Gesamtzahl der Seitenaufrufe

Dienstag, 4. Februar 2020

Wilde Nacht

Bei den alten Griechen ist es
Götterchef Zeus höchstpersönlich,
der für das Wetter zuständig ist. Bei
dieser Statue handelt es sich um den
"Zeus von Otricoli", eine römische
Kopie des griechischen Originals.
(Wikicommons)
Wahnsinnig, wie das in den letzten Stunden gestürmt hat. Selten erwache ich des Wetters wegen. Diese Nacht war es so. Sturmtief Petra holte mich um vier aus dem Bett. Mit einer Kindermischung aus Faszination und Bangigkeit sass ich in der Küche, hörte die Regensalven ans Fenster knallen und den Wind heulen. Ich hoffe, die Schäden im Land halten sich in Grenzen. Guten Morgen, liebe Schweiz, was für eine wilde Nacht wir da überstanden haben!

Montag, 3. Februar 2020

Die Bahnfürsten von Chur

Das monumentale Haus ist Neorenaissance, vom Stil her. Der Park ist ebenso gewaltig. Skulpturen wachen über dem Eingang. Wer bitte  residiert hier so fürstlich, mitten in Chur an der Bahnhofstrasse? Es ist die Rhätische Bahn. Ich fotografierte ihr 110 Jahre altes Hauptgebäude gestern Morgen um neun auf dem Weg zur Unteren Gasse, wo im Kulturlokal Werkstatt ein Auftritt von mir gemeinsam mit dem Märchenerzähler Andreas Sommer anstand. Zwei Dinge zu meinem Tag: Erstens ist Chur am Sonntagmorgen tot. Die Restaurants, an denen ich vorbeikam, waren alle zu. Passanten hatte es kaum. Zweitens gelang uns die Show. Das soll nicht vermessen klingen. Ich bin durchaus fähig zu merken, wenn es nicht gut läuft. Und auch nicht so eitel, dass ich einen Flop nicht zugeben könnte. Ich denke aber fest, dass dem Werkstatt-Publikum unsere Arbeitsteilung gefallen hat: Fakten und Fantasie. Ich präsentierte vier Bündner Steine aus meinem jüngsten Buch. Und Andreas steuerte jeweils ein Märchen bzw. eine Sage bei, die das Thema des Steins (die alten Römer, Hexen, Galgen, Menhire) aufnahm. Die Sagen- und Märchentage Chur, in deren Rahmen wir auftraten, laufen übrigens bis 9. Februar, das Programm ist reichhaltig.

Sonntag, 2. Februar 2020

Endlich, die Baarburg!

Die Heiligkreuzkapelle an der Flanke der Baarburg.
Die Rigi von der Baarburg aus.
Das Restaurant Baarburg in Baar.
Ich weiss nicht, wieviele Male ich schon an der Baarburg vorbeifuhr. Unterwegs von Zürich nach Zug, unterwegs von Zug nach Zürich. Und immer sah ich sie auf der Höhe von Baar von ganz nah und dachte, dass ich einmal hinauf will. Gestern erkundete ich den 683 Meter hohen Hügelberg, der oben markant flach ist und schon in der Bronzezeit den Menschen rundum als Fluchtort diente. Und nun bin ich also mit der Baarburg vertraut und werde mit einem ganz anderen Gefühl an ihr vorbeifahren, unterwegs von Zürich nach Zug, unterwegs von Zug nach Zürich. Ich bin sehr zufrieden, endlich, endlich oben gewesen zu sein.

Samstag, 1. Februar 2020

Schafft es Clavaleyres?

Clavaleyres Wappen.
Die Minigemeinde Clavaleyres mit ihren 50 Leutchen ist eine Exklave, eine Berner Insel, umgeben von Freiburger und Waadtländer Territorium; eine Sprachinsel ist es auch, man spricht Deutsch, die rundum aber Französisch. Die kleine Gemeinschaft ist kaum noch überlebensfähig, so ist es mittlerweile praktisch unmöglich, alle Ämter zu besetzen. Nun will Clavaleyres mit einer grossen Gemeinde fusionieren. Mit dem Städtchen Murten. Die Vision ist kühn, denn Murten liegt zwar in der Nähe, gehört aber zum Kanton Freiburg. Ein solcher Übertritt einer Schweizer Gemeinde zu einem anderen Kanton hat bisher noch nie funktioniert. Simpel ist er nicht. Am 9. Februar gibt es in beiden beteiligten Kantonen Volksabstimmungen. 950 000 Menschen gehen somit an die Urne, um über 50 Menschen zu entscheiden. Gestern gabs zu dem kuriosen Geschäft eine schöne Reportage in der NZZ. Ah ja, die Sache ist noch nicht geregelt, falls in einer Woche ein Ja resultiert. Dann muss nämlich noch der Bund, konkret der National- und Ständerat, zustimmen. Auch wenn es nur um einen Quadratkilometer Landesfläche geht.

Freitag, 31. Januar 2020

Zürich, Basel, Tschau Sepp

Halb oben auf dem Basler Münster.
Blick vom Münster über den Rhein zum Roche-Turm.
Gestern war ich mit meinem zwölfjährigen Neffen unterwegs. Er reiste aus dem Appenzellerland an, ich nahm ihn um acht Uhr morgens in Zürich in Empfang. Hier unser Tagesprogramm, das bis fünf Uhr Nachmittags dauerte; dann fuhr er von Zürich wieder heimwärts.
  1. Im Parkhaus Opéra auf dem Zürcher Sechseläutenplatz schauten wir uns im Untergeschoss die archäologische Dauerausstellung an. Sie zeigt Pfeilspitzen, Fischnetzgewichte, Ahlen usw., Gegenstände, die 5000 bis 6000 Jahre alt sind, Relikte der Menschen von einst, die an den Ufern des Sees siedelten.
  2. Im Sprüngli am Paradeplatz gabs Zmorge: Müsli, heisse Schokolade, Gipfeli.
  3. Danach fuhren wir nach Basel, das Zürcher Vorprogramm war Zeitverzögerung gewesen, weil die Basler Schnarchnasen das Antikenmuseum erst um elf Uhr öffnen. Im Zug spielten wir Tschau Sepp, mein Neffe gab mir einleitend einen kleinen Wiederauffrischungskurs.
  4. In besagtem Basler Museum schauten wir uns die Gladiatorenausstellung an, ich das zweite, mein Neffe das erste Mal. Ich fand meinen zweiten Durchgang interessanter als den ersten. Intensiver. Mit Kindern ist man langsamer unterwegs. Man sieht daher mehr.
  5. Im indischen Restaurant Cardamom am Barfüsserplatz assen wir. Das Lokal hatte mein Neffe ausgesucht. Vor und nach dem Essen spielten wir Tschau Sepp.
  6. Wir stiegen auf den einen Turm des Basler Münsters. Unglaublich, diese enge Wendeltreppe mit dem Seil, das war steiler als manche Bergflanke. Drei Galerien auf verschiedener Höhe stehen für den Ausblick zur Verfügung. Wir besuchten sie alle. Der Neffe, SAC-Mitglied und Nachwuchs-Alpinist, war begeistert.
  7. Im Basler Bahnhof spielten wir bei einem Kafi ein paar Runden Tschau Sepp.
  8. Die Treppe im Münsterturm ist steil. Gut, gibts ein Seil.
  9. Im Zug nach Zürich spielten wir schon wieder Tschau Sepp. Die Tagesbilanz: Von den sieben Matches mit jeweils mehreren Partien hat mein Neffe vier gewonnen. Ich demnach drei. Ich war mit dem Resultat sehr zufrieden, das war ein harter Gegner. Müde kam ich zuhause an.

Donnerstag, 30. Januar 2020

Die hohen Damen von Schänis

Das ehemalige Damenstift und die Kirche von Schänis SG.
(P. Wenig/Wikicommons)
Klöster sind halt einfach faszinierend. Das dachte ich am Samstag in Schänis vor der Kirche und dem ehemaligen Damenstift; sie bergen Geschichte und Geschichten. Ein paar Dinge zum Kloster von Schänis:
  • Es wurde wohl zur Zeit Karls des Grossen gegründet. Wie andere Klöster auch unterhielt es auswärts Amtshäuser. Niederlassungen, von denen aus die Besitzungen in der entsprechenden Gegend verwaltet wurden. Das Amtshaus des Klosters Schänis in Zürich stand auf dem Münsterhof.
  • Schänis war ein Stift speziell für adelige Damen. Salopp gesagt: Noble Familien deponierten dort jene Töchter, die sie nicht verheiraten konnten. Oder die nicht heiraten wollten oder jedenfalls nicht den Kandidaten, der ihnen verordnet worden war. Die Regeln des Schäner Stifts waren locker, ein eigentliches Gelübde gab es nicht. Wer eintreten wollte, musste allerdings den eigenen Stammbaum vorzeigen und darauf hochadelige Vorfahren nachweisen, in gewissen Zeiten waren bis zu 16 davon nötig.
  • 1529 kam die Reformation, die Schäner stürmten Kirche und Kloster. Ein bisschen voreilig war das, 1531 setzten die sehr katholischen Schwyzer die Gegenreformation durch, Kirche und Kloster wurden wieder eingerichtet und eingesetzt. Erst 1811 schloss das Damenstift von Schänis dann dauerhaft, nachdem Napoleons Truppen die alte Ordnung der Eidgenossenschaft weggefegt hatten.

Mittwoch, 29. Januar 2020

Spartanisch essen

Schwarzsauer. (Wikicommons)
Gestern las ich ein paar Dinge über das alte Griechenland nach und stiess im Zusammenhang mit Sparta wieder einmal - in der Kanti Trogen hatte ich das erste Mal von ihr gehört - auf die Blutsuppe. Die Spartaner legten bekanntlich Wert darauf, frugal zu leben und dem Genuss keinen Raum zu geben. Eines ihrer demonstrativ dies vorführenden Gerichte war die Blutsuppe aus Schweineblut, Schweinefleisch, Essig und Salz. In Norddeutschland gibt es eine solche Suppe auch heute, das Schwarzsauer: Schweineblut, das durch Beigabe von Essig gerinnt. Und gleich noch ein Blick nach Polen: Dort existiert die Czernina, eine Entenblut-Suppe. Ist mein Blog nicht nützlich? Wer nicht weiss, was er heute Mittag kochen soll - voilà! Wobei, halt, man müsste ja zuerst einen Metzger finden, der einem Schweine- oder Entenblut verkauft.