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Sonntag, 27. November 2011

Hunderomanisch

"Hunde an die Leine" auf Rätoromanisch. Genauer gesagt: auf Surmiran, wie die im Oberhalbstein und Albulatal gesprochene Variante heisst. "Surmiran" wiederum, das finde ich interessant, wird übersetzt als Sur-Moir, "auf der Mauer". Gemeint ist die Felswand Moir in der Schinschlucht, welche als natürliche Mauer die Grenze zwischen dem Domleschg und der Region der Albula bildet.

Samstag, 26. November 2011

Das Missverständnis mit Schlampertoni

Antonius predigt zu den Fischen.
Gestern erschien in Tagi und Bund meine Wander-Kolumne über die Strecke der Reuss entlang von Bremgarten nach Ottenbach. Erwähnt wird der heilige Antonius von Padua. Von ihm besagt die Legende, dass er auch mal den Fischen predigte, wenn die Menschen nicht zuhören wollten. Und ausserm gilt er als Helfer, wenn man irgendeinen Gegestand verloren hat und ihn zurückwill. Im Volksmund hat sich für Antonius darum der Name "Schlampertoni" eingebürgert. Die katholische Kirche spricht dem Heiligen diese Kompetenz allerdings ab. "Antonius ist nicht der Leiter des himmlischen Fundbüros", sagte unlängst der Würzburger Kleriker Karl Hillenbrand. Am Anfang des Missverständnisses war offenbar ein mittelalterliches Lobgebet auf Antonius, das mit den Worten "Wenn du suchst" begann. Gemeint war das spirituelle Suchen, doch die einfachen Gläubigen verstanden die Sache dann anders.

Freitag, 25. November 2011

Zeitungslektüre à la Steckborn

Hotel-Feldbach-Herren-WC. (Screenshot St. Galler Tb)

Henrik Silberstein, aktiver Poster auf Hikr.org, mailte mir einen Artikel aus dem St. Galler Tagblatt. Er führt ins Herren-Pissoir des Hotels Feldbach in Steckborn. Dort hängt seit zehn Jahren Tag für Tag die aktuelle Thurgauer Zeitung. Bzw. hängt eine Auswahl, getroffen von der Hotel-Gouvernante. Sie begründet, warum das Hotel nur Männern den Service bietet: "Die Männer lesen eher Zeitung, bei den Frauen muss es schnell gehen."

Donnerstag, 24. November 2011

Quality Time im alten Obwalden


Am Dienstag wanderte ich in vier Stunden von St. Jakob, Ennetmoos, auf dem Jakobsweg nach Flüeli-Ranft und Sachseln. Damit schloss ich eine Bildungslücke; ich war zuvor nie in Flüeli-Ranft gewesen. Dabei wirkte dort unser nationaler Schutzpatron, Bruder Klaus. Die Kapellen in der Ranft-Schlucht, Alptraum aller Rheumatiker, machten mir Eindruck. Gleichzeitig lernte ich etwas. In der Schule hatte ich gehört, der Offizier, Bauer, Politiker Klaus habe 1467 die Familie verlassen, um die letzten zwei Jahrzehnte seines Lebens dem Eremitendasein zu frönen. Ich war dann gestern doch erstaunt, wie nah das Wohnhaus (Foto: unten links) oben auf der sonnigen Geländeterrasse und die Klause beieinander liegen: sieben Gehminuten nur. Gab dieser Einsiedler das Weltliche wirklich auf? Oder realisierte er in aller Heimlichkeit die perfekte Work-Life-Balance?

Mittwoch, 23. November 2011

Widmer stammtischelt mal kurz

Im TeleZüri gibt es doch jeweils im SonnTalk diese Frage von Markus Gilli an die Teilnehmer: Leid und Freud der Woche? Ich stelle mir sie hier grad selber - und die Antwort: Genervt hat mich diese Woche der Unfall bei Hittnau ZH. Ein Jäger schiesst einen Wanderer an, der mit seinem Hund im Wald unterwegs ist. Und zwar mit Schrot, der Wanderer wird leicht verletzt. Nun habe ich grundsätzlich nichts gegen Jäger. Bloss dachte ich immer, das seien Typen, die auf irgendeinem Hochsitz die Nacht durch verharren und dann im Morgengrauen das Wild mit einem gezielten Schuss töten. Aber Schrot? Klingt irgendwie nach Munition für Sehbehinderte. So was will der Wanderer im Wald nicht. Und das Wild sowieso nicht.

Ich bin gegen Schneekanonen. (Bild: Birke/WikiCommons)
Vielen Dank, Herr Widmer, sagt Gilli. Und was hat sie diese Woche gefreut? - Nun, ich bin recht glücklich damit, dass es noch nicht geschneit hat. Und dass es so warm ist, dass die Schneekanonen in den Skiorten nicht oder nur zum Teil laufen konnten. Ja, ich weiss, die Arbeitsplätze. Aber es ist nun einmal so, dass ich den Skitourismus hasse. Sommers sehe ich die Wiesen, die er hinterlässt: dürre, erodierende Halden. Damit muss man sich ja leider abfinden. Aber Schneekanonen sind ein neues Niveau des Schreckens; ginge es nach mir, wären sie überall verboten. Jeder Tag, an dem sie nicht laufen, freut mich.

So, fertig gestammtischelt. Morgen geht es sanft weiter mit einem Heiligen, dessen Work-Life-Balance mich beschäftigt: Bruder Klaus vom Flüeli.

Dienstag, 22. November 2011

Schweiningen tut weh

Savognin mit Brücke über die Julia, pardon, Gelgia. (Bild: Adrian Michael)
"Savognin" klingt doch recht hübsch ins Ohr. Aber "Schweiningen"? So heisst der Ort im Oberhalbstein auf Deutsch. Gott sei Dank gibt es die rätoromanische Sprache.

Montag, 21. November 2011

Ahorn objektiv, Ahorn subjektiv

Mein Alpenkranz.
Meine Rösti. Und mein iPhone.
Die 5 1/2-Stunden-Route von Huttwil zur Ahorn-Alp (Rösti-Stop) und via Fritzenfluh und Freudigenegg hinab nach Dürrenroth müsste einem, objektiv besehen, in Erinnerung bleiben durch ihre Schönheit: immer neue Hügelchen mit einem Bäumchen oben drauf. Der milchige Alpenkranz von Pilatus bis Finsteraarhorn am Horizont. Und duftendes Raschellaub in den Wäldern.
Meine subjektive Erinnerung an diese Wanderung ist eine andere: Vor Dürrenroth muss mein altgedientes, weitgereistes, treues iPhone 3GS aus der Jacke ins Gras gefallen sein. Und nun liegt es dort oben ganz allein und ist wohl schon erfroren. Was für ein trauriger Tod für ein elektronisches Haustier, das zu streicheln stets wunderbar war.