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Freitag, 14. Juli 2017

Ein sehr spezieller Garagist

Ledi Garage in Feutersoey BE: Lounge-Ecke
das Gstaad Automobile Club.
Hansueli Brand aus Feutersoey an der Strasse von Gstaad nach Gsteig spricht urchigen Dialekt, er sagt zum Beispiel "Rennstreckleni". Sohn eines Bergbauern und Skilehrers ist er und verkehrt gleichzeitig mit den Reichen und Superreichen von Gstaad. Das Auto schafft die Verbindung. Vor 36 Jahren machte sich Brand mit seiner Ledi Garage selbständig. Er ist Land-Rover-Händler. Und hat ein Autohotel gegründet. Die Geschäftsidee ist die: Viele Leute in der Gegend haben mehrere teure - sehr, sehr, sehr teure - Autos und keinen Platz dafür. Bei Brand können sie ihre Autos einlagern, natürlich sind die Sicherheits-Vorkehrungen entsprechend und der Service garantiert. Als wir, ein Journalistengrüppli, kürzlich zu Besuch waren, sprangen uns fast die Augen aus dem Kopf. Da reihen sich die Sportwagen und Boliden der Fünfziger-, Sechziger-. Siebzigerjahre, die Originalmodelle, die in Le Mans fuhren oder auch die Rallye Paris-Dakar bestritten (wie Brand selber, übrigens). Knallgelb und buntrot waren sie damals noch gespritzt, es war die Ära, als das Auto grandios war, ein Faszinosum. Der Wagenpark, den wir nicht fotografieren durften, ist Millionen wert. Und natürlich hängen an jedem Auto die Emotionen des Besitzers. Im Obergeschoss treffen sich im Gstaad Automobile Club jene 56 Leute, die glückliche Mitglieder sind; man kann nur durch Einladung dazustossen, das Auswahlverfahren läuft oft jahrelang. Clay Regazzoni, Bernie Ecclestone, Gunter Sachs: einige klingende Namen des Clubs, wer verstorben ist, bleibt in Erinnerung. Die Lounge ist eine Kirche des Verbrennungsmotors mit Originalpokalen diverser Rennen, mit Fotos wichtiger Rennfahrer, mit Modellen, die selber zehntausende Franken wert sind. Brand, der Saaner: bauernschlau und ortsverbunden und doch global denkend und als Club-Präsident freundschaftlich verkehrend mit Milliardären, es verschränkten sich Business und Passion. Ah ja, am Schluss zeigte uns Brand eine Etage mit alten, perfekt instandgehaltenen Bugatti, die alle Waadtländer Nummernschilder trugen; sie gehören samt und sonders einer einzigen Familie. Welcher? Das hat er uns nicht verraten, Geschäftsgeheimnis.

Donnerstag, 13. Juli 2017

Steinzeit am Genfersee

Gestern reiste ich nach Lutry unweit von Lausanne - ein grosses Winzerdorf am Genfersee - und begab mich zum Parkfeld beim nordwestlichen Eingang zum Altstädtchen; es heisst "La Possession". Dort fand ich die berühmten Menhire. Sie wurden 1984 beim Bau der unterirdischen Garage entdeckt und ein paar Meter entfernt wieder aufgestellt. Die einen Steine sind mehr als menschenhoch, die anderen eher zwergenformatig; sie stehen eng beieinander, bilden eine Mauer; viele sind erkennbar behauen. Doch, ich fand die Anlage aus der Jungsteinzeit beeindruckend. Auch wenn sie von den doofen Autos ärgerlich bedrängt wird.

Mittwoch, 12. Juli 2017

666

Der Bergbahnen-Gstaad-Chef referiert.
Zwei Blogeinträge zu den Tagen im Saanenland stehen noch aus. Hier ist der eine. Bevor wir letzten Freitag vom Rellerli zum Sparenmoos traumwanderten, trafen wir auf dem Rellerli (Gondelbahn von Schönried) den Chef der "Bergbahnen Destination Gstaad AG", Matthias In-Albon. Er erzählte uns unverblümt, wie es um sein Höhenreich steht. Wo es schlecht aussieht. Und wo Hoffnung besteht. Ich fasse zusammen:
  • In vier Jahren gab es bei den Bergbahnen Gstaad einen Verkehrsertragseinbruch von 19,5 auf 15,6 Millionen Franken. Die Skierdays, Skitage also, gingen von 670 000 auf 490 000 zurück. Die Leute fahren weniger Ski, das merken ganz viele Wintersportorte. Es fehlt ja auch mancherorts am Schnee.
  • Das Sommergeschäft ist ausbaufähig, kann aber den Wintereinnahme-Schwund nicht kompensieren. Mit besserem Marketing und günstigeren Preisen kann man allenfalls besagtem Schwund entgegenwirken. Für den kommenden Winter offerieren die grossen Vier im Kanton Bern ein gemeinsames Saison-Bahnenabo für 666 Franken. Es sind Meiringen-Hasliberg, die Jungfrauregion, Adelboden-Lenk und Gstaad. Pointe am Rand: 666, das ist die Zahl des Teufels.
  • Die Bergbahnen Gstaad gibt es überhaupt noch, weil reiche Leute, die dort leben, Geld einschossen, an die 30 Millionen Franken; massgeblich beteiligte sich Milliardär Ernesto Bertarelli. Der Preis, den man laut In-Albon zahlt: Das Rellerli ist bald schon ein halbprivater Berg. Die Konzession für die Gondelbahn läuft nächstes Jahr Ende Sommer aus. Dann wird sie abgebrochen. Und es entsteht auf dem Rellerli Bertarellis private Lodge, er hat die Gebäude der Tal- und der Bergstation gekauft. Für die Normalverbraucher will man eine Buvette einrichten. Ob es irgendwann wieder ein Bähnli aufs Rellerli gibt, ist unklar; möglicherweise wird der Proviant für die Lodge mit dem Schneemobil hochtransportiert.
  • Dem Rinderberg, erschlossen per Gondel ab Zweisimmen, wird bald schon ein Thema zugeordnet. Alles soll sich dort oben um das Rind drehen mit Dingen wie einem Themenweg. Auf der Wispile, erschlossen ab Gstaad, soll etwas Ähnliches kommen, vielleicht zum Thema Tier allgemein. Man sieht: Gstaad hat immerhin ein Konzept, wie der Niedergang verwaltet wird; und möglicherweise gibt es ja doch einen Aufschwung beim Sommergeschäft.
    Momentan noch ganz öffentlich: das Rellerli und sein Berghaus.

Dienstag, 11. Juli 2017

Nasses Montagsabenteuer

Die leere Martinsklafter-Nische mit dem Spalt darüber.
Das Martinsklafter mit Infotafel und Schienenrillen im Boden. Die
Nische findet sich ganz hinten, wo Fels und Geländer zusammenkommen. 
Gestern ging ich auf Forschungsreise, sozusagen. Ich fuhr nach Biel und weiter zur S-Bahn-Station Frinvillier-Taubenloch mit dem Vorsatz, das Martinsklafter zu suchen, la Toise de Saint-Martin. Das Unterfangen gestaltete sich schwierig. Zum einen geriet ich in einen Wolkenbruch und war nach wenigen Minuten klatschnass. Und zum anderen gibt es im Internet keine wirklich genauen Angaben, wie man hinkommt, ich hatte bloss eine ungefähre Idee, wo der Ort liegt. Wegweiser gibt es offenbar nicht. Eine Chinesin konnte mir nicht helfen, ein junger Typ aus dem Ort auch nicht, "c'est quoi"? Dann traf ich im Wald an der Schüss eine Frau, die dort gewesen war, vor 40 Jahren, wie sie sagte, als Mädchen. Sie konnte sich nicht mehr genau an den Zugang erinnern und rief ihren Mann an. Der wusste es noch, mehr oder weniger. Ich ging gemäss seiner Anleitung zurück zur Bahnstation, stellte mich auf dem Perron mit dem Rücken zum Wartehäuschen hin, fixierte den Waldhang vor mir und erblickte tatsächlich einen Trampelpfad. Ich schlug ihn ein, ging steil bergan, kam zur Autobahn, zottelte auf einem Trottoir ihr entlang, bog ab auf eine alte, aufgelassene Strasse, ging durch einen Tunnel, hatte wieder die Autobahn vor mir und erkannte nun zur Rechten einen zweiten Trampelpfad. Wieder ging es steil aufwärts. Kurz darauf war ich beim Martinsklafter, das auf einer stellenweise mit einem Geländer gesicherten Felsterrasse liegt.

Das Martinsklafter besteht aus zwei Sehenswürdigkeiten, dazu kommt eine Leiter, mit der ein Kletterpfad den steilen Kalkriegel hinauf beginnt. Die eine Sehenswürdigkeit sind Rillen im Boden, Teile eines Verkehrsweges, der in die Antike zurückreicht. Ochsenkarren konnten in den Schienen sicher die exponierte Hangstelle bewältigen. Die andere Sehenswürdigkeit war eine leere Nische. In ihr könnte einst eine Mars-Statue gestanden haben. Oder aber eine Schrifttafel, die dem römischen Gott gewidmet war; in der Nähe haben Archäologen eine solche Tafel mit Inschrift gefunden. Damit wäre dann auch der erste Teil des Flurnamens erklärt. Der zweite, "Klafter", hat mit dem klaffenden waagrechten Spalt über der Nische zu tun. Vermutlich war in ihm ein Schutzdach fixiert, das die Nische vor der Witterung schützte. 

Soweit mein nasses Abenteuer, mit quietschenden Schuhen fuhr ich heim. Ich muss aber noch einmal hin. Dort nämlich, wo Trampelpfad Nummer zwei bergwärts ansetzt, führt ein dritter Pfad steil abwärts Richtung Schüss. Ich hätte ihn gern genommen, doch es war mir zu heikel, ich war allein, das Gelände unheimlich rutschig. Martinsklafter, wir sehen uns bald wieder. Wenn es trocken ist.
Auf der Infotafel ist das Martinsklafter als roter Punkt markiert samt dem
Verlauf des historischen Verkehrsweges.

Montag, 10. Juli 2017

Bewegung auf der Käseschnitte


Von unserer Journalistenreise ins Saanenland - sie endete gestern - will ich zwei weitere substanzielle Einträge publizieren. Aber nicht heute, man soll nicht jeden Tag lang bloggen. Hier also vorerst etwas Kurzes. Kollegin Ronja nahm die Käseschnitte auf, die in der Alpwirtschaft Hüsliberg beim Sparenmoos hoch über Zweisimmen auf den Tisch kam. Sie brutzelte derart intensiv, dass das Dekorationsgürkli in Bewegung geriet.

Sonntag, 9. Juli 2017

Ich machte auch schon weniger komfortabel Ferien

Im Gebiet Fang oberhalb Lauenen steht bei einem Tobel dieser Schuppen.
Die waagrechte Linie ist ein Stahlkabel, befestigt am Baum.
Gestern ein Ausflug nach Lauenen: Besichtigung der altehrwürdigen Kirche und Einkehr im Hotel Wildhorn, das einstmals die Schauspieler Hans Schenker und Isabelle von Siebenthal leiteten; nun ja, das Duo infernal legte sich mit der Dorfbevölkerung an und ging nach allerlei Zermürbungen ab, mittlerweile sind andere Leute zuständig. Nach dem Kafi wurde gewandert. In der süttigen Hitze ging es taleinwärts via Rohrbrücke und Hinderem See hinauf zum Lauenensee, der Anblick des Wassers erfrischte. Und gleich kam der Retourweg: auf einem reizend wilden, an einer Stelle kettengesicherten Pfad die Rossfalleschlucht hinab und nach einer Passage am Louwibach durch das Feuchtgebiet Rohr, bis nach zwei Gehstunden bei der Rohrbrücke Schluss war. Und nun? Ging es mit dem Bus wieder hinauf zum See, wo wir im Seerestaurant assen. Der Rest des Tages war nicht minder intensiv. Wir besuchten einen Garagisten in Feutersoey (mehr darüber später), schauten beim gerade laufenden Beach-Volleyball-Turnier vorbei und genossen argentinisches Beef in einem der Restaurants des Fünfsternehauses Park Gstaad. Es gehört Dona Bertarelli, der Schwester von Ernesto Bertarelli. Ja, ich habe schon weniger komfortabel Ferien gemacht. Aber heute ist Schluss, um neun reise ich ab ins Unterland, ade Gstaad, ade Saanenland.
Augenerfrischung: der Lauenensee. Hinten erahnt man das Hochgebirge. 
Das Fussbad im Louwibach tat gut.
Weiter unten im Feuchtrevier Rohr. Sein Markenzeichen sind solche Tristen.

Samstag, 8. Juli 2017

Traute Nähe und zackiger Horizont

Das war gestern im Saanenland ein guter Tag. Und ein abwechslungsreicher. Die Highlights waren:

Mmm, etwas Leichtes:
die Käseschnitte auf dem Hüsliberg.
  • Auf dem Rellerli, das man per Gondelbahn ab Schönried erreicht, hielt uns der Bergbahnenchef der Region einen Vortrag - interessant und ziemlich düster sieht die Lage aus. Aber es gibt auch Ideen, wie man die Bahnen in die Zukunft führen kann. Mehr davon bald in diesem Blog.
  • Vom Sparenmoos fuhren wir mit dem Trottinett hinab nach Zweisimmen, mir zittern heute die Hände vom vielen Bremsen. Grandios, diese Schussfahrt zu Tale mit den vielen engen Kurven.
  • Am Abend gab es eine Führung durch Saanen, das ich noch gar nicht kannte. Wir sahen das Grab von Gunter Sachs. Historische Chalets aller Grösse. Und eine Achtjährige in Tracht, die gerade auf dem Weg zu einem Alphornkonzert war. Der Vater trug ihr das Alphorn.
  • Die Hauptsache zum Schluss. Vom Rellerli, siehe oben, zum Sparenmoos, siehe ebenfalls oben, gingen wir zu Fuss durch eine berückende Voralpinlandschaft (3 Stunden, 289 Meter aufwärts, 385 abwärts). Zur Linken hatten wir die Freiburger Dolomiten mit dem Gastlosen-Massiv, zur Rechten aber gestaffelt in Ketten die Berner Alpen samt Wildhorn und Plaine Morte und und und. Gibt es eine aussichtsreichere Drei-Stunden-Wanderung? Ich wüsste keine. Ah ja, wir assen dann auch noch opulent, Käseschnitte und so, auf dem Hüsliberg (Vorderer Hüsliberg auf der Karte), einer Alp beim Sparenmoos. Sehr stimmig, dieses Gesamtpaket von trauter Nähe mit Kühen und Blüemli zum einen, zackigem Horizontabschluss zum anderen.
Kurz nach Wanderstart beim Rellerli.
Deutsche Wandererfamilie, in die sich ein paar Kühe verliebt haben.
Oh du liebliches Saanenland.