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Samstag, 14. März 2020

Das Rätsel der älteren Frauen

Das Museum "Salzmagazin" in Stans.
(Foto: Lionatwork/Wikicommons)
Er ist unser Liebling und Freund. Er überrascht uns regelmässig mit seinen Kreationen. Und täglich kommentieren wir ihn, klagen über ihn, finden ihn lustig. Ich rede vom Dialekt. Am 4. April startet, so Corona es zulässt, im Nidwaldner Museum Salzmagazin in Stans die Ausstellung "Heepä, Gigele, Gäitsche — Mundart in der Deutschschweiz". Die will ich mir anschauen, sie dauert komfortabel lange, nämlich bis zum 1. November. Die Medienmitteilung umreisst schön, worum es in der Ausstellung gehen soll:
Was erzählen Menschen aus Nidwalden darüber, wie sie reden? Und warum? Was sagt die Dialektforschung (an ihrem Anfang stand ein Nidwaldner, Jakob Joseph Matthys, 1802–1866) über unser Reden? Gibt es richtig und falsch? Oder nur alt und neu? Warum kennen ältere Frauen die meisten Fluchwörter? Woher kommt der Mundart-Boom?

Freitag, 13. März 2020

Rolltreppengalerie

Die längste Rolltreppe der Schweiz, 150 Meter lang, 70 Höhenmeter, findet man in St. Moritz. Bahnhofsnah führt sie vom St. Moritzersee durch das Parkhaus Serletta hinauf ins Dorf zum Badrutt's Palace; sie transportiert  rund eine Million Menschen pro Jahr und ist auch nachts in Betrieb. Im Rolltreppenkanal hängen Werke bekannter Plakatkünstler. Diese Rolltreppe ist auch eine Galerie.

Donnerstag, 12. März 2020

Textiler Palast

Unterwegs von Rheineck nach Thal, fotografierte ich vor wenigen Tagen dieses stattliche Gebäude. Es ist das Dufourschloss. Der aus Lyon stammende Pierre Antoine Dufour gründete 1833 vor Ort eine Seidengazefabrik; das feine Tuch wurde für Mehlsiebe verwendet. Sein Enkel Anton baute 1903 den passenden Palast für das blühende Unternehmen: vier Stockwerke, markantes Walmdach, mächtiger Turm, Marmorböden. Die Sefar Holding, die aus der Dufour-Firma hervorgegangen ist und Textilien für technische Zwecke produziert, beschäftigt weltweit rund 1600 Menschen. Die Verwaltung residiert auch heute im Schloss an der Töberstrasse in Thal SG.

Mittwoch, 11. März 2020

Die Nonne Massimo

Nächste und übernächste Woche muss ich fünf Mal nach Luzern: ein Interview, ein Treffen mit einem Freund, ein Maz-Kurs über drei Tage, den ich gebe. Sicher werde ich einmal im Bellini essen, einem Restaurant, das herrliche Tessiner Gerichte anbietet. Kürzlich war ich am Nachmittag in diesem Lokal. Und fotografierte die Nonne, die mir den Kafi brachte und laut Namensschild Massimo hiess. Das war in der Fasnachtszeit.

Dienstag, 10. März 2020

Das Juratürli

Es war halt dunstig. Ein Teil des Alpenkranzes.
Die Aare vom Trimbacher Ufer aus.
Am Sonntagmorgen erwachte ich und dachte zehn Minuten später, während ich mein Schwarzteeli schlürfte: Ich will wandern. Einen Plan hatte ich nicht. Ich fuhr einfach mal los. Nach Olten. Denn dort hats rundum so hübsche Hügel. Im Buffet trank ich einen Kafi, schaute auf dem Handy die Karte an, fand meine Route und nahm anschliessend das Läufelfingerli, also den Zug nach Läufelfingen hinter der ersten Jurakette. Von dort stieg ich via Tierfriedhof und Hupp auf nach Wisen. Über die Wisnerhöchi, die Froburg und den Marenacher ging es wieder hinab, zuerst nach Trimbach, anschliessend nach Olten. Dort formulierte ich mein Fazit: Erstens war das eine schöne Route, die ich nur empfehlen kann. Und zweitens wäre ich besser ein bisschen später gestartet. Die Sonne hatte ich erst gegen Schluss gesehen und hatte in der Höhe im eiskalten Wind jämmerlich gefroren. Umso erfrischender war mein Dreieinhalb-Stunden-Türli.
Ort für gspürige Seminare und Yogabrunches: die Hupp-Lodge bei Hupp.
Zwischen der Wisnerhöchi und der Froburg mit der markanten Antenne.

Montag, 9. März 2020

Ich muss auf den Flueberg

Es gibt ein Wandergesetz, das da lautet: "Jede Wanderung gebiert eine neue Wanderung." Gestern sah ich beim Dorf Wisen, Kanton Solothurn, den Flueberg, dessen nackte Felswand gegen Westen zu "Wisner Fluh" heisst. Er machte mir in seiner kecken Form Eindruck, doch hatte ich für diesen Tag anderes geplant. Ich vergewisserte mich auf der Karte, dass ein Weg hinaufführt, dass man also nicht klettern muss. Somit steht fest: Ich muss irgendwann, möglichst bald, auf den Flueberg.

Sonntag, 8. März 2020

Segantini

Lichte Szenerie: Im Kuppelsaal des St. Moritzer Segantini-Museums.

Das Hygrometer im Kuppelsaal. Es tickte laut. Ich musste
an einen Geigerzähler denken.
Giovanni Segantini, 1858 geboren am Gardasee. Staatenlos. Als Maler wird er grossen Erfolg haben, wird Riesensummen einnehmen, freilich sich auch als Meister des Verprassens erweisen. 1886 zieht er in den Kanton Graubünden, ins Surses, acht Jahre später ins Engadin nach Maloja. Dort tüftelt er an einem Gesamtkunstwerk, einem dreiteiligen Engadiner Panorama, das er in Paris an der Weltausstellung 1900 zeigen will. Auch den zugehörigen Pavillon entwirft er und plant, die Inszenierung mit ausgestopften Tieren und Felsbrocken anzureichern, um so die realistische Wirkung zu steigern. Doch den Investoren sind die Kosten am Ende zu hoch, so dass sich das Projekt zerschlägt. Segantini realisiert immerhin die drei Haupttbilder, bevor er 1899 auf dem Schafberg hoch über Pontresina stirbt. Die dortige Berghütte heisst nach ihm "Segantinihütte". In St. Moritz wiederum öffnet bereits 1908 ein imposanter Rundbau mit einer Kuppel, das Segantini-Museum. Vorgestern besuchte ich das vor wenigen Jahren erneuerte Haus, schaute mir im Erdgeschoss eine Reihe von Bildern des Mannes an, der als grosser Erneuerer der Alpenmalerei gilt. Dann der Höhepunkt der Visite: Ich nahm die Treppe hinauf zum Kuppelsaal mit den drei Grossgemälden, die Segantini für Paris geschaffen hatte. Sie führen drei Engadiner Szenen vor und gleichzeitig drei Stadien irdischer Existenz, Werden, Sein, Vergehen. Die Gemälde heissen: "Das Leben" - "Die Natur" - "Der Tod". Was am Freitag besonders schön war: Wegen des strahlenden Wetters waren kaum Leute im Museum. Ich hatte das Alpen-Triptychon praktisch für mich und konnte es in aller Stille betrachten.
Vom Bahnhof erreicht man das Museum in 20 Minuten.