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Montag, 30. Juni 2014

Emil, der Bernhardiner und das Pony

Wo ist das Gewitter? Zwischen Sitz und Landscheide, Gemeinde Schwellbrunn.
Thonsalat im Restaurant Landscheide
Am Samstag ein moderater Fünfstünder: von Gossau SG via Zellersmüli, Ramsenburg, Stuel, Lehn, Hinter Wiesen und Rötschwil nach Schwellbrunn und weiter über Högg, Risi, Sitz, Landscheide, Arnig, Chäseren, Aemisegg nach St. Peterzell. Erfreulich war die Einkehr, wir assen im abgelegenen Restaurant Landscheide zu Mittag, das war einfach und sehr gut; lustig, wie der Bub des Wirtepaares, vielleicht achtjährig, uns Teller um Teller servierte und vor Begeisterung strahlte, weil die Gerichte so schön aussahen. Brutal war, dass Freund R. zwei Bienenstiche kassierte und der arme Hund Emil von einem bösen alten Bernhardiner gebissen und später von einem absurd zudringlichen Pony belästigt wurde. Und kurios war, dass die meteorologischen Instrumente zwar schwere Regengüsse und Gewitter ankündigten, wir aber trocken in St. Peterzell ankamen. Es war unser Ersatzziel. Wir hätten eigentlich von der Landscheide über das Wilket nach Brunnadern halten wollen, revidierten den Plan aber und wählten eine kürzere Route, weil eben fälschlicherweise die Wetterdienste darauf hindeuteten, dass ein Unwetter aufkommen würde. Man sollte weniger aufs Smartphone schauen und mehr auf den Himmel; der hatte lieb ausgesehen.
Das Kretendorf Schwellbrunn AR, das ich gern "Klein Kabul" nenne.

Sonntag, 29. Juni 2014

Abnehmen und aufnehmen

Die Facebook-Seite von H.R. Fricker (Screenshot).
Der Trogner Künstler H.R. Fricker ist ein Facebook-Freund von mir - letztes Jahr bekam ich mit, dass er viel und bei jedem Wetter wanderte; seine Fotos bezeugten es. Grund seines Tuns war, dass ihm der Arzt mehr Bewegung verschrieben hatte, worauf er beschloss: Wenn schon abnehmen, dann auch gleich aufnehmen. Im Kulturheftli Saiten las ich darüber einen Artikel und erfuhr, dass es jetzt in Speicher im "Museum für Lebensgeschichten" eine Ausstellung mit Frickers Facebook-Fotos gibt. Ah ja, der Künstler hat, so "Saiten", im 2013 durchs Gehen immerhin 15 Kilo verloren.

Samstag, 28. Juni 2014

Sie thinken sehr, sehr big dort oben

Vals GR soll einen Doppelsee bekommen. (Wikic./ paebi)
Wenn das nur gut geht! Heute wandern wir in der Ostschweiz, weil es dort föhnt und das schlechte Wetter sozusagen Verspätung hat. Wir wollen von Gossau hinauf nach Schwellbrunn und weiter via Wilket nach Brunnadern; ich hoffe, wir geraten nicht in ein Gewitter.

Wenn das nur gut geht! Gestern las ich im Tagi, dass sie in Vals offenbar immer mehr dem Motto "Think big" frönen. Sie thinken sehr, sehr big dort oben. Unter der Ägide des heimischen, nicht unumstrittenen Multimillionärs Remo Stoffel soll ein Luxushotel entstehen, dessen billigste Zimmer 1000 Franken pro Nacht kosten. Dazu kommt vom japanischen Stararchitekten Tadao Ando ein Wasserpark: zwei Seen auf dem Talboden mit einem 350 Meter langen Steg, der direkt in den Dorfkern führt. Im Sommer kann man die See durchwaten, im Winter auf ihnen schlittschüelen. Das klingt super, aber auch ein wenig grössenwahnsinnig und erst-aprilig. Wenn das nur gut geht!

Freitag, 27. Juni 2014

Grille grillen!

Mich erinnert die Grille an einen
Panzerzug wie diesen deutschen aus
dem zweiten Weltkrieg in Russland.
Die Maulwurfsgrille vom Dienstag verdient einen Nachtrag; sie löste nämlich diverse Einträge auf Facebook und anderswo aus. Ich erfuhr von einem Freund und fand es beim Nachschauen in der guten alten Wikipedia bestätigt, dass das plumpe Ding mit dem Kopfpanzer tatsächlich fliegen kann. Gott bewahre! Eine Facebook-Freundin assoziierte "Languste", und plötzlich kam die Fantasie auf, die Grille zu kochen und an einer Tomatensauce anzurichten (die Grille grillen wäre ein anderes Verfahren). Zudem lernte ich, dass man die Maulwurfsgrille im Dialekt je nach Gegend "Werre" oder auch "Wiri" nennt. Und mein Tagikollege David steuerte eine Anekdote aus seiner Zürcher Oberländer Frühgeschichte bei.
"Wir haben in der Kindheit diese Viecher zu Hunderten gefangen. Einfach Seifenwasser in die Löcher im Rasen lassen, dann kommen sie von selbst raus. Hatten sogar ein 'Terrarium' im Schulzimmer. War eine ziemlich grausame und unapptitliche Sache."

Donnerstag, 26. Juni 2014

Die Brücke von Sigriswil

Sigriswils Hängebrücke aus der Gummischlucht betrachtet.
Auf der Brücke, Rückblick Richtung Aeschlen.
Jedes Jahr veranstaltet die "Schweizer Familie" ihren nationalen Wandertag, jedes Jahr mache ich die Vorreportage, die eine der drei vorgesehenen Routen präsentiert. Heuer findet das Gehhappening im Raum Thunersee/Spiez statt. Gestern war ich als Reporter unterwegs, wanderte dreieinhalb Stunden, notierte Dinge, sprach mit ein paar Leuten. Ich startete in Gunten bei der Schifflände, zog leicht erhöht über dem See Richtung Ralligen, hielt dann aufwärts nach Sigriswil und zur formidablen Grabenmühle; dort kann man Gold waschen, fischen oder ein Alpakagilet aus eigener Zucht kaufen. Das gefiel mir alles ausgezeichnet, ich war angetan und hatte immer wieder Weitblick zum Niesen. Hernach ging es abwärts zum Höhepunkt der Wanderung, zur noch einigermassen neuen Fünf-Millionen-Franken-Hängebrücke zwischen Aeschlen und Sigriswil. 340 Meter lang ist sie und quert 182 Meter über Grund die Gummischlucht. Ich beging die Brücke und war beeindruckt - diese Eleganz, dieses Nichtschwanken trotz vieler Begeher, dieses wilde Rauschen aus der Tiefe. Zum Schluss zog ich die Gummischlucht hinab wieder zur Schifflände Gunten. Dort kam grad ein Schiff an, ich stieg zu und schipperte mit Schweizer Rentnern und fotografierenden Asiaten nach Thun. Doch, ein guter Tag. Heute will ich nun meine 10 000 Zeichen schreiben, das wird anstrengend.
Doch, sie ist schon ein elegantes Ding.

Mittwoch, 25. Juni 2014

Der Sihlsee und sein Urahn

Der Sihlsee. Der heutige. (Bild: Wikicommons/ Tschubby)
Gewusst? Lange vor dem heutigen Sihlsee, der in den Dreissigerjahren des letzten Jahrhunderts entstand und der grösste Stausee der Schweiz ist - lange vor unserem heutigen Sihlsee gab es einen Ur-Sihlsee. Während der letzten Eiszeit nämlich bedeckte ein Gletscher das heutige Seegebiet und bildete gegen Norden Moränen, natürliche Wälle. Als der Gletscher schmolz, stauten die Moränen sein Wasser. Das war vor gut 15 000 Jahren, der Ur-Sihlsee war etwas grösser als der heutige, Studen und Unteriberg hätten Uferanstoss gehabt. Über die Jahrtausende führten die Minster und die Sihl dann allmählich soviel Geschiebe heran, dass das prähistorische Gewässer verlandete; es entstand ein Hochmoor. Quelle: Patrik Litscher, "Schwyz zu Fuss", Rotpunktverlag, 2014.

Dienstag, 24. Juni 2014

Das Monster vom Chaltbrunnental

Läck, ist das ein hässliches Vieh! Ich weiss, das ist jetzt  politisch nicht korrekt. Aber es ist leider das erste, was mir durch den Kopf ging, als Wanderfreundin Katharina mir am Samstag ihr Handy mit dem Foto entgegenstreckte. Katharina sagte, das Tier sei gut fünf Zentimeter lang gewesen, und gesichtet habe sie es im Chaltbrunnental in der Nähe von Grellingen BL. Es handle sich um eine Maulwurfsgrille.

Die Maulwurfsgrille, soweit meine Nachforschung,
  • lebt unterirdisch wie der Maulwurf, erzeugt aber ähnliche Laute wie die Grille, daher ihr Name.
  • hat einen Chitin-Kopfpanzer, der ihr das charakteristische Aussehen verleiht.
  • gräbt Tunnelsysteme von mehreren Metern Länge.
  • duelliert sich, falls ein Männchen, mit ihresgleichen, indem die Schaufeln als Waffe eingesetzt werden.
  • sondert ein Sekret ab, das in Asien als Heilsalbe verwendet wird.