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Montag, 7. Januar 2013

Toobe?

Unterwegs im Gontenmoos Richtung Jakobsbad.
Torfziegel im Toobemuseum.
Unsere Samstagswanderung verlief nicht nach Plan. Wenigstens nicht der zweite Teil. Zuerst zogen wir von Gontenbad durch das Gontenmoos auf dem Barfussweg Richtung Jakobsbad. Natürlich nicht barfuss! In einem ehemaligen Toobeschopf (Torfschopf) ist das Toobemuseum untergebracht. Tafeln erklären die Entstehung des Hochmoores und die Geschichte des Torfabbaus. Vor dem Jakobsbad bogen wir später links ab hinauf nach Hütten, erreichten via die Chlepfhütte das Gasthaus Scheidegg, diesen prachtvollen Schindelbau im verwitterten Vintage-Look. Alles wie vorgesehen, samt der Siedwurst. Einzig lag derart fetter Nebel, dass wir hernach beschlossen, nicht weiter zum Kronberg aufzusteigen wie vorgesehen. Stattdessen hielten wir wieder hinab zur Chlepfhütte, bogen aber kurz vorher ab nach Appenzell und genossen den aperen, stillen, mit einem Moosteppich ausgelegten Steilwald, um endlich via Kau und Eischen im Hauptort der Innerrhödler anzukommen. Dort shoppten wir, ich kaufte mir Quittensirup von der "Appenzeller Line" aus Hundwil. Und Mostbröckli - mehr dazu morgen.
Die "Scheidegg" auf dem Grat zum Kronberg. Wir waren die einzigen Gäste.

Sonntag, 6. Januar 2013

René, Lukas, Tom und die Mohrin

Vor kurzem schrieb ich darüber, dass es in der Schweiz mehrere Gemeinden mit dem Mohren im Wappen gibt, einem schwarzen, klischiert afrikanischen Kopf. Mein Blogkollege und Wanderfreund René P. Moor aus dem Gürbetaler meldete sich darauf - er mailte mir sein Familienwappen (siehe links) und merkte dazu an: Die Mohrs lebten ursprünglich in Deutschland und waren von eher dunkler Hautfarbe, weshalb ein Vorfahre überhaupt mit diesem Namen bedacht wurde. Im Laufe der Zeit wurde aus "Mohr" dann "Moor". Vielen Dank, René "Il moro"! Und da wir nun noch einmal beim Thema gelandet sind: Sehr lesenswert ist der Roman "Die Mohrin" vom Berner Lukas Hartmann. 1763 kauft ein Schweizer Offizier in der Karibik eine schöne Sklavin namens Marguerite und nimmt sie mit zu sich und seiner Familie nach Bern. Dort gebiert Marguerite zum Schrecken der alten Patriziersippe einen kleinen Buben namens Louis... Und ebenfalls empfehlen kann ich den neuen Roman von Tom Wolfe, "Back to Blood". Er spielt in Miami und führt an einer Handvoll Figuren die Obsession der Amerikaner mit der Hautfarbe vor.

Samstag, 5. Januar 2013

Wintergewandert? Gewinterwandert?

Unser Ziel: der Kronberg (Bildmitte). Hinten der Säntis. (Hansueli Krapf)
Heute winterwandern wir auf den Kronberg. Gestern schrieb ich im "Tages-Anzeiger" einen Artikel, in dem dieser Appenzeller Hoger vorkommt: Es ging um etwas, was ich in meinem Blog kürzlich schon vortrug. Nämlich: Kleine Skigebiete geben das Skigeschäft auf, weil die Bewirtschaftung der Pisten und Förderanlagen einfach zu aufwändig und teuer ist; stattdessen setzen sie auf Schlittler. Leider ist der Artikel online nicht greifbar, daher habe ich in für diesen Eintrag kopiert. Ein Aperçu: Mit meinem Ressortkollegen René ergab sich zu dem Artikel eine grammatikalische Diskussion. Er fand, die von mir gewählte Verbform "gewinterwandert" sei falsch, es müsse heissen: "wintergewandert". Wir konsultierten ein paar Tagileute, was aber auch kein eindeutiges Resultat erbrachte. Ein Redaktor erhob sich auf die Meta-Ebene. Er fand, beide Formen seien so hässlich, dass man sie nicht verwenden dürfe.

So, hier der Artikel:

Rodelpiste
statt Skilift


Das Obwaldner Skigebiet LungernSchönbüel warb in den letzten Jahren für sich mit dem Wort «Panoramawelt». Die geschäftlichen Aussichten verdüsterten sich allerdings zusehends – nun haben die Betreiber gehandelt: Als kürzlich die Wintersaison begann, blieben die Skilifte stehen. LungernSchönbüel hat sich vom Skigeschäft abgewandt. Stattdessen wird geschlittelt und gewinterwandert. Auch ein Hunde-Rundweg ist beschildert.

Gleiches ist am Kronberg passiert, einem weitherum bekannten Appenzeller Hoger: Traditionell fuhr man winters mit der Seilbahn auf den Gipfel, um Ski zu fahren. Doch in den letzten Jahren nahmen die Betreiber zu wenig ein. Dass Kinder den Lift gratis nutzten, brachte auch nicht sensationell mehr Kundschaft. Mittlerweile hat der Kronberg umgestellt. Diese Saison ist die zweite, in der er sich als Schlittel- und Winterwanderparadies darbietet.

Beide Beispiele zeigen den Kampf kleiner Skigebiete. Und das Grundproblem der Branche. Erstens sind die Einnahmen stark abhängig vom Wetter. So rutschte Meiringen-Hasliberg nach dem warmen, schneearmen Winter 2010/11 direkt in die Liquiditätskrise. Zweitens führt der hohe Frankenkurs in Kombination mit der Wirtschaftskrise dazu, dass viele Leute hiesige Anlagen meiden. Und drittens spitzt sich der Wettbewerb zu. Halten kann sich nur, wer dauernd investiert. Im Fall von Meiringen-Hasliberg fanden sich nach der Nachlassstundung zwei Unternehmer aus der Region, die Geld einschossen, etwa für eine Beschneiungsanlage.

Entweder man wächst: Im Raum Arosa–Lenzerheide und auch am Oberalppass zwischen Andermatt und Sedrun wollen Skigebiete fusionieren. Oder man versucht sich mit einem schlauen Konzept zu positionieren: Meiringen-Hasliberg möchte speziell Familien ansprechen. Oder man lässt vom Skiwesen ab und setzt auf das Schlitteln und das ökologisch sanftere Winterwandern; beides braucht weniger Arbeitskräfte und Aufwand.

Auf dem Kronberg, der laut Eigenwerbung die längste Schlittelpiste der Ostschweiz bietet, war die erste skiliftlose Saison ein Erfolg: An Spitzensonntagen trug die Bahn über 1000 Schlittler in die Höhe.
(TA, 4. Januar 2013)

Freitag, 4. Januar 2013

Murgen I bis III

Der Murgbach in einer Farbstiftzeichnung von 1868.
(Julius Jacob der Ältere, Galerie Bassenge/Wikicommons)
In meiner heutigen Zeitungskolumne kommt die Murg vor - man erlaube mir, dass ich ein wenig geografielehrerle: Es gibt in der Schweiz gleich drei Gewässer dieses Namens:
  1. Die Murg im Raum Oberaargau - siehe Kolumne. Sie bildet sich, indem zwei Flüsse zusammenkommen, die Rot und die Langete. Später darf die Murg auf zwei Kilometern Grenze (zwischen Bern und Aargau) spielen. Murgenthal liegt an dieser Murg, die in der Aare aufgeht.
  2. Die Murg in der Ostschweiz. Sie ist 34 Kilometer lang, ein stattlicher Fluss. Vom Hörnli oben kommt sie her, ist eine St. Gallerin, mutiert aber bald zur Thurgauerin. Auf ihrem Weg Richtung Frauenfeld hat sie in der Vergangenheit alle möglichen Mühlen angetrieben und Fabriken inspiriert. Schliesslich endet sie in der Thur.
  3. Last not least gibt es den Murgbach, ebenfalls Kanton St. Gallen. Sein steiles Tal, das Murgtal, durchsteigt man meist eilig, wenn man nicht gar von Murg am Walensee aus mit dem Wandertaxi in die Höhe fährt; man will möglichst schnell zu den wunderschönen Murgseen.
So, fertig doziert. Jetzt hoffe ich, dieses Stückchen Flusskunde sei dem Leser und der Leserin nützlich; sie sollten nunmehr fähig sein, in intelligenten Tischgesprächen souverän über die Murgen I bis III zu parlieren.

Donnerstag, 3. Januar 2013

Ein guter Beginn

Schneearmer 1. Januar: Toggenburg mit Churfirsten vom Bendel aus.
Völlig im Grünen der Wasserfluh-Passweiler.
Der Neujahrstag - ein fast perfekter Wandertag. Einzig hätte die Sonne sich ein wenig länger zeigen dürfen. Ansonsten alles bestens: Der Schnee lag eher spärlich, bis auf 1200 Meter hinauf. Und er war begehbar, trug das Gewicht eines Menschen, ohne einzubrechen. Manche Passagen auf dieser Hogerroute wiederum waren aber auch ausgeapert. Grandios die Sicht, wir sahen die Churfirsten und den Säntis, dazu den Speer, Stockberg, Hochhamm, die Hundwilerhöhe, das Schnebelhorn, ja den Bodensee. Und wir assen im Restaurant Churfirsten nah Heiterswil ein tolles Fondue. Doch, das Wanderjahr 2013 lässt sich gut an.

Die Route: Krummenau - Schluecht - Wintersberg - Bendel - Schofbüchel - Forrersschopf - Salomonstempel - Fürschwand - Heiterswil - Scherrer - Hänsenberg - Waldschwilerberg - Köbelisberghöhe - Wasserfluh -  Graben - Schwanden - Weid - Oberhelfenschwil - Niederholz - Wigetshof - Neudietfurt - Dietfurt. Gehzeit bei guten Verhältnissen 6 1/4 Stunden. 850 m auf, 950 ab. Ideal auch für Schneeschuhler.

Mittwoch, 2. Januar 2013

Le Gamin Volant

Der Vater war Weinhändler. Und Gemeindepräsident von Vallamand VD, einem Winzerdorf in den Reben über dem Murtensee; dort steht der Gedenkstein, den ich kürzlich fotografierte. Ernest Failloubaz verlor dann beide Eltern schon sehr früh, mit zehn war er Vollwaise. Er erbte ein Vermögen und versuchte, kaum erwachsen, in Avenches eine Flugzeugfabrik und eine Flugschule zu etablieren. 1910, da war er 18, flog er mit einer Blériot von Avenches nach Payerne, der erste Von-Stadt-zu-Stadt-Flug der Schweiz; man nannte ihn "Le gamin volant", den fliegenden Knaben. Am Ende scheiterte Failloubaz, der Schweizer Pilot mit dem Flugbrevet Nummer eins, total; er verarmte und starb mit 27. Nein, er stürzte nicht ab. Die Tuberkulose holte ihn!

Dienstag, 1. Januar 2013

Haben wir einen Deal, Ostschweiz?

Die Wetterprognose für heute lautet: Im Osten noch Föhn, während sich aus Westen Regen anschleicht. Die zweite Tatsache, die der Planer Widmer bedenken musste: In den Bergen ist über den Jahreswechsel der Teufel los. Aus beidem folgt theoretisch, dass man im Osten wandern, dabei aber einen Bogen um die Skigebiete machen muss. Und praktisch hat sich daraus eine Route ergeben, die uns in die Gegend des Salomonstempels und Köbelisbergs führen wird. Toggenburg und Neckertal, ihr habt die Ehre, meinem Grüpplein als erste Wandergegend im 2013 herhalten zu dürfen! Benehmt euch doch bitte entsprechend, stellt passable, nicht allzu dreckige Wege zur Verfügung, sorgt für eine anständige Bauern-Beiz alle zwei Stunden und lasst es euch nicht einfallen, uns eines jener giftigen Ostschweizer Hündli auf die Fersen zu hetzen, die man mit euch gemeinhin assoziiert! Deal?