Nun sind wir also auf dem Roggenstock gewesen. Nicht zum ersten Mal – vor 15 Jahren war ich mit dem Grüppli schon einmal oben.
Licht und Schatten im Ybrig. Hinten das Duo Druesberg (l.) und Forstberg.

Donnerstag, 15. Oktober 2026

Heihei und der Bergsturz

Gestern, Blick zurück auf dem Gipfelgrat des Roggenstocks.
Hinten rechts knapp zu erkennen ist ein Stück Vierwaldstättersee.
Wer in der Ybrig-Region im Kanton Schwyz auf den Roggenstock steigt, wie wir das gestern taten, kommt an geologischen Thementafeln vorbei. Sie schauen weit in die Runde, erzählen also nicht nur von der Innerschweiz. Interessant, was man da so erfährt. Weiss jemand, welches der grösste prähistorische Bergsturz im Gebiet der heutigen Schweiz war? Das war der Bergsturz von Flims GR. 10 Kubikkilometer Gestein gingen nieder, die heutige Ruinaultaschlucht des Vorderrheins entstand im Gefolge des gewaltigen Rutsches. Geometrische Auffrischung: Ein Kubikkilometer – das ist ein Würfel, bei dem jede Kante einen Kilometer lang ist. Was mich beim Lesen auch berührte: Einer der zwei Autoren der Tafeltexte war mein – inzwischen längst verstorbener – Kantilehrer Hans "Heihei" Heierli, ein schweizweit bekannter Geologe. In gruseliger Erinnerung ist die mörderische zweitägige Säntistour, die unsere Klasse damals in den Siebzigerjahren mit ihm absolvierte.

Mittwoch, 14. Oktober 2026

Vertikale Reise

Zweimal Tief und Weitsicht …

… vom Roche-Turm 2 in Basel bei bestem Wetter.
Oben gabs einen kleinen Apéro.
Das Roche-Areal am Kleinbasler Ufer des Rheins ist riesig, hier befindet sich der Firmensitz, hier wird verwaltet, geforscht, entwickelt, gefertigt. Zwei gewaltige Türme markieren den Standort. Der grössere, der Roche-Turm 2, vor vier Jahren fertiggestellt, ist mit 205 Metern Höhe das höchste Hochhaus der Schweiz. Am Montag konnten wir ihn besichtigen, besonders gefiel uns, dass man zuoberst im 47. Stock auf die Terrasse hinaus darf. Ich wüsste nicht zu sagen, was mehr Freude machte: die Sicht in die Ferne oder der Blick auf Basel selber mit dem Rhein, der Wiese, der Birs und den umliegenden Hügeln, von denen wir manche erwandert haben. Die allererste Sensation der Visite war zuvor die Liftfahrt gewesen, kaum ist man eingestiegen, ist man auch schon oben, 30 Sekunden nur dauert die Vertikalreise. Letztes Jahr gabs einen Tower-Run, der schnellste Läufer schaffte es in 6 Minuten und 37 Sekunden auf den Turm.
Grenzacherstrasse mit Roche-Gebäuden, in der Mitte der markant gestufte Turm 2.

Der linke ist 27 Meter höher: die zwei Türme von der Wettsteinbrücke aus.

Dienstag, 13. Oktober 2026

Schöne Nässe

Im Regen wandern ist auch schön. Als Abwechslung, im Kontrast zu sonnigen Unternehmungen, von denen die letzten Monate wimmelten. Man schwitzt nicht, man fröstelt. Am Samstag wars nass. Wir, Freund R. und ich, genossen das. Wir starteten in Erlenbach an der Zürcher Goldküste. Zogen das Erlenbacher Tobel hinauf zur Kittenmühle, gingen hinüber nach Wetzwil, stiegen wieder auf zum Pfannenstiel. In der "Hochwacht-Pfannenstiel" gabs Zmittag, wonach wir hinab ins nahe Egg hielten. 3 Stunden und 10 Minuten reine Gehzeit hatten wir gebraucht bei 480 Höhenmetern aufwärts und 250 Höhenmetern abwärts, eine lange Wanderung war das nicht. Aber doch eine, auf der wir sogennant schlechtes Wetter hatten erleben können mit allem Drum und Dran von den charmanten Nebelschleierchen über die wie lackiert glänzenden Blätter bis zu den pflotschnassen Wiesen.
Im Erlenbacher Tobel.

Widmer isst auch mal gesund.
Am Schluss in Egg besuchten wir wieder einmal die Wallfahrtskirche St. Antonius.
Warme Farben tun gut im Oktober: im Inneren der Kirche.