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Sonntag, 14. Mai 2023

Kompliziertes aus dem Kanton Neuenburg

Der wiederaufgebaute Dolmen von Plantées de Rive im Laténium-Park.
Ein paar Schritte weiter findet sich, ebenfalls rekonstruiert, ein Tumulus der Bronzezeit.
Mein Foto zeigt ihn zum Teil, der höhere Stein zur Linken ist ein Menhir,
der mit rezyklierten Dolmenplatten die Umrandung bildet.

Ich stiess auf die ein bisschen komplizierte Geschichte, als ich vor gut einer Woche wieder einmal im Laténium vorbeischaute, dem Archäologiemuseum des Kantons Neuenburg in Hauterive. Sie spielt zum grössten Teil in der Jungsteinzeit, die in unserem Land so circa um 5500 vor Christus damit beginnt, dass die Menschen sesshaft werden, Dörfer gründen, sich vom Jagen und Sammeln auf die Landwirtschaft verlegen. Mancherorts sind aus dieser Zeit Kultsteine geblieben. Zum einen sind es Menhire, hohe, schlanke, in der Regel behauene Stelen, und zum anderen Steinplatten, die Dolmen bilden, Kollektivgräber. Im Park vor dem Laténium ist ein Dolmen wiederaufgebaut, der zwischen den damaligen Gemeinden Auvernier und Colombier am Neuenburgersee entdeckt wurde und mal "Dolmen Plantées de Rive" heisst und mal "Allée couverte von Auvernier". Die gut fünf Meter lange Grabkammer enthielt etwa 20 Skelette, als sie 1876 zutage trat, während man ein Restaurant zu bauen begann. Die Geschichte ist damit nicht fertig, denn der Dolmen war nicht der einzige an diesem Standort. 2013 riss man das alte Restaurant ab und fand mehr Dolmenmaterial und dazu Feuerstellen, eine Reihe von Menhiren und einen Tumulus, also einen Grabhügel aus groben Steinen. Diese Objekte wurden nicht zur selben Zeit platziert, weiss die Archäologie. Zuerst kamen die Menhire. Danach bauten die Menschen der Urzeit Dolmen, wobei sie offenbar die Menhire rezyklierten. Und dann errichteten spätere Menschen in der Bronzezeit, die ab 2200 auf die Jungsteinzeit folgte, einen Tumulus. So änderten sich die Begräbnissitten im Lauf der Jahrtausende. Im Laténium, ebenfalls im Park, ist auch dieser Tumulus in rekonstruierter Form aufgebaut samt der Umrandung, deren authentischer Teil aus Menhiren und weniger hohen Dolmenplatten besteht. Kann man mir folgen? Ich hoffe es.

Samstag, 13. Mai 2023

Schneller Käfer

Der Feld-Sandlaufkäfer.
(Foto: Michael Wolf / Wikicommons)
Es war halt Morgen. Ich hörte nur mit einem Ohr hin, als es kürzlich auf Radio SRF 1 um den Sandlaufkäfer ging. Ein Radioredaktor, der in seiner Freizeit als Insektenkundler unterwegs ist, erzählte begeistert von diesem Käfer, den es auch bei uns gibt – er sei das schnellste Insekt weltweit. Später schlug ich das nach. Tatsächlich bringt es der Feld-Sandlaufkäfer auf eine Geschwindigkeit von fast 800 Stundenkilometern. Ein grosser Jäger ist er, der in kleineren Insekten und Spinnen seine Nahrung findet. Zitat aus einem Zeitungsartikel: "Hat ein Sandlaufkäfer ein solches Tier überrascht und überrannt, packt er es mit seinen kräftigen Kiefern, den Mandibeln. Diese sind mit zähnchenartigen Spitzen gesäumt, mit denen er den harten Chitinpanzer seiner Opfer durchbohren kann, um diese dann aufzusaugen." Klingt so ausgeklügelt wie brutal.

Freitag, 12. Mai 2023

War es Subversion?


Oberhalb von Laufenburg fotografierte ich vor Tagen in der Nähe des Waldhauses, wie eine Wegkreuzung mit zwei Hütten heisst, dieses Holzschild mit dem verkehrten Z. Hatte die Person, die den Schriftzug eingravierte, einfach einen schlechten Tag, fragte ich mich. Wars also ein Fehler? Oder wollte sie ein wenig Individualität und Abweichung in das normierte Schilderwesen bringen? War es also Subversion im Reich der Zeichen?

Donnerstag, 11. Mai 2023

Konkurrenz für das Berner Münster

O du überragendes Münster: Berns Altstadt vom Rosengarten gesehen. 
(Foto: Daniel Kraft / Wikicommons)

Im behäbigen Bern ist nach wie vor das Münster mit 100,6 Metern das höchste Gebäude. Nun sieht es aber aus, als würden auf Stadtboden bald höhere Häuser entstehen. Im Westen Berns sollen auf dem Industrieareal des Energieunternehmens EWB drei Türme gebaut werden, las ich auf der SRF-Webseite. Der höchste Turm, 110 Meter, würde als EWB-Hauptgebäude dienen. In den anderen beiden würde gewohnt.

Mittwoch, 10. Mai 2023

Hochgebirgsgondeln

Zermatt liegt auf der Schweizer, Breuil-Cervinia auf der italienischen Seite des Matterhorns. Die beiden Tourismusorte am Fuss des berühmten Berges sind durch hochalpine Bergbahnen miteinander verbunden. Nun, fast verbunden – ganz oben klafft zwischen der Bergstation des Klein Matterhorns ("Matterhorn glacier paradise") und der Testa Grigia eine Lücke von gut anderthalb Kilometern. Am kommenden 1. Juli wird alles anders. Ab dann verkehrt die neue Seilbahn "Matterhorn Glacier Ride 2" und verbindet die zwei Punkte. 60 Millionen Franken hat der Bau gekostet, die neue, ohne Masten auskommende Linie ermöglicht es, dass Touristinnen und Touristen ganz ohne Skiausrüstung bzw. alpines Zubehör mal eben den Theodulgletscher überqueren. Es ist kein Geradeaus, sondern ein Hinab bzw. Hinauf, die Bergstation auf dem Klein Matterhorn liegt auf 3821 Metern, die auf der Testa Grigia auf 3458 Metern.

Die neue Bahnverbindung vom Klein Matterhorn ("Matterhorn Glacier
Paradise") zur Testa Grigia. (Karte: Zermatt Bahnen AG)

Dienstag, 9. Mai 2023

Die Toten von Sankt Jost

Der Franzosenstein am Sankt-Jost-Rain.
(Koordinaten: 691714 220709)
Die Schlacht bei Sankt Jost, Gemeinde Oberägeri ZG, ist keine der grossen Schweizer Schlachten. Sie war eher ein Gefecht. Ein Scharmützel des turbulenten Jahres 1798. Französische Truppen waren ins Land eingedrungen, zogen durch das Ägerital Richtung Schwyz. Bei Sankt Jost stellten sich ihnen die Innerschweizer in den Weg, es kam zum Kampf, die Einheimischen verloren. Der sogenannte Franzosenstein am Sankt-Jost-Rain, 1953 aufgestellt, erinnert im Verbund mit einem Holzkreuz an damals und daran, dass unter den Toten auch drei Ägerer waren, auf der Gedenktafel  auf dem Stein ist die Rede von den "Helden von 1798". Die Geschichte geht weiter. Das Ägerital war in den Monaten danach von fremden Kräften besetzt, einerseits von den Franzosen, die unter Napoleon die alte Ordnung europaweit kippen wollten, anderseits von den Österreichern, die für ebendiese alte Ordnung standen. Im August desselben Jahres gab es in der Gegend von St. Jost wieder Kämpfe, danach lagen überall im Gelände getötete Soldaten herum. Seltsam, sich das vorzustellen, der Ort, an dem wir am Samstag vorbeikamen, wirkt derart friedlich und idyllisch.

Montag, 8. Mai 2023

Hund und See

Der Wanderer und der Hund, dazwischen der Ball.
(Foto: Ronja)
Am Samstag gingen wir von der Bahnstation Biberegg nah Rothenthurm auf den Morgartenberg. Zogen via Teufi und St. Jost hinüber zum Raten. Assen im Restaurant auf der Passhöhe zu Mittag. Und stiegen über Waldschlag und Oberschwendi ab nach Oberägeri. Die Wanderung, die knapp viereinhalb Stunden dauerte bei 520 Höhenmetern aufwärts und 730 Höhenmetern abwärts, hatte einen grossen und einen kleinen Star. Der grosse, das war der Ägerisee, den wir aus immer neuen Winkeln und Höhenlagen sahen. Beim kleinen Star handelt es sich um den Hund des Hofes Alisacher. Dort kauften wir im Hofladen Glace, die wir draussen auf ein paar für Kundinnen und Kunden bereitgestellten Stühlen assen. Der Hund hatte einen grünen Plastikball in der Schnauze, auf dem er wie wild herumkaute, um ihn doch immer wieder einmal freizugeben. Uns kam die Aufgabe zu, das Ding zu nehmen und zu werfen, worauf es der Hund holte und das Spiel von neuem begann. Als wir nach einer Viertelstunde weiterzogen, legte er sich in den Schatten, den Ball neben sich und bereit für eine nächste Runde mit neuen Leuten.
Der Ägeriseee aus drei Blickwinkeln.