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Donnerstag, 7. Mai 2020

Ein Bad stirbt

Der Zerfall hat seinen Reiz. Am Südrand des Solothurner Juras, am Hang der ersten Jurakette, stehen die Gebäude des 2002 stillgelegten Bades Lostorf. Früher kurte man in der reizvoll grünen Landschaft, man suhlte sich im warmen Schwefelwasser - der Ort hat eine lange, ins späte Mittelalter zurückreichende Geschichte. In der Gegenwart gammelt das Bad Lostorf vor sich hin. Hat es eine Zukunft? Wohl kaum. Wir kamen gestern durch und waren fasziniert vom post-apokalyptischen Ambiente. Man könnte hier jederzeit einen Horrorstreifen drehen. Garantiert gäbe auch das Innere des verrammelten Bades ein paar morbide Schauplätze her.

Der Wanderweg (rot), auf dem wir von Lostorf her kamen, erschliesst nur einen Teil des Areals, den des ehemaligen Bades eben (obere Markierung). Weiter unten stehen abseits des Wanderweges die Bauten der Mineralwasserquelle Lostorf (untere Markierung). Sie ist sehr wohl noch in Betrieb. 1933 übernahm die Mineralquelle Eptingen den Standort, sie füllt in Lostorf unter anderem das Mineralwasser für den Grossverteiler Lidl ab. Es stammt aus über 500 Metern Tiefe.

Mittwoch, 6. Mai 2020

Fredy bloggt

Als ich 2008 beim Tagi anfing, war Peter Hartmeier Chefredaktor. An den Tagen, an denen ich Dienst hatte, also die Seiten meines Ressorts "Analyse und Hintergrund" redigierte, musste ich morgens in Peters Büro - Koordinationssitzung. Um den grossen Tisch, darauf eine Schale mit Früchten und Schöggeli, sassen Grössen wie Vizechefredaktor Res Strehle, Inlandcrack Iwan Städler, Wirtschaftschefin Rita Flubacher und der stets grantige oder so wirkende Auslandchef Luciano Ferrari. Es war ein wenig einschüchternd, auch wenn die Treffen meist friedlich verliefen. Angenehm fand ich stets die Präsenz von Sportchef Fredy Wettstein. Ich erlebte ihn - einmal abgesehen von seiner fachlichen Kompetenz - als Gentleman, der nie laut wurde. Der stets sachlich blieb. Höflich. So war Fredy im Redaktionsleben immer, er hatte stets ein Lächeln für die anderen. Mittlerweile ist er nach 44 Jahren Tamedia im Ruhestand gelandet. Schön, dass er neuerdings bloggt. "Im Auge" ist kein reiner Sportblog, obwohl er im Namen an die Tagi-Kolumne anschliesst. Es geht etwa auch um ein Treffen mit den Liedermachern Pippo Pollina und Linard Bardill. Oder um eine stille, schöne, trauernde Bootsfahrt auf dem Zürichsee. Ruhig ist der Ton des Blogs. Klug. Wie Fredy halt.

Dienstag, 5. Mai 2020

Katholische Zeichen

Schöner Aargau: die Reuss und das Kloster Hermetschwil.

Der Dominilochstäg.
Je mehr vorgestern der Sonntag voranschritt, desto schöner wurde er. Wolken zogen auf, manche von ihnen lieferten sich am Himmel dramatische Rennen. In Hedingen starteten wir am Vormittag, im Land am Albis, wo sich Katholiken und Reformierte vor einem halben Jahrtausend im Krieg umbrachten und wo bis heute die Konfessionsgrenze verläuft. Wir gingen nach Zwillikon, erreichten das sanfte Tobel der Jonen. Eine schöne Überraschung war die Jonentalkapelle, die mitten im Wald steht als Wallfahrtstätte mit jahrhundertelanger Geschichte. Via das Dorf Jonen hielten wir hinab zur Reuss und rasteten auf der Höhe der Brücke von Rottenschwil am Auengebiet Stilli Rüssmatte, wo winzige Frösche im Gras hockten und sich von der Sonne wärmen liessen. Wir taten das auch, auch assen wir und tranken Wein. Bis Bremgarten war es hernach noch recht weit. Wir liebten die Holzbrücke von Hermetschwil, den Dominilochstäg, und das Frauenkloster hoch über dem Ufer des Flusses, liebten später auch die Emaus-Kapelle auf dem kleinen Hügel zwischen Zufikon und Bremgarten. Beeindruckend, wie der Katholizismus die Landschaft mit seinen Zeichen prägt.
Wallfahrtziel im Wald: die Jonentalkapelle.

Im Jonental.

Montag, 4. Mai 2020

Hyänenponys und Vogelchalets

Hier vier Fotos von unserer gestrigen Unternehmung, bei der wir zuerst durchs Säuliamt wanderten und dann durchs Kelleramt. Die Fotos sind alle in Jonen AG entstanden, ich will morgen etwas mehr zur Route erzählen. Nun wünsche ich allen eine schöne Woche.
Huch.
Hier kann man schöne Vogelhäuschen kaufen. Nein, Vogelchalets.
Wirken diese Ponys mit ihrem gescheckten Fell nicht wie Hyänen?
Ohne Worte.

Sonntag, 3. Mai 2020

3 Minuten und 15 Sekunden

Auf dem Pacific Crest Trail mit Mac, ein Screenshot.
Man vergisst zwischendurch vor lauter Trump, was Amerika für ein grosses und grossartiges Land ist. Viele Filme habe ich mir schon angeschaut, die den Pacific Crest Trail zeigen, den 2660 Meilen langen, fünfmonatigen Weg von der mexikanischen zur kanadischen Grenze durch Kalifornien, Oregon und Washington. Dieser Film, gestern empfohlen von Facebookfreundin Isabelle, ist der schönste von allen. Mit 3 Minuten und 15 Sekunden ist er auch der kürzeste. Ein junger Typ namens Mac reiht Ein-Sekunden-Aufnahmen. Genau eine pro Tag. Das Resultat raubt mir den Atem und macht mich sehnsüchtig.

Samstag, 2. Mai 2020

Ich bin auch ein Erdbeben

Degenried, das ist eine lauschige Waldlichtung am Hang des Adlisbergs in Zürich. Ein beliebtes Ausflugsrestaurant steht dort. Ganz in der Nähe entdeckte ich kürzlich dieses Gebäude. Eine Erdbeben-Warte. Sie ist eine von über 100 seismischen Messstationen im Land, die der Schweizerische Erdbebendienst der ETH unterhält. Er stellt in der Schweiz im Schnitt zwei Erschütterungen pro Tag fest, doch sind pro Jahr nur zehn Beben stark genug, um von Menschen verspürt zu werden. Die Erdbebenwarte Degenried wurde 1911 eröffnet, sie war die erste Messstation des Netzes. Heute spielt sie eine spezielle Rolle: In ihr werden neue Messgeräte vor dem Feldeinsatz getestet; dazu ist in der Nähe im Freien ein Seismometer für die üblichen Messungen installiert. Bevor ich weiterging, sprang ich ein paar Mal möglichst hoch in die Luft und gab mir Mühe, plump und schwer zu landen. Nun hoffe ich, das kleine Beben sei registriert.

Freitag, 1. Mai 2020

Der leidende Laurentius

Der heilige Laurentius schaut im Wappen von Dallenwil so unleidig. Warum ist das so? Die beiden Gegenstände, die er hält, führen auf die richtige Spur. Der Palmwedel ist das Zeichen des Märtyrers. Und das Ding zur Rechten ist ein Rost. Auf ihm wurde Laurentius, ein christlicher Diakon, im Jahre 258 in Rom über dem Feuer gefoltert und getötet. Auf das Wappen, das eine ganze Geschichte erzählt, stiess ich gestern, als ich eine Wanderkolumne schrieb; die Route, die ich vorstellen will, endet in Dallenwil im Kanton Nidwalden.