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Donnerstag, 13. Juni 2024

Seeli parat

Ein Schweizmobil-Screenshot:
Oben rechts das Sunnbüel mit dem Restaurant und der
Seilbahnstation. Unterhalb der Bildmitte die Arvenseeli. Die
violette Linie ganz unten ist die Kantonsgrenze Bern–Wallis

Ich fuhr schon von Kandersteg mit der Luftseilbahn aufs Sunnbüel. Und wanderte von dort durch eine wunderschöne Gebirgslandschaft zum Gemmipass, um am Ende wieder eine Seilbahn zu nehmen, diejenige hinab nach Leukerbad. Kurios, dass ich die drei Seeli, die vom Sunnbüel bloss eine halbe Gehstunde entfernt sind und praktisch am Wanderweg liegen, nicht sah. Nun, man kann es erklären. Die Arvenseeli, wie sie heissen, füllen sich so circa im Mai mit dem Wasser der Schneeschmelze und trocknen irgendwann im Sommer wieder aus; ich war damals im Herbst unterwegs und muss die wasserlosen Mulden übersehen haben. Und jetzt ins Jetzt: Meine frühere Redaktionskollegin Barbara, die in Kandersteg lebt, hat mir eben mitgeteilt, dass die Arvenseeli dieser Tage gefüllt sind. Und dass das etwas für mich wäre. Ist es ganz sicher. Die Fotos auf der Website der Sunnbüel-Bahn machen jedenfalls Lust hinzuwandern.

Mittwoch, 12. Juni 2024

Ein Dörfchen lebt auf

Das "Post Hotel Löwe" vor und nach dem Umbau.
(Alle Fotos: "Nova Fundaziun Origen", Benjamin Hofer)

Das Minidorf Mulegns, etwas unterhalb des Marmorerasees an der Julierpassstrasse gelegen, hat seine besten Tage hinter sich. Würde man meinen. Derzeit scheint der Ort mit noch 14 Einwohnerinnen und Einwohnern, der seit einigen Jahren der Gemeinde Surses zugehört, aufzuleben. Im September, etwas später als angekündigt, wird der 30 Meter hohe "Weisse Turm" eingeweiht, er gilt als höchstes im 3-D-Druckverfahren hergestelltes Bauwerk der Welt (Foto hier). Bereits letzte Woche öffnete das aufwändig umgebaute "Post Hotel Löwe"; es ist bald einmal 200 Jahre alt und florierte in der grossen Zeit des Passverkehrs um 1900. Wie aus einer Medienmitteilung hervorgeht, beteiligte sich die "Schweizer Berghilfe" mit 350 000 Franken an der Sanierung. Hinter beiden Projekten steht die "Nova Fundaziun Origen" des Kunstintendanten Giovanni Netzer aus Riom ganz in der Nähe von Mulegns.

Glänzt wie neu: ein Gang.
Extravagante Tapeten, splendide Nassanlagen: ein Zimmer. 

Dienstag, 11. Juni 2024

Wo ist die Fahne?

Das AKW Gösgen, fotografiert aus dem fahrenden Zug.

Montag der letzten Woche, im Zug auf der Rückreise von Basel nach Zürich, fiel meiner Begleiterin auf, dass dem AKW Gösgen etwas fehlte. Die Dampffahne! Wir waren irritert, konsultierten die Homepage des Unternehmens und atmeten auf – Entwarnung. Routine. Seit dem 25. Mai ist das Kraftwerk abgeschaltet, die Jahresrevision steht an. Rund einen Monat dauert sie, Brennelemente werden ersetzt und die Anlagen überprüft. Was ich bemerkenswert finde: 1000 externe Fachleute sind an der Revision beteiligt, mal ganz abgesehen von den regulären Angestellten. Ein Heer von Arbeiterinnen und Arbeitern. In der nächsten Zeit werde ich jedesmal, wenn ich in Gösgen durchfahre, schauen, ob die Dampffahne wieder da ist.

Montag, 10. Juni 2024

Zeitfensterpech

Bahnhof Oberdorf, der BLS-Ersatzbus.
Als ich am Samstagmorgen in Solothurn ankam und umsteigen wollte auf den Zug nach Oberdorf, stellte ich fest, dass dieser Zug gar nicht fährt. Der Weissensteintunnel zwischen Oberdorf und Gänsbrunnen, 3,7 Kilometer lang, wird seit diesem Frühling aufwändig erneuert, bis Ende 2025 verkehren keine Züge durch ihn. Gleichzeitig werden mehrere Bahnhöfe an der Linie Solothurn–Oberdorf–Gänsbrunnen–Moutier saniert, darunter auch derjenige von Oberdorf, in dem man in Zukunft leichter wird auf die Weissenstein-Gondelbahn umsteigen können. 165 Millionen Franken kostet das Unterfangen, Regie führt die BLS, der sämtliche Bahnanlagen samt den Schienen gehören, auch wenn es Züge der SBB sind, die diese nutzen. Nun noch einmal zur Teilstrecke von Solothurn nach Oberdorf. Sie ist der einzige Abschnitt, auf dem auch während der Bauzeit Züge verkehren. Mit Ausnahme zweier mehrwöchiger Zeitfenster, in einem der beiden war ich vorgestern unterwegs. Ich hatte also Pech. Aber nur ein ganz klein wenig Pech. Selbstverständlich stand vor dem Bahnhof Solothurn der Ersatzbus bereit und trug mich umgehend nach Oberdorf, Bahnhof.

Sonntag, 9. Juni 2024

Weissenstein statt Brienzersee

Jura halt: zwischen Bahnhof Oberdorf und Hinterweissenstein.
Bei Hinterweissenstein, die Hasenmatt wird von Wolken bedrängt.

Im Nachhinein weiss man es immer besser. Am Freitagmorgen blies ich unsere Samstagswanderung ab. Wir wollten jakobspilgern, von Brienz nach Interlaken. Doch die Prognose zeigte starken Regen ab zehn Uhr morgens an. Und Gewitter dazu, was mir zu heikel war. Gestern morgen nun, als ich um fünf aufstand, sah es wieder ganz anders aus mit dem Wetter im Berner Oberland, da war – mindestens für den Vormittag – kein Regensymbol in der Karte. Und auch kein Blitz-und-Donner-Symbol. Weil ich nun schon wach war, nichts vorhatte und die Karte zur Hand, studierte ich sie gleich ein wenig. Bekam Lust auf eine Kurzwanderung, wählte den Weissenstein. Stand schon um neun Uhr in Oberdorf bei der Talstation der Weissenstein-Bahn und zog los. Knapp zweieinhalb Stunden dauerte meine Wanderung, ich hatte einen Weg gewählt, den ich noch nicht kannte: via Weberhüsli, Chlus und Hinterweissenstein zum Hotel und Kurhaus Weissenstein auf dem Vorderweissenstein. Während ich unterwegs war, begannen Wolkenfetzen heranzutreiben, sie verdeckten irgendwann die angrenzende Hasenmatt, bald sah ich das Mittelland mit der Aare tief unten nicht mehr, von den Berner Alpen weit hinten zu schweigen. Trotzdem war ich am Ende sehr zufrieden mit meiner Unternehmung, die mit der Gondelbahnfahrt talwärts endete: Genau einer Person war ich in der steilen Bergflanke zwischen Oberdorf und Hinterweissenstein begegnet, sehr entspannend, so allein durchs Gelände zu zotteln. Blumenwiesen und Trockenmauern hatten mich erfreut. Mein vor drei Monaten durch einen Sturz in der Dusche zuhause ramponiertes Sprunggelenk hatte mich keinen Moment geplagt. Und die herandräuenden Wolken hatten ein wenig Dramatik in den Tag gezaubert, ohne dass ich in den Regen geraten war, der kam erst später. So war mein Samstag, der mich auf Solothurns Hausberg geführt hat. Und nun hoffe ich, dass es nächstes Wochenende klappt mit dem Pilgern am Brienzersee.

Trockenmauer bei Vorderweissenstein.

Mein Ziel: Das Hotel und Kurhaus Weissenstein.

Samstag, 8. Juni 2024

Der flüssig gewordene Ueli

Widmer greift zu, gleich zischts.
Kürzlich gönnten wir uns im Zug heimwärts ein Ueli-Bier, wir hatten es im Bahnhof von Basel gekauft, zu welcher Stadt es ja auch gehört. Dies ist ein echtes Pioniergetränk, entstanden lange bevor es den Trend zum lokalen Bier gab. Alles begann damit, dass ein Arzt 1974 in Kleinbasel ein Restaurant erwarb, die "Fischerstube". Für den eingefleischten Kleinbasler war klar, dass für sein Lokal bloss ein Bier in Frage kam, das ganz in der Nähe gebraute Warteck-Bier. Bloss lieferte die Warteck-Brauerei nicht. Die Brauereien waren damals untereinander in einem Kartell organisiert, das noch bis 1991 überlebte, jede Wirtschaft war fix einer Brauerei zugeordnet. Die "Fischerstube" hätte ein Bier aus Frenkendorf BL auftischen müssen. Der Besitzer wollte das nicht. Und richtete im hinteren Teil seines Restaurants eine Kleinbrauerei ein, in der nun das hauseigene "Ueli" gebraut wurde, so benannt nach der Figur, die am "Vogel Gryff" Geld für gute Zwecke sammelt. So begann, was bis heute andauert, ich ging auch schon in der "Fischerstube" essen, bewunderte das Sudhaus hinter der Glasscheibe und bestellte, selbstverständlich, ein Ueli-Bier.

Freitag, 7. Juni 2024

Gilberte und der Burgunder

Aufstieg von St-Ursanne durchs pflotschnasse Gras nach Outremont.

Mont Terri im Nebel.

Nass wars, als wir am Montag von St-Ursanne via Outremont, Sous le Bois, Derrière-Monterri, den Mont Terri, St-Gilles, Paplemont und Courtemautruy nach Courgenay zogen. Sehr nass, auch wenn es nicht mehr regnete. Der Kalkstein war rutschig, von den Bäumen tropfte es, an den Grashalmen haftete Wasser. Und feucht war die Luft, als wanderten wir in einem Regenwald. Andere Leute waren nicht unterwegs, wir hatten das Gelände für uns, sahen freilich nicht weit, Nebel waberte. Den höchsten Punkt des Mont Terri, in einem kurzen Abstecher von der Schulter unterhalb erreichbar, liessen wir darum aus. Nach vier Stunden erreichten wir Courgenay. Liessen uns im Restaurant La Petite Gilberte nieder, so benannt nach der jungen Frau, die in diesem Haus, damals "Hôtel de la Gare", während des Ersten Weltkriegs servierte und von den Soldaten und Offizieren schwärmerisch verehrt wurde. Kann man alles nachlesen und sich auch das Lied anhören, das die Gilberte de Courgenay verewigt hat. Uns interessierte etwas anderes: die Karte. Bald hatten wir einen Burgunder auf dem Tisch, kurz darauf kam das Essen, Forelle à la meunière und Morchel-Croûte. War beides hervorragend. Wir waren uns denn auch einig, dass wir wiederkommen werden. Um noch einmal im "La Petite Gilberte" zu essen. Und um den Mont Terri ganz zu besteigen und von ihm aus in die Weite zu schauen.
Die Croûte aux Morilles. (Foto: Ronja)
Tischset im Restaurant.